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Vierzig Grad

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Ein bisschen komme ich mir vor wie im Delirium. So, als hätte ich richtig hohes Fieber, so eines, in dem alles irgendwie vorbeizuziehen scheint, man nicht schläft und nicht wach ist und ab und an die Realität für einen Augenblick ganz deutlich wird, um einem im nächsten schon wieder in unerreichbare Ferne zu entgleiten.

So gestaltet sich mein Leben seit Jahren, vielleicht ist daher auch mein Detailgedächtnis so überaus grottig geworden. Vielleicht liegt darin auch die Tatsache begründet, dass ich nie weiß, was ich der Therapeutin erzählen soll, wenn sie wieder fragt, was dieses Mal dran ist. Ich vergesse alles und existiere nur im Moment. Nur die Sorge um die Zukunft bleibt verlässlich an meiner Seite und sorgt dafür, dass ich mir allzeit darüber im Klaren bin, dass dieser eine Moment, der mir erhalten bleibt, nicht ausreicht für alles, das noch kommt.

Und vielleicht habe ich auch einen Grund ausfindig gemacht, aus dem mir die Motivation zum Schreiben zu großen Teilen abhandengekommen ist (neben dem bedauerlichen Umstand, dass Motivation, egal für was, einfach Mangelware ist), dass nämlich dem, was eigentlich gesagt werden müsste, Wörter einfach nicht gerecht werden, so sorgfältig man sie auch wählen möge. Götz Widmann hat ein Wunder vollbracht, als er genau dies in Worte gefasst und eine der raren Gelegenheiten geschaffen hat, in denen es doch gelingt – indem er eine ganz grundsätzliche Wahrheit auf so vollkommene Weise verbalisiert hat, dass die Formulierung sich selbst durch ihre Existenz Lügen straft: Die Worte sind Hülsen für was, was nicht in Hülsen passt.

Mein Fieber ist die Lethargie, die Lähmung, wie man es auch nennen mag, die Taubheit, die völlige Abwesenheit von Willenskraft, Energie oder Motivation, die absolute Nichtteilhabe am Leben oder an dem, was ich mir unter Leben vorstelle. Meine klaren Momente sind die, in denen ich tätig bin, fühle, lerne oder entscheide, oder vielleicht auch einfach diejenigen, in denen ich mich zu alldem zumindest fähig wähne.

Demnach bin ich gerade wach. Ich habe leichte Panik, die wohl daraus resultiert, dass ich mir verschiedene Dinge für heute vorgenommen habe und diese erledigen muss, bevor Becci ankommt. Dazu zählt Duschen, Pfand wegbringen, Wäsche versorgen und staubsaugen, und wenn Becci dann da ist, bitte ich sie um Hilfe beim Handling meiner Essenssituation. (Die Situation gestaltet sich solcherart, dass ich bereits seit Längerem alles Essen, das ich anschleppe, einfach auf dem begehbaren Kühlschrank aka Terrasse fallen lasse und somit der Bereich hinter der Terrassentür über mehrere Quadratmeter mit Tüten und Taschen voll unsortiertem, ungewaschenem, generell unversorgtem Zeug steht und mich maßlos überfordert. Das kann so nicht weitergehen, aber um etwas daran zu ändern, brauche ich Hilfe. Die bekomme ich von R nicht, also muss Becci ran.)

Ein kleineres Drama mit R gestern Abend brachte mich zu der Erkenntnis, dass es um R’s Geisteszustand nicht besser bestellt ist als um meinen, was einerseits (im ersten Moment könnte dies paradox wirken) auf mich beruhigend wirkt (aber wenn man bedenkt, dass somit die Hoffnung besteht, dass er es schaffen könnte, sich irgendwann aktiv um mich zu kümmern, wenn es ihm besser geht, und ich von der ganzen emotionalen Arbeit einfach mal Pause hätte, wird deutlich, warum ich erleichtert bin zu erfahren, dass dies gerade nicht sein Top-Zustand ist), andererseits allerdings Grund zu großer Sorge darstellt, weil er den Eindruck machte, als seien seine Sicherungen permanent kurz vor dem Durchbrennen. Meines Erachtens braucht er Hilfe, die ich ihm nicht geben kann, weil er sie nicht möchte. Wie bekommt man jemanden dazu, sich professionellen Beistand beim eigenen Seelemanagement zu holen, wenn sein Problem gerade darin besteht, dass er sich aus Angst vor Überforderung weigert, sich mit sich selbst auf die dafür notwendige intensive Art auseinanderzusetzen? Vielleicht frage ich mal die Therapeutin.

Ja, ich frage sie definitiv mal.

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Die Sprache der Wissenschaft: Prätenziösisch.

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Daheim. Ich stecke mitten in (naja, I wish – sagen wir, ich stecke am Anfang von) meiner Hausarbeit zum Thema semantische Arten kohäsiver Konjunktionen im Textsortenvergleich und muss mich mit aller Macht zusammenreißen, das gute Stück nicht zu einer Hassrede auf wissenschaftliche Abhandlungen verkommen zu lassen. Daher werde ich besagtem Negativgefühl gegenüber dieser Sorte Text einmal kurz hier Ausdruck verleihen – dann ist es hoffentlich aus dem System.

Anknüpfungspunkt HA:

Statt für eine breite Masse an Empfängern tauglich sein zu müssen, beschränkt sich die wissenschaftliche Abhandlung in ihrem Wirkungskreis auf fast ausschließlich akademische Kreise; statt kurz und präzise informieren zu müssen, hat sie zum Ziel, möglichst gründlich alle Facetten eines Untersuchungsgegenstandes darzulegen und aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Ein hoher Bildungsstand oder zumindest eine weitgehend ausgeprägte Lesekompetenz wird beim Empfänger vorausgesetzt.

Ich führe fort:

Genau diesen Merkmalen folgt auch der elitäre Anspruch der wissenschaftlichen Abhandlung: Die Sprache, ursprünglich Instrument zur Vermittlung von Wissen, wird aufs Vollkommenste zweckentfremdet; Wissen wird lediglich an eine Handvoll er- bzw. belesene Auserwählte weitergegeben – es entsteht fast der Eindruck, Academia habe das Fachlatein in der vollen Absicht zu ihrer lingua franca erwählt, Angehörigen weniger bildungszentrierter Schichten den Zugang nicht nur zu erschweren, sondern aktiv zu verwehren. Wissenschaftliche Texte im Deutschen bestechen durch ihre nochmals herausragende Selbstherrlichkeit: während englischsprachigen Autoren zuweilen der ein oder andere saloppe Einwurf verziehen wird, ist die deutschsprachige Literatur von jeglicher Menschlichkeit befreit. Die abstruse Satzlänge, die redundante Verwendung von Lehnwörtern und die universelle Knappheit von Kohäsionsmitteln symbolisieren für den Laien eine vernichtende Rücksichtslosigkeit und ein schlichtes Nichtvorhandensein von Hilfsbereitschaft an der Stelle, wo ihnen der Bericht mit einem warmen Lächeln beide Hände entgegenhält und ihnen zu verstehen gibt, dass sein Verfasser tatsächlich die Absicht hat, von ihm verstanden zu werden.

Das war doch gar nicht so übel; wenn ich einen Absatz von der Länge jetzt nochmal für die Hausarbeit zustande bekomme, hilft mir das freilich noch mehr.

(Und wer bisher schon der Meinung war, ich würde in unverständlichen Monstersätzen schreiben, dem lege ich wärmstens ans Herz, niemals eins meiner Papers zu lesen. Oder irgendein anderes deutsches Paper, for that matter. Das ist es ja gerade: hier schreibe ich lang, verschachtelt und rücksichtslos, weil ich es für mich tue und einfach keinen Nerv darauf habe, mich zu verstellen; die Wissenschaft aber, die Wissenschaft sagt „Baby, my whole work is to confuse you“ und bläst sich auf und schottet sich ab und kommt sich toll dabei vor.)

Kabellos glücklich (bin isch wireless, lan).

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R kam gestern Abend herein und überfiel mich praktisch mit den Worten „Bist du schwanger?“ Um direkt im Anschluss zu verkünden, er wäre „da mit drin“, für den Fall, dass dem so wäre, einfach um das mal gesagt zu haben.

Ich bin fast schon traurig darüber, nicht schwanger zu sein, nachdem mit seiner Rückkehr offenbar jegliche eventuell verbliebene Leitung zwischen meinen ehemals so untrennbar verkabelten Zentren für „Liebe“ und „RENN, es wird dich töten!“ gekappt wurde. Es fühlt sich richtig an. Das Fallenlassen hat aufgehört, Arbeit zu sein. Ich bin letzte Nacht irgendwann aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen vor lauter grenzenloser Zuneigung zu dem Menschen neben mir. Besagter Mensch wachte ebenfalls auf und konnte auch nicht mehr wirklich schlafen, allerdings aus dem Grund, dass die Decke falschrum lag und ihn das maßlos irritierte.

Heute waren wir beide produktiv. Jeder auf seine Art. R saß am Computer und organisierte seine Vortragsreihe vor sich hin, ich krümmte mich daneben mit Regelschmerzen des Todes (das altbekannte Drama) und entledigte dabei getrocknete Thymianästchen ihres wohlriechenden Laubwerks. Als es Zeit wurde, bei der Tafel anzurufen, hatte R einen Überfluss an Referenten für die kommenden Monate vorzuweisen und mit ‚zigtausend Personen hin- und hergeschrieben; ich hatte immerhin über die Hälfte meines Thymians entlaubt und erinnerte mich nach kurzem Zögern daran, dass ich mir ob dieser vormittäglichen Errungenschaft nicht so unnütz vorzukommen brauchte, wie ich mich zunächst geneigt war zu fühlen: Thymian zu entlauben ist eine Heidenarbeit und ich würde R mal gern dabei sehen, wie er Stunden seines Lebens dafür aufbringt, unseren Haushalt mit Kräutern zu versorgen. (Oder eher nicht; ich würde mir Sorgen machen.) So ergänzt man sich eben… voll sinnvoll.

Anschließend war ich (allen notdürftig mit Ibuprofen im Schach gehaltenen Schmerzen zum Trotz) bei der Tafel, habe zusammen mit der neuen Kollegin alles gerettet, was zu retten war, und auf halbem Weg zurück nach Hause noch ein kleines, niedliches kniehohes Kommödchen und einen länglichen Kasten mit Holzrahmen und Plastikscheiben abgestaubt, welchen ich mit den vier glänzenden Kugelkerzen, die ich seinerzeit noch mit Susmita zusammen geschenkt bekommen und seither, des richtigen Momentes harrend, behütet aufbewahrt hatte, zu bestücken und als Adventskasten zu nutzen gedenke. Erfolg auf der ganzen Linie.

Mit Kaffee ausgerüstet bin ich dann ab ins Kolloquium und von der Uni aus zu Cihan, dessen Französisch zwar zum Verzweifeln ist, der mir aber immerhin den Gefallen erweist, mir durchgehend seine Aufmerksamkeit zu schenken, statt permanent den Kühlschrank anzustarren, was er Trudis Berichten zufolge bei ihr gerne mal tut. Ich habe mich während der anderthalb Stunden mit meinem restlichen Kaffee über Wasser gehalten und Cihan mit einer hervorragenden Laune und erstaunlichen Erfolgen den Subjonctif näher bringen können. Nicht dass ich noch irgendetwas davon gewusst hätte, aber man lernt ja mit seinen Schülern. Zum Glück in Sekundenschnelle, während die armen Nachhilfebedürftigen sich ihr Leben lang vergebens damit abmühen.

Nun habe ich eben noch eine Weile mit Laura geredet, bis diese losmusste, um noch rechtzeitig in den Supermarkt zu kommen (welch Probleme – ich kann mich an eine Zeit erinnern, da meine Einkaufszeiten zu dieser Stunde erst begannen. Dass meine jetztigen Spots tageslichtbegleitet aufgesucht werden können, verdanke ich auch nur der beispiellosen Toleranz der entsprechenden Geschäftsleitungen beziehungsweise im Rest der Fälle der unübertroffen abgelegenen Lage der entsprechenden Mülltonnen). Laura möchte mich davon abhalten, mir Hühner zulegen zu wollen. Ein Himmelfahrtsunterfangen, natürlich, da das Hühnerbesitzertum zu meinen erklärten Lebenszielen gehört, wenn ich es schon 2014 nicht geschafft habe – da macht man sich schonmal einen Vorsatz fürs neue Jahr und dann scheitert es alles so brutal an den äußeren Umständen.

Ich weiß, es passt nicht (mehr) in den Zusammenhang, aber lass mich schnell erwähnen, wie sich R heute Früh, als ich schmerzgeplagt noch im Bett lag, nach dem Verbleib des Chorreadors erkundigte. Er tat dies wortwörtlich, indem er sagte: „Aspi? Wo ist der Chorreador?“ Und dann, nachdem das geklärt war: „Und wo ist das Netz vom Chorreador?

Ich muss diesen Mensch lieben; auf der ganzen weiten Welt ist er der Einzige, der sich das Wort Chorreador hat beibringen lassen, mit mir zusammen herausgefunden hat, was es überhaupt bedeutet, und es ungeachtet seiner völligen Ungeübtheit in der spanischen Sprache so wunderbar akkurat ausspricht, dass selbst das kritische Alien in meinem Kopf mir vor Freude bald die Schädeldecke sprengt. Es ist nur logisch, ihn zu lieben.

Hhhhhhngh…

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U-oh, was wird das denn schon wieder?

Ich habe eben wieder mit Sebastiaan dem Luxemburger geredet. Der will nämlich nächste Woche von Montag bis Freitag herkommen und sich bei den Ämtern nach dem Wie und Wo und Was seiner Möglichkeiten hier informieren. Irgendwie habe ich aber das Gefühl, als wäre irgendwas nicht ganz richtig. Einfach in dem Sinne, dass ich ihm über Umwege von Kepa erzählt habe und er nicht sonderlich begeistert schien. Er war zu.. negativ überrascht irgendwie. Und er sagte „der Glückliche“, was schon wieder ausreicht, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen, falls er irgendwie.. ach, keine Ahnung. Seit wann hab‘ ich Ahnung.

Natürlich freue ich mich auch irgendwie, weil er „der Glückliche“ sagte. Das gibt mir gute seelische Vorbereitung für morgen; vielleicht kann mich diese Art Bestätigung, dass ich keine reine Katastrophe bin, irgendwie über Wasser halten und verhindern, dass ich wieder durchdrehe und nur panisch in der Arbeit hocke und nichts geschafft kriege.

Okay, wie’s aussieht, werde ich eh nicht panisch in der Arbeit hocken, weil der liebe Kepa morgen in Augsburg lungert und eh nicht kommt.

Erschreckend lange musste ich gerade auf das „kommt“ starren, um herauszufinden, ob das nun zwei „m“ waren oder nicht – sag hallo zum lieben Dornfelder.

Der übrigens auch gerade dazu führt, dass ich fast heule, weil der Dämlack morgen nicht hier ist.

Okay, das geht so nicht.

In meinem Zustand ist das zu übersetzen mit „du bist mir vollkommen egal“.

Ich wusste es doch. Was auch sonst. Aber das wird bald wieder; ich werde jetzt nicht zwei Jahre lang hier hängen oder ähnliche Horrorgeschichten aus meiner Vergangenheit neu erleben, oh nein.

Oh nein, oh nein, wenn ich jetzt anfnage zu heulen, hör ich doch ewig und drei Tage nicht mehr auf und ich muss doch die paar Absätze noch zu Ende übersetzen. Das alles formatieren und Gian schicken. Und so Zeug. Heulen ist da kontraproduktiv.

Ich habe in letzter Zeit so oft das Wort „konterkarieren“ im Kopf. Frag mich nicht, wieso. Vielleicht ist es einfach gerade dabei, sich (spät, aber doch) einen Platz in meinem aktiven Wortschatz zu erkämpfen.

Ich habe heute Maialens Kurs geschwänzt, ich Böse.

Ich bin so unglaublich traurig.

Zu viel Wein von allen Seiten.

Das kann doch nicht angehen; man kann doch nicht einfach anfangen und dann eigentlich gar nicht wollen. Und dafür alles Mögliche kaputtmachen. Wie mich zum Beispiel, argh. Jetzt bin ich mal wieder ein Kollateralschaden. Von was diesmal? Von einem Zusammenprall seiner selbst mit seiner Planlosigkeit. Wie tragisch.

Randomness – eine Überdosis.

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Ein paar der Geschichten von Anaïs Nin sind mir zu sehr abgedreht. (Ich lese immer noch ab und an in ihrer Sammlung, „Under a Glass Bell“. Da sieht man mal wieder, wie lange heutzutage so ein Winzig-Buch bei mir ausreicht.)

Man kann es sich auch einfach machen. Sicher, ihr Stil ist wunderschön und ich liebe ihre Metaphern – ich bin ja auch so ein Metaphernmensch und fühle mich in ihren Worten immer zu Hause, aber inhaltlich.. ist es mir teilweise zu random.

Schon wieder random. Im letzten Eintrag kam das Wort auch schon vor – ich muss dabei jedes Mal an meine Mutter denken und wie sie mich auslacht, immer wenn ich „random“ sage – weil sie wohl findet, ich sei meiner eigenen Sprache nicht mächtig genug, um ein passendes deutsches Synonym zu verwenden. Dabei ist es einfach so, schlicht und ergreifend – es gibt keins. Was soll man machen, der deutschen Sprache fehlt einfach mal ein Wort für „random“. (Und komm mir nicht mit „willkürlich, zufällig gewählt“ und so weiter. Lieber Mensch, das ist doch ein ganz anderes Register. We’re talking colloquial speech here, everyday language.)

Im Fall von Anaïs Nin bin ich jedenfalls der Meinung, dass sie es mit ihrer Randomness (oder noch besser, „Abgespacedheit“) ein wenig übertreibt. Es ist zu einfach. So kann jeder schreiben. Und dann, Leute, macht euch ans Interpretieren, was kann sie nur gemeint haben? Oh so philosophisch, oh so eloquent-melancholisch in anderen Sphären schwebend. Und dabei weiß ich haargenau, du hast auch nicht verstanden, was sie eigentlich will. Also wirklich.
Es ist zu einfach. Wer kann sich nicht der schönsten Stilmittel bedienen, wenn man einfach nur schreibt um des Schreibens Willen. Das könnte ich ja genauso machen. Hochdramatisch und intellektuell schreiben und mir ganz toll vorkommen, oh, ich bin ja so reflektiert. Das beeindruckt. Aber wozu, wenn man eigentlich in erster Linie eine Nachricht vermitteln will.

Aber vielleicht will sie ja gar keine Nachricht vermitteln. Das ist natürlich auch möglich. Vielleicht hatte sie einfach gerade Lust, ein bisschen abstraktes Zeug zu schreiben, in dem sich die Leute verlieren können. Das natürlich kann auch sein. Dann wollen wir mal nicht so sein. Mir gefallen trotzdem ihre noch halbwegs down-to-Earth Geschichten besser, wo ich inhaltlich auch wirklich etwas draus ziehen kann.

So viel dazu. Wo auch immer das jetzt herkam; ich hab‘ heute nichtmal etwas von ihr gelesen.

Bakardadea

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„Zwischen den Jahren“. Welch selten dämliche Bezeichnung für diese Zeit; was bitte ist am heutigen Tag weniger 2013 als an jedem beliebigen anderen der zuvor vergangenen knappen 12 Monate?

Und wo ist der Unterschied? Warum muss man überhaupt die Jahre zählen.

Sei doch da; sei doch bitte jemand da.

„Bügelleicht“. Ich sagte gestern noch zu Laura, mir ginge es gut gerade. Heute dagegen ist ein Tag, den der Regen wegwaschen sollte.
Dabei regnet es nichtmal. Tatsächlich, es ist blauer Himmel. SONNE! Wie lange habe ich die Sonne nicht gesehen!
Und da wundert sich noch jemand, dass die Sprache am Verkommen ist. „Bügelleicht“. Soll heißen, „leicht zu bügeln“. Ernsthaft? Da will mir jemand weismachen, „bügelleicht“ und „leicht zu bügeln“ wäre von der Bedeutung her identisch? Woran nur einmal mehr zu erkennen ist, dass in der Waschmaschinenproduktion einfach Menschen beschäftigt sind, die sich mit der Produktion von Waschmaschinen auskennen, weniger dagegen mit der angemessenen Anwendung ihrer Muttersprache.

Wahnsinn. Ich fühle mich schon wieder besser, seitdem ich festgestellt habe, dass draußen die Sonne scheint.

Auswe-g.

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Vor geraumer Zeit mal ist mir etwas aufgefallen, das viele Menschen – die meisten Deutschen, würde ich mal behaupten – nie wissen werden. Ist jetzt nichts sonderlich schwer zu Verstehendes, aber man kommt einfach nicht unbedingt drauf ohne das nötige Hintergrundwissen. (Oder natürlich, ich habe einfach nur mal wieder den Großteil meines Lebens gefailt, so wie bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir klarwurde, warum „Hamburger“ Hamburger heißt. Oh glorreicher Moment.)

Und zwar gibt es ja die Band SKA-P. Spanier, politisch sehr opinioniert, wenn ich das Wort mal schnell erfinden darf, Aktivisten. Aufrührer. Nennen ihre Band SKA-P. Warum genau tun sie das, habe ich mir irgendwann überlegt – hatte mich nie sonderlich mit ihnen beschäftigt, kannte bis vor ein paar Monaten nichtmal wirklich Musik von ihnen. Hatte mir im August 2011 zwar ihre gesammelten Werke von Şahins Computer gezogen, zusammen mit allem möglichen anderen Zeug, das er sich irgendwann mal interessenshalber geladen, aber wahrscheinlich kaum öfter als ich je gehört hatte. Dankenswerterweise, so konnte ich den ganzen Kram nachher dazu nutzen, mir einen neuen musikalischen Horizont aufzubauen.

Warum also heißt SKA-P SKA-P? Nunja, sie machen Ska-Punk, deswegen also? Vielleicht – aber pass auf. Tadaaaa. Im Spanischen ist doch [s] + Konsonant überhaupt kein möglicher Silbenonset. Was machen die Guten also – hängen ein [ɛ] davor. Wenn man das Ganze dann ausspricht, kommt, tadaa, ESKA-P heraus. Was sich, vor allem wenn man es ein bisschen orthographisch angleicht, verdächtig nach esca-pe anhört. Fluch-t. Auswe-g. Faszinierend; ich bin mir wirklich sicher, dass viele, unter Anderem der werte Mensch, durch den ich erst drauf gekommen bin, zu dieser simplen Erkenntnis nie gelangen werden.

Tüddelkram

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Hier laufen momentan schon auf Hochtouren die Vorbereitungen für unseren Gartenflohmarkt am Sonntag. Unglaublich, was da alles an Organisation hintersteckt. Mama und ich stressen uns mittlerweile schon wieder gegenseitig fast so, als wäre ich nie ausgezogen, aber erstaunlicherweise haben wir diesmal bis jetzt jegliche Totaleskalation erfolgreich vermieden. Vielleicht wird man ja doch irgendwo noch vernünftiger.

Jedenfalls haben wir heute Mittag schon den Einkauf für das ganze Kuchenzeug erledigt – ich bin Auto gefahren und mittlerweile kann man an meinen Fahrkünsten wirklich nicht mehr viel aussetzen – dann habe ich mich an meinen Käsekuchen gemacht. Mir ist aus irgendeinem unerfindlichen Grund der Boden im Ofen angebrannt, also musste ich noch los, mir schnell neue Oreo-Imitate holen. Dann ein neuer Anlauf, diesmal geglückt – der Käsekuchen ist schonmal fertig und wartet nun im Kühlschrank auf seinen Einsatz. Den wollte ich gerne als Erstes backen, weil er einfach mit jedem Tag besser wird. (Es ist wirklich so. Das erste Mal hatte ich nach eineinhalb Wochen immer noch etwas übrig und konnte kaum glauben, wie er tatsächlich immer noch immer besser geschmeckt hat. So ein Wunderkuchen.)

Danach bin ich nahtlos zum Abendessenmachen übergegangen; wir haben ein ziemliches Festmahl aus gefüllten Tomaten und Yufka-Röllchen mit Böreklik-Kräuter-Füllung zubereitet (oh ja – ich etabliere schon bei meinen Eltern meine ganze Ernährungsweise) und ich bin jetzt noch pappsatt. Aber immerhin hat meine Mutter heute ihren Zulassungsbescheid von der Uni bekommen und kann nun Tibetisch im Hauptfach mit Religionswissenschaften als neues Nebenfach studieren, das musste ja irgendwie gefeiert werden.

Vorhin haben wir uns dann zu dritt mit unseren Fahrrädern in der einbrechenden Dämmerung aufgemacht, um meine Flyer – die mein Vater in der Arbeit ausgedruckt hat – an den Laternenpfählen und Mülleimern der umliegenden Straßen (und unserer eigenen, verständlicherweise) anzubringen. Eine Familienunternehmung, es war so richtig merkwürdig schön.

Sag mir nur mal einer, ob das Wort „Tüddelkram“ wirklich existiert oder nicht. Ich fand es einfach um Längen sympathischer als das „Schnickschnack“, was Mama vorgeschlagen hat. Aber als sie bemerkt hat, dass ich es unabgesprochen zu Tüddelkram abgeändert und Papa schon zum Ausdrucken geschickt hatte, hatten wir schon vierzig Exemplare davon in der Hand und es war ein bisschen spät, um noch was abzuändern.

(Oh, und falls sich jemand fragen sollte, was mit dem Bindestrich hinter dem Floh passiert ist, es sah zu scheußlich aus und außerdem muss man sich ja doch manchmal einfach überwinden, auf Kosten der Grammatizität einer Äußerung den Attraktivitätsgrad eines Flyers zu erhöhen. War das Erste, was mich mein Vater gefragt hat. „Ist da absichtlich kein Bindestrich hinter dem Floh?“ Man sollte es kaum glauben. Aber gut, dass wenigstens die eigenen Eltern noch so viel sprachliches Niveau an den Tag legen, einen überhaupt darauf anzusprechen.)

Flohmarkt-Schild

Honesty sucks

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Drei Stücke jeden Tag köstlicher werdendes Tiramisù und ebensoviele Folgen HIMYM in den heutigen Tag hinein fühle ich mich jetzt langsam gewappnet, mich meinen Plänen zu stellen. Die sich eigentlich darauf belaufen, beim Friseur vorbeizuschauen, ob sie eventuell Spontantermine freihaben, und danach einzukaufen. Aber das sollte nicht unterschätzt werden; zum Friseur gehe ich wenn’s hochkommt dreimal im Jahr, also ist das schon ein Event für sich, und der Einkauf wird ja auch nicht irgendein Einkauf, oh nein, es wird der legendäre Semesterferienanfangsgroßeinkauf, der meine Schränke wieder bis zum Bersten füllen soll. Ich überlege schon ernsthaft, ob ich zweimal fahren soll, falls ich nicht alles auf einmal tragen kann.

Irgendwie verlässt mich die Motivation doch schon wieder. Ich bin ein bisschen geschafft von der Nacht; das Zeug, das ich geträumt habe, könnte theoretisch schon Lauras und meinen neuen Traumblog einweihen, den wir dabeisind zu erstellen, aber das geht ja nicht, so einfach ohne Einverständnis der Mitautorin den ersten Eintrag schreiben. Und dann auch noch über so einen Fertigmachertraum. Viel schlimmer geht’s eigentlich gar nicht. Mein Vater und ein Mensch, von dem es mir tatsächlich noch lieber gewesen wäre, er hätte mich, wie sonst bei solchen Gelegenheiten mittlerweile allgemein üblich, ignoriert, in Einem. Das reicht wirklich aus, um einen über die Nacht hinausgehend gründlich zu verstören.

Da meine Laune gerade so labil ist, weiß ich auch nicht, ob ich wirklich zum Friseur soll. Am Ende komme ich da mit was weiß ich für einer katastrophen-kurzschlusshandlungsinduzierten Monsterfrisur raus.

Ich würde ja gerne noch irgendwelche sensationellen, bedeutungsvollen Feststellungen über das Leben anstellen, aber alles, was mir auffällt, ist, dass in diesem Satz unglaublich viele Doppelkonsonanten vertreten sind, vor allem diese ganzen -ll-s.
Was mich an das Doppelkonsonantendiktat damals in der Grundschule erinnert, in dem ich einen Fehler gemacht habe. Willi bingt in aller Schnelle eine Schachtel voller Wolle. Oma soll ihm für den Winter eine Pudelmütze stricken. Oh ja. Traumatisches Ereignis, ich sag’s dir. Vor allem weil sie mir den Fehler zwar angestrichen hat, aber trotzdem 0 F, 1 untendrunterstand, sodass ich mich gezwungen sah, hinzugehen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie das „bingt“ zu werten vergessen hatte. Woraufhin sie mir eiskalt die Fehlerzahl durch 1 und die Note durch eine 2 ersetzte. Lektion gelernt.. Honesty sucks.

Man lernt.

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„Hiattilgung. (Zur Erinnerung: Hiate sind adjazente heterosyllabische Vokale.)“
Danke, liebe Folie; gerade dachte ich noch, ich wüsste, was ein Hiat ist. Sag mir mal einer, warum Wissenschaftler immer diesen ekelhaften von griechisch-lateinischen Fachidiotismen durchzogenen Ton an den Tag legen müssen. Fühlen sie sich sonst minderwertig? Sag doch einfach, Hiate sind zwei Vokale hintereinander, die nicht zur gleichen Silbe gehören. Mensch, Mensch, Mensch.

Seit gestern Nachmittag bin ich am Lernen für SGRom; ich dachte mir, bevor ich es gar nicht erst versuche… Morgen ist dann SHE nochmal dran, und danach – ich kann es gar nicht glauben – werde ich mich wahrscheinlich gut genug vorbereitet fühlen, um eventuell bei den beiden Klausuren nicht hundertprozentig zu versagen. Ich wage gar nicht daran zu denken, ob es eventuell sogar reichen könnte, um nicht durchzufallen. Das wäre allerdings kaum noch im vertretbaren Bereich; wenn diese unübertroffene Faulheit noch belohnt wird, sollte sich das Schicksal mal ernsthaft über seine Prinzipien Gedanken machen.

In jedem Fall wird die nächste Woche interessant:

Montag. Gramática y Traducción-Klausur; abends das letzte Phonology-Tutorial.
Dienstag. SHE-Klausur, Traducción Spanisch-Deutsch-Klausur, nachmittags Translation-Klausur. Danach will ich versuchen, mich noch ins eigentlich zeitgleich stattfindende SGRom-Tutorial zu setzen – ich beeile mich einfach mit der Übersetzung, so gut es geht.
Mittwoch. SGRom-Klausur. Mehr nicht – Türkisch war ja schon letzte Woche dran – aber das Trauma genügt wahrscheinlich auch für einen Tag völlig.
Donnerstag. Developing English Vocabulary-Klausur.
Freitag. Phonology-Klausur.

Und dann wahrscheinlich erstmal zu Hause kollabieren.