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Speicherkarten aufräumen…

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Ach herrje.

Sie war schon verdammt geduldig mit mir.

Wie krass.

Dieses Gespräch – und wir hatten Tausende von der Sorte. Unglaublich.

Aber Wahnsinn, auch, wie ich rede. Nichtmal ich selbst kann das genaue Ausmaß an innerem Zusammenklappen da herauslesen, so wenig kommt davon durch, durch das, was ich nach außen trage. Wie krass ich mich einfach verstellen kann. Das ist mir unheimlich.

Und wie ich mir meines Rechts auf diese Gespräche so sicher war – wenn ich mir das jetzt anhöre.. und ich rede und rede und rede.. Wir reden und alles dreht sich im Kreis.

Und wie sicher ich mich anhöre. So eine Gewissheit. Das kenne ich überhaupt nicht, eigentlich, so eine Gewissheit. Das bin doch gar nicht ich.
„Ja, richtig.“ „Natürlich.“ „Nein.“ Sie wirken so überzeugt, diese Antworten. Und wir sind ehrlich, grundehrlich, wie man es kaum erlebt zwischen Menschen, und auch deshalb geb‘ ich euch völlig random Bots und Menschen die Möglichkeit, das mit anzuhören, sowas bekommt man doch normalerweise nicht zu hören; das kann man, wie alles an dieser Art Online-Seelenausschüttung, als unfassbar schlimm ausgeprägten emotionalen Exhibitionismus auslegen, und es geht mir immer noch nicht um Selbstdarstellung; mir wäre es am liebsten, wenn mich überhaupt nichts und niemand sähe; aber da es nunmal der Fall ist, so oder so.. Ich hätte so gerne die absolute Transparenz aller Menschen. Mein ewiger utopischer Traum. Das ist mein Anfang. So bei 2.13.10, da bin ich gerade, reden wir darüber auch kurz. Über die Einzigartigkeit einer vollkommen transparenten Situation.

Und wir haben keine Ahnung. Unglaublich, wie viel man labern kann ohne einen einzigen Ahnungsschimmer.

Dieses Zurückschauen und Feststellen dieser vollkommenen Ahnungslosigkeit, meiner eigenen vor allem.

Auf alle Fälle schließt dieses Gespräch vermutlich alles an Informationslücken, das noch irgendwie ausstehen könnte.

Ich bin die ganze Zeit von der damaligen Version von mir verwirrt. Bildet sich tatsächlich ein, irgendetwas zu wissen.. Nimmt sich so unglaublich wichtig.. Bin ich immer noch so?

Oh je. Ich würde das Gespräch am liebsten komplett transkribieren.
Wie gut, dass der Akku vom AG irgendwann leer war; wer weiß, wie lange das Ganze noch gedauert hat!

Ich glaub‘ es gar nicht.

Rekatapultieren wir..

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Mir geht’s eigentlich gut, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, den Verstand zu verlieren.

JO ist wieder weg; ich habe sie vorhin zum Bus gebracht (im Bus – und bin dann einfach drin sitzengebliegen und wieder nach Hause gefahren, sehr praktisch).

Heute früh um acht war ich beim Arzt, um mir Blut abnehmen und EKG machen zu lassen. Ich hoffe, mein Schlafmangel und daraus resultierender Null-Kreislauf hat die Werte nicht verfälscht. Ich war ja wie tot. Es wurde auch spät gestern. (Naja, heute.) Joji war da und wir haben mit Sarah und JO veganes Schokomousse gemacht. Nachdem Sarah wegwar, haben die beiden Jos bis weit nach ein Uhr ihre beiderseitig extrem ausgeprägte Diskussionsfreudigkeit ausgelebt, während ich dabeisaß, ab und an mehr oder weniger qualifizierte Äußerungen beigesteuert und mit meinen übermüdeten Augen rapide Klimperbewegungen ausgeführt habe, um die Schmerzen zu lindern. (Ich konnte ja wegen der Blutabnahme keinen Energy trinken, sonst hätte ich das bereits am Morgen getan und mir einen ziemlich schlappen Tag erspart.)

Freitag und Samstag waren auch sehr schön; wir waren zuerst einen Tag in der Stadt bei herrlichstem Frühlingswetter, vorgestern mit Serj und Sarah was essen und nachher im Pub, und gestern haben wir eher gegammelt und nachmittags war noch Bandprobe. Chris war noch zu erkältet, um für das Mousse nachher zu bleiben, aber die Probe selbst hat er tapfer durchgehalten.

Jetzt habe ich Panik. Das ist der Grund, aus dem ich mir vorkomme, als wäre ich am Durchdrehen; es hat sich bei mir so entwickelt, dass ich es nicht gut vertrage, wenn jemand weggeht. Alleinesein, meistens kein Ding mehr. Alleingelassenwerden, absolut böse. So dumm eigentlich. JO kommt wahrscheinlich im Juni sogar nochmal her. Weil wir uns sonst dieses Jahr gar nicht mehr sehen würden. Aber darum geht es ja gar nicht.

Und ich habe einen Schwachsinn geträumt; ich war bei Şahin in der Hochschule, irgendwie habe ich am Rande mitbekommen, dass er ja die ersten Semester nicht so gut beisammen war und SGRom gefailt hat (also eigentlich das, was ich in den ersten Semestern getan habe, bloß dass ich es immerhin bestanden habe). Inzwischen hatte er sich aber gebessert. Ich bin durch das Gebäude gelaufen, als Beobachter, es war der erste Tag im neuen Semester und ich bin zwischen den verschiedenen Trakten hin- und hergetigert. Am Ende bin ich Şahin tatsächlich auch über den Weg gelaufen; er stand ein bisschen oberhalb von mir und ich war auf einer Art breiter Treppe und habe flache, glasig-grünliche Steine aufeinandergestapelt, die nach oben hin kleiner wurden. Dabei dachte ich, ich würde ihm dadurch demonstrieren, dass es mir kein Problem bereitet, nicht mit ihm zu reden. Gleichzeitig war mir allerdings klar, dass allein die Tatsache, dass ich dort war und Steine aufeinanderschichtete, mir selbst das Gegenteil bewies.

Jetzt werde ich mal für morgen packen gehen.
Hach, als wenn; ich sitze so gemütlich hier im Bett, ich werde wahrscheinlich nicht vor neun Uhr abends anfangen zu packen. Aber was muss ich auch schon groß packen. Hoch geht’s immer einfach, nur wenn ich wiederkomme, werde ich wieder genug zu schleppen haben. Meine Nähmaschine wollte ich hierher verlagern, und meine Anlage, unter Anderem.

Eigentlich geht es mir ziemlich gut. Darüber freue ich mich unglaublich.

Cuando por fin..

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Gerade höre ich eine verstümmelte Aufnahme von Down to Bogotá, die ich irgendwann mal gemacht hatte, als meine Gitarrenkenntnisse, gelinde gesagt, auch nicht besser waren als jetzt – wie auch, es war letzten Sommer irgendwann – und überlege, wie verrückt das alles war damals. Schreib einen einzigen Song und sei nach drei Monaten über den unerwarteten Verlust eines Menschen hinweg, den du eh kaum kanntest. Schreib zwanzig Songs und sei nach, äh – gesegneterweise zähle ich nicht mehr; vielleicht ist dieser glückliche Umstand auch meiner Aversion gegen große Zahlen zu verdanken – siebzehn Monaten über den unerwarteten Verlust eines Menschen hinweg, den du im Endeffekt auch nicht wirklich kanntest. Zumindest so weit, dass du nicht bei der erstbesten Gelegenheit, die sich dir bietet, wieder alle Vorsicht und Würde aus dem Fenster wirfst. Das ist doch schonmal ein guter Fortschritt, den ich da gemacht zu haben scheine.

Mich erinnert diese ganze Situation an einen Spruch bei Facebook, den ich vor einem guten Jahr gelesen habe – in der Nacht vor meinem Geburtstag, als ich hier am Computer hing und mir mit Nichtstun die Zeit um die Ohren geschlagen habe, ähnlich wie jetzt, nur aus anderen Motiven. „Y cuando por fin estás empezando a superarlo… te viene a hablar.“
Und ich dachte nur, na das werden wir ja sehen.

Und dann dachte ich eine ganze Zeit, der Spruch hat sich einfach nicht bewahrheitet.
Und dann war es plötzlich jetzt.
Hm.

Verdammt, ich sollte schlafen gehen, um nicht wieder den ganzen Tag zu verschlafen. Kurz vor vier bin ich aufgewacht gestern, schlimm sowas. Nicht dass mein restlicher Tag nicht noch sehr schön war; ich hatte eine unglaublich spezielle Zeit mit (Band-)Sarah in der Stadt, ein leckeres aus Lebkuchen bestehendes Abendessen und danach ein gutes Gespräch mit Caro, davor und danach noch ein paar Telefonate mit Robert und Janine und meinem Vater, und dann mit Keyla und Dylan. Endlich mal wieder. Key sagte mir, dass Yara (die vor ein paar Monaten aufgehört hat, mir zu antworten, wenn ich sie angeschrieben habe – ich habe mir, wie man gemerkt haben wird, nicht so den Kopf drum gemacht, aber irgendwo wurmt einen sowas ja immer ein bisschen) wohl meinte, sie hätte keine Ahnung, warum wir nicht mehr reden würden, und wüsste von nichts, und es kam mir alles sehr merkwürdig vor. Ich glaube ja nicht daran, dass die ganzen ignorierten Skype-Nachrichten ein Missverständnis gewesen sein können. Aber gut; das werde ich herausfinden, sobald Keyla das nächste Mal mit Yara redet.

Aber was das angeht, bin ich doch ziemlich stolz auf meine perfekte Whatever-Einstellung. Was kann mir das schon anhaben, da habe ich schon Ignoriert- und Verlassenwerden von ganz anderen Kalibern überlebt.

Und auf einmal sind sie alle weg

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Alle verlassen sie mich – auch wenn, gesegneterweise, nur für eine kurze Zeit. Meine Mama fliegt morgen nach Sri Lanka und natürlich macht das eigentlich keinen Unterschied – ob wir nun quer übers Land hinweg skypen oder quer über die Welt.
Lena fährt Samstag schon hoch zu ihren Eltern.
Und eben gerade habe ich mich von Susmita verabschiedet (und versucht, sie vor einer weiteren Attacke von Reisefieber zu bewahren), die mich jetzt auch erstmal für einen Monat alleine lässt – ich bin allein zu Hause.

Im Gegensatz zu noch vor einem Dreivierteljahr, wo jede Minute, die ich allein war, mir kostbar vorkam und mich mit Freude (oder einem freude-ähnlichen Gefühl) erfüllt hat, ist meine Einstellung zum Alleinesein jetzt eine andere. Könnte daran liegen, dass der Ort, an dem ich alleine bin, auch ein anderer geworden ist. Vorher habe ich mein Zuhause durch mich alleine definiert; jetzt wird es zu dem gemacht, was es ist, durch das Zusammensein, nicht nur durch mein Alleinesein.

Gestern Abend hatten wir nochmal eine der schönsten Zusammenkünfte bei uns zu Hause, Susmitas Freunde waren da und Lena und Jana, alle haben zusammen gekocht und gegessen, ich habe mal wieder mit Johannes eine Wette abgeschlossen (und diesmal gewonnen, ich muss ihn nur noch dazu bringen, es einzusehen), mich mit meinem neu kreierten Killer-Mix aus Cola, Rum und Energy Drink betrunken (aber nicht zu doll) und es war wundervoll. Wir hatten so viel Spaß zusammen. Und irgendwann waren sie alle weg und Susmita und ich haben weiter zusammen dagesessen und Musik gehört und ausprobiert, ob der ungarische Aprikosenschnaps, den ich am Mittag bei meinem Riesen-Getränke-Beutezug im Kaufland gefunden hatte, zufällig wie Palinka schmeckt. (Ja, tut er. Wundervoll. Wahrscheinlich ist es einfach Palinka mit einem anderen Namen, extra für die Deutschen. Und ohne ganze Früchte am Flaschenboden. Aber was soll’s.)

Außerdem weiß ich jetzt, wie man Rafaello macht. Ohne die überflüssigen Waffeln natürlich. Ich habe Susmita ein paar davon für Debanga mitgegeben, ein paar selber gegessen und den Rest muss ich heute erst noch fertig zubereiten. Lena wollte heute früh um eins irgendwann auch nicht mehr weitermachen.

Ein schnell vergangenes Wochenende.

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So. Morgen geht’s dann nochmal für einen Tag in die Uni – ich habe in dem „Schreiben in der Sprachwissenschaft“-Workshop einen Platz bekommen und werde mir gleich erstmal den extrem spannenden (nicht.) Text über den Ellwanger Sprachraum durchlesen, den wir zur Vorbereitung geschickt bekommen haben.

Gestern war Tag der bekloppten Aktionen bei Susmita und mir angesagt. Äußerte sich in der sinnvollsten Unternehmung seit Langem, ein ausziehbares tonnenschweres Sofa einen Kilometer durch die Weltgeschichte zu schieben, das Susmita über die tolle „Verschenk’s“-Facebook-Seite ausfindig gemacht und ich für sie bei der Besitzerin klargemacht hatte. Und mich gleich mal bereiterklärt habe, es mit ihr zu, öhöm, transportieren.
Wir haben zwei Stunden gebraucht und es wäre vielleicht intelligenter von mir gewesen, vorher etwas zu frühstücken.

Heute habe ich Muskelkater.
Wer hätt’s gedacht.

Und das Beste ist, wenn der Hausmeister es je zu Gesicht bekommt, hat es die längste Zeit Susmitas Zimmer als neuen Lebensraum gehabt. Da müssen wir ordentlich aufpassen..

Ich war heute Nachmittag bei Lena; es war schön, wir haben viel gegessen und dazwischen einen Film geguckt und sie hat mir nachträglich von sich und Jana ein Geburtstagsgeschenk gegeben, ein Pralinen-Rezeptbuch nämlich und dazugehörige Papierförmchen. Und sie hat mir angeboten, mir eine Mütze mit Norwegermuster zu stricken. Und wo sie gleich schonmal dabeiwar, auch, mir beizubringen, wie das funktioniert.
Sie war überhaupt ausgesprochen hyper heute. Es war noch im nicht besorgniserregenden Bereich, aber man merkt schon, dass ihr die Trennung von ihrem Freund (der vor ein paar Wochen die Beziehung aus heiterem Himmel beendet hat) doch zu schaffen macht. Auch wenn sie sich wacker schlägt. Ein Phänomen, dieser Mensch. Ganz gesund war dieser Zustand von ihr heute trotzdem nicht. Erinnerte mich an mich selbst vor nicht allzulanger Zeit. Wenn ich andere Menschen in diesem ungesund hysterischen Zustand sehe, wie auf Drogen, bereitet mir das immer ein ungutes Gefühl. Ich kann vor allem auch immer sofort unterscheiden, ob es gute oder nicht gute Hyperness ist. Aber wie gesagt, es hielt sich noch im OKen Bereich. Da war ich jedenfalls schlimmer. (Aber okay, schlimmer als wer war ich nicht?)

Und sie hat mir zwei Tüten Lakritz geschenkt! Wofür ich ihr ganz besonders dankbar bin, denn ich kann mir ja als Vegetarierin keine kaufen und esse nun zum ersten Mal seit Jahren wieder Lakritz, mit reinem Gewissen, weil sie geradeheraus verkündet hat, dass sie es nicht mag und nicht weiß, wohin damit. Genau meine einzige Möglichkeit also, legitim an welches zu kommen.

Jetzt werde ich aber wirklich diesen schrecklichen Text durchlesen müssen.

Ein Tag

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Und schon wieder so viel.

Ich habe Semesterferien! Unglaublich, aber wahr.

Phonologie gestern war zwar nicht berauschend, aber ich war trotzdem so erleichtert, als ich die Klausur gesehen habe – das bisschen Lernen, was ich noch geschafft hatte, hat sich definitiv ausgezahlt und ich konnte zumindest wieder jede Aufgabe bearbeiten!  Wenn ich Glück habe (mehr als Verstand, mal wieder), könnte ich sie bestanden haben. Bestanden. Oh was wäre das abartig.

Und ich war (sogar mit Phonologie, was ist mit mir verkehrt dieses Semester?) so früh fertig, dass ich danach noch in die Stadt konnte und endlich meine beiden Päckchen abschicken, die ich seit Ewigkeiten schon vorbereitet hatte. Eins nach Costa Rica, eins an Mama (mit Original-Apfeltee, den sie in der Türkei so mochte und nun bei sich zu Hause nirgends findet. Ist ja auch schon wieder ein knappes Jahr her, dass wir dawaren – so verfliegt die Zeit. Unheimlich).

Die Oral Skills-Stunde war auch was Besonderes gestern: Nicht nur meine letzte Veranstaltung des Semesters, sondern auch die allerletzte der Dozentin, die nun in Rente geht, was mich über alle Maßen betrübt. Sie ist eine sehr spezielle Person. Vor Beginn der Stunde habe ich mich noch mit einem Kommilitonen unterhalten; er sagte, dass wohl neunzig Prozent aller Englischstudenten sich ’nen Keks freuen, dass sie weg ist. Er und ich dagegen nicht. Nunja.

Auch ein paar der Kommilitonen werde ich wohl nicht mehr sehen; Diego geht zurück nach Spanien, weil ihm die Finanzierung gestrichen wurde, worüber ich auch nicht sehr erfreut bin; ich mochte ihn. Er ist ein toller Mensch, Katzenliebhaber (mein erstes Gespräch mit ihm bestand daraus, ihm zu eröffnen, dass es durchaus Wege gibt, sich von einer Katzenhaarallergie befreien zu lassen – er wird mir ewig dankbar sein für die Info), ein Übersetzer, ein Spracheninteressierter, ein Perfektionist wie ich (hat mit mir kein deutsches Wort in dem ganzen Semester geredet, obwohl ich weiß, dass er’s kann eigentlich – aber er sagt ja, solang er nicht weiß, dass es perfekt ist, redet er nicht). Ihm gelingt die Perfektion nicht wirklich, aber dass er es versucht, ehrt ihn doch. Er hat Angst vor Vorträgen und wenig Selbstbewusstsein, was mich noch mehr dazu veranlasst, ihn zu mögen. Ach Diego, nicht weggehen.. Alle gehen immer weg.

Dann jedenfalls kam ich nach Hause, wo ich erstmal Susmita Beistand leisten musste, die ihre Klausur gestern wegen eines Blackouts komplett in den Sand gesetzt hat. Sehr viel Zeit hatte ich dafür aber nicht, weil Sarah schon früher kam und ich schnell noch mein Zimmer in einen betretbaren Zustand bringen musste, damit wir proben konnten. Probe war auch schön, natürlich, und ich habe ein paar Sachen über Sarah erfahren, wofür ich dankbar bin; je besser man jemanden kennt, desto besser.

Später habe ich Sarahs restlichen Jenever vernichtet, um den Anfang der Ferien zu zelebrieren, während ich mit Laura telefoniert habe (welche mich wieder über meine Libido ausquetschen wollte, um herauszufinden, ob ich auf Sebi stehe). Und nachdem ihr Internet mal wieder den Geist aufgegeben hat, habe ich, den Ferien zu Ehre, etwas getan, was ich nicht mehr so oft tue in letzter Zeit: Ich habe gelesen. Wheeey. Und dazu müsste ich eigentlich einen Extra-Eintrag schreiben, was mir da entgegenkam, aber das tue ich nicht, natürlich. Nicht jetzt zumindest.

Ein paar interessante Sachen sind durchaus noch übrig, aber hey – ich glaub, es reicht fürs Erste, oder?

An Awake Sleeper

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Jetzt ist sie weg, seit neun Uhr morgens schon, und eben gerade habe ich auf die Uhr geschaut und gedacht, hm, eigentlich müsste sie schon zu Hause sein. Und mein Facebook nochmal aufgemacht, was ich ein paar Sekunden vorher geschlossen hatte. Und siehe da, sie hat uns eine Nachricht geschrieben, dass sie heile angekommen ist und uns und unser kleines Zuhause schon ein bisschen vermisst. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte, und habe gewartet, bis Susmita zurückschrieb, wir würden sie auch vermissen und sie solle bitte zurückkommen.

Sie ist auch nicht sehr erfreut über die Veränderung in unserer Dream Team WG-Konstellation, wie man sich denken kann. Wir mögen uns zwar gegenseitig sehr gerne, würde ich behaupten, aber ohne Sarah ist unsere Dynamik einfach im Eimer und wir haben alleine nicht wirklich Zugang zu uns gegenseitig. Schwierig zu erklären, aber.. wir waren einfach noch nicht soweit. In einem halben Jahr vielleicht hätten wir das schon besser verkraftet, schätze ich.

Ich war den größten Teil meines Tages über bei mir im Zimmer und habe geschlafen, gelernt, mit meiner Mutter geredet, aufgeräumt, Unisachen sortiert, getoastetes Brot und Sarahs restliches Dal gegessen und generell nicht sehr viel erlebt. Susmita schreibt ihre erste Klausur am gleichen Tag wie ich meine letzte, also übermorgen, und ist dementsprechend seit Wochen schon auch überwiegend in ihrem Zimmer und recht gestresst. Wenn sie mal rauskommt, läuft sie herum mit leerem Blick und schlurfenden Schritten, wie ein Zombie.
Das haben wir gestern Abend in der Küche noch festgestellt. Sarah sagte, „you look like a zombie“. Susmita daraufhin: „I’m not a zombie. I’m sleepy.“ Ich sagte: „You are a kind of zombie. Except not a living dead, but a..“ Und Sarah: „An awake sleeper!“ Und ich, „Exactly! An awake sleeper!“

So kam ich mir auch vor heute, von dem Moment an, als ich aufgewacht bin – ein paar Sekunden bevor Sarah den Staubsauger anschmiss, um ihr Bettzeug in ihrer Spacebag vakuumzuverpacken. Ich hatte nicht auf dem Schirm gehabt, dass ich, um um acht Uhr früh halbwegs bei Verstand zu sein, vielleicht ein wenig früher hätte ins Bett gehen sollen, und bin eine Stunde lang mechanisch durch die Wohnung gelaufen, habe noch zu Ende packen geholfen, Sachen organisieren geholfen, Sachen zusammengesammelt, Sachen sortiert, Frühstück machen geholfen. Irgendwann kam der Hausmeister zur Inspektion des freigewordenen Zimmers, und ein paar Minuten nach dessen Ankunft auch Sarahs Eltern. Ich habe Susmita aus ihrem Zimmer geklopft. Nun waren wir Zombies schon zu zweit. Am Ende waren der Hausmeister und Sarahs Eltern nochmal weg, und wir saßen zu dritt herum wie ein paar der Todesstrafe entgegensehende Häftlinge.

Ach mein Zuhause, ach mein Zuhause.

Zuhause

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Ich werde es alles so sehr vermissen.
Gawd, ich sollte aufhören, mich so zu bemitleiden. Als wäre es nicht für Sarah auch schrecklich irgendwo, als wäre es nicht nochmal etwas ganz Anderes für den, der geht. Es war ja auch ihr Zuhause.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto wichtiger wird es mir, irgendwann mal ein eigenes Zuhause zu haben. Aus dem ich nie wegmuss, aus dem nie jemand wegmuss, der davon ein Teil ist.

Ich hoffe, ich muss nie wieder allein wohnen. Und wenn, dann allein mit mir selbst. Nicht mit Anderen.

Verlassenwerden

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Ich will nicht, dass Sarah weggeht, ich will nicht!
Gerade waren ihre Eltern da, Vorboten der Apokalypse, oder anders gesagt, ihres Auszuges – morgen ist ihr letzter ganzer Tag. Ich beobachte seit Tagen bei ihr das gleiche Verhalten wie bei mir selbst in meinen letzten Tagen in Costa Rica, wenn einem erstmal vollständig bewusst wird, dass die Zeit praktisch abgelaufen ist. Das Packen, natürlich, die ganzen Vorbereitungen, Erledigungen. Da läufst du durch die ganze Wohnung und machst Videos davon. Da deckst du dich im Supermarkt mit allem ein, was du „drüben“ nicht kriegst. Da versuchst du schnell, alles zu machen, wofür eigentlich die ganze Zeit schon Zeit gewesen wäre, aber wie es nunmal so ist, denkst du dir ja doch immer wieder, du hast ja noch so ewig lange..

Und wie sie Susmita und mich einfach alleinelässt. Alles wird so anders werden hier in der WG. Ich hoffe so sehr, dass es trotzdem noch ein Zuhause bleibt. Ich will nicht wieder dahin zurück, wie es vorher war. Ich will doch mein Zuhause behalten. Ich bin so unglücklich. Wäre sie nun einfach eine Freundin, nicht eine Mitbewohnerin, hätte ich ja keinerlei Problem damit (als wohl fernbeziehungstauglichster Mensch in der Geschichte der Freundschaft), aber so – wenn die ganze Struktur meines Zuhauses davon abhängt, jetzt, wo ich gerade mal wirklich ein Zuhause hatte?

Tragisch.

May I live, please? :(

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Was für einen wunderbaren Post ich gerade bei EP gefunden habe.
Es stimmt wirklich; jeder sollte das lesen. Am liebsten würde ich es auf Flyer drucken und überall verteilen.
Ich bin so dankbar, dem Albtraum entkommen zu sein. Das kann ich gar nicht in Worte fassen. Ich hoffe so sehr, dass es nicht zu schlimm wird, wenn Sarah weggeht. Heute früh haben wir wieder ein Sleepover veranstaltet, diesmal bei Susmita im Zimmer – do I sense a pattern developing? Wir waren am Abend bei Freunden von Susmita eingeladen gewesen, die Pizza und Mojito-Bowle machen wollten und ihr gesagt hatten, sie sollte uns mal mitbringen, weil sie ständig von uns reden würde und keiner von ihnen uns je zu Gesicht bekommen hatte. Unsere Existenz wurde schon regelrecht angezweifelt. Also haben wir uns gestern mit insgesamt acht Leuten in der schnuckeligen 2-Zimmer-Wohnung getummelt, Werwolf gespielt und einen sehr schönen Abend gehabt; ich war bis drei Uhr mit einem Mensch namens Johannes am Diskutieren, mit dem mich Susmita verkuppeln wollte, hatte außer meinen Mojitos noch ein Wasserglas voll Sambuka konsumiert, das mir jemand hingestellt hatte, und es ging mir ausgezeichnet. Sarah war irgendwann im Schlafzimmer von den Gastgebern am Einpennen, die ganzen anderen Leute waren schon weg und ich habe Susmita geschnappt, um sie wieder wachzubekommen und nach Hause zu gehen.

Der Punkt war eigentlich, dass wir dann irgendwann um fünf alle bei Susmita im stockdunklen Zimmer lagen und wir wieder mal zu Sarah gesagt hatten, sie sollte doch ein Semester länger bleiben. Susmita vor allem bringt die Sachen immer so brutal auf den Punkt; sie kann, wenn sie einmal dabei ist, einfach auch Sachen sagen, die ich niemals laut aussprechen würde. So offen, weißt du. Und sie sagte dann, „really, you need to stay.. I mean, we just got started!“ Meine gute Sambukalaune war dramatisch am Umkippen und ich lag irgendwann nur noch heulend auf meiner Matratze und musste aufpassen, dass es keiner mitbekam. Dann haben wir geschlafen und vorhin bin ich aufgewacht mit einer abartigen Erkältung, keine Ahnung, wo die jetzt herkommt.

So viel also zu meinem Wochenende, das ich geplant hatte mit Lernen und Schreiben zu verbringen. Es wird einfach alles schon wieder viel zu knapp. Aber ich will doch so gerne leben, wenn ich schonmal die Chance dazu habe.