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Kausalitätsketten

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This is the story of how a person got from point A to point Z.
Some call it fate, others, chance. But whatever you call it,
it sure is an interesting thing to ponder, don't you think?
The twisted paths our lives follow. How did you get here?
The place where you are right now at this very moment.
What series of events brought you to this place?
At this specific point in time? Where are you in life?
Are things turning out the way you'd planned?
And by the way, when was the last time you spoke with your parents?
Don't you think you ought to give them a call?
To thank them for the set of circumstances that brought them together,
at a certain place, at a certain moment in time, when you were created.

In der Tat sind dies interessante Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, da hat Roscoe Lee Browne im Auftakt von Smiley Face schon Recht. Mein Point A des heutigen Tages war wohl die (somewhat verstörende) Whatsapp-Nachricht meiner Mutter, sie habe meinen Blog gelesen. (Nachdem ich ihr darauf ‚Oh‘ antwortete und sie daraufhin ‚Genau‘ erwiderte, fand keine weitere Kommunikation diesbezüglich oder anderweitig statt, sodass die Konsequenzen dieser Eröffnung mir aktuell noch nicht in ihrem vollen Ausmaße bekannt sind.)

Ich machte mich auf, zu tun, was ich immer tue, wenn diese Situation eintritt: Blog scannen, um zu ermitteln, welche Unsäglichkeiten ich im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Seelenausschüttungskarriere produziert habe, die der nunmehr darüber in Kenntnis befindlichen Person nicht gefallen könnten. Nach diesem ersten Schritt gehe ich üblicherweise dazu über, zugunsten der Authentizität und meines Seelenheils die Tatsache, dass ich gefunden wurde, schnellstmöglich wieder vollständig zu verdrängen.

Beim Scannen lief mir dann aber folgender Satz über den Weg: „Basti hat so Recht, wie er immer sagt, Kommunikation ist das Allerwichtigste.“ Das war Point B.

Ich nahm dies zum Anlass, mir zu denken, screw this, und Basti eine Nachricht zu schreiben, in der ich auf diese Aussage Bezug nahm. Auf diese Weise kam kurz danach tatsächlich ein Gespräch zustande, in dessen Verlauf mir zwar nicht unbedingt wie Schuppen von den Augen fiel, dass ich in der Unterhaltung mit Niklas absolutem Blödsinn auf den Leim gegangen war, aber zumindest bin ich nicht mehr überzeugt, ein absolutes Monstrum als besten Freund gehabt zu haben. Es wird nicht mehr so wie früher, aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr, ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Da wir nicht ganz so lange telefoniert haben, wie es eigentlich hätte dauern können, weil er zurück an die Arbeit musste, versuchen wir das Gespräch heute Abend fortzusetzen. Point Z ist also fürs Erste aufgeschoben. Dahin gelange ich wohl über einen weitaus weniger manischen Donnerstag, als geplant war – die manischen Donnerstage habe ich zusammen mit dem Anti-Versackungs-Plan vor ein paar Monaten eingeführt, bin aber zunehmend inkonsequent damit und nutze jede Kleinigkeit, um mich davor zu drücken. Aktuell ist es die jahreszeitbedingte Dunkelheit, die mir als Vorwand zum Nichtstun dient. Staubsaugen bei diesen Lichtverhältnissen wäre ineffizient. Beim Aufräumen möchte ich auch sehen, was ich tue. Den Tisch mag ich auch nicht im Dunkeln putzen. Die Küche kann man zwar hell erleuchten, aber die Spülmaschine läuft bereits. Den Flur blockieren Taschen mit Pfandflaschen. Für ein Semesterticket bin ich zu geizig, aber die Semesterticketlosigkeit hält mich davon ab, das Haus zu verlassen und die Flaschen wegzubringen. Ich habe zwar von Susmitas und Sarahs Besuch neulich noch ein paar Einzeltickets übrig, möchte diese aber nicht ohne Not verschwenden. Wäsche sollte ich waschen, aber im Keller ist es so kalt. Warm anziehen könnte ich mich, aber da es so dunkel ist, bin ich nicht motiviert dazu. Winter nervt.

Das Gute: In drei Wochen wird es bereits wieder heller. Und in drei Monaten kann ich schon fast wieder richtig normal leben. Und ich habe zwar vorhin mit Basti darüber gesprochen, dass wir in Konstanz wirklich ein schönes Leben hatten, aber vielleicht strenge ich mich einfach mal ein bisschen an und schaffe das Gleiche hier auch.

Jetlag

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– wer hat mir das angetan?

No, seriously though, I’m feeling funny. Actually, beyond funny. I can’t remember the last time I’ve felt this funny.

Funny as in weird, of course.

Ich habe bis 4 geschlafen (pm, that is), mich dann mit größter Mühe zum Aufstehen gezwungen (obwohl der Körper protestierte und die generell vorherrschende Dunkelheit des Tages alles Andere als positiven Einfluss auf meine Willenskraft ausübte), Frühstück gemacht, zwei Folgen Scrubs angesehen und dabei den Energy vernichtet, den Becci mir vor ein paar Wochen mitgebracht hatte, anscheließend meine Großeltern angerufen, um mich zurückzumelden, dann mit Basti geredet, dann Rezepte für Rasgulla und Roti gegooglet und nun meinen Weg hierher gefunden, um zu erzählen, wie komisch ich mich fühle.

In einer Stunde muss ich wach genug sein, um zum Containern das Haus zu verlassen. Yannick hatte mir gestern bereits geschrieben, ob ich vor Weihnachten nochmal mit auf Beutezug komme. Natürlich komme ich. Auch wenn ich irgendwie noch nicht richtig da bin.

Ich habe schon mehrfach versucht, die Indien-Erfahrung in Worte zu fassen; es ist mir bislang nicht sonderlich gut gelungen. Vielleicht tut es das, wenn ich wacher bin. Vermutlich allerdings nicht. Wer sich schonmal in indischen Großstädten herumgetrieben hat und an das erste Mal zurückdenkt, wird mich an dieser Stelle verstehen.

Shit. Jetzt bin ich in meiner Recherche einer potenziellen neuen Kamera abgedriftet und darf mich in einer halben Stunde schon aus der Wohnung zwingen. Uff. Aber was tut man nicht alles für sein Essen. Und da meine Eltern mich übermorgen besuchen und ihr Raclette mitbringen, muss und möchte ich sowieso für ausreichend Zutaten sorgen.

Alles Weitere also später.

New Day Dawning

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Ich habe also gerade diese wirklich nicht einmal halbwegs meinen Ansprüchen genügende Hausarbeit abgeschickt, nach einer blockierenderweise durchgemachten Nacht, in der ich mehr auf den Handy- als auf den Computerbildschirm gestarrt und zwischendrin – so um die halb fünf rum – mal einen verzweifelten Versuch habe, mein zerstörtes Gehirn durch Schlafen zu resetten – natürlich vergeblich, nachdem mir R, der seinen Zug nach der Arbeit verpasst hatte, die dadurch verlorene Zeit nutzend noch Chips und Energy mitgebracht hatte…

Ich habe alles an Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins durchgemacht in den letzten zwanzig Stunden. Mehr Tiefen eigentlich, die Höhe wäre dann… jetzt. Aber natürlich funktioniert mein Hirn nicht und ich kann die ungeheure Erleichterung, die mich eben für ein paar Sekunden überschwemmt hat, schon nicht mehr greifen, mein Kopf sagt mir SCHLAFEN und mein Magen sagt mir ESSEN und ich sage mir DUSCHEN, denn seitdem mich dann doch noch der Ehrgeiz gepackt hat, dieses Monster fertigzuschreiben, habe ich mir das Duschen zu Selbstantriebszwecken verwehrt. Ich habe die letzten drei Nächte gestunken wie… einmal kurz unter den Achseln riechen, um Inspiration für den passenden Vergleich zu erlangen…

Ach, was auch immer. Ich muss nicht mehr nach Wörtern suchen in meinem schlafentzogenen Hirn, ich muss gar nichts mehr suchen. Ich will nicht einmal schlafen, denn jetzt ist es hell draußen und ich muss doch Katzenfutter holen und R sagte, der Laden hat samstags nur bis mittags auf – bloß war ich um halb fünf schon zu keinem Gedanken mehr fähig (ich sage bewusst nicht „zu keinem klaren Gedanken“) und erahne, dass, sollte ich in diesem Zustand auf die Idee kommen, das Haus zu verlassen, nichts, aber auch gar nichts Gescheites das Resultat sein kann.

Noch nie war mir etwas so scheißegal wie diese Hausarbeit, als ich sie abgeschickt habe. Nichtmal mehr in der Lage war ich, nochmal drüberzuschauen, ob die Formatierungen in Ordnung sind, nicht einmal das.

Hey, jetzt kann ich mit dem Leben nach der Hausarbeit anfangen. Das Päckchen von Becci öffnen, wo meine Perlen aus Barcelona drin sind. Containern gehen. Katzenfutter holen. Duschen. Schlafen.

R ist in der Arbeit. Ich glaube, er kam vorhin zu mir ins Wohnzimmer, bevor er ging – gegen sieben – und wünschte mir viel Erfolg. Ich hatte keinen Schimmer, was man auf diese Aussage normalerweise so antwortet, also entgegnete ich: „Äh… ja“ und zählte weiter meine adversativen Konjugationen und beschloss in einer Monstersupergau-Aktion, die Trennung zwischen Konjunktion und adverbialer Konjunktion doch noch über den Haufen zu schmeißen. Allein davon werden noch ‚zig Überreste irgendwo in den ersten Seiten rumschwirren, die ich mir nicht einmal die Mühe  gemacht habe ausfindig zu machen, geschweige denn durch etwas zu ersetzen, das sich mit dem Rest der Analyse deckt. Und ich kann nur hoffen, dass ich nicht (wie eben schon wieder zweimal) statt Konjunktion andauernd Konjugation geschrieben habe. Oh, wie habe ich das Wort Konjunktion verunstaltet in dieser Arbeit. Vorgestern Nacht habe ich beschlossen, es erstmal sein zu lassen, als auf einmal irgendwas so Abstruses da stand wie „Konkuintion“ und ich mir gar nicht mehr ausmalen wollte, was ich davor schon alles verhunzt hatte.

Prokrastination treibt einen dann irgendwann eben an seine Grenzen. So ist das nämlich.

Grenzenlose Unmöglichkeiten

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Was habe ich eigentlich immer gemacht im Internet?

Meine Situation ist die folgende: Ein dumpfes Dröhnen belagert meinen Kopf, die arme Katze tut dasselbe mit meinem rechten Arm (ich habe ihr vorhin ein Tröpchen Schmerzmittel ins Maul geträufelt, woraufhin sie sich wenig später in eine weitaus bequemere Lage hinein entspannte und ich mir erstmal eine Stunde lang das Handgelenk verrenkte, um mit der Computermaus weiter navigieren zu können), mir ist ein wenig zu warm, mein Hintern tut vom Sitzen weh wie schon die vergangenen Tage immer (AoE II lässt grüßen; dank R bin ich jetzt ein hilfloser Suchti), und die Fülle von Möglichkeiten hinter der zuvor so lange verschlossenen Tür meines Browsers überfordert mich. Maßlos.

So etwas Uninspiriertes hat die Welt noch nicht gesehen. Ich muss erstmal die ganzen Schranken in meinem Kopf wieder abbauen und die Überwindung aufbringen, die ganzen Menschen zu kontaktieren. Ein paar habe ich schon geschafft heute (sonst würde mich auch meine Mikrowellenkatzenkollegin morgen nicht besuchen kommen), aber so viele stehen noch aus. Und natürlich packe ich das nicht alles auf einmal. Wo kämen wir denn da hin. Zeit nutzen war dieses Jahr nicht unbedingt meine größte Stärke, obwohl ein entsprechender Ausriss aus irgendeiner Zeitschrift im Flur an meiner Tafel hängt („jetzt Zeit nutzen…“). Der hängt seit Jahren an dieser Tafel, mit Ausnahme der Taborweg-Zeit, die das gute Stück im Keller verbringen musste, aber viel genützt hat er mir nicht. Oder eher: Viel genutzt habe ich ihn nicht. Meine Güte, was bin ich abgesackt in Untätigkeit dieses Jahr.

Ich setze, wie mir gerade aufgeht, eine stille Hoffnung in diese meine endlich mögliche Wiederaufnahme des regelmäßigen Schreibens. (Sicher, schreiben hätte ich auch offline können, aber um Himmels Willen, woher die Motivation nehmen, wenn am Ende kein Abschicken-Button gedrückt werden kann. Ich tue das hier ja nicht umsonst vor (hypothetischem) Publikum. Und es erstaunt mich immer wieder, was für Selbstheilungskräfte im Veröffentlichen meiner wirren Gedanken stecken. Wobei es absolut Sinn macht, wenn ich bedenke, dass es mir selten genug in den Sinn kommt, etwas für mich zu erreichen, wenn es sonst niemand mitbekommt. Das Gefühl, mich selbst nicht enttäuschen zu können, habe ich erst, wenn jemand Anderes involviert ist. Konfrontation mit den Dingen, die getan werden müssen, ist also um Einiges möglicher, nachdem der Welt verkündet wurde, dass sie getan werden müssen. Und somit letzten Endes auch endlich mir selbst.

„Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.“ Pt. 2

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Okay, also, turns out, einer der mir am nächsten auf der Welt stehenden Menschen schreibt mir gerade recht random bei Facebook, sie wolle unsere Freundschaft gerade nicht in ihrem Leben. Danke.

Well. Ich hoffe, dir ist klar, dass du dich melden solltest, wenn sich das mal wieder ändern sollte. As you know, I’m good at handing out second chances.

Dafuq

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…has happened?

Seriously, das überfordert mich. My boyfriend came back home a changed man. Er kam rein und er war… da. Er war einfach bei mir. Physisch anwesend, psychisch anwesend; der ganze wunderbare Mensch, der er nunmal ist, wurde mir als geballte Ladung zuteil. Und dann sagte er eben, wir könnten uns ja noch über „intime Details austauschen“. Oh Mein Gowai, ist das rührend. Auch wenn es ungefähr genau so einfach ist, sich aus dem Stand mitteilenswerte Details ins Bewusstsein zu rufen, wie einen nicht weiter spezifizierten (Erzähl-mal-einen-)Schwank der Sorte Laura-und-Aspi-Gespräch zu produzieren.

I am officially impressed. Not to mention happy. Vor meinen zwei Wochen Urlaub hätte mir nichts Besseres passieren können.

Irre Wirren, wirre Irren.

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Fuck. Fuckfuckfuck, was für ein widerwärtiges Gefühl.

Also erstmal, ich hab Hunger. So weit, so gut; das lässt sich mit ein bisschen Aufwand beheben. Stunde hab‘ ich noch, dann fahre ich los zur Wegwarte und anschließend, nach getaner Rettungsarbeit, zum Contrast, wo heute der erste Referent von R’s langorganisierter Vortragsreihe den Anfang macht. Es ist auch (nach seiner Definition) heute unser „Einjähriges“, sodass ich nicht nur hingehe, weil mich das Thema interessiert, sondern auch ein bisschen, weil ich mir denke, dass er sich dann vielleicht freut. Dann gibt’s noch Glühwein, welchen ich aus dem Keller holen und dorthin mitschleppen muss. Erstaunlich genug, dass dieser Glühwein es in diesem Haushalt tatsächlich geschafft hat, bis zur Erfüllung seines angedachten Daseinszweckes zu überleben.

Ich fühle mich aber auch gerade ziemlich entsetzlich, allein aus dem Grund, dass mir Kepa eben TMI über sein Datingleben hat zukommen lassen und mir das nicht so gut bekommen ist, wie es hätte sein können. Sollen. Müssen. Whatever. Ich bin bestürzt. Seit unserem Disaster damals ist über ein Jahr vergangen und auch wenn mir durchaus bewusst ist, ihm sowohl bereits weit davor als auch kurz danach gefühlstechnisch noch ein bisschen.. ziemlich doll zugeneigt gewesen zu sein, hätte ich mir so viel Zivilisiertheit doch eigentlich unterstellt, diesen Bericht um Einiges besser zu verkraften. Vor allem weil es mir direkt post-Disaster so unheimlich gut gelungen ist.

Ich hab‘ neulich noch drüber nachgedacht, wie er sagte, „ich dachte, ich änder‘ mich von allein.“ Vermutlich ist das jetzt auch gekränkter Stolz, weil er offenbar wieder mal zumindest in Erwägung zieht, ne Beziehung mit jemandem einzugehen, mich aber unter Vorschieben seiner Beziehungsunfähigkeit abgesägt hat. Was soll denn das, du durchblickst mich doch sonst so ausgezeichnet. Ich war halt doch einfach nicht gut genug. Solche Geschichten. Das wird’s sein.

Nicht dass ich mich nicht eh rückblickend zur Schnecke machen würde, weil mich damals der Schock gelähmt hat und ich über die ganze Disasterzeit hinweg kaum auch nur dazu kam, die veränderte Realität als solche zu begreifen. Weil ich in meiner Schockstarre gefangen war und einfach nicht in der Lage zu akzeptieren, dass etwas, das ich mir kaum auf bewusster Ebene zu erträumen gewagt hatte, tatsächlich im Begriff war zu geschehen. Und damit umzugehen. Es war dieses ungläubige Kopfschüttelstadium, das bei mir eben (vor allem in Anbetracht meiner Şahin- und Ukumensch-Erfahrungen zuvor vielleicht gar nicht so völlig unverständlicherweise) einfach extrem ausgeprägt war und sich in besagtem Schockzustand äußerte.

Wie auch immer. „Hat nich solln sein“, sagt man dazu wohl, und ehrlich gesagt ist die Wirkung des Gespräches von vorhin auch schon wieder abgeklungen und hat nur ein leichtes unzufriedenes Brummen in meinem Bauch hinterlassen. Das geht auch noch weg, wenn ich aufstehe.

Vor allem, wie unkontrolliert von mir. Ich begab mich einen Monat nach diesem nichtssagenden Disaster in eine bis jetzt andauernde, größtenteils erfüllende Beziehung, was mir äußerst guttat und Kepa nicht egaler hätte sein können. Ja meine Güte, er stichelt ab und an mal was über R, aber ehrlich, wer auf dieser Welt würde nicht ab und an mal über R sticheln. Wohingegen er alle Nase lang mal rumvögelt, wie das so seine Art ist, und sich grad mal wieder im Dating übt (soll ja nicht schaden, sich rostfrei zu halten), woraufhin ich nichts Besseres zu tun habe, als gleich mal 550 Wörter dazu rauszuhauen. Danke auch, gestörte Gefühlswelt.

R müsste doch eigentlich euphorisch sein, wenn er davon Wind bekommt, und sich sofort irgendwelche Anzeichen hineindichten, mich doch noch zum Poly-Menschen umfunktionieren zu können. Sorry, nee. Das hier ist eine Sache des Prinzips; mit Amorie jeglicher Sorte hat das nichts zu tun. Zum Glück. Wobei ich wahrscheinlich noch diejenige bin, bei meinen Talenten, die es am ehesten hinbekommt, als Mono-Mensch in einer hervorragenden Beziehung unglücklich verliebt in jemanden zu sein, der davon keinen Teil bildet.

Break these barriers down, make these walls collapse.

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So. Durch eine Reihe von Zufällen begab es sich also, dass ich den diesjährigen Silvesterabend ungeplant unverplant nach Ukumenschmanier verbringe: allein, zu Hause, und glücklich damit.

Okay, der Ukumensch und ich haben vermutlich selbst vom allein zu Hause verbrachten Silvesterabend noch unterschiedliche Vorstellungen. Soweit ich mich erinnere, holt er sich zu dieser Angelegenheit für gewöhnlich ein unverschämt teures Stück Fleisch und leckeren Wein, macht es sich gemütlich und lässt es sich gut gehen. Zumindest war es damals so, als wir uns kannten. Meine Aktivitäten momentan sehen so aus, dass ich gerade vom Spinat-Champignon-Ziegenkäse-Sahne-Sauce-Einkochen eine kleine Pause mache, während die Sahne auftaut. (Sie liegt zu diesem Zwecke bereits im Glas zusammen mit den ansonsten fertigen Zutaten im Topf bzw fließt langsam, aber sicher heraus und vermischt sich brav mit dem Rest.)

Ich habe Musik, die ich ewig nicht mehr gehört habe, auf einer Lautstärke laufen, deren Existenz (und Wirkung) ich in meinem angepassten Reihenhaussiedlungsdasein schon ganz in die letzte Ecke meiner wehmütigen Erinnerungen an andere Zeiten zurückgeschoben hatte.

Der weitere Plan sieht vor, dass ich die Sauce fertigmache, sie dann abfülle und Tomaten-Pilz-Sauce koche, um die beiden Saucen anschließend zusammen einzukochen. Dann werde ich die Küche gründlich aufräumen – überfällig, nachdem ich mich die letzten paar Wochen aus dem Küchen-Aufräum-Business dank anderer Verpflichtungen so ziemlich vollständig zurückgezogen hatte und jetzt, wo ich meinen Kopf langsam zurück ins Leben strecke, mit einigem Entsetzen den Zustand sowohl der Küche als auch meines eigenen Zimmers registriert habe.

Mein Weihnachtsbaum ist bereits abgeschmückt und mit Bastis Hilfe nach draußen verfrachtet worden. Das heißt, ich kann nachher hierdrin auch noch staubsaugen und dann die zwecks Weihnachten verlagerten Wäschetüten und Kisten mit Computerkrams wieder an ihre angestammten Plätze bringen. Danach werde ich duschen, mich hübsch anziehen und, solchermaßen den Beginn des nächsten Jahres würdigend, mich den gestern erwähnten Feinheiten meiner BA-Arbeit widmen, welche heute bisher sträflichst vernachlässigt wurde.

Ich sitze hier und höre Attack! Attack!. Ich fasse es gar nicht. Und ich habe alle drei Hinder-Alben durchgehört, die ich besitze; das letzte sogar zwei Mal, weil ich es so schlecht finde, dass ich es selbst früher kaum gehört habe, und mir dachte, ich sollte mich besser mal wieder einem ungeliebten Stimulus aussetzen, um ihm am Ende mehr Respekt entgegenbringen zu können.

Oh, wie mich dieses Album in ein völlig anderes Leben verschleppt. Ich liebe diesen Abend. Irgendwie schwanke ich kolossal zwischen übermäßig ziellos, übertrieben tatkräftig und panisch, dass mir die Zeit wegrennt, und dann ist da noch dieser überaus nervige Teil von mir, der so furchtbar nostalgisch ist und den es um jeden Preis im Schach zu halten gilt. Dafür ist diese Musik eigentlich eher suboptimal geeignet. Aber immerhin ist sie laut; sie ist laut und die Lautstärke verdrängt alles an zusätzlicher Nostalgie, die die Musik hervorruft.

Unglaublich, wie ich Basti heute eine ganze Vortragsreihe über die Redundant Nimrods gehalten habe. Mit veranschaulichenden Materialien und allem. Ich habe ihm gesagt, man sollte diese Schublade bei mir nur mit ganz viel Zeit und Geduld aufmachen. Und wir kamen wir drauf? Green Day, natürlich. Green Day steht immer am Anfang. Bei mir zumindest.

Krempele eine Flüssigkeit aus ihrem runden Gefäß.

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„Aspi…?“
-„Hm?“
„Und wann krempel‘ ich dich um?“

Dieser Dialog fand gestern statt, nachdem ich R aus einer Laune heraus den Vorschlag unterbreitet hatte, doch mal einen Monat lang mein geliebtes Escitalopram zu konsumieren. Weniger, weil ich ihn für depressiv halte, und umso mehr, weil er meines Erachtens ein bisschen innere Ruhe wirklich gut gebrauchen könnte. Vielleicht wäre es für ihn eine genau so gewaltige Erfahrung wie für mich, als ich damals damit anfing. Dachte ich mir so, als er sich wieder mal zu Tode über die ihn umschwirrenden Fliegen ereiferte.

Umso mehr habe ich daran zu knacken, was – siehe da oben – er auf meinen Einfall erwiderte. Genauer gesagt denke ich seit ein paar Stunden darüber nach, nachdem ich den Tag über damit beschäftigt war, meiner Mutter auf dem Flohmarkt beim Verkauf ihrer Babykleidung zu helfen und alle drei Minuten die Tische aus dem Regen unters Zelt und dann wieder hinauszustellen. So richtig fing ich an, darüber nachzudenken, als ich wieder zu Hause war und im Garten hinten am Kompost die zweite riesige Samenkapseln-der-wunderschönen-Pflanzen-von-Samen-befreien-Aktion einlegte. Das ist meditativ und gibt einem viel Raum zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob es gerechtfertigt war, R auf die Frage ein schockiertes „Noch mehr?!“ entgegenzuwerfen, welches in erster Linie dazu gedacht war, ihm nur ja nicht den Eindruck zu vermitteln, er hätte sich für diese abstruse Konstellation, die wir abgeben, mehr verbogen als ich mich.

Was mir auch unbegreiflich wäre, da ich mir niemals auch nur die Fähigkeit einräumen würde, jemanden zu beeinflussen. Geschweige denn einen Charaktermenschen, wie es R ist. Außer, es ist in seinem Interesse. Und nennt man das noch Umkrempeln? Ist es ein gutes Umkrempeln, was ich da angeblich vollzogen habe, oder ein Umkrempeln wider Willen? Wie um alles in der Welt soll ich das angestellt haben?

Bei genauerem Überlegen – und ich muss mich immer weiter zwingen, mich gedanklich auf eine Art zu entspannen, die es mir erlaubt, die Tatsachen nicht zu verzerren (ich neige so sehr dazu, fürchte ich, dass es mir schwerfällt, diese Angewohnheit abzulegen) – kam ich zu dem Schluss, dass er Recht hat. Irgendwie. Und dann aber auch nicht.

Stellen wir das Ganze gegenüber. Angefangen mit dem, was er wohl anführen würde, würde ich eine Aufzählung der Aspekte verlangen, in denen ich ihn umgekrempelt habe.

Erstmal. Temporär oder nicht, er ist jetzt gerade ein Mono-Mensch und das liegt an mir. Er ist außerdem ein sehr, sehr überzeugter Veganer (und ja, das gehört selbstverständlich zu den Dingen, die ich an ihm bewundere) und hätte vermutlich in seinem Leben keinen Fisch mehr gegessen, hätte ich ihn nicht mehr oder minder ohne mein Zutun pragmatik-induziert zum Containertarier gemacht. Ich glaube, das sind die beiden Hauptpunkte, auf die er sich bezieht. Ferner zieht er es in Betracht, sich in mein Selbstversorgerprojekt einzugliedern. Jetzt musst du dir darüber im Klaren sein, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der die Sonne meidet, wo er nur kann, zum Leben mindestens einen Contrast-ähnlichen Ort inklusive dem dort anzutreffenden sozialen Umfeld, eine Internetverbindung und ganz bestimmt keine körperliche Betätigung benötigt und Falks Lied „Smogsehnsucht“ praktisch eins zu eins verkörpert. Das ist schon unheimlich, eigentlich.

Und der letzte Punkt, den ich aufzählen sollte, ist seine Aussage, er wäre durch mich offener geworden und würde ganz anders auf Menschen zugehen. Was mich zugegebenermaßen verwirrt, weil ich sein Zugehen auf Menschen als nicht sonderlich verändert empfinde. Aber okay, das muss er selbst wissen. Ich sehe da jedenfalls noch mehr Potenzial, falls er irgendwann seine gleichwohl unachtsamkeits- als auch selbstschutzbedingte grenzenlose Egozentriertheit ablegt.

Hm. Nun die große Frage, inwiefern ich mich habe umkrempeln lassen.

Ich tendiere zu „eigentlich gar nicht“. Zumindest habe ich keine derartigen eingerissenen Bastionen vorzuweisen. I pretty much prevailed throughout the entire battle (if there ever was one). Mono: Check. Essen: Check. Selbstversorger: Check. Wieso genau komme ich mir dann eigentlich so vor, als könnte ich noch längst nicht ich selbst sein, so, wie ich es eigentlich gerne wäre?

Ich weiß. Ich mache mich unkompliziert. Das ist das große Problem. Und mir fällt wieder mal die Aufgabe des Rundseins zu, die ich ja offenbar meisterhaft beherrsche. Übersehen wird dabei, dass ich nicht rund bin und es nicht im Geringsten auf Dauer zu sein plane. Übersehen wird, dass ich mich ohne es je zu erwähnen zurückstelle an allen möglichen Ecken und Enden, die für mich vielleicht keine Bastion darstellen, aber zusammengelegt einen wesentlichen Teil meiner selbst ausmachen, und mich auf diese Art durchaus erheblich verändere. Wenn auch nicht permanent und durch und durch, so doch auf ihn bezogen lückenlos. Ich bin dann halt mit Anderen ich selbst. Mit allen Anderen im Grunde. Es macht auch Sinn: Ich bin immer zu dem Grad ich selbst, in dem ich die Gewissheit habe, nicht (oder zu dem es mir egal ist) dafür verurteilt zu werden. Wenn man sich jetzt jemanden wie R anschaut, der überwältigende Teile seiner wachen Zeit mit Urteilen über Andere verbringt, einen selbst aber aus irgendeinem Grund idealisiert, fällt es leicht, meine halb unbewusste Entscheidung nachzuvollziehen, mich lieber ihm anzupassen als ein Verurteiltwerden seinerseits hervorzurufen. Und ich habe es ja in mir. Es ist ja nicht, als würde ich mich neu erfinden, um seinen Ansprüchen zu genügen. Ich habe eher den Eindruck, Seiten von mir zu unterdrücken. Und zwar in erster Linie schlechte. Das kenne ich schon zur Genüge von meiner verliebten Version. Sie ist so anpassungsfähig wie ein Chamäleon und wechselt ihre Farben, ohne dass der Ast, auf dem sie sitzt, je die Chance hat, die Vielfalt ihrer Möglichkeiten zu begreifen.

Warum dann behauptet er, ich hätte ihn umgekrempelt? Er gehört zu den Menschen, die einfach jedem gegenüber gleich sind.

Kurze Pause vom Philosophieren. Ich bin gerade erstmal überglücklich, weil eben Trudi zu mir hereinkam und wir uns zwanzig Minuten lang unterhalten haben, was wohl bedeutet, dass die Tatsache, dass sie davor tagelang kaum ein Wort mit mir gewechselt hat, auf ihren Lernstress zurückzuführen war und nicht auf irgendetwas, das ich getan oder nicht getan hatte. Oh Hilfe, was hatte ich mir Gedanken gemacht.

Und weiter. …Ohne merkbare Rücksicht. Er ist derjenige, der als Antwort auf die Frage, was er niemals tun würde, unter den Optionen „Meinen Partner hintergehen, Heiraten, Mich für Andere verstellen, Aufs Land ziehen“ Zweitletzteres wählt. Während ihm wenig mehr zuwider ist als die Vorstellung, aufs Land zu ziehen oder aber, noch schlimmer, zu heiraten. [Anmerkung: Es kam „Angela Merkel“ bei ihm als Seelenverwandte heraus. Basti und ich haben ihn ausgelacht; er hat sich schwarzgeärgert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir beide hatten Martin Luther King und waren damit wesentlich zufriedener.]

Was lamentiere ich eigentlich. Mein Problem ist doch im Grunde nur, dass ich nicht viel weniger egozentriert bin als er und es mir gegen den Strich geht, meine Melodramatik und Emotionalität so gar nicht ausleben zu können, einfach weil sie in dem Mordsraum, den er mit seinem eigenen Charakter einnimmt, sang- und klanglos untergeht. Mir fehlt dafür einfach nur das Durchsetzungsvermögen. Wenn ich merke, es interessiert sich niemand für meine Lappalien, bringe ich sie eben nicht an den Mann, sprich, es ist andersherum meine eigene Schuld, weil ich ihm die Möglichkeit gebe, sich in meinem Vakuum breitzumachen, ohne dafür einen Platz in seinem einzufordern. Das sind zwei Persönlichkeiten, die beide nach Aufmerksamkeit lechzen; die eine bekommt sie gewährt, die andere fühlt sich unverstanden.

Ob das alles jetzt weltbewegende Einsichten waren oder nicht, stellt sich irgendwann heraus, wenn ich weniger Rum in meinem Körper habe und mir das Ganze hier nochmal zu Gemüte führe.

Abend in Oldesloe

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Um mich rum spielen sie Phase 10. Mir hängt irgendwelches Essen in einer Zahnlücke und bringt mich um den Verstand. Wir wollten eigentlich nach Hohwacht heute, fahren nun aber doch erst morgen, nachdem sich uns diverse technische Probleme in den Weg gestellt haben (in erster Linie ging es darum, die Fotos und Videos von Sarahs und meinem Auftritt heute Früh an einem zentralen Ort zu versammeln und nebenbei ein Zugticket für meine Mutter auszudrucken).

Sie haben Musik an und wollen gleich noch Cocktails machen. Ich habe vorhin kurz mit R geredet und warte ehrlich gesagt darauf, dass er mich mal zurückruft, weil wir eigentlich abgemacht hatten, dass ich ihn kurz anklingele, wenn ich wieder Zeit habe. Die Idee, es einfach schnell nochmal zu probieren, schwirrt mir zugegebenermaßen auch im Kopf herum, aber letztendlich wird dieser Vorgehensweise von meiner heiligen Anti-Spam-Regel entgegengewirkt sowie von der Tatsache, dass so viele Menschen drumrumsitzen, die mich dabei beobachten würden, selbige zu brechen.

Ich hätte gern, dass die Aufnahmen jetzt alle zu Dropbox geladen sind, um ihm mal den Link zu dem Ordner schicken zu können; er sagte vorhin, er würde sich drüber freuen. Ich bin geistig abwesend. Das hier ist gerade ein harter Stream of Consciousness. Jetzt allerdings nicht mehr, weil ich blockiert bin. Ich habe mich bisher unheimlich gut mit Mama vertragen. Und heute war halb Oldesloe bei ihrer Vernissage und ich habe mich extrem gut geschlagen mit den ganzen alten mehr oder weniger be- oder beziehungsweise erkannten Gesichtern.

Ich muss diese Zahnlücke jetzt zahnseiden gehen; das macht mich wahnsinnig. Jetzt wurde ich außerdem gerade von Sarah gefragt, was ich hier eigentlich mache.

„What are you doing?“
„I’m, uh.. typing. But I will be done typing in a second.“

So sei es.