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Ein halbes Fenster und ein neuer Tag

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Wohoa, was für ein Abschuss gestern. Herrlich! Ich habe noch mit JO geredet und es zwischendurch geschafft, einen vollkommen überflüssigen Anfall von akutem Sterben zu bekommen, weil ich kurz dachte, der Kepa hätte sich doch an mein Blögchen erinnert (er schrieb mir, ob ich schon kokosiert sei, und ich hatte kurz vergessen, dass ich ihm zuvor von meinen Kokosmakronen berichtet hatte, und brach somit in Panik aus – bis es mir irgendwann wieder einfiel, uff, zum Glück auch). Dann war Trudi bei mir im Zimmer, angelockt von meinem Weltuntergangsgeschrei – „NEIN, NEIN, NEIN, NEIN, NEIN, ich STERBE, ach was, ich BIN schon gestorben, ich werde NIE wieder auferstehen, ich bin SO TOT!“ – leistete mir in meinem Weltuntergang (und anschließend bei der Wiedergeburt meiner Welt aus der Makronenerkenntnis) Gesellschaft, saß eine Weile auf Susmitas und meinen Beanbags herum und schickte ihrem Ex-Mitbewohner Sprachnachrichten von mir, auf denen ich ihm mitteilte, er solle sich einfach Pornos ansehen, wenn ihm langweilig sei. (Fällt mir grad wieder ein.) Er war aus irgendeinem Grund von meiner Stimme begeistert.

Irgendwann war dann endgültig alles vorbei, als Kepa mir schrieb, ob er mich am Wochenende besuchen kommen könne, und eine Mischung aus Pizco, Wein und Euphorie begann damit, mich in rasender Geschwindigkeit zu zersetzen. (Ungeachtet der Tatsache, dass ich das ganze Wochenende nicht dabin. Die Intention zählt.) Soweit ich mich erinnere, habe ich mittelmäßig motiviert versucht, ihn dazu zu bewegen, auf Sarahs, Peruaner-Pedros, Indras und meine Weihnachtsmarkttour mitzukommen, aber erfolglos – er hat keine Lust auf Weihnachtsmarkt und war in unseren diversen Zielstädten eh überall schon. Was ein Wunder aber auch. Ich bin ganz froh drum; ich hab‘ ihm zwar gesagt, wir hätten noch einen Platz im Auto, aber so sicher bin ich mir da gar nicht mal. Am Ende kommt Indras Freund auch noch mit oder wir gabeln noch irgendwelche Freunde von Pedro auf, dann wird’s schon wieder knapp. Er sagte mir dann, ich solle besser pennen gehen, was sich ganz gut traf, da ich eh schon halb dabeiwar und Trudi mir mittlerweile den Pizco weggenommen hatte (eine gute Tat, eine sehr gute).

Vor einem Stündchen bin ich aufgewacht, mit Licht an und Computer noch im Bett und einem Krampf in der linken Arschbacke, weil ich wohl über einen längeren Zeitraum ziemlich unbequem am äußeren Rand des Möbels gehangen habe (um dem Computer genug Platz zu gewähren). Und da die gute Bernadette ja eh noch anwar, hänge ich (inzwischen wieder bequem verteilt) jetzt wieder hier und bin pizco-induzierterweise so hellwach wie nie. Andere Leute an meiner Stelle wären übel verkatert… Ich bin einfach wach. Ich liebe es.

Einer der Läden vor meinem Fenster hat sich selbstständig gemacht und sich zugeklappt, sodass ich den beginnenden Tag nur aus der anderen Fensterhälfte heraus beobachten kann. Die andere Seite ist dann halt Kepas Hälfte; der hält es gar nicht aus, mit Licht im Zimmer zu schlafen, und hat mir überhaupt erst zu der Feststellung verholfen, dass ich ja Fensterläden besitze, die man benutzen kann.

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Muss ich mit der Hand durch den Horizont?

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..sagte ich heute Vormittag im Schlaf, während ich mich im Gemeinschaftsraum der Linguistik noch für ein paar Minuten auf dem Sofa langstreckte und Schlaf tankte, um in Syntax nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Ich bin nämlich wieder da. Das war schön. Anstrengend und schön und das beste Rise Against-Konzert, das ich bisher das Vergnügen hatte zu erleben. Unfassbar grandiose Setlist. Meine Güte, was sie alles gespielt haben, ich komm‘ kaum darauf klar. Alive and Well. Last Chance Blueprint. Behind Closed Doors. Hero of War, Swing Life Away und das neue Akustische, People Live Here. Hintereinander.

Und es war toll, mit den Anderen dazusein. Janine, Becci und Robert, und dazu Beccis Schwester Cornelia und Roberts Kumpel Jan, der irgendwie kaum ein Wort mit uns geredet hat, was schade war, denn er wirkte eigentlich ziemlich sympathisch. Aber allein von Robert glückselig angestarrt zu werden, als Give It All kam – und ihn glückselig zurück anzustarren – war diese ganze Reise wert. Inklusive das nächtliche Herumlungern in diversen McDonald’s von Süddeutschland, wo ich, wie nicht anders zu erwarten, einige interessante Bekanntschaften machte. So geht das nämlich. Andere haben vielleicht ausgeklügeltere Methoden entwickelt, Kontakt zu neuen Menschen zu knüpfen; ich hocke mich einfach um zwei bzw. 6 Uhr morgens todesfertig zu McDonald’s und lasse den Dingen ihren natürlichen Lauf. Der da wäre, dass ich im Laufe der Nacht mit einem Besoffenen, einem schwarzen Dreadhead (Jeli – der wollte, dass ich meine Busfahrt verschiebe und den Tag über in Freiburg bleibe, um mit ihm wer weiß was zu machen – er hat es nicht weiter spezifiziert, aber ich kann es mir denken) und einem obdachlosen Juristen (Bernhard – der mich durch das Fenster hindurch so lieb angrinste, dass ich nicht anders konnte, als zurückzugrinsen, woraufhin er reinkam und sich mit den Worten „Ich hab‘ dir nen Kalender mitgebracht – und hier, noch mehr, für deine Freundinnen, damit ihr euch nicht streitet“ zu mir setzte) geredet habe – auf so eine Quote komme ich tagsüber selten. Ich passe einfach furchterregend gut in diese Szene. Bahnhofs-McDonald’s bei Nacht, da bist du umgeben von den skurrilsten und faszinierendsten, heruntergekommensten Gestalten, bei denen du dich einfach nicht verstellen musst. Das ist endlich mal eine Welt, in der ich normaler bin als der Durchschnitt und trotzdem akzeptiert werde.

Ich übrigens weiß ziemlich genau, was Donnerstag gegen halb acht Uhr passieren wird. Da kommen Leute zu mir und – oh, gute Idee; ich sollte grad mal die Rundmail schreiben, damit auch wirklich außer Lisa und Kepatto noch jemand kommt.

So, dann wäre das geschafft. Marc, Elke, Gloria und Simón sind also auch über die Euskal Afaria informiert – allerspätestens, wenn sie meine Einladungsmail aufmachen. Ich bin gespannt, ob sie sich alle blicken lassen. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl dabei, Simón einzuladen, weil ich außerhalb von Morfología kaum je einen Satz mit ihm gewechselt habe, andererseits kann es schlecht angehen, ihn außenvorzulassen, wenn der Rest von Enaras in der Stadt anwesenden ehemaligen Original-Vacas sich hier zusammentut. Immerhin kennen sie sich ja untereinander, und wir „möchtegern-euskaldun berriak“ kennen uns. Und ein bisschen haben sich die Gruppen ja auch schon vermischt, in Form von Kepas und meiner, äh, Freundschaft und seiner und Lisas Bekanntschaft, und Rini ist ja auch sowohl Lisa als auch mir nicht gerade die fremdeste Person aller Zeiten.

Ich sollte irgendwie doch wirklich mal mit ihm reden. Ich weiß zwar auch nicht konkret, wie, und über was überhaupt, aber wenn ich es nicht mache, bleibt mir nur die herrliche Aussicht, zu einer Mischung aus Sarah und Trudi zu mutieren. Zwei Formen der Akzeptanz entsetzlichster Ohnmacht und Hilflosigkeit, die ich mir beim besten Willen eigentlich nicht erlauben kann. Das Problem ist, wenn ich erstmal rausfinde, was das nun eigentlich sein soll hier, habe ich nicht mehr die Ausrede, es einfach nicht zu wissen, und kann eigentlich nur vom Regen in die Traufe kommen, sprich, ich bin jetzt Sarah (die sich einfach die ganze Zeit Hoffnungen macht und wartet, dass es irgendwann doch noch was wird) und werde dann zu Trudi (die einfach wie Dreck behandelt wird, das ganz genau weiß und trotzdem nicht aufhören kann, sich dran zu klammern).

Mein Nacken. Wie weh er tut. Wie weh überhaupt meine Oberkörpermuskulatur tut. Es war wirklich ein gutes Konzert.

Titel sind was für Leute ohne Panik.

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Höre dir einfach nur diese Perfektion an.

Ich zumindest tue seit geraumer Zeit nichts Anderes und bin außerdem dabei, es selber spielen zu lernen, was momentan noch davon erschwert wird, dass ich zu faul bin, mir den Text auszudrucken, um die Akkorde rauszuschreiben. Das heißt, ich muss sie einfach direkt auswendig lernen. Was aber auch nichts macht, so schwierig ist es gar nicht. Dank Haizea habe ich mich ja sogar mit dem ekligen H- und B-Dur arrangiert und fürchte mich davor nicht mehr so sehr.

Jetzt hab‘ ich wieder Panik. Gowaiverdammich, ist das ätzend. Aber längst nicht so schlimm wie Donnerstag in der Arbeit, das war wirklich ein neuer Panikrekord. (Und keiner, den ich vorhabe je zu brechen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.)

Wie herrlich es gestern auf Maries WG-Party war. In erster Linie, weil Lena dawar und später noch Sarah und Pedro, über deren unerwartetes Doch-noch-auftauchen ich in meinem segensvoll betrunkenenen Zustand (Bo wird sich wieder freuen – aber hey, carpe noctem) so unermesslich glücklich war, dass ich sie die ganze Zeit nur angegrinst habe. Und wir haben uns diese widerlichen Käse-Cheetos in den Mund geworfen. (Oder eher nicht in den Mund, more often than not.)

Ich muss die Musik wieder anmachen, dann werde ich wieder wach und weniger panisch.

Edit: Hilft nicht. Eher habe ich jetzt mehr Panik, weil es so schön ist und mich überfordert. Ich bin am Verzweifeln, weil es so sehr an mir zerrt, dass ich bald auseinanderfalle.

Beti itxarongo zaitut azken geltokiko iluntasunean, amets ezkutuen isiltasunean.

Wie kann etwas so schön sein.

Leben und Lernen – ein Wiederanfang

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Wichtige Erkenntnis: Die Verwirrung wird immer dann schlimmer, wenn ich nichts zu tun habe. Ich bin gar nicht verwirrter als sonst; ich habe einfach nur viel zu viel im Bett gehangen und ins Verwirrtsein Zeit investiert. Vermutlich erklärt das (unter Anderem) auch meinen suboptimalen Grundzustand in Vitoria.

Noch eine wichtige Erkenntnis – und die ist wirklich wichtig – ich hatte für kurze Zeit vergessen zu arbeiten. Ich hatte die unsagbar elementare Tatsache aus den Augen verloren, dass ich für mein Wohlbefinden was tun muss. Und mich dann gewundert, wieso ich den dritten Abend in einer Woche mit einer Flasche Wein im Bett verbringe. (Wie übrigens ebenso den Großteil der restlichen Abende, die dann nur ohne Wein.) Diese Arbeit hört nie auf. Es ist ja durchaus angenehm, den Schwung auszunutzen und für eine Weile aufzuhören zu treten, aber irgendwann gerät man doch unweigerlich ins Wanken.

All diese Einsichten bescherte mir dieser Abend mit den Foodsharing-Leuten, die und noch einige mehr. Und nicht nur die Einsichten, sondern den therapeutischen Effekt einer einzigartigen Mischung aus Foodsharing-Treffen, anschließendem Kochen und Musik. Lorenz, einer unserer relativen Neuzugänge, ist ein wunderbarer Musiker und schnappt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Gitarre. Wir haben schon auf Rajas und Katjas Abschiedsparty zusammen gesungen. Und Fabi, Thomas‘ Mitbewohner (Thomas ist der Foodsaver, bei dem wir nachher gekocht haben, und auch einer derjenigen, die ich durch meine ewige Abwesenheit heute erst persönlich kennengelernt habe), konnte Of Monsters and Men spielen und bereitete mir somit die erste Mitsinggelegenheit des Abends. Es war herrlich. Ich habe My Head is an Animal mit jemand Fähigem gesungen, ich kann es noch gar nicht glauben. Tragischerweise gingen uns beiden nach dem ersten Chorus die Textkenntnisse aus.

Und so wurde mir klar, dass der Semesteranfang, beispielhaft eingeläutet durch diese Rückkehr ins Foodsharing-Umfeld nach langen, langen drei Monaten, für mich eine Chance ist, wieder in den alten Trott meines neuen Lebens zurückzufinden. Und drinzubleiben. Der Trott ist ja gar keiner im eigentlichen Sinne; er besteht ja nur aus Leben und Lernen, aus möglichst viel Leben und möglichst viel Lernen.

Ihr seid alle Individuen!

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everybody identical

Was noch? Saskia war hier am Wochenende; es war wunderbar. Donnerstag allein im Büro, Kaffee trinkend, Ken Zazpi hörend und halb von Sinnen vor Geflashtheit. Am Abend Flammkuchen essen bei Lenas Freundin Marie, mit Tausenden von Menschen – in der WG fand gerade ein Ein- und ein Auszug statt und es war chaotisch.

Freitag – Feiertag! Peruaner-Pedro bekam Besuch von einer Freundin aus Stuttgart, Indra. Wir haben den deutschen Nationaltag für einen Ausflug in die Schweiz genutzt, sind mit dem Boot an den Rheinfällen herumgefahren und hinterher durch Stein am Rhein geschlendert, dann zurück nach Hause, haben Saskia vom Bahnhof abgeholt und alle zusammen Cocktails gemacht. Trudi hat uns in ihrem Zimmer schlafen lassen und uns Platzprobleme erspart, nachdem der Peruaner-Pedro natürlich dann nicht mehr Auto fahren konnte und mit Indra hierblieb.

Samstag Mainau. Dahlienblüte auf der Mainau; es gibt nichts Schöneres. Eine Vesperplatte im Café Vergissmeinnicht habe ich mir gegönnt und es nicht bereut. Saskia wurde zum Lieblingssitzplatz eines leicht zerfledderten Morphofalters im Schmetterlingshaus, und meine Kamera war so beschlagen, dass die Fotos aussehen, als gäbe es jetzt schon den tiefsten Winternebel. Eine Runde durch die Stadt gedreht und Burger im Shamrock gegessen und noch ein bisschen am Hafen gewesen, dann war es auch schon wieder spät. Saskia und ich haben dann noch ein Saufgelage mit Zwetschgenwasser veranstaltet, was ziemlich herrlich war, und dabei Filme geguckt, bis ich irgendwann offenbar eingeschlafen bin (ich dachte schon, ich hätte im Schlaf eine 180°-Drehung geschafft, aber in Wirklichkeit war ich einfach nie in meiner richtigen Schlafposition angekommen), und gestern erstmal bis nachmittags gegammelt. Pfannkuchen gemacht, Hartz-4-TV geguckt, eine Blobfischreligion gegründet, das Übliche. Abends in die Stadt – wir waren auf dem Münsterturm. Das hatte ich in meinen drei Jahren hier auch noch nicht geschafft. (Oh. Es sind genau drei Jahre um, seitdem Caro mir damals gekündigt hat.)

Jetzt habe ich eine Ewigkeit mit meiner Mutter telefoniert, um ihren bevorstehenden Umzug nach Winterthur und die damit verbundene teilweise Zwangsauflösung ihres Haushaltes zu planen. Ich hätte als Kind nicht so viel lesen sollen, dann hätte ich jetzt nicht das Problem, mich von meinen ganzen Büchern nicht trennen zu wollen. Aber immerhin haben wir eben zusammen einen Riesenstapel aussortiert. Von meinen Namibia-Plänen ist sie immer noch nicht überzeugt und startet weiterhin hartnäckige Überredungsversuche, ob ich nicht lieber dableiben und am Tag der Vernissage ihrer Bilderausstellung im Oldesloer Möbelgeschäft mit Sarah Musik machen möchte. Offenbar hatte sie wirklich fest damit gerechnet und ist unsagbar enttäuscht jetzt.

Ich werde aber nun noch ein bisschen in den Garten gehen und mich um meine Pflänzchen kümmern. Wenn es schon wieder zu spät geworden ist, um gemütlich draußen in der Sonne zu lesen.

Wenig Zeit für Nichts

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Boah, was für ein Leben. Ich bin ganz entsetzt darüber, wie meine Ferien mir wie Sand durch die Finger rinnen.
Um den bisherigen Monat August kurz zusammenzufassen:

Meine Eltern waren hier und haben zwei Tage lang geholfen, meinen Umzug zu komplettieren, inklusive diversen Baumarktbesuchen und unzähligen Möbeltransportaktionen mit dem eindeutig zu kleinen Auto.

Zwischendrin Weinfest mit Sarah und Peruaner-Pedro und Besiegelung einer denkwürdigen Zukunft.

Freiburg mit den beiden. Wir kamen bei Pedros ehemaliger Gastfamilie unter und machten Ausflüge mit seinen lauten und hyperaktiven Gastschwestern. Das und Musik (Zahnweh!) und die englische Übersetzung von Chris‘ BA-Thesis-Abstract (es wird für immer „Sozialisationsvariablen“ drinstehen… oh Chris, warum hast du nicht gründlicher durchgeschaut, du hast doch gesagt, wir sollten unbekannte Begriffe einfach stehenlassen!).

Mein neues Zuhause als Sammelstelle aller üblichen Verdächtigen. Versammlung mit Susmita und ihrer Mitbewohnerin Mai, Trudi und meinen zwei Reisekameraden in unmittelbarem Anschluss an unsere Rückkehr aus Freiburg am Sonntag Abend.

Dosierung der Medis wieder auf eine Ganze am Tag hochgestellt. Panik ist seitdem extrem zurückgegangen.

Arbeit, viel davon, jeden Tag letzte Woche. Außer Dienstag, da Euskera mit Lisa und Daniel und mittags Foodsharing ohne Anhänger, da Kupplung kaputt und kleiner Anhänger nicht da. Interessant war das. Ansonsten mehr Arbeiten. Viele Stunden gearbeitet. Kam mir vor wie vollzeitbeschäftigt. Es war schrecklich. Es wird weiter so sein; ich arbeite diese Woche schon wieder drei Tage.

Mit Robert und Janine geredet, ein Mal, ein einziges. Mit Laura seit dreihundert Jahren nicht mehr geredet. Schaffe es kaum an den Computer, geschweige denn zu Skype. Fühle mich merkwürdig ohne diese zusätzliche Dimension in meinem Leben. Frage mich, wie ich für sie wieder Platz schaffen kann.

Besuch von Caro. Sie kam Donnerstag Nachmittag. Abends Reiskocherpfannkuchendebakel mit Susmita („What do you want to make?“ -„Nothing that makes me smell like curry, I can’t do my laundry anymore until Saturday.“ -„So, no Indian food! Shit.“ -„We could try these rice cooker pancakes.“) und Caro, Chris und Sarah und Pedro. Mosquitoplage im Garten. Letzter Abend mit Susmita für die meisten Anwesenden. Abschiede.

Freitag Arbeit. Nachmittags Backen mit Caro; ich wollte Susmita mit einem Zimt-Zucker-Auseinanderziehbrot eine kleine letzte Freude machen. Natürlich wurde es später, als ich gedacht hatte, aber es war in Ordnung. Eigentlich wollte sie früh ins Bett gehen, weil sie panische Angst hatte, am frühen Samstagmorgen ihren Wecker nicht zu hören und ihren Flug zu verpassen. Sie hat sich sehr gefreut über das Mitbringsel. Caro und Mai, Susmita und ich saßen ein bisschen bei ihr in der Küche. Reden und das frisch gebackene Backwerk verzehren und Tee trinken. Kurze Besichtigung der übriggebliebenen Gegenstände, die ich noch irgendwann aus Susmitas Zimmer schaffen muss. Dann Abschied. Sie ist jetzt schon seit zwei Tagen in Finnland. Nicht mehr hier. In Finnland. Weg.

Von dort aus mit Caro in die Stadt, mit Sarah, Manu und Pedro ins Brauhaus.

Samstag nach Liechtenstein in der gleichen Konstellation. Vaduz sehen. Es war schön. Abends zusammen Seenachtsfest mit Feuerwerk (oder dem Teil davon, den wir ohne zu zahlen sehen konnten) und Döner. Danach Wein am See. Herrliches Leben.

Gestern ausschlafen (!). Frühstück im Garten. Vermieter war Freitag mit seinem Sohn und noch mehr Leuten da und hat im Garten gewerkelt. Ein Riesenbaumstamm ist gefällt, ein Verschlag abgerissen, Licht eingezogen. Wo vorher der Verschlag war, haben Caro und ich den Tisch hingeschleppt, der anfangs in meinem Zimmer stand. Sonnenschirm aufgespannt. Tausende Sachen auf dem Tisch stehen gehabt. Sommer und Garten. Für mich ein Traum.

Dann mit Sarah und Manu in die Stadt, Eis essen. Zeit wurde knapp, weil Caro losmusste. Nachher mit Sarah und Manu zu mir, Pedros Auto holen, das wir hier abgestellt hatten. Die beiden fuhren ihn vom Media Markt abholen. Ich blieb zu Hause, um endlich, endlich ein bisschen Ruhe zu haben. Nach zwanzig Minuten standen sie alle wieder vor meiner Haustür. „Venimos por más té.“ („No más té?“..) Wie es üblich ist, wurde mir durch den Briefschlitz von diesem verrückten Menschen Wasser ins Gesicht und den Hauseingang gespritzt. Dieser Gartenschlauch ist ungünstig direkt neben dem Eingang, wenn man von Pedro besucht wird.

Tee trinken zu viert bei mir auf dem Bett. Alle zusammen in die Stadt zum Chifa. Ewigkeiten aufs Essen gewartet, aber es war lecker. Sarah se enchiló. Es war lustig, weil Manu sagte, diese Chilis wären una ensaladita, no más. Ella lo prueba y casi se muere. Ich kam verhältnismäßig früh nach Hause, gegen halb elf. Regen wie Sintflut. Fast hätte ich vergessen, den gelben Sack rauszubringen.

Heute Kochen mit Sarah und Pedro. Das köstliche peruanische Essen, das seine Gastmutter letztens für uns gemacht hat. Und dann Mojitos. Und morgen wieder Uni und Foodsharing. Mittwoch bis Freitag arbeiten. Dann Luzern mit den beiden. Misión imposible III. Sonntag vielleicht Bern. Montag dann entweder arbeiten oder nicht. Ich hoffe nicht. Dienstag Uni und Foodsharing und dann nach Hamburg mit Sarah. Freitag nach Kopenhagen mit ihr und Mama. Sonntag zurück nach Oldesloe, Montag aller Voraussicht nach zurück hierher. Ich bezweifele, dass es in diesem Leben mit dem Reisepass und Visum für Russland noch etwas wird. Sie melden sich einfach nicht. Es wird nichts mehr. Ich habe es wieder einmal geschafft zu failen.

Es sind wenig ruhige Minuten in Sicht. Heute ist meine Atempause.

Der Stand der Dinge.

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Ich versuche, es so kompakt wie möglich zu machen.
Also, die letzten paar Tage. Unterteilt in ein paar Stichwörter.

1. FFM.

JO begrüßte mich am Hauptbahnhof mit Lippenstift drauf und sah aus wie ein komplett fremder, ungewohnter Mensch. Aber nicht übel. Sie hatte ihn allerdings nicht mehr ganz freiwillig drauf; offenbar war ihr ein paar Stunden zuvor langweilig gewesen und der Lippenstift war einer der Sorte Killer-Everlasting. Genauer gesagt so everlasting, dass sie ihn nichtmal mit Makeup-Entferner wieder runterbekam und sogar am Tag danach noch mit roten Punkten auf dem Mund herumlief.

Als wäre das nicht genug Schock für einen Abend, bekam ich gleich den nächsten beim Eintreten in ihre Wohnung. Sie hatte Bernd von seinen langen Haaren und dem Bart befreit, nachdem sie aus Argentinien wiederkam – das erste Mal, dass ich etwas von seinem Gesicht gesehen habe; er sieht vierzig Jahre jünger aus. Mindestens. (Dementsprechend waren genau das meine ersten seit einem knappen Jahr in dieser Wohnung ausgesprochenen Worte – bei seinem Anblick blieb mir sogar das ansonsten im Hause von JOs Familie obligatorische „Huhu!“ im Hals stecken.)

Ich habe mich so sehr gefreut, wieder mal bei den Beiden zu sein. JOs Mutter lebt mittlerweile praktisch permanent bei ihrer mehr oder minder dem Rest der Welt bekannten Affäre, einem Transvestiten namens Tina, den sie vor ein paar Jahren durch JO kennengelernt hat. Sie hat – was ich persönlich dann doch mal wieder verstörend fand, auch wenn wir alle mit der Situation inzwischen vertraut sind – nicht einmal mehr eine Zahnbürste in ihrer und Bernds eigenen Wohnung. Aber Bernd ist nicht anzumerken, dass ihm etwas an der Sache zu schaffen macht. Er ist ein durchweg wunderbarer Mensch, der so viel Freude und Ruhe ausstrahlt, dass ich beim besten Willen in diesem Leben nicht mehr verstehen werde, wie Michaela ihm etwas Derartiges antun kann.

JOs Zimmer war wie immer. Ihre nach Farben sortierten Bücher in der Regalwand, der Staub, das Chaos. (Wobei sie aufgeräumt hatte und der Zustand demzufolge sogar ganz okay war.) Die zentrale Rolle ihres Computers in ihrem Leben. Tumblr und Flight Rising konnten die zehn Monate Reisen nichts anhaben; sie ist süchtig wie eh und je. Mein Schlafplatz auf der Wandseite des Bettes war auch wie immer. Gestern weckten mich ein Mal mehr die Kirchturmglocken. Es wird sehr merkwürdig werden, sie demnächst statt in dieser Wohnung in Berlin oder Stuttgart zu besuchen.

Ich wollte eigentlich, dass wir uns mit Robert und Becci treffen, aber da Robert Nachhilfe geben musste, hat es nicht geklappt diesmal. Janine habe ich nichtmal gefragt; sie wird eh bis zum Hals in Abschlussprüfungschaos stecken.

2. Luxembourg.

Wir sind ganz schön herumgekommen in den paar Tagen. Ich noch mehr, natürlich, durch die Fahrten von Zuhause bis FFM und andersherum. Aber der Ausflug ins Nachbarland war wirklich alles an Reisestrapazen wert. Ein neues Land! Wie aufregend. Ich habe meinen Ohrwurm von Zea Mays‘ Negua joan da ta aus Deutschland mit dorthin verschleppt (und JO im Übrigen gestern halb unbeabsichtigt auch noch davon begeistern können), zusammen mit dem hastig vor der Hinfahrt ausgedruckten Text, um es am Wochenende fertig lernen zu können. Es hat funktioniert. Die ganze Stadt hat dieses Lied als Soundtrack, und dabei war unser Aufenthalt nicht gerade unmusikalischer Natur. Dazu später mehr. Wir haben die Stadt durchkämmt und den Bockfelsen beklettert und die dramatischen Schluchten bestaunt und sind diversen City Sightseeing-Bussen begegnet, deren Touren ich dank meiner Arbeit ja mittlerweile sehr gut kenne. Wir haben herausgefunden, dass das Benutzen öffentlicher Toiletten in Luxembourg doppelt so viel kostet wie im Rest der Welt, und dass über 40% seiner Einwohner aus dem Ausland kommen. Wir sind vor Hitze halb geschmolzen, während wir uns die Berge rauf- und wieder runtergekämpft haben. Ich habe schon wieder vergessen, wie diese Dinger heißen, auf die man sich stellen kann und die einen dann einfach tragen – ein Brett mit Rädern und einer Stange vorne zum Festhalten. Nein, kein City-Roller – es hört mit „way“ auf und ich habe JO bestimmt viermal nach dem Wort gefragt, weil es sich in meinem mentalen Lexikon einfach nicht manifestieren will. Die Sprachen an sich sind in Luxembourg ja auch ein Erlebnis. Oder sollte man „Lëtzebuerg“ sagen… Was für ein interessantes Verständnis diese Menschen von „Deutsch“ haben.
Sie haben aber allgemein interessantes Verständnis von vielen Dingen. In meinen zwei Tagen dort wurde mir zwei Mal hochenthusiastisch verkündet, wie grandios mein Stil wäre – davon zehre ich dann jetzt wohl die nächsten zehn Jahre. Trust my home country to be the one I get ignored in most of the time – die Menschen, denen ich beachtenswert erscheine, halten sich offenbar als geschlossene Front im Ausland auf. Eine Verschwörungstheorie? Wer oder was will mich zum Auswandern bewegen?

3. Musik.

Das Konzert – der eigentliche Grund unseres Zusammenfindens – war definitiv in vielen Hinsichten ein besonderes. Ich nominiere es für Awards in den Kategorien „beste Vorband“ (die Luxembourger „All The Way Down“ allein waren es wert, den Ausflug durch ein halbes Land hin zu diesem Konzert zu unternehmen), „Weirdest Vocalist“ (die Sängerin von Against Me! war irgendwann mal ein Mann und hat ihre Stimme keinerlei Operationen unterzogen, was zwar bei den Risiken, die das mit sich bringt, absolut verständlich ist, aber trotzdem dem Ganzen ein einfach unvereinbares Wesen verleiht – immerhin war der Sound so schlecht eingestellt, dass man sie kaum gehört hat), „most crowdsurfers“ (es waren mehrere pro Song, es waren viele Songs und natürlich mussten sie alle, allesamt – unserer erstreihigen, mittig gelegenen Position sei Dank – über meinen Kopf hinweg hinter die Security-Barriere den dafür angestellten Sicherheitsmenschen in die Arme fallen. Wurdest du je von einem herabfallenden Crowdsurfer erschlagen? Lass dir gesagt sein – ein-zweimal pro Konzert reicht. Du willst das nicht drei Mal pro Song verkraften. Ich hatte Todesangst wie nichts Gutes, war aber natürlich selbst schuld, weil mein Schädel, obschon malträtiert von den massiven Schuhen, Körpern und Gliedmaßen unzähliger Fallender, immer noch zu dick ist, um mir zu erlauben, meinen Platz aufzugeben und mich damit für defeated zu erklären. I’m not a quitter, dachte ich mir und versuchte weiter Taktiken zu entwerfen, wie dem von oben kommenden Unheil noch halbwegs schadensbegrenzend zu entgehen war – und hatte Erfolg, was du daran siehst, dass ich hier sitze und dieses Romänchen tippe) und „most deafening“ (der Tinnitus scheint sich in meinem linken Ohr häuslich eingerichtet zu haben, und als wir vorletzte Nacht ins Hostel kamen, konnten wir beide kaum schlafen, weil unsere Ohren der nächtlichen Stille zum Trotz ihr eigenes Konzert inklusive Rauschen veranstalteten. Es wird langsam wieder besser, aber es ist ganz eindeutig noch da). All in all, ein gelungenes Konzert, ich stand nur leider am falschen Ort. Mir wurde mal wieder bewusst, was es eigentlich ausmacht, die Band, die spielt, nicht zu kennen. Das ganze Adrenalin hat mir gefehlt, das einen diese ganzen an sich unmenschlichen Bedingungen nicht nur aushalten, sondern sogar als exhilerierend ansehen lässt. JO neben mir war völlig aus dem Häuschen und sprang herum wie nichts Gutes. Ich ebenso, mehr aus schierer Notwendigkeit als alles Andere. Du kannst nicht einfach nicht springen, wenn um dich herum die Menge wie ein brutales Meer in ihrem eigenen Rhythmus wogt. Das lernt man schnell auf Konzerten, das weiß ich nicht erst seit vorgestern.

3.1. Play Me I’m Yours.

Überall in der Stadt stehen Klaviere. Wunderschöne. Man kann darauf spielen; natürlich habe ich JO an beiden Tagen in den Bahnhof gezogen, um mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und die von dem dort befindlichen Exemplar ausgehende magnetische Anziehungskraft auf mich wirken zu lassen. Das resultierte letztendlich darin, dass ich auf Tausenden von Touristenvideos zu sehen und hören bin, sowie in einer Bekanntschaft mit einem Typen, der irgendwie fand, dass ich toll bin, und meinte, ob ich nicht Lust hätte, ein Konzert zu spielen – er hat Connections. Ich hab‘ Sarah alarmiert, dass sie sich mal Anfang August oder Ende September freihalten soll für unseren Gig in Luxembourg. Jetzt brauchen wir nur noch Equipment, einen Namen und einen Tourbus. Ich war sehr, sehr kurz vorm Hyperventilieren, als wir da weggefahren sind, ich sag‘ es dir.

4. Ich überspringe ein paar Punkte, weil ich langsam müde werde und nachher um halb elf in der Arbeit sein will.

5. Wohnung.

Es sieht so aus, als könnte es diesmal etwas werden. Man wird sehen – heute. Wenn das klappt, liebe ich Trudi. SEHR.

6. Medis.

Heute 4. mediloser Tag; es ist okay, ich muss viel machen und wenig allein sein. Busfahren gestern war grenzwertig, aber alles vollkommen im erträglichen Bereich. Ich arbeite dran.

7. Haare.

Es saß vor mir auf der Fahrt von FFM nach Stuttgart ein Mensch mit so unwahrscheinlich wunderbaren Haaren, dass es eine Qual war, hinter ihm zu sitzen. Ich habe zweieinhalb Stunden lang mit dem Verlangen kämpfen müssen, ihm auf den Kopf zu grabschen. So eine Hülle und Fülle wunderbarer dunkler, fingerlanger, weich aussehender, leicht gelockter Haare. Ich wollte ihn fast schon fragen, ob er sich kurz umdrehen könnte, um herauszufinden, ob der Rest von seinem Kopf so schön war wie die Hinterseite. Aber ich habe es gelassen – immerhin bestand das Risiko, dass sein Gesicht nicht mit seiner Haarpracht hätte mithalten können, und was hätte ich ihm dann sagen sollen? „Nee, schon in Ordnung, dreh dich wieder um“? Maybe not. Langsam muss ich wirklich einsam und verzweifelt sein, diesem Geschehnis nach zu urteilen.

8. Mehr Klempnerei.

Dafür spricht auch (und das spricht andersherum auch dafür), worüber ich wieder verstärkt nachdenke, nämlich dass ich einfach mal eine Therapie anfangen sollte, mit deren Hilfe ich mich vielleicht von diversen meiner Issues (Sexualität, Fallenlassangst, Selbstwahrnehmung, diese Geschichten) befreien könnte, statt mich in der Hinsicht einfach wie bisher als hoffnungslos abzustempeln und sie auf immer mein Denken und Dasein so überaus unvorteilhaft kontrollieren zu lassen. Ich glaub‘ nämlich fast, die Menschen sind einfach nicht so, wie ich sie bräuchte (und wie sie vermutlich noch einige andere Exemplare der menschlichen und nichtmenschlichen Spezies bräuchten) – niemand wird mich, auch jetzt nicht, wo es wirklich nicht schaden könnte, wie ein rohes Ei behandeln, also muss ich weiter und weiter daran arbeiten, mich einfach selbst nicht wie ein rohes Ei zu sehen und – um alles in der Welt – auch keins zu sein. Damit ich lerne, wie man das macht, wenn man nicht gerade auf Medikamenten ist, hätte ich gern ein neues mentales Framework.

9. Schlafen.

Jetzt wird geschlafen.

Deriliöse missgünstige Attacken.

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Wie man sich so viel Mühe geben kann, wenn man schreibt.

Ich lese einige Blogs und bin erstaunt, am Ende sogar neidisch, halb unbewusst. Sie geben sich alle so viel Mühe. Es klingt so intellektuell, so durchdacht, überhaupt so gedanklich wertvoll. Hey, denk ich mir dann, ich hab auch wertvolle Gedanken, ich komm nur nie auf die Idee, sie tatsächlich aufzuschreiben. Wenn ich schreibe, kommt meistens Schwachsinn dabei heraus. Du würdest vermutlich den Ukumenschen hellauf begeistern. So herrlich geordnet und pseudo- (oder am Ende sogar wirklich) nachdenklich kommst du daher und laberst Zeug, das in Worte zu fassen ich nichtmal versuche.

Ich aber habe mir auch Mühe gegeben, heute auf dem Kulturfest nämlich. Von halb zwölf bis sechs hab‘ ich gearbeitet, fast ohne Pause; na gut, mit einer Pause, als Sarah vorbeikam und wir über die sehr überschaubare Sammlung von Ständen auch mal eine Runde gedreht haben. Und uns hingesetzt und köstliche Chips gegessen haben; oh welche Wohltat, nach so vielen Stunden endlich wieder zu sitzen.

Ich würde sehr gern ein Foto suchen und hochladen, nur liegt die Kamera auf der anderen Seite des Raumes. Zu viel für mich. Ich wurde von Lena abgeholt gestern Abend; wir gingen zum Hafen und trafen dort Sarah und noch später, schon zurück in der Stadt, Trudi. Gingen heim und tranken Rum und Cola, oh herrliches Leben. Susmita war auch da. Es war wundervoll. Trudi und ich blieben am Ende in meinem Zimmer übrig, machten die Rumflasche leer und unterhielten uns über vermutlich unwichtige Dinge, die uns dennoch sehr beschäftigen. Als Sarah noch dawar, haben wir Musik gemacht; das war wunderbar.

Langsam sollte ich schlafen, weil ich auch nachher nicht vorhabe, den Tag im Koma zu verbringen.

Regentag, Regentag…

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…den man nur verschlafen mag.

(Möglichst ohne zu träumen, jemand wolle einen vergewaltigen. An sich ist es ja ganz erfreulich, dass mein Unbewusstes mir inzwischen offenbar ausreichend physische Attraktivität zuschreibt, um überhaupt als Vergewaltigungsopfer in Frage zu kommen, aber an sich war der Traum mehr verstörend als alles Andere.)

Gedacht, getan – der Bus zur Uni hat heute früh auf Grund von Überfüllung niemanden mehr hereingelassen und wäre wahrscheinlich vor den Augen der Wartenden gnadenlos durchgerauscht, hätten nicht ein paar Menschen dort das Ziel ihrer Reise erreicht und so die Überfüllung zumindest ein klein wenig erträglicher gemacht, wenn auch noch nicht erträglich genug, um Frischfleisch hereinzulassen.

Meine Motivation, überhaupt hinzugehen, ließ sich davon bereitwillig in den Keller scheuchen, sodass ich um halb zehn schon wieder im Bett war und meinen Tag somit gerade zum zweiten Mal beginne.

Und es erwarten mich erfreuliche Dinge. Zuerst werde ich seit Langem mal wieder Klavier unterrichten; Sofie hat sich neulich völlig aus dem Nichts gemeldet – ich dachte schon, ich würde in diesem Leben nichts mehr von ihr hören. So aber gehe ich um halb sechs zu ihr. Relativ direkt im Anschluss ist Bandprobe. Wenn man die weniger freudige Erwartung von Sebis Unfähigkeiten mal beiseitelässt, ist das nach wie vor ein sehr freudiges Ereignis.

Morgen ist schon Abreisetag meiner Großeltern. Das ging schnell. Es war auch wirklich schön mit ihnen, sobald ich einmal akzeptiert hatte, dass sie ständig und immerzu alles für mich bezahlen. Letztendlich bringt es ja nichts, jedes Mal Energie aufs Protestieren zu verschwenden. Wenn’s sie glücklich macht.. Gestern haben Susmita, Trudi und ich noch Chicken Tikka Masala gekocht (plus eine vegetarische Version, natürlich) und uns mit Oma & Opa zusammen darüber hergemacht. Lustig war’s, das Essen war köstlich (wie nicht) und die Sprachbarriere war gar nicht so dramatisch wichtig, hatte ich den Eindruck. Sie war halt nur ein bisschen ruhig. Aber ich drehe jedes Mal durch, wenn ich sie ein paar Brocken Deutsch reden höre, weil es sich so niedlich anhört und ich stolz auf sie bin, warum auch immer, ist ja nicht so, als wäre sie hier seit über einem Jahr und würde immer noch standhaft am Englisch festhalten.

Hallulos

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Sie haben mir gesagt, dass ich aufs Klo müssen werde, ohne es zu merken, und viel trinken soll.

MDMA, eine Traumwirkung, hätte ich nur etwas davon gemerkt. Hannes meinte, es ist normal beim ersten Mal, und ich sollte es einfach irgendwann nochmal versuchen. Ich hoffe doch schwer. Gegen meine bisherige Immunität hilft nur Alkohol, dein Freund und Helfer. Meine Pupillen sind auch winzig klein, verdammt. Und Wein ist gut zum Trinken und zum Dekorieren. Des Teppiches zum Beispiel; Susmita hat endlich die Flasche aufbekommen, mit der wir seit Monaten gekämpft hatten. Einen Teil hat ihr T-Shirt abgekriegt, einen anderen Teil der Teppich, einen kleinen weiteren Teil sie, und ich den Rest. Oh herrliches Leben.

Trudi und Hannes schauten gerade bei mir zur Tür herein, um nachzusehen, ob es mir gutgeht. Sie haben beide Augen wie Kaninchen. Bei ihnen hat das Zeug ordentlich reingehauen. Bei mir ja leider nicht. Ich war hypervorsichtig zuerst und habe nur ganz wenig getrunken, dann aber mehr, als es bei Trudi schon anfing und ich nichts merkte. Es hat alles nichts gebracht. Schade. Ich habe das Gefühl, ihre Drogen zu verschwenden.

Gleich kann ich Laura zulabern, das wird wunderbar. Ein bisschen merke ich ja doch, dass ich nicht ganz bei mir bin; es wird mir guttun, mit ihr zu reden, in jedem Fall. Nur halluziniert hätte ich auch gerne.