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Halt mal kurz (meine Verantwortung)

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Oh, es ist gar nicht so einfach, bei Verstand zu bleiben. Ich halte Malte nicht mehr aus. Ich halte mich selbst nicht aus, wie ich gerade bin. Eigentlich halte ich niemanden über längere Zeit aus (und mich selbst in ihrer Gegenwart), außer R und Becci.

Ich habe gestern Abend schon gedacht, dass es zu lange war, und wäre vielleicht sogar schon gefahren, hätten wir nicht das The-Used-Konzert morgen, das überhaupt der Grund für mein Hiersein ist.

Ich brauche einfach nur Ruhe, ganz viel davon. Aber ich bekomme sie nicht; Mike hat mich schon wieder für Donnerstag eingespannt und will sich mit mir am Fluss treffen und nachmittags ist dieses komische Wieholeichmirmeinestudienkostenvomstaatzurückseminar, zu dem ich mich angemeldet habe. Nebenher hänge ich jeden Tag entnervt und gestresst am Handy und bemühe mich verzweifelt darum, Abholer für die Bäckerei zu organisieren, deren Foodsharing-Betriebsverantwortung ich vertretungs- und irrsinnigerweise für diesen Monat übernommen habe. Und ich muss, wie es aussieht, meinen ersten Therapietermin nach der dreiwöchigen Abwesenheit der Therapeutin absagen, weil ich zugesagt habe, R auf seinem Familienbesuch zu begleiten.

Ich will nicht mehr. Kopf unters Kissen und gar nichts mitbekommen, wie schön es nur wäre.

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What I’d Call a Classic Aspi.

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Okay. Ich bin so semizufrieden mit meinem bisherigen heutigen Output. Auf der einen Seite: Hey, immerhin habe ich überhaupt mal etwas gemacht. Andererseits…

Mein erster Termin war um 13.50 Uhr, um Tee geschenkt zu bekommen. Ich kam zehn Minuten zu spät beim Treffpunkt an, weil ich mir 1) eh schon zu viel Zeit gelassen hatte und 2) nicht im Traum hätte einfallen lassen, den Stadtverkehr in meine Berechnungen mit einzubeziehen – man denkt immer, man wäre so unberührt und frei mit dem Rad, aber von wegen… und 3) auf den letzten hundert Metern noch einen Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer erlaubt habe, der durch eine dämliche Frau provoziert wurde, die meinte, es wäre cool, ohne sich umzusehen mir vor die Räder zu spazieren. Während ich mit Ausweichen beschäftigt war, kam dann leider aus der anderen Seite der Weggabelung besagter anderer Mensch. Wir kamen beide unbeschadet aus der Sache raus, aber mein rechtes Bremskabel hat die Begegnung nicht so gut überstanden.

Die Teefrau war nicht am Treffpunkt. Ich habe ihr über Facebook ein paar Nachrichten geschrieben und bin dann unverrichteter Dinge zehn weitere Minuten später wieder abgedampft. Damit das Ganze nicht völlig umsonst war, bin ich über die Innenstadt zurückgefahren, wo ich für Sophi die drei Lektüreschlüssel besorgt habe, die sie für ihr Deutsch-Abi braucht, und anschließend in einer der Uni-Mensen die Jobgesuche abklapperte. Immerhin das.

Da Sophi unseren Unterricht heute auf 17.00 verschoben hat, kann ich mich nun nochmal kurz aufwärmen und mache mich dann erneut auf ins Eiswetter. R hat von der Leiharbeitsfirma einen Teilzeit-Küchenjob vermittelt bekommen und dürfte gerade mit seinem ersten Arbeitstag fertig sein. Ich werde ihn allerdings erst zu Gesicht bekommen, wenn ich von Sophi zurückkomme.

Ich bin geringfügig überfordert von der Menge an Dingen, die ich gerade tue. Es sind nicht sehr viele, aber mich überfordert es momentan schon, jeden Tag überhaupt irgendetwas zu tun, und daher hält mich diese Woche schon ganz schön auf Trab. Gestern war ich beim Arzt, um mir Blut abnehmen zu lassen und das längst überfällige EKG hinter mich zu bringen. Offenbar ist mein Herz in Ordnung. Die Ärztin war so nett, mir von sich aus zu erklären, wie die EKG-Ergebnisse ausgewertet werden; jetzt kenne ich die q-Zacke und die t-Zeit und fühle mich wieder ein Stück gebildeter. Heute dann das Teedebakel und der Ausflug in die Stadt, morgen der Termin bei der Therapeutin und abends die Filmvorführung von „Tomorrow“, welchen ich seit Ewigkeiten sehen wollte. Mike hat mich genau einen Tag dazu eingeladen, nachdem ich mit R abends da saß und wieder einmal keinen Stream für genau diesen Film gefunden habe. Sachen gibt’s.

Donnerstag wird Mama herkommen (und zwar wirklich; die versetzt mich nicht), damit wir am Freitag oder Samstag zusammen für R und mich eine große Matratze kaufen können – unser Weihnachtsgeschenk. Irgendwann davor sollte ich auch nochmal containern. Wenn ich es mir recht überlege, ist heute der einzig mögliche Zeitpunkt dafür. Oh neeein.

Na gut. Aber jetzt erstmal noch eine Viertelstunde Ruhe.

Löcher und Käse

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Gerade schrieb ich einen Eintrag, den ich nicht veröffentlichen werde, weil er zu denjenigen zählt, mit denen ich selbst im Moment der Veröffentlichung schon nicht mehr einverstanden bin. Er liegt nun da herum und wird vielleicht irgendwann mal rausgekramt, dann aber in einem anderen Leben.

Nunja, was soll ich sagen. Es hat in meiner an sich schon in äußerst raren Momenten wirklich sorgenfreien Beziehung recht gewaltig geknistert (und kein Knistern von der guten Sorte, either), sodass ich mich langsam als Expertin der Almost-Break-Up-Momente begreife und einfach mal hochgespannt auf das Geschehen der kommenden Monate blicke. R’s nie endender Zynismus und die Eiseskälte, mit der er aus Selbstschutzzwecken an so etwas herangeht, scheinen ansteckend zu wirken: Während mir eigentlich der Kopf schwirrt und ich (meiner Art gemäß, vom Moment umgehend aufs Ganze zu schließen) aus dem Denken, Zweifeln, Hadern kaum hinauskomme, schleicht sich zwischen die kopflos wuselnden Emotionen immer mal wieder ein gelassenes Stimmchen, dessen körperloser Besitzer sich mit Bier und Popcorn in eine Ecke gehockt hat und nun ins Treiben hinein verkündet, „Mal schauen, wie, wo, wann ihr den Karren in den Dreck fahrt. Und was noch alles passieren muss bis dahin.“

Von unerhört vielen anderen Seiten aus betrachtet, du wirst lachen, verfügt diese Beziehung über eine Stabilität, die es fast schon wieder lächerlich macht, Momente wie die vergangenen Tage überhaupt durchleben zu müssen. Ich muss spontan an Simones Mutter und die von ihr metaphorisierten Löcher im Käse denken. Ich sag dir, was wir brauchen, R und ich: Willenskraft, an uns selbst zu arbeiten, er an seiner Art der Kommunikation und ich an meinen Erwartungen.

Fünfhunderterschritte

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So, hab‘ ich’s doch noch auf meine 5500 Wörter geschafft gestern. Meine Güte, was für eine Knochenarbeit. Ich rechne damit, in 500 Wörtern mit dem Vokativ durchzusein, dann nochmal 200 für die Conclusion, und der Rest wird Füllmaterial. Gibt es irgendetwas Unnützeres als eine Mindestwortanzahl, sag mir das bitte mal jemand. Ich bin fertig, wenn ich fertig bin. Genug gesagt jetzt.

Aber nein, das passt schon; es bewegt mich immerhin dazu, nochmal an jeder Stelle gründlichst zu überlegen, ob man nicht noch etwas dazu sagen könnte. Und an den meisten Stellen kann man durchaus noch ausführlicher werden, wenn ich bedenke, dass ich eigentlich das Ganze eh erstmal als Grundgerüst gedacht hatte am Anfang.

Uägh, meine Augen tun weh. Das hört sich jetzt so an, als hätte ich acht Stunden lang hier im schlimmsten Stress gesessen, dabei komme ich mir immer noch so vor, als würde ich eigentlich nichts machen und viel zu entspannt herumgammeln. Eigentlich ist es wohl eine Mischung aus beidem. Stress mache ich mir unentwegt. Durchdrehen tue ich auch gelegentlich. Produktiver bin ich deswegen aber nicht.

Naja. Tagewerk erledigt, dazu erstmals Kroketten gemacht (aus Kürbis und Blumenkohl, sie sind super geworden) und R wieder bei Boggle abgezogen, sodass er schon wieder gezwungen war, sich selbst anzuschreien und mir damit die Drohung zu entlocken, ich würde mit ihm nicht mehr spielen. Schlechte Verlierer sind das Furchtbarste, was einem nur begegnen kann. (Trotzdem wäre ich schön bescheuert, nicht mehr mit R zu bogglen; erstens ist er mein einziger würdiger Gegner, zweitens würde ich aus dem Training kommen, drittens macht es immer noch Spaß, solang ich ihn davon abbringe, die ganze Küche in Verliererlaune zu tränken.)

Foodsharing war auch schön heute mit Anna und Susanna. Letztere hatte ich ewig nicht mehr gesehen. Ein Zusammenkommen mit Menschen am Freitagabend außerhalb meiner vier Wände, das kann wirklich nicht verkehrt sein, und sei es nur, um ein bisschen Essen zu retten. Danach kam ich jedenfalls gut gelaunt zurück nach Hause und habe uns gleich die frisch geretteten Tomaten und Rucola zusammen mit ganz viel Basilikum zu Salat verarbeitet. Sogar eine Mini-Dose Mais habe ich dafür geopfert.

Jetzt aber ab ins Bett. Heute sind die nächsten 500 Wörter fällig.

Weil die baskische Kultur ein Hirngespinst ist und ich als bedingter Anti-Spe faschistoid… Welcome to politics.

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Erstmal die Arbeit, die ich eh schon habe, effizient ausschöpfen. Wozu habe ich einen 450€-Job und gehe dann nur 20 Stunden im Monat arbeiten, wenn überhaupt. Diese Woche seit Langem wieder zweimal gearbeitet. Sarah ging früh nach Hause, weil sie dieses Wochenende am Umziehen ist (sie zieht mit Pedro in die Altstadt), also musste ich nach 5 Stunden 15 auch schon wieder heim. Aber in diesen fünf Stunden habe ich acht Touren übersetzt, was unglaublich produktiv ist für meine Verhältnisse. Vor allem wenn man bedenkt, dass beim Erstellen der Touren immer mehr zu beachten ist. Anfangs war man nach der Detailseite fast schon fertig, mittlerweile muss der Vouchertext auch noch übersetzt werden, und die Merkmale werden ebenfalls mit ihren deutschen Entsprechungen neu zugeordnet. Das raubt eigentlich am meisten Zeit, dieses ganze Drumherum.

Aber ich übe mich jetzt in Geschwindigkeit und hoffe, mich weiter zu steigern, möglichst natürlich bei gleichbleibender Accuracy (wobei es in dem Saftladen auch niemanden jucken würde, wenn man sich nur halb so viel Mühe gibt. Aber so desillusioniert bin ich noch nicht, even though I’ve already come quite a long way).

Ja, ich gehe also Dienstag wieder arbeiten.

Nebenbei ist Laura auf dem besten Wege, sich in die dritte nutzlose Diskussion der Woche hereinzusteigern. Nach Containern (falsch motiviert) und Antispeziesismus (faschistoid) hat sie es jetzt auf meine Intentionsethik abgesehen. Es ist so anstrengend. Gut, dass ich keine echten Feinde habe, da kommt die gelegentliche Attacke aus dem engsten Freundeskreis nicht ganz so schnell dazu, dich in Verzweiflung zu stürzen. Manche Menschen sind so, die brauchen zum Scheitern verurteilte Diskussionen wie Luft zum Atmen.

Schrieb ich gestern und klappte irgendwann mittendrin einfach den Computer zu, als mir die Unterhaltung mit Laura zu viel wurde. Und machte ihn nicht wieder auf bis jetzt, einen ganzen Tag später.

Jetzt habe ich mich schon wieder in Rage geschrieben, diesmal tatsächlich ausnahmsweise nicht in persönlichen Belangen, sondern in einer Mail an meine Mutter bezüglich eines Artikels aus ihrer geliebten FAZ (woher sonst), den sie mir neulich geschickt hat. Den möchte ich dir nicht vorenthalten.

Beim Fußball hört der Spott auf

Wie sich eine Nation selbst erfunden hat: Ibon Zubiaur kennt die befremdlichen Landschaften der baskischen Identität und weiß, welche wichtige Rolle darin die gemeinsame Schultoilette spielt.

Im Kellerregal, wo die nicht mehr gebrauchten Bücher schlummern, lese ich noch einmal die alten Titel: „Die Geschichte von Eta“. „Führer durch das baskische Labyrinth“. „Die bleiernen Jahre“. „Schrei nach Frieden“. Die fetten Ordner mit der Aufschrift „Eta“, in denen Zeitungsausschnitte aus fast fünfzehn Jahren gesammelt sind, rühre ich lieber nicht an. Es ist gut, dass das Allermeiste davon metaphorisch schon zu Staub zerfallen ist, bevor die materielle Zersetzung beginnt. Denn der baskische Terrorismus ist glücklicherweise aus den Nachrichten verschwunden.

Die Terrorgruppe Eta – um nicht spießig und moralisierend zu wirken, benutzten deutsche Medien für sie gern den neutralen Begriff „Separatistenorganisation“ – hat zwar noch nicht die Waffen abgeliefert, im Herbst 2011 aber „das definitive Einstellen der bewaffneten Aktivität“ verkündet. Auch ihre schwerfällig-bürokratische Rhetorik ist damit verweht. Zurück bleiben: eine traumatisierte Gesellschaft; verurteilte Menschen in Gefängnissen, die auf die Chance zur Wiedereingliederung warten; Tausende Angehörige von mehr als achthundert Mordopfern, darunter Politiker, Unternehmer, Militärs, Polizisten, Personenschützer, Journalisten, zufällige Passanten. Wer den Ideologen hinter den Pistoleros das Handwerk legen wollte, musste bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen, wenn nicht durch Tod, dann durch Depression und Exil. Viele alte Bücher, die davon künden, haben sich in nutzlose Erinnerung verwandelt, in Müll, der kaum einen der Heutigen mehr interessiert.

Ibon Zubiaur, Jahrgang 1971 und wohnhaft in Berlin, ehemaliger Direktor des Cervantes-Instituts in München, schafft es, sechzig Seiten lang über seine baskische Heimat und ihre Kuriositäten zu schreiben, ohne den Namen Eta zu erwähnen. Es ist eine bewusste Geste, und sie hat etwas Befreiendes. Wenn einer in seinem Berufsleben nicht zur Propaganda für die eine oder andere Seite zwangsverpflichtet wurde, kann er es sich leisten, die Geschichte aus radikal persönlicher Perspektive zu erzählen: wie es etwa war, in eine Schule zu gehen, in der per Dekret Baskisch gesprochen wurde, obwohl alle – Schüler wie Lehrer – besser Spanisch sprachen und das verordnete Schulfach hinter sich ließen, sobald sie den Fuß wieder nach draußen setzten.

Hintergrund dieser Maßnahme ist der Baskisierungsversuch durch die fast ununterbrochen regierende Baskisch-Nationalistische Partei (PNV), die nach Francos Tod die demokratischen Wahlen in der neuen Autonomen Region gewann und daranging, die Gesellschaft umzukrempeln. In diesem Sinn war der Autor Teilnehmer eines soziologischen Experiments. Seine Eltern fanden, es sei eine gute Idee, der Junge wachse zweisprachig auf. Nur dass er die Sprache nicht wie etwas Natürliches lernen konnte, weil eben kaum jemand sie „natürlich“ sprach.

Denn einen Traditionszusammenhang durch autochthone Literatur gibt es im spanischen Norden bis heute nicht – der erste baskisch geschriebene Roman stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert. Viele Wörter existierten also nicht und mussten neu geprägt werden. Darunter das lustige Wort „komuna“, welches die Toilette bezeichnet, jedoch mit ideologischem Hintersinn: „Statt das Verborgene, das Schamhafte, das Private zu unterstreichen, betont man umgekehrt das Allgemeine, die Tatsache, dass es sich bei einer Schultoilette um einen Ort handelt, den viele besuchen, der gemeinschaftlich ist.“ Der Plural heißt „komunak“.

Auftritt Sabino Arana (1865 bis 1903), der Chefideologe des frühen baskischen Nationalismus, der die Region mit einer eigenen Fahne ausstattete, der die baskischen Wörter für das Baskische („Euskera“) und das Baskenland („Euskadi“) erfand und seinerseits längst nicht perfekt Baskisch sprach. Mit leichter Hand, aber gehörigem Kopfschütteln führt Zubiaur den Leser durch das Absurditätenkabinett eines Nationalismus, der nicht eine verschüttete Geschichte bergen will, sondern sich eine neue Vergangenheit als unabhängige Nation erfindet. Dazu gehören abwegige Etymologien, abenteuerliche Vorschriften zur Bildung „authentisch“ baskisch klingender Namen und eine völkische Propaganda, die nicht weit von der Blut-und-Boden-Mythologie der Nazis entfernt ist. In dieser rückwärtsgewandten Konstruktion zur Sicherung unverfälschten Baskentums sind „Rasse“ und „Geschichte“ Schlüsselbegriffe einer unmissverständlich xenophoben Mission.

Dass Ibon Zubiaur diesen Zusammenhang nicht als schwerleibiges Manifest formuliert, sondern in die Form des entspannten Essays und eines über drei Banden gespielten Kulturvergleichs kleidet, dürfte sich aus seinem Werdegang erklären. Denn einerseits besitzt er den doppelten Blick durch seine spanisch-baskische Identität, andererseits kommen noch seine deutsche Erfahrung und die deutsche Sprache hinzu, in der das Buch geschrieben ist. In Spanien kennt man Zubiaur vor allem als Übersetzer von Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und anderen DDR-Autoren – eine Leidenschaft, die sich nicht mit dem Erledigt-Votum durch den Mauerfall zufriedengibt, sondern den verschwundenen deutschen Staat als Kulturlandschaft neu kartographiert. Dahinter steht der Glaube, es wäre besser um die Zivilkultur bestellt, „wenn wir weniger nationale Ermahnungen und mehr Autobiographien geschrieben hätten“.

Nur ein Objekt entgeht der Spottlust des Autors, der Fußballverein Athletic Bilbao. Ihm ist die Liebeserklärung des letzten Kapitels gewidmet. Zubiaur entdeckt hinter dem heroischen Entschluss des Klubs, nur Spieler aus dem Baskenland (Navarra und das französische Baskenland jenseits der Pyrenäen eingeschlossen) zu verpflichten und daraus eine erstligataugliche Truppe zu formieren, eine bemerkenswerte Integrationsleistung: „Für Athletic Bilbao konnten sich (zumindest in Biskaia, der bevölkerungsreichsten Provinz) zu jeder Zeit Nationalisten wie Nichtnationalisten, Linke wie Rechte, Bischöfe wie Punks erwärmen.“ Hier darf also mitspielen, wer die entsprechende Leistung bringt und nach Ansässigkeit oder Herkunft Baske ist. Sprache, Rasse oder Gesinnung spielen keine Rolle, eher die weichen Kriterien der Gemeinschaftsfähigkeit. Ein Beweis dafür, dass Fußball dem Nationalismus nicht nur Ausdruck verschafft, sondern ihn manchmal segensreich ersetzt. PAUL INGENDAAY

Der blanke Hohn.

Den Autor dieses Buches, um den es da geht, kann ich übrigens gut nachvollziehen. Problematisch wird es, wenn man die Auffassung dieses Einzelnen (der dazu berechtigt ist, wie jeder zu seiner Meinung berechtigt ist) als die Denkweise eines ganzen Volkes hinstellt. Dass einem einzelnen Basken seine Kultur und Nationalität nichts bedeuten, sollte nicht den Kampf eines ganzen Volkes um Identität und Anerkennung in den Dreck ziehen. Das ist der Grund, aus dem sich der Artikel für mich anfühlte wie ein Schlag ins Gesicht Zigtausender, an allererster Stelle die Angehörigen von achthundert Mordopfern (danke, ETA) und von toten, verurteilten oder untergetauchten ETA-Mitgliedern, die bestimmt auch gern hören, dass das ihre Geliebten für eine Sache ihr Leben gelassen haben, gefoltert, misshandelt und eingesperrt wurden, die eigentlich ja kein Schwein interessiert und eh nur von Politikern dem Volk aufgedrückt wird. ETA ist nicht ohne Grund ein zentraler Aspekt der baskischen Geschichte. Natürlich ist es erfreulich, mal abzuschalten und den Blick vom Terrorismus zu nehmen, aber warum gab es denn die ETA nochmal? Bestimmt, weil jeder Baske es unnötig findet, seine Sprache in der Schule zu lernen, nachdem sie von der Straße schon zu riesigen Teilen verdrängt wurde. Wodurch? Sicher aus freiem Willen und Desinteresse an der eigenen Kultur. Da schreib‘ ich mich schon wieder in Rage, es ist doch nicht zu glauben. Widerlich.

Allein schon der Vergleich „Nazis“. Die Nazis sagen, von ihrer Nationalität, die sie ja haben, ausgehend, „wir sind was Besseres und alle Anderen sollen raus.“ Die Basken sagen, „wir sind gleichwertig, und wir wollen rein [in einen Staat für unsere Nation].“ Inwieweit ist das bitte xenophob? Dahinter steht schlicht und ergreifend die Forderung nach Anerkennung der eigenen, sehr realen und sicher nicht eines schönen Tages aus Lust an der Freud erfundenen Identität.

Schrieb ich übrigens auch Mama – mit ein paar Tagen Verzögerung, weil mich das Ganze zuerst doch ein bisschen zu fertig gemacht hat, um sofort eine Reaktion, die über „das ist harter Tobak“ hinausging (woraufhin mir Mama erstmal freundlich in Erinnerung rief, dass es eigentlich „starker Tobak“ hätte heißen müssen – so entsetzt war ich ob des Artikels, dass ich glatt meine eigene Sprache vergaß darüber), zurückzuschicken.

Kepa sollte ich den Text da oben auch mal zukommen lassen. Wobei, andererseits, wozu ihm das antun, ich vergesse das Ganze jetzt lieber schnell wieder, rege mich ab und beruhige meinen Blutdruck. Zu viele Vergleiche mit Nazis in dieser Woche, zu viele davon. Das machen meine Nerven nicht mit. Haben sie alle nichts Besseres zu tun, als abwegige Vergleiche mit Nazis zu Hilfe zu nehmen, wenn sie einen Punkt rüberbringen wollen?

So. R ist in einer Stunde [mittlerweile 20 Minuten!] schon hier, wenn alles gut geht. Kein Wunder, dass der Mensch so ein cholerisches Nervenbündel ist, wenn man bedenkt, dass er sich sein halbes Leben mit Politik befasst und im Zuge dessen ungefähr das getan hat, was mich nach einer Woche schon an den Rande des Wahnsinns treibt. Basti machte sich gerade aus dem Staub, und jetzt berede ich kurz mit Kepa das oben angeführte Meisterschriftstück. Er sagt, ich solle spanischer Regierungschef werden, es könne nur besser werden. Wo er wohl Recht hat. Ich würde das Land kurzerhand in seine Einzelteile zerlegen und aus den weniger als 50%, die danach von Spanien noch übrigbleiben, ein foodsharendes, recyclendes, in erneuerbare Energien und Cradle-to-Cradle investierendes Öko-Land machen, in dem Containern zur Pflicht (und, so bald es nur geht, ganz überflüssig) wird und Flüchtlinge nicht in Schiffen vor der Küste ertrinken.

Kommando zurück!

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So. Nachdem ich gestern Abend wieder einmal feststellen durfte, dass ich den Anforderungen dieses meines menschlichen Daseins nicht mehr auch nur im Geringsten gewachsen bin, sobald sie über das ganz Rudimentäre hinausgehen, verabschiede ich mich ein Mal mehr von der Illusion einer vollständig geheilten Existenz. Ebenso von der Idee, mit der Uni dieses Semester fertigzuwerden. Das ist eine Erleichterung. Nach Aufgeben fühlt es sich nicht an; ich glaube eher, mich mit dieser Entscheidung einen Schritt weiter in die Richtung hin entwickelt zu haben, in die ich eigentlich möchte. Raus aus der Matrix, raus mit mir.

Ich hatte ein unschönes Gespräch mit meiner Mutter, welche sich weniger an der Tatsache stört, dass ich nun beschlossen habe, meine Thesis im Oktober erst zu schreiben (dafür aber gründlich vorbereitet und ohne zusätzliche Uni-Belastungen), als (wie war es anders zu erwarten) an der ihr zugegebenermaßen geringfügig taktlos mit den Worten „Ich mach‘ keinen Master, das kannst du dir abschminken“ eröffneten Änderung an meiner Lebensplanung, die nunmehr den Fokus darauf legt, mich in der ökologischen Agrikultur zurechtzufinden statt in der literarischen Übersetzung.

Sie schafft es so zuverlässig, meiner kompletten Überzeugung die Grundsubstanz zu rauben, dass ich mich jedes Mal aufs Neue frage, warum ich überhaupt mit ihr über irgendetwas von Belang zu sprechen noch das Bedürfnis hege. Statt ihre Bedenken sachlich zu äußern, befindet die Frau es für notwendig, mich in meiner Gesamtheit so platt zu machen, dass ich ein ganzes Leben lang daran zu knabbern haben werde, mich von ihrer Stimme in meinem Kopf zu befreien, um eventuell irgendwann doch wieder annehmen zu können, dass ich es in meiner Welt, mit meiner Vision, auf meine Art zu etwas bringen werde. Etwas, das ich auch selbst tatsächlich will.

Ich bin heute Nacht um vier Uhr aufgewacht und konnte ewig nicht mehr einschlafen. Das passiert mir ungefähr einmal in drei Jahren. Wobei es, wenn ich mich richtig erinnere, heute Früh vor allem darum ging, dass ich mir Horrorszenarien ausmalte für den Fall, ich wäre schwanger. (Ich habe zwar momentan die krassesten PMS diesseits der Schmerzensgrenze, aber werde das blutige Elend dieses Mal wahrscheinlich trotzdem mit einem solchen Enthusiasmus empfangen, dass es schon bald annehmen müssen wird, sich in der Adresse geirrt zu haben.)

So, zum Abschluss noch ein gewohnt-absurdes schriftliches Ukumenschgespräch – neuerdings, exhileratingly, frei jeden Gefühls des Zermatschtwerdens – und dann ab ins Bett.

Darf ich dich behalten?

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Ich hab‘ dann heute einfach mal mit einem Nicken geantwortet, statt wie zuvor mit verbalen Ausflüchten à la „ich würd‘ gerne behalten werden“. Nachdem ich offenbar nach wie vor unfähig bin, eine Verbindung zwischen meiner Innenwelt und hörbar geäußerten Worten herzustellen – danke auch, zu gut funktionierende unfreiwillige Selbstschutzfunktion – gebe ich mir umso mehr Mühe, das, was ich nicht sagen kann, auf jede erdenkliche andere Art zu demonstrieren. Vielleicht haben diese Aussagen von ihm – „wie bin ich nochmal an den liebsten Mensch der Welt gekommen?“ – auch darin ihren Ursprung. Er kann reden. Wenigstens einer von uns. Wie sagt er so schön (und ich will nicht wissen, seit wie vielen Jahrzehnten zu wie vielen Menschen, aber am Ende waren es vermutlich doch weniger, als ich mir denke) – kennst du das, wenn du dein Glück berühren, aber nicht fassen kannst?

Er wäre nicht unsicher, würde er den Unterschied feststellen zwischen dem, was ich tue, und dem, was ich normalerweise inclined wäre zu tun. Er hat nicht die Spur einer Ahnung, was für eine riesige Diskrepanz besteht zwischen dem, was ich inclined bin zu tun, und dem, was mich der immense Grad an Zuneigung, die ich ihm mittlerweile entgegenbringe, letztendlich zu tun befähigt. Jeder Mensch, der mich kennt, müsste mich nur drei Minuten lang in seiner Gegenwart beobachten und könnte ihm aus vollster Überzeugung versichern, dass dieses Verhalten durch nichts erklärbar ist außer ebenjenem Zustand vollkommener geistiger Verwirrung.

Ich höre Bueltatzen auf Repeat, seit nunmehr schon fast einer Stunde.
Ich weiß, ich weiß. Aber egal, was das am Ende für Dramen mit sich bringt; wer weiß, wann sich mir das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, jemandem Bueltatzen an den Hals zu dichten.

Das ist doch unmöglich. Jemand liebt mich, und ich glaube es auch noch. Natürlich glaube ich nicht, dass das lange so bleibt, geschweige denn ein schmerz- und zerstörungsfreies Ende nimmt, aber jemand liebt mich jetzt gerade, und ich liebe ihn zurück. Wie absurd ist das bitte. Ich hatte mit der Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, ehrlich gesagt in diesem Leben nicht mehr gerechnet.

Jetzt macht der Luxmensch wieder Probleme. Argh. Argh. Argh. Würde ich nicht so unbedingt wollen, dass er R’s Wohnung bekommt, wäre mir das ja alles egal, aber er MUSS es irgendwie heute hierher schaffen. Boah Mensch.. was für ein Chaos. Nebenbei erwähnt – ich habe noch nichts gepackt. Nichts. Und morgen bin ich weg. Theoretisch. Das wird ja mal lustig.

Miau.

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Leider wurde das Nesselfieber, das mich seit Samstag Abend heimsucht, heute so schlimm, dass ich fast nicht wusste, wie ich in die Uni kommen sollte. Zum Glück war es besser, als ich erstmal dort war. Ich habe das 8.15-Seminar geschwänzt – wunderbar gemacht, letzte Stunde vor der Klausur schwänzen hat doch eh immer was, erst recht, wenn’s dasjenige Seminar ist, das der Prof leitet, bei dem du BA schreiben willst und den die Klausur dementsprechend nicht allzusehr entsetzen sollte.

Naja. Aber dafür habe ich bis um die 12 geschlafen und kam mir endlich mal nicht mehr so sehr wie ein Zombie vor. Sanskrit wieder unvorbereitet überlebt, in Euskera kurz aufgeblüht und dann ab nach Hause, wo ich mich todesfertig daran machte, mein lang geplantes Semmelknödel-im-Glas-Projekt in die Tat umzusetzen und nebenher etwas zu essen. Wurde Zeit; der Mensch ist halt nicht dazu gemacht, auf der Basis eines mickerigen, aus einer Banane und einem Löffelchen Schokoeis, Wasser und Milchpulver bestehenden Shakes über den ganzen Tag zu kommen.

Gestern hat sich ja noch alles Mögliche Schöne ereignet. Ich habe nach einem wenig fruchtbaren Gespräch mit Mama über meine Lage (wer hätte es gedacht; was hätte da auch Anderes als eine totale Katastrophe rauskommen sollen) mich dann schnellstens auf zu Moritz gemacht, bei dem ich dann immerhin noch eine knappe Dreiviertelstunde Zeit hatte rumzuhängen. Und das war wirklich schön. Chrissi, sein Mitbewohner, war auch da, und während wir auch nicht dazu kamen, die Thematik anzuschneiden, war ich einfach nur total glücklich, dasein und mich so unkompliziert und erfüllend mit diesen beiden lustigen, lieben Zeitgenossen unterhalten zu können.

Natürlich war ich ein kleines bisschen zu spät zurück – Peruaner-Pedro rief mich vom Parkplatz vor meiner Haustür aus an, da war ich noch nichtmal beim Bahnübergang unten vor dem Berg. Die von der Tafel sagten mir, als ich sie eine Minute danach anrief, dass sie absolut nichts dahatten, das ich hätte abholen müssen, und mit dieser Nachricht begrüßte ich Pedro, der mir daraufhin vorschlug, doch einfach ein bisschen zusammen um den Bodensee zu fahren. Gesagt, getan. Er hatte auch ein paar Sachen auf dem Herzen, aber den Großteil der Zeit verbrachten wir natürlich mal wieder mit meinem Kram. Und natürlich schaffte ich es nicht zu Türkisch um viertel nach drei, vielmehr fand ich mich irgendwann in Pedros Zimmer vor einem gigantischen einfarbigen Spiralenpuzzle wieder, an dem wir in ungefähr einer Stunde ungefähr fünf Stücke weiterkamen (und uns darüber nen Keks freuten). Dann wollte Pedro containern gehen – es geschehen noch Zeichen und Wunder. Natürlich ließ ich mir das nicht zweimal sagen – Containern mit dem Auto, gibt es etwas Luxuriöseres?
Der richtige SuperGAU kam dann aber, als wir nach an sich schon recht erfolgreichem Beutezug noch zu Sarah fuhren und mit ihr zusammen unsere letzte Station anpeilten. Ich glaube, ich habe selten in meinem Leben so einen Fang gemacht wie gestern. Das war nichts Anderes als völlig absurd. Also, mein Kühlschrank, Gefrierfach und begehbarer Kühlschrank aka Bereich vor unserer Gartentür sind jedenfalls gut gefüllt.

Irgendwann war dann endlich alles fertig und ich habe

…war ich dabei zu schreiben, dann tauchte ein unfassbar niedlicher bekiffter R eine Stunde früher als erwartet bei mir auf und ich sah mich gezwungen, die Veröffentlichung dieses Eintrags auf später zu verschieben, genauer gesagt, auf jetzt.

Er hat Trudi und Hannes kennengelernt und gleich mit ihnen gebondet, nachdem er feststellen durfte, dass die beiden auch zur Gattung der Graskonsumenten zählen, und Trudi ihm natürlich gleich anbot, mit ihnen noch einen durchzuziehen. Ich hatte inzwischen schon die tiefgreifende Erkenntnis gehabt, dass stoned R in etwa das Goldigste ist, das mir je unter die Augen gekommen ist, und war glücklich, dass er die Gelegenheit hatte, noch mehr von dem Zeug zu inhalieren. Wirklich, ich kam mir fast selbst vor wie auf Drogen, solche Lachflashs hatte ich gestern. Was für wunderbaren Schwachsinn er einfach redet. „Leg dich andersrum, bitte, mich überfordert dein Gesicht aus dieser Perspektive. Wirklich jetzt, du solltest dich umlegen. Also, ich will dich nicht umlegen, und du sollst dich auch nicht umlegen, aber bitte leg dich um!“

Was ist noch passiert, abgesehen davon, dass ich augenscheinlich anfange, mich in meinen Freund zu verlieben, und das auf Basis von Gras? Hm. Vorhin rief mich Peruaner-Pedro an, um zu fragen, wann er bei mir vorbeikommen soll, und ich war todesverwirrt, weil wir überhaupt nichts ausgemacht hatten und er mir aber einreden wollte, wir hätten etwas ausgemacht, und da mein Verstand noch nicht wirklich dawar, habe ich sogar wirklich gezweifelt. Jedenfalls muss ich noch Maialens Probeklausur machen und herausfinden, was ich heute Abend tue, um R bescheidsagen zu können, ob ich nach der Uni zu ihm komme. Daran sollte ich mich jetzt wirklich mal machen, bevor Pedro hier aufkreuzt.

Das Nesselfieber ist immer noch da. Und es tut weh. Trudi hat mit ihrer Mutter geredet und mir etliche Ratschläge von ihr übermittelt, mir Medikamente aus Harz und Heilpflanzen zur Verfügung gestellt und mir Shea-Butter zum Einreiben gegeben, was wirklich lieb von ihr war.

Und ich muss jetzt ganz dringend aufstehen und mein Kokosöl ausspucken, und das eigentlich schon seit mindestens zehn Minuten.

Klarkommen. Irgendwie.

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Wie durch ein Wunder hat mein Instinkt den Weg zu meinem fast vergessenen Allheilmittel gefunden. Ich sitze also Artwork hörend im Bett, bei geschlossenen Fensterläden – schon wieder einer dieser Menschen, die von Licht aufwachen und es daher vorziehen, in komplett dunklen Räumen zu schlafen. Nur dass Kepa letztendlich doch immer sagte, ich solle nicht extra noch rausgehen und die Dinger zumachen – damit hatte R dagegen kein Problem.

Ich habe das furchtbarste Nesselfieber seit vorgestern Abend. Das ist stressbedingt und ich hatte es davor nur ein einziges Mal, an meinem neunten Geburtstag nämlich. Damals, weil ich so aufgeregt war, dass ich Geburtstag hatte. Am Ende musste meine Mutter meine Gäste nach Hause schicken, weil ich in schrecklichen, juckenden Pusteln gebadet war.

Panik, Panik. Und müde. Artwork macht mich ruhig, und die verbleibende Panik macht mich müde – ich will schlafen.

Klausuren. In einer Woche. In einer Woche. WARUM?

Okay. Haha, es wird immer noch absurder. Moritz, mit dem Sarah und ich Musik machen, hat mich grad spontan zu sich eingeladen, nachdem ich ihm sehr ungeplanterweise von meinem verwirrten Zustand berichtet habe (selber schuld, wenn er fragt, was ich treibe.. nicht wirklich, natürlich) – ein Mensch, den ich fast nicht kenne. Auf einmal tut er das. Das ist.. Gowai, das ist so unfassbar lieb von ihm. Ich seh’s kommen, ich fang an zu heulen, wenn ich da bin. Oder so. Vielleicht ja nicht, zu hoffen wär’s.

Jetzt habe ich Artwork durch und somit Motivation, aufzustehen und mich fertigzumachen und zu Moritz zu fahren. Ja, dann werde ich das wohl jetzt mal tun. Peruaner-Pedro hab‘ ich gerade noch geschrieben, ob er immer noch heute mit zur Tafel will – das hatte er mir angeboten letzte Woche, da er ja gerade Urlaub hat und irgendwann auf die Idee kam, wir könnten doch mit dem Auto fahren, dann müsste ich mich nicht so kolossal abschleppen.

PANIK. Ich will weiter Artwork hören. Aber ich kann ja mein Leben schlecht ab jetzt Artwork hörend im Bett verbringen. Auch wenn es wenig gibt, das ich lieber täte.

Writer’s Eyes

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Uxue Apaolaza. Seitdem ich mit Daniel das eine Mal pro Woche einen ihrer Texte durchackere, habe ich wieder Ambitionen zu schreiben. Nicht beschreiben, blogmäßig, tagebuchmäßig, sondern so richtig, stilistisch wertvoll, kreativ, poetisch, metaphorisch, alles. Seitdem sehe ich die Welt wieder mit ganz anderen Augen. Schreiberaugen, könnte man fast meinen. Auf einmal erscheint mir jedes kleine Facettchen wie eine Inspiration. Da sieht man mal wieder, was für ein psychologisches Gefudel eigentlich das Schreiben ist. Was auch immer du schreibst, es ist nichts Besonderes; es war schon in aller Leute Augen. Alles, was du machst, ist eigentlich, zu schreiben, was jeder sieht, nur mit anderen Wörtern, welchen, die sie alle nicht sehen. Manchmal. Und manchmal ist es auch anders, und selbst das funktioniert.

Ich habe einen atemberaubenden Satz heute hinbekommen in meinem privaten Euskera-Unterricht:

„Allí se ven cosas que normalmente no se ven.“

Natürlich habe ich jetzt wieder vergessen, wie man das sagt. Han, normalean ikusten ez dituen gauzak ikusten da? Ditut? Dituzte? Oh je. Mein Kopf wird schwammig und fordert mich zum Schlafengehen auf. Es war auch nicht gerade der unanstrengendste Tag meines Lebens. (Aus Hamburg wiederkommen, Euskera, kurz nach Hause, in die alte Wohnung zur Vorabnahme, kurz nach Hause, eine Wand der alten Wohnung streichen, Zimmer und Terrasse zu Ende leerräumen, zum Zähringer fahren, Tasche verloren haben, zurück zur alten Wohnung, Tasche suchen (erfolglos), kurz nach Hause, zur Polizei mit Trudi und ihrem Bruder, nach Hause, EC-Karte sperren, Schokofondue mit Film (Charlie & the Chocolate Factory, was gibt es Passenderes) und ab ins Zimmer. Ruhe. Googlen, wie man mit wenig Platz im Kleiderschrank viele Anziehsachen unterbringt (Kopenhagen war erfolgreich). Schlafen.) Ade, gabon.