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I’m tired, so let me be broken.

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Wow, das wird heftig. Aus irgendeinem Grund meint meine Psyche genauso zusammenklappen zu müssen, wie sie es in einer entfernt ähnlichen Situation vor bald einer Dekade schon einmal getan hat, und ich kann nur hoffen, dass sie sich dieses Mal schneller und weniger mühsam wieder berappelt.

Ich stehe nunmehr vor der Herausforderung, den Totalschaden irgendwie zu minimieren und mich jedem Trauma-Trigger zum Trotz den aktuellen Tatsachen angemessen zu verhalten.

Tatsache 1: Ich wurde (noch) nicht verlassen.
Tatsache 2: I made this bed. I choose to lie in it. Live with my regret, sleep with what I said.
Tatsache 3: Was hier passiert, ist unumgänglich.
Tatsache 4: Ich habe mir schon immer mehr von R gewünscht, als er in der Lage war zu geben.
Tatsache 5: Mit Kollabieren ist mir nicht geholfen.
Tatsache 6: Ich brauche ein Leben, um mich über Wasser zu halten.

Es gestaltet sich denkbar schwierig.

Solange R hier wohnt, ist damit zu rechnen, dass weiterhin jede Interaktion mit ihm von unkontrollierbaren Heulattacken meinerseits begleitet ist. Das ist mir nicht nur hochgradig unangenehm, sondern leider unvermeidlich.

Heulend einzuschlafen und mit Panik aufzuwachen ist mir zwar zur Genüge bekannt, aber dadurch nicht leichter zu ertragen. Ich habe letzte Nacht besser geschlafen, indem ich mich einerseits in dieser zweiten Nacht etwas an die harte Matratze im kleinen Zimmer gewöhnt und andererseits die Baldrian-Tabletten für mich entdeckt habe, die ich irgendwann mal für R geholt, welche er jedoch verschmäht hatte.

Immense Konzentrationsschwierigkeiten sowie gelegentliche Episoden überwältigender Verzweiflung verhindern, dass ich arbeiten oder lesen könnte. Jedoch habe ich mit Caro und mit Becci telefoniert und dabei erneut festgestellt, dass es wahnsinnig gut tat, sie um mich zu haben. Das kennt man ja schon.

I’m a mess, that’s the best way to describe it; having no time to myself’s the only way I can fight it
When I’m alone, it’s like I’m staring into a mirror; don’t know the person inside and that’s never been any clearer.

Aber ich habe auch gemerkt, dass mir alles leichter fällt, wenn ich funktionieren muss. Mich hat jemand von Foodsharing angerufen, die ich nicht kenne, und wie das so ist, fake it ‚til you make it, habe ich mein Heuldrama unterbrochen, um den Anruf entgegenzunehmen, und geschlagene neunzehn Minuten mit dieser Anette telefoniert, als wäre es der sonnigste Nachmittag, den die Welt je gesehen hat.

Was mich in der Annahme bestätigt, dass ich mich unter Menschen zwingen muss, so viel wie möglich, um einfach nicht zusammenbrechen zu können und dabei im besten Fall an sozialen Kontakten zu gewinnen, die die Bezeichnung auch verdienen.

Siehst du mal. Telefonieren hat geholfen, Schreiben hat geholfen, sogar dieses überaus deprimierende Lied hat geholfen. So sehr, dass ich in der vergangenen Stunde vollends von dem Gefühl verschont blieb, an unerträglichen Schmerzen zu verrecken.

A Dilemma Quickly Resolved

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Ich bin überfordert. R möchte mit mir bogglen, und da er sich über alle Maßen wegen seines morgen beginnenden Praktikums stresst und die Ablenkung zum Runterkommen dringend benötigt, möchte ich ihm den Wunsch nicht ausschlagen. Gleichzeitig muss ich mit Caro reden, um herauszufinden, was sie um Himmels Willen dazu bewegen könnte, sich eine Wohnung zu kaufen, obwohl sie das offenbar nicht möchte. Nichts davon lässt sich verschieben.

Fast forward fünf Minuten: beide Menschen haben in der Zwischenzeit beschlossen, dass ihre Anliegen bis morgen warten können. R ist es jetzt zu spät zum Bogglen und Caro hat sich mit ihrer Investition laut eigener Aussage mittlerweile auch anfreunden können.

Das heißt dann wohl, dass ich jetzt ins Bett gehe und alles Weitere morgen erledigt wird.

Musings of a Moorleiche

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Das Ergebnis von einer Stunde ziellosen Durchblätterns meines Blögchens: Meine Vergangenheit überfordert mich und meine Gegenwart entsetzt mich.

Nein, warte, anders: Das Zurückblicken auf meine Vergangenheit überfordert mich, und mich entsetzt, was und wie ich mir erlaubt habe zu werden.

Ich hab‘ immer gekämpft; wann habe ich aufgegeben?

Und was ist mit dem Leben passiert, das ich mir so hart erarbeitet hatte? Wohin hat sich das verflüchtigt, als wäre es nie dagewesen? Und wie ironisch ist das bitte, dass ich mir gefestigter vorkomme denn je, aber von all meinen Errungenschaften gerade genug geblieben ist, um mich auf Sparflamme warm zu halten?

Ich kann nicht zu gründlich darüber nachdenken, weil sonst alles explodiert. Als wäre ich ewig mit einem riesigen Pickel im Gesicht herumgelaufen und hätte ihn einfach ignoriert, bis ich gerade nicht mehr anders konnte, als einmal dran zu drücken. Jetzt muss er vorsichtig ausgequetscht werden, um nicht die physische Unversehrtheit meines Gesichts sowie des Badezimmerspiegels durch übereifriges Zupacken in Gefahr zu bringen.

Ich muss gedacht haben, ich könnte mich einfach mal ausruhen. So ein Humbug; als wüsste ich nicht, dass die Arbeit nie aufhört. Sie darf nie aufhören. Sonst passiert das hier.

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Seit heute Früh bin ich allein. Es fühlt sich ganz anders an als im Sommer, but then, what doesn’t?

Ich habe einen Großteil des Tages in dem Glauben gelebt, es wäre Donnerstag. Selbst als mich Regula anrief (die Frau des Arbeitgebers meiner Mutter, die mich für Samstag zu sich nach Zürich zum Essen eingeladen hatte) und immer wieder von „morgen“ sprach, habe ich es noch nicht begriffen. Erst nach dem Telefonat sickerte es langsam ein. Eigentlich bin ich heilfroh, weil das bedeutet, dass die eine Verpflichtung, die ich mir eingehandelt habe, morgen bereits erledigt sein wird, andererseits ist es ja genau dieses unbedingte Fernhaltenwollen von jeder (sozial oder anders gearteten) Aktivität, das mein Dasein seit geraumer Zeit prägt und dazu führt, dass ich mich in meiner Vereinsamung lebendig begrabe.

Es wäre wirklich mal wieder an der Zeit, sich an den Haaren zu packen und aus dem Sumpf zu ziehen. Stattdessen scheine ich mich von lichten Flecken in der ehemals so bezaubernden Haarpracht dazu veranlasst gesehen zu haben, mir den Kopf völlig kahl zu rasieren. Das morgen ist ein Haar, das der Sense entkommen ist. Zu erwarten, dass das eine dünne Ding nun robust genug ist, um einen ganzen Menschen daran aus schlammigen Gefilden zu befreien, wäre wohl wenig realistisch. Aber wenn ich es wachsen und das Rasieren sein lasse, kann ich es doch bestimmt irgendwann wieder zu einem halbwegs respektablen Schopf bringen. Und wenn ich wieder etwas habe, an dem man ziehen kann, nunja, dann muss ich daran ziehen.

So much stuff. So little sleep.

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So komatös, wie ich bin, schreib‘ ich heute gar nichts mehr.

Außer vielleicht: Ich lebe, aber ich muss ins Bett; Lörrach im Endstadium (Hazel Brugger hatte Recht, aber sowas von) und eine relativ gute Chance, dass ich morgen in aller Herrgowaisfrühe von meiner verschnupften, aber nicht aufzuhaltenden Mutter geweckt werde, um das Meditieren zu erlernen, sind beides Faktoren, die dafür sprechen.

Substanzlose Weihnachten

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Na, sowas hab‘ ich ja schon immer ganz besonders geliebt. Aus was für Löchern sie alle gekrochen kommen, ich will’s gar nicht wissen. Heute Früh hatte ich tatsächlich eine Whatsapp-Nachricht mit „Frohe Weihnachten :)“ von Barbaras Freund. Jap, von demselben Menschen, dem ich nicht übel Lust hätte die Augen auszukratzen, sollte ich ihm mal persönlich begegnen, so wie er sich angestellt hat im kurzen Verlauf unserer Bekanntschaft (und nach allem, was ich über Dritte erfahren habe).

Kann es sein, dass es sich um einen dieser komischen Menschen handelt, die zu solchen Gelegenheiten eine Nachricht mit dem gleichen Inhalt an all ihre Kontakte schicken (was traurig wäre angesichts dessen, was sich in den Kontaktlisten bei den meisten Leuten alles tummelt)? Oder was denkt sich jemand sonst dabei? Hey, es ist Weihnachten. Wir reden zwar nicht miteinander, aber an Weihnachten muss man sich gratulieren, kontaktieren oder, noch schlimmer, aussöhnen, vertragen, benehmen. Natürlich hat niemand die Absicht, sich auszusöhnen, sich zu vertragen, irgendetwas Substanzielles an dem eigentlich porösen Kontakt oder sogar Nichtkontakt wieder aufzubauen. Und das ist das eigentlich Schlimme an diesen Nachrichten, sie geschehen pro forma, weil jemand sich denkt, man macht das eben so. Ein Glück hält Robert nichts von Weihnachten, sonst würde der mir am Ende auch noch schreiben.

Ich fand’s selbst von Caro schon grenzwertig, die ebenfalls mit einem Anderthalbzeiler von sich hören ließ, allerdings seit Beccis und meinem Besuch im Sommer weder die Zeit gefunden hat, mal zu telefonieren, noch auf meine sporadischen Nachfragen sonderlich enthusiastisch (wenn überhaupt) eingegangen ist. Komm schon. Von solchen Feiertagsnachrichten fühlt man sich mir nichts, dir nichts zum Gelegengeitsbekannten degradiert, dem man aus Pflichtgefühl ein inhaltsloses Häppchen wirft.

Allerdings scheine ich mit dieser Ansicht alleine dazustehen. Selbst mein Onkel meldete sich dieses Jahr per Whatsapp. Er ist so wortkarg in seiner schriftlichen Kommunikation, dass die Meldung „Frohes Fest usw. Bin leider krank.“ schon fast überdimensional lang wirkte. Aber ich hätte auch darauf verzichten können.

Davon ab könnte ich mich nicht unweihnachtlicher fühlen. Ich habe einen Computer und eine Katze auf mir liegen, was praktisch den Durchschnitt meines Gesamtzustandes im Jahr ganz gut widerspiegelt, muss noch sieben Seiten meines aktuellen Scribbr-Auftrags bearbeiten und dann irgendwie die Wohnung präsentabel machen, bis meine Eltern sie heute Abend betreten, sowie am besten noch meine Erkältung loswerden, um diesbezüglich Kommentare von meiner Mutter zu vermeiden. Draußen stapelt sich die Ausbeute unseres vorgestrigen Containerzugs und die meiner gestrigen Abholung beim Vietnamesen. Mein Kühlschrank ist nur zur Hälfte vorhanden, die andere Hälfte steckt in der Spülmaschine, um von widerlichem Dreck gesäubert zu werden, der sich in einem eindeutig zu langen Zeitraum darauf angesammelt hat und den mit der Hand zu beseitigen ich beim besten Willen nicht über mich bringe. Allerdings ist die Spülmaschine relativ leer und ich weiß nicht, wie ich sie noch gefüllt bekommen soll, um sie rechtzeitig vor der Ankunft meiner Eltern zum Laufen zu bringen, damit ich den Kühlschrank wieder einräumen kann. Im Trockner ist noch eine Ladung Wäsche. Sehr realistisch, das alles noch geradebiegen zu wollen bis sechs Uhr abends. Aber man wird sehen, wie weit ich komme… Ezina ekinez egina.

Jetlag

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– wer hat mir das angetan?

No, seriously though, I’m feeling funny. Actually, beyond funny. I can’t remember the last time I’ve felt this funny.

Funny as in weird, of course.

Ich habe bis 4 geschlafen (pm, that is), mich dann mit größter Mühe zum Aufstehen gezwungen (obwohl der Körper protestierte und die generell vorherrschende Dunkelheit des Tages alles Andere als positiven Einfluss auf meine Willenskraft ausübte), Frühstück gemacht, zwei Folgen Scrubs angesehen und dabei den Energy vernichtet, den Becci mir vor ein paar Wochen mitgebracht hatte, anscheließend meine Großeltern angerufen, um mich zurückzumelden, dann mit Basti geredet, dann Rezepte für Rasgulla und Roti gegooglet und nun meinen Weg hierher gefunden, um zu erzählen, wie komisch ich mich fühle.

In einer Stunde muss ich wach genug sein, um zum Containern das Haus zu verlassen. Yannick hatte mir gestern bereits geschrieben, ob ich vor Weihnachten nochmal mit auf Beutezug komme. Natürlich komme ich. Auch wenn ich irgendwie noch nicht richtig da bin.

Ich habe schon mehrfach versucht, die Indien-Erfahrung in Worte zu fassen; es ist mir bislang nicht sonderlich gut gelungen. Vielleicht tut es das, wenn ich wacher bin. Vermutlich allerdings nicht. Wer sich schonmal in indischen Großstädten herumgetrieben hat und an das erste Mal zurückdenkt, wird mich an dieser Stelle verstehen.

Shit. Jetzt bin ich in meiner Recherche einer potenziellen neuen Kamera abgedriftet und darf mich in einer halben Stunde schon aus der Wohnung zwingen. Uff. Aber was tut man nicht alles für sein Essen. Und da meine Eltern mich übermorgen besuchen und ihr Raclette mitbringen, muss und möchte ich sowieso für ausreichend Zutaten sorgen.

Alles Weitere also später.

The Skyscraper Challenge

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Alles zieht irgendwie so vorüber. Ich mache keine Schritte, sondern gleite nur so vor mich hin in meinem Glastunnel und sehe durch die Wand die Welt. Mir ist klar, dass ich nicht richtig lebe. (Das tun Andere. Basti, der Vater wird, und Becci, die in ihrer Arbeit aufgeht.) Aber lieber lebe ich falsch als gar nicht, das schon; ich möchte unbedingt am Leben bleiben und zumindest die Chance weiter haben, es irgendwann herauszufinden. Wie es wirklich funktioniert, meine ich. Ab und an erscheinen random Schnipsel in meinem Kopf, die Teil des Lebens sind, „Auf der Mauer, auf der Lauer liegt ’ne kleine Wanze“, zum Beispiel, oder der Gedanke daran, wie Halcyone ihre Eier auf das Wasser gelegt hat. Wie könnte ich mir wünschen, nicht Teil einer Welt zu sein, in der dies der Fall ist.

Ich sitze noch immer auf Beccis Sofa. Ich bin wirklich krank geworden. Becci ist auf zwei Geburtstagen eingeladen und kommt irgendwann wieder; ich bin ganz zufrieden hier alleine und habe mich den Tag über kaum vom Fleck bewegt. Ich hege die Hoffnung, dass es mir morgen besser geht und wir mit dem Streichen fertig werden. Am Nachmittag möchte ich heimfahren und im Idealfall bin ich bis dahin so weit wiederhergestellt, dass ich R zu Hause nicht anstecke.

Kepa hat versucht, mich anzurufen. Ich konnte nicht ans Telefon gehen, weil meine Stimme mir erkältungsbedingt mal wieder abhandengekommen ist, und dachte sowieso, es wäre meine Mutter. Da ich mich mit dieser am Dienstag aufs Übelste zerstritten hatte und ich annahm, sie würde den Disput fortführen wollen, habe ich das Handy von vornherein nicht angerührt.

Ich hätte schon im gesunden Zustand und im Besitz eines funktionsfähigen Kehlkopfes Schwierigkeiten, mich damit auseinanderzusetzen. (Der aktuelle Stand: sie ist dem Konzept Zwangsarbeit nicht abgeneigt, findet „Arbeit macht frei“ eine legitime Aussage und teilt mir mit, dass ich krank im Kopf bin und sie nur deshalb von einer Anzeige wegen Beleidigung absieht, nachdem ich daraufhin die von ihr so bereitwillig provozierte Nazikeule heraushole. Ich sei blind und gehirngewaschen und sie sei schockiert über meinen Hass auf die Welt, seitdem ich politisch geworden sei.)

Ich weiß gar nicht, wie ich weiter vorgehen soll.

Egal, was ich sage, sie wird es wegwischen.

Wenigstens für mich selbst kann ich Dinge festlegen.

Mein Bild von der Welt ist ganz simpel. Alles, was aus freien Stücken unnötig Schaden anrichtet, im Fall eines fühlenden Wesens also in seiner persönlichen Freiheit und Unversehrtheit einschränkt, ist von Grund auf schlecht. Daher ist (meiner Ansicht nach) Zwang schlecht. Sofern es natürlich nicht darum geht, jemanden zu zwingen, damit aufzuhören, unnötig Schaden anzurichten. In dem Fall ist der Zwang nötig und die Schuld dafür liegt bei demjenigen, den man von der Verrichtung des Übels abhalten muss.

Mein „Politischsein“ beschränkt sich im Grunde auch bloß aufs Hinschauen. Das ist nicht mehr oder weniger politisch als das, was Andere machen, aka Wegschauen. Bloß nimmt es einem ein bisschen die Möglichkeit, Dingen gegenüber tolerant zu sein, die man halt auch nur hat, weil man nichts davon weiß. Das spiegelt sich dann in Verbindung mit der richtigen Grundethik (und ja, selbstverständlich empfinde ich meine Grundethik als richtig) in einer gewissen Denk- und Handlungsweise wider. Diese Chance zum Denken und Handeln hat man nicht, wenn man wegguckt. Aber meine Mutter findet mich jetzt politisch und gehirngewaschen. Ich finde mich gefestigt und bestärkt in einem Bewusstsein, das ich immer noch zu einem sehr kleinen Maße nur zulasse, weil mich die Ausmaße der Ohnmachtsgefühle und der Verantwortung gleichermaßen, die eine vollständige Immersion in den Zustand der Welt und bereits meiner unmittelbaren Umgebung mit sich bringen würde, einfach nur wieder lähmen und überwältigen würden. Und damit ist auch niemandem geholfen.

Meine Mutter meint es gut mit mir und hat das schon immer getan. Das ist der eine Fakt, der alles unermesslich viel schwerer macht. Nichts liegt ihr ferner, als mir absichtlich unnötig Schaden zuzufügen. Gleichzeitig ist sie die Versinnbildlichung des Zwangs, mich in die Maschinerie einzugliedern, die mich zerstören wird.

Ein Dokument solle ich vorlegen, das beweist, dass ich psychisch nicht in der Lage bin, einer normalen Arbeit nachzugehen.

Weil ich unabhängig sein soll. Daher muss ich das tun, was sie will, um unabhängig zu werden.

Weil es mich glücklich machen und erfüllen würde.

Als würde ich mir etwas sehnlicher wünschen als einen gut bezahlten Job, der mich erfüllt. Aber wo finde ich diesen. Ohne Energie, danach zu suchen, und ohne zu wissen, wo ich suchen sollte. Und ohne die Fähigkeit, mich noch einmal einem Studium zu stellen.

Ich sage dir mal, was mich erfüllt. Selbsthass, weil ich es nicht schaffe. Und dann nochmal Selbsthass, weil ich mich dafür hasse.

„Psychisch nicht in der Lage“. Ein Dokument lege mir bitte vor, Mama, ein psychologisches Gutachten, dass du nicht in der Lage bist, von einem Wolkenkratzer zu springen. Dann glaube ich dir das.

Halt mal kurz (meine Verantwortung)

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Oh, es ist gar nicht so einfach, bei Verstand zu bleiben. Ich halte Malte nicht mehr aus. Ich halte mich selbst nicht aus, wie ich gerade bin. Eigentlich halte ich niemanden über längere Zeit aus (und mich selbst in ihrer Gegenwart), außer R und Becci.

Ich habe gestern Abend schon gedacht, dass es zu lange war, und wäre vielleicht sogar schon gefahren, hätten wir nicht das The-Used-Konzert morgen, das überhaupt der Grund für mein Hiersein ist.

Ich brauche einfach nur Ruhe, ganz viel davon. Aber ich bekomme sie nicht; Mike hat mich schon wieder für Donnerstag eingespannt und will sich mit mir am Fluss treffen und nachmittags ist dieses komische Wieholeichmirmeinestudienkostenvomstaatzurückseminar, zu dem ich mich angemeldet habe. Nebenher hänge ich jeden Tag entnervt und gestresst am Handy und bemühe mich verzweifelt darum, Abholer für die Bäckerei zu organisieren, deren Foodsharing-Betriebsverantwortung ich vertretungs- und irrsinnigerweise für diesen Monat übernommen habe. Und ich muss, wie es aussieht, meinen ersten Therapietermin nach der dreiwöchigen Abwesenheit der Therapeutin absagen, weil ich zugesagt habe, R auf seinem Familienbesuch zu begleiten.

Ich will nicht mehr. Kopf unters Kissen und gar nichts mitbekommen, wie schön es nur wäre.

Decadence isn’t easy, is it?

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Okay. Ich habe mich ans Versorgen der Pflanzen gemacht, zwei Töpfchen Basilikum (eins Thai, eins normales) zusammen mit dem kläglichen Überrest des letzte Woche geretteten Genovesertopfes in einen breiten Eimer eingetopft, ein paar Kartoffeln ausgegraben (es fängt langsam an!), Zitronengras in Töpfe mit Lavamulch und Wasser gesteckt und auf Küche und Terrasse verteilt, frische Kurkuma in Töpfe mit freigewordener Kartoffelerde gesteckt und ebenfalls auf der Terrasse verteilt, Undines und Lukas‘ Terrasse besucht (nicht um zu gießen; nach den Regenströmen der letzten paar Tage muss ich endlich nicht mehr jeden Tag zwei Urwälder versorgen), dort die verblühten Geranien abgeschnitten und die hoffnungslose Gurke von ihrem Elend erlöst, indem ich sie ebenfalls abschnitt und für den verbleibenden Gurkenstamm zu Mulch zerstückelt drumherum drapierte, Gleiches mit dem vertrockneten Salat angestellt (man kann ja nicht alle drei Minuten zum Gießen rüber…) und so eine Mulchschicht für ihre Zucchini und Tomaten anfertigen können, noch kurz ihren Lavendel beschnitten, dann wieder bei mir draußen die restlichen Stangen Zitronengras aus ihren wahnsinnig verklebten Tüten geholt und zusammen mit der restlichen Kurkuma auf dem Tisch deponiert, Küche etwas aufgeräumt, Wäsche aus dem Trockner geholt und neue rein, Zeug in den Keller gebracht, im Keller ein bisschen sortiert, Katze gefüttert… und es ist, als hätte ich überhaupt nichts gemacht. Ich bin überfordert mit diesem Tag. Es gibt so viel zu tun und ich bin überfordert.

Dann mache ich mir Vorwürfe. Mein Kopf ist zum Bersten voll mit genau dem nutzlosen Druck, den die Therapeutin mir abgewöhnen möchte. Ich weiß gar nicht, wo das anfängt und wo es aufhört, was zuerst kommt, was woraus resultiert. Ich suche nicht nach Arbeit, obwohl ich müsste. Das ist jeden Tag der Fall und wirkt sich auf alles aus, was ich tue oder nicht tue. Es ist alles verwoben. Ich laufe herum und mache Dinge im Haushalt (wenn ich Glück habe). Dabei verfluche ich R für irgendwelche Kleinigkeiten, sei es, dass er seine dunkle Wäsche in den Beutel für die helle wirft, obwohl ich schon extra Etiketten darüber angebracht habe, oder dass das Waschbecken eklig aussieht und noch Bartstoppeln drauf liegen, obwohl er sich seit Wochen nicht mehr rasiert hat, oder dass die Küche ein Schlachtfeld ist und überall Flaschen rumstehen, statt dass er die mal in die Pfandtasche bringt, aber damit wäre ich auch nicht zufrieden, weil er niemals dran denken würde, die Flaschen zuvor nochmal über der Spüle auszukippen, damit es nicht so widerlich wird, wenn einer von uns Pfand wegbringt. Direkt darauf folgt jedes Mal blitzschnell ein schlechtes Gewissen: Im Gegensatz zu mir arbeitet er Vollzeit und macht trotzdem noch Dinge im Haus, an manchen Tagen nicht viel weniger als ich und an ganz schrecklichen Tagen sogar mehr. Und wenn ich nicht ihn verfluche, dann verfluche ich mich selbst, weil ich immer noch nicht auch nur in Ansätzen alles getan habe, was gemacht werden muss.

Parallel stellt sich mir unweigerlich die Frage, was ich um alles in der Welt anstellen würde, wenn mir auf einmal am Tag neun Stunden fehlen würden. Ich würde doch niemals im Leben auch nur das bisschen gebacken bekommen, das ich jetzt gerade so bewältige. Ich habe mir so ein zeitintensives Leben mit unendlichen Kleinigkeiten angewöhnt, dass es eine Qual ist, mir vorzustellen, ich müsste all das zugunsten von Geld auf dem Konto und Eltern, die mir mir zufrieden sind, aufgeben. Es war mir ja jetzt den Monat schon zu viel, in dem ich halbtags vor dem Computer sitzen und halbherzig postediten durfte. Ich hätte einfach niemals anfangen dürfen, so zu leben. Wie will ich denn darauf hinarbeiten, dass es R und mir auch in Zukunft gut geht und irgendwann vielleicht wirklich kein Druck mehr da ist, und aus dieser zeitlichen Dekadenz jemals wieder rauskommen – wenn es denn Dekadenz sein kann, über seine ureigene Zeit selbst zu verfügen.

Wie zu etwarten war

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Klar. Natürlich, ich musste unbedingt mal wieder alles versauen. R taugt nicht als Suizid-Hotline-Arbeiter und ich selbst nicht als Diplomatin, sofern meine Mutter im Spiel ist. Wein taugt nicht als Deeskalator. Die besten Quality-Time-Maßnahmen machen niemanden zu einem besseren Menschen. Ich werde vermutlich dieses Desaster irgendwie überleben, aber frag nicht, wie.