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Zwei Seiten

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Okay, das war ein ziemlich ekliger Tag und ich habe ein paar Sachen erfahren, die mir nicht unbedingt wenig zu schaffen machen. Auf der anderen Seite.. ja, was ist auf der anderen Seite? Und wenn es schon die Epikureer nicht sind, die der Zweckoptimismus so voll und ganz ausmacht, bin ich es nicht umso mehr? Nach einem solchen Tag noch den Fokus auf die andere Seite lenken zu wollen – selbst Psychiatern und Therapeuten gegenüber auf jede noch so kleine Bekundung einer nicht optimalen Lage ein blitzschnelles „ABER“ folgen zu lassen und sich in genau diesem Moment dann geschwind zu überlegen, was darauf denn eigentlich folgen könnte – sollte ich nicht daran eventuell auch mal arbeiten?

Aber beleuchten wir wirklich beide Seiten. Die eine: Ich habe Panik und fühle mich sehr allein. Alles scheint aussichtslos. Meiner Mutter geht es grottig und mir auch. Sie schafft es nicht, zwischen sich und ihrem bodenlosen Schmerz im Gespräch mit mir die nötige Distanz zu halten, sodass ich hineingezogen werde, sobald ich davon erfahre. Ich will alles davon wissen, aber halte es nicht aus. Wir haben schon im normalen Umgang Kommunikationsprobleme, die zu Missverständnissen auf beiden Seiten führen.

Die andere: Ich habe die Kommunikationsprobleme wieder ein Stück besser verstanden und kann somit daran arbeiten. Ich habe Dinge erfahren, die ich zuvor nicht wusste. Mir geht es nicht besser damit, aber immerhin weiß ich, woran ich bin, und das habe ich immer schon sehr geschätzt. Ich habe außerdem zumindest insoweit die Verhältnisse klären können, dass wir uns jetzt beide wieder vergegenwärtigen konnten, dass wir uns gegenseitig nicht absichtlich in Abgründe stürzen.

Da schau, zumindest sind beide Seiten in etwa gleich lang. Mir geht es schon besser durch das Schreiben. Ich gehe im kleinen Zimmer die Heizung anmachen, damit R es beim Lernen warm haben kann, wenn er heimkommt.

Mauern (oder: Scheiße mit der Scheiße hier.)

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Vielleicht klappt es grad mal, immerhin habe ich es eben im Gespräch mit Lena exeptionell gut hinbekommen. Ab und an hat man solche Gespräche, oder, wo man es schafft, Sachen zu sagen, die man sonst nicht schafft zu sagen.

Es ist eigentlich ganz simpel darzustellen. „Das Ding ist“, sagte ich, „ich hab‘ ne Riesen-Schutzmauer.“
Das ist es glaub ich“, warf Lena ein, bevor sie mich weiterreden ließ.
„Mmh, ich hab‘ ne Riesenschutzmauer.“ Ja, ich wiederhole mich gerne mal.
Meine Hände bauen mit der begleitenden Geste ein Rechteck aus Luft vor mir auf. „Die sieht komplett undurchdringlich aus, von vorne. Aber wenn man einmal kurz hinten rumgeht und so macht“ – ich tippe ihr leicht auf den Rücken und bemühe mich, nicht in Tränen auszubrechen (immerhin ist es nicht weniger als die Tragödie meines Lebens, die wir hier zu dieser späten Stunde zum Gesprächsthema haben), „dann fall ich um. Dann fall ich um. Es müsste nur einfach mal jemand so machen. Sie machen es aber nicht. Es macht einfach niemand.“

Es wäre echt einfach.

Gowai, was für ein widerliches Gefühl, zu wissen, dass die Mauer nach vorne hin sogar so gut funktioniert, dass sie meine Sicht verzerrt und meine Nerven täubt, sodass selbst gesetzt den Fall, es versucht jemand dran hochzuklettern, der mir Wärme mitbringt, ich mir nie sicher sein kann, ob ich nicht bloß halluziniere. Und ich kann sie nur herunterfahren, wenn Sicherheit da ist. Und irgendwann in Retrospektive, wenn alles so anders aussieht, der eklige Zweifel, ob es nicht doch wieder eine Chance war, die man in den Wind geschmissen hat. Immer, wenn’s ganz definitiv nichts mehr bringt.

Attack! Attack! sagt: „Break these barriers down, make these walls collapse“. Meint damit vermutlich nicht meine Schutzmauer, aber das soll mir an dieser Stelle egal sein.

Ich geh dann nochmal ne Runde skandieren – die Mauer muss weg! – und ich bekomm sie doch nicht weg. Da könnte ich mir gleich mein Hirn amputieren lassen (Als wäre ich nicht hirnamputiert genug. Uiui, zum Glück ist wenigstens für Wortspielchen noch genug davon vorhanden), das ginge genau so schlecht.

Hello madness, my old friend.

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Was machen eigentlich die Leute, die Blogs wie diesen ohne halbwegs fähigen Ad-Blocker lesen? Meiner hat gerade den Geist aufgegeben und ich bin halb umgekippt vor Schock, als dieses merkwürdige Video angefangen hat zu spielen. Schnell die Filter wieder richtig einstellen.

Ja. Nicht gerade der eleganteste Weg, das neue Jahr in einem Eintrag zu begrüßen, aber was will man machen. Ich hatte ein wider allen Erwartungen wunderbares Silvester und sogar einen fast vollständig guten ersten Tag im Jahr. Das Leben ist für Eleganz einfach zu kurz.
Wenn ich Eleganz schon höre. Ich habe gerade wieder so einen unbändigen Hass auf alles Oberflächliche und Gekünstelte und zusätzlich auf alles an Gutem, das ich nicht an mir habe (wie jede Form von Eleganz, ausgenommen vielleicht sprachlicher – wenn ich gerade will), was unter Anderem daran liegen könnte, dass ich eine dreistündige Diskussion mit meiner Mutter hinter mir habe, in deren Verlauf sie nicht nur einmal mehr geschafft hat, mich aufgrund ihrer Weigerung gegenüber gewissen meiner innigen Wünsche und Vorschläge zu ihrer gesundheitlichen Besserung in Verzweiflung zu stürzen (hallo Verzweiflung, Liebes, dich hatten wir aber schon vermisst; wie gut, dass ich gerade mal drei Tage ohne dich aushalten musste und jetzt wieder Hals über Kopf.. egal), sondern auch durch ihre sehr deutlich zum Ausdruck gebrachten Zweifel, mir könnte je jemand mehr Gefühle als freundschaftliche Zuneigung entgegenbringen (anders gesagt, etwas wie Liebe), solange ich 1) ehrlich bin, 2) mich immer mit ihnen anfreunde, obwohl ich sie mag, bzw mag-mag, und 3) Dreads habe, dafür aber 4) kein Selbstbewusstsein. Yay, gute Aussichten. An mir sind genug Sachen verkehrt, da freut man sich ganz besonders, wenn Dinge an einem kritisiert werden, die man – würde sie es nicht permanent an einem bemängeln – eigentlich eher für Qualitäten halten würde. Und last time I checked, wurde Selbstbewusstsein nicht dadurch größer, in einer Tour aufgezählt zu bekommen, was man alles verkehrt macht.

„Es sieht ja nicht schlecht aus, das hab ich nie gesagt. Es sieht… interessant aus. Du siehst damit niedlich aus. Und sogar die Form ist auch schön. Du limitierst deinen Wirkungskreis trotzdem auf ein Prozent der Männer. Ich sage ja nicht, dass es niemandem gefällt. Aber 99% der Männer wollen etwas Anderes.. anfassen. Du hattest die schönsten Haare…“

Ich würde mir wünschen, behaupten zu können, dass ich mir nichtmal die Mühe mache, zurückzureden. Was bei anderen Menschen eigentlich immer meine Taktik ist; wenn ich merke, da ist Hopfen und Malz verloren, lasse ich sie herumargumentieren und Monologe führen ohne Ende und verschwende nicht meine Energie mit Zurückreden. Nur bei ihr kann ich es nicht, es geht nicht; ich denke immer wieder, es kann doch nicht sein, dass so etwas aus ihrem Mund überhaupt rauskommt. Ist da kein Filter für entsetzliche Abscheulichkeiten? Und an welchem Punkt ist ihr Denken so schrecklich verdreht, dass am Ende so etwas dabei herauskommt? Ich verstehe nicht, wie man so sehr sein eigenes Leben failen kann und dann denken, für Andere wertvolle Ratschläge zu haben. (Wobei ich genau das, glaube ich, auch gerne mal tue. Aber ich faile nicht so sehr, ich lebe immerhin noch. Mein Leben ist immerhin mehr Leben als bloßes Dahinsiechen in Selbstbetrug. Oder? Wissen kann man es ja nie so genau selbst.)

Also rede ich zurück. Ich bin mir nicht zu hundert Prozent sicher, wer von uns beiden das delusionalere Denken hat – sie mit ihrer Annahme, ich wäre auch ohne diverse Äußerlichkeiten schon merkwürdig genug und würde nicht genug an mich selbst glauben, um Anderen begreiflich zu machen, dass ich toll bin (tatsächlich war ein Stück Überwindung nötig, das zu tippen, aber das ist es für viele Sachen hier im Eintrag), oder ich mit meiner unumstößlichen Überzeugung, dass es verdammt nochmal nichts ausmachen sollte. Ja, dass es nicht anders geht, als sein Gegenüber zu warnen, was es erwartet, und ihm die Chance zu geben, wegzulaufen, solange es noch kann. Wenn 99% der Männer keine Dreads mögen, kann mir das herrlich egal sein; umso besser, dass sie durch mein abstoßendes Äußeres gleich davon abgehalten werden, mit mir Bekanntschaft zu schließen, schließlich sind meine (endlich mal!) geliebten Haare ja so etwas wie eine Warnung davor, was darunter steckt. Dann würden sie noch früh genug weglaufen, wenn sie feststellen, dass meine Haare, obgleich lang und wellig und seidig, nicht gerade ein langes, welliges, seidiges, unkompliziertes, mit allem und jedem konformes Inneres widerspiegeln.

Ferner sagte sie, es wäre so selten, dass sich Intelligenz und ein von Grund auf liebes Wesen – das man mir allen Ecken und Kanten zum Trotz nicht absprechen könne – in einem Mensch zusammentun, und, in etwa, welch Schande es wäre, dass ich das Ganze an meine Freunde verschwende und nicht in der Lage bin, mir eine Beziehung aufzubauen. Oder so.

Das Bittere daran, in meinem Alter es nicht ein Mal gebacken bekommen zu haben, von jemandem geliebt zu werden, ist nichtmal so sehr die Tatsache selbst (natürlich, es wäre ganz schön so zur Abwechslung, es muss wunderbar sein, aber man kommt ganz okay durchs Leben so). Aber um alles in der Welt, wo rede ich mich denn hier herein. Gehen wir lieber weg. Ich habe Jane Eyre im anderen Zimmer liegenlassen. Das ist unpraktisch, aber vielleicht hilft mir dieser Umstand, heute früh ins Bett zu gehen.

Abschicken?

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Kurz vorab, ich heule seit Ewigkeiten Rotz und Wasser und war eigentlich höchst entschlossen, es durchzuziehen. Aber wie nicht anders zu erwarten.. schiebe ich es wieder auf. Ein Stück Ehrlichkeit von meiner Seite. Aber ich bin doch zu feige, ich schaffe es doch nicht.

Ich kann das so nicht, ich bin schon wieder total am Auseinanderfallen. Immerzu, wenn ich schon wieder so tue, als wäre alles in Ordnung. Kann gut sein, dass gerade wieder nur eine Zeit ist, in der ich etwas zu Übertreibung neige, aber ich hab das Gefühl, wenn ich weiter erlaube, dass zwischen mir und euch eine Verbindung ist, kann ich niemals ein ordentliches eigenes Leben haben. Es hat mir unglaublich gut getan, mit dir über alles reden zu können. Ich weiß nicht, was sonst aus mir geworden wäre. Ich würde dir vorschlagen, dass ich mich irgendwann melde, wenn ich den Rest Arbeit geschafft habe, den ich noch vor mir habe. Oh wenn du ahnen könntest, wie es mich zerreißt. Ich bin so dankbar, dass ich so viel Klarheit über alles im Nachhinein durch dich noch bekommen habe. Ich an deiner Stelle hätte nie so viel reinen Gutwillen mir gegenüber aufgebracht. Ich will erst wieder mit euch reden, wenn ich das Gleiche euch beiden gegenüber auch schaffe. Sag nichts mehr, bitte, sonst schaff‘ ich’s wieder nicht. Das ist wie Selbstmord. Das fühlt sich so sehr wie Selbstmord an. Wie als ich euch damals gelöscht habe, jetzt bin ich wieder genau an dem gleichen Punkt. Diesmal werd‘ ich aber nicht einen Abend später Şahin anrufen, um Ritual zu machen und alles wieder einzurenken. Ich muss das jetzt schaffen. Sag allen schöne Grüße. Ich bin jederzeit für chillige Gespräche offen, aber nicht, wenn von mir erwartet wird, aus einem Trauma kein großes Ding zu machen. Jeder kann mit mir reden, immerzu, jederzeit, aber irgendwo muss ich auch verstanden und respektiert und geliebt werden und nicht dazu dasein, jemandem den Komfort einer unkomplizierten Freundschaft zu bieten, in der man sich Zuneigung holen kann, wenn die an anderer Stelle gerade knapp ausfällt. Ich bin so kaputt, ich brauch‘ selber manchmal wieder ein bisschen, um zu merken, wie schlimm. Wenn ich jemals jemanden finde, der mir kleinem harmlosen ahnungslosen Menschen Liebe gibt, vielleicht werd‘ ich ja dann wieder ganz. I’m rambling. Sorry. Ich hab dich lieb. Ich werd‘ es aushalten, durch die ganzen Käffer durchzufahren, nicht wie vor so Kurzem noch, und dass unser Mineralwasser aus Bruchsal kommt, ist auch okay, und überhaupt, alles ist gut, ich werde ja nicht vergessen. 🙂 Ich kann’s immer noch nicht glauben, dass ich nicht vergessen worden bin, das bedeutet mir unermesslich viel. Danke, dass du es das letzte Dreivierteljahr lang mit mir ausgehalten und mir nie wieder das Gefühl gegeben hast, wertlos zu sein. Ich werd‘ das für immer behalten.

If anyone can hear me…

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Also, mir geht es gerade sehr gut. Ich bin vollgegessen mit Chips, Pistazien, überbackenen Nudeln und Spargel, Sonnenblumenkernen, Milch und Cuarenta y tres, Muffins und Honigwaffeln. Sollte man eigentlich nach einer normalen Bandprobe nicht unbedingt erwarten, aber 1) seit wann sind wir normal, und 2) haben Sarah und Chris und ich nach der Probe noch eine ganze Weile zusammengesessen und Sarahs fertige Bachelorarbeit gefeiert. Das alles – und ein ganzer, riesiger, langer Nachmittag voll Probe – hat dazu geführt, dass mein Kopf mit vielen Dingen angefüllt ist und nicht zu sehr von Sachen belastet wird.

Anders als noch heute Vormittag. Da hatte ich ein ganz krasses Erlebnis im Bus zur Uni. Und zwar war ich auf dem Weg zu Baskisch, war am Morgen schon im Syntax-Tutorium gewesen, dementsprechend früh aufgestanden, dementsprechend KO, hatte dementsprechend eine meiner noch von Silvester übriggebliebenen Energy-Brausetabletten konsumiert, welche gerade anfing zu wirken, war dementsprechend kribbelig und hyper und dementsprechend glücklich über All I Want, das gerade in meiner random Wiedergabe lief. Und dementsprechend kurz davor, ganz entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, immer alles anzuhören, egal was (außer dem Redundant Song natürlich, verständlicherweise), das extrem sanfte und langsame Lied aus Twin Peaks, das danach kam, einfach weiterzudrücken.

Zumal ich erst dachte, es wäre das Twin Peaks Theme, das instrumentale vom Anfang der CD.

Da hörte ich also:

Das hier.

Um dann einen kurzen inneren Disput mit mir auszuführen und mir an dessen Ende zu sagen, nein, du hörst das jetzt, es wird bestimmt auch interessant, mal zu sehen, wie du auf sowas reagierst, wenn du Energy getrunken hast.

Und dann auf einmal spricht diese Stimme zu mir.

Das hier.

Das hat mich so richtig unvorbereitet getroffen, wie ein Schlag, wie eine Warnung übernatürlichen Ursprungs. Als ob sie den Konflikt belauscht hätte, den ich unterschwellig dabeibin, mit mir auszutragen.

Und, um sicherzugehen, dass ich sie verstanden hatte, noch einmal.

Das hier.

Ich war so überwältigt, ich habe ihr nur entgegnet, ich versuche es ja, ich versuche es doch.

Das hier.

– sagte sie zu dieser unspezifizierten dritten Person, die jeder Mensch wohl bei sich im Kopf anders definiert und welche bei mir aus gegebenem Anlass eine recht starke Assoziation mit einem Ereignis von vor ein paar Nächten hervorrief.

Sie singt dann weiter: The sky is still blue, the clouds come and go, but something is different – zu der Zeit hatte der Bus die Uni schon erreicht und ich war ganz benommen am Aussteigen – are we falling in love?
Wenigstens das konnte ich ihr klar beantworten, nein, ziemlich eindeutig nicht. Ziemlich eindeutig nicht.

Ich war zu früh für Baskisch angekommen und hatte ein paar Minuten Zeit, mich auf der Bank vor dem Raum zu regenerieren. David, der auch zu früh war und mit dem ich mich über die Türkischkurse an der Uni unterhalten habe, war mir dabei unwissentlich behilflich. Er macht Türkisch I dieses Semester und ich habe ihn ausgefragt, ob unser Dozent mit ihnen genauso chaotisch umgeht wie mit all seinen anderen Kursen. Die Antwort kannte ich eh, aber es ist immer so amüsant, über dieses Unikat von einem Menschen mit Anderen zu reden.

Nachher habe ich mir aber doch noch weiter Gedanken gemacht, und tue es immer noch, natürlich. Und als ich gegen Ende der Basksichstunde kurz aufs Klo gegangen bin, hatte ich plötzlich wieder die Zeilen aus 80 im Kopf, If anyone can hear me slap some sense in me. Aber wer soll mich schon hören. Wer soll mir schon helfen. Das muss ich für mich selbst schaffen.

Dinge von denen..

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Damit es auch nicht zu langweilig wird hier.. So viel Freude und Glücklichsein auf einem Haufen hält ja auf Dauer keiner aus.

Ich hab‘ eine unangenehme Nacht hinter mir, was daraus resultierte, dass ich Şahin auf einem Bild gesehen habe.

Das war ja mal wieder typisch. Gerade fertig mit der Bekundung, wie gut es mir doch geht. Keine Stunde später hänge ich in Weltuntergangsstimmung heulend vor dem PC und will das Schicksal anschreien, so laut, dass alles um mich herum vibriert, warum er mich nur nicht wollte. Und warum ich jedes Mal unwillkürlich das Bedürfnis habe, zurückzugrinsen, wenn mir seine Fresse von irgendwelchen Fotos entgegenblickt. Über den ganzen höllischen Schmerz hinweg. Und warum das immer noch DA IST. Und was das für meinen Zustand eigentlich bedeutet.

Natürlich, bei Tag betrachtet kann man alles wieder besser aushalten. Ich bin trotzdem gerade erstmal zu Caro auf die Facebook-Seite gegangen und habe eingestellt, dass ich nicht mehr mitbekomme, wenn sie auf irgendwelchen Dingen getaggt wird, von denen ich nichts wissen wollen sollte.

Nicht nachdenken.

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Habe (bis jetzt zumindest schonmal) durchgemacht und SchülerVZ-Sachen gesichert. RN-Einträge, Gruppen, Pinnwände von diversen da- und/ oder ehemaligen RNs (Yup. So creepy bin ich. Steht sogar so im Dateinamen).  SchülerVZ wird ja geschlossen, in drei Tagen, um genau zu sein. Da ich es diese Nacht dann endlich mal geschafft habe, mich zu überwinden, da reinzugehen, konnte ich dann auch mal mit dem sinnlosen Zusammensammeln einzelner Klümpchen RN-Geschichte beginnen, meine lang verdrängten (oder so gut es ging ignorierten) Schätze aus der Zeit vor dem Feuer retten. So sinnlos. Der reichste Mensch der Welt sitzt jahrelang auf seinem Berg aus Scheinen, um im Angesicht der schließlich nahenden Feuersbrunst verzweifelt, gierig, fassungslos mit den Händen voll davonzulaufen mit kläglichen Überresten seines Reichtums – so viel, dass es mehr als genug war für ein ganzes Leben, etwas, das er nie geglaubt hatte zu verlieren.

Und wie erbärmlich, sich daran noch zu klammern.
Aber es ist auch meine ganze Vergangenheit, diese Gruppe – alles, wodurch ich wurde, was ich heute bin. Was soll man denn machen als hilflose krankhafte Nostalgikerin. Was soll ich denn machen, wenn die Zeugnisse dieser ganzen Jahre auf einmal verschwinden, wie JO es damals nach dem ersten – unnötigen – Löschdrama schon so treffend sagte – „als hätte es uns nie gegeben“.

Anzufangen, darüber nachzudenken, ist dumm und führt zu nichts, außer einer ganz ekelhaft entsetzlichen Laune, einer ganz unbeschreiblich ekelhaft entsetzlichen Laune.

Ich kann sie nicht einfach zu Grabe tragen, nicht jetzt, nicht hier, und selbst nach dem 30. April, wenn von meiner ganzen RN-Existenz nichts mehr übrig ist als das, was in unser aller Köpfen an verzerrten, verschwommenen, verfärbten Erinnerungen steckt – bei jedem anders, bei jedem andere, bei jedem von uns einzigartige Erinnerungen an diese Zeit, die unsere Leben so oder so auf eine Art mehr oder weniger maßgeblich beeinflusst hat. Ein bisschen maßgeblicher bei mir. Bei allen, die heute noch übrigsind. Oh nicht nachdenken. Nicht nachdenken, nicht nachdenken, nicht nachdenken. Es ist ein Teil von mir, der weggeht. Noch einer. Noch mehr letzte Fossilien. Nicht nachdenken.

Ich möchte mir selbst, auch wenn es zu verinnerlichen außerhalb meiner Macht steht (leider), in Erinnerung rufen, dass das Festkleben an Vergangenem das Sinnloseste ist, was man nur tun kann. DO AS I SAY, NOT AS I DO.

Neuland? Treibsand?

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Todesverwirrung. Todesverwirrung. Todesverwirrung.
Ich würde mich so gerne einfach mal selbst verstehen. Warum denke ich überhaupt darüber nach, warum macht mir das jetzt alles zu schaffen, wenn ich doch selber eingesehen habe und immer wieder sage, vorzugsweise zu Caro selbst, dass er so wenig versteht?

So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Ich denke halt nur drüber nach. Meinen Tag selbst habe ich mit sinnvolleren Dingen verbracht, wie damit, meine Lippe und Zunge an einem kochend heißen Rührstab zu verbrennen. Sage mir mal einer, warum ich immer, wenn ich nicht geschlafen habe, idiotische Sachen mit heißem Zeug anstelle. Immerhin sind meine Karamell-Cupcakes sensationell geworden.

Außerdem habe ich geschlafen, von halb eins bis acht. Yay für mein Vampirdasein.
Nachher habe ich noch eine sehr angenehme Unterhaltung mit Serj geführt und ihm auf seinen Wunsch hin ein bisschen Musik gegeben – er möchte seinen Horizont erweitern und gerne ein bisschen was „Härteres“ hören. („Sag mal, du hörst ja schon eher so Rock, oder?“) Ich habe versucht, ihn mit meiner Auswahl erstmal nicht zu überfordern, und ihm Disturbed, Nirvana, Misfits, NOFX, Rise Against und Billy Talent gegeben, und Green Day wollte er auch haben. Da wurde mal wieder das Leben von jemandem auf noch ungeahnte Weise bereichert. Ich hoffe, irgendwann wird er die Bereicherung zu würdigen wissen.

Und jetzt, nachdem ich meinen Film zu ende geguckt habe (heute „Heartbreak Kid“, war ganz okay), bin ich eben wieder am Nachdenken, warum um alles in der Welt ich eigentlich noch nicht an bodenloser Dummheit gestorben bin. Eben weil Şahin gestern wohl wieder zu Caro gesagt hat, er würde durchaus gerne mit mir reden. Aber wir wissen alle, dass er es niemals tun wird, weil er davon ausgeht, ich könnte ihm eventuell Vorwürfe machen. („Abfreaken“ nennt er es laut Caro. „Wenn du nur mit mir reden willst, um auf mir rumzuhacken, lass lieber nicht reden“, nannte er es damals im Dezember 2011 in unserer Facebook-Korrespondenz vor dem letzten Telefonat.)

Dieses feige Schwein. Caro hat ihn wohl mit dem Ganzen so dermaßen zugelabert, dass er nie wieder etwas davon hören will, „weil es ja eh keinen Sinn hat“, und ohne das Thema anzusprechen, kann er mit mir auch schlecht Kontakt aufnehmen. Er wird es also nicht tun. Außer wenn er von Caro erfährt, dass er von mir nichts zu befürchten hat. Weil ich einfach so abartig dumm bin und nicht das Bedürfnis verspüre, ihm eine Szene zu machen. Eigentlich vor allem, weil eine Szene niemals dem, was ich durchgemacht habe, auch nur im Ansatz je gerecht werden könnte.
Aber das will ich ja gar nicht – dass er um das Risiko auch noch herumkommt. Das habe ich gestern wieder ganz glasklar gesagt. Das ist das Allerletzte, was ich will.

Aber allein die Möglichkeit.

Und oh, diese unverschämte, ahnungslose Sackratte. Sagt zu Caro, wir hätten ja eine „deepe“ musikalische Verbindung gehabt und am liebsten würde er mit mir eine Art musikalische Beziehung unterhalten, sozusagen (nicht mehr seine Worte) eine Art musikalischer Friends with Benefits, nur halt ohne Freundschaft. Bzw die Freundschaft von der Musik getrennt halten.

Dieser Abschaum von einer Bettwanze.
Was ich mir einfach nicht erklären kann, ist wieso ich diesen ganzen Komplikationen und jeder Vernunft zum Trotz so gerne hätte, dass er von alleine ankommt und mit mir redet. Mein Leben ist so wunderbar geregelt gerade, mir geht’s gut, ich habe es alles so wunderbar schon verarbeitet. Zumindest so, dass ich leben kann, ohne dass es mir wie ein Haufen riesiger Steine jeden Tag aufs Neue im Weg liegt. Das alles zu riskieren, um einen Kontakt zustandekommenzulassen, der zu nichts führen kann, zu rein gar nichts, außer wieder Chaos und reiner Idiotie, warum??

Das Schlimme ist, ich rede eine Minute mit ihm und alles ist egal, alles ist weg, was zwischendrin war. Ohne jeden Zweifel weiß ich das. Gawd, ich sollte niemals wieder mit ihm reden. Aber es ist so absurd, ich war doch so fest davon ausgegangen, es auch nie mehr zu tun. Mit keinem von den beiden. Ich war so felsenfest davon überzeugt. Vielleicht sollte ich mich einfach mit der Möglichkeit zufriedengeben – die schon so viel mehr ist, als ich jemals noch erwartet hätte. Und damit, dass er mich nicht hat ersetzen können, was ich nun explizit gesagt bekommen habe und was auch so viel mehr ist, als ich geschätzt hatte noch zu bekommen.

Vielleicht sollte ich auch lieber den ganzen Kontakt wieder abbrechen. Jetzt habe ich doch wirklich alles erlangt, was ich mir wünschen kann. Außer meinen geliebten Menschen wieder, aber der hat sich vor anderthalb Jahren in Rauch aufgelöst und wird in dieser Form auch niemals wieder existieren.

Aber oh, ich bin verwirrt.

Und ich bin trotzdem froh über die unzähligen Lektionen, die ich gelernt habe. Und es gibt noch so viele mehr zu lernen. Die Frage ist, ob ich mehr lerne, wenn ich mich länger auf diesem unwirklichen Gebiet bewege und es weiter versuche, oder ob Loslassen in dem Fall dazugehört.

Ich bin so überfordert.

Verlassenwerden

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Ich will nicht, dass Sarah weggeht, ich will nicht!
Gerade waren ihre Eltern da, Vorboten der Apokalypse, oder anders gesagt, ihres Auszuges – morgen ist ihr letzter ganzer Tag. Ich beobachte seit Tagen bei ihr das gleiche Verhalten wie bei mir selbst in meinen letzten Tagen in Costa Rica, wenn einem erstmal vollständig bewusst wird, dass die Zeit praktisch abgelaufen ist. Das Packen, natürlich, die ganzen Vorbereitungen, Erledigungen. Da läufst du durch die ganze Wohnung und machst Videos davon. Da deckst du dich im Supermarkt mit allem ein, was du „drüben“ nicht kriegst. Da versuchst du schnell, alles zu machen, wofür eigentlich die ganze Zeit schon Zeit gewesen wäre, aber wie es nunmal so ist, denkst du dir ja doch immer wieder, du hast ja noch so ewig lange..

Und wie sie Susmita und mich einfach alleinelässt. Alles wird so anders werden hier in der WG. Ich hoffe so sehr, dass es trotzdem noch ein Zuhause bleibt. Ich will nicht wieder dahin zurück, wie es vorher war. Ich will doch mein Zuhause behalten. Ich bin so unglücklich. Wäre sie nun einfach eine Freundin, nicht eine Mitbewohnerin, hätte ich ja keinerlei Problem damit (als wohl fernbeziehungstauglichster Mensch in der Geschichte der Freundschaft), aber so – wenn die ganze Struktur meines Zuhauses davon abhängt, jetzt, wo ich gerade mal wirklich ein Zuhause hatte?

Tragisch.

Anfangen, aufhören, anfangen

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Die erste Redacción-Klausur ist morgen schon. Und Dossier-Abgabetermin. (Ich muss bis morgen dafür noch einen 300-Wörter-Text schreiben, in dem ich das Prinzip des Homeschooling auf Spanisch erläutere. Keine große Sache, wenn man erstmal anfängt, aber meinst du, ich hätte bis jetzt das Anfangen hinbekommen?)

Ich bin aber auch kolossal müde und habe nicht so gute Laune. Ich sollte nicht mehr mit Caro über den alten Kram schreiben, wieso tue ich mir das an? Und dazu noch, auf eine ganz getwistete Art, so gerne?

Uni war anstrengend heute, aber ich sollte mich nicht beschweren.

Lauras Seminar scheint wunderbar gelaufen zu sein.

Ich habe so schlechte Laune, ich kann gar nicht mehr denken. Ich versuche mal diese letzte Dossier-Aufgabe noch hinzubekommen, das wird bestimmt ablenkende Wirkung haben. Und ich werde die Tür zumachen müssen; aus Sarahs Zimmer kommt der Amélie-Soundtrack gewabert und hat keine ablenkende Wirkung, oh, ich habe Kopfschmerzen. Verdammt. ich bin einfach nicht dafür gemacht, zu arbeiten. Ich bin zu dumm zum Arbeiten. Und zu dumm, zu erkennen, ob mich jemand liebt oder ich ihm scheißegal bin. Aaaaaaaaaaaargh.