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The Skyscraper Challenge

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Alles zieht irgendwie so vorüber. Ich mache keine Schritte, sondern gleite nur so vor mich hin in meinem Glastunnel und sehe durch die Wand die Welt. Mir ist klar, dass ich nicht richtig lebe. (Das tun Andere. Basti, der Vater wird, und Becci, die in ihrer Arbeit aufgeht.) Aber lieber lebe ich falsch als gar nicht, das schon; ich möchte unbedingt am Leben bleiben und zumindest die Chance weiter haben, es irgendwann herauszufinden. Wie es wirklich funktioniert, meine ich. Ab und an erscheinen random Schnipsel in meinem Kopf, die Teil des Lebens sind, „Auf der Mauer, auf der Lauer liegt ’ne kleine Wanze“, zum Beispiel, oder der Gedanke daran, wie Halcyone ihre Eier auf das Wasser gelegt hat. Wie könnte ich mir wünschen, nicht Teil einer Welt zu sein, in der dies der Fall ist.

Ich sitze noch immer auf Beccis Sofa. Ich bin wirklich krank geworden. Becci ist auf zwei Geburtstagen eingeladen und kommt irgendwann wieder; ich bin ganz zufrieden hier alleine und habe mich den Tag über kaum vom Fleck bewegt. Ich hege die Hoffnung, dass es mir morgen besser geht und wir mit dem Streichen fertig werden. Am Nachmittag möchte ich heimfahren und im Idealfall bin ich bis dahin so weit wiederhergestellt, dass ich R zu Hause nicht anstecke.

Kepa hat versucht, mich anzurufen. Ich konnte nicht ans Telefon gehen, weil meine Stimme mir erkältungsbedingt mal wieder abhandengekommen ist, und dachte sowieso, es wäre meine Mutter. Da ich mich mit dieser am Dienstag aufs Übelste zerstritten hatte und ich annahm, sie würde den Disput fortführen wollen, habe ich das Handy von vornherein nicht angerührt.

Ich hätte schon im gesunden Zustand und im Besitz eines funktionsfähigen Kehlkopfes Schwierigkeiten, mich damit auseinanderzusetzen. (Der aktuelle Stand: sie ist dem Konzept Zwangsarbeit nicht abgeneigt, findet „Arbeit macht frei“ eine legitime Aussage und teilt mir mit, dass ich krank im Kopf bin und sie nur deshalb von einer Anzeige wegen Beleidigung absieht, nachdem ich daraufhin die von ihr so bereitwillig provozierte Nazikeule heraushole. Ich sei blind und gehirngewaschen und sie sei schockiert über meinen Hass auf die Welt, seitdem ich politisch geworden sei.)

Ich weiß gar nicht, wie ich weiter vorgehen soll.

Egal, was ich sage, sie wird es wegwischen.

Wenigstens für mich selbst kann ich Dinge festlegen.

Mein Bild von der Welt ist ganz simpel. Alles, was aus freien Stücken unnötig Schaden anrichtet, im Fall eines fühlenden Wesens also in seiner persönlichen Freiheit und Unversehrtheit einschränkt, ist von Grund auf schlecht. Daher ist (meiner Ansicht nach) Zwang schlecht. Sofern es natürlich nicht darum geht, jemanden zu zwingen, damit aufzuhören, unnötig Schaden anzurichten. In dem Fall ist der Zwang nötig und die Schuld dafür liegt bei demjenigen, den man von der Verrichtung des Übels abhalten muss.

Mein „Politischsein“ beschränkt sich im Grunde auch bloß aufs Hinschauen. Das ist nicht mehr oder weniger politisch als das, was Andere machen, aka Wegschauen. Bloß nimmt es einem ein bisschen die Möglichkeit, Dingen gegenüber tolerant zu sein, die man halt auch nur hat, weil man nichts davon weiß. Das spiegelt sich dann in Verbindung mit der richtigen Grundethik (und ja, selbstverständlich empfinde ich meine Grundethik als richtig) in einer gewissen Denk- und Handlungsweise wider. Diese Chance zum Denken und Handeln hat man nicht, wenn man wegguckt. Aber meine Mutter findet mich jetzt politisch und gehirngewaschen. Ich finde mich gefestigt und bestärkt in einem Bewusstsein, das ich immer noch zu einem sehr kleinen Maße nur zulasse, weil mich die Ausmaße der Ohnmachtsgefühle und der Verantwortung gleichermaßen, die eine vollständige Immersion in den Zustand der Welt und bereits meiner unmittelbaren Umgebung mit sich bringen würde, einfach nur wieder lähmen und überwältigen würden. Und damit ist auch niemandem geholfen.

Meine Mutter meint es gut mit mir und hat das schon immer getan. Das ist der eine Fakt, der alles unermesslich viel schwerer macht. Nichts liegt ihr ferner, als mir absichtlich unnötig Schaden zuzufügen. Gleichzeitig ist sie die Versinnbildlichung des Zwangs, mich in die Maschinerie einzugliedern, die mich zerstören wird.

Ein Dokument solle ich vorlegen, das beweist, dass ich psychisch nicht in der Lage bin, einer normalen Arbeit nachzugehen.

Weil ich unabhängig sein soll. Daher muss ich das tun, was sie will, um unabhängig zu werden.

Weil es mich glücklich machen und erfüllen würde.

Als würde ich mir etwas sehnlicher wünschen als einen gut bezahlten Job, der mich erfüllt. Aber wo finde ich diesen. Ohne Energie, danach zu suchen, und ohne zu wissen, wo ich suchen sollte. Und ohne die Fähigkeit, mich noch einmal einem Studium zu stellen.

Ich sage dir mal, was mich erfüllt. Selbsthass, weil ich es nicht schaffe. Und dann nochmal Selbsthass, weil ich mich dafür hasse.

„Psychisch nicht in der Lage“. Ein Dokument lege mir bitte vor, Mama, ein psychologisches Gutachten, dass du nicht in der Lage bist, von einem Wolkenkratzer zu springen. Dann glaube ich dir das.

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Ohne Hirn Pt.2

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Zitiere mich selbst – aus einem Macrocarp-Eintrag vom 21.12.11:

Hat irgendjemand von euch mal einen Mann mit einem HIRN getroffen, in dem neben perversem, wissenschaftlichem, politischem und eventuell noch kreativem Kramsch auch noch Kapazität für die Gefühle anderer Menschen vorhanden ist? o.O

Warum musste ich an diesem furchtbaren Tag etwas so schonungslos Wahres in Worte fassen?

Von oben betrachtet

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Mir wird schlecht, wenn ich mir überlege, wie es gerade in Beccis Kopf aussehen muss. Genau so schlecht wird mir, wenn ich in meinen eigenen hineinsehe. Vor allem nachdem R mir neulich zu verstehen gab, dass ihm wenig ferner liegt als sich zu wünschen, dass jemand wie ich konstant um ihn herumwuselt. Und er jetzt gerade nicht da ist und ich eh ununterbrochen zu zweifeln anfange, sobald das der Fall ist. Und ich mir gerade wieder Gedanken mache, wie viel verdammte Verbundenheit man theoretisch haben kann mit Menschen und wie furchtbar wenig, um nicht zu sagen, rein gar nichts, davon zwischen uns vorhanden ist. Wie ihm das genug sein kann, ist mir ein Rätsel. Zumal das ja nur bedeuten kann, dass die dreitausend Beziehungen, die er in seinem Leben vorher hatte, ihm nichts Besseres geboten haben können. Wie armselig, so ein Dasein.

Ich bin am Zweifeln. Ja, ich erwähnte. Natürlich bin ich auch ganz gehörig betrunken und werde nicht mehr am Zweifeln sein, wenn er mich morgen anruft und vom Besichtigungstermin in der Wohnung berichtet, die meine Mutter gefunden hat und zu der ich ihn geschickt habe, wenn er eh schon dort ist und ich am Samstag erst da sein werde.

Vielleicht erlaubt ihm sein Egoismus nicht, Verbindungen zu Menschen aufzubauen, die über das hinausgehen, das er mir entgegenbringt. Aber wie traurig wäre das – und doch würde es gleichzeitig seine ganze Lebensweise erklären. Ob er denn den Unterschied gar nicht bemerkt zwischen den raren Momenten, in denen ich mich von ihm als ich selbst wahrgenommen fühle, und dem ganzen elenden Rest, in dem er einfach mich dazu benutzt, sich selbst an eine blanke Leinwand zu schreiben.

Wieso habe ich so ein verdammtes Ding für Egomanen, erkläre mir das mal jemand.

Gefragt werden. Ein Wunschtraum.

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Ich überlege mir relativ häufig, ob ich nicht einfach zu viel verlange. Ob es nicht also an mir liegt, wenn ich mit gewissen Situationen nicht zufrieden bin, während in so vielen anderen einfach nur reinste Dankbarkeit vorherrscht, darüber, dass mein Freund so ist, wie er ist.

Ich glaube allerdings in diesem Moment, dass ich nicht zu viel verlange. Ich glaube nämlich, dass es oft nicht die Sachen an sich sind, die mich aus der Bahn werfen, sondern vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie passieren (oder eben nicht). Das Gar-nicht-erst-gefragt-werden, wie das denn eigentlich genau vor sich gehen soll, falls ein Umzug ansteht. Die Tatsache, dass sein Kollege hier untergebracht wird, mit dem man sich früh morgens aus dem Staub macht, ohne sich zu verabschieden (now that’s a first), um irgendwann im Laufe des Abends wieder einzutrudeln, mich kaum eines Blickes zu würdigen, den Rest des vor Stunden zubereiteten Essens in sich reinzustopfen, dann das Bedürfnis nach einer Umarmung zu äußern und sich, nachdem man diese gewährt bekam, zum Unwinden erstmal ans Keyboard und dann ohne viel Gefackel mit Arne zum Zocken in die Küche zu pflanzen, nachdem ich gerade verkündet hatte, es wäre schön, irgendetwas zusammen zu machen. Nicht ohne zwischendurch noch die ein oder andere vollkommen überflüssige Bemerkung abzugeben, die wieder mal in den Raum wirft, dass man eigentlich ja von seiner zweiwöchigen Möchtegernbeziehung letztes Jahr noch vollkommen zerstört und traumatisiert ist und gleich in Panikattacken ausbricht, wenn jemand Game of Thrones erwähnt. Deutlicher kann mir meine Unfähigkeit nicht signalisiert werden. Weder bin ich in der Lage, eine von diesen widerlichen Traumgestalten aus der Vergangenheit zu ersetzen (wie auch – ich bin ein Mensch, kein Mysterium), gegen die man schon aus dem einfachen Grund keine Chance hat, dass die Leute dazu neigen, Personen erst dann zu glorifizieren, wenn sie einen in Grund und Boden gestampft und zurückgelassen haben, ohne sich nochmal umzudrehen, noch werde ich diese Art von Wertschätzung je bekommen, solange ich einfach da bin, ohne dass er dafür arbeiten muss. Mein Problem, dass es in meiner Natur liegt, einfach da zu sein, weil das ganze Personen-in-den-Boden-stampfen mir nicht so liegt.

Es ist die Tatsache, dass keine Rücksicht genommen wird, die mich zu Tode zerdeppert. Basti kam extra wieder übers Wochenende aus Ulm runter und durfte sich stundenlang mit der mies gelaunten Version von mir abgeben, die er zu oft abbekommt, während ihr Verursacher sich gemütlich dahin verzogen hat, wo’s ihm gerade genehm ist. Was an „Es ist irritierend, wenn du da bist, aber auch nicht“ kann man nicht verstehen? Der Mensch kann mit Arne zocken, bis er schwarz wird, und ich habe kein Problem damit, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem das Ganze in meiner Küche stattfindet, nachdem man sich mein Essen in den Rachen gesteckt hat, ohne die Person Aspi auch nur für eine Sekunde bewusst wahrgenommen zu haben.

Äußern kann ich das natürlich mal wieder nicht, schließlich ist Besuch da. Und da ich Arne mit jedem Mal, das ich mit ihm zu tun habe, weniger ausstehen kann, habe ich nicht vor, mir vor dessen Augen eine derartige Blöße zu geben. Das kann sie beide freuen, andernfalls wäre nämlich R heute hochkant rausgeflogen und der schmierige Charakter, den er mir wieder eingeschleppt hat, gleich mit.

Ich werde mich jetzt mit der Fertigstellung des Eintrags beeilen und das Licht ausmachen; auf die Weise besteht eine Chance, dass ich mich genug beruhigt habe, bis die beiden ins Zimmer reinkommen, und dementsprechend auf ein Vermeiden von Heuldisastern jeglicher Art.

Ich kann Laura verstehen. Es ist wirklich verlockend, anzunehmen, dass mein Kopf der einzige Problemfaktor ist, bloß sollte man vermutlich als Opfer zwischen der ganzen Schuldübernahme noch ab und an mal nach draußen gucken.

But I can’t become a politician; who’d make breakfast if I did?

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Ein paar Stunden meines Lebens sinnlos vorm Computer verschwendet, nur um nichts für die Thesis tun zu müssen. So wird das nichts, so wird das niemals was.

Ich sollte eigentlich noch ein bisschen schreiben hier, denn es gibt bestimmt irgendwas, über das einen schönen Eintrag zu schreiben jetzt eigentlich eine lohnende und dankbare Tätigkeit darstellen würde, aber ich glaube, ich lasse es einfach. Ich bin gerade aus meinem untätigen Trancezustand mit einem Haufen unangenehmer Gedanken im Kopf aufgewacht, die nicht weiter verfolgt werden sollten, denn es würde einfach nichts bringen.

Wobei ich langsam anfange, mir Gedanken zu machen, ob es eigentlich sinnvoll ist, sich und sein Seelenheil so konsequent der Verdrängung in die Hände zu legen.

Schöner Gedanke: Vorhin rief mich R an und sagte, wir würden uns bald eine Katze holen, nachdem ich verkündete, ich würde eine Katze haben wollen. Es ist zwar nicht wirklich im Bereich des Möglichen, dass wir uns in absehbarer Zeit eine Katze holen, aber der Gedanke kann immerhin dazu dienlich sein, mir Freude zu bereiten.

Auf den schönen Gedanken kommen drei bis vier kontraproduktive, was eigentlich ziemlich schrecklich ist, wenn man bedenkt, dass es vier positive Gedanken braucht, um einen negativen zu neutralisieren, also ein Verhältnis von mindestens 5:1, um eine gut gelaunte Grundstimmung zu produzieren. Da ist es also doch wieder gut, dass ich mich mit Tippen beschäftige, um ihnen allen gar nicht erst die Entfaltung zu voller Blüte zu ermöglichen.

Weg. Hah! Sehr gut.

Ich merke, wie ich unfreiwillig zu jemandem mutiere, der sich zwei Mal am Tag zweistündige Diskussionen zur Flüchtlingspolitik antut und sich dabei gewahr wird, dass sie von einem Haufen… was würde Laura sagen, faschistoider Gestalten umgeben ist, die Gedankengut in sich tragen (oder noch schlimmer, nach außen tragen), das ohne Weiteres als PEGIDA-würdig eingestuft werden kann, auch wenn sie das nicht in dreitausend Jahren zugeben würden. Danke, Politiker in meinem Leben; genau das wollte ich nie werden. Wenn ich jetzt noch den Glauben an meine Mitmenschen verliere, lande ich bald in der Klapse. Wie ich es aber rückgängig machen könnte, ist mir auch nicht bekannt.

Spätestens daran, dass ich über zwei Stunden lang in einem politischen Gespräch mit Laura einer Meinung war, ist abzusehen, dass mir das Wasser bis zum Hals steht. Wenn ich nicht aufpasse… Stimmt, darüber habe ich heute Früh noch nachgedacht. Laura sagte gestern, man würde die Smartphone-Junkies nur so lange hassen, bis man selber einer wird. Ich habe mir dann überlegt, inwieweit von mir zu Recht erwartet werden kann, dass ich mich anpasse und mir so ein Ding zulege, auch wenn sie mir noch so sehr zuwider sind und ich die Art verabscheue, wie sie jedes Leben aus einer sozialen Situation heraussaugen – darüber müsste ich mir dann immerhin ja keine Sorgen mehr machen, ich würde schließlich dazugehören. Ein Smombie unter Milliarden.

Und inwiefern aber, auf der anderen Seite, ein zu angepasstes Dasein einfach nur noch in Selbstverleugnung ausufert und irgendwo nur zeigt, dass man den einfachen Weg (all my friends are walking dead, it’ll be more fun to walk among them as one, even if that means having to kill myself first) einem selbstbestimmten, individualitätszelebrierenden Lebensstil vorzieht. Wenn ich mich infizieren lasse und zum mit Smartphone verwachsenen Linksradikalen werde, der sich seinen Laptop da hinstellt, wo andere Menschen ihr Frühstück positionieren, um auch ja in keiner Sekunde seines wachen Lebens so etwas Banalem wie einer Mahlzeit seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, fühlt sich das kaum wie eine Persönlichkeitsentwicklung an, die ich gerne durchleben würde. Allein schon, weil auf unserem Küchentisch für zwei Laptops nebeneinander plus Frühstücksutensilien kein Platz wäre. Und überhaupt – so ein Frühstück macht sich nicht von allein.

Fazit: Ich kann niemals in die Politik gehen. Irgendjemand muss doch das Frühstück machen.

A small rant about attentiveness and interest (and how much I miss them in certain people).

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Verdammt, es waren wieder Bots auf meiner Seite unterwegs. Über 3400 Seitenaufrufe durch menschliche Besucher werde ich kaum gehabt haben heute… Wie ich es hasse.

Aber ich habe viel wichtigere und zum Glück gute Nachrichten. Und zwar war ich heute in der Uni und habe mit meinem BA-Betreuer geredet – ja, richtig, ich habe es letztens dank Bastis Arschtritt tatsächlich geschafft, seine Ferien-Sprechzeiten zu googlen – und bin nunmehr wieder ein bisschen motivierter und überzeugter, das Ding tatsächlich irgendwie schaukeln zu können. Vorausgesetzt ich verliere nicht meine Rest-Disziplin völlig und versacke wieder in Verdrängung.

Wo wir schon bei Verdrängung sind: Ich bin gestern Nacht durchgedreht, wieder mal. Da wollten wir ins Bett gehen und auf einmal fragt mich R, was ich denn zu tun gedenke jetzt wegen meiner Weltuntergangs-Angst, woraufhin ich entgegen jeder Gewohnheit (und wider besseres Wissen) einmal versuchte, ihm einen Einblick in meine Innenwelt zu gewähren; leider reagierte er darauf in gewohnter Manier mit einer Antwort, die irgendwie Robin Hood, Anti-Deutsche und die politische Linke zum Inhalt hatte, vor Egozentriertheit nur so überquoll und davon zeugte, wie er einfach keinen Deut in der Lage ist, auf irgendetwas, das ich aus meiner Gefühlswelt verbalisiere, auch nur in minimalen Ansätzen einzugehen. Das wiederum war mir in dem Moment zu viel und ich machte ihn darauf aufmerksam, woraufhin er dann hart beleidigt war und mir sein Unverständnis bekundete – wiederum in Vorwürfe verpackt, die in erster Linie darauf basierten, dass ich ihm Vorwürfe gemacht hatte.

Sprich, neben den Weltuntergangsszenarien, die sich vermehrt in meinem Kopf abspielen, seitdem ich erfahren habe, dass CETA durchkommen soll, und die sein Aufgreifen des Themas natürlich wieder in den nicht verdrängbaren Bereich hervorgeholt hatte, sah ich mich gestern nochmal deutlicher, als ich es eigenglich gern gehabt hätte, mit der unabänderlichen Tatsache konfrontiert, dass ich mit einem Egozentriker zusammen bin, der es mir niemals erlauben wird, meiner Persönlichkeit in einem Maße Ausdruck zu verleihen, das mir genügt. Weil ich eben erst damit anfange, wenn mir signalisiert wird, dass es erwünscht ist und ich Reaktionen erwarten kann, die mir bestätigen, dass das von mir Vermittelte auch wirklich ankam. R als Gesprächspartner ist ungefähr dasselbe wie ein Schwarzes Loch. Ich sag was und es wird verschluckt und auf Nimmerwiedersehen eingesaugt. Da kommt nichts zurück. Mit ein bisschen Glück vielleicht eine Bemerkung, die dir sagt „Mich interessiert zwar nicht im Geringsten, was du gesagt hast, aber ich habe es durch meinen Prozessor laufen lassen und kann Folgendes damit anfangen:“ – und dann füge irgendwas Politisches ein, oder eine random Anekdote aus seiner Vergangenheit. Wesentlich wahrscheinlicher ist aber, dass du vollkommen ignoriert und stattdessen darüber informiert wirst, dass Tickerschreiben immerhin besser ist als Artikelschreiben, weil ihm das nunmal gerade im Kopf rumgeht und dann eben grad mal mitgeteilt wird; ist schließlich völlig irrelevant, dass ich mich gerade unter massiven Anstrengungen dazu gebracht habe, mich über die Kälte zu äußern, die meinen Melonen zusetzt, obwohl mir nichts mehr zuwider ist, als meine Innenwelt an schwarze Löcher zu verschwenden. So es unentwegt. Und das bekommt mir nicht, weil ich durchaus meine eigenen egozentrischen Züge an mir habe und eigentlich nur mit Menschen überhaupt klarkomme, die mir das Gefühl vermitteln, gehört zu werden.

Der Clou ist aber, dass ich das Ganze ihm nicht sagen kann, weil ich zu manisch darauf bedacht bin, ihn nicht dazu zu bewegen, Dinge gegen seinen Willen zu tun oder zu unterlassen. Überlege dir mal: Er ist ja nun ganz bestimmt niemand, der sich nicht bemüht, an Sachen zu arbeiten, wenn er erstmal merkt, dass etwas sich ändern sollte. Am Ende bekomme ich es fertig, dass er mich so ausquetscht, wie ich es brauche, nur um mir ein besseres Gefühl zu geben, ohne dass ein ehrliches Interesse an diesen ganzen bescheuerten Details, die ich momentan für mich behalte, eigentlich gegeben ist. Das ist ja gerade der Grund, aus dem ich drei-vier-fünffach sichergehe, dass jemand auch wirklich hören will, was ich zu sagen habe, bevor ich es letztendlich anbringe – was gibt es denn Schlimmeres, als jemanden mit für dich kostbaren Details zuzulabern, der sich im Grunde wünscht, du würdest endlich damit aufhören. Ich hab bis zu einem gewissen Grad auch hart an mir selbst gearbeitet, da mir ja bekannt ist, dass ich das Ganze schon ziemlich extrem sehe. Mit Erfolg, muss ich sagen, denn ich schaffe es mittlerweile sehr viel besser, dem Schwarzen Loch ab und an Dinge mitzuteilen, die mir am Herzen liegen oder mich einfach auf irgendeine Art beschäftigen. Nicht viel zwar, aber immerhin, es hat sich gesteigert.
Aber die Resonanz, mir fehlt so sehr die Resonanz.

Venting Ende. Irgendwo muss es ja mal raus, der ganze Wust. Und ich sollte eigentlich doch so fair sein, ihm meine Sicht der Lage irgendwie mitzuteilen – wie kann ich mir sonst herausnehmen, mich überhaupt zu beschweren.

Wieder einmal die geballte Ladung Negatives ohne ein Wort der Relativierung. Gut gemacht, wirklich. Authentischer kann der Eindruck, den du hier vermittelst, kaum sein.~ (Unglaublich, ich habe zum ersten Mal in meinem Leben das Snark verwendet. Bitte um zahlreichen Applaus!)

Nächstes Mal komme ich mit einer besseren Laune her, ich schwör’s.

Vierthöchste Bildungslücke der Welt – detected.

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„I remember riding on Daddy’s shoulders.“

Mir ist dieses Bild so klar vor Augen geblieben wie keine andere Erinnerung an den Ground Zero. Als ich dort war, Ende 2006, hingen an den Wänden überall diese „I remember“-Zeichnungen, angefertigt von den Kindern der Opfer. R würde mich vermutlich mit einem herablassenden Kommentar der Sorte „na und? Auf der Welt sterben jeden Tag Leute“ beglücken, aber ich habe ehrlich gesagt Schwierigkeiten, mich von dieser einen Erinnerung nicht meinerseits immer wieder bedrücken zu lassen.

Jedenfalls habe ich vor ein paar Minuten dann durch Zufall auch mal festgestellt, dass inzwischen ein neues World Trade Center errichtet wurde. Spät, aber doch. Manchmal sind meine Bildungslücken also tatsächlich 547 Meter groß.

Was für eine Erkenntnis.

Ich denke ab und an darüber nach, wie es Dinge schaffen, einem so lange verborgen zu bleiben. Glücklicherweise komme ich dann zu dem Schluss, dass mir selbst nur bedingt Vorwürfe zu machen sind („du könntest dich ja informieren“). Lieber mache ich gar niemandem einen Vorwurf und stelle einfach fest, dass es offenbar zwischen 2006, als die Bauarbeiten begannen (du siehst, ich habe meinem Wissensstand inzwischen mit Hilfe von Wikipedia ein bisschen auf die Sprünge geholfen) und dem heutigen Tag keine Situation gab, in der mir jemand oder etwas das Wissen um dieses Gebäude vermittelt hätte. Weder ich selbst noch der Rest der Welt.

Manchmal, wenn meine Eltern einen Begriff verwenden, über den ich im Leben noch nicht gestolpert bin, sind sie überrascht, wenn ich mich erkundige, was es damit auf sich hat. („Wie, du weißt nicht, was … ist? Wie kann man das nicht wissen?“) Ich finde es jedes Mal aufs Neue absurd und entgegne, dass immerhin doch sie diejenigen sind, die mir damals das Leben hätten erklären sollen; es ist also doch im Grunde ihnen selbst zu verdanken, wenn ich ein Wort aus ihrem Vokabular nicht kenne oder von einer ihnen geläufigen, eigentlich elementaren Sache nichts weiß. Aber der Seltenheit, mit der dieses Phänomen auftritt, ist eigentlich schon zu entnehmen, dass sie ihre Sache im Großen und Ganzen ziemlich gut gemacht haben.

Ich bin damals bei Mama in Ungnade gefallen, weil ich ihr den Eindruck vermittelt habe, mehr daran interessiert zu sein, auf der Straße nach Pennies zu suchen (sie waren überall!), als daran, mir von ihr die Stadt zeigen zu lassen, in der ich gezeugt wurde. Ihre Stadt, deren Verlust sie noch heute nicht vollständig überwunden hat. Im Nachhinein durchzuckt mich immer ein ekliges Gefühl, wenn ich es aus ihrer Perspektive betrachte. Es geht mir so mit recht vielen Ereignissen aus der Vergangenheit. Ich verstehe uns beide zu gut, ich verstehe uns alle drei. Das tut sie vermutlich bis heute nicht zu diesem Grad.

Ich werde weiterarbeiten.

Schwerer Kopf

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Ich bin so KO, das glaubst du mir nicht in dreihundert Jahren.

Eigentlich bin ich nicht wirklich KO, außer du zählst den Effekt, den eine übergroße Portion Spätzle mit Käsesauce und Gemüse halt kurzzeitig so auf den menschlichen Körper hat; in dem Fall bin ich es allerdings. Sogar sehr. In erster Linie bin ich allerdings eher mental fertig, was darauf zurückzuführen ist, dass.. wo fange ich an.

Also, im Grunde sind es verschiedene Dinge, die letztendlich alle auf R zurückzuführen sind (alle Wege führen nach Rom). R die Erste: Er bewirbt sich in Berlin. Die Arbeitsbeschreibung klingt einwandfrei wie für ihn gemacht, und auch wenn sie jemanden mit abgeschlossenem Studium suchen, wird es daran ganz sicher nicht scheitern (er hat schon angerufen). Da ihm die Stelle wie auf den Leib geschrieben ist, sehe ich ein, dass er sich unbedingt darauf bewerben sollte. Aber nuja, isch halt net so ganz ideal, so rein geographisch betrachtet. Und nachdem er mich heute Früh noch fragte, ob es mir etwas ausmachen würde, am Bodensee alt zu werden, für den Fall, dass mein Projekt nichts wird, war der Schock dann schon ein bisschen viel für meine armen Nerven. Ich habe noch nie jemand so Wankelmütiges wie diesen Menschen erlebt.

R die Zweite: Seine Schwester kündigte sich vor ein paar Stunden spontan an; sie hat ein Vorstellungsgespräch hier in der Gegend und will daher bei ihm nächtigen. Er sah nun irgendwie nicht das Problem darin, ihr zu verkünden, sie könne bei uns unterkommen (bei uns = bei mir), in meinem Beisein, jedoch ohne zuvor irgendeine Kommunikation jeglicher Art mit mir abzuhalten. Und fand es dann offenbar ziemlich absurd, als ich anmerkte, dass eine Absprache schon ganz nett gewesen wäre. Reicht schon, dass er ab und an Leute hierher einlädt, ohne mich zu konsultieren, aber das jetzt war mir absolut zu viel. Selbstverständlich mag ich seine Schwester – sie ist mir allein aus seinen Erzählungen sympathisch, und die paar Tage, die ich sie im März erlebt habe, haben das Bild nicht unbedingt zum Negativen verändert. Und selbstredend habe ich nichts dagegen, sie bis Sonntag hier zu beherbergen. Die Arme kann ja vor allem nicht ahnen, was sich R für Dreistigkeiten herausnimmt; sie hat ja keine Möglichkeit zu wissen, dass er sie bei mir unterbringen will. („Ja, was hätte ich denn machen sollen? Sie bei mir schlafen lassen?!“) Aber, aber, aber.. einfach so, ohne wenigstens pro forma zu fragen? Ich find’s dreist. Das ist reines Ausnutzen. Ich fühle mich übergangen. Es ist nicht so, als hätte ich ihm je nicht erlaubt, Leute mit herzubringen oder einzuladen, aber egal, wer es ist, mich um die Erlaubnis gar nicht erst zu bitten ist übel, übel respektlos.

Und R die Dritte: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ihn ein Selbstversorgerdasein jemals erfüllen können sollte. Eventuell würde er es durchziehen und mitmachen, um mir den Gefallen zu tun, aber ich bezweifle stark, dass er seine Denkweise in diesem Leben noch so sehr verformen kann, dass er wirklich darin aufgeht. Er hat ein unglaublich starres Denken, was ihm sein Leben bestimmt um ein Dreifaches schwieriger macht, als es sein müsste. Oh würde er sich nur selbst auf Escitalopram setzen, was für Wunder könnte er noch erleben. Seine Denkmuster sind so starr, ich frage mich manchmal, ob er davon nicht eigentlich Migräne bekommen müsste.

Jedenfalls habe ich ihm bereits angekündigt, dass er mir beim Aufräumen hilft, bevor seine Schwester kommt. Ein bisschen Würde braucht der Mensch doch noch irgendwo.

Wer will einen Kuchen backen…

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Drei Sachen.

1) Ich habe das Bedürfnis, Şahin zu schreiben. Eigentlich nur, weil ich ihm Check for a Pulse von No Use for a Name zeigen will; ich habe den Verdacht, dass er das Solo so lieben würde, wie ich es tue. Mir fällt auf einmal überhaupt kein Grund ein, es nicht zu tun. Außer natürlich dem, dass ich zu Basti will, und das schon seit einer Stunde, und R schon um Mitternacht wiederkommt und ich dann zu Hause sein sollte. Außerdem sollte ich Caro konsultieren vor einer derartigen Aktion. Vielleicht wird dem an sich recht simplen Akt an anderer Stelle mehr Bedeutung beigemessen, als ich das in meinem No-Use-Delirium gerade tue.

2) R. Er liebt mich wirklich. Es ist absurd.

3) Ich liebe R. Ich muss an meinen Mauern arbeiten. Mongolen, wo seid ihr, wenn man euch braucht?

4) No Use for a Name liebe ich ebenfalls. Ich bin jedes Mal aufs Neue deprimiert, weil Tony tot ist.

5) Ich vermisse Robert. Und mein altes Leben, in dem ich abends immer so unendlich viel Zeit hatte, um mit den Anderen bei Skype zu hängen.

6) Ich muss los.

7) Doch, mir ist schon bewusst, dass es doch mehr als drei Punkte geworden sind, aber was soll man da schon machen.

Fürchterlich.

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Wie schlimm es einfach heute ist. Wie furchtbar ich diesen Mensch vermisse. Genau den, mit dem ich ja doch nicht gescheit reden kann, wenn er da ist. Genau den, der es irgendwie fertigbringen würde, mich nicht festzuhalten, selbst wenn er hierwäre. Genau den, mit dem ich lernen könnte ich selbst zu sein, was ehrlich gesagt an diesem Punkt das Einzige ist, das ich gerne wäre, der aber sich selbst versteckt und mir so das Lernen gar nicht erst ermöglicht.

Ich schwärme zu wenig, wenn ich verliebt bin. Was dazu führt, dass meine Vertrauten zwar bis ins kleinste Detail darüber bescheidwissen, was für schreckliche Dinge mir die Person (meist unwissenderweise) so alles antut, was für Verwirrung sie stiftet, was sie nicht versteht, was ich nicht verstehe… aber im Endeffekt kaum je erfahren, was mich dann überhaupt dazu bringt, sie zu mögen. Sie fragen auch nicht – wobei, das stimmt so nicht. Caro hat mich gefragt, warum ich Kepa mag, aber ich habe ihr nichtmal geantwortet.

Vielleicht weil es in meiner Lage etwas Selbstzerstörerisches an sich hat, darüber nachzudenken. Und weil ich mir denke, das begreift man doch eh nicht, von außen betrachtet. Und es zeigt Schwäche, und das kann ich ja so super. Nicht. Und Selbstschutz ist es; wenn ich laut aussprechen will, was es genau ist, das mich so ungemein verletzlich macht, muss ich erstmal selbst genau darüber nachdenken. Wenn ich dann genau darüber nachgedacht habe, ist es felsenfest in meinem Kopf verankert. Und wenn ich es dann verliere, tut es dreimal so weh. Das, was man eh im Begriff ist zu verlieren, schaut man sich doch besser nicht extra direkt davor nochmal genau an.

Am besten, man schaut es überhaupt nicht an. Es dringt ja so schon genug davon durch. Stellt sich die Frage, wo dann stattdessen hinschauen? Seine guten Seiten sind wie die Sonne, warm und leuchtend, und wie diese tun sie mir weniger Schaden an, wenn ich nicht direkt reinsehe. Aber wohin sonst sehen; seine Fehler sind Sterne – trotz all ihrer Zahllosigkeit kaum greifbar. Versuche einen einzelnen genau anzusehen, und es wird dir kaum gelingen. Sie erfüllen ihre Funktion nicht, die warnende, relativierende, die sie haben sollten. Da, wo mein objektiver Blick auf seine Fehler sein sollte, drängen sich auf engstem Raume die Überdosis Geduld, die unangebrachte Gleichgültigkeit, das bei Weitem zu stark ausgeprägte Verständnis, der altbekannte Drang zu helfen und vermutlich noch eine Portion Blindheit.

Und wenn ich versuche, gar nicht erst bis nach innen vorzudringen, suche ich auch nur die Wärme in seinen Augen.

Ich kann nichtmal behaupten, ich wäre gern weniger dramatisch. Im Gegenteil; ich wünschte mir, der Rest der Welt wäre es mehr.
Noch mehr aber wünsche ich mir, er wäre nicht so ein Depp und ich könnte mehr ich selbst sein.