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Making Fingers

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Ach, es tut schon verdammt gut. Die Wohnung ist gesaugt, gelüftet und relativ aufgeräumt. Im Bad riecht es nach Pflegeprodukten, an mir selbst ebenso. Ich bin frisch geduscht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es mir schließlich gelungen, meinen Pony zu föhnen. (Hey, man kommt mit dem Wissen, wie man einen Pony föhnt, nicht auf die Welt – und ich habe meinen noch nicht mal zwei Wochen.) Der Trockner und die Spülmaschine laufen. Ich habe noch anderthalb Stunden Zeit, bis mein Schüler kommt.

Würde nicht die Katze auf mir sitzen, könnte ich noch Wäsche zusammenfalten. So dagegen kann ich stattdessen etwas von dem Auftrag abarbeiten, den ich morgen abgeben muss, und zuvor der Welt davon berichten, was ich heute schon alles geschafft habe.

Und auch andere Dinge sind berichtenswert. Berichtenswert, ja, aber schwierig in Worte zu fassen. Ich habe es gerade versucht und war überhaupt nicht glücklich damit.

Aber ich versuche es noch einmal. Vielleicht kann ich es von hinten aufrollen. Ich hatte einen dazu passenden Gedanken vorhin beim Staubsaugen, und zwar den, dass es möglich ist, sich Fingerhandschuhe aus Fäustlingen zu machen. Gerade habe ich darüber noch einmal nachgedacht und festgestellt, dass ich genau der Mensch bin, der genau das tun würde, angenommen, ich wollte Fingerhandschuhe und das Leben präsentierte mir Fäustlinge. Umständlich? Ja. Fragwürdiger optischer Eindruck des Endprodukts? Vermutlich. Funktionstüchtig? Definitiv. Und ein Projekt, auf das man stolz sein kann, denn es steckt harte Arbeit drin und, noch besser, die Individualitätsstufe ist schwer zu übertreffen.

Natürlich macht das nur Sinn, wenn ich dazusage, dass mir das Lied ‚Mittens‘ von Frank Turner immer ein beklemmendes Gefühl vermittelt hat. Because I definitely need to fit like gloves. And I never quite felt like we did.

Und daran habe ich über die Jahre gearbeitet und tue es nach wie vor, und ich habe zwar den Eindruck, dass ich einen monströsen Teil dieser Arbeit unbemerkt und allein verrichte, aber es wird immer besser. Es wird beständig besser und es wurde vor ein paar Tagen besser, als R mich erstmals bat, ihm von meinem vergangenen Beziehungsleben zu erzählen. Ich bin der Bitte nachgekommen und habe in drei-vier Sätzen erläutert, dass ich zuvor nicht die Gelegenheit hatte, mit den Menschen, die ich mir ausgewählt hatte, eine Beziehung zu führen. Dass ich eher so der Mensch war, dem man sagt, was für eine unglaubliche Verbindung man mit ihm doch habe, von dem man jedoch in romantischer Hinsicht nichts wissen will. Dass man da irgendwann einfach nicht mehr weiß, was man überhaupt noch fühlen darf. Dass ich schon einen ziemlich großen Knacks weg hatte, als wir uns getroffen haben. Dass ich sehr dankbar bin, dass der Knacks geheilt ist. Eine richtig schöne kleine Rede. Er hat alles zur Kenntnis genommen und am Ende gesagt, sie wären selbst schuld gewesen. Details wollte er keine wissen. Aber es war immerhin eine Frage. Für meinen Handschuh mindestens ein Finger mehr.

We’ve got no right to plan.

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Und irgendwie bin ich halt doch das Problem. Wie ich zu Caro gerade sagte (die gute Seele hat mir sofort vorgeschlagen, kurz zu skypen, sobald ersichtlich wurde, dass mir die Gesamtsituation mal wieder keine Freude bereitet), ich schaffe es nicht, ich selbst zu sein mit ihm. Ich bin viel zu wenig ich selbst; ich bin eine abgespeckte Version meiner selbst, mit der sich überhaupt nur abzugeben ich niemandem zumuten wollen würde. Ich passe mich ihm an und werde intransparent, und alles, was noch von mir übrigbleibt, ist so viele Meilen weit von dem entfernt, was ich eigentlich bin, dass ich mich einfach nur noch selbst beobachte und innerlich ungläubig den Kopf schüttele.

Der Wert darin erschließt sich mir nicht – die Unfähigkeit, sich zu öffnen. Die Abstrusität in dieser Situation, nebeneinander auf dem Bett zu hängen und Youtube-Videos zu schauen und überhaupt immer irgendetwas zu brauchen, mit dem man sich beschallen lassen kann, weil sonst alles in Awkwardness versinken würde. So war es immer und so wird es immer bleiben, wenn er die Tür nicht aufbekommt, hinter der er sein ganzes Wesen so sorgfältig verstaut hat. Ich passe mich dem an und versuche, etwas, das nicht hinter Türen gehört, hinter Türen zu stecken, die ich nicht habe. Das kann ja nur schiefgehen. Und es geht wirklich schief; ich kann das einfach nicht. Im Gegensatz zu ihm, der unter diversen anderen auch diese Fähigkeit perfektioniert hat. Einfach nichts von sich zeigen und trotzdem eine Persönlichkeit zu haben, mit der man sich umgeben möchte.

Was für ein Gammeltag. Ich habe nichts gemacht außer Schlafen, kurz aufstehen und Kepa beim Panikschieben zusehen, weil er gefailt hatte und zu spät loskam, frühstücken, mit Caro und jetzt gerade mit Janine skypen und eine leicht aggressiv angehauchte Trudi ins Haus lassen, die von ihren Eltern zurück nach Hause gebracht worden war und offenbar Schwierigkeiten hatte, die Tür aufzuschließen. Mal sehen, was da los ist. Wenn jetzt zusätzlich zu unserer Klingel auch noch die dazugehörige Tür kaputt ist, können wir ja bald einen Award für das besucherunfreundlichste Haus ever gewinnen. Kepa hab‘ ich gestern beim ersten Mal auch nicht gehört; der kam dann zwanzig Minuten später wieder, nachdem er sich erstmal noch in der Uni herumgetrieben und wichtige Telefonate geführt hatte. Was auch immer.

Jetzt höre ich die fast schon verloren geglaubte Balkon-Aufnahme von Destinations Unknown und bin verblüfft von mir selbst. Und wie ich diese Zeit vermisse. Und Sarah. Ich bin jetzt gerade nicht wirklich glücklich. Soll auch mal vorkommen, ich weiß, aber lieber wäre es mir anders.

Pendel und Presswürste

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Also.. ich will wirklich nicht behaupten, ich hätte über die Zeit verteilt nicht eine ganze Sammlung merk- und denkwürdiger Unterhaltungen mit Kepa geführt, aber sie scheinen nur noch besser zu werden, seitdem er mich abgesägt hat. Ich hatte eigentlich nie die Chance, ihn wirklich gut kennenzulernen – ich habe ihn ja überhaupt erst kennengelernt, als wir (von kurzen Unterbrechungen mal abgesehen) zum ersten Mal überhaupt, seit ich vier war, nicht mehr am gleichen Ort lebten.

Das muss man sich eigentlich erstmal vorstellen. Wie so ein Riesenpendel, das sich langsam einschwingt – jedes Mal ein bisschen weniger versetzt.

Dass er in Oldesloe geboren wurde und eine halbe Stunde von dort entfernt aufgewachsen ist, ist jetzt an sich nicht das riesenspektakuläre Drama; zumindest über seinen Vater weiß ich, dass er schon ewig in der Gegend gelebt hat. Meine Eltern dagegen sind nichtmal ansatzweise norddeutsch, alle beide nicht. Ich kam von Berlin aus nach Oldesloe, als ich gerade vier Jahre alt war, mein Vater in Hamburg eine neue Arbeit antrat und zusammen mit meiner Mutter das Haus gekauft hatte, das erst seit ein paar Tagen niemand von uns mehr bewohnt. Ich solle in einer ländlicheren Gegend aufwachsen, hatten die beiden befunden, und das damals noch etwas idyllischer und weniger heruntergekommen anmutende Kleinstädchen in praktischer Pendlerlage zwischen Hamburg und Lübeck wurde ihren Ansprüchen dafür genau gerecht. Derweil hing der achtjährige Peter (dass er mal zu einem Kepa werden würde, konnte damals ja noch niemand ahnen) in einem Haus direkt am See bei seiner Familie rum und wurde vermutlich damals schon von seinem Vater mit der Lebensweisheit indoktriniert, ein Mensch sei nur dann ein Mensch, wenn er unternehmerisch denken könne.

Dann gehen wir studieren, einmal quer durchs Land an die gleiche Uni.

Dann landen wir bei Enara. Er in ihrem ersten Lehrjahr, ich im zweiten. Er wollte ja unbedingt Baskisch lernen, nachdem ihm irgendwann mal dieser merkwürdige Fußballverein aufgefallen war, Athletic Bilbao, bei dem – ganz konsequent – ausschließlich Basken spielen dürfen. Also fuhr er spontan mal hin, um das Treiben da unten genauer ins Visier zu nehmen, und verliebte sich in das Land. So kann’s kommen. Ich hatte keine Ahnung von nichts, als ich den Kurs bei Enara anfing; ich hatte einfach nur in meinen Linguistik-Vorlesungen ein paar Bemerkungen über den einzigartigen Status des Baskischen gehört und dachte mir, hey, schau dir das doch mal an. Dann lernte ich Ilargia kennen. Und ab da war es nicht mehr weit, bis ich Enara – hyper bis zum Gehtnichtmehr – die Nachricht überbrachte, dass ich meinen Erasmus-Platz in Vitoria bekommen hatte.

Und dann ist Exkursion nach Vitoria mit insgesamt 20 Teilnehmern aus Enaras verschiedenen Kursen, und ich lerne Kepa kennen. Im Baskenland, wo auch sonst. Faszinierend, wenn man sich das alles in einem rasend schnellen Wirbel vorstellt und in dem Moment auf Stop drückt, in dem ich Kepa verkünde, dass ich das Buch, welches ich eben im Elkar gekauft habe (das erste, das mir in die Finger kam, dessen Titel ich ganz verstanden habe), irgendwann vorhabe lesen zu können.
Egia esan. Ebendieses Buch liegt gerade neben meinem Laptop und ich betrachte es halb ungläubig aus dem Augenwinkel. Ich sollte wieder mal reinschauen; es ist schon viel zu lange her.
Vor allem amüsiert mich, wie ich damals den Titel eigentlich nicht wirklich verstanden habe. Sicher, egia esan heißt die Wahrheit sagen, genau wie ich dachte. Aber viel mehr als das bedeutet es eigentlich „um ehrlich zu sein“, „um es mal so zu sagen“. Ich hätte dieses Buch eigentlich gar nicht haben dürfen. Wer weiß, welches an seiner Stelle rechtmäßig hier neben mir liegen sollte. Wer weiß.

Naja. Darum geht es ja eigentlich gar nicht. Überhaupt war doch eigentlich alles, was ich sagen wollte, dass ich unheimlich gute Gespräche mit Kepa hatte, seitdem er mich abgesägt hat. Zwei Stück an der Zahl nun bereits in ja doch recht kurzer Zeit. Das erste war direkt dabei, bzw dann danach. In diesen paar Stunden habe ich mehr Einblicke in sein Innenleben bekommen als in den anderthalb Jahren davor zusammen. Überhaupt in ihn. Überhaupt in sein Leben.
Und heute wieder. Über Stunden haben wir geschrieben, wie schon lange nicht mehr. Über alles Mögliche. Über alles Mögliche Wichtige. Zwischen dem ganzen Unsinn, der unseren Umgang miteinander ausmacht. Ich fühle mich privilegiert, ihn wieder ein Stück besser kennengelernt zu haben.

Irgendwo war es unglaublich gut, dass er mich abgesägt hat. Es hat so viel Transparenz mit sich gebracht. Ich höre zwar deshalb nicht auf, mich furchtbar in ihn zu verlieben, aber das macht überhaupt nichts. Es ist alles so einfach, wenn die Verhältnisse geklärt sind.

Bleibt zu erwähnen, dass sich wieder mal die Haut von meinen Händen ablöst, ich soeben einen beachtlichen Teil meines linken Daumens verdrückt habe und irgendwie befürchte zu wissen, warum mein rechter Zeigefinger seit Tagen wehtut, den Eindruck macht, als wolle er seinen Nagel aus dem Bett sprengen, und sich wie eine Presswurst anfühlt. Er ist eine Presswurst. Eine viel zu hohe Anzahl meiner Finger sind Presswürste, eingequetscht in einer Hautschicht, die längst kein Teil von ihnen mehr ist. Wie eklig.

Woche der Wahrheit

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Wie Robert und ich gerade übereinstimmend festgestellt haben – was ne Woche.

Er hat mir eröffnet, dass er ein knappes Jahr lang wieder geraucht hat und mir davon nichts erzählt hat, weil er 1) vor meiner Reaktion Angst hatte und 2) „mich nicht verletzen wollte“, versteh‘ das, wer will.

Einen Tag später erwische ich Trudi im Garten beim Rauchen, gleiche Geschichte – „du guckst einen dann immer so an und man bekommt so ein schlechtes Gewissen und fühlt sich schrecklich!“.

Robert hat sich mit Becci ausgesprochen.

Peruaner-Pedro hat mich ausgequetscht.

Ich hab‘ mit Janine geredet und mich von ihr ausquetschen lassen.

Caro hat mein Blögchen gefunden. (Sie meinte, es war sehr einfach – man muss nur „Aspi“ in Kombination mit irgendeiner meiner komischen Wortkreationen eingeben oder wissen, was ich in meiner Freizeit so treibe. Da könnte sie Recht haben.)

Ich glaube, wir sind alle in dieser Woche ein Stück transparenter geworden.

Sonnenresistenz

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Das ist quasi schon über-ironisch, wie ich Şahins Geburtstag mit Panik in der Arbeit verbracht habe, weil es mir plötzlich in den Sinn kam, es könnte vielleicht awkward werden, einen Monat mit einem Mensch im namibischen Nichts zu verbringen, den ich einerseits ganz gut und andererseits doch wieder kaum kenne und aber in jedem Fall genug mag, um mir Sorgen darüber zu machen, was er von mir hält. (Was wiederum eine leichte Untertreibung ist, aber als Einziges für das Problem relevant.) Wie immer bei solchen Gelegenheiten (und je mehr ich mich mit der Planung beschäftige) überlege ich mir irgendwann, was für Seiten von mir zum Vorschein kommen, wenn ich mich solch einer ungewohnten Situation aussetze, und ob die Seiten schrecklich sind und dazu führen können, dass meine zweite Haut zu transparent wird. Das wäre doch fürchterlich; ich kann es nicht gebrauchen, das man sieht, wie wenig lebensfähig ich mir eigentlich vorkomme.

Andererseits ist das Ganze absurd, denn auf Transparenz bin ich doch immer so bedacht.

Ich muss Sonnencreme mit nach Namibia nehmen, Massen davon, gar keine Frage. Dann bleibt schon alles an Haut intakt.

The Outside World

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Okay. Allein die Tatsache, dass ich mich jetzt erstmal daran mache, die Unendlichkeit meiner Einträge nach Bemerkungen zu durchsuchen, die ich über Trudi gemacht habe, zeigt mir, wie viel ich noch zu arbeiten habe. Ein von Grund auf gutmütig und positiv gestimmter Mensch wird nämlich gar nicht erst befürchten müssen, in seiner täglichen Gedankenablage irgendwo über seine Freunde zu lästern. Ich bin gespannt, ob ich es eines Tages so weit schaffe.

Nun stehe ich erneut vor der Challenge, zu ignorieren, dass jemand den Schwachsinn hier liest. (Die sich jedes Mal aufzutun scheint, wenn das Leben außerhalb und das innerhalb des Blogs sich auf unerwartete Weise begegnen.) Trudi hat es (nach Laura und Kepa-Pedro) als dritter Mensch überhaupt geschafft, diese entlegene Ecke der Welt ohne mein direktes Zutun aktiv aufzutreiben. Und obwohl ich recht erleichtert bin, dass Kepa sehr wahrscheinlich deren Existenz schon wieder vergessen hat und Laura nur noch sporadisch vorbeischaut, komme ich nicht umhin, mich geehrt zu fühlen, dass es überhaupt Leute gibt, die die Stalkerarbeit, die man dafür braucht, überhaupt auf sich genommen haben.

Gut. Dann machen wir uns jetzt ans Verdrängen jeglicher Mitleser, um wie immer, wenigstens hier, die komplette Transparenz und Authentizität zu gewährleisten.

Ähm. Ich war lang in der Arbeit heute – aber auch spät dort, weil Mama mich angerufen hat, gerade bevor ich losgehen wollte. Wir haben momentan eine Phase des wunderbaren Einklangs und der Harmonie, weswegen ich unglaublich gern mit ihr geredet habe und am liebsten gar nicht mehr aufhören wollte. Dreiundvierzig Minuten später war ich auf halbem Weg in die Arbeit, wo ich mit Robert (Kollegen-Robert, natürlich, nicht der andere Robert) darüber spekulierte, wieso man im katalanischen Gourmetbus nur so widerliches Essen vorgesetzt bekommt (Kürbiscreme mit Leber gefällig? Oder vielleicht doch Eis mit Orangenstücken und einer Riesenmuschel?) und tassenweise Kaffee konsumierte, zehn Touren übersetzte und dazu in meiner Pause (ja, eine Pause! Ich mache zwar sonst nie Pause, aber diesmal musste ich, weil ich es Mama versprochen hatte) noch Mamas Kündigungsschreiben für die Kopie ans Head Office in Italien. Nachdem ihre Chefin sie auf profanste Weise schikanieren wollte, so, wie sie es mit der gesamten Belegschaft tut, hatte sie verständlicherweise keinen Bock mehr auf den Job, auch wenn es ihr in dem Laden ansonsten wirklich gut gefallen hat. Sie hatte sogar endlich schöne Musik auf einem USB-Stick mitgebracht, um sich und die Kolleginnen endlich von der Folter Beyoncés zu befreien. Ich hatte ihr geholfen, die Musik auf den Stick zu kopieren, als ich gerade bei Caro war und wir eigentlich drauf und dran waren, Şahins Good Riddance Party zu starten.

Kam dann jedenfalls nach Hause, habe mir Essen für morgen gemacht und danach eine Weile mit Trudi geredet, wie eigentlich schon Ewigkeiten nicht mehr. Nachher gehen wir zu Vodafone und erledigen den letzten Rest Internetangelegenheiten. Dann gehe ich arbeiten. Dann ist Wochenende. Juhuuu! (Ach, könntest du nur den Peruaner-Pedro hören, wie er „Juhuuu!“ sagt. Ein ansteckenderes „Juhuuu“ hat die Welt noch nicht erlebt.)

Und ich freue mich darauf, mich Sonntag mit meinen Eltern zu treffen. Nachdem das letzte Mal, das sie hierwaren, ein mittelschweres Disaster war, bin ich mir sicher, dass wir das Treffen diesmal – genau wie meine Wohnung inzwischen nicht mehr aussieht wie das Epizentrum eines Erdbebens – mit weniger Stress und mehr Liebe verleben.

Ach was, Hannes ist da. Y eso? Hm. Ich werd‘ es nachher erfahren. Jetzt sollte ich versuchen, in meinem übermäßig koffeinisierten Zustand zu schlafen. Da bekämpfen sich Medis und Aufputschmittel – es wird ein lustiger Wettstreit, ich seh’s kommen. Einfacher (aber auch langweiliger und, vor allem für die Arbeit, wesentlich uneffektiver) wäre es, würden sie sich im Bezug auf meinen Wachheitszustand einfach gegenseitig neutralisieren.

zaila da

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Es geht wieder besser. Mein gestörter Kopf scheint sich ein wenig beruhigt zu haben. Ich habe auch keinen Drang mehr zu heulen. Ich bin sehr müde (auch wenn es geschlagene zwölf Uhr war, als Pedro heute an meine Terrassentür klopfte, um mich nach Hause zu transportieren), aber das musste doch noch mitgeteilt werden.

Ich hab‘ mich gerade in diesem Lied wiedergefunden.

Hätte ich daran gestern gedacht, wäre nichts Gutes dabei herausgekommen.
Ich bin verwundert, weil ich mich immer einsamer fühle, obwohl ich immer weniger auch nur dazu komme, für mich alleine Zeit zu verbringen. Hoffentlich spielen mir die Medis keinen Streich; nicht dass sich meine Wahrnehmung wieder verzerrt.

Am meisten verwundert mich das Gedicht von Kepa-Pedro. Genauer gesagt seine Akkuratheit. Es ist Wort für Wort so akkurat, dass ich damals unwillkürlich das Bedürfnis hatte, mich dazuzustellen, zu dem sehr einsamen Mädchen im Garten hinterm Blumenbeet. Es ist schon ziemlich merkwürdig, wenn über dich solche Wahrheiten geschrieben werden, dass du nach über einem Jahr erst feststellst, wie wahr sie waren. Und nicht aufhörst, dich zu wundern.
Wenn ich wieder wach und zurechnungsfähig bin, schau ich mir das Ding nochmal an. Danke, Facebook, für unendliche Verlaufspeicherung.

Baden auf dem Uranus – Ängste, Vertrauen und Transparenz

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Panik, warum hab‘ ich Panik? Irgendeinen Grund gibt’s doch immer, so versteckt er auch sein mag.

Gehen wir durch. Umzug? Nein, da sind zwar Sachen unklar, aber solche Sorgen bereitet mir das nicht. Außerdem hab‘ ich vorhin erfahren, dass wir am 16. Wohnungsübergabe machen und somit schon zwei Wochen vorher anfangen können, die Sachen reinzustellen. Genau wie es geplant war.

Klausuren? Nein, dafür bin ich zu resigniert. Oder? Sentence Processing? Da erst recht.

Der winzige schriftliche Disput mit Laura eben? Aber das hat sich doch in Windeseile geklärt. Auch wenn mir seitdem nach Heulen zumute ist, warum auch immer. Dabei war eigentlich ich diejenige, die ukumenschlich reagiert und einfach Gespenster gesehen hat. Angriff ist die beste Verteidigung.

Morgen? Steht irgendetwas an, das mich in Panik versetzen könnte? Nein, ganz im Gegenteil. Ich gehe zu Sara, seit ganz Langem endlich mal wieder. Darauf freue ich mich – ich mag sie und sie scheint mich auch zu mögen. Wirklich kein Grund zur Panik there. Dann viel freie Zeit. Vielleicht habe ich Panik, dass ich wieder nichts lernen könnte. Aber vielleicht auch nicht. Dann Bandprobe. Warum um alles in der Welt sollte ich vor der Bandprobe Panik haben.

Konzertchen? Ach was für ein Schwachsinn, natürlich nicht.

Äh. BUND-Fest? Auch nicht. Dass das Wetter schlecht werden könnte? Als wenn. So weit ist es noch nicht mit mir, dass die Aussicht auf schlechtes Wetter mir den Garaus machen könnte.

Was geht mir denn noch durch den Kopf. Dass ich verwirrt bin? Aber wieso dann Panik.

Ich blick es einfach nicht.

Vielleicht habe ich Angst vor dem Leben. Erwartungen nicht zu erfüllen. Dinge verzerrt zu sehen, nie zu wissen, was eigentlich Sache ist. Das Übliche.

Ich schätze sehr an mir meine relativ neugewonnene Eigenschaft, mit einigen Menschen, denen ich vertraue, sehr offen zu sein. Ich weiß nur nicht, ob ich es richtig mache. Manchmal habe ich das Gefühl, nicht richtig kommunizieren zu können, wenn ich versuche zu sagen, dass mir bewusst ist, dass ich etwas nicht gut mache. Man müsste mich unmenschlich gut kennen, um rauszuhören, dass es kein bisschen 1) selbstverständlich und 2) Fishing for Compliments ist, wenn ich mal wieder jemandem meine Unsicherheit über den ein oder anderen Faktor auf die Nase binde. Aber es wird immer schlimmer; je mehr Vertrauen ich Leuten entgegenbringe, desto häufiger werde ich ihnen so etwas mitteilen. Es ist ein Zeichen dieser verqueren Situation an sich, dass ich zwar inzwischen schaffe, überhaupt drüber zu reden, mir dann aber wieder einen entsetzlichen Kopf darüber mache, ob es auch richtig verstanden wird. Ich will nicht hören, „ach was, das ist doch nicht weiter schlimm“ oder Derartiges – natürlich hab‘ ich nichts dagegen, sollte es denn tatsächlich der Fall sein, aber darauf bin ich nicht aus – ich will auch prinzipiell nicht jammern, ich sag‘ einfach nur, wie’s ist, und versuche dabei, wirklich das zu projizieren, wie’s bei mir drinnen nunmal aussieht. Und wenn es sich so unfassbar leicht dahergesagt anhört – natürlich tut es das. Das ist doch eine gängige Taktik, nehme ich an. Es soll sich nicht so anhören, als wäre einem das eben Gesagte unglaublich wichtig, dann kann es so viel leichter mitgeteilt werden. Und es ist doch eigentlich ziemlich mitteilungswürdig und sollte nicht die Ausnahme sein. Weil ich auch weiß, dass jeder einzelne Mensch irgendwelche Ängste hat und Unsicherheiten. Manche mehr als andere, aber wir haben sie alle. Das gehört zum Transparentsein dazu, und das ist ja bekanntlich mein erklärtes Ziel.

Ich, von allen Menschen, will transparent sein. Da denkt man sich doch auch nur, Himmels Willen, was denn noch. Möchte sie demnächst vielleicht auf dem Uranus baden gehen? (Fangfrage. Wie ich nachweislich irgendwann mit vier schonmal wusste, dann vergessen und letztendlich von meinem vierjährigen Ich wieder gelernt habe, ist da „Methan drauf, da kann man nicht drauf wohnen“. Und baden schon gar nicht. Duschen vielleicht, wobei das jetzt auch ein wenig ins Makabere geht.)

Aber versuchen kann man es doch mal. Mit Arbeit soll viel erreichbar sein. Und wenn ich Steiner richtig verstehe, sind die Glasmenschen der Zukunft auch eher metaphorisch durchsichtig. Sprich, ich wäre anthroposophisch betrachtet auf dem richtigen Weg.

Und, was lustig ist, jetzt ist die Panik geschrumpft. Vielleicht musste das einfach alles mal gesagt werden.

Transparenz ist gut.

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I’m seriously starting to believe short-lived crushes are way more fun than actual love. You come out more or less unharmed, no one gets hurt, you still get your share of life lessons out of them.

Das nur so als Randbemerkung.

Ich gehe inzwischen dazu über, meinen ganzen Festhaltewahn immer uneingeschränkter auf diesem an sich ja schon von meinem Schrott überladenen Plattförmchen auszuleben. Es ist schon so weit gekommen, dass ich Gesprächsschnipsel und Aufnahmen irgendwo mittendrin als Nachträge einfüge und mir dabei zwar denke, meine Güte, man kann es auch übertreiben mit dem Mitteilungsbedürfnis, mich aber andererseits über die damit erreichte Transparenz freue. Am liebsten hätte ich, dass jeder so transparent wäre – die Vorstellung! Was für eine Welt wir da hätten auf einmal (und was für überforderte Server!) – aber auch wenn das mal wieder einer meiner utopischen Idealzustände ist, kann man ja einfach mal selbst anfangen. Es fliegt so viel Müll im Internet herum, was macht ein Leben mehr schon aus.

Nachher gehe ich zur Polizei und frage mal nach, was wegen des weiterhin verschollenen Persos zu tun ist. Wie gut, dass ich direkt gegenüber wohne. Das habe ich mir schon gedacht, als der Mietwagen von meinen Eltern abgeschleppt wurde und ich ihn zurückholen durfte. Ich mache mir ja schon ein bisschen Sorgen, ehrlich gesagt. Deswegen ist es nur gut, wenn ich einfach mal nachfrage. Falls man bei der Botschaft anrufen muss, können sie das ja eventuell erledigen, dann würde mir die Todespanik erspart bleiben.

Absolute Transparenz

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Durchsichtigsein – man sieht es der Aurrerarität (spontane Deuskera-Kreation, meinend, Offenheit) dieses meines mit allerhand Lebensbestandteilen zugespamten Seelenausschüttungsblögchens schon an (oder eher, man sieht hindurch) – wird für mich immer erstrebenswerter.

Es existiert unter Antroposophen die Theorie (naja.. sie nennen es unabstreitbare Tatsache), dass der Mensch in fortgeschrittenen Inkarnationsstufen einen gläsernen Körper haben wird. Es wird mit einem Blick zu erkennen sein, ob jemand gut oder böse ist – der Krieg aller gegen alle wird nicht mit Waffen ausgetragen; wir werden uns mittels Worten fortpflanzen und langsam, aber sicher die Notwendigkeit des materiellen Körpers ablegen. Das Ziel unseres Erdendaseins.

So viel zu Steiners Meinung; ich bin unschlüssig, was ich davon halten soll, aber dass ich ein Glaskörper sein will, das weiß ich.

Das Gute ist, ich bin sogar sozusagen schon einer. Ein Glas. Ich würde gerne sagen, ein Weinglas. Die mag ich, und sie passen – sie sind halb rund und nach oben weit offen, haben oft mehr Kapazität als Inhalt und stehen auf filigranen Stielen. Das Einzige, was nicht ganz hinkommt, ist das Getränk, das sie enthalten. Das dürfte nach Tagesform variieren.