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Jumping objects & goodbyes for life

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Manchmal ist es eine Kuh, die springt, manchmal sind es Würfel mit Herzchenrelief drauf. Manjaro mag Bildschirmschoner, die springen. Ich mag sie auch.

Manche können das ja, Abschiede fürs Leben. Manche haben so viele davon in ihrem Leben, dass es für sie fast alltäglich wird. Sie erzählen davon wie von ihrem letzten Supermarktbesuch. Es übersteigt mein Verständnis der menschlichen Natur.

Ich kann nicht lernen. Zwei Klausuren morgen, und ich kann nicht lernen. Ich hänge hier herum in diesem unfassbar grauen Regenwetter – a rainy day again – und frage Caro Dinge in meinem Kopf. Hast du, dachte ich grad noch, hast du auch das Bild vor Augen, wie du ihn das letzte Mal gesehen hast? Sein Weggehen. Hast du hinterhergeschaut? Ich seh es von außen, von oben. In die Originalperspektive muss ich mich erst bewusst hineindenken. Der Zug war pünktlich in Bruchsal, 16.13. Er hat mich kurz gedrückt und ist rausgegangen, nach rechts raus. Ich hab mich nicht bewegt, meine Arme nicht, meine Augen nicht. Ganz lange.
Wie hast du das so grandios überstanden? Wie hast du das denn hinbekommen, wie hast du es geschafft, mir zu sagen, dass du ihn wahrscheinlich eh gar nicht mehr geliebt hast? Wie hört man auf, ihn zu lieben, noch während er da ist?

Genug jetzt. Ich opfere diesem Geist gerade zu viel Zeit. Lernen sollst du, lernen. Machine Translation lernen, damit zumindest der statistische Teil morgen klappt.

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Wärme in Koffern. Kälte im Raum. Leben im Nebel.

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Wir haben es doch wieder hingekriegt. Unfassbar ist das, wie machen wir das?
Ein weiterer Heiligabend mit einer dramatisch-versöhnlichen Bescherung. Das Gefühl, dass es solide sein könnte, ist natürlich seit Jahren nicht mehr da, aber geschafft ist es trotzdem. Wieder.

Wie? Und warum überhaupt die Mühe, uns immer aufs Neue zusammenzuklauben? Wir funktionieren doch alle nicht. Warum nicht es endlich einsehen und allen Schein fallenlassen. Uns ergeben, uns aufgeben. Die absolute Hoffnungslosigkeit dieses letzten Tages sollte doch besser anhalten, um es nicht alles immer wieder noch schmerzhafter zu machen. Das Allesverlorenhaben, das Wahrscheinlichniewirklichetwasgehabthaben. Das Fehlen von Wärme, von echter Wärme, nicht gesprochener Wärme, nicht materialisierter Wärme. Von gefühlter, gelebter Wärme. Wärme ohne Worte, ohne Demonstrativität. „Wie kannst du wagen, zu sagen, ich wäre nicht warm. Schau doch, wie warm ich bin. Ich tue dies und jenes, das es beweist.“ Aber gefühlt ist es kalt, nicht sicher. Warm ist sicher.

Ein Koffer voller Wärme. Sie sagte, sie hätte einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Gestern Mittag, nachdem selbst mein versuchter Ansatz eines klärenden Gespräches genug war, um sie wegzubefördern. Dann sagte sie, sie müsse doch zu mir fahren. Mein Vater daneben. „Und dafür musst du erstmal zurückkommen. Schätzchen, komm zurück“. Ich in der Ecke ihres Bettes, die zusammengesunkene Gestalt beobachtend, die wirres Zeug von sich gibt, sie hätte mir doch einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Eine Unterhaltung mit meinem Vater, der sagt, ich wäre zu hundert Prozent egozentrisch, als ich ihm zu erklären versuche, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Dass sie sich helfen lassen muss und ich sie so nicht in meinem Leben haben kann. Weil ich nicht kann. Wäre ich selbst stabil, müsste ich können; ich dachte früher, ich müsste können, vor allem als ich noch da gewohnt habe, aber eigentlich kann ich doch überhaupt nicht. Das versteht er natürlich nicht, weil er keine Ahnung hat, wie es bei mir drinnen aussieht. Dazu müsste ich es erstmal zeigen können, nicht nur verbalisieren. Ich verbalisiere ruhig, distanziert und gelassen, dass ich irre am Rad drehe innerlich. Es wird mir nicht abgenommen, solange ich es artikuliere, ohne dabei in Trancezustände zu verfallen. Ich müsste erst zusammenklappen; das lenkt erfahrungsgemäß seine Aufmerksamkeit ganz gut auf einen. Wäre ich einfach einen Tick schwächer und würde immer zusammenklappen, wenn ich das Bedürfnis dazu habe, so wie sie es tut. Wie viel einfacher wäre alles; warum kann ich denn das nicht. Oh, wahrscheinlich weil nichtmal dann ich verstanden werden würde. Dann ist es wahrscheinlich Aufmerksamkeitsuchen, Melodramatik, fast schon Nebensache; das Zusammenklappen ist zu sehr Teil der Familientradition. Es ist ja auch alles nicht mein Problem, wie ich zwischendurch immer mal zu hören bekomme. Wenn meine Familie ein lebender Albtraum ist und ich nicht weiß, wie ich drei Tage in diesem Umfeld je geistig unbeschadet überleben soll, natürlich ist das nicht mein Problem, wieso sollte es. Mein „Ich kann nicht mehr“ wird nicht gehört; ich kann aber nicht mehr, ich kann nicht mehr so funktionieren.

Du hast keine Ahnung, keine.

A quick distraught rant.

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Eine Sinnlosigkeit mehr

Eine Sinnlosigkeit mehr

‚ I remember the night I wrote this. I was spending the weekend at my parents‘ holiday home with two close friends of mine. They were all asleep. I was also supposed to sleep, but couldn’t.. because I had these thoughts keeping me awake. And I felt this sudden urge to write them down. So I did, but I didn’t turn on the light ‚cause I didn’t wanna wake the others.

So I just grabbed this sheet of paper – for I always made sure there was a pen and some paper around, in case I had an idea for a song or something. So I just grabbed this paper, and a pen, and just kinda scribbled down my thoughts there in complete darkness. I had no way of seeing what I was writing, so the first time I saw it was the next morning, when I woke up.

And reading this now, I feel like.. like throwing it into his face, saying „YOU read this.. You read this, and you still didn’t talk to me about it? You read this – I know for a fact that you did – and you never said a word to me.. You knew it – you knew all this, you knew what I had written down there. And either you were really too much of a dumbass to get it, or too much of a coward to talk to me about it. Seriously“
– and I want to shove it into his face, saying „YOU read this, and still you said you couldn’t have known – and still said you’d had no idea“ – and it’s really all I wanna do. I just wanna go up to him and say, „seriously – you remember this, don’t you? You remember the night I let you read my entire lyrics folder, everything – it was so late I fell asleep while you were reading – you were taking your time reading it so I had nothing to do and just fell asleep while you were reading. And the very last thing I heard before I drifted off was you saying „whoa, whoa, this is actually good!“ And I still don’t know what exactly you were saying this about, but what I do know is at one point or another you turned a page and found yourself looking at exactly this…“ ‚

— (nearly) 1:1-Übertragung vom HAG, das vor ein paar Minuten das Unglück hatte, einen Redeschwall von noch längeren Ausmaßen über sich ergehen lassen zu müssen.. (Da fällt mir gerade ein, die Nacht in question hat das arme Ding auch im Original miterlebt; das dürfte sogar alles auf einer dieser Monsteraufnahmen, die nichtmal Laura sich anhört, weil sie offenbar so unerträglich langweilig sind, konserviert sein.)

Phhhhh. Das hat geholfen.

Vielleicht höre ich jetzt auf, meine Songmappe zu durchstöbern, obwohl ich sie eigentlich nur nach einem neuen potenziellen Projekt durchforsten wollte, und gehe lieber wieder lesen. -Ich habe gestern vor dem Schlafengehen tatsächlich gelesen. Und nicht nur das, ich habe Die letzte Konkubine angefangen, ein Buch von ziemlich beachtlichen Ausmaßen, welches Lena mir vor ungefähr einem Jahr mal mitgegeben hat – seitdem hat es unberührt in meiner Obhut ein ruhiges Leben geführt, während zuerst meine Konzentrationslosigkeit und generelle Leseunfähigkeit (Semester 1), depressive Verstimmungen und generelle Motivationslosigkeit (Semester 2) und nicht zuletzt meine Abneigung gegen aus dem Englischen übersetzte Literatur (die weiterhin besteht – ich habe seit gefühlten Ewigkeiten kein englisches Buch mehr auf Deutsch gelesen und finde es nach wie vor recht verstörend, aber vielleicht bin ich auch einfach nur unnormal und eigentlich sollte man damit klarkommen und nicht unabsichtlich-ungewollt jeden Satz beim Lesen im Kopf backzutranslaten versuchen und Theorien entwickeln, wie der Übersetzer wohl der eigentlichen Aussage der Autorin in welcher grausamen Weise gerade in die Quere kommt) mich davon bis gestern ferngehalten hatten.

Wenn ich mit diesem Buch dann erstmal durchbin, kann ich ja vielleicht die haufenweise Sophie Kinsellas, die ich mir letztens zusammen mit Lauras Can You Keep A Secret? (welches sie unvorstellbarerweise schrecklich findet, das nur am Rande, ich hätte es mir denken sollen) bei Amazon bestellt habe, mal in Angriff nehmen.

Herbstblätter

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Meine Erinnerung ist schwammiger, als ich wahrhaben will, aber klar genug, um mir den Verstand zu rauben.

„Vielleicht sollten wir das lieber morgen besprechen“, sagte mir Şahin vor einem Jahr am Gelsenkirchener Bahnhof, während wir auf den Zug nach Oberhausen warteten. „Nicht dass es dir jetzt das Konzert versaut.“

Kalt war’s, aber nicht so kalt wie heute.

Ich habe ihm dann geantwortet, soweit ich dazu fähig war und nicht überfordert davon, den Druck wegzuschlucken und nicht zusammenzuklappen, dass ich vermutlich allerspätestens mit dieser Aussage im Hinterkopf leichte Schwierigkeiten haben würde, das Konzert unbeschwert zu genießen.

Die bunten Herbstblätter vor dem Fenster des Hörsaals. Phonetik I ist an sich eine interessante Vorlesung, vorausgesetzt man steht nicht mit der Physik auf dem Kriegsfuß und es lassen einen die Geister des vergangenen Jahres in Ruhe. Keine idealen Voraussetzungen für mich, auch wenn ich mich zusammengerissen habe, mit dem Gedanken, dass ich nicht das dritte Semester in Folge damit verbringen kann, während der wichtigsten Vorlesungen ständig nur abgelenkt aus dem Fenster zu starren.

„So schön bunt…“, sagte Şahin geistesabwesend in meine verwirrte Rede hinein und schaute auf die wehenden Blätter.
„-Sorry.“ Er schaute mich kurz an, wahrscheinlich in der Erwartung, ich würde durchdrehen und ihn komplett verzweifelt fertigmachen, weil er mir nicht die der Wichtigkeit der Unterhaltung angemessene Aufmerksamkeit hatte zukommen lassen. Das war der Moment, an dem mir klarwurde, dass sogar im schlimmsten Konflikt noch Teile unserer jeweiligen Persönlichkeiten in einem verstörenden Ausmaße kompatibel waren.
Wäre nur einer dieser Teile näher an seinem Bewusstsein angesiedelt.

Musik und Schmerzen

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Kleine Aufzählung gefällig? (Selbst wenn nicht, sie kommt trotzdem.)

Der Once-OST. Alles.
Glen Hansard, Markéta Irglová. Alles.
A Day to Remember. Monument. If It Means A Lot To You. All I Want. The Danger In Starting A Fire. Homesick. Im Grunde alles.
Green Day. Je nach Laune und Lage alles. Oder aber kaum etwas, zum Glück.
Red Hot Chili Peppers. Alles. (Nicht dass mir das viel ausmachen würde.)
John Frusciante. Untitled 11. The Days Have Turned.
Rise Against. Roadside. Swing Life Away. Hero of War. Oder aber alles.
System of a Down. Roulette.
Jason Mraz. Lucky. Oder aber alles.
Maroon Five. She Will be Loved. This Love. Alanis Morissette. Ironic. Die Ärzte. Westerland. Alles an Abibandzeug.
Good Charlotte. We Believe.
Tegan and Sara. Frozen. Hype. Northshore.
City and Color. Sleeping Sickness.
The Influents. Time to Kill. Give the Anarchist a Cigarette.
Billy Talent. Fallen Leaves. Pins and Needles. Cut the Curtains. Nothing to Lose. Prisoners of Today. Burn the Evidence. Oder aber alles.
Pick of Destiny OST. Nicht dass ich je den Film gesehen hätte. Aber über Filme reden wir ja gerade gar nicht.
Meine Wenigkeit. Not That Indifferent. (Richtig. Mein eigener Song. MEIN EIGENER SONG.)

Und natürlich Caros Vermächtnis – Rancid, Common Rider, Pinhead Gunpowder, Classics of Love, Prima Donna.

Das jetzt nur das Allergröbste. Für alles Weitere müsste ich anfangen, nachzudenken. Für alles da oben – und noch nicht unwesentlich mehr – leiste ich (teilweise nichtmal ansatzweise erfolgreiche) Dissoziationsarbeit seit um die dreihundertfünfundsechzig langen, langen, langen Tagen und Nächten. Ich erinnere nur an dieses Debakel hier, zum Beispiel.

Das ist mein halbes Leben, was in der Liste steckt.
Alles, was sich mirakulöserweise vollständig gerettet hat, ist Disturbed. Sogar Believe geht eigentlich, warum auch immer.

Naja. Şahin schrieb mir jedenfalls, während ich im Urlaub war, er würde sich das Billy Talent-Album lieber nicht während/nach der Weisheitszahn-OP anhören, sonst würde er damit nur Schmerzen verbinden.

Eventuell kann jemand sich vorstellen, dass diese an sich ja unbestreitbar berechtigte Befürchtung bei mir auf nicht ganz so verständnisvolle Resonanz stieß.

Was nichts daran ändert, dass sich gestern den ganzen Tag lang hartnäckig die panische Alarmbereitschaft meines Unbewussten, das vielleicht, man weiß es nicht, mit einer Reaktion auf die Resonanz rechnete, der mittlerweile beruhigend gefestigten Überzeugung des Bewusstseins, es sollte doch bloß nichts mehr zurückkommen und alles, was ich noch tun müsste, sei, bald mal das Geld zu überweisen, um dann endlich vollkommen durchzusein mit dem Ganzen, in den Weg geschoben hat.
Was wiederum nichts daran ändert, dass natürlich (hoffentlich) die Reaktion eh ausbleibt.
Was wiederum einen weiteren mikroskopischen Teil dazu beitragen kann, dass meine Dissoziations-Efforts ungestört fortgeführt werden können.
Was wiederum dem Projekt AVES zu weiteren Erfolgen verhelfen könnte.

Aber who am I kidding, AVES wäre gewesen, sich auf diese unbedachte und vermutlich unbemerkte Provokation gar nicht erst einzulassen. AVES wäre, das neue GD-Album ungeachtet irgendwelcher Daten und Zahlen einfach mal zu hören, statt es tagelang herumliegen zu haben, ohne es auch nur auf den Computer zu spielen. AVES wäre, mal wieder ein paar Lebensverbesserungsinitiativen zu starten.

Mit dieser Feststellung und einem (nicht zu kräftigen) Arschtritt an mich selbst.. gehe ich dann mal ins Bett und harre der mit geringfügig unangenehmen Konnotationen behafteten Tage, die da kommen.

Ignorance is Bliss.. I guess.

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Wie kann man denn aber so abgestumpft sein? Ich bin vor zweieinhalb Stunden aufgewacht, habe das erste Gespräch mit einer imaginären Person hinter mir, höre mir Totale Finsternis an – du weißt schon, die Tanz der Vampire-Adaptation von Total Eclipse of the Heart – und frage mich jetzt zum wiederholten Male, wie das alles überhaupt möglich ist.
Heute habe ich mich mit dem Anliegen an Şahin gewandt, mir genau das zu erklären. Ich habe irgendwas zusammengefaselt, das ich jetzt schon nicht mehr wirklich rekonstruieren kann. Eigentlich sollte ich diese ganzen Gespräche aufnehmen. Naja, Monologe. Es ist ja wirklich fast jeden Morgen einer.
Der heutige hat mir aber (was leider nicht gerade untypisch ist) keine wirklich neuen Erkenntnisse beschert. Nur mehr Stress und Unverständnis. Da wollte ich wissen, wie er das geschafft hat eigentlich, mit so einer unermesslichen Gleichgültigkeit, mich mal eben völlig kaputtzumachen. Wenn ich hier sitze und darüber verzweifele, dass mich jemand mag, den ich nichtmal richtig kenne. Dass ich davon etwas brauche, habe ich gesagt, von der Gleichgültigkeit.
Aber eigentlich will ich gar nicht so sein, eigentlich ist das das Letzte, wie ich jemals sein wollen würde.

Ich weiß nicht, was mich mehr stresst gerade, die Überforderung mit der ganzen Situation jetzt oder die Erkenntnis, wie unmenschlich man eigentlich sein muss, um das, wie er die Sachen gehandhabt hat, mit so einer Eiseskälte zu schaffen.

In jedem Fall bin ich überfordert. Und in jedem Fall frage ich mich nach wie vor, wie es einem Menschen möglich sein soll, so etwas überhaupt nicht zu bemerken.
„OK“, habe ich dazu vorhin zu Şahin gesagt, „er gibt sich auch nicht solche Mühe, sich zu verstellen.“ Aber als ob ich nicht genau wüsste, dass meine Verstellfähigkeiten auch ihre Grenzen haben. Und spätestens beim Singen waren sie ganz weg. Das ist doch das Herrliche, dachte ich immer, du kannst singen, was du willst, und der Mensch ist so stumpf und kommt gar nicht auf die Idee, dir zuzuhören. Immer nur durch anderer Leute Texte – er hatte ja nichtmal irgendeine Art natürliche Sperre, die ihn davon abgehalten hätte, diese Songs mit mir zu spielen. Natürlich nicht – weil er keine Ahnung hatte. Ich habe es gestern ja selber kurz gemerkt. Es ist schon verdammt leicht, komplett unwissend Leute zu egoistischen Zwecken einfach zu missbrauchen. Es ist ja dann für dich einfach nur ein schönes Lied, das du gerne singst/spielst, weißt du, es ist ja nicht die Welt.

Aber die Unwissenheit! Woher kommt die nur.
„Lass uns Stray Heart machen!“ Ich höre ja jetzt noch meinen perfektionierten verstellten I don’t really care-Tonfall. Aber ich hör mich auch singen, sechs Uhr morgens auf einem sandigen Parkplatz irgendwo im eiskalten Nichts, und ich kann es bis heute nicht glauben, die unglaubliche Grausamkeit, mit der er da stand mit der Gitarre hinter meinem Rücken, und mich dazu gebracht hat, meine Falling Slowly-Stimme in die graue Strickjacke zu mufflen, die ich ihm gegeben hatte, damit wir uns beide nur zur Hälfte den Tod durch Unterkühlung holten.
Und, ja, das räume ich ein, ich sehe mich auch im perfektionierten Tonfall „na hopp, jetzt sollten wir aber mal langsam zurück“ sagen und ihn sachte, aber bestimmt dazu bewegen, mich (aka Wärmequelle) loszulassen.
„Ist was?“ -auf dem Rückweg zum Haus, als es hell wurde.  -„Ich schau mir nur die Sonne an. Ist doch schön, guck mal, die Farben.“

Aber das ist doch ein einziger Humbugskreislauf. Herauszufinden, woran Şahins Ahnungslosigkeit letztendlich lag, hilft mir ja auch nicht weiter, leider bin ich mit so einer Unempfänglichkeit nicht gesegnet. Ich bin so schlimm verwirrt und überfordert.

Buddhistische Grundeinstellung MY A**.

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„Wir können es uns ja aufteilen!“

Diese an sich Herrliches verkündenden, freie Zeit verheißenden, gesparte Zeit implizierenden Worte führten also letztendlich dazu, dass ich hier sitze, um drei Uhr morgens, und mich durch eine vierseitige „Übersetzung“ gequält habe, die ich eigentlich nicht hätte erledigen müssen. Da sie nicht zu meinem Teil gehörte. Aber oh well–

Ich habe der Kommilitonin schon vor Tagen die beachtliche Menge von vier einwandfreien, ich betone erneut, einwandfreien, ja impekkablen Texten gesendet, die sie schamlos und ohne jeden Versuch, es zu verschleiern, als „wir haben’s zusammen gemacht“ – ihr eigenes Werk ausgeben wird, wenn es Zeit ist, unser Dossier für Traducción einzureichen. Was morgen – Dienstag – der Fall ist.

Diese unverschämte Kröte einer Kommilitonin. Ich habe mir Vorlesungen für diese Übersetzungen um die Ohren geschlagen, ich habe Ewigkeiten mit Recherche verbracht, ich habe nachgeschlagen und nachgedacht und im Geiste Möglichkeiten durchgespielt, setze ich dieses Wort nun hierhin oder doch dorthin, nehme ich dies oder doch lieber das, oder sollte ich vielleicht den ganzen Satz doch noch ein bisschen anders formulieren. Ich habe meine Übersetzungen so angefertigt, dass sie nicht den Anschein erwecken, als hätte ich mal eben Google Translate an meiner Statt ans Werk geschickt.

War das denn zu viel verlangt? Eine Übersetzung von Menschenhand und, wichtiger in dieser Sache, von Menschenhirn? Oder anders gesagt, von Hirn? Du kannst dir nicht vorstellen, wie entgeistert ich war, als ich das erste dieser jede menschliche Schaffenskraft missachtenden Schundwerke aufgemacht habe, um nochmal schnell einen Blick drüberzuwerfen – ja, mir war klar, liebe Kommilitonin, dass du wenig Zeit hast. Und mir war sogar klar, dass du vielleicht nicht so gerne übersetzt. Und mir war sogar klar, dass du vielleicht nicht so gut übersetzt. Und ich habe mich trotzdem drauf eingelassen, einfach weil ich so viel Vertrauen dann doch noch irgendwie hatte, zu denken, vielleicht tun wir uns ja doch gegenseitig etwas Gutes damit. Vielleicht läuft es ja nicht darauf hinaus, dass ich meine Arbeit verschenke und nichts als unverwendbaren Mist als Dank dafür zurückbekomme, den ich nichtmal einreichen würde, wenn ich vor die Wahl gestellt würde, entweder innerhalb der nächsten Minute mein Dossier anzugeben oder von der Uni geschmissen zu werden.

Allein die Vorstellung, dem genialen Dozenten so etwas als meine Arbeit auszuhändigen. Mir wird schlecht. Ich würde ja im Boden versinken. Ach was, bis zum Erdkern würde ich sinken. Wenn der auch nur für eine Sekunde annehmen würde, ich hätte so etwas produziert. Falls man da von produzieren sprechen kann, das ist eigentlich nichts Produziertes, sondern vielmehr eine Anti-Produktion, das Produkt aller Undinge vereint in einer Sammlung einzigartiger Dokumente, die bestimmt Vieles sind, nur keine Übersetzungen.

Selbst wenn sie nichtmal bewertet werden – wie kann man denn so eine schlampige Arbeit machen, selbst wenn man tausend andere Sachen zu tun hat, selbst wenn man die Welt zwischendurch retten muss, selbst wenn die Klausuren einem fast schon auf den Kopf spucken. Und noch dazu, wenn sich jemand anders auf dich verlässt?!

Gut, ich habe mich nie wirklich auf sie verlassen; mir war schon klar, dass da auf mich auch nochmal Revisionsarbeit zukommt, ich bin nicht umsonst mit dem Mädchen in zwei Übersetzungskursen. Daher meinte Mama ja, als ich ihr gestern Nachmittag noch davon erzählte, auch etwas von wegen, ich hätte die buddhistische Grundeinstellung verinnerlicht und das wäre lobenswert.
Aber.. aber.. ABER! Meine wohlverdiente Schlafenszeit! Mein Vorhaben, „von gestern an“ bis zu den Klausuren ins Bett zu gehen, wenn Robert off geht! Meine mühsam eingepaukten acht Stufen des todlangweiligen englischen Great Vowel Shifts! Meine mindestens acht Stunden Schlaf! Meine freie Zeit morgen, wenn ich die letzten beiden (gesegneterweise nur je eine halbe Seite langen) Texte auch noch selber übersetze, sodass doch wieder hundert Prozent der Arbeit genau wo landet – richtig, genau auf diesem Haupt hier landet sie wieder, war das nicht mal so klar, warum eigentlich versuche ich immer noch, Leuten, die ich nichtmal kenne, mit allem zu helfen, wenn sie mir nichts bereiten als Arbeit und ich nichtmal in Ansätzen je etwas davon haben werde, nichtmal Anerkennung, ach was, als würde so ein Mensch überhaupt verstehen, was das an Arbeit mit sich bringt, einen Text so zu übersetzen, dass da NICHT am Ende steht, „Professorin an der Universität Complutense von Madrid“!
-Es muss die buddhistische Grundeinstellung sein.

Aber ehrlich, sehr viel Erleuchtung ist bei mir gerade nicht zu merken. Nein, weißt du was, Venting over, ich geh ins Bett. Es wird ja Zeit.

Aber einmal kurz noch – AAAAAAARRRRRRRRRGGGGGGGGGGGGHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH.

Zuck II.

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Es ist doch erst so früh. Kurz nach zwölf und ich hänge hier komplett verzweifelt, als wäre es drei Uhr früh. Ich höre aber auch die Muffins-Aufnahme, woran es auch liegen könnte, aber ich muss doch Recherche betreiben für meine PowerPoint „Why Curry is a Weirdo“. Das führt aber im Endeffekt vor allem dazu, dass ich Stimmen höre, die ich nicht hören sollte, und in Verzweiflungszustände verfalle und nicht weiß, wie ich das überleben soll.
Ich kann es aber doch. Ich hab’s doch bis jetzt geschafft; man sollte doch meinen, das Schlimmste wäre mittlerweile überstanden.

Jetzt gerade geht’s auch wieder einigermaßen. Die Aufnahme ist zu Ende und ich habe ne Weile an meinen Beinhaaren herumgezupft und -gegraben, das beruhigt.

Aber – Wäre er ein bisschen humaner mit mir umgegangen. Ich rede mir gerne ein, dass ich das alles dann besser verkraftet hätte. Hätte er mich nicht zuerst unbewusst dafür missbraucht, sich Sachen zu holen, an die in seiner eigenen miserablen Beziehung nicht dranzukommen war (und ich nehme fast an, an manche davon nichtmal im nunmehr geheilten Zustand), mir dann verkündet, die Freundschaft würde bestehen bleiben, um dann von der Bildfläche zu verschwinden, um dann ZMA einzuläuten, um mir dann zu sagen, wieso ich es nicht für eine Weile aufs Eis legen könnte, um dann nie wieder ein Wort von sich hören zu lassen. Ich halte es nicht aus. Mag sein, dass das nicht das Normalste ist. Gibt bestimmt genug Menschen, die damit irgendwie klarkommen. Soll ja auch öfters mal vorkommen und nicht gerade ein Einzelfall sein, mein Drama. Aber ich bin nicht normal und ich schaffe es nicht und ich vergesse nicht und ich bin völlig kaputt und ich zucke schon wieder überall, iiih. Das ganze rechte Bein zuckt. Verdammt. Gerade heute früh war mir aufgefallen, wie wenig ich gezuckt hatte in letzter Zeit. Am Ende verlassen sie dich ja doch. Ich habe keinen Lebenszweck. Herrlich, so viel zum Thema „so richtig mit Suizid und so“, wie ich vor einer ganzen Weile mal sagte, dass dieser Blog hier wohl nicht werden würde.

Es hämmert.

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Mein Kopf platzt. Und ich halt‘ es nicht aus und hätte ich doch nur niemals etwas von Green Day gehört. Hätte Nicoles Oma ihr damals was Anderes zu Weihnachten geschenkt. Oh hätte sie ihr doch nur was Anderes geschenkt. Dann wäre ich heute nicht hier. Dann wäre wahrscheinlich nichts von dem, was heute meine Wirklichkeit ist, je entstanden. Das ist alles zu viel. Wie kann denn ein ganzes Leben an einem einzigen belanglosen Zufall hängen.

Cuba Libre

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Gestern war bei uns zu Hause Riesenputzaktion – demnächst werden die Wohnungen von der Verwaltung inspiziert und es wurden ewig lange Checklisten an jede WG verteilt.
Ich habe es gut angetroffen; mir fiel lediglich Aufräumarbeit in der Küche zu. Darunter fiel auch die Aufgabe der Zwiebelangelegenheit – dieser mysteriöse Sack Zwiebeln, der seit Monaten in diesem Niemandslandesfach im Küchenschrank lag, hatte offensichtlich Iva gehört und gestern war der Zeitpunkt gekommen, uns seiner anzunehmen. Also setzte ich mich auf die Terasse und schnitt wagemutig den Sack auf, aus dem schon halbe Zwiebelpflanzen nach allen Richtungen sprossen, sortierte die Zwiebeln in drei Kategorien – rettungslos verloren – hat schon verschiedene Formen von Eigenleben entwickelt, anpflanzfähig, und noch verwendbar – und legte uns mit dem Rest von Kathis Blumenerde zwei Zwiebelkübel an.

Außerdem haben wir beim genaueren Untersuchen der unteren Küchenregalfächer ein paar wertvolle, nur leider späte Funde gemacht – Internetkabel, eine Verlängerungssteckdose, zwei schöne, unangetastete weinrote Kerzen, eine Plastiktischdecke, eine Packung H-Milch und Schlagsahne, Grillkohle, Zündis, einen ganzen Haufen Stofftüten und Geschirrtücher, und nicht zuletzt –

„Was ist das denn?“, fragte Emilie und begutachtete skeptisch die halb leere Flasche.
„Zeig, zeig, zeig, ist noch was drin?“ -Das war ich. Ich hatte mir bereits etliche der oben genannten Funde unter den Nagel gerissen – nicht dass Emilie sehr wild auf abgelaufene H-Milch oder weinrote Kerzen gewesen wäre, und Kathi war dabei, das Bad zu putzen; meine Konkurrenz war also nicht sehr ausgeprägt vorhanden.

Ich nahm also die Flasche entgegen, die Emilie aus der allerhintersten Ecke des Schrankes hervorgeholt hatte, machte sie auf und siehe da, „Das ist Rum! Whohooh!“ Emilie war nicht so begeistert, sie ich nicht die Alkoholkonsumfreudigste, glaube ich. Kathi kam aus dem Bad und bestätigte wesentlich enthusiastischer meine Diagnose, woraufhin wir synchron die Überlegung äußerten, dass wir uns Cola kaufen sollten. „Das gibt schön für jeden nen Cubaaa!“, war Kathis fröhliche abschließende Bemerkung.

Irgendwann abends fiel mir der Rum-Fund wieder ein und ich überlegte nostalgisch, wow, das letzte Mal Cuba Libre hatte ich vor ewigen Zeiten in Nicaragua im Hostel mit Anna und Enno. Mit geklauten Zitronen aus dem Garten. Dachte ich für ein paar Sekunden, bis mir dann auf einmal klarwurde, dass ich tatsächlich den kompletten siebenstündigen Produktiven Puffreis-Nachmittag mit Şahin vergessen hatte (falls Puffreis aus dem Becher und Jacky Cola ohne Zitrone als Cuba Libre durchgeht?) und noch andere Angelegenheiten und diverse Nächte der „letzten Woche“ und Stray Heart feat. Rum und die allerletzte Nacht überhaupt, und überhaupt, ich hatte stundenlang vergessen, wie hyperallergisch ich auf die Erwähnung von Rum in Verbindung mit Erfrischungsgetränken eigentlich reagieren müsste.
Es war grandios. Eine unübertroffene Leistung unbewusster Assoziationslöschungsarbeiten. Meine in den nicht-depressiven Alltag re-inkorporierten Lebensbestandteile werden wieder zahlreicher.

So, und heute und morgen ist dann großer grenzüberschreitender Flohmarkt hier bei uns. Ich werd allein hingehen, mal wieder – Lena hat Pfeiffersches Drüsenfieber und ist nicht in der Verfassung, sich einen vierzehnkilometrigen Flohmarkt reinzuziehen – ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt noch hier ist; sie wollte vieleicht zu ihren Eltern hochfahren und sich da gesundpflegen lassen. Und JO hat sich geweigert, herzukommen, weil sie Dienstag eine Präsentation halten muss und noch nicht wirklich angefangen hat, diese vorzubereiten. Ich habe ihr zwar gesagt, das könnte sie im Zug genausogut tun, aber sie ist ja so wunderbar diszipliniert und pflichtbewusst und hat sich einfach nicht überreden lassen. Ich war richtig sauer am Ende, als sie mir dann noch sagte, sie müsste außerdem Montag noch einen Kuchen backen für eine Veranstaltung des Abikommittees. 1) Nen Ofen habe ich hier auch, und 2) Es gibt auch noch etwas, das nennt sich „Sonntag nacht“ und ist im allgemeinen Verständnis als perfekte Gelegenheit verankert, wichtige Dinge zu erledigen, für die man am Wochenende aufgrund awesomer spontaner Unternehmungen mit einer seiner besten Freundinnen keine Zeit hatte.. naja, OK, vielleicht ist das weniger allgemein als vielmehr mein Verständnis, aber trotzdem. Ich brauche spontanere und unvernünftigere Freunde. Ich brauche jemanden wie Şahin wieder. Wenn auch sein Spontaneitätsgrad nur geringfügig über dem meiner restlichen Bekannten lag (und letzten Endes eh zumeist von anderen Menschen seiner näheren Umgebung im Keim erstickt wurde), so war wenigstens was das Unvernünftigsein betrifft auf ihn immer Verlass.