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Monodialoge, Ungewissheiten und Haarfett aus Rücksicht

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Mitten in der Nacht davon aufgewacht, dass ich laut zu R sagte: „Das Tragische ist: Das Leid, das du hervorrufst, willst du nicht sehen.“

Was für ein Traum das gewesen sein muss. Ein Glück kann ich mich nicht dran erinnern.

Ein soeben im wachen Zustand geführter Gedankendialog brachte dagegen eine hilfreichere Erkenntnis zutage: „Wenn du mich so sehr liebst, wie du immer sagtest, habe ich nichts zu befürchten. Und wenn nicht, habe ich nichts zu verlieren.“

Er hat sich noch immer nicht bezüglich heute Abend gemeldet. Vielleicht fürchtet er sich so sehr davor, mich zu kontaktieren. Vielleicht hält er es auch einfach nicht für nötig, mir früher als in der letzten Sekunde bescheidzugeben. Vielleicht hatte er auch von vornherein vor, Marketa zu versetzen, und verlässt sich darauf, dass Wolfgang ihm irgendwann seinen Perso bringt. Das wird nur nicht passieren, weil ich Wolfgang darüber in Kenntnis gesetzt habe, dass R heute selbst vorbeikommt, um sein Zeug zu holen.

Man wird sehen. Jedenfalls wäre es wünschenswert, dass ich das gerade Festgestellte im Hinterkopf behalte, um in beiden Fällen die Ruhe zu bewahren.

Nun muss ich duschen und mich anziehen, da mich Marketa gebeten hat, etwas für sie auszudrucken, und ich ihr in diesem Zustand nicht unter die Augen treten kann. Und das will schon was heißen, weil es Marketa nun wirklich egaler nicht sein könnte, wie man aussieht. Einen Minimalanspruch an mich selbst habe ich dennoch, und dem bin ich gestern bereits nicht mehr gerecht geworden. Meine Rettung gestern war das abscheuliche Regenwetter, das es fast unmöglich machte, einen Unterschied zwischen fettigen und verregneten Haaren festzustellen – ich habe extra weder Regenschirm noch Mütze mit auf den Weg zum Notar genommen.

Dass ich schon wieder so lange nicht geduscht habe, lag diesmal weniger als sonst an mangelnder Willenskraft, sondern vielmehr an der grenzenlosen Inkompatibilität meines Tagesrhythmus mit dem meiner Mutter, die gegen halb sechs Uhr aufzuwachen pflegt und sich entsprechend teilweise zu Zeiten ins Bett begibt, zu denen ich noch Stunden nicht daran denken könnte. Als ich Montag also gedachte, mich abends einer dringend nötigen Körperpflegeprozedur zu unterziehen, übersah ich dabei die Tatsache, dass mir die üblicherweise hierfür verwendeten zwanzig Minuten vor dem Zubettgehen nicht zu Verfügung stehen würden, sofern ich nicht beabsichtigte, meine ohnehin schon infolge des (wenn auch eigenhändig verursachten) Dramas des Tages angeschlagene Mutter durch spätabendliche Lärmbelästigung weiter gegen mich aufzubringen.

Wie dem auch sei, nun habe ich keine Ausrede mehr. Dem Ebay-Menschen habe ich gerade schon im Schlafanzug sein Ahornblatt überreicht; er wird der letzte Mensch diese Woche gewesen sein, der die heruntergekommenste Version von mir zu Gesicht bekam.

Nothing at all

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Mike ist nicht gekommen, weil er sich erkältet hat. Da freut man sich einmal im Leben, dass man sich mit Mike trifft, und dann sagt er ab.

Immerhin besitzt Mike den Anstand, Verabredungen abzusagen. Von Basti werde ich vermutlich wieder ein halbes Jahr nichts hören, nachdem er – oh Wunder – nach unserem Gespräch letzten Dienstag weder wie angekündigt weiter von seinem Fahrschul-Tablet aus mit mir Kontakt aufgenommen hat noch – welch Überraschung – am Sonntag wie überlegt zu mir kam. Ohne einen Ton von sich zu geben. Ich hatte schon Recht damit, ihn aus dem Fenster schmeißen zu wollen. Was nützt einem ein Freund, der es nicht für nötig hält, in bittersten Notlagen einem a) zur Seite zu stehen oder zumindest b) abzusagen.

Naja. Auf diese Weise musste ich heute zumindest nicht duschen oder staubsaugen. Dafür habe ich bis Sonntag die Verantwortung für die Nachbarskatze und muss also tatsächlich nachher noch die Wohnung verlassen, um die Gute zu füttern.

Die Heizungen wurden heute abgelesen. Ich hatte natürlich vollkommen verdrängt, dass bereits der 5. ist, und war entsprechend erleichtert, dass ich die Wohnung nicht ganz und gar hatte verkommen lassen, sodass ich mich für den Zustand meines Zuhauses nicht übermäßig schämen musste und dem Ablesemenschen außer der Schale mit Canna und Zieringwer, die im kleinen Zimmer überwintert, nichts weiter im Weg stand.

Wirklich. Ein Glück habe ich es relativ aufgeräumt gehalten. Es sieht nicht schlimmer aus als üblich, eher im Gegenteil. Nur der Boden ist halt schon kritisch. Bevor Mama kommt, sauge ich.

R hat sich heute Früh gemeldet, ob sein Perso noch in meinem Kopierer liegt. Das war tatsächlich der Fall. Er hat sich Mühe gegeben und die Nachricht mit „Hallo, hoffe, dir geht’s gut soweit.“ begonnen. Vermutlich als direkte Konsequenz meiner vorsorglichen Bitte, in etwaigen schriftlichen Nachrichten nicht ganz so kalt zu sein, um mein sowieso übermäßig ausgeprägtes Gefühl des Egalseins nicht mehr als nötig zu verstärken. Klar ist das nun beileibe nicht die herzlichste Nachricht, die ich je erhalten habe, aber ich muss anerkennen, dass er es – wider seine Natur – zumindest versucht.

Ich habe ihm mitgeteilt, dass es mir tatsächlich besser geht; er schrieb „Cool, freut mich.“

Das Traurige ist, dass dies seiner Vorstellung von ’nicht kalt‘ entspricht.

Wir sind einfach kein Stück kompatibel.

Er leidet einfach kein bisschen unter dieser Trennung.

Er braucht mich nicht, so überhaupt nicht, entgegen allem, was er zuvor dachte und sagte. Und, während das erstmal gar nicht schlimm ist, das Gravierende: er vermisst mich nicht. Ich will nicht gebraucht werden, ich will gewollt werden. Aber nein, er hat es einfach abgestellt. Es ist gar nichts mehr übrig.

Würde er nur einfach zu diesem Ergebnis kommen und mich ein für allemal absägen, dann wäre es endlich vorbei. Ich bin nicht stark genug, um es für ihn zu tun.

Vielleicht weiß er es schon und möchte sich nur eine Zeitlang vergewissern. Das wäre in Ordnung, das würde ich auch so machen. Vielleicht dauert es nicht mehr lange. Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange.

Zehn Stunden Schlaf.

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Wolfgang hat sich gestern Nachmittag gemeldet. Er habe gehört, was bei uns los ist. Falls ich jemanden zum Reden bräuchte, noch sei er ja hier. So wie er für R da sei, sei er auch für mich da.

Ich bin vor Rührung und Erleichterung in Tränen ausgebrochen, als ich das gelesen habe, denn ich möchte nichts lieber tun als mit Wolfgang reden. Zum einen weil ich mir über ihn in seiner Funktion als R’s bester Freund ein Verständnis von dessen emotionaler Welt erhoffe, zu der er mir selbst den Zugang nicht bietet, und es mir mit seiner Hilfe vielleicht besser gelingen könnte, zwischen Projektion und Tatsachen zu differenzieren. Und auf der anderen Seite schätze ich Wolfgang als Mensch so sehr. Dass er in anderthalb Monaten wegzieht, ist ein weiterer herber Verlust, den ich werde wegstecken müssen.

Vielleicht war es diese unerwartete wunderbare Geste, die dazu führte, dass ich heute Früh um sieben die Panik bezwingen und nochmal einschlafen konnte – vielleicht war es auch einfach der nächtelang akkumulierte Schlafmangel in Kombination mit der täglichen Dosis Baldrian. Wie auch immer, ich habe bis nach zehn Uhr geschlafen und hätte rein vom Körpergefühl her wahrscheinlich nochmal so lange dranhängen können. Dafür war die Wand, die der Schlaf zwischen das Drama und meine Gedanken schiebt, dann aber doch zu dünn. Ist man erstmal wach, sickert alles in Sekundenschnelle durch.

Ich frage mich, ob es noch furchtbarer wird, wenn die Beziehung endgültig hinüber ist. Oder ob es wieder von vorne anfängt, der Schock, der Schmerz. Ob alles, was ich an Heilungsarbeit jetzt vollziehe, nicht in diesem Moment wieder zerstört wird. Oder ob es eine Befreiung wird, die mir erlaubt, nach vorne zu blicken un mich neu zu erfinden. Vielleicht bin ich bis dahin so weise, dass es so kommt. Unwahrscheinlich, aber möglich.

Fateful Friday

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Mike hat mir abgesagt. Allerdings erst eine halbe Stunde bevor wir uns treffen wollten, sodass ich trotzdem geduscht und angezogen dem restlichen Tag ins Auge sehen konnte – etwas, das niemals passiert wäre, hätte ich von vornherein gewusst, dass die Notwendigkeit nicht besteht. Wir haben das Treffen auf Dienstag verschoben. Mein antisozialer Anteil war heilfroh, heute so knapp nochmal davonzukommen, und beißt sich im Angesicht der Aussicht in den Bauch, am Dienstag gleich zweimal das Haus verlassen zu müssen, aber gerade deshalb sollte ich mich als Gesamtperson über genau dieses Herausgerissenwerden doch wirklich freuen.

In etwa einer Stunde müsste R zu Hause sein und bekanntgeben, wie es um seine Ausbildung bestellt ist. Nachdem das Praktikum sich als relativ harter Brocken erwiesen hat, aus dem er zwar das Beste gemacht hat, aber zumindest zwischenzeitlich nicht unbedingt zu hundert Prozent zuversichtlich hervorging, dürfte dieser letzte Tag, mehr noch als für die Entscheidung der Firma, für seine eigene Einschätzung der Dinge maßgeblich gewesen sein. In jedem Fall darf ich gespannt darauf sein, was er berichtet, wenn er ankommt.

Ähnlich neugierig, auch wenn es in keinem Verhältnis zueinander steht, bin ich, was der morgige Tag wohl bringt. Meinem exorbitanten Spoilerhass entgegenkommend hat R bislang nur verlauten lassen, dass wir unsere Pedelecs dafür brauchen und Yannick mit von der Partie sein sollte – und dass wir rechtzeitig wieder zu Hause sein werden, um uns abends mit den Nachbarn zu treffen. Was ich davon halten soll, ist mir (zum Glück) unbegreiflich. Fahrradfahren bei diesen klimatischen Verhältnissen versuche ich unter normalen Umständen so gut es geht zu vermeiden. Yannicks Rolle in dem Unterfangen ist ebenso ein Mysterium, zumal es (so viel weiß ich dann doch schon) nichts mit dem als mein Weihnachtsgeschenk noch ausstehenden Flohmarktbesuch zu tun hat und Yannicks Gegenwart als Autobesitzer jedes Fahrrad eigentlich obsolet macht.

Aber ich werde es früh genug erfahren. Heute Abend hoffe ich erst einmal, dass R mit guten Neuigkeiten heimkommt, damit wir den Sekt, der auf der Terrasse darauf wartet, zum Zwecke des Geburtstagsnachfeierns von uns geköpft zu werden, in blendender Laune vernichten können.

Neulich am See… (Because why the hell not.)

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Wenn man bedenkt, dass ich in Heulkrämpfe ausbreche, sobald jemand in meiner Gegenwart das Wort „Poly“ auch nur in den Mund nimmt (wobei „Polyester“ noch halbwegs zu verkraften ist, „Monopoly“ dagegen schon immer unangenehme Konnotationen weckt und ich jedes Mal zu Gowai bete, dass niemand das Wort an sich aufschreibt, wenn die vier Buchstaben in entsprechender Kombination bei Boggle auftauchen)… mag es vielleicht absurd anmuten, dass ich vor etwa zwei Tagen meinen Freund bat, mich zu verkuppeln.

Dazu sollte allerdings gesagt sein, dass ich nicht davon ausgehe, tatsächlich verkuppelt zu werden. Ich bin nicht gerade leicht zu verkuppeln; nicht dass es oft Menschen versucht hätten (und das eine Mal, dass es doch versucht wurde, war es zugegebenermaßen nicht das Abwegigste, das man hätte tun können – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Susmita für den Versuch), aber man kennt ja sich und seine… wie heißt das… Schrullen. Genau. Das war’s.

Die Idee kam eigentlich sehr spontan und hatte vor allem den Hintergrund, dass ich gerne wissen würde, was für Kandidaten mir R zu Verkupplungszwecken so vorführen würde. Es würde schlichtweg an ein Wunder grenzen, wenn er es tatsächlich schafft. Andererseits sehe ich seinen Bemühungen (die, so, wie er sich darüber gefreut hat, ganz sicher irgendwann mal anlaufen werden) in dem Wissen, dass für mich dabei zunächst nichts auf dem Spiel steht, mit Neugierde entgegen. Ich bin monoamor; ich habe es schon dreißigtausendmal erwähnt, aber es muss ein weiteres Mal sein: Selbst meine Celebrity-Crushes verliefen in all ihrer übertriebenen Heftigkeit auf dem Zeitstrahl linear. Ich bin so gebaut. Mein Hirn ist nicht auf Abwechslung gepolt, nicht im Geringsten; mein Bedürfnis ist nicht das nach der Ausfüllung möglichst vieler Andockstellen, sondern die vollkommene, hundertprozentig sichere Verbindung mit einer. Ich bin mir demnach bewusst, dass eine erfolgreiche Verkupplung ohne Wenn und Aber dafür sorgen würde, dass meine Zuneigung zu (oder sagen wir, emotionale Abhängigkeit von) R ein schlagartiges Ende fände. Muss ja. Allein aus Selbstschutzgründen, da er sogleich verlauten ließ, dass aus einem Verkuppeltwerden meiner letztendlich die Öffnung der Beziehung zu beiden Seiten zu folgen habe. Und da, aller hypothetischen Bereitschaft zum Trotz, ich einen Punkt in meiner Entwicklung, an welchem ich eine solche Situation nervlich toleriere, in diesem Leben nicht mehr erreiche, werde ich die Gefahrenquelle fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.

Aber wie erwähnt – ich bin nicht der Meinung, dass es geschehen wird. Kann nicht. Passt in meine Matrix nicht. Auch wenn ich mir sicher bin, dass, was hier den Eindruck einer Abwehrhaltung hervorrufen könnte, mich nicht davon abhalten sollte, etwaigen Ereignissen diesbezüglich offen in die Augen zu blicken.

Hypothesen und Vorhaben

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Oh Shit, mir wird immer noch schlecht, wenn ich das Bild von da unten sehe.

Abgesehen davon: Ich habe mir mal wieder Gedanken gemacht (zu viele davon, um ehrlich zu sein), was passieren würde, wenn ich mal schwanger werde. Ich überlege mir das ab und an und komme je nach Stimmungslage zu unterschiedlichsten Ergebnissen. Das positivste unter ihnen habe ich eindeutig heute erreicht, als ich mir auf einmal dachte, hey, es wäre doch eigentlich wirklich zu überleben. Zumindest zeitpunkttechnisch. Ich bekomme mein Studium fertig, ich bin psychisch ganz gut drauf, meine Eltern leben in der Nähe. Meine Großeltern leben noch (und würden sich, wenn auch über alle Maßen schockiert, ganz sicher ’ne Packung Kekse freuen). Ich hab‘ Unterstützung von meiner Familie und finanzielle Rücklagen auf der anderen Seite. Und ich habe genug Vertrauen in R, um anzunehmen, dass er sich trotz seiner erklärten Abneigung gegen die Vorstellung, sich zu reproduzieren, nicht so ohne Weiteres aus dem Staub machen würde.

So viel dazu. Ich bin heute eh super stabil, früh aufgewacht und schon produktiv gewesen – nach einer Woche Untätigkeit habe ich tatsächlich wieder mal ein bisschen was BA-mäßiges gearbeitet und immerhin ein paar Absätzchen zustandegebracht. Gleich geht’s Essen retten (allein – Jana hat abgesagt, weil ihr Sohn Fieber hat) und heute Abend kommt Sarah zum Proben. R ist auch auf dem Rückweg und wird so ungefähr gleichzeitig mit Sarah hier eintrudeln. Er rief gestern Abend noch an und berichtete nebulös von irgendwelchen Pseudodramen, die sich bei ihm in der Familie abgespielt hätten; ich schätze mal, nichts zu Dramatisches. Eher so in Richtung „das Übliche“, wie ich es von meinen Eltern auch nicht anders kenne.

Jetzt gehe ich mich umziehen. Der Rest des Tages wartet.

Wanda.

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„Egunak oraindik ez du argitu baina… oskarbi dago zerua.“

Nein, andersherum. Egunak argitu du orain baina hodeitsu dago zerua. Hodeitsu dago egun osoa.

Ich bin müde, und das ist noch leicht untertrieben. Aber natürlich kann ich jetzt nicht schlafen, sonst bin ich ja tot, wenn ich nachher zu Lisa fahre. Und danach ist Probe mit Sarah und Moritz, also vorerst keine Chance auf Erholung von den Strapazen der letzten Nacht.

Kepa hat mich angerufen, während ich in der Uni war. Wenn ich nur wüsste, was er wollte. Nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich gerade in Euskera sitze, hat er sich geweigert, es mir mitzuteilen. Er würde es dann später nochmal versuchen, sagte er. Ich habe ihn zurückgerufen, als ich rauskam, aber er ging nicht ran. Er macht mich noch vollkommen fertig macht mich dieser Mensch.

Ich schlafe jetzt einfach trotzdem. Sei ich auch nachher tot. Containern muss ich auch noch; meine Eltern kommen morgen für ihren zweiwöchentlichen Großeinkauf in die Stadt, ganz nach Schweizer Manier, und natürlich möchte ich ihnen so viel es geht davon abnehmen. Dafür nehme ich sogar in Kauf, nach der Probe nochmal loszutingeltangeln, obwohl ich bis dahin wahrscheinlich komatös bin.

Kepa schrieb mir eben, er wäre jetzt auf der Arbeit und würde mich später anrufen. Ich bin vollkommen verwirrt. Warum will er mich jetzt unbedingt anrufen, was ist denn los? Er ruft mich nie an, außer es ist etwas Dringendes. Organisatorisches meistens. Oder aber um mir zu sagen, dass ihm ich nicht über Facebook die drogendealerischen Tätigkeiten meines Hundes mitteilen soll. (Und daraus resultierte dann unser einziges, dafür aber vierstündiges Skypegespräch. Ich bin also mehr als froh, es doch getan zu haben.)

Na wunderbar. Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft und bin nunmehr paranoid, dass es was Fürchterliches ist und etwas mit Namibia zu tun hat, oder aber mit mir, oder noch schlimmer, mit Beidem, der absolute Super-GAU.
Worst Case Scenario? Lass mich überlegen. Er hat wirklich irgendwas Unentschuldbares daran gefunden, wie ich den Luxmensch in unsere Reise einschleusen wollte. Oder allgemein irgendwelche negativen Gefühle mir gegenüber. Verachtung? Oder er ist sauer? Selbst die allerharmloseste Genervtheit wäre genug, um mich fertigzumachen. Allerschlimmstenfalls wäre er darauf aus, mich zu verletzen. Natürlich ist dem nicht so, zumindest wäre das niemals sein vordergründiges Ziel. Aber was weiß ich denn, ob es nicht zwangsläufige Konsequenz aus dem ist, das er mir zu sagen hat. Ach, keine Ahnung, ich habe einfach nur eine schwammige, undefinierte Panik, er könnte mich aus dem Fenster schmeißen.

Haha, weißt du, am Ende ist es irgendwas total Stumpfes wie.. Aber mir fällt nichts ein, nichts Stumpfes, weswegen er mich anrufen sollte. Die ganze Zeit nicht bei Facebook antworten und dann auf einmal anrufen. ARGH.

Mein Kopf ist unglaublich platt, habe ich das Gefühl, nach den drei Stunden Euskera. Heute war wirklich hart. Hart, aber gut, natürlich. Daniel hat ein paarmal im Hika mit mir geredet (was Sinn macht, weil wir ja dabeisind, ihn durchzunehmen, den Hika). Ich wäre fast geschmolzen. Irgendwas ist sehr, sehr verkehrt mit mir. Das darf man gar keinem erzählen, was ich für einen merkwürdigen Hika-Fetisch habe. Wie gut, dass kaum ein Mensch die Kunst des Hika beherrscht, sonst wäre ich leichte Beute für jeden, der mich in irgendeiner Weise instrumentalisieren möchte.
Ich weiß, wer niemals erfahren darf, was es mit mir und dem Hika auf sich hat, Basti nämlich. Der würde auf der Stelle alles stehen und liegen lassen und sich daran machen, den verdammten Hika zu lernen – und er würde es schaffen – und dann würde er zeit seines Lebens nur noch Hika mit mir reden und ich müsste zusehen, wie ich es fertigbringe, nicht vollkommen wehrlos zu werden ob der Wirkung der Wörter. Es reicht ja schon, dass er anfängt, seine Facebooknachrichten mit simplen (aber nichtsdestotrotz effektiven) Wörtern auf Euskera zu versetzen. Verdammt sei mein Faible für diese Sprache, es sei verdammt. Ich komme mir wirklich vor wie.. hier. Schau. Language fetish at its best – wohl auf ewig eine meiner lebensdefinierendsten Szenen.

Whatever happened to the "right to know".

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Was für ein Chaos. Ich habe eine Stunde lang vergeblich nach meiner allerletzten Notration belgischer Gebrannte Mandeln-Schokolade gesucht, dabei die gesamte Küche von oben bis unten umgekrempelt und saß am Ende geschlaucht und resigniert mit einer zweiten Schüssel Suppe und Keyboard-Alex am Tisch (der auch eine Schüssel Suppe hatte; so viel zum Thema, ich hätte heute genug gemacht, um mich eine Woche lang davon zu ernähren). Ich kann es einfach nicht glauben. Wo ist meine Schokolade hin, ich habe sie so lange so diszipliniert aufbewahrt.

Ich würde gern dem Kepa-Pedro schreiben, wie seine Klausur heute war. Er hat fünf Stück diese Woche, eine an jedem Tag. Was es überhaupt für eine war. Ob es eine von den beiden war, für die zu lernen er sich noch vorgenommen hatte, wenn schon die anderen drei aus dem nie existenten Lernplan gestrichen wurden. Machen allerdings kann ich das nicht, der heiligen Anti-Spam-Regel sei Dank. Was dazu führt, dass ich rumhänge und komplett durchdrehe, weil alles unkommentiert ist und unverbindlich und ungeklärt und mein Kopf mir die schrecklichsten aller Dinge sagt. Ich schlage mich eigentlich noch ganz wacker bisher, werde weder von Komplexen noch random Heulkrämpfen geplagt, noch bilde ich mir ein, der ganzen Welt egal zu sein. Das muss auch mal lobend erwähnt werden und stellt definitiv einen Fortschritt dar (oder beweist mir einfach ein Mal mehr, dass die Medis Wunder wirken). Andererseits frage ich mich, ob Kepa-Pedro entgegen allem, was ich in dieser Welt je für möglich gehalten hätte, ein Player allererster Klasse ist und mich so grund- wie ahnungslos in furchtbare Verwirrung gestürzt hat. Irgendwie sträubt sich mir bald schon die Wirbelsäule ob dieser Unterstellung, aber ich habe keine Ahnung, was ich sonst annehmen soll. Das stellt dieses gewaltige Nichtvorhandensein von Kommunikation mit mir an. Warum kann nicht ein Mal irgendwas einfach einfach sein, warum. ARGH.

Und was ist überhaupt los, ich hatte so wunderbare Laune vorhin. Heute gab’s Campus-Tüten an der Uni, ich hab‘ mir gleich zwei Stück ergattert und bin hocherfreut über die wunderbare Ausbeute. Dazu kommt, dass mich Gian, mein einer Chef, heute Mittag anrief und wissen wollte, ob ich Kapazität für einen Übersetzerjob außerhalb der Arbeit hätte. Ich habe meinen ersten fucking eigenen Auftrag! Wenn du ahnen könntest, wie hyper ich heute an der Bushaltestelle vor mich hingejubelt habe.

Nach dem Gespräch mit Gian war ich kurz zu Hause, dann schnell bei der Tafel, dann wieder zu Hause, dann wieder in der Uni – Hasan Bey hat uns wieder Kürbis aus seinem Garten mitgebracht; diesmal habe ich auch etwas genommen und die Hälfte davon gleich im Anschluss mit Kartoffeln, Chili, Zwiebel und Ingwer zu Suppe verarbeitet. Sowohl Trudi als auch Hannes, Alex und ich mochten sie, dementsprechend ist sie jetzt weg (statt, wie eigentlich vorgesehen, portionsweise abgefüllt und eingefroren). Macht aber auch nichts; mit den Vorräten von Trudis Eltern herrscht hier wirklich momentan nicht gerade Nahrungsmangel.

Und, noch ein Grund für gute Laune (auch wenn es mich fast schon wieder dazu bringt, Kepa zuspammen zu wollen) – Sarah hat mir Samstag nach unserer Tortenproduktion einen Becher Schlagsahne dagelassen, somit kann ich mir Irish Coffee machen. Darauf warte ich, seitdem ich irgendwann vor bestimmt einem halben Jahr diese vier Stück Irish-Coffee-Mischungen von der Tafel gerettet habe (ja, wirklich. Sie dürfen keinen Alkohol verkaufen, deshalb kamen die geradewegs zu Foodsharing). Endlich!

Ich fasse es nicht; ich glaub‘, mein links-unterer Weisheitszahn kommt raus. Scheiße, vielleicht sollte ich doch mal wieder zum Zahnarzt?

Wie schlimm das ist. Wieso bin ich eigentlich immer diejenige, die dahockt und zu viel denkt – Patiens – und der Agens tummelt sich quietschvergnügt in der Weltgeschichte, tut und lässt, was er will, und haut Klausuren aus dem Ärmel. Er wird sich wunderbar dabei konzentrieren können, was ich verstörend finde, aber beneidenswert. Irgendwann bin ich auch mal so, vielleicht. Ob es erstrebenswert ist oder nicht, ich will auch.

Sonnenresistenz

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Das ist quasi schon über-ironisch, wie ich Şahins Geburtstag mit Panik in der Arbeit verbracht habe, weil es mir plötzlich in den Sinn kam, es könnte vielleicht awkward werden, einen Monat mit einem Mensch im namibischen Nichts zu verbringen, den ich einerseits ganz gut und andererseits doch wieder kaum kenne und aber in jedem Fall genug mag, um mir Sorgen darüber zu machen, was er von mir hält. (Was wiederum eine leichte Untertreibung ist, aber als Einziges für das Problem relevant.) Wie immer bei solchen Gelegenheiten (und je mehr ich mich mit der Planung beschäftige) überlege ich mir irgendwann, was für Seiten von mir zum Vorschein kommen, wenn ich mich solch einer ungewohnten Situation aussetze, und ob die Seiten schrecklich sind und dazu führen können, dass meine zweite Haut zu transparent wird. Das wäre doch fürchterlich; ich kann es nicht gebrauchen, das man sieht, wie wenig lebensfähig ich mir eigentlich vorkomme.

Andererseits ist das Ganze absurd, denn auf Transparenz bin ich doch immer so bedacht.

Ich muss Sonnencreme mit nach Namibia nehmen, Massen davon, gar keine Frage. Dann bleibt schon alles an Haut intakt.