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‚Obwohl‘ ich sollte…

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Irgendwie beruhigt es mich, dass keine neuen Bots mehr meine Einträge liken. Durch das lange Wegsein hat auch die Anzahl der vermutlich menschlichen Blogbesucher sich extrem verringert und ich kann mir wieder einreden, hier unbeobachtet vor mich hinexistieren zu können.

Ich habe der Lethargie zumindest soweit getrotzt, dass ich eine grobe Idee ausarbeiten konnte, wie mein Referat nächste Woche aussehen wird. Die Recherche dazu war nicht gerade gründlich und noch weniger ergiebig, aber… immerhin. Ich bin müde, obwohl ich bis zehn nach elf geschlafen habe. (Und da mein Referatsthema „Semantische Arten kohäsiver Konjunktionen“ lautet, klingelt jetzt offenbar bei jeder getippten Konjunktion in meinem Kopf eine dumpfe Alarmglocke, siehe „da“, „obwohl“.)

In keinem Jahr meines Lebens hat mich so wenig vorweihnachtliches Gefühl erreicht wie in diesem. Ich habe beide Adventssonntage unbeachtet verstreichen lassen und der heutige Nikolaustag rief sich mir nur in Form eines extrem großzügig gestalteten Geschenks aus Mamas letztes Wochende mitgebrachtem Adventskalender in Erinnerung. (Sie hat nicht nur mir eine riesige Tüte voller sparsam verpackter, liebevoll ausgesuchter und mit Nummern beschrifteter Geschenkchen mitgebracht, sondern R genauso mit einem nicht weniger prachtvollen Sammelsurium beschenkt, ich war fast zu Tränen gerührt.)

Ich schaffe es nicht, den Psychiater anzurufen. Meine Medis reichen noch für ~eine Woche. Ich bin verloren.

Ich bin so unfassbar lethargisch und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Das ist doch kein Zustand. Zumindest kein akzeptabler.

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Ketten ölen

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Langsam geht es dem Ende zu. Ich habe nichts mehr zu tun, aber doch genug, um erst recht nichts tuend herumzuhängen und mich innerlich zu beklagen, wie leer mein Leben doch geworden ist. Dass ich mich im Moment sehr schwer damit tue, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, dürfte ein entscheidender Faktor sein. Aber auch Geschichten wie mein verlagerter Haushalt (nein, ich habe nicht den Elan, jedes Mal zu Basti in die Wohnung zu fahren, wenn mir danach ist, mal wieder eine Gitarre in die Hand zu nehmen), sich nicht meldende Exkommilitoninnen (von Lisa habe ich seit dem Tag, an dem ich ihr zufällig mit diesem merkwürdigen Couchsurfer, Hesham, in der Stadt über den Weg lief, nichts mehr gehört) und eine heftige Lethargieattacke (ich könnte arbeiten gehen – meine Stelle habe ich nach wie vor, nur keinen Nerv, sie in Anspruch zu nehmen, weil ich schon so aufs Weggehen eingestellt bin. Ganz zu schweigen vom letzte Woche wieder begonnenen Semester; eine weniger gelähmte Version von mir würde mich erwürgen dafür, dass ich Euskera in vollem Bewusstsein bereits ein Mal habe ausfallen lassen, nur weil ich nicht in der Lage bin, kurz meine Uni-Mails zu checken, um zu erfahren, wann es stattfindet) spielen ihre Rollen in vortrefflicher Perfektion.

Da ich aber natürlich nicht so weitermachen will, nehme ich mir für morgen Folgendes vor:

  1. Zum Kaufland gehen, um Guthaben af mein Handy zu laden.
  2. Zur Tafel gehen und dort Essen retten.
  3. Im Taborweg den Keller fegen, wenn ich Waltraud die Essenslieferung bringe.
  4. Zu Vodafone gehen, um den Taborweg-Vertrag zu kündigen (oder auf Eis zu legen, bis ich sicher weiß, dass die neue Wohnung in trockenen Tüchern ist, um ihn dort wieder aufzunehmen).
  5. Zur Commerzbank gehen und die verdammte TAN-Geschichte endlich klären. (Frag nicht. Es nervt.)
  6. Zu Foodo gehen und dort Essen retten.

Nach Euskera schaue ich jetzt schonmal. Wobei ich sagen muss, dass es frustrierend ist, sich nicht mehr mit seiner Studentenkennung im System anmelden zu können. Mit einiger Erleichterung habe ich nun auch herausgefunden, dass weder Ort noch Zeit des Euskera-Kurses bisher dort eingetragen sind und ich auch keine Mail von Esti in der Inbox hatte, die über meinen Verbleib hätte inquirieren wollen. Dann aber nächste Woche – ich hab‘ ihr geschrieben, sie möge mir doch mitteilen, wann ich wo sein soll, um zwischen die Ketten meines rostigen Euskera, in dem auch die Nachricht verfasst war, wieder etwas Öl zu bekommen.

Artikulationsproblem, ich seh’s auch so.

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Vielleicht ist der Grund, aus dem ich mir gerade leicht ineffizient vorkomme (um nicht zu sagen, relativ unnütz), der, dass R in der Küche sitzt und Politik macht, draußen die wunderbarste Herbstsonne scheint und ich im Bett hänge. Ich bin unzufrieden; warum bin ich nicht in der Lage, wenigstens nebenbei noch die Welt zu retten, während ich mein Leben faile?

Letzte Nacht eröffnete sich mir ein Mal mehr die Tatsache, dass Alkohol mich um Längen in meiner Entwicklung zurückwirft. Der sehr geringen Menge, die ich gestern davon zu mir genommen hatte, zum Trotz habe ich mich mal wieder von Dingen fertigmachen lassen, die mich im nüchternen Zustand kaum dermaßen hätten verstören können, und einen Verzweiflungsanfall mittelschweren Ausmaßes geschoben. Was war los? Ich kann mich nichtmal wirklich an den Auslöser erinnern, aber spätestens zu dem Zeitpunkt, als R auf seine nicht im Geringsten überdramatische Art verkündete, ob er sich mir im Bezug auf schriftstellerische Tätigkeiten offenbaren könne, auch wenn es harter Stoff wäre mit Potenzial, etwas zwischen uns zu ändern, hat sich bei mir die blanke Panik breitgemacht. Ich konnte ewig nicht aufhören zu heulen. Wie es halt so ist. Auch als sich herausstellte, dass er einfach vorhat, über die letzte Frau, die ihn traumatisiert hat, ein Drehbuch zu schreiben, was selbst in dem Moment meine instantly auftretenden Szenarien unaussprechlichen Horrors um ein Vielfaches unterbot.

Wir haben im Büro eine Küche. Eigentlich besteht das Büro aus zwei Zimmern, einer diese verbindenden Küche und einem Badezimmer, welches ebenfalls von der Küche abgeht. Der Punkt ist aber eigentlich, dass der Wasserhahn in der Küche mich an mein Heulverhalten erinnert; du drehst ihn einmal ganz kurz auf und machst ihn wieder zu, aber es kommt noch ewig Wasser heraus, sodass du schon genau weißt, wenn du dir ein Glas Wasser einschütten willst, reicht es völlig aus, auf der Hälfte schon wieder abzudrehen.

Das Allerabsurdeste aber, was bei dem Drama gestern herauskam, war unbestreitbar R’s Aussage, ich sei für ihn der wichtigste Mensch auf der Welt, auch wenn er das nicht immer so rüberbringen würde; er habe diesbezüglich ein Artikulationsproblem. Wenn du ahnen könntest, wie ich diese Person vom allerersten Moment an für ihre unvergleichliche Fähigkeit bewundert habe, ihre Empfindungen zu artikulieren. (Natürlich kannst du das nicht; das muss man erlebt haben.) Artikulationsproblem? Ich glaube, ich muss nachher die Aufnahme mal durchwühlen, die ich noch gestern Nachmittag gemacht habe, die das exakte Gegenteil zum Inhalt hat. Wenn er meint, das, was er denkt, nicht ordentlich artikulieren zu können, was genau habe ich dann? Schaffe ich es etwa, ihn alles wissen zu lassen, das ins Gesicht gesagt zu bekommen er unzweifelhaft verdient hätte? Angefangen mit einem simplen „Ich liebe dich“, über „Ich freu mich unendlich, dass du da bist, wenn ich nach Hause komme“, bis hin zu eben diesem „Deine offen mitgeteilte Zuneigung ist ein Segen für meine Seele“, das mir oft genug im Kopf herumschwirrt, auch wenn ich den Teufel tun würde, es je zu artikulieren.

Abstrus.

Nun gehe ich und treffe mich mit Mama in der Stadt. Sie rief eben an und beorderte mich zum Bahnhof, wo sie um halb zwei auf mich wartet. Yay, ich geh‘ raus! Pensative gloomy mood over – at least for now.

Edit: So viel zu R’s Mitteilungsproblemen.