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Ventilatorwetter

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Postkarten sind verschickt. Nur fünf Stück diesmal, nach dem kroatisch-italienischen Rundschlag von vor einem Monat. Wir werden die Fähre nach Stockholm um neun Uhr nehmen, soweit ich das verstanden habe – mangels Internet (und Motivation, selbstredend) habe ich mich so gut wie gar nicht an der Reiseplanung beteiligt und bin schon ziemlich froh, dass Susmita so einen unmenschlichen Drang nach lückenloser Informiertheit mit sich bringt.

Ich bin bei ihr und Debanga daheim, während die beiden in der Arbeit sitzen und Sarah nochmal in die Stadt gegangen ist; mir hat der Ausflug heute Früh gereicht und ich freue mich tierisch über die paar Stunden Zeit für mich selbst. In aller Ruhe ein paar Facebooknachrichten lesen und schreiben, wann hatte ich das schon zuletzt.

Unser Internet sollte demnächst geliefert werden, ich bin da jetzt ganz zuversichtlich. Wie ich aus dem ersten Vertrag herauskomme, werden wir noch sehen; Unitymedia zeigt sich höchst kooperationsunwillig. Nachdem sie mir Ende Mai versichert hatten, ihr Dienst wäre bei mir im Gebäude verfügbar, ihnen dabei jedoch entfallen war, dass dies nicht auf meine Wohnung zutrifft, habe ich ein paar nette Monate auf dem Berg in der Hoffnung verbracht, mir die entsprechende Leitung noch legen lassen zu können. Bis der Herr Verwalter dann irgendwann doch mal soweit war, die für Ende Juni angekündigte Eigentümerversammlung einzuberufen, war es Ende Juli, und vier Wochen später war dann auch klar: Nee, geht nicht.

Nun stecke ich mitten im Zweitversuch bei der Telekom, habe R mein Handy daheim gelassen und bin gespannt, ob sie sich inzwischen darüber gemeldet haben, wie es geplant war. Und ob sich das Ganze noch bis zum Beginn meines Studiums Mitte Oktober regelt.

Ja. Turku ist ganz nett, wobei ich Helsinki interessanter fand – mal davon abgesehen, dass das Leben in beiden Städten gleich teuer ist. Helsinki hat extremen Flair. Ich habe meiner Mutter geschrieben, sie solle doch um Himmels Willen dort hingehen, sie würde es lieben. Sarah und ich haben gestern den halben Tag in der Burg von Turku verbracht, was ganz schön war, aber meine Kapazität für Museumsbesuche diesen Urlaub mehr als ausgeschöpft hat. Stockholm erlebt mich daher nicht zusammen mit Sarah im Vasa-Museum – vermutlich werde ich stattdessen die zweieinhalb Tage einfach komplett im Södermalm-Viertel verbringen. Dort soll es eine wunderbare alternative Szene geben und ganz, ganz viele Vintage- und Retro-Shops. Ich kann es kaum erwarten.

Zuerst aber die Fähre. Ich bin von der Aussicht, mit Sarah das schiffliche Nachtleben zu erkunden (sie scheint von der Idee eines Nachtclubs auf einer Fähre unheimlich fasziniert zu sein und will wahrscheinlich unbedingt alles sehen) zugegebenermassen nicht sonderlich angetan, aber zumindest kann ich davon ausgehen, nicht tatsächlich die ganze Nacht in einem Club verbringen zu müssen. Danke, Sarah, für unsere Kompatibilität in diesem Punkt. Das Ganze wird elf Stunden in Anspruch nehmen, wir müssen also ziemlich früh raus morgen. Ich hoffe bloss, dass Sarahs Wecker funktioniert, sonst landen wir drei Stunden später wer weiss wo.

Doch, es war ziemlich schön bisher. Ich kann mich erinnern, dass die R-Zweifel diesmal sogar erst recht spät angefangen haben. Üblicherweise bin ich keine zwei Tage von Zuhause weg und jeglicher Hauch von Sicherheit und Stabilität verliert sich im Nebel. Ich liege nachts herum und alles, was kommt, sind die bei weitem zu zahlreichen Erinnerungen an die ganze Palette seiner mentalen Drumrolls auf meinem Solarplexus.

Nicht so diesmal. Ich kann froh sein, T’s Kommentar erst gestern gelesen zu haben. Es kann doch nicht angehen eigentlich, dass alles an wunderbaren Fortschritten, die wir beide in unserer Persönlichkeitsarbeit gemacht haben, von einem Kommentar überschattet werden soll, der sich noch dazu auf einen Beitrag bezieht, der wiederum eine Situation schildert, welche aus einem dreimonatigen, von Lagerkoller und extremen Stresssituationen geprägten Ausnahmezustand heraus entstand.

So, das Wort zum Mittwoch wäre hiermit gesprochen.

 

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When unbelievabilities accumulate…

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Ach, das ist doch alles weird. Mein Leben war so ruhig in der letzten Zeit. Jetzt kommt zwischen dem Trudi-Drama (sie weigert sich beharrlich, mich anzurufen, und zahlt den Strom vermutlich am Sanktnimmerleinstag, sodass der Verwalter und ich sie jetzt augenscheinlich in Gemeinschaftsarbeit mit rechtlichen Maßnahmen aus der Wohnung befördern müssen) noch eine Turbulenz dazu, allerdings in die andere Richtung: Eine positive Nachricht.

Eine sehr positive, wenn man bedenkt, dass es das Letzte ist, mit dem ich gerechnet hätte. Da gehe ich vorhin nichtsahnend und grottig gestimmt in mein Unimailkonto, um Trudi die vom Verwalter geforderte Vorlage für ihre Kündigung zu schicken, als mir auf einmal eine Mail vom Plank ins Auge sticht – er hat mir die Bewertung und das Ergebnis meiner Bachelorarbeit geschickt. 1,3. Eins drei, ich habe meine Bachelorarbeit mit eins drei bestanden. Und wie ich gelobt wurde. Der Mann ist eine Koryphäe, der ich selbst dann noch Respekt entgegengebracht hätte, hätte er meine Thesis wie eigentlich erwartet in der Luft zerrissen. Stattdessen schreibt er mir „Weiter so“ – er, der Meister der Ein-Wort-E-Mails. Das bedeutet mir unendlich viel mehr, als hätte ich diese Anerkennung von einem anspruchslosen bzw. weniger rigoros bewertenden Dozenten erhalten.

Heute Abend gehe ich zu meinen Eltern; R hat zwar ob der Nachricht meines bestandenen BAs sogar angeboten, seine Contrast-Schicht zu canceln, um mit mir zu feiern, aber das holen wir dann morgen nach. Oh, du hast ja keine Ahnung, wie mir dieser Mensch gerade hilft. So hatte ich mir das vorgestellt, damals, als ich noch kaum Vertrauen hatte. Als das Nervenbündel, das ich gerade nunmal bin, habe ich ihm mitten in der Nacht gestern noch ein Drama geliefert, was dann in der Offenbarung meiner letzten verbleibenden großen Angst endete, er würde mich irgendwann der Politik opfern. (You know something’s wrong when the first verse of Frank Turner’s „Substitute“ is an exact projection of what you suspect to know will happen at one point or another.) Irgendwie habe ich das Gefühl, er wird immer lieber zu mir, je mehr ich ihm mich zu verstehen gebe. Oh, welch eine Lebensaufgabe. Aber auch da habe ich gestern wieder ein riesiges Stück geschafft. Ich glaube, es ist inzwischen nicht einmal mehr sehr viel übrig.

Und Kepa, wohl meine wertvollste Connection in (unter vielen anderen) dieser Hinsicht, begutachtet momentan meinen Mietvertrag. Und der Verwalter ist so ein guter Mensch. Ich liebe meine Menschen.

Hallo, hier bin ich! Hier oben!

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Du glaubst nie, was passiert ist. Es ist schon ein paar Stündchen her (genauer gesagt, über einen Tag), dass R zu eher fortgeschrittener Nachtstunde mein Zimmer betrat und mich mit den Worten „Du hast einen phänomenalen Schreibstil. Und du solltest weitermachen.“ und der anschließenden Bemerkung „Jetzt weiß ich, warum ich immer bei Boggle verliere“ aus dem Schlaf holte. Ich hatte beim Exportieren meines Zweitblogs „Save the Lettuce“ festgestellt, dass den letzten Eintrag ein echter Mensch außerordentlich positiv kommentiert hatte, was mich so freute, dass ich postwendend diesen Artikel zu Facebook stellte, wo ihm R über den Weg lief und so erstmals dazu kam, sich etwas Geschriebenes von mir anzusehen.

Wahrscheinlich ist die schiere Exhileration, die das bei mir auslöste, nicht hundertprozentig nachvollziehbar, solange man außer Acht lässt, 1) dass R das Lesen und Verfassen von Texten selbst nicht unbedingt fern liegt, er dem geschriebenen Wort keine geringere Bedeutung beimisst, als ich das selber tue, und ich weiß, wie viel er auf sich und seine eigenen Fähigkeiten diesbezüglich gibt, 2) dass es ihm eigen ist, jedes Gespräch, jeden noch so kleinen Wortwechsel ohne Rücksicht auf Verluste an sich zu reißen, sodass diese Möglichkeit, zu erfahren, dass ich im Bereich Eloquenz und Mitteilungsbedürfnis durchaus auch so meine Aufenthaltsberechtigung habe, für ihn eine äußerst wertvolle und dazu rare war, 3) wie glücklich ich bin, dass er sich dafür überhaupt interessiert hat, was ich da verzapft habe, und 4) wie wichtig mir seine Meinung ist, selbst in diesen Gefilden, wo ich mich zu Hause fühle wie ein Fisch im Wasser.

Ich schwebe bald aus dem offenen Fenster raus, so sehr freue ich mich, wenn ich daran denke. Jetzt habe ich natürlich gleich das Bedürfnis, ihm alles, was ich je geschrieben habe, unter die Nase zu halten, um noch mehr von dieser wundervollen Anerkennung zu bekommen, sie aufzusaugen und mich davon zu ernähren, wie ich es so an mir habe. Halt, nicht gut; das ist nicht gerade, was ich erreichen wollte, als ich mir neulich sagte, ich sollte Dinge mehr für mich selbst tun als für Andere. Aber ich bin irgendwie eh zur Hälfte Wolpertingerwelpe, die leben auch ausschließlich von Zuneigung. Mein anderer Elternteil ist dann wohl, den Umständen entsprechend, ein Heliumballon.

Natürlich habe ich so oder so manchmal mit dem Gedanken gespielt, ihm den Blog zu geben; es wäre dann das erste Mal, dass ich die Adresse selbst und freiwillig herausrücke. Trust Issues und ungerechtfertigte Zurückhaltung könnte ich mir dann jedenfalls definitiv keine mehr vorwerfen. Und zumindest müsste ich mich nie wieder darum sorgen, irgendein besonders grauenerregender Teil von mir würde irgendwann aus einer Ecke hervorkommen, wenn man es am wenigsten erwartet, ihn aus dem Hinterhalt überfallen und in die Flucht schlagen, nur weil ich versäumt hätte, ihn darüber in Kenntnis zu setzen, dass sich so etwas in meiner Welt herumtreibt. Wie ich mich kenne, wäre die Kreatur eh nicht besonders furchteinflößend, sondern eher unermesslich fremdschäm- oder facepalmerregend, irgendetwas Erbärmliches aus Şahin-Zeiten oder Post-Şahin-Zeiten, was weiß ich denn, was sich in den Tiefen meiner hier verschriftlichten Seele vergangener Jahre noch alles an schrecklichen Dingen verbirgt.

Oh, ich bin ratlos.

Es ist nicht so, als hätte ich sonst nichts, worüber ich mir Gedanken machen könnte, aber da ich die aktuellen Uni-Probleme lieber verdränge als alles Andere, bleibst du an dieser Stelle davon verschont. Ich werde mich trotzdem vorsichtshalber daran machen, an der Hausaufgabe fürs Kolloquium zu arbeiten.

Gesegnete Gelassenheit

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Da haben wir also wieder mal ein „wtf“-Blogeintrag, der mir so vorkommt, als hätte ich ihn noch nie gelesen, geschweige denn selbst verfasst. Aber ich freu mich drüber; so lernt man sich selbst und seine halb verdrängten, halb unbewussten Gefilde immer wieder stückchenweise kennen. Ich liebe Drogen. Gestern war wundervoll.

Und heute ebenso. Sarah und Lisa waren hier, um zusammen mit Trudi und mir einen Klamottentausch gigantischer Ausmaße zu veranstalten. Ich bin immerhin eine halbe Riesentüte voll Zeug an die drei losgeworden und außerdem jetzt stolze Besitzerin vierer neuer Jeans von Trudi. Unglaublich, wie mir ihre Hosen passen. Als wären sie für mich gemacht.
Und dabei hasse ich eigentlich Jeans. Zu eng und einschnürend und unflexibel. Nicht so aber Trudis Jeans. Sie sind einfach wunderbar bequem. Und da es jetzt, wo meine Haare auch noch bunt sind, eh Zeit wird, dass ich zur gewohnten Rock-über-Leggins-Manier zumindest ab und an eine weniger stoffige, flatternde, farbenfrohe Alternative finde, kamen die wie gerufen.

Jetzt fiel mir gerade auf, ich hätte schon wieder fast mein halbes Medi vergessen. Ich bin schon so sehr daran, mich mental davon abzuspalten, dass ich die Einnahme schon von morgens auf nachmittags verlegt habe und (offensichtlich) manchmal fast vergesse. Es läuft ja auch sehr gut bis jetzt. Wie lange noch, bis ich es absetze? Ha, noch genau einen Monat. Elfter Juni ist Stichtag.

Im Nachhinein erkenne ich viel besser, was ich für Befürchtungen habe im Bezug auf die Medilosigkeit. Bis jetzt hat sich keine davon bewahrheitet: Meine sozialen Fähigkeiten habe ich behalten (und baue weiter daran herum), darum scheine ich umsonst gebangt zu haben. Es sieht auch bis jetzt so aus, als würde sich die Panik in Grenzen halten. Ganz weg war sie ja nie, und das bisschen, was wieder aufkommt manchmal, ist zwar nicht toll, aber harmlos. Ich hab‘ ja den Vergleich. Die Lebensfreude und das innere Strahlen habe ich auch noch.

Eigentlich alles, was damals neu war, scheine ich behalten zu dürfen. Zuversicht. Das Glücklichsein. Das Schreckliche ist, dass ich wieder anfange, Anflüge von Aggression zu merken. Da habe ich erst festgestellt, wie entsetzlich die eigentlich ist. Nach so langer Pause. Jetzt habe ich Angst, dass ich schreckliche Dinge anstellen könnte, wenn ich wieder aggressiv werde. Vorher hatte immer mein Introvertiertsein die überwältigende Mehrheit aller Menschen davor bewahrt, mit meiner Aggression in Berührung zu kommen. Wenn ich jetzt aber so ganz anders mit Menschen umgehe inzwischen, kann ich mich trotzdem soweit kontrollieren, dass ich nicht in den entsprechenden Gegebenheiten diese ekelhafte blinde Zerstörungswut an ihnen auslasse? Falls sie zu dem Ausmaß wiederkommt, was ich nicht hoffe, was ich wirklich nicht hoffe, denn das war immer das abscheulichste Gefühl der Welt.

Ich muss mich wirklich mal in den Griff kriegen jetzt, solange es noch nicht völlig ausgebrochen ist. Vielleicht sollte ich ein paar der wichtigsten Menschen einfach auch vorwarnen. Ich meine, wenn es so wird, wie ich mich erinnere, brauche ich nur ein Mal durchdrehen und kann damit die engsten Freundschaften aufs Leben zerstören. Krass, was für eine Aussicht.

Und wie genau ist so etwas anzukündigen? Wie ich mich benehme in so einem Moment, was ich dann sage oder tue, ist unverzeihlich. Das ist das Absurde – ich beschwere mich am laufenden Bande darüber, nicht bedingungslos geliebt zu werden. Aber liebe du mich mal bedingungslos. In dem Moment, in dem bei mir das Vertrauen da ist, dass – was ich auch mache – man mich nicht als Konsequenz meines Verhaltens aus dem Fenster schmeißt, setzt die Gefahr ein, dass ich mein Durchdrehen nicht mehr kontrolliere. Deswegen haben meine Eltern alles abbekommen. Sie sind (welch zweifelhaftes Privileg) die Einzigen, denen ich dieses Vertrauen entgegenbringe. Falls – das meinte ich eben – ich nicht inzwischen zu viel davon habe und demnächst anfange, random Leuten die volle Dosis Aggression, eventuell stilvoll kombiniert mit ein paar materiellen Gegenständen, ins Gesicht zu knallen. Ich hoffe, es lässt sich vermeiden. Ich hoffe einfach, es kommt gar nicht so stark wieder.

Zumindest habe ich ja inzwischen eine Zeit ohne das Gefühl gelebt und weiß, worauf ich achten muss. Gesegnete Gelassenheit, oh bleibe mir doch erhalten.

Nice Guys Finish Last

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Taking what you need, bite the hand that feeds… In Anbetracht meines durch nunmehr bereits zwei von drei Ratten attackierten Fingers ein wirklich nicht unpassender Ohrwurm. Aber ich mag sie trotzdem. Ich könnte nur durchdrehen, dass sie mir noch nicht mehr vertrauen. Auch wenn ich ja weiß, dass ich nur geduldig sein muss; das wird schon. Irgendwann verstehen sie, dass ich kein Monster bin.

Wie erwähnt – dass man seine Vertrauenswürdigkeit zuerst unter Beweis stellen muss, ist mir klar. Das heißt nicht, dass es mir gefallen muss. In der Welt meiner idealistischen, unrealistischen, aber so erstrebenswerten Vorstellung sollte Vertrauen die Grundeinstellung sein. (Was erklären könnte, warum mir am laufenden Bande unabgeschlossene Fahrräder gestohlen werden. Wenn die Welt nicht reif für dein Ideal ist und du aber trotzdem darauf beharrst, es so gut es geht einfach trotzdem schonmal für dich zu leben, bleiben solche Rückschläge nicht aus.)

Qué productiva estoy.

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So! Ich habe heute ganz produktiv ganz viele Dinge erledigt. Spätestens als ich mich mitten im Zitronentartebacken unterbrochen und spontan beschlossen habe, trotz Unklarheit der gestrigen Aufgabenverteilung sopntan doch noch selbst bei der Tafel anzurufen, war der ruhige Teil meines Tages vorbei und ich habe Montse zusammengetrommelt und mich mit ihr am neuen Abstellplatz unserer Anhänger verabredet (da ich selbst ganz bestimmt nicht alleine in der Lage gewesen wäre, mit dieser kaputten Kupplung umzugehen). Von da aus sind wir nach etlichen Zahlenschlossentschlüssel- und Anhängerankupplungsschwierigkeiten eine halbe Stunde zu spät bei der Tafel eingetrudelt (wobei es „mit einem Schwall aus Entschuldigungen zur Tür reingestürzt“ besser treffen würde). Sie nahmen es gelassen, boten uns Wasser an und schenkten uns erstmal jedem einen Berliner zur Fasnet. So einen Service bekommt man auch nicht alle Tage. Aber immerhin ist ja Schmotziger Dunschtig und sie saßen alle gemütlich versammelt in fröhlicher Runde am Tisch und fanden uns, glaube ich, ziemlich bemitleidenswert, wie wir da völlig aufgelöst herumstanden.

Den Berg auf der Fahrradbrücke mit dem voll beladenen Anhänger hochzuasten war ich zwar unfassbarerweise in der Lage, freue mich aber nicht darauf, morgen die gleiche Erfahrung nochmal zu machen (und hoffe dementsprechend, dass sie morgen nicht so viel übrig haben).

Und schon ist es Morgen – naja, jetzt ja nicht mehr, jetzt ist es Heute und ich freue mich noch mehr, und mein Rücken gleich mit. Aber nein, was labere ich; es gibt keine erfüllerende Arbeit, als gerettetes Essen durch die Stadt zu kutschieren.

Gerade habe ich noch die Einleitung von Sebis Bachelor-Thesis fertig durch den Fleischwolf gedreht – nein, so schlimm war es eigentlich gar nicht – dadurch, dass die Hälfte aller Vokabeln aus für Normalsterbliche unverständlichen Fachwörtern besteht, konnte er da zumindest schonmal nicht so viel verkehrt machen. Und es waren ein-zwei Sätze drin, die wirklich schön waren. Wobei er seine Zitate irgendwie gar nicht wirklich gekennzeichnet hat und ich mir demzufolge nicht sicher sein kann, ob das nicht zitierte Sätze waren. „Sensitivity towards exteroceptive signals in the context of emotion processing: A study comparing patients with pseudoneurological symptoms and healthy comparison subjects“ ist sein Thema, und soweit ich es bisher durchblicke, ist es wirklich interessant. Würde ich nicht meine Konzentration darauf lenken, Kommas wegzumachen, wo keine hingehören, und Dergleichen mehr, wüsste ich darüber wahrscheinlich jetzt schon eine ganze Menge.

Davor hatte ich ein ziemlich langes, hochinteressantes Gespräch mit meiner neuen Mitbewohnerin Trudi. Mal wieder habe ich es offenbar geschafft, in recht kurzer Zeit das Vertrauen von einer Person geschenkt zu bekommen, die damit nicht in Hülle und Fülle um sich wirft. Auch wenn Sachen dabeiwaren, die einfach nur abstrus sind und abgefuckt, bin ich in erster Linie – egoistischerweise, wie das nunmal so ist – ganz leuchtend glücklich darüber, sie überhaupt erfahren zu haben.

Die anderen zwei sind wohl jetzt beide weg – Rachel ist „heim“gefahren nach ihrer letzten Klausur, und wo Divinah sich herumtreibt, weiß der Geier. Oder auch nicht. Sie ist ja auch nicht die Gesprächigste unter der Sonne. Das ist herrlich – allein zu Hause mit einer lieben Person, mit der in einer Küche festzustecken einem kein Unbehagen bereitet.

Und – oh Shit. Hätte ich nicht gerade nochmal in meine Agenda geguckt, hätte ich glatt vergessen, dass ich gleich um 11.00 arbeiten muss. Unglaublich, ich verdiene Geld! Selbst wenn’s nur die 20€ sind. Das zu vergessen hätte mir, davon unabhängig, ganz schön ordentlich aufs Gewissen geschlagen.

Dann gehe ich mal lieber schlafen – nicht dass ich nachher vor Komatosität nicht in der Lage bin, dem Jungen das Present Perfect einzubläuen.

Magengeschwürvermeidungsmaßnahmen

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Wuhu, morgen bekomme ich einen tragbaren Ofen geschenkt.

Es war absolut mein Fehler – ich dachte zuerst, es wäre eine Mikrowelle. Dann stellte sich raus, nein, es ist ein Ofen mit Umluftfunktion und kaputter Mikrowelle. Da hatte ich das Ding aber schon an der Backe. Und immerhin ist bei unserem integrierten Ofen ja die Umluftfunktion auch nicht funktionstüchtig, sodass ich da ja vielleicht doch gar keinen so schlechten Fang gemacht habe. Ich hole ihn morgen nach dem Syntax-Tutorium.

-Zu dem ich morgen hingehen werde. Zur Abwechslung mal wieder.

Roberts Internet funktioniert wieder, der hatte jetzt die Tage auch keins – es wurde richtig öde hier abends, ohne Laura und Robert, und Janine war auch nur einmal da und ansonsten hieß es Reden mit Caro, was ja an sich auch eine wunderbare Idee ist, aber meistens, der Natur der Gespräche zu verdanken, in emotionalen Disastern endet. Sprich, das wird dann meistens anstrengend.

Wobei ich auch gemerkt habe, dass es sich wirklich ein bisschen gebessert hat. Ich habe die letzten Male zwischendurch festgestellt, dass ich ihr etwas erzählt habe, einfach um es ihr zu erzählen. Ohne Zweitgedanken, ohne darunterliegende Bedeutung, ohne alles, einfach Informationen von einem Menschen zum anderen. Sobald es sich natürlich Şahin zuwendet, ist jedes locker-luftige Gespräch zum Tode verurteilt, aber ich bin doch immer wieder auch unglaublich erstaunt, was ich mit ihr zu dem Thema alles besprechen kann und was ich dabei immer noch über mich selbst lerne. Dadurch, dass ich mit ihr so offen bin wie teilweise nichtmal mit mir selbst – und das auch sein muss, um mir selbst zu helfen – bescheren mir diese Unterhaltungen fast schon therapeutischer Natur immer wieder enorme Einsichten.

Ich frage mich teilweise, warum ich so etwas überhaupt tue. Stücke meiner innersten Welt einem Menschen zeigen, dem ich nicht einmal voll und ganz vertraue. Wie auch – ich weiß ja ohne jeden Zweifel, dass, würde sie je Gefahr laufen, Şahin durch mich zu verlieren, sie heute wie damals exakt dasselbe wieder tun würde – mich mit fast übermenschlicher Kraft davonschleudern ohne Rücksicht auf Konsequenzen für mich – um die Gefahr zu bannen – um ihn sich zu bewahren.

Trotzdem weiß ich genau, woran ich bin. Jede einzelne Handlung mir gegenüber zeigt mir das. Ich weiß ganz genau um ihre Defizite, ich weiß genau, was sie kann und was nicht, ich weiß genau, dass, während sie eine Sache nach der anderen nicht richtig handlet, bis zu einem gewissen Punkt ihre Absichten im Bezug auf mich ganz und gar gute sind. Zu einem Grad, den ich nicht auch nur ansatzweise erwidern kann. Aber das wäre zu viel verlangt, von mir, der Verliererin. (Zumindest in dem Aspekt, den sie sieht. Und den Teile meiner Seele bis heute noch immer sehen, einige davon ausschließlich.)

Sie ist so schwach; sie ist so bestimmt von ihren eigenen Ängsten. Ich durchschaue sie wie Glas. So wie ich auch mich wie Glas durchschaue und trotzdem gezwungen bin, als hilflose Handlangerin meiner Gefühle und Bedürfnisse in Richtungen zu reisen, die ich von der Sicht des klaren Verstandes aus betrachtet nie wieder betreten sollte.

Wobei Robert vorhin meinte, Verdrängen wäre schlecht und ich würde davon nur Magengeschwüre bekommen und er würde nicht wollen, dass ich eins kriege. Also wenn mir irgendetwas Magengeschwüre gegeben hätte, dann die Jahre vor diesem.

Lustig, wie ich mir ausnahmsweise mal wieder ein paar Tage hintereinander erlaube, darüber zu schreiben. Bzw tatsächlich es einfach tue, ohne großes Zutun. So könnte es ewig weitergehen. Aber lieber höre ich auf und bereite mich auf einen schönen Tag vor. Ich habe ein Rezept für Spargelauflauf gefunden, das ich gerne morgen ausprobieren möchte – aber in unserem normalen Ofen; Auflauf mit Umluft ist glaube ich eher kontraproduktiv – und Probe haben wir morgen, und Lisa kommt – meine potenzielle Vertretung fürs nächste halbe Jahr.

Vorausgesetzt ich bestehe Syntax oder Semantik.
Aaaah. Nicht daran denken. Lieber Magengeschwüre kriegen.

Immer neues Vertrauen.

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Nein, okay. Schade. Ideal ist wirklich was anderes.
Hach schön, Robert und Janine haben mich direkt angerufen, das verbessert meine Laune.

Trotzdem. Ich höre so genau diese Stimme bei mir im Kopf, die mir sagt, was sie denkt. So eine Schande, was sie aus sich macht, hängt nur am Computer, immer noch so unglaublich uneinsichtig, lässt einen nicht mit ihren Ansichten in Ruhe, muss immer alles so durchsetzen, wie sie’s haben will. Nörgelt wegen jeder Kleinigkeit. Kein bisschen anpassungsfähig. Gibt sich gar keine Mühe, geht gar nicht auf mich ein, ich wollte ihr so viel erzählen, und sie macht immerzu die Nächte durch mit dem Computer, und tagsüber schläft sie, bis ich in der Uni bin. Und ich hatte mich so gefreut, dass sie kommt.. Und es hatte doch so gut angefangen.

Ich kann ihre Enttäuschung förmlich mit den Händen greifen. Und ich denke: Es hatte doch so gut angefangen. Und ich dachte schon wirklich, wir hätten diesen Punkt überschritten, bis zu dem ich einfach immer der zweitklassige Mensch war, den ernstzunehmen eine Unmöglichkeit darstellte. Ich merke schon, wo ich noch Probleme habe, mich zusammenzunehmen, das natürlich. Allgemein aber ist eigentlich nicht zu leugnen, was für immense Fortschritte meinerseits da in der letzten Zeit von Statten gegangen sind und wie erschütternd wenige dagegen auf ihrer.
Und da kommt auch nichts mehr. Sie denkt jetzt wirklich, das Unrecht, was ihr angetan wurde, würde sie zu dieser ganzen Selbstgerechtheit und dem Trotz gegenüber der ganzen unschuldigen Welt berechtigen, ohne dabei zu beachten, dass selbst wenn sich diese zuvor eventuell tatsächlich zu wenig um sie gedreht haben sollte, diese verpassten Drehungen nicht so einfach an einem beliebigen Zeitpunkt alle auf einmal nachgeholt werden können.
Je länger ich lebe, desto mehr begreife ich die erschreckend eingeengte Grenze ihres Horizontes.

Geholfen habe ich ihr damals, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen; automatisch, instinktiv, intuitiv – Lebensretterin bin ich genannt worden, Ein und Alles, einziger Mensch, dem sie noch vertraut. Kaputt bin ich gegangen, ohne es überhaupt wahrzunehmen. Ein leidender Mensch in meinem Umfeld ist niemals alleine, solange er mir erlaubt, daran teilzuhaben. Ein selbstgerechter, trotziger Mensch in meinem Umfeld, der meint, sich nicht einen Millimeter von seiner Meinung wegbewegen und diese dabei noch ohne einen Funken Taktgefühl als die einzig richtige verkünden zu müssen dagegen, nein, bei aller Liebe, nein. Das muss doch nicht sein. Freitag bin ich weg hier, dann komme ich wieder nach Hause und werde weiter mein Leben führen, so erfolgreich, wie ich es inzwischen halt so hinbekomme, und mit der Zuneigung, Akzeptanz und Unterstützung meines dortigen Umfeldes wieder neues Vertrauen aufbauen. Immer neues Vertrauen, ich bin eine unerschöpfliche Quelle, welch ein Segen.