Schlagwort-Archive: Umzug

Silberne Linierung!

Standard

So – heute Abend geht es auf zu einer weiteren Woche bei Becci. Gestrichen ist ja bereits; nun wird umgezogen. Und nachdem wir hoffentlich ein-zwei Tage Zeit haben, in der neuen Wohnung auf dem Sofa zu kollabieren, sind wir Samstag im Hambacher Forst und tun Sinnvolles. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich Becci dazu motivieren konnte, diese Aktivität mit mir zu unternehmen; hätte sie nicht eingewilligt, wäre ich selbst auch nicht gefahren, und mir liegt diese Sache wirklich am Herzen.

Bevor ich losfahre, gibt es hier noch eine überwältigende Menge Dinge, die ich erledigen könnte. Dazu zählt:

  • Pfand wegbringen und Spülmaschinenpulver besorgen
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • Wohnung aufräumen
  • Wäsche waschen
  • duschen und mich selbst in einen ansehnlicheren Zustand versetzen
  • packen und dafür sorgen, dass alles, was sich für Becci hier angesammelt hat, auch dabei ist
  • Wintersachen aus dem Schrank holen (es ist Zeit)
  • Rest des Samstag Abend mit Wolfgang containerten Zeugs aus der Garage holen
  • Keller in Ordnung bringen

…wenn ich die Hälfte davon noch schaffe, bin ich gut und habe wirklich schonmal einiges gebacken bekommen.

Zu erwähnen wäre noch kurz:

  • Murat hat seinen elenden Prozess gegen R endgültig verloren. Zwei Jahre Warten und Ungewissheit haben ein Ende.
  • Mein Unbabel-Projekt ist nun ausgelaufen, also muss ich nicht mehr um 7 Uhr aufstehen. YES.
  • Ich habe im vergangenen Monat zum ersten Mal über 1000 Dollar verdient.
  • Eventuell gehe ich, wenn ich von Becci wiederkomme, Wohngeld beantragen, was um die 237 zusätzliche Euro pro Monat bedeuten würde. Ich lasse nur Malte vorher bei seinem Vater nachfragen, der beim Finanzamt arbeitet und wissen dürfte, wie das in meiner spezifischen Situation aussieht und ob es ratsam ist.
  • Ich habe mich bei einer dritten Plattform beworben, diesmal für Lektorat. Den ersten Teil des Bewerbungsprozesses habe ich schon erfolgreich abgeschlossen, nun muss ich warten, dass sie mir Testaufgaben zukommen lassen.
  • All meine nicht winterharten Pflanzen stehen mittlerweile drinnen. Es kann losgehen. Die Physalis blüht. (Ich sollte sie gleich noch bestäuben.)
  • Nachdem Murat nun nicht mehr dafür sorgt, dass R täglich befürchten muss, ihm würden seine Besitztümer zwecks Begleichung horrender Gerichtskosten gepfändet, können wir demnächst endlich das Klavier von R’s Eltern bekommen. Ich habe schon eine ganze Weile wieder regelmäßig auf dem Keyboard gespielt und diverse Stücke wieder gelernt, sodass die Ohren der Nachbarn in genau diesem Fall nicht allzusehr strapaziert werden.
  • Ereignis des Jahrhunderts: R schlug gestern von sich aus vor, nach draußen zu gehen. Wir sind dann ein kleines Stück den Berg rauf gewandert und haben uns dort auf einer Bank niedergelassen und es war wunderschön. Herbstsonne und eine urtümliche Idylle da oben, das glaubt man gar nicht.
  • Der Grundzustand ist also allgemein wirklich mal ziemlich positiv.

Damit aber jetzt von der oben aufgeführten Liste an Erledigungen noch zumindest ein paar auch tatsächlich erledigt werden, fange ich am besten jetzt an, daran zu arbeiten.

Werbeanzeigen

22.30

Standard

Ich scheine mich mit R’s Erkältung erfolgreich infiziert zu haben; mein Hals fühlt sich entsetzlich an und ich selbst mich matschig. Ab morgen ist Hardcore-Klausurenwoche, ich habe meine mühsamst dem Drucker entrungenen Lernzettel – größtenteils ungenutzt – bei Kepa im Transporter vergessen, und ich bin am Boden zerstört, weil ich soeben im Zug One Day zu Ende gelesen habe, was zur Folge hatte, dass ich diesen letzten Teil meiner Rückfahrt von Hamburg mit hemmungslosem Heulen in öffentlichen Verkehrsmitteln zubrachte (und darüber sogar den Halt des Zuges in Bretten nicht einmal bemerkte). Bis hierher; nun im Bus nach Hause bin ich wieder einigermaßen bei mir.

All dem zum Trotz (oder von all dem ab) war mein Tag ein schöner. Es hat mich mit unvorhergesehen intensiver Freude erfüllt, wieder in Hamburg zu sein – bei aller Vertrautheit rührte das Gefühl auch daher, dass ich mir in gewisser Hinsicht so vorkam, als würde ich die Stadt als ein völlig anderer Mensch wahrnehmen, sie endlich und erstmals sehenden Auges betrachten. Hamburg ist nicht gut zu Menschen ohne Selbstbewusstsein und Identität. Es ist gut zu Menschen wie mir.

Kepas “Umzug” war ein Witz. Wir waren in zweieinhalb Stunden mit Einladen fertig, gegen Ende kamen noch zwei seiner supernetten baskischen Freunde dazu (where does he keep finding those?!), und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Vielleicht tut mein Hals auch nur so weh, weil ich so viel über den Verkehrslärm hinweg reden musste. Wie bei Umzügen Anderer üblich, habe ich Dinge abgestaubt, Tomatenmark und baskische Tomatensauce, Kräuter der Provence und baskischen Rioja. Im Gegenzug war ich großzügig mit meinen wie angekündigt erworbenen Franzbrötchen. Und meinem Energy, auch wenn ich fast vom Glauben abgefallen bin, als Kepa (seines Zeichens erklärter Gegner von allem unnötig Chemikalischen) davon was abhaben wollte.

Jetzt bin ich müde. Und gleich zu Hause. Und dann kann ich diesen Eintrag posten und mir einen entspannten, nicht mehr allzu langen restlichen Abend machen.

Guara-na-na-ná

Standard

Die haben meine Nachtbuslinie gecancelt. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich bin aufs Fürchterlichste erschüttert. Mir fehlen die Worte. Wie kann man so grausam sein. Diese Welt ist ein schlechter Ort, und das Wegfallen der Eurolines-Nachtbuslinie zwischen Mannheim und Hamburg hat sie definitiv nicht besser gemacht.

Fuck, man. Die eine Sache, auf die man sich einfach verlä… Oh. Es wird jetzt von FlixBus abgedeckt, Touring kann mich mal. Na das war ja mal ein Schock. 19€ nach Hamburg und noch ne Stunde länger schlafen, als würde ich den für 25€ nehmen, der später losfährt und früher ankommt. Hah.

Okay, ich hab dann mal mein Busticket gebucht. Kepa braucht zum Glück nur am Sonntag dann Hilfe, er scheint sich also zumindest so weit berappelt zu haben, dass er morgen sein Zimmer alleine leergeräumt kriegt. Also kann ich Samstag Nachmittag containern gehen, was mich sehr freut, und morgen in aller Ruhe zu Hause gammeln. Yay.

Ich habe heute das unsagbare Glück gehabt, in die Uni zu kommen und festzustellen, dass der Spanischkurs ausfällt. Oh yes, ich hatte die Übersetzung schon wieder nicht gemacht. Während Englisch saß ich mit Barbara herum; wir haben uns über Tod und Katzen unterhalten, unter Anderem. Schon die zweite meiner Kommilitoninnen, die ich unglaublich mag, welche in so jungen Jahren schon mit Tod in der Familie konfrontiert wurde. Ich fühle mich mit meinen Problemchen dann immer so fehl am Platz, so unbedeutend.

Dafür habe ich ihr Guaraná-Pulver mitgebracht und nochmals versichert, dass es Wunder wirkt. Ich erfahre dies gerade erst wieder am eigenen Leib, nachdem ich das gute Zeug viel zu lange vernachlässigt auf dem Küchenregal hatte stehen lassen. Jetzt habe ich meine morgendliche Guaraná-Weizengras-Shot-Tradition wieder aufgenommen und bin hellauf begeistert, wie gut ich mich auf einmal fühle. Es hat im Bus zur Uni angefangen zu wirken und ich fühlte mich unwillkürlich grinsen und sagte mir fröhlich, oh, ich liebe Drogen.

Und es ist wirklich wahr. Ich liebe Drogen.

Das nur so als random Schlusswort.

Someone’s stuck in shit, and naturally…

Standard

Was zum Geier ist mit mir verkehrt? Ich hab Klausuren nächste Woche; Freitag, Samstag und/oder Sonntag Termine und trotzdem nichts Besseres zu tun, als Kepa anzubieten, ihm für seinen Umzug von Hamburg nach Kempten am Freitag packen zu helfen.

Warum tut man das? Was zur Hölle? Ok, ich hätte es nicht gemacht, würde nicht die altbekannte Nachtbuslinie von Touring in neun Stunden von hier aus direkt hochfahren. Und mir ist eigentlich vollkommen klar, wieso ich das tue. Es ist die simple Tatsache, dass er sich beklagt hat. Über Faulheit. Das Phänomen, welches sich bei beiden von uns als teuflische lethargische Lähmung äußert, die über „ach nöö, kein Bock“ so endlos hinausgeht, dass ich fast so weit gehen würde, zu behaupten, diese beiden Gemütszustände entstammen nicht einmal der gleichen Art von Regung. Oder eher Unregung. Anti-Regung. Nicht-Regung. I know I would have wanted an offer like that.

Sodass also zu eben dieser simplen Tatsache, dass Kepa sich offen beklagt hat – und wenn einem Kepa anvertraut, dass etwas grad nicht so läuft, ist die Kacke am Dampfen – noch das Wissen um die widerliche Machtlosigkeit kommt, die ihn daran hindert, seinen Kram jetzt und sofort in Kisten zu packen. Falls er überhaupt schon welche hat. Wenn nicht – wundern würd’s mich kaum.

Und jetzt das Allererschreckendste: Er hat es angenommen. (Nachdem er mich zweimal aufforderte, mir gut zu überlegen, was ich da tue.) Das offenbarte mir erst das wirkliche Ausmaß seiner Verzweiflung. Er muss in einem so dermaßen bodenlosen Loch gehockt haben, der Mensch. Hm. Wäre mir das widerfahren, hätte ich jetzt vermutlich genug Tatkraft wiedererlangt, um es doch noch allein zu schaffen. Immerhin hat er sich direkt aufraffen können, sich fest für morgen vorzunehmen, einen Transporter zu buchen. In our world, that means a lot. Gedankliche Konfrontation des Krisenthemas can go a long way.

Vermutlich lag meiner Hilfsbereitschaft auch zugrunde, dass ich mich selbst gerade wieder gerafft habe. Auch wenn ich gestern nicht in der Uni war. Aber die Wohnung sieht jetzt aus wie ein anderer Planet als noch letzte Woche. Mein Rücken ist der Leidtragende meiner Produktivität; das ganze Wischen und Klettern aufs Hochbett und herunter vom Hochbett und Wuseln zwischen mittlerweile drei bewohnbaren Zimmern und Küche und Keller und Bädern war nicht sehr lieb zu ihm. Aber oh, wie es sich gelohnt hat. Allein im Schlaf- und im rosa Zimmer muss noch gewischt werden, alle anderen Räume sind blütenrein. Es sieht so schön aus hier. Ich habe Teelichter und ein Räucherstäbchen angezündet zur Feier des kleinen Wunders.

Und ich habe auf dem Hochbett umgeräumt, sodass nun das Nachtschränkchen leichter zu erreichen ist, ohne dass man ans Fußende greifen muss, und es steht mein altes Beistellregal daneben, um uns mehr Ablegemöglichkeit zu bieten. Und natürlich habe ich auf dem Bett gesaugt und es neu bezogen. (Ja, man muss tatsächlich gelegentlich darauf saugen, weil es ja aus durchgehenden Spanplatten besteht. Dafür ist untendrunter wesentlich leichter zu reinigen, oh the joys of elevated beds.)

Nun habe ich noch immer eine halbe Stunde, bis R nach Hause kommt. Seitdem er diesen Job hat, ruft er mich zuverlässig fast jeden Tag an, wenn er dort rauskommt, eine völlig unerwartete und erfreuliche Neuerung.  So weiß ich dann auch immer, wann ich mit ihm rechnen kann. Und ich bin glücklich, denn es ist schön hier und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wie an all den Tagen, die ich zockend auf der Couch verbracht hatte, wenn er von der Arbeit wiederkam.

Okay. Morgen erfahre ich dann, ob meine Dienste als Notfallpackerin wirklich in Anspruch genommen werden; dann kann ich mich darum kümmern, meine Wochenendtermine zu verlegen und mich wiederum mental und buchenderweise auf die Fahrt nach HH vorbereiten. Aus allen Gründen, die ich hätte, um in Hamburg aufzuschlagen, als jemand, der vierzehn Jahre seines Lebens in der Ecke verbracht hat… Ich hätte nicht gedacht, dass es gerade ein Umzug sein würde, der mich da nochmal hinführt.

Das Imperium wächst

Standard

Heute – nein, gestern, aber du weißt, was ich meine – habe ich mir den zweiten Spot erarbeitet. Man kann wirklich von Arbeit sprechen, zumindest wenn die halbe Weltreise dorthin als Arbeit zählt und die grandiose Leistung, im pechschwarzen Nirgendwo zwischen Industriegebiet und Bundesstraße diese Stelle überhaupt zu finden.

Nun aber habe ich es geschafft: Ich habe einen Großmarkt aufgetan. Die Anreise dorthin dauerte heute noch zwanzig Minuten länger, da die erste Bahn, die ich nehmen wollte, so überfüllt war, dass ich mich unmöglich mit dem Fahrrad hineinquetschen konnte. Ich hatte sogar schon in Erwägung gezogen, das Rad gleich dazulassen und am Zielort zu Fuß zu gehen, laut Google Maps wären es ja auch nur 12 Minuten gewesen. Aber ein Glück, dass die nächste Bahn leerer war, so wie ich da erstmal herumgegurkt bin, bevor sich vor meinen erleichterten Augen dann endlich das Ziel erahnen ließ. Wirklich, ich komme mir selten merkwürdig vor, bei allen skurrilen Dingen, die ich gelegentlich so tue, aber dieses Herumfahren auf gut Glück nach einem halb, aber auch nur allerhöchstens halb memorisierten Google-Plan in nachtschwarzer Umgebung ohne die geringste Ahnung, ob das gerade der richtige Weg ist – an einem völlig unbekannten Ort, an dem ich weit und breit nichts, aber auch gar nichts zu suchen hatte außer Mülltonnen irgendwo vor, hinter oder neben einem ominösen Großhandel – das war selbst für mich ein paar Momente lang einfach nur absurd.

Und dann fand ich den Großhandel, und nach gründlicher Umrundung fast bequem zugängliche Mülltonnen. Dann fand ich Tomaten und abgepacktes Brot und ein enormes Glas Senfgurken und Thousand-Islands-Dressing, Salat und noch mehr Salat. Ich habe keinen mehr mitgenommen, schließlich hatte ich gestern schon das Glück, welchen zu finden. Aber der Rest der Schätze, mit Ausnahme des leckenden Glases Senfgurken, welches jetzt (vielleicht noch) im FairTeiler steht, dem ich auf dem Rückweg einen Besuch abgestattet habe, steht jetzt sicher verstaut in meiner Küche. Wie sich das gehört.

Beim FairTeiler war der Erfolg auch größer als sonst. Es gab eine Kiste Kartoffeln, von denen ich mir den Großteil eingetütet habe, eine Packung Paprika-Sticks, welche gerade mein Abendessen darstellten, zwei Liter Schokomilch, Industriekartoffelsalat und irgendwelche Käse-Bällchen-Dinger, die ich für R mitnahm. Meine Existenz ist gesichert.

Im Anschluss vollendete ich erstmal die Pilgerfahrt nach Hause – erstaunlicherweise habe ich für die ganze Aktion samt Pendeln nur drei Stunden gebraucht. Daheim war dann gerade genug Zeit, um die Lebensmittel artgerecht zu versorgen, bevor der letzte Bus in Richtung meines zuerst gefundenen Spots erwischt werden musste. Natürlich muss ich gleich wieder hin, das ist doch wohl verständlich.

Die insgesamt ebenfalls um die dreistündige Reise (Umsteige-Aufenthalt betrug 24 Minuten, ein Glück hatte ich mein Buch dabei und war warm angezogen bei den Temperaturen) hat sich allerdings nicht wirklich gelohnt; es war nichts Neues in den Tonnen und alles, was mir blieb, war, mich – nunmehr mit Licht und Tüten ausgestattet – mit dem Inhalt der Biotonne nochmal genauer auseinanderzusetzen. Siehe da, es kam ein Blumenkohl unter dem Berg von losen Salatblättern und Lauchschichten zu Tage. Den habe ich mir (oder eher meinem Rucksack) einverleibt und mich auf den Rückweg gemacht, nach wie vor guter Dinge. Es war ja nicht zu erwarten, dass ich gleich mit Reichtümern überschwemmt werde. Sowas kommt vielleicht, wenn man Glück hat, mit der Zeit (und Perseverance). Die wichtigsten Schritte sind getan. Eigentlich war es genau ein Schritt, den ich tun musste, nämlich die Überwindung zum (etwas) systematsichen Suchen. Und den bin ich gegangen. Erfolgreich!

Der Berg ruft.

Standard

So. Ich könnte (sollte?) nach der langen Abwesenheit vielleicht etwas Bedeutendes schreiben, irgendwas Ergreifendes über die vielen neuen Erkenntnisse und Windungen und Wendungen, die der letzte Monat Leben so mit sich brachte. Die Wahrheit ist aber eher nüchtern – ich muss aufs Klo und bin zu faul zum Aufstehen, Internet zu Hause lässt weiter auf sich warten, ich habe einen Monat ohne Küche gelebt und gelernt, all meine Mahlzeiten im mongolischen Feuertopf meiner Mutter zuzubereiten, bis irgendwann im Form des Reiskochtopfes aus dem unendlichen Kistenchaos eine willkommene Ergänzung des Equipments zum Vorschein kam.

Weiterhin habe ich einen MA-Studienplatz in Übersetzungswissenschaften und bei Weitem zu viele Pläne für den Sommer. Ganz davon abgesehen bewohne ich die grandioseste Wohnung der Welt und genieße das unglaubliche Privileg, diese komplett selbstbestimmt einrichten zu dürfen. (Natürlich nehme ich dabei Rücksicht auf R und lasse jede größere Entscheidung von ihm absegnen, aber da er entweder leidenschaftslos oder einverstanden ist, sehe ich das nicht als großartiges Hindernis meiner Selbstbestimmtheit).

Jetzt gerade sitze ich bei R’s Bruder auf der Couch; die beiden zocken FIFA und ich komme seit fünf Wochen mal wieder in den Genuss einer Internetverbindung. R’s Ersatz-PC, den ich seit dem tragischen Tod von Bernadettes Festplatte nach wie vor benutze, ist nämlich nicht in der Lage, sich mit dem von den traumhaft netten Nachbarn freundlicherweise zur Verfügung gestellten WLAN zu verbinden. Vielleicht nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass sich die Wohnung sonst vermutlich weitaus schleppender aus dem absoluten Einzugs-Mayhem hätte herausholen lassen, als es so der Fall war. Ich bin mit meinem bisherigen Werk absolut zufrieden. Schwer, mit diesem Traum von einer Wohnung nicht zufrieden zu sein. Selbst R gesteht mittlerweile ein, dass die unfassbar urlaubsmäßige Aussicht von der Terrasse, die geräumige Großzügigkeit des Schnittes und die fast schon dekadent hedonismusfördernden Terrassen-Loungemöbel meiner Eltern die Plackerei eines Drei-Kilometer-Berges absolut rechtfertigen. Mal ganz abgesehen vom Luxus eines echten, mit Badewanne, Spiegel und Rollschubladenschrank ausgestatteten Badezimmers. Während mir das im Taborweg eigentlich nie gefehlt hat, bin ich jetzt unerwartet dankbar für diesen zusätzlichen Raum. Wenn jetzt am Montag noch die Küche kommt, sind alle Räume fertig.

Mehr dazu vielleicht morgen. Ich bin ein bisschen geschlaucht von der sechsstündigen Autofahrt hierher; am besten lasse ich die beiden Fußballhelden in Ruhe zocken und verziehe mich ins Schlafzimmer. Wobei, das ist auch bescheuert, dann muss ich später umsiedeln, wenn E schlafen geht. Man kann sich ja erstmal gechillt im Bad fertig machen.

Vi ses.

Ein Esel zwischen den Solarplatten

Standard

Yo, ich bin umgezogen. Ein bisschen zumindest; gerade hänge ich in R’s alter Küche und versuche mehr oder minder erfolglos, die mich seit Tagen plagenden, von herausbrechenden Weisheitszähnen verursachten Schmerzen im Mund zu ignorieren. Sämtliche Arzneimittel in der neuen Wohnung zu lagern war, gelinde gesagt, ein Fehltritt. Unter Anderem auch, weil meine lebenswichtigen Anti-Depri-Medis, inklusive der zum Hierbleiben gedachten Schachtel, ebenfalls darunter sind. Ein Glück holte mir R gestern neue, so blieb ich keinen Tag ohne meinen Suchtstoff und musste mir wenigstens darum keine Sorgen machen, während ich versuchte, die Höllenschmerzen in Kopf, Nacken, Mandeln und Mundraum so gut es ging zu verschlafen. Boah, war das furchtbar. Aber es bessert sich schon wieder.

Zwischen Anfang der Woche und dem jetztigen Zeitpunkt lagen einige, um nicht zu sagen etliche Ereignisse. Vom körperlich nicht gerade unanstrengenden, aber durchweg erfolgreichen Umzug über zertrümmerte Zeigefinger, nervenzermürbende Auseinandersetzungen und den erwähnten von R auf der Rückfahrt nach Fast-noch-Zuhause gesichteten Esel bis hin zu einem nun bereits tagelang andauernden, fast unwirklich anmutenden Zustand stressfreien, demonstrativen Geliebtwerdens.

Gerade Letzteres sticht heraus und versetzt mich in eine beinah unvorsichtige Hochstimmung ungeahnter Ausmaße. R nahm sich ab Umzugstag eine Auszeit vom Firmenaufbau und ist seither auf eine völlig ungewohnte Art in etwas präsent, das die Bezeichnung eines gemeinsamen Lebens ohne Wenn und Aber verdient, fast erstmalig in dieser langen Zeit. Liebevoll, partizipativ, aktiv involviert, gutwillig, hilfsbereit, anerkennend, positiv, aufmerksam. Präsent. Es zerreißt mir bald das Herz, mir vorzustellen, dass das wieder aufhört. Ich kann mich nicht erinnern, mich von dieser Person je so lange an einem Stück geliebt gefühlt zu haben. Irgendwo doch ein wunderbares Zeichen für diesen Umzug.

Und nun noch die News des Jahrhunderts: Wenn es gut läuft, schafft es R morgen, eins meiner allerliebsten Computerspiele vergangener, aber ganz sicher nicht vergessener Zeiten mithilfe seines DOS-Emulators wiederzubeleben: Swing. Da R, wie eben geschildert, momentan ganz wunderbar lieb ist, hat er heute schon damit angefangen und sich der Tatsache zum Trotz, dass er eigentlich schon loswollte, redlich bemüht, die Probleme, die ich damit hatte, aus dem Weg zu räumen. Sogar noch, nachdem ich ihm sagte, es hätte ja noch Zeit bis morgen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, ihn am Weggehen zu hindern. Oh, was war es brutal: Das Spiel ließ sich bereits öffnen und das altbekannte, so viel versprechende und an so Vieles erinnernde Hauptmenü erschien; du konntest auch alles Mögliche einstellen, nur ein neues Spiel starten lassen wollte es dich nicht. „You can’t start a new game – you opened game as a network client.“ Oder so. Hilfe, ich kann bald nicht mehr; die so vertrauten Soundeffekte und der Anblick der wunderbaren Extras waren schon genug, um mich hyperventilieren zu lassen. Wenn das morgen funktioniert, werde ich mich nie mehr darüber beschweren müssen, alleine zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Nie fucking mehr.

Gewissen bereinigt, die Wohnung noch nicht.

Standard

Chaotisch sieht’s aus hier. Manche der Kisten sind so schwer, dass ich sie allein nicht bewegen kann, und in der Mitte des Raumes steht mein Orangentisch und blockiert noch den letzten verbleibenden Durchgang. Aber ich komme voran.

Ich hatte mir mehr vorgenommen für heute, als ich schaffen werde. Gut, dass morgen auch noch ein Tag ist, und zumindest die wichtigen Dinge erledigt sind. Ich habe mich endlich gezwungen, Keyla und Vanny zu schreiben. Nachdem ich denen nämlich verkündet hatte, sie im April besuchen zu kommen, und dann das ganze Disaster über mich hereinbrach, hatte ich mich bis vorhin nicht dazu bringen können, sie darüber in Kenntnis zu setzen. Ich habe versucht, ihnen so ehrlich wie möglich zu erklären, wieso ich mich so unfassbar asozial angestellt habe in dem Punkt.

Letztendlich beläuft es sich darauf, dass ich ein riesigs Problem damit hatte, mich selbst mit der Tatsache zu konfrontieren. (Das war mal eine Reise, die ich seit fünf Jahren geplant hatte. Ein Versprechen, das ich gedachte einzuhalten: Wenn ich fertig bin mit Studieren, komme ich wieder. Jetzt einzusehen, dass ich dank Trudi die für Familienbesuch eingeplante Zeit für Umzüge aufbringen sollte und das entsprechde Geld für hirnrissige Dinge wie Umzugswagen und einen Vodafone-Vertrag, von dem ich nichts mehr habe… Mäh.) Und darauf, dass wie so oft der letzte Strohhalm einfach der war, es durch Nichtkommunizieren den Mitbetroffenen gegenüber einfach nicht real werden zu lassen. Vielleicht der gleiche Dämon, der Trudi geritten hat, als sie mir monatelang verschwieg, dass sie den Strom nicht gezahlt hatte. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Keylas und Vannys Licht noch angeht.

Vielleicht sollte ich doch noch etwas mehr erledigen. Ich habe aufgrund suboptimaler Wetterbedingungen (anders gesagt, widerlicher Sintflutregen) bisher davon abgesehen, das Haus zu verlassen; so liegt auch der Geburtstagsbrief für meinen Onkel noch hier herum, auf dem zwei Cent zu wenig Porto klebt, und ich habe meine geplante Riesenbackaktion (zwecks Eier-, Quark- und Frischkäsevernichtung und gleichzeitigem Füllen der leeren Einmachgläser zu gewissensfreierem Mit-Umziehen) noch nicht ausführen können, da der dafür benötigte Zucker leider Gowais in Bastis Wohnung verweilt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – es sieht gerade verdächtig hell aus da draußen, fast, als wäre es Tag.

Wobei, Moment mal. Heute ist Schlüsselübergabe in Heidelberg. Mein Vater, der das übernimmt, kommt nachher hier vorbei, sodass es theoretisch möglich wäre, den Zuckertransport ganz sicher regenfrei im Auto zu erledigen. Wie wär’s? Oh herrliches Leben.

Außerdem habe ich es dafür heute schon geschafft, meine Flüge nach Bilbao und zurück zu buchen; da es so aussieht, als würde ich es dieses Jahr tatsächlich mal ins Barnetegi schaffen, war diese Aktion heute verpflichtend. Die ersten beiden Juliwochen, grob gesagt, werde ich mir also so viel Euskera reinprügeln, wie es mein untrainiertes Siebhirn nur zulässt. Wenn ich also jetzt noch den Heidelberger Stadtplan ausdrucke, um am Dienstag die Wohnung auch ganz sicher zu finden, wäre doch aus diesem überschwemmten Tag schon wieder das Meiste herausgeholt.

Untot (aber dafür lebendig)

Standard

Shit. Shitshitshit. Ich hätte schreiben sollen; ich lebe doch und komme nicht mit Berichten hinterher. Vielleicht zwinge ich mich Freitag zu einem Monstereintrag, der so viele Ereignisse aus der bisher vergangenen Woche abdeckt wie möglich. Jetzt kann ich diesen jedenfalls nicht verfassen; meine gewohnte Aufstehzeit liegt momentan leider immer noch bei 12, und da mich meine Eltern morgen um 7.15 Uhr abholen werden, muss ich ihnen gezwungenermaßen als Zombie entgegentreten. Immerhin als ein mit Frühstück für alle ausgestatteter Zombie, dafür habe ich eben noch gesorgt, was wiederum einer der Gründe ist, aus denen ich überhaupt morgen temporär zum Zombie werde.

Ach, who am I kidding; als wäre es mir gelungen, um zehn Uhr einzuschlafen.

Der 12. ist ein Tag, an dem sich Vieles entscheiden wird. Es ist Notartermin, um halb elf, es wird sich also herausstellen, ob meine Eltern es tatsächlich geschafft haben, sich diese Immobilie an Land zu ziehen, oder ob wieder etwas dazwischenkommt und ich doch wieder wohnungslos bin.

Gesetzt den Fall, es ereignet sich Ersteres, wird danach direkt im Anschluss die Küche geplant. Die Vormieter sind entsetzliche Leute, was letztendlich dazu führt, dass wir erst nach ihrem Auszug die Wohnung wieder betreten können, um genaue Messungen vorzunehmen. Und überhaupt, um die Wohnung noch einmal zu sehen, bevor man einzieht.

Dann werde ich morgen auch erfahren, wann ich die Schlüssel bekomme. Es konkretisiert sich also alles; das sind schon wieder Lappalien, mit denen man sich herumschlagen muss. Schlüsselübergabe, Flugbuchung, Terminkollisionen. (Das nur bereits als Ausblick auf den in Bälde folgenden ausführlichen Lagebericht.) Ich bin zurück  unter den Lebenden. Danke, Gowai; es wurde Zeit.

Ketten ölen

Standard

Langsam geht es dem Ende zu. Ich habe nichts mehr zu tun, aber doch genug, um erst recht nichts tuend herumzuhängen und mich innerlich zu beklagen, wie leer mein Leben doch geworden ist. Dass ich mich im Moment sehr schwer damit tue, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, dürfte ein entscheidender Faktor sein. Aber auch Geschichten wie mein verlagerter Haushalt (nein, ich habe nicht den Elan, jedes Mal zu Basti in die Wohnung zu fahren, wenn mir danach ist, mal wieder eine Gitarre in die Hand zu nehmen), sich nicht meldende Exkommilitoninnen (von Lisa habe ich seit dem Tag, an dem ich ihr zufällig mit diesem merkwürdigen Couchsurfer, Hesham, in der Stadt über den Weg lief, nichts mehr gehört) und eine heftige Lethargieattacke (ich könnte arbeiten gehen – meine Stelle habe ich nach wie vor, nur keinen Nerv, sie in Anspruch zu nehmen, weil ich schon so aufs Weggehen eingestellt bin. Ganz zu schweigen vom letzte Woche wieder begonnenen Semester; eine weniger gelähmte Version von mir würde mich erwürgen dafür, dass ich Euskera in vollem Bewusstsein bereits ein Mal habe ausfallen lassen, nur weil ich nicht in der Lage bin, kurz meine Uni-Mails zu checken, um zu erfahren, wann es stattfindet) spielen ihre Rollen in vortrefflicher Perfektion.

Da ich aber natürlich nicht so weitermachen will, nehme ich mir für morgen Folgendes vor:

  1. Zum Kaufland gehen, um Guthaben af mein Handy zu laden.
  2. Zur Tafel gehen und dort Essen retten.
  3. Im Taborweg den Keller fegen, wenn ich Waltraud die Essenslieferung bringe.
  4. Zu Vodafone gehen, um den Taborweg-Vertrag zu kündigen (oder auf Eis zu legen, bis ich sicher weiß, dass die neue Wohnung in trockenen Tüchern ist, um ihn dort wieder aufzunehmen).
  5. Zur Commerzbank gehen und die verdammte TAN-Geschichte endlich klären. (Frag nicht. Es nervt.)
  6. Zu Foodo gehen und dort Essen retten.

Nach Euskera schaue ich jetzt schonmal. Wobei ich sagen muss, dass es frustrierend ist, sich nicht mehr mit seiner Studentenkennung im System anmelden zu können. Mit einiger Erleichterung habe ich nun auch herausgefunden, dass weder Ort noch Zeit des Euskera-Kurses bisher dort eingetragen sind und ich auch keine Mail von Esti in der Inbox hatte, die über meinen Verbleib hätte inquirieren wollen. Dann aber nächste Woche – ich hab‘ ihr geschrieben, sie möge mir doch mitteilen, wann ich wo sein soll, um zwischen die Ketten meines rostigen Euskera, in dem auch die Nachricht verfasst war, wieder etwas Öl zu bekommen.