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Hochzeitstag

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Okay, ich bin verwirrt.

Und zwar: Dieses Wochenende fahre ich mit R nach Hamburg hoch, weil Simone heiratet. Dachte ich zumindest. Vorhin jedoch schickte ebendiese Simone so ganz nebenbei in die Whatsapp-Gruppe „Transport Kirche – Lokation [sic]“ ein Foto und die Nachricht „Standesamtliche Trauung ist schonmal überstanden“. Jetzt fühle ich mich betrogen. Und verwirrt. Weil. Wenn die kirchliche Hochzeit am Samstag stattfindet, die standesamtliche aber schon heute war. Soll man jetzt schon gratulieren oder erst nach der zweiten Hochzeit? (Ich habe das ganz pragmatisch gelöst und sie einfach gefragt. Sie meinte dann, das könnte ich mir aussuchen. Also habe ich ihr gratuliert. Was will ich sonst machen im Anbetracht meiner militant atheistischen Grundüberzeugung. Ich fühle mich schon beklommen genug bei der Aussicht, Samstag bei dem Zeug mitzumachen. Für mich war die Hochzeit heute, so einfach ist das.)

Und fühlt man sich nicht bescheuert, als bereits getrautes Ehepaar diese ganze Prozedur dann über sich ergehen zu lassen? Und vor allem – als aufgeklärte Personen des 21. Jahrhunderts. Uh, mir wird schwummerig. Ich bin nicht sonderlich gut darin, für sowas Respekt aufzubringen. Ich werde mich selbstverständlich trotzdem benehmen. Und R aufs Dringlichste einimpfen, das Gleiche zu tun. Was nicht heißt, dass es mir gefallen muss.

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Anflüge (oder: Zustände im Konflikt).

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Sanskrit. Morgen. Nicht gut.

Natürlich nichts mehr gemacht gestern.

Ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen zwei Extremen.

Eines ist dieses hier.

Das andere ist dieses.

Bueltatzen kennst du schon, sofern du mich kennst. Führt kaum ein Weg dran vorbei, weil Bueltatzen für mich die Welt bedeutet. Ich werde mir jetzt die Mühe machen, es zu übersetzen. Das habe ich nämlich bislang tunlichst unterlassen, so wie ich es ja generell an mir habe, meinen geschätzten Lesern Schrägstrich Bots eine unzumutbare Menge an Dingen zuzumuten, die sie ohne (die natürlich nie gegebene) Erklärung kaum in der Lage sein können zu verstehen.

I want to see the world, but from your bed
I want to see the world.
The song on your lips that you can’t forget
I want to be that song.

And where have you been hiding until now?
In all these years too long, never showing up?
Hold me by the hand, tight, I beg you
It’s dark and I don’t know the way back.

I want to be the sea in your storm
I want to be the sea.
The way home, only under your feet
I want to be the way.

And where have you been hiding until now?
In all these years too long, never showing up?
Hold me by the hand, tight, I beg you
It’s dark and I don’t know the way back.
I don’t know the way back.

I want to see the world, but from your bed
I want to see the world
from the watchtower of your words
The song on your lips that you can’t forget
I want to be that song.

And where have you been hiding until now?
In all these years too long, never showing up?
Hold me by the hand, tight, I beg you
It’s dark and I don’t know the way back.
I don’t know the way back.
I don’t know the way back.

Demnach war es umso ironischer, dass mir der Ukumensch (hallo, Ukumensch. Es ist über alle Maßen beeindruckend, dass du dir ein gesamtes Jahr lang meine fast-täglichen Schwallungen an Lebensschnipseln angetan oder aber nach dieser ganzen Zeit mal wieder random vorbeigeschaut hast. But, then, das deckt sich mit dem Inhalt eines unserer ersten Telefonate, in dem du mir deine Sicht auf Verbundenheit dargelegt hast. Es war trotzdem unerwartet, eine schöne Überraschung) neulich in Bezug auf R und Schutzmauern schrieb, den Weg zurück würde ich ja kennen.

Ich muss bei dem Lied öfter mal an Hänsel und Gretel denken.

Zustand eins – Mariñelaren Zai – dagegen sieht folgendermaßen aus.

The carpenter had a daughter,
the most beautiful in the village
Two men wanted to conquer her heart

What is it, what is it, my daughter?
– I’m in love with the sailor, father.
But don’t you understand it’s impossible?
You’re meant to be with the young lord.

She was then all longing for her forbidden love
-The young lord is coming to ask for your hand,
the sailor is going to Ireland.

So it was, the forced wedding
There were no rich people there
And everyone was dancing, everyone was happy
Forgetting about social differences

What is it, what is it, my daughter?
– I’m in love with the sailor, father.
But don’t you understand that’s impossible?
You’re the young lord’s wife.

Still to this day we can see
this daughter at the window
Waiting, waiting for the sailor
She has her hopes on the sea.

Und dann natürlich das passende Kepa-Zitat dazu.
„Um Himmels Willen, nicht warten.“

Und R. „Es kann sein, dass ich in meiner letzten Woche in Konstanz von Lena-Anflügen geplagt werde; nicht persönlich nehmen.“

Und ich. „Passt.“
Natürlich passt es nicht. Bei aller Liebe zur Transparenz ist es, du wirst mir sicher zustimmen, nicht ganz einfach, die Exfreundinnen-Anflüge deines Freundes mit Würde und Verständnis hinzunehmen. Wie gut, dass ich lange genug Therapieerfahrung mit Caro und Şahin gesammelt habe, um das unschöne bis widerwärtige Gefühl, das heute genau wie damals bei solchen Bemerkungen aufkommt, klassifizieren und im Schach halten zu können.

Irgendwo sind wir doch alle kaputt. Traurig, aber wahr.

Egun luze bat.

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Heute war lang. Ist ein langer Tag, will ich sagen. Fing lang an, ging lang weiter.. was heißt lang. Ausgefüllt eben.

Präsentation in Sprachkontakt heute war gut, trotz wenig Schlaf.

Ich bin zwei Mal an einem Tag R dem Aktivisten im Bus begegnet. Merkwürdig, wie man manchmal Leuten über den Weg läuft. (Ihm zumindest aber bald nicht mehr; ich habe heute erfahren, dass er nach München geht, um Formel-1-Journalist zu werden. Der Kapitalismus habe ihn mit Motorsport bestochen, war seine Aussage dazu.)

Ich war nicht in Sanskrit (ist ja nicht so, als hätte ich gestern schon Türkisch geschwänzt, neein), habe aber dafür ein produktives Gespräch mit Mama über die Kepa- sowie die Luxmenschkrise geführt und über die vorerst noch hypothetische Kepa-Luxmensch-Krise, die auftreten wird, sollte es der Luxmensch irgendwie schaffen, bis Februar das Geld zusammenzubekommen, um mit nach Namibia zu reisen. Außerdem war ich nach Euskera noch außerplanmäßig in der Ringvorlesung über Mehrsprachigkeit, die heute von genau demjenigen Prof gehalten wurde, bei dem ich vorhabe meine BA zu schreiben. (Und bei dem ich heute Früh die Präsentation gehalten habe.) Ein wunderbarer Dozent, dieser Mensch.

Aktivisten-R hat mir gesagt, ich solle um 21.00 ins Contrast kommen, aber natürlich kann ich nicht hingehen. 1) bin ich todesfertig (zu früh aufgestanden und von der Wirkung des Guaraná ist nichts mehr übrig, wie auch, nach so vielen Stunden) und 2) ist heute ja Peruaner-Pedros Geburtstag und nachdem ich gestern mit Sarah diese wunderbare Schwarzwälder Kirschtorte gebacken habe, werde ich natürlich auch heute zum Feiern dasein. Oh verdammt, ich muss sein Geschenk noch einpacken. Ich habe ihm letztes Jahr noch bei Thalia einen Kalender mit Zitaten gekauft. Sowas mag er doch, inspirierende Worte.

Ja. Das muss ich jetzt tun, und dann sollte ich los. Acht Uhr dasein kann ich glaube ich fast schon knicken, aber noch viel später muss es ja auch nicht werden.

Words of wisdom found & strangers never met

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Ich glaub, ich habe gerade Becci dabei geholfen, mit ihrem Freund Schluss zu machen. Was ist eigentlich los diese Woche, Get Rid of your Asshole Boyfriend Week? Trudi und Hannes zuerst, und jetzt noch diese wunderbare Entwicklung. Ich bin begeistert.

Becci hat eben mein komplettes Bild von meinem eigenen Leben durch die so simple wie erschütternde Feststellung vervollkommnet, es wäre ja tragisch genug, eine Beziehung mit jemandem zu beenden, mit dem man einfach nicht kompatibel ist, aber irgendwie doch noch wesentlich tragischer, erst gar keine mit jemandem zu haben, mit dem man es tatsächlich ist, weil es an den äußeren Umständen scheitert. Whey, she found the words to the story of my life.

Und dann hat sie noch was sehr Weises gesagt, nämlich „Du machst dich schon wieder so abhängig, oder?“
Das „oder?“ einfach, weil 1) sie Becci ist und (wie es yours truly in der gesprochenen Sprache auch derweilen tut) gern mal Sachen ans Ende ihrer Sätze hängt, die das eben Gesagte relativieren oder sonstwie versuchen sollen, ihm an Wichtigkeit zu nehmen – ein gängiger Selbstschutzmechanismus, würde ich sagen, den die meisten von uns anwenden, um auf der sicheren Seite zu sein – und 2) wir uns (obwohl wir Riesenfortschritte gemacht haben und gerade jetzt über Silvester ich wirklich das Gefühl hatte, wir könnten uns richtig, richtig gut verstehen) unser beider etwas zu stark ausgeprägter Schüchternheit und sozialer Unbeholfenheit sei Dank, einfach bis heute noch nicht so selbstverständlich miteinander verhalten können, wie es der Rest von uns – Robert, Janine, ich – untereinander tut. Oder sie mit Robert.

Woher kam der Exkurs? Ja, richtig, von ihrem weisen Ausspruch. Da aber konnte ich ihr reinen Gewissens beruhigend versichern, dass es ganz bestimmt nicht so schlimm ist wie früher. Naja, zumindest habe ich jetzt gerade nicht das Gefühl. Aber nachdem ich heute ein bestimmtes Harpyien-Zerhackstückel-Gespräch mit dem Ukumensch mal wieder durchgelesen habe, fühle ich mich nochmal zusätzlich darin bestärkt, dass ich in so einer entsetzlichen psychischen Abhängigkeit nie, nie, nie wieder landen möchte. Danke dafür, das war ein wertvoller Reminder.

Unabhängig davon (haha, sehr gut) freue ich mich, in einem in höchstem Maße unhysterischen, geregelten und angemessenen Tonfall verkünden zu können, dass am Wochenende wahrscheinlich der Dönermann bei mir hereinschneit. Ein immer willkommener Besuch. Allerdings sind bis auf wenige Ausnahmen die meisten Menschen bei mir ein immer willkommener Besuch, wenn auch größtenteils unerwartet. Aber vom Ding her – würde mich ein random fremder Mensch von der anderen Seite der Stadt plötzlich besuchen, hätte ich bestimmt nichts dagegen. Wobei ich wiederum zugeben muss, dass, könnte ich mir aussuchen, ob mich Kepa besuchen kommt oder ein random fremder Mensch von der anderen Seite der Stadt, ich diesen mysteriösen Fremden nie zu Gesicht bekäme.

Was auch immer ich mit dem Wust jetzt sagen wollte. Ich glaube, es geht so ein bisschen in die Richtung „schau, wie superkontrolliert ich bin, wenn auch irgendwie nicht.“

Oah nein, morgen ist ja tatsächlich wieder Uni. Wir mussten für Maialen noch einen Text lesen.. hrgh. Ich kann nicht glauben, dass Kepa sich für faul hält. Ich meine, verdammt, er ist faul (und leider zu intelligent, als dass ihn das davon abhalten würde, in zigtausend Dingen ohne großartige Mühen zu brillieren), aber was bin ich denn dann? Ich weiß, faul und durchschnittlich, da nicht mit genügend geistiger Kapazität gesegnet, um meine riesige Faulheit von allein zu kompensieren). Gawd, wie deprimierend, wenn man darüber nachdenkt.

Finger essen (man gönnt sich ja sonst nichts)

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Konzert fiel aus – ich bin froh. Horizonterweiterung ist schön und alles, aber 67 Euro zurückbekommen ist noch wesentlich schöner.

Wochenende war eigentlich ganz schön. Sarahs Eltern sind mehr wie Großeltern, wie meine zumindest – ich verstehe langsam, warum sie Mamas und meinen Umgang miteinander schockierend gefunden haben muss. Da fliegt ja kein einziges Wort in die falsche Richtung, das wäre mir auf Dauer um ein Vielfaches zu erzwungen harmonisch. Aber gut. Für ein Wochenende ist so etwas durchaus auszuhalten.

Ich vermisse Kepa unheimlich, und erst recht, wenn ich wieder mal ein ganzes Wochenende Sarah und Peruaner-Pedro zusammen ertragen muss. Allerdings vermisse ich natürlich nicht nur den Mensch selbst, sondern in erster Linie eine Einstellung seinerseits, die es uns ermöglichen würde, uns gegenseitig den Grad an Erfüllung zukommen zu lassen, den die beiden ineinander finden. Es gibt nichts Furchtbareres, als Pärchen zu beobachten, wenn man selbst gern mit jemandem eins wäre. Umso unbegreiflicher ist es, wie sie bei diesem wunderbaren, kommunikativen, aufmerksamen, warmen, vor Zuneigung förmlich überquellenden Mann, den sie da hat, an den egozentrischen, fast schon unterkühlten, ewig unentschlossenen Kerl, bei dem man nur an dritter Stelle in der Prioritätenliste aufzutauchen überhaupt erst eine Chance hat, den ich ihr nun irgendwie abgenommen habe (man könnte fast sagen, dumm, wie ich nunmal bin), überhaupt noch einen Gedanken verschwenden kann. Aber sie sagt ja selbst (und weiß es folglich auch, besser als ich in jedem Fall), es ist gut so, wie es jetzt ist. Ha, für sie vielleicht. Ich häng‘ in der Luft und darf mal wieder so tun, als wäre ich damit völlig in Ordnung. Oh herrliches Leben.

Ich würd‘ einfach gern mit was Warmem zum Anziehen am Flughafen warten, wenn er wiederkommt, is all.

Ich scheine es so an mir zu haben, Leuten Sachen zum Anziehen zu geben, wenn ihnen kalt ist, obwohl sie zu hundert Prozent selbst dran schuld sind, dass ihnen kalt ist. Siehe Şahin damals in der Nacht auf dem Parkplatz. Ich war so intelligent, mir noch was Langes anzuziehen und meine Strickjacke mitzunehmen. (Wahnsinn, jetzt denke ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten an diese Strickjacke. Die muss oben in dem Koffer liegen, wo noch ein Großteil meiner Wintersachen drinsteckt und der damit mein Regal an Ort und Stelle hält. Mal sehen, ob ich diesen Winter noch auf eine Idee komme, wie ich die Wintersachen aus dem Koffer kriege, ohne dass das Regal runterfällt.) Er dagegen war weniger intelligent und nahm sich einfach nichts mit. Jedenfalls endete das Ganze so, dass ich die Hälfte der Zeit bibbernd im Kreis sprang, weil ich ihm alle paar Minuten diese Strickjacke ausgeliehen habe und dabei selber halb erfror. Kepatto nun hatte offenbar auch nichts Besseres zu tun, als sich in México-Garderobe bei -3 Grad und Nebel zum Flughafen zu begeben und sich hinterher zu beschweren, ich könne mir nicht vorstellen, wie kalt das gewesen sei. Demzufolge blüht ihm das gleiche Schicksal nochmal, wenn er wiederkommt. Um das zu vermeiden, denke ich mir, na gut. Wenn er der Depp ist, der ohne warme Sachen durchs Land tingelt, bin ich eben der Dödel, der mit ner Jacke am Flughafen wartet. So ist das nunmal.

Laura hatte nicht mitbekommen, dass ich zu dem Zeitpunkt in Oldesloe sein werde, war ganz entsetzt und sagte, „du willst extra runterfahren?“ (Sie meinte natürlich „hoch“, aber mit ihrer unfassbar lustigen geographischen Oben-Unten-Schwäche komme ich inzwischen gut klar.) Daraufhin war ich natürlich auch entsetzt. Man hält mich für verwirrt genug, durch das gesamte Land zu fahren, um dem Menschen ein paar kalte Minuten zu ersparen? Ouh, nicht gut. Wobei ich vermutlich wenig tue, um dem Eindruck entgegenzuwirken, aber heey. (Wahrscheinlich wäre ich sogar noch dazu fähig, es tatsächlich zu machen, aber Wahnsinnigkeiten dieser Sorte bleiben dann doch Leuten vorbehalten, die ihrerseits Unternehmungen der gleichen Art für mich abziehen würden. Also doch wieder Entwarnung; in diesem Leben sind die Menschen, glaube ich, allgemein noch nicht soweit. Peruaner-Pedro vielleicht. Aber Sarah würde niemals ohne gescheite Jacke bei -3°C am anderen Ende des Landes herumlaufen, was ihm selbst hypothetisch gesehen die zwölfstündige Fahrt erspart.)
Zu viel gedacht, schon wieder – das ist ja fürchterlich. Armes Blögchen, bekommt den nicht-löslichen Teil der Brausetablette ab, den Bodensatz, die homogene Schicht Sirup, die sich mit dem Rest einfach nicht vermischen will. Ich habe mal wieder den Eindruck, ein falsches Bild zu vermitteln. Zumindest würde ich ein falsches Bild vermitteln, wäre es meine Aufgabe, das Leben in seiner Gesamtheit in mein Blögchen zu quetschen. Ist es natürlich nicht, deswegen kann auch das Bild nicht falsch sein. Hauptsache, wenn ich mal zurückblicke, erinnere ich mich selbst daran, dass dieses Gedenke und Gejammere selbst genau jetzt nur einen Teil meines Daseins ausmacht und sich durchaus noch außerhalb dieser merkwürdigen Geschichte Sachen ereignen. Der Unterschied ist, dass ich wohl mehr Möglichkeiten habe, diese dann außerhalb meines Computers irgendwie zu prozessieren.
Zum Beispiel bin ich aktuell dabei, meine Finger zu essen. Das ist fürchterlich, ich sag’s dir. Ich habe gerade innerhalb einiger weniger Minuten die gesamte Unterseite meines oberen Daumengliedes um eine Hautschicht ärmer gemacht. Der rechte Daumen sieht schon seit Tagen genau so aus, und um meinem linken Mittelfinger klebt ein Pflaster, damit ihm diese Behandlung erspart bleibt (und ich weiterhin ohne großartige Schmerzen Gitarre stümpern kann). Sag mir mal jemand, wie man damit wieder aufhört. Vielleicht sind das jetzt Entzugserscheinungen, die nach jahrelangem Vegetariertum doch noch einsetzen und mich dazu verleiten, mein eigenes Fleisch zu verzehren. Autokannibalismus. War eh immer schon die einzige Art von Fleischkonsum, die ich ethisch vertretbar finde.
Das würde ich gerne denken. Die Zeichen würde ich gern sehen. Das Vertrauen in mein Schicksal hätte ich gerne.

I don’t even wish for snow / This Sudden Urge to Escape

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Gawd, es ist so schön, heute Zeit zu haben. Das ist das Wunderbare; ich habe ja immerhin so etwas wie Freunde und ein Leben und sollte es eigentlich besser wissen als zu verzweifeln, wenn ein einzelner Mensch sich gerade nicht blicken lassen kann. Ich weiß ja nichtmal, ob er nicht eigentlich sogar gern gekommen wäre, gesetzt den Fall, er hätte nicht zum Unterricht nach Augsburg gemusst.

Das nach noch ein bisschen Wein und ich bin stolz auf mich; heute ist meine Gemütsverfassung um ein so beachtliches Stück besser, das glaube ich fast selbst nicht.

Jedenfalls: Jetzt habe ich mit Johanna geredet, mit Mama geredet, mit Trudi geredet. Kokosmakronen gebacken, die ersten Plätzchen diese Saison und das erste Anzeichen, dass so etwas wie weihnachtliche Stimmung letztendlich auch bei mir Einzug hält – heute in der Arbeit sah das noch anders aus; ich konnte fast nicht mehr, so sehr hat mich die Tatsache frustriert, dass Sarah über Stunden und noch mehr Stunden den Antenne-Bayern-Weihnachtssender laufen hatte und jedes Lied gefühlt dreimal vorkam. Und ich musste daran denken, wie ich vor ein paar Jahren aus dem Hamburger H&M auf der Mönckebergstraße geflüchtet bin, als „All I Want For Christmas Is You“ aus ihren Kaufhausboxen an meine geplagten Ohren waberte. Das war wohl 2011, wie sollte es anders sein. Und irgendwie war mir heute schon wieder nach Flüchten zumute. Wenn nur einfach mal irgendetwas einfach wäre.

Irgendwie hatte ich ja schon Pech bisher. Jeder Trottel wird irgendwann mal gerngehabt, gemocht, geliebt, bevor er zweiundzwanzig ist. Oder? Die haben so schön die Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen. Und drehen dementsprechend nicht gleich durch, wenn es mal wieder vorkommt irgendwann. Ich dagegen habe es einfach schon komplett aufgegeben. Und jetzt vermurkse ich mir alles damit, dass ich es mir einfach nicht erklären kann und mir die ganze Zeit einrede, mir alles nur einzubilden und eigentlich auf meinen (erneuten) Untergang zuzusteuern. Fürchterlich, ich sag’s dir. Wie gut, dass ich es zumindest unbekannten Menschen und Bots in Form meines Blögchens mitteilen kann; irgendwo muss man diese dämlichen Geschichten ja abladen.

Vielleicht kann ich JO gleich mehr Euskera beibringen, wenn wir reden. Was wäre das wundervoll.

So ist das nämlich.

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Ich hab‘ zwar eigentlich keine Zeit.. aber ich mache ja sonst auch nichts Produktives, also kann ich genausogut die lieben Datenbanken hier mit Updates aus meinem Leben updaten. Und zwar.

War ich in Darmstadt jetzt am Wochenende, mit Sarah und Peruaner-Pedro.

Oh verdammt, gutes Stichwort – ich wollte Sarah schreiben. Moment.

Gesagt, getan. Nach dem Wochenende brauche ich dringendst Klärung, inwieweit ich sie mit kepa-relateden Dingen in Berührung kommen lassen soll, denn meine Methode, einfach mal vorsichtshalber gar nichts zu sagen, hat mir ziemlich auf die Panikdrüse geschlagen. So mitteilungsbedürftig bin ich, dass ich einfach durchgedreht bin, weil ich die ganze Zeit nichts sagen konnte. Und es gäbe doch eigentlich viel zu sagen; irgendwo lungert er ja bei mir im Kopf doch immer herum. Verliebtsein ist anstrengend.

Es ist wirklich anstrengend. Für mich wahrscheinlich mehr als für den Durchschnittsmensch, weil ich gerade mal wieder am Feststellen bin, wie abartig kontraproduktiv sich ein Selbstbild meiner Sorte auf den Gesamtzustand auswirkt, wenn einen wirklich mal jemand mag. Es wäre halt simpler, wenn man es auf irgendeine Weise nachvollziehen könnte. Komplexe können einem mehr kaputtmachen, als man sich vorstellen kann. Glaube ich. Vor allem steckt man so sehr drin, dass man dazu neigt, den Anderen als kaum verletzlich, unempfindlich, unsensibel hinzustellen, einfach weil man aus seiner Selbsterniedrigung heraus kaum mitbekommt, dass der Andere eventuell auch Gefühle haben könnte. Die man verletzen kann; die er wahrnehmen kann. Auf die Art haben uns Mama und ich früher immer gegenseitig zerstört. Wir sind ja beide so Spezialisten. Zwei von der Sorte, das ist tödlich, ich sag’s dir.

Ja. Was noch? Ich hab‘ am Sonntag Julia spontan angerufen, die ja in Darmstadt studiert, und siehe da, sie hatte Zeit und hat sich für ein paar Stündchen zu uns gesellt. Ganz schön, sie nach der ewigen Zeit mal wieder zu sehen zu bekommen, auch wenn wir nicht mehr wirklich die guten Freunde sind, die wir mal waren. Das macht eben das Leben.

Abgesehen davon.. uff. Sebastiaan der Luxemburger kommt nächste Woche vielleicht her, Montag bis Donnerstag, und fragte, ob er dann hier übernachten kann. Dann hätte ich also meinen potenziellen Langzeitcouchsurfer schonmal für ein paar Tage auf Probe hier, was doch eigentlich so übel nicht ist.

Eben war Lisa auf ein Teechen hier und wir haben Trudi die berauschende Erfahrung einer vollen Dosis Fotos von unserer Euskadi-Fahrt letzten Mai zuteilwerdenlassen; sie ist jetzt wohl nach dieser Kombination aus last Thursday’s Euskal Afaria, Graziellas Besuch am Freitag und dieser bildlichen Erlebnisse mit all den wichtigen Charakteren in alles an Kuh-Kultur eingeweiht, das man sich nur vorstellen kann.

Ich sollte mein Zimmer aufräumen. Und die Texte für Sprachkontakt morgen lesen. Und Gians Übersetzung anfangen. ARGH.

Muss ich mit der Hand durch den Horizont?

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..sagte ich heute Vormittag im Schlaf, während ich mich im Gemeinschaftsraum der Linguistik noch für ein paar Minuten auf dem Sofa langstreckte und Schlaf tankte, um in Syntax nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Ich bin nämlich wieder da. Das war schön. Anstrengend und schön und das beste Rise Against-Konzert, das ich bisher das Vergnügen hatte zu erleben. Unfassbar grandiose Setlist. Meine Güte, was sie alles gespielt haben, ich komm‘ kaum darauf klar. Alive and Well. Last Chance Blueprint. Behind Closed Doors. Hero of War, Swing Life Away und das neue Akustische, People Live Here. Hintereinander.

Und es war toll, mit den Anderen dazusein. Janine, Becci und Robert, und dazu Beccis Schwester Cornelia und Roberts Kumpel Jan, der irgendwie kaum ein Wort mit uns geredet hat, was schade war, denn er wirkte eigentlich ziemlich sympathisch. Aber allein von Robert glückselig angestarrt zu werden, als Give It All kam – und ihn glückselig zurück anzustarren – war diese ganze Reise wert. Inklusive das nächtliche Herumlungern in diversen McDonald’s von Süddeutschland, wo ich, wie nicht anders zu erwarten, einige interessante Bekanntschaften machte. So geht das nämlich. Andere haben vielleicht ausgeklügeltere Methoden entwickelt, Kontakt zu neuen Menschen zu knüpfen; ich hocke mich einfach um zwei bzw. 6 Uhr morgens todesfertig zu McDonald’s und lasse den Dingen ihren natürlichen Lauf. Der da wäre, dass ich im Laufe der Nacht mit einem Besoffenen, einem schwarzen Dreadhead (Jeli – der wollte, dass ich meine Busfahrt verschiebe und den Tag über in Freiburg bleibe, um mit ihm wer weiß was zu machen – er hat es nicht weiter spezifiziert, aber ich kann es mir denken) und einem obdachlosen Juristen (Bernhard – der mich durch das Fenster hindurch so lieb angrinste, dass ich nicht anders konnte, als zurückzugrinsen, woraufhin er reinkam und sich mit den Worten „Ich hab‘ dir nen Kalender mitgebracht – und hier, noch mehr, für deine Freundinnen, damit ihr euch nicht streitet“ zu mir setzte) geredet habe – auf so eine Quote komme ich tagsüber selten. Ich passe einfach furchterregend gut in diese Szene. Bahnhofs-McDonald’s bei Nacht, da bist du umgeben von den skurrilsten und faszinierendsten, heruntergekommensten Gestalten, bei denen du dich einfach nicht verstellen musst. Das ist endlich mal eine Welt, in der ich normaler bin als der Durchschnitt und trotzdem akzeptiert werde.

Ich übrigens weiß ziemlich genau, was Donnerstag gegen halb acht Uhr passieren wird. Da kommen Leute zu mir und – oh, gute Idee; ich sollte grad mal die Rundmail schreiben, damit auch wirklich außer Lisa und Kepatto noch jemand kommt.

So, dann wäre das geschafft. Marc, Elke, Gloria und Simón sind also auch über die Euskal Afaria informiert – allerspätestens, wenn sie meine Einladungsmail aufmachen. Ich bin gespannt, ob sie sich alle blicken lassen. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl dabei, Simón einzuladen, weil ich außerhalb von Morfología kaum je einen Satz mit ihm gewechselt habe, andererseits kann es schlecht angehen, ihn außenvorzulassen, wenn der Rest von Enaras in der Stadt anwesenden ehemaligen Original-Vacas sich hier zusammentut. Immerhin kennen sie sich ja untereinander, und wir „möchtegern-euskaldun berriak“ kennen uns. Und ein bisschen haben sich die Gruppen ja auch schon vermischt, in Form von Kepas und meiner, äh, Freundschaft und seiner und Lisas Bekanntschaft, und Rini ist ja auch sowohl Lisa als auch mir nicht gerade die fremdeste Person aller Zeiten.

Ich sollte irgendwie doch wirklich mal mit ihm reden. Ich weiß zwar auch nicht konkret, wie, und über was überhaupt, aber wenn ich es nicht mache, bleibt mir nur die herrliche Aussicht, zu einer Mischung aus Sarah und Trudi zu mutieren. Zwei Formen der Akzeptanz entsetzlichster Ohnmacht und Hilflosigkeit, die ich mir beim besten Willen eigentlich nicht erlauben kann. Das Problem ist, wenn ich erstmal rausfinde, was das nun eigentlich sein soll hier, habe ich nicht mehr die Ausrede, es einfach nicht zu wissen, und kann eigentlich nur vom Regen in die Traufe kommen, sprich, ich bin jetzt Sarah (die sich einfach die ganze Zeit Hoffnungen macht und wartet, dass es irgendwann doch noch was wird) und werde dann zu Trudi (die einfach wie Dreck behandelt wird, das ganz genau weiß und trotzdem nicht aufhören kann, sich dran zu klammern).

Mein Nacken. Wie weh er tut. Wie weh überhaupt meine Oberkörpermuskulatur tut. Es war wirklich ein gutes Konzert.

Leben üben / The Vulnerability Problem

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Irgendwie habe ich die abstruse Angst, dass.. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich schreiben soll; ich habe so viele abstruse Ängste. So abstrus sogar, dass ich ein paar Sekunden, nachdem ich hier anfing zu schreiben, schon wieder beschlossen habe, dass man das gar nicht erst laut ausschreiben darf. Ich könnte mich glatt selbst hauen, so fürchterlich bin ich.

Das ist ein guter Satz, den schreibe ich nochmal. Ich könnte mich glatt selbst hauen, so fürchterlich bin ich. In erster Linie genau deswegen. Ich würde wirklich gern einfach mal chillen und mich nicht selbst immer so fürchterlich finden. Aber allein schon die Tatsache, dass ich mich fürchterlich finde und einfach nicht in der Lage bin, mich nicht um Kopf und Kragen zu denken, macht mich umso fürchterlicher. Es hat einfach kein Ende. Ich weiß nichtmal, ob es überhaupt einen Anfang hat. Vermutlich hat es keins von beiden.

Natürlich. Ich bin noch nicht so geübt im Leben. Leben ist ein Konzept, das sich mir während meiner ersten um die zwanzig Existenzjahre zu großen Teilen einfach nicht erschlossen hat. Ich darf nicht zu hart mit mir sein; zwanzig Jahre Vorsprung lassen sich nicht in einem Augenblick überbrücken.

Aber das kann ich eben auch nur mir selbst sagen. Ich kann mir ja kein Schild auf den Kopf kleben, auf dem steht, „bitte Rücksicht; du redest hier mit einer knapp unter Zweijährigen“. Wie ich durchdrehe manchmal, weil das keiner wissen kann und ich mir vorkomme, als müsste ich alles so souverän erledigen, als wäre es die reinste Routinearbeit. Das Zeug, das ich seit fast zwei Jahren nehme, verschafft mir die Lebensfähigkeit, nicht aber die dazugehörige Erfahrung. Die muss ich erst noch machen. Ich fühle mich, als hätte ich kein Recht darauf, orientierungslos und verwirrt zu sein, schließlich ist man orientierungslos und verwirrt mit vielleicht dreizehn Jahren, dreizehn, nicht dreiundzwanzig. Ich bilde mir ein, man müsse auf mich herabsehen, weil ich so ahnungslos bin. Weil mir so viele Erfahrungen fehlen, die einer normalen Dreizehnjährigen, die sich erlaubt, orientierungslos und verwirrt zu sein und langsam, aber sicher das Leben zu lernen. Meine Erfahrungen waren die einer orientierungslosen und verwirrten Dreizehnjährigen, die schon damals dachte, sie dürfe niemals ahnungslos wirken, nie verletzlich sein, und nichts gelernt hat, weil man zum Lernen nunmal erst zugeben muss, dass man etwas nicht weiß. Jetzt habe ich den Salat.

Wie mache ich jemandem begreiflich, dass ich verwirrt bin und keine Ahnung von nichts habe, ohne mich bloßzustellen? Irgendwie muss ich es doch schaffen, sonst vergehen noch weitere zwanzig Jahre, in denen ich aus Angst, mich zu blamieren, nichts dazulerne. Ich bin geringfügig überfordert.

Unblocking stuff

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Ich hab‘ auf einmal das Gefühl, dass es alles..

Schrieb’s und hatte keine Ahnung mehr. Gut wird? Unkomplizierter ist, als ich denke? Mich überfordert? (Das eh.) Sich irgendwie entwirren wird? (Vermutlich auch das.) Abstrus ist? (Ein wenig.)

Da ich in den vergangenen Tagen ein bisschen zu viel darüber nachgedacht habe, dass ich mich irgendwie fürchte, aber dank großartigster Verdrängungsleistungen mal wieder nicht wirklich einen Plan habe, wovor, gehe ich jetzt alles, das als Grund in Frage kommt, auf einem Blatt Papier sammeln. Ich versuche selten genug, mir irgendwas Verdrängtes bewusst zu machen; das wird reinhauen. Und helfen.

Wahnsinn. Wenn ich gleich schlafen gehe, kann ich um kurz nach acht aufwachen und Sachen machen. Vielleicht schaffe ich es ja wirklich schon um 10 in die Arbeit.