Schlagwort-Archive: Unternehmungen

Titel: Vergessen

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Fast habe ich es schon zu Becci geschafft. Ich sitze im Bus von Gelnhausen und warte darauf, dass er losfährt. Natürlich musste mein Zug unterwegs eine halbe Stunde stehenbleiben, sodass sich alles verzögert hat und ich es schon zum zweiten Mal in Folge nicht geschafft habe, zusammen mit JO den Zug zu nehmen. Ein Glück ist R (erkältungsbedingt) nicht dabei, er wäre schon wieder übel gestresst von den ganzen Unplanmäßigkeiten.

Aber jetzt fahren wir und ich freue mich tierisch auf die kommenden Tage. Außer JO und mir werden ab dem 31. auch Caro und Ricardo da sein, weshalb ich mich besonders gefreut hätte, wäre es R möglich gewesen mitzukommen. Ich habe mich ziemlich angestellt wegen seiner Planänderung und ihm aus dem Zug vorhin erstmal eine ellenlange Entschuldigungs- Schrägstrich Erklärungsnachricht für mein ganzes Gezicke geschrieben, die ihm hoffentlich meine Beweggründe ein wenig besser ersichtlich macht. Nichts wäre schlimmer, als ihn mit einem nicht hundertprozentig guten Gefühl alleine über Silvester zurückzulassen.

Auf mich aber wartet jetzt eine wunderbare Zeit mit ein paar meiner liebsten Menschen, die sich heutzutage viel zu selten in dieser Konstellation zusammenfinden. Auch wenn wir wahrscheinlich ziemlich viel rumhängen und nichts tun werden – dagegen hat bekanntlich niemand von uns groß was einzuwenden. Oh, ich freue mich.

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Epikur, wer war das nur.

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Wochenendausflug hinter uns gebracht. Es ging zu meinen Großeltern nach Gelsenkirchen, die letzten Dienstag ihren 60. Hochzeitstag erleben durften, und zu dem Anlass sind wir mit der ganzen Familie angereist – meine Eltern, R und ich. Ich war zum ersten Mal seit dem ADTR-Konzert 2011 dort. Man sollte Oma und Opa eigentlich öfter besuchen, sie sind die Allerbesten und haben es wirklich verdient.

Jedenfalls hat es alles wunderbar geklappt; meine Eltern sind den Abend vorher schon aus der Schweiz zu uns gefahren, um nicht die ganze Strecke an einem Tag durchmachen zu müssen, und es lief gut. Gestern Abend fing es dann an zu kippen; man merkt es immer sehr schnell, wenn meine Mutter in ihre psychotischen Zustände gerät, in denen ihr nichts mehr recht zu machen ist und sie wieder erwartet, dass sich die komplette Welt nach ihr ausrichtet. Dementsprechend wurde es auch heute nochmal richtig eklig, als sie uns wieder hier abgeladen hatten und wir Zeit hatten, uns alle noch ein bisschen zu unterhalten. Sie ist vollkommen durchgedreht und irgendwann ohne sich zu verabschieden zum Auto gestapft.

R dagegen war das ganze Wochenende über einfach wundervoll. Natürlich war er noch er selbst, hat ohne jede Rücksichtnahme nachts in der Wohnung Lärm gemacht und im Gespräch mit den Anderen seine typischen Monologe vom Stapel gelassen, aber gleichzeitig unentwegt dafür gesorgt, dass ich mich wohl und geliebt fühlte, mich die ganzen langen Autofahrten über meinen Kopf auf ihm ablegen lassen, sodass ich schlafen konnte, mich (wie es seine Art ist) trotz meiner üblen Erkältung immer wieder umarmt und festgehalten und mir „Wawu“ gesagt, sich ins Familientreiben eingebracht und ungezwungen mit allen geredet und mir gesagt, dass ich eine wundervolle Familie habe. Besonders mag er meine Oma, da geht es ihm wie mir. Am Abend standen wir vor der Wohnung mit einem flauschigen Karteuserkater, der uns umstreifte und mit hereinwollte. R sagte, meine Mutter könne sich auf die Fahne schreiben, eine Tochter zu haben, die mindestens ein menschliches Leben gerettet habe. Er sagt sowas manchmal, und dass ich ihn umgekrempelt hätte. Ich habe angefangen, das als etwas Positives zu begreifen. Heute Früh hat er mir in einer unfassbar lieben Geste meine Mütze auf den Kopf gesetzt, eine Form von Aufmerksamkeit, die ich überhaupt nicht von ihm gewohnt bin und mich richtig gerührt hat. Ich liebe ihn so sehr, auch wenn er meistens ziemlich komisch ist, denn das bin ich ganz zweifellos auch, und er hat es so sehr verdient, dass alles für ihn besser wird und sein Leben einfach mal nicht mehr nur aus Stress besteht. Irgendwann wird es soweit sein und ich werde niemals aufhören, daran zu glauben.

Ich habe dann jetzt, nachdem meine Eltern wegfuhren, erstmal ein bisschen Gitarre gespielt (das Intro von Kathy’s Song scheint wirklich zu sitzen und ich konnte schon mit dem nächsten Stück anfangen; das Einzige, das nervt, ist die Unausdruckbarkeit der Tabs, die ich gefunden habe); das half, um runterzukommen. R sitzt längst wieder an seinem Informatikzeug. Ich könnte die Weihnachtsgeschenke verpacken. Ja, vielleicht tue ich das jetzt. Aber vorher muss ich noch Epikur recherchieren, weil Sophi am Dienstag Deutsch über Dantons Tod schreibt und wir das Thema noch nicht so ganz durchblickt haben. Sie wird es eh wieder versemmeln, in Deutsch ist bei ihr Hopfen und Malz verloren (oder eher noch gar nicht gewonnen, sie hat einfach nie richtig Deutsch gelernt), aber es interessiert mich halt auch und ich glaube irgendwie nicht, dass die Epikureer bloß die unheilbaren Zweckoptimisten sind, für die Sophi sie nach dem einen Arbeitsblatt nun hält.

Dann werde ich das jetzt also herausfinden.

Where I Want To Be

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Soho! Wie mir eben auffällt, ist es Billies Geburtstag, mal wieder – furchtbar, wie alle immer älter werden. Der Gute müsste dann jetzt… 45 Jahre auf dem Buckel haben, das ist doch krank, das kann doch nicht wahr sein. Anyways, solang’s ihm gut geht – mir geht’s definitiv gut, und das ist doch auch schonmal was Feines.

Ich hatte das schönste Geburtstagsnachfeierwochenende aller Zeiten, an dem sich (welch Überraschung) Becci mal wieder als Engel, Basti als rettender DJ, R als wunderbarster Kater der Welt und der Rest der Mannschaft als grandiose restliche Truppe herausgestellt hat. Barbara bekam Henna-Haare von Becci, Becci und ich waren mit dem Auto containern, ich konnte (dementsprechend) meine Gäste mit einer übertriebenen Auswahl an Salaten sowie einer Unmenge Rührei verpflegen, jeder brachte Alkohol mit, ich habe Barbaras Freund kennengelernt und mich hervorragend mit ihm verstanden (wir waren gestern alle zusammen im Irish Pub, wo ich auch Manu wiedertraf, der mir dann sagte, Barbara würde sich Sorgen machen, weil wir uns so gut verstehen – kann ich aber nachvollziehen, ich bin ja auch eher vom unsicher -> eifersüchtigen Schlag, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, es nicht zu sein), Wolfgang und Sarah waren da und Jana kam mit Malika zusammen. Die beiden brachten Heidelberger Melonenschnaps mit, Wolfgang hatte diese absurd riesige Pappdose Chips, Becci und Janine und Basti halfen mir, das Tuch von Becci an die Wand zu nageln (es ist ein wunderschönes, riesiges Tuch mit Goa-Elfen-Charakter und Pilzen drauf!), Sarah hatte auf die letzte Minute bei sich daheim ein Sammelsurium aus Duschgel und Body-Lotion zusammengestellt und noch einen Salmiaklolli dazugepackt, kurzum, ich wurde reich beschenkt und es war alles wunderschön.

Janine und Basti und Becci waren natürlich eh zum Übernachten eingeplant, außerdem blieben auch Barbara und Manu, was mich besonders freute; die beiden sind halt doch eher scheue Charaktere, die sich auch wirklich verflüchtigen, wenn sie sich irgendwo nicht wohl fühlen. Barbara hatte wohl in der Nacht noch ein Kotzdrama veranstaltet, davon hatte ich aber dank meines Zustandes nichts mitbekommen – ich glaube, ich war da gerade auf dem Weg ins Bett. Aber dafür war ich am nächsten Tag so verkatert wie nie zuvor in meinem Leben. Hilfe, man wird wirklich alt.

Diese Woche habe ich eigentlich ausschließlich gegammelt. Erste Woche der Semesterferien – was soll man da auch sonst machen. Außerdem hatte R Urlaub, bzw. hat ihn immer noch, bloß ist er gestern nach Konstanz runtergefahren, um sich dort mal wieder blicken zu lassen, sodass ich mich freue, in der Zeit mit den Kommilitoninnen was unternehmen zu können. Heut Abend gehen wir essen im Hans im Gück, oh, was freue ich mich darauf – das wird nicht nur köstlich, sondern dazu in einer Geräuschkulisse stattfinden, die (unlike yesterday’s pub quiz) auch Gespräche in normalem Tonfall zulässt.

Mein Bus geht in einer halben Stunde; derweil sitze ich in meinem wunderbaren, aufgeräumten Wohnzimmer, umhüllt vom warmen Licht der marokkanischen Lampen, und trinke meinen Irish Coffee mit Beccis Zimt-Whiskey und der von ihr containerten Sprühsahne.

Oh, es ist doch alles ein Segen. Mein Leben scheint wirklich zu funktionieren.

On a side note: Ich hatte ewig nichts mehr von Laura gehört und wollte ihr vorhin auf Facebook schreiben, wie es ihr geht (und dass ich neulich geträumt hatte, wir hätten uns schon wieder verkracht), da wurde ich mir gewahr, dass sie mich offenbar gelöscht hat. WTF… Das war’s dann wohl, apparently. Aber okay, was soll’s; wir konnten eh schon ewig nichts mehr miteinander anfangen. Nach dem, was sie letztes Jahr so alles vom Stapel gelassen hat, bin ich nicht böse drum.

Und wo ich dabei bin: Nachdem ich mich – ganz nach bester Trudi-Manier – ein halbes Jahr lang nicht getraut hatte, nachzusehen, ob ich noch Geld auf meinem alten Konto habe, konnte ich mich Anfang der Woche dazu durchringen und machte dabei faszinierende Entdeckungen: 1) Ich war zu dumm, den Vodafone-Vertrag aus dem Taborweg richtig zu kündigen – sie haben weiterhin jeden Monat brav 37,90 Euro von meinem Konto abzegozen (das kam dann heraus, als R für mich dort anrief), 2) ich zahle jeden Monat einen weiteren Internetvertrag, den ich nie in Anspruch genommen habe, weil ich (ebenfalls eine Aktion oder eher unterlassene Aktion à la Trudi) zu unfähig war, mich um den Widerruf zu kümmern. Daraufhin bekam ich 1) einen Herzinfarkt und 2) die Befürchtung, vor dem finanziellen Ruin zu stehen, bis mir 3) bewusst wurde, dass sich auf meinem alten Konto doch tatsächlich noch Geld befindet – und zwar doppelt so viel wie auf meinem neuen. Das heißt, ich kann vorerst weiterhin beruhigt Taugenichts spielen und muss mich nicht händeringend um Jobs kümmern, sollte dies dennoch irgendwann wirklich mal in Erwägung ziehen. Ich mag es nicht, wie das Geld einfach immer weniger wird statt mehr. Ich bin ein Hamstermensch; ich fühle mich nicht sicher, solange es weniger wird. Im letzten Jahr ist es aber beständig weniger geworden; es ist tatsächlich genau ein Jahr her, dass ich aufgehört habe zu arbeiten. Komisch… wie die Zeit fliegt.

Im Sack, am Sack, um den Sack herum

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Was für ein Tag.

Kepa bietet mir an, mietfrei auf seinem Baserri zu wohnen, und verkünstelt sich anschließend dichtenderweise an der nunmehr callcenterjobgeprägten Realität des „talentierten Mr. R“. Das Gedicht mutete leicht zynisch an und hätte R vermutlich ein weniger gutes Gefühl vermittelt als mir seinerzeit das Kompostgedicht. Das zusammen mit ein-zwei-drei weiteren Bemerkungen legt die Vermutung nahe, dass seine Sympathien R gegenüber nur beschränkt vorhanden sind. Im Gegensatz zu mir würde er, ever the good sport, allerdings nicht auf die Idee kommen, das offen zu verkünden. Oben erwähnter Stichelei zum Trotz war ich von der darin enthaltenen Filmreferenz ziemlich begeistert. Tatsächlich fiel mir daraufhin auf einmal mit voller Wucht wieder ein, dass der Talented Mr. Ripley ein verdammt guter Film war, den man mal wieder gucken sollte.

Davon ab erwies sich Kepa als wunderbarer Handyvertragsvertreter im fehlgeleiteten Körper eines Juristen (gibt es da Umwandlungs-OPs, die man vollziehen könnte? Vermutlich; es dürfte sich „Umschulung“ nennen) und erleichterte so meinen Eltern die Suche nach meinem Weihnachtsgeschenk. Ich habe nämlich meine Mutter darauf angesetzt, für zuch zu Weihnachten die Recherche für diesen Smartphone-Kram zu erledigen, denn während meine Mutter sehr gut recherchieren kann, bin ich dafür einfach nur ungeeignet, gerade wenn es um etwas geht, das ich nichtmal wirklich haben will. Verdammtes 21. Jahrhundert, dessen alleiniges Anliegen es ist, mich einzuholen und zu foltern.

Dann war ich in Mannheim, habe zwar keine von R’s Kollegen, dafür aber eine seiner Mannheimer Genossinnen kennengelernt und eine schöne Zeit in einer sehr anheimelnden Bar verbracht, in der man für recht wenig Geld eine unfassbare Menge Pommes und einen veganen Burger bekam. Es war so halb geplant gewesen, dass ich mit übernachten würde (R bleibt gleich da, weil er morgen dort einen Vortrag hält), aber ich bin dann doch lieber nach Hause abgedampft. Dann wollte ich zwar eigentlich schlafen, andererseits aber auch zocken, also tat ich Letzteres und verschob Ersteres und blieb dann wie in alten Zeiten ewig vor dem Computer hängen, bis… jetzt.

Naja, und vielleicht erwähnenswert wäre noch das Gespräch mit Oma; als ich ihr nämlich erzählte, dass ich noch einen Schrank zu verrücken habe, erwiderte sie, dass ihre (offenbar mit mir verwandte) Mutter gefühlt alle drei Minuten ihre Möbel verrücken musste („Wenn ich aus der Schule kam, wusste ich nie, wo die Schränke stehen“) – und sich dabei mit einer Speckschwarte behalf, die sie unter die schweren Kaliber legte, sodass diese sich mühelos durch die Wohnung bewegen ließen. Meine Reaktion auf diesen für Oma höchst untypischen Ratschlag belief sich zwar im Grunde auf „Wie soll ich denn um Himmels Willen an ne Speckschwarte kommen?“, aber ich fürchte, sowohl R als auch ich selbst sind, von unserem Containertarier- bzw Veganertum mal ganz abgesehen, dafür dann doch nicht hart genug.

Und jetzt wird geschlafen. Nicht zu lange, um den Schrank (auf welchem fleischlosen Untergrund auch immer) nachher vielleicht schon verrückt zu haben, wenn R heimkommt, und ihm zumindest den Teil der Mühen zu ersparen.

Schon dunkel.

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So, Sonntagnachmittag. Alles an schönen Dingen erlebt und unliebsamen Tätigkeiten erledigt, das mir nur unterkommen konte an diesem Wochenende, inklusive Haushaltsauflösung mit Basti (wo wir mal wieder für ein „junges Pärle“ gehalten und unsere Familienplanung vor unseren Augen für uns entschieden wurde), einem Ausflug ins Industriegebiet (zu dem mich Basti überredete und welcher uns eine überaus erfolgreiche Container-Ausbeute einbrachte), Regallackieren mit der containerten Sprühfarbe, Essen im Maharani mit meinen Eltern und zwei guten Freunden von ihnen, die ich Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte (sowie natürlich Basti, dem ich irgendwie etwas Gutes tun wollte, nachdem er mich den ganzen Tag lang so effektiv vom Nichtstun abgehalten und dabei meine (hoffentlich) PMS-bedingten Launen so gutmütig wie eh und je ertragen hatte), viel Alkohol und Minesweeper bei mir zu Hause (Basti musste Windows XP auf einem Laptop einrichten, den Niklas auf dem Sperrmüll gefunden hatte), Badputzen, Staubsaugen, 5-kg-unglaublicherweise-noch-funktionierender-Schlagsahne-in-Gläser-Umfüllaktion, CD-Aussortieren, Argiak und all seinen Nebenwirkungen in seit Ewigkeiten nicht mehr erfahrener Ausprägung. All das und noch mehr.

Ich habe mich bisher diszipliniert davon abgehalten, R anzurufen und mich zu erkundigen, wann er zurückkommt, auch wenn er vorhatte, mir diesbezüglich gestern bescheidzusagen, und ich mittlerweile gefühlt alle fünf Minuten Lust hätte, es doch zu tun. Es würde vermutlich (objektiv gesehen) keinen Unterschied machen, ob ich es nun weiß oder nicht, außer vielleicht, dass ich den Schlüssel rauslegen würde, falls es diese Nacht oder morgen ist, oder eben nicht, falls es heute Abend ist, und entsprechend viel oder wenig oder überhaupt zu Essen machen und darauf achten oder eben nicht, dass keine Rote Bete drin ist. (Und da wären wir wieder.)

Jetzt wäre der Moment, sich hinzusetzen und zu arbeiten. Argh.

Too many plan(t)s, too little time.

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So. In zwei Stunden bin ich auf dem Weg in die Uni. Heute gehe ich zum Neuro-Tutorium; ich schaff‘ das, ich mache es wirklich. Jawoll.

R ist in seiner Wohnung und redet mit seinem Kollegen aus der Flüchtlingshilfe, nachdem er letzten Freitag keinen Nerv auf TeKo hatte. Wir hatten Donnerstag Abend gegrillt und es wurde etwas später (wunderbarer Abend, auch wenn von meinen Eingeladenen außer Rini niemand auftauchte – das hat vollkommen gereicht; mit ihr und Basti zusammen hatte ich eine wundervolle Zeit und es hätte noch besser gar nicht werden können).

Ich freue mich auf Freitag, da macht R Lasagne bei sich zu Hause und ich lerne tatsächlich mal die Wohnung kennen. Dann gehe ich einfach nachmittags schon hin und gewöhne mich ein bisschen ein. Eigentlich sollte ich jede Minute mit Neuro verbringen. Aber vorhin wurde ich auch noch von einer Foodsharingbekannten zu ihrem Geburtstag am Wochenende eingeladen und ich muss hin; Manu ist so eine unglaublich Liebe. Plus, sie war auf meiner und Trudis Einweihungsfeier und hat mein Olivenbrot in den allerhöchsten Tönen gelobt. Noch Wochen später! Ich fühle mich ihr verpflichtet.

Das Wetter ist umwerfend. Im wahrsten Sinne. Wenn das meinen Tomaten und den kleinen Melonenpflanzen mal nicht gefällt. Basilikum pikiert habe ich auch gestern Abend. Es ist noch so viel mehr zum Pikieren da, aber mir gehen die Töpfe aus. Ich freue mich so arg auf das ganze Basilikum. Und die Melonen. Wie gespannt ich einfach bin, ob irgendeine der Pflänzchen es schafft, dieses Jahr noch eine Frucht zu produzieren. Und dann sind hier die ganzen Paprikakeimlinge, der Ingwer, die Süßkartoffel und der Senf. Und die random Sprosse, bei der ich nicht weiß, was rauskommt.

Nach der Uni muss ich zu Elli. Nach Elli muss ich zur Wegwarte. Und nach der Wegwarte gehe ich Billard spielen, weil R es nunmal so sehr liebt und ich das Gefühl habe, ihm auch mal wieder in irgendwas entgegenkommen zu müssen. Also wird Geld ausgegeben und Bier getrunken und Billard gespielt. Vielleicht kommen ja Trudi und Basti mit, das wär‘ doch schön. Ich frag sie gleich mal.

Edit: Wie’s aussieht, hab‘ ich zumindest bis 22 Uhr Zeit, mein Gewissen zufriedenzustellen und ein bisschen was zu lernen; R rief grad an und verkündete seine heutige Teilnahme an so einer Flüchtlingsdingsveranstaltung, bei der er was verteilen wird (dass er Flyerverteilungsspezialist ist, ist ja schon ohne Schwierigkeiten von der Tatsache abzuleiten, dass wir uns kennenlernten, indem er mir einen davon in die Hand drückte. Gegen TTIP, man erinnere sich), sodass ich jetzt froh bin, dass Basti morgen Spätschicht hat, sonst hätte er bestimmt keine Lust mehr gehabt mitzukommen um die Uhrzeit.

Wunder, oh Wunder.

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So. Caro ist weg, R ist weg, ich geh‘ arbeiten. Rede heute Abend mit Laura, die mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, spontan vom 2. bis 6. irgendwo hinzufahren. Und mit Caro, bevor die morgen nach Portugal entfleucht. Unwirklich. Sonntag bin ich dann wohl in München; R schien für seine Abreise vorhin einen ähnlichen Grad an Begeisterung aufzuweisen wie ich, und mir passt es super in den Kram, schonmal ein Stück weiter oben zu sein, wenn ich ab dem 2. eh mit Laura unterwegs bin. Von München aus bin ich im Zweifel schneller da, egal wo es uns am Ende hinverschlägt.

Es wird jedes Mal schlimmer mit diesem Kerl, oder eher damit, ihn wieder weggehen zu lassen.
Ein einziges Rätsel, das alles. Ich habe im Lauf der letzten Tage noch einige der skurrilen, einzigartigen, bemerkenswerten Gestalten kennengelernt, die er in dieser Stadt zu seinen Freunden zählt, und frage mich wieder einmal, wie um alles in der Welt ich da reinpasse. Ich bin dieser formlose Mensch zwischen all den herrlichen Ecken und Kanten und Mustern und Farben. Aber ich werd‘ mich nicht beschweren; wenn er meint, ich kann da mithalten, dann ist dem offenbar so. Auch wenn ich mal wieder nicht die geringste Ahnung habe, wie ich das mache. Und dann ist er derjenige, der singt, „es gibt doch sooo viele Männer.. Warum gerade ich, frag ich mich“ – frei nach Funny van Dannen. Versteh einer diese Welt.

Ach, ich hab‘ so keine Lust, arbeiten zu gehen. Argh. Ich bin müde wie Teufel. Die letzte Woche war einfach nur wunderschön. Genau wie die davor. Und Caro geht es besser.
ABER ICH BIN SO MÜDE. Ich pack‘ niemals acht Stunden Arbeit heute. Trudi verkündet mir, dass man beim Kaufland jetzt Jamie-Oliver-Grillsachen für seine Treuepunkte bekommt. Ich bin davon nur mäßig beeindruckt, was vermutlich verständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Leben hoffentlich nie mehr dazu kommen werde, eine derart horrende Menge an Kaufland-Treuepunkten anzusammeln, dass ich sie gegen Jamie-Oliver-Grillsachen eintauschen könnte.

Ach Fuck. Which reminds me, ich muss noch beim Großhandel vorbeifahren, um für Basti das Tomatensuppenpulver einzusammeln, welches er gestern dort gesehen und dann aber keine Kapazitäten hatte mitzunehmen. Shiiit, ich muss mich fertigmachen. ICH BIN DOCH SO UNGLAUBLICH MÜDE.

Mein Zimmer sieht aus wie Sau. Naja, es könnte schlimmer sein, aber dass ich vor drei Tagen hier Großputz veranstaltet habe, glaubt mir bei dem Anblick definitiv niemand. Caro vielleicht, die dabeiwar. Sonst womöglich noch Kepa, dem das Vermüllungsgesetz ja auch zur Genüge bekannt ist. Mit dem sollte ich auch die Tage mal reden; jetzt ist er zwar erstmal in Köln, aber irgendwann muss ich doch auch mal Details über Namibia erfahren. Meine Namibia-Reise, die er letztendlich ohne mich unternommen hat. Während ich überglücklich zu Hause hing. Ein Hoch auf abstruse Zufälle.

Installiere nicht die neueste Version des Adobe Flash Players. Der ist nicht sicher, wurde mir gesagt. Von einem vierzehnjährigen Hacker.

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Jetzt sitze ich also hier in Oldesloe vor meinem Rechner. JO sitzt neben mir, vor ihrem eigenen Rechner. So sind wir.

Ich bin heute hochgradig zufrieden mit meinem Leben.

Gleich sehe ich Nicole wieder. Anderthalb Jahre ist es her. Ich freue mich.

Basti, Sarah und Peruaner-Pedro kommen morgen.

Ich muss aufs Klo.

Caro kommt mich am 20. unten besuchen, bevor sie nach Portugal auswandert. Sie ist sich gerade unschlüssig, wie sie sich diesbezüglich fühlen sollte, und fühlt daher erstmal gar nichts, was sie wiederum beunruhigt. Aber ich hoffe (und habe ihr mehrfach versichert), dass sich das in absehbarer Zeit ändert.

Sonne scheint.

Ich vermisse R und bin gleichzeitig wie eh und je überfordert mit der Gesamtsituation, aber andererseits bin ich gerade ziemlich abgeklärt und einfach irgendwie wirklich zufrieden mit meinem Dasein. Ich glaube, ich kann das überleben.

Huch, es ist ja Februar.

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Meine Güte, ich hab‘ morgen Geburtstag und es könnte meinem Bewusstsein ferner kaum sein.
Jetzt habe ich soeben einen Aufruf an elf oder zwölf Menschen gestartet, sie sollen sich doch morgen Abend zu einer gemütlichen Runde bei mir einfinden, und hoffe einfach mal, dass ich das kopftechnisch gebacken kriege und nicht bis morgen Abend wieder vergessen habe. Spontanere Geburtstagsunternehmungen habe ich selten hingelegt, wenn überhaupt.

Ich bin ja mal gespannt, wer kommt. Ich tippe auf Lisa, R, Sarah, Pedro, Trudi, Marie, Lena safe. Johanna vielleicht. Rini, Kepa und Nicole eher nicht. (Wenn Nicole aus Hamburg runterkäme, nachdem wir praktisch seit Jahren nicht mehr dazu kamen, miteinander zu reden.. traurig, aber wahr.. das wäre jedenfalls wirklich mal was. Und Kepa fragte zwar gestern noch, ob ich an meinem Geburtstag was mache, aber er wird trotzdem nicht extra dafür aus Kempten herkommen. Und Rini hat sehr wahrscheinlich keine Zeit, die gute verplante Seele.)

So, in zehn Minuten kann ich schon bei der Tafel anrufen. Ich hoffe, sie haben mal wieder ein bisschen was zum Retten da. Ich habe zwar noch türkisches Fladenbrot, aber würde schon gern noch ein paar Vorräte aufstocken.
Und ich stinke zum Himmel, ich sollte duschen.
Und danach schreibe ich Türkisch. Vielleicht. Ansonsten nächste Woche. Aber ich glaube schon, dass wir heute schreiben. Man wird sehen. Jedenfalls sollte ich heute hingehen.

So ist das alles.

Finger essen (man gönnt sich ja sonst nichts)

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Konzert fiel aus – ich bin froh. Horizonterweiterung ist schön und alles, aber 67 Euro zurückbekommen ist noch wesentlich schöner.

Wochenende war eigentlich ganz schön. Sarahs Eltern sind mehr wie Großeltern, wie meine zumindest – ich verstehe langsam, warum sie Mamas und meinen Umgang miteinander schockierend gefunden haben muss. Da fliegt ja kein einziges Wort in die falsche Richtung, das wäre mir auf Dauer um ein Vielfaches zu erzwungen harmonisch. Aber gut. Für ein Wochenende ist so etwas durchaus auszuhalten.

Ich vermisse Kepa unheimlich, und erst recht, wenn ich wieder mal ein ganzes Wochenende Sarah und Peruaner-Pedro zusammen ertragen muss. Allerdings vermisse ich natürlich nicht nur den Mensch selbst, sondern in erster Linie eine Einstellung seinerseits, die es uns ermöglichen würde, uns gegenseitig den Grad an Erfüllung zukommen zu lassen, den die beiden ineinander finden. Es gibt nichts Furchtbareres, als Pärchen zu beobachten, wenn man selbst gern mit jemandem eins wäre. Umso unbegreiflicher ist es, wie sie bei diesem wunderbaren, kommunikativen, aufmerksamen, warmen, vor Zuneigung förmlich überquellenden Mann, den sie da hat, an den egozentrischen, fast schon unterkühlten, ewig unentschlossenen Kerl, bei dem man nur an dritter Stelle in der Prioritätenliste aufzutauchen überhaupt erst eine Chance hat, den ich ihr nun irgendwie abgenommen habe (man könnte fast sagen, dumm, wie ich nunmal bin), überhaupt noch einen Gedanken verschwenden kann. Aber sie sagt ja selbst (und weiß es folglich auch, besser als ich in jedem Fall), es ist gut so, wie es jetzt ist. Ha, für sie vielleicht. Ich häng‘ in der Luft und darf mal wieder so tun, als wäre ich damit völlig in Ordnung. Oh herrliches Leben.

Ich würd‘ einfach gern mit was Warmem zum Anziehen am Flughafen warten, wenn er wiederkommt, is all.

Ich scheine es so an mir zu haben, Leuten Sachen zum Anziehen zu geben, wenn ihnen kalt ist, obwohl sie zu hundert Prozent selbst dran schuld sind, dass ihnen kalt ist. Siehe Şahin damals in der Nacht auf dem Parkplatz. Ich war so intelligent, mir noch was Langes anzuziehen und meine Strickjacke mitzunehmen. (Wahnsinn, jetzt denke ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten an diese Strickjacke. Die muss oben in dem Koffer liegen, wo noch ein Großteil meiner Wintersachen drinsteckt und der damit mein Regal an Ort und Stelle hält. Mal sehen, ob ich diesen Winter noch auf eine Idee komme, wie ich die Wintersachen aus dem Koffer kriege, ohne dass das Regal runterfällt.) Er dagegen war weniger intelligent und nahm sich einfach nichts mit. Jedenfalls endete das Ganze so, dass ich die Hälfte der Zeit bibbernd im Kreis sprang, weil ich ihm alle paar Minuten diese Strickjacke ausgeliehen habe und dabei selber halb erfror. Kepatto nun hatte offenbar auch nichts Besseres zu tun, als sich in México-Garderobe bei -3 Grad und Nebel zum Flughafen zu begeben und sich hinterher zu beschweren, ich könne mir nicht vorstellen, wie kalt das gewesen sei. Demzufolge blüht ihm das gleiche Schicksal nochmal, wenn er wiederkommt. Um das zu vermeiden, denke ich mir, na gut. Wenn er der Depp ist, der ohne warme Sachen durchs Land tingelt, bin ich eben der Dödel, der mit ner Jacke am Flughafen wartet. So ist das nunmal.

Laura hatte nicht mitbekommen, dass ich zu dem Zeitpunkt in Oldesloe sein werde, war ganz entsetzt und sagte, „du willst extra runterfahren?“ (Sie meinte natürlich „hoch“, aber mit ihrer unfassbar lustigen geographischen Oben-Unten-Schwäche komme ich inzwischen gut klar.) Daraufhin war ich natürlich auch entsetzt. Man hält mich für verwirrt genug, durch das gesamte Land zu fahren, um dem Menschen ein paar kalte Minuten zu ersparen? Ouh, nicht gut. Wobei ich vermutlich wenig tue, um dem Eindruck entgegenzuwirken, aber heey. (Wahrscheinlich wäre ich sogar noch dazu fähig, es tatsächlich zu machen, aber Wahnsinnigkeiten dieser Sorte bleiben dann doch Leuten vorbehalten, die ihrerseits Unternehmungen der gleichen Art für mich abziehen würden. Also doch wieder Entwarnung; in diesem Leben sind die Menschen, glaube ich, allgemein noch nicht soweit. Peruaner-Pedro vielleicht. Aber Sarah würde niemals ohne gescheite Jacke bei -3°C am anderen Ende des Landes herumlaufen, was ihm selbst hypothetisch gesehen die zwölfstündige Fahrt erspart.)
Zu viel gedacht, schon wieder – das ist ja fürchterlich. Armes Blögchen, bekommt den nicht-löslichen Teil der Brausetablette ab, den Bodensatz, die homogene Schicht Sirup, die sich mit dem Rest einfach nicht vermischen will. Ich habe mal wieder den Eindruck, ein falsches Bild zu vermitteln. Zumindest würde ich ein falsches Bild vermitteln, wäre es meine Aufgabe, das Leben in seiner Gesamtheit in mein Blögchen zu quetschen. Ist es natürlich nicht, deswegen kann auch das Bild nicht falsch sein. Hauptsache, wenn ich mal zurückblicke, erinnere ich mich selbst daran, dass dieses Gedenke und Gejammere selbst genau jetzt nur einen Teil meines Daseins ausmacht und sich durchaus noch außerhalb dieser merkwürdigen Geschichte Sachen ereignen. Der Unterschied ist, dass ich wohl mehr Möglichkeiten habe, diese dann außerhalb meines Computers irgendwie zu prozessieren.
Zum Beispiel bin ich aktuell dabei, meine Finger zu essen. Das ist fürchterlich, ich sag’s dir. Ich habe gerade innerhalb einiger weniger Minuten die gesamte Unterseite meines oberen Daumengliedes um eine Hautschicht ärmer gemacht. Der rechte Daumen sieht schon seit Tagen genau so aus, und um meinem linken Mittelfinger klebt ein Pflaster, damit ihm diese Behandlung erspart bleibt (und ich weiterhin ohne großartige Schmerzen Gitarre stümpern kann). Sag mir mal jemand, wie man damit wieder aufhört. Vielleicht sind das jetzt Entzugserscheinungen, die nach jahrelangem Vegetariertum doch noch einsetzen und mich dazu verleiten, mein eigenes Fleisch zu verzehren. Autokannibalismus. War eh immer schon die einzige Art von Fleischkonsum, die ich ethisch vertretbar finde.
Das würde ich gerne denken. Die Zeichen würde ich gern sehen. Das Vertrauen in mein Schicksal hätte ich gerne.