Schlagwort-Archive: Tee

Gefühlskater

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Okay, mich hat’s dann doch noch gepackt und ich habe Basti die wohl beleidigtste SMS meines Lebens geschrieben, bevor ich schlafenging. Außerdem habe ich als vorbildlichstes aller Terrorweiber R mitten im Bus eine Szene ohnegleichen gemacht mit Bezug auf seine absurden Ausgaben für Rauchzeug. Daraufhin verbrachte ich den Rest des Abends praktisch mit Becci am Telefon, unterhielt sie eine Weile mit meinen Sorgen und tauschte mich mit ihr über die neuesten Dramen und Errungenschaften unser beider Leben aus. Becci hatte seit Montag mit niemandem mehr geredet und war dementsprechend mitteilsam aufgelegt. Sie bekämpft ihre Schlaflosigkeit mittlerweile mit Medikamenten gegen Schizophrenie, die in geringer Dosis entsprechende Nebenwirkungen haben – es funktioniert so halb. Sie muss erstaunliche Einblicke in meine alltägliche Existenz gewonnen haben damit, nachdem sie dann auf einmal fünfzehn Stunden am Stück geschlafen hatte und sich immer noch gerädert fühlte.

Zehn Minuten, dann fahre ich los und lasse mir in einem hessischen Kaff Kerzen schenken. Ich nehme mein Fahrrad mit und hoffe nur, dass der Akku die Strecke von drei Kilometern von und zu der dortigen S-Bahn-Haltestelle noch durchhält. Aber yay, Kerzen! Als nächstes poste ich in der Free-your-Stuff-Gruppe ein Gesuch für Tee. Ich habe zwar noch Unmengen davon, aber man kann nun wirklich nie genug Tee haben.

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Tee in der Matrix

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Ich bin gerade zu der erhebenden Einsicht gekommen, dass einige Schritte weg vom geldverbundenen Konsum mit einem hochgradig geringen Aufwand zu erreichen sind, so gering, wie es nicht einmal mir je bewusst war. Ich bin dahintergekommen, dass uns allein das Wort „Verzicht“ die riesigsten Steine in den Weg legt, und dass dieses Wort eine Lüge ist und bei uns im Hirn so felsenfest manifestiert, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis wir das üble Konstrukt aktiv abgebaut haben. Dass die Gesellschaft mit absurden Standards lebt, und dass so oft hinter dem „ja, aber ich müsste auf so Vieles verzichten“ eigentlich steckt, „ich würde mir so Vieles nicht mehr zuführen, was mir schadet“.

Das sind jetzt wirre Worte, das ist mir bewusst; das ist kein fertig ausformulierter Gedanke, sondern einfach das schnelle Dokumentieren meiner (späten) Erkenntnis dessen, was sich die Menschen heutzutage vorleben. Manchmal habe ich so lichte Momente, in denen mir auf einmal klar wird, wie allumfassend auf der einen und zerbrechlich auf der anderen Seite das Gespinst eigentlich ist, in dem wir alle leben. Es ist eine Matrix. Wir sind die Matrix. Es erfordert nur einen einzigen Klick, ein Umschalten der Gedanken, um sich das vor Augen zu führen.

Es kam eigentlich dadurch, dass ich im Garten war und wieder darüber nachdachte, den Salbei und die Zitronenmelisse vor dem Winter zurückzuschneiden. Darüber kam ich dann auf unsere Teevorräte und darauf, dass ich mir eigentlich mit den Kräutern aus unserem Garten genug Tee für den Rest meines Lebens machen könnte. Dann dachte ich, naja, aber dann hätte man eben nur noch Kräutertee im Haus. Und dann dachte ich, aber was gibt es auch Gesünderes. Selbstgemachter Tee und nix industriell Gefertigtes. Und meine getrockneten Apfel-Grapefruit-Stückchen habe ich ja auch noch.

Also, liebe Welt, höre meine Verkündung: Ich kauf‘ mir nie wieder Tee, solange ich meine Kräuter habe.

Tee trinken

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Wenn man nicht weiß, was zu tun ist, was bleibt einem übrig als Aushalten und Abwarten?

Manchmal frage ich mich, wie ein einzelner Mensch so wenig wissen kann, dass es ihn handlungsunfähig macht.

Wenigstens habe ich mir in Bayonne eine Thermoskanne geholt; so bleibt mein Tee zumindest warm. (Auch wenn irgendein Chaot aus meiner WG dieses Mittelschraubteil verlegt hat, nachdem ich es gerade ein Mal benutzt hatte, und ich die Kanne seit jenem Zeitpunkt nur noch kerzengerade in der Hand gehalten durch die Gegend transportieren kann.) Gerade jetzt im Winter ist warmer Tee doch lebensnotwendig. (Ja, Winter. Siberia-Gasteiz verzeichnete am gestrigen Tage -4°, da sag noch einer, das Baskenland würde zu Spanien gehören.)

Über Tee und das Glücklichsein

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Ich bin mal wieder glücklich. Also, genaugenommen war ich im letzten Dreivierteljahr ja andauernd glücklich, verglichen mit dem Leben, das ich davor geführt habe.

Gerade schlürfe ich Lindenblütentee, den ich in der Herberge im Baskenland stibitzt habe – es haben sich Anzeichen eines Hustens bemerkbar gemacht, der sich bei mir einnisten möchte, und ich tue mein Bestes, um das zu verhindern – ich habe ein Leben zu leben, da kann ich doch keine Erkältung gebrauchen. Überhaupt war ich seit über einem Jahr nicht mehr wirklich krank, den letzten Schnupfen hatte ich, glaube ich, im März 2012, und in der Uni habe ich bisher keinen einzigen Tag wegen Krankheit gefehlt. Ich liebe mein Immunsystem. Es hat nur ein paar Jährchen gebraucht, um endlich richtig in Gang zu kommen, aber jetzt funktioniert es prächtig.
Oder vielleicht sind es auch die Acerolatabletten in Kombination mit der grandiosen Art und Weise, mit der ich auf mich selbst aufpasse. Wenn ich nicht gerade im eisigen Regen auf der Terrasse dusche oder mit Ananassaft und anderen Aromen zweifelhaften Ursprunges versetzte Croissants aus der Edeka-Tonne mampfe. (Sie waren wirklich etwas eklig, da muss ich JO Recht geben.)

Hach, der Tee tut gut.

Inzwischen habe ich schon einige der wichtigen Sachen, die ich tun musste, erledigt. Für die Klausuren habe ich mich angemeldet (Deadline war gestern), ERASMUS- Bewerbung ist abgeschickt (Deadline war ebenfalls gestern) und die Geburtstagskarten für meine Eltern sind immerhin angefertigt und geschrieben. Nun muss nur noch die CD mit den Aufnahmen dazu, die sich Mama gewünscht hat. Und da meine lieben Bandmenschen morgen aller Voraussicht nach schon wieder bei mir sind (heute, bzw gestern, hatten wir auch Probe), kann Sarah mir gleich einen CD-Rohling von sich zu Hause mitbringen und mit mir zusammen das Lied von Dido aufnehmen, was Mama unbedingt dabei haben wollte, This Land is Mine. Ist ja auch ein wunderbares Lied, da gibt es keinen Zweifel. Irgendwann, hoffentlich, kann ich es singen und jemanden haben, an den ich dabei denke.

Aber nicht so viel wünschen. Wo kommen wir denn da hin. Ich bin so froh und dankbar, heute all das zu sein und zu haben, was ich heute bin und habe. Jeden Tag aufs Neue, für alles. Wie viele Menschen wohl vor sich hinleben und nie den Grad an Zufriedenheit erreichen, ohne überhaupt zu ahnen, was für eine ganz andere Welt ihnen da verwehrt bleibt.

Nunja, aber bevor ich jetzt in die eine oder die andere Richtung abschweife und anfange zu lamentieren, wie gut alles ist bzw wie viel besser es trotzdem immer noch sein könnte, gehe ich mal lieber meine To-Do List für den vergangenen Tag durch und schaue, was ich so alles geschafft habe.

Edit: Ähm, so viel dazu. Ich habe mich stattdessen auf die Suche nach einem Video zu This Land is Mine begeben, um es zu Verdeutlichungszwecken in diesen Eintrag einbinden zu können, habe mir zwischendrin einen Tumblr-Account angelegt (kausaler Zusammenhang teilweise, aber nicht wirklich vorhanden), bin nichtmal auf den dubiosesten Seiten wirklich fündig geworden (ich habe genau eine Version in voller Länge gefunden, und zwar in mieser Qualität auf einer russischen Seite, aus dem Radio aufgenommen) und habe mich daher entschlossen, es schnell selbst hochzuladen. Musste dafür allerdings noch die Datei in mp3 konvertieren und dafür einen Converter runterladen.

Also, ich hoffe, man weiß meine Mühen zu schätzen.

This Land Is Mine

Und ich werde wirklich krank, mein Halsinneres ist schon äußerst schmerzhaft auf das Doppelte seiner normalen Ausmaße angeschwollen. Nicht gut.

Unreal.

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Heute (naja, gestern) hatte ich ein Gespräch mit dem wunderbarsten, kompetentesten Psychiater aller Zeiten. Der Mensch ist so vertrauenswürdig, dass ich ihm ohne irgendwelche Bedenken mein wackeliges Befinden in die Hände gelegt und mir das Zeug, das er mir verschrieben hat, gleich danach in der Apotheke bestellt habe.

Uni war geringfügig zermürbend. Die Grammar in Context-Dozentin wollte uns irgendwelchen Schmarrn weismachen und hat sich nichtmal auf eine ordentliche Diskussion mit mir eingelassen, und ich war zu schlafentzogen und matschig, um hinterher noch zu ihr hinzugehen und auf der offensichtlichen Wahrheit zu beharren und nicht eher aufzugeben, als bis sie es auch verstanden hätte.

Im Phonetiktutorium konnte ich unbegreiflicherweise die Artikulogramme, die wir machen sollten, als eine der Schnellsten fertigstellen und habe den Kopf nach getaner Arbeit für eine halbe Minute zum Schlafen auf dem Tisch abgelegt, bis die Tutorin ankam und fragte, ob in unserer Ecke alles in Ordnung sei. (War es nicht; in meiner schlaflosen Konzentrationsbrillianz hatte ich das stimmhafte [R] in Wort „Freude“ als stimmlos eingezeichnet, aber abgesehen davon hatte ich fast alles richtig, bis auf ein paar Kleinigkeiten in anderen Wörtern.)

Türkisch war auch wieder eine einzige Tragödie; ich hatte keinen Tee mehr in meiner Thermoskanne und war schon mit den Nerven fertig, bevor ich überhaupt ankam.
Vor der Tür zum Türkischraum stand Sebi, der mit dem Dozent was klären wollte, und ich habe die Chance genutzt, um ihn meine Schlaf- und Teelosigkeit betreffend zuzujammern. Langsam müsste ich mir das mal wieder abgewöhnen; er kann ja nicht ahnen, was es für ein Privileg ist, von mir zugejammert zu werden. (Wobei das jetzt auch falsch verstanden werden könnte. Ein Privileg eigentlich nur in dem Sinne, dass es nur einer recht begrenzten Anzahl Leute plus Blog überhaupt zuteil wird, nicht in dem Sinne, dass es die herrlichste Erfahrung ist, die man in seinem Leben so machen kann.)

Nachdem die Uni endlich überstanden war, bin ich noch schnell ab zur Apotheke, um mein Zeug abzuholen. Von da aus so schnell es ging nach Hause, wo meine Hektik nahtlos dazu überging, mit Sarah die restlichen Vorbereitungen fürs Running for Dinner zu treffen, einer Aktion des Wohnheims, in der jede WG die Möglichkeit hat, zu einer anderen für einen Gang zum Essen zu kommen. Uns hatte das Los Vor- und Nachspeise zugeteilt und weil wir ja gerade letzte Woche unseren herrlichen Pürierstab gekauft haben, mussten wir ihn natürlich zelebrieren und haben Kürbissuppe und Mango-Lassi produziert; beides ist uns wirklich gut gelungen. Sogar in den Riesenmengen – zur Suppe hatten wir vier Besucher und uns selbst zu versorgen und zum Nachtisch sogar sechs. Zur Hauptspeise waren wir drüben im anderen Haus bei einer ziemlich netten WG, deren drei Teilnehmer uns mit Salat, selbstgemachter Pizza und Wein verpflegt haben.

Nachdem ich hier noch ein bisschen Klarschiff gemacht hatte, wurde es Zeit, mein Versprechen einzulösen und Caro zu schreiben; ich hatte ihr gesagt, das würde ich tun, wenn ich vom Arzt käme. Und siehe da: Gerade war ich dabei, ihr eine hochdramatische Nachricht zu schreiben mit dem ungefähren Inhalt, sie solle sich dreimal überlegen, ob sie wirklich meinte, was sie da gesagt hatte, und dass das Zeug jetzt erstmal ein bisschen brauchen würde, bevor es wirkt, ich daher keine Risiken eingehen wollen würde und sollte sie irgendeine Art Ressentiment oder sonstige negative, nicht zu 100% unterdrückbare Gefühle mir gegenüber haben, ich sie bitten würde, mich bis das geändert wäre einfach nicht mehr zu kontaktieren. Dass ich mich aber auch freuen würde, falls sie tatsächlich vorhätte, mir zu helfen.
– da schreibt sie mir, rate dreimal, wo? Bei ooVoo. Sie hat sich ooVoo wieder runtergeladen. Wenn ich mir nur überlege, wie überfordert ich davon vor einer Woche noch gewesen wäre. Ich wäre ja glatt wieder am Hyperventilieren gewesen.

Jedenfalls habe ich ihr verkündet, dass ich eh gerade dabeiwar, ihr zu schreiben. Ich war eher dramatisch gelaunt und nicht so adrenalisiert wie letztens und außerdem fest entschlossen, diesmal meine Würde zu behalten. Trotzdem hatte ich einen unglaublichen Horror vor der Vorstellung, sie würde dazu tatsächlich nichts mehr schreiben. Tat sie dann aber, sodass eine weitere Unterhaltung zustandekam, die mir vielleicht, wenn ich sie in wachem Zustand nochmal überdenke, noch besseren Aufschluss über die Situation geben kann. Jetzt erstmal bin ich einfach nur geschlaucht, gehe ins Bett, freue mich auf angenehme 4h44min Schlaf (ach was, als ob ich je in 14 Sekunden den Eintrag zu Ende getippt, abgeschickt, und den Computer zugeklappt bekomme) und die Uni – insbesondere auf Redacción nachher um viertel nach acht. Oh Graus! (Alle Leute laufen schnell nach Haus!) (Schön wär’s.)

I Don’t Feel Strange, It’s More Like Haunted

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Okay. Bis jetzt habe ich heute…

– wie durch ein Wunder noch gerade so pünktlich zum Baskisch-Fototreffen einen Bus bekommen, nachdem ich schon dachte, ich hätte keine Chance mehr, rechtzeitig in die Uni zu kommen
– mich glücklich schätzen können, dass ich meine Vokabeln alle gut konnte, sie hat uns abgefragt – wie in der Schule!
– den letzten Rest Tee aus meinem Thermoskannendeckel mit Schwung über meine Baskischmappe und den Tisch gekippt, als ich, in der festen Überzeugung, es wäre nichts mehr drin, ihn zurück auf die leere Kanne schrauben wollte
– schonmal Reis und Blumenkohl fürs Abendessen gekocht
– in der Zeit einen dieser supersinnvollen Monodialoge mit imaginären Personen gehalten (irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen und sich dabei so effizient wie möglich selbst fertigmachen)
The Forgotten auf dem Keyboard gelernt (es ist die erste Single vom Album ¡TRÉ! (und gleichzeitig wohl Teil des neuen Twilight-Films, was mich ein bisschen verstört, aber gut, müssen sie wissen.), und nach Oh Love der erste Green Day-Song, den ich dieses Jahr vor der Veröffentlichung des entsprechenden Albums angehört habe)

…und bis jetzt gerade mit Janine telefoniert, die mir eben ein unglaublich schönes Lied geschickt hat – lange nicht mehr so geflasht worden. Wenn man den Anfall, den The Forgotten ausgelöst hat, mal dezent ignoriert, aber das kann man auch wirklich nicht vergleichen.

Schau es dir an:

Glühtee.

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Das ist ja mal wieder typisch. Es ist schon wieder Freitag (der Dreizehnte noch dazu), zur Klausurenwoche sind es noch ganze zwei Tage hin, ich habe immer noch kaum etwas getan und sitze hier todtraurig, weil ich es offensichtlich geschafft habe, die gesamte Türkisch für Anfänger-Serie in drei Tagen und genausovielen Nächten durchzugucken. Vorbei! Neeein! Und es wurde nichtmal verkündet, wie das Baby heißt. Der einzige positive Aspekt, den ich dem Ganzen abgewinne, ist, dass ich nun fürs Erste nicht mehr ertragen muss, wie Costa, der Stotterer, die ganze Zeit „Yag-mur“ sagt. Er scheint von sowas wie einem Yumuşak-G noch nie etwas gehört zu haben.

Naja. Abgesehen von diesem tragischen Verlust meiner zeitweiligen Vollzeitbeschäftigung musste ich gerade die schwerwiegende Entscheidung treffen, wie viel Rum in meinen Tee sollte. Ich glaube, ich habe zu viel reingekippt, das riecht ja bald wie Weihnachtsmarkt mit etwas unkonventionellerem Glühwein. Lustig, dass ich gerade letztens die Cocktails aus der Letzten Woche erwähnte. Dadran erinnert mich der Geruch nämlich auch.
Na, aber ich hatte keine Milch mehr, und irgendwas muss man ja reinkippen. Und es schmeckt wesentlich erträglicher als unsere Experimente damals. Zumindest als die Variante mit.. was war’s nochmal? War die mit Schwipp-Schwapp die ekligste? Aber da war noch.. verdammt, ich müsste wirklich die Aufnahme hören; mit ein bisschen Glück würde die mir Aufschluss geben. Ha. Ha.

Ähm, egal, jetzt ist jedenfalls die letzte Woche Uni vorbei, nur noch Klausuren irgendwie überstehen und.. oh, mir wird gerade so warm von dem Tee. Mal gucken, ob Laura mal wieder was hören lässt jetzt am Wochenende, Robert ist sich heute mit seinem besten Kumpel und dessen Freundin besaufen (Originalzitat) und mir ist komischerweise immer noch nicht nach Lernen. Laaangsam wird’s knapp.

Hey, das riecht wirklich nach Glühwein.

Wenn mehr Tage so wären..

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ich würde ewig leben wollen. -Will ich zwar so auch schon manchmal, aber meistens dann eher doch nicht.

Ich könnte dazu meine Aussage wiederholen, die ich irgendwann Mitte Oktober gemacht habe, ein paar Minuten (Stunde?) vor der Entstehung des Hope Songs. „Ich traue dem Braten nicht.“ (Antwort darauf war, „welchem Braten?“ -Ooooh, eventuell dem, dass du plötzlich zu ooVoo kommst und mir schreibst, ob wir Ritual machen sollen, als hättest du nicht gerade mal eben zwei Wochen ohne Erklärung nicht mit mir geredet.) Ich warte nämlich wirklich bereits darauf, dass mein Hirn mal wieder mit einem fröhlichen „BAZINGA!“ hinterm Busch hervorgesprungen kommt und die synaptischen Hormonrezeptoren wieder auf Aufnahmehemmung umstellt. Und der Erfahrung nach, wenn ich einem Braten nicht traue, dann ist dem Braten auch nicht zu trauen.

Aber gut, dann muss das so sein; heute war jedenfalls blendend. Ein wunderbarer Tag voller Sonne und Wärme und Motivation. Ich habe so viel an diesem Tag geschafft wie sonst nicht in einem Monat. Ich kam mit einer Laune aus der Uni, das war schon nicht mehr normal. Aus irgendeinem Grund hatte ich einen unglaublichen Hunger auf Joghurt, also bin ich direkt wieder losgefahren und einkaufen gegangen. Es war so warm, dass ich zum ersten Mal in diesem Jahr hier im Land mit Flipflops rausgegangen bin.

Als ich wiederkam, war es sogar noch wärmer. Zum Glück habe ich mir letztens bei Penny diesen Kühlbeutel für einen Euro gekauft, so ist mein Riesenbottich Naturjoghurt unterwegs nicht warm geworden und ich konnte zu Hause gleich eine Schüssel davon essen. Die neue Mitbewohnerin war auch wieder fleißig am Einräumen. Sie hatte ihre Tür auf und wir haben uns durch die Wohnung hinweg unterhalten. (Das Ausmaß der Bedeutung dieser Tatsache kann man allerdings nur verstehen, wenn man schon ein Semester lang vorher hier gewohnt hat.)
Unser Luxusbad ist auch fertig eingerichtet. Wir haben jetzt zwei Badematten und zwei Regale. Oh ja, ich sag’s dir. Luxus.

Ich war unsagbar motiviert, immer noch, und habe alles Mögliche erledigt, als wäre es gar nichts. Genau so kam ich mir vor, ich bin einfach durch den Tag geschwebt und habe spontan irgendwelche Sachen erledigt. -Alles der Sonne zu verdanken.-  Sukkulente umgetopft, die war in ihrem kleinen Töpfchen nicht richtig stabil, und wenn schon die Drachenpalme meiner Behandlung (oder eher Neglektion) zum Opfer gefallen ist – die hing seit Monaten unverändert schlapp aus ihrem Topf, bis ich sie schließlich rausnahm und feststellte, dass die gesamten Wurzeln verfault waren – unheimlich, dass die Blätter einfach weiter grün geblieben sind über den ganzen Zeitraum hinweg – dann soll wenigstens die Sukkulente nicht das gleiche Schicksal erleiden.
Die kleinen Ableger aus dem Frankfurter Palmengarten, die ich mir Sonntag unter den Nagel gerissen hatte, in den freigewordenen Topf umgesiedelt.
Fensterbank organisiert, sodass nur noch die Pflanzen draufstehen.
Fenster geputzt. Glastür geputzt. Erkältungstee getrunken, ich war nämlich den halben Tag über so richtig matschig im Kopf, muss mir was eingefangen haben. (Auch egal. Hauptsache die Stimme verlässt mich nicht schon wieder.)
Zimmer größtenteils aufgeräumt. Sachen abgeheftet. Ein paar Stunden draußen gesessen und Bandshirts von zu engen Ausschnitten befreit, bis die Sonne wegwar.
Mais-Bohnen-Fritters gemacht. Die neuen Regale im Bad eingeräumt. Mehr aufgeräumt.
Und irgendwann, nach acht Uhr jedenfalls, ins Bett und Computer an und mit Robert geredet bis zehn Uhr. Dabei sogar noch angefangen, mir die Nägel zu machen. Ich habe außerdem festgestellt, dass Nagellackdämpfe auch gegen verstopfte Nasen helfen.

Nicht schlecht, oder, zumindest im Vergleich mit meinem Durchschnittstag: Aufwachen, Uni, eventuell essen – falls ich inspiriert genug bin, um mich zu entscheiden, was – das ist eine gewaltige Anstrengung, man sollte sie nicht unterschätzen -, Bett, Computer, essen, skypen, Computer, schlafen.

Das werde ich dann jetzt auch mal tun, mein Kopf ist vor Matsche nur so am Platzen, und wenn ich so früh schlafen gehe, habe ich eine enorm gute Chance auf genug Zeit für einen Tee nachher vor der Uni. Oder ich mache mir einen und nehme ihn mit im Thermosbecher.

Also allgemein gesagt, tadadaa, die Sommerprognose scheint sich zu bestätigen. (Ach was, ich vergesse ja ganz meine Bratenskepsis.)

Dramatische Pflanzenprobleme

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Es ist wirklich wahr – es haben schon Leute gesagt, sollte ich je Kinder haben, würde ich meine Pflanzen ihnen gegenüber bevorzugen. Das lässt mich mehr als alles Andere an meiner (selbst hypothetisch betrachteten) Kinder-am-Leben-Erhaltungsfähigkeit zweifeln, wenn ich mir dieses arme Exemplar auf meiner Fensterbank mal so anschaue. (Exemplar von Pflanze. Nicht Exemplar von Kind. Meine Kinder kommen laut der Person mit der Bevorzugungsfeststellung in die Vitrine, nicht auf die Fensterbank.)
Man sollte gar nicht glauben, dass man eine einfache Drachenpalme so ruinieren kann. Diese hier oszilliert glaube ich immer noch zwischen Leben und Verderben, nachdem ich sie zuerst ein paar Monate einfach mal nicht gegossen und dann, als das schlechte Gewissen dann meine komische mich vom Gießen abhaltende Lethargie endlich neutralisiert hatte, gleich mal eine halbe Flasche Wasser in den Minitopf gekippt habe. Woraufhin ich die Pflanze mit Spezialbehandlung und Trockenlegung vor meinen eigenen Untaten erretten wollte. Aber ihre Blätter hängen seitdem so unheilverkündend nach unten. Man bräuchte mal eine Packung Seramis. Und einen größeren Topf.

Jetzt werde ich aber erstmal meine letzte Uni-Angelegenheit erledigen – die Aufgabe für Oral Proficiency – und dann habe ich endlich zu hundert Prozent frei. Wenn ich mir vorstelle, es wäre noch Vorlesungszeit und ich würde jetzt gerade in Gramática sitzen, gemütlich Tee trinken und mich zu Tode langweilen. (Stattdessen sitze ich im Bett, trinke gemütlich Tee – aber Kräutertee aus losem Pulver, keinen Beuteltee, weil ich mir die Zeit nehmen konnte, ihn vorher in der Teekanne zuzubereiten und dann umzuschütten, was undenkbar gewesen wäre, hätte ich zur Uni gemusst – und genieße das Leben. Manchmal liegen die Unterschiede eben in den Nuancen.)

Ach, und ich habe mit Mama geoovoot und sie hat tatsächlich noch eine Woche Urlaub für uns gebucht. In die Türkei werden wir fliegen (wie überaus thoughtful von ihr, aber ich hab natürlich nichts gesagt), da kann ich meine Türkischfähigkeiten ja erproben und eventuell ausbauen, das wird schön – und warm! Endlich wieder kurzärmlige Sachen anziehen! (Tippt’s und stellt fest, dass sie im T-Shirt in ihrem zwangsüberheizten Zimmer sitzt. Naja, aber draußen im T-Shirt in der Sonne ist ja auch nochmal was Anderes als drinnen in einem Raum, dessen Heizung einen kaputten Drehknopf hat, der sich nicht niedriger drehen lässt als II. Nicht dass mir das was ausmachen würde.)

Oh je, was für ein Tag gestern

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Minus dreizehn Grad. In die Stadt zu einer zermürbenden Therapeutensitzung. Dann der schöne Teil: nach Hause und Geschenke auspacken! JO hat mir auch noch ein Päckchen geschickt, das mich auf der Treppe begrüßte, als ich nach Hause kam.

Schnell was essen. Dann ab ins Zimmer und los geht’s. In JOs Päckchen war eine liebe Karte und ein Buch von John Green, den sie so liebt, und ein Haufen selbstgemachter Marzipan-Mandelkeksdinger (sie hat da einen professionelleren Namen für, den ich vergessen habe) – die Sorte, die sie schon im Januar nach Hamburg mitgebracht hatte, die ich so mochte.

Danach das Päckchen von meinen Eltern. Es war eine atemberaubende Menge Tee drin (vier verschiedene Sorten köstlich duftender Rooibos, mein Vorrat reicht nunmehr offiziell auch noch fürs Masterstudium), alle möglichen kleinen lieben Aufmerksamkeiten, eine Karte, EINE FLASCHE RESCUE-SPRAY und ein Buch. Ich konnte gar nicht glauben, was ich sah, als ich es auspackte. Es heißt „El Albergue de las Mujeres Tristes – una radiografía del amor y el desamor“ und meine Augen wurden immer größer beim Lesen der Zusammenfassung hintendrauf. Meine Stimmung war eh sehr labil, also heulte ich ne Runde und oovoote dann mit Mama, die wie sich herausstellte nicht die leiseste Ahnung vom Inhalt des Buches hatte und mindestens so überrascht war wie ich.

Meine Großeltern hatten mir auch ein Paket geschickt; es war riesig und so schwer, dass ich wirklich auf den Inhalt gespannt war. Stellt sich raus, ich habe ein proppevolles Paket mit Süßigkeiten und Snacks bekommen, so viel, dass ich am Ende, als ich alles ausgepackt hatte, darunter praktisch begraben im Bett lag. Schoko-Müsliriegel. Katzenzungen! Schokobons! Chips! Merci! M&Ms! Marzipan-Obst! Hanuta! Macadamianüsse! Werther’s Original! Yoguretten! Schokokekse!  Grüner Beutel-Rooibos! (Allerdings. Langsam könnte ich sogar ein Semester dranhängen und hätte immer noch genug)! Eßzetschnitten!! Welch ein unermesslicher Luxus! Und dazu noch drei Geschirrtücher, da hat sich wohl meine Oma daran erinnert, dass ich ihr im Oktober gesagt hatte, dass ich nur ein Geschirrtuch hatte. Zusammen mit dem, das sie mir daraufhin schon in die Hand gedrückt und mitgegeben hat, bilden die drei neuen und mein altes jetzt aber schon wieder eine ziemlich solide, um nicht zu sagen fast schon dekadente Grundlage.

Dann ein bisschen SGRom mit Mama gemacht; sie hat sich freundlicherweise bereiterklärt, sich von mir ein paar der Übungsblätter erklären zu lassen, damit sich das Ganze bei mir ein bisschen festigt. Und danach saß ich wieder alleine am Rest der Übungsblätter, bis plötzlich Lena mit Kuchen und einem Geschenkchen vorbeikam – obwohl wir abgemacht hatten, dass wir beide lernen mussten und uns besser nach den Klausuren mal zum Nachfeiern treffen sollten. Was habe ich mich gefreut! Lena hat mir die ultimative Garantie eines zweiten drangehängten und trotzdem tee-erfüllten Semesters geschenkt und ein Glücksengelchen aus dem Contigo und ein Fair-Trade-Ü-Ei ebenfalls aus dem Contigo. Drin war ein kleines Püppchen und ein Zettel mit einer Erklärung: Die guatemalischen Maya haben anscheinend eine Tradition, dass sie, wenn sie Sorgen haben, diese einem winzigen „Muñequito de las penas“ erzählen, welches sie dann unter ihr Kopfkissen legen, und wenn sie aufwachen am nächsten Tag, sind die Sorgen verschwunden. Ich hab’s gleich eingeweiht heute früh, aber ich glaube, ich habe zu wenig geschlafen, als dass das Püppchen seine Arbeit richtig hätte machen können.

Am Abend war ich ja dann wieder mit Laura und Robert (und Roberts „Schwesterchen“ Janine)  bei Skype. War alles ganz toll, bis Robert einfach seine Klappe nicht halten konnte und etwas verkündete, was dazu führte, dass ich seitdem sterben möchte und nicht mehr kann und das Gefühl habe, einen lichtjahreweiten Rückschritt gemacht zu haben und ja, nicht so super alles, ich war dann noch bis drei Uhr mit Laura am Reden und bin danach erstmal so richtig schön zusammengeklappt, habe zuerst das AG und dann das Muñequito ordentlich zugeheult, und ging dann um fünf Uhr schlafen und ja, das ist so der Stand. Wir failen unser Leben.