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Silvester mit Menschen

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Wie schön! Ich habe gerade ewig mit Becci geredet. Zumindest war es für unsere Verhältnisse ewig, und ich bin glücklich, berichten zu können, dass sie wirklich mit dem Gedanken spielt, an Silvester auch zu mir zu kommen. Somit hätte ich Robert, Caro und Saskia mit einem eindeutigen Ja, Janine mit einem sehr zu Ja tendierenden Vielleicht, Becci mit einem von äußeren Umständen abhängigen Eventuell, prinzipiell aber Ja. Dazu noch Beccis Freund Chris, falls Becci kommt, und Caros Münchener Freundin Susi. Natürlich hoffe ich, dass auch Trudi hier ist zwischen den Jahren, und falls mir Peruaner-Pedro nicht einen Strich durch die Rechnung macht und mit Sarah irgendwo weit wegfliegt, auch die beiden. Lisa werde ich noch fragen, und Marie auch. Lena wird eh weg sein. Und JO muss ich noch fragen. Vielleicht Simone noch? Man kann ja nie wissen; vielleicht hat sie ja wirklich Lust und Zeit. Und Laura habe ich mit einem ganz eventuellen Ja verzeichnet, sofern sie nicht aus Russland Besuch bekommt – ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen.

Das sind also im schlimmsten Fall bis jetzt zehn Personen, die ich über mehrere Tage hinweg bei mir im Haus unterbringen werde – das wird lustig. Vielleicht könnten Trudi und ich Zimmer tauschen für die Zeit, ihres ist doppelt so groß wie meins und kann mindestens 6 Leute mit Leichtigkeit beherbergen, und ein paar mehr immer noch ohne Probleme. Wohingegen es bei mir drin schon mit 4en eng wird.

Wow. Wenn ich an letztes Jahr Silvester denke, wo ich am Rande der Vereinsamung in Vitoria festsaß mit der Aussicht, den Jahreswechsel entweder vollkommen allein oder aber bei Skype mit dem Ukumensch zu verbringen, was zugegebenermaßen nicht das Furchtbarste war, was ich mir vorstellen konnte, aber schon ein Unterschied zu jetzt. Kein Wunder, dass ich durchgedreht bin da unten. Daniel von EP (Wer? Uff, lange Geschichte. Aber kurz gefasst ist es ein Kanadier, den ich vor zweieinhalb Jahren bei Experience Project aufgetan und angeschrieben habe, woraufhin sich eine skurrile Unterhaltung im Halbjahrestakt entwickelt hat, bis ich auf die Idee kam, ihm meine E-Mail-Adresse dazulassen. Daraufhin bekam ich dann völlig unerwartet tatsächlich eine Mail von ihm, die ich einen Monat danach sogar bemerkte und dann zügig beantwortete; seitdem schreiben wir uns ungefähr jeden Tag Mails. Er ist interessant; mehr wie ich, weniger wie Andere) hat Recht, für mich sind meine Freunde auch die Welt und ich geh ein ohne sie, selbst wenn ich versuche, mein Glück nicht zu sehr von Personen abhängig zu machen.

Oh Shit. Ich muss ins Bett, sonst komme ich nachher nicht rechtzeitig zur Post und Lauras Brief kommt zu spät an.

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Kurz vorm Augenzufall noch ein Lebenszeichen.

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Ich komm‘ grad echt kaum noch an den Computer. Unglaublich, was einem da alles durch die Lappen geht. Vor allem, wie wenig Bedeutung plötzlich Dinge haben, die vorher eine willkommene Abwechslung darstellten und mir momentan eher das Gefühl geben, irgendwie unterbesetzt zu sein. Jemand sollte meine Facebooknachrichten und E-Mails managen, alles Wichtige rausfiltern und am besten noch für mich beantworten. Vielleicht kann ich mich ja mithilfe eines bisschen mehr Thai-Essen in zwei spalten, wenn es schon mit Şahin damals nicht so recht klappen wollte. (Der Text fliegt auch noch irgendwo herum. „Sometimes I wish that there were two of you, maybe you could split in two if I fed you enough Thai food“.. und so. Big Bang-Referenzen haben halt auch nochmal irgendwie verbunden, da Caro die Serie entsetzlich fand. Sie fand auch Sheldon „unlustig“. Wie on earth.. Aber gut, ich fand’s umso angenehmer, wenn wir Big Bang guckend auf dem Sofa gechillt haben und sie sich woanders vergraben hat. Und dass er die Anfangsmelodie immer überspringen wollte, war mit der Zeit auch akzeptierbar. Nachher bin ich ja sogar selbst dazu übrgegangen.)

Ich habe eben angefangen, Trudi Gitarre beizubringen, beziehungsweise meine begrenzten Fähigkeiten (oder was ich an deren Stelle habe) mit ihr zu teilen. Beruhigt kann ich feststellen, dass sie mich zumindest nach der ersten Übungseinheit noch nicht eingeholt hat. Ich bringe ihr Two Thousand Lights bei, das ich mir seinerzeit ja auch ziemlich am Anfang beigebracht hatte, als eines der ersten Lieder fremder Menschen, die ich damals als Werke schon leicht gehobenen Schwierigkeitsgrades ansah. Ich war richtiggehend erstaunt, als ich es auf einmal dann spielen konnte. Die Grotten-Coveraufnahme fliegt noch irgendwo herum. Sogar mit reingeschnibbelter Zweitstimme am Ende. Dafür mit Wasserfallrauschen.
Damals war es für mich noch ganz neu, das ganze Gezupfe.

2,000 Lights

Dann habe ich gerade noch eine Version vom 8.12.13 gefunden, die mich anfangs sehr erstaunte, weil ich mich nicht wirklich erinnern konnte, das Lied letztes Jahr überhaupt mal gespielt zu haben. Und auch sonst, weil es.. nunja.. sich ein wenig.. äh, merkwürdig anhört. Aber das Mysterium klärte sich mit dem Einsetzen der „Vocals“.
Ich hatte in dem Moment definitiv den Punkt überschritten, an dem mich Alkohol in irgendeiner Weise singfähiger macht. Oder überhaupt zu irgendetwas fähig. Wie viel um alles in der Welt..
Würde nicht die Aufnahme selbst das in all ihrer Entsetzlichkeit schon verdeutlichen, so doch in jedem Fall meine hervorragende Feststellung an ihrem Ende.
Das war ich in Vitoria. Nicht so schön eigentlich. Vitoria, Vitoria, was hast du nur mit mir angestellt. Wie gut, dass ich zurückbin. Die Freude darüber trifft mich immer noch manchmal plötzlich mit voller Wucht.

2,000 Lights 8.12.13

Um der heiligen Transparenz willen.

Ich bin schon wieder so hundemüde. ich komme ja vor lauter Leben zu gar nichts mehr, schlimm so etwas. Vor allem fällt mir trotzdem immer wieder irgendein Detailchen aus vergangenen Zeiten ein, welches ich dann auf einmal unglaublich Lust verspüre mitzuteilen, und um das aktuelle Geschehen zu konservieren, bleibt gar keine Zeit mehr, oder keine Lust, oder keine Energie, oder keine Insomnia. Nichtmal die ist mir geblieben. Tragisch.

Was auch tragisch ist, ich hatte mich wirklich gefreut, als ich mich gestern auf den Weg auf die Reichenau machte, um Sara (ohne h, die Kinesiologen-Sara, meine neue Bekannte), die neulich einen psychotischen Schub erlitten hat und sich jetzt wieder am Aufbauen ist, in der Psychiatrie zu besuchen – ich war noch nie dort und hatte mich auf neue Eindrücke und Erlebnisse eingestellt; stattdessen stimmte einfach mal die Route des Busses nicht mit der in meinem (zugegebenermaßen ein Jahr veralteten, aber das hatte noch nie zuvor einen Unterschied gemacht) Fahrplan eingetragenen überein, ich landete im strömenden Regen irgendwo auf der anderen Seite der Stadt und fuhr unverrichteter Dinge, einen Umweg über die GiveBox einlegend, wieder nach Hause. Zumindest habe ich dadrin eine Regenhose gefunden, sodass mir weitere Durchnässung erspart blieb. Was natürlich längst zu spät war, zumal ich Teile der Strecke auch mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte.

So. Eigentlich wollten wir auf die Mainau heute; da aber das Wetterchen nicht so mitzuspielen scheint, kann ich stattdessen wie gestern schon zur Tafel, abholen, und ansonsten vielleicht mal wieder ein bisschen gammeln. Ich vermisse Gammeln. Ich vermisse es wirklich. Und Hausaufgaben für die Uni muss ich noch machen. Das ist das einzig Schlimme dieses Semester, die ganzen Hausaufgaben.

I’m going fuckin‘ home!

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Jetzt hab‘ ich Panik – was aber nicht weiter verwunderlich ist, immerhin habe ich im Laufe des Abends drei Energytabletten in meine Kalimotxos gemischt.

Fünfzig Minuten.

Es ist alles soweit gepackt; Saskia war hier bis eben gerade und schrieb mir soeben eine SMS, die besagte, ich sei „the sweetest thing ever“ – vermutlich hat sie, sobald sie unten zur Tür rauswar, das Tütchen aufgemacht, in dem ich das gestern Nachmittag noch schnell ausgedruckte und in einen meiner Bilderrahmen gesteckte Granada-er Raupi-Foto behelfsmäßig verpackt hatte.

Ich warte dann mal auf mein Taxi.
Oh je. Das werden panische letzte Minuten hier in der Wohnung. Aber immerhin bin ich halb betrunken und war bis jetzt nicht allein an diesem schicksalshaften Abend.

Ich weiß; ich beschwere mich seit einem halben Jahr, dass ich nach Hause will, und fange auf die letzte Minute noch an zu meckern. Aber was will man erwarten; der Mensch ist ja nunmal auch irgendwo ein Gewohnheitstier.

Ich kann die Zeit hier noch nutzen, um dir die un-fucking-fassbare Geschichte meines wiedererlangten Persos zu erzählen.

So ging ich also gestern Nachmittag um kurz vor fünf Uhr in meinen Stamm-Copyshop, um mir meine Geburtsurkunde und die Fotos von meinem verschwundenen Perso ausdrucken zu lassen und dazu noch das Foto, das ich Saskia schenken wollte. Weil die Menschen in diesem Copyshop immer so unwahrscheinlich nett sind, habe ich überhaupt keine Angst vor ihnen und fing demzufolge an, der Frau von meinem Perso-Disaster zu berichten.

So war ich also mitten am Erzählen:
„… y me voy a mi país el sábado, es que soy de Alemania y tengo que imprimir una copia de mi certificado de nacimiento para que me dejen volar… Sí, estos dos también, son fotos de mi antigua pasaporte…“

Y me dice ella:

„Eso es tu pasaporte?“

Y le digo que sí. „Sí, o al menos lo fue..“

Y me dice ella:

„Entonces.. es esto tu pasaporte?“

Y va sacando algo de debajo de su escritorio, and what is it if not my – fucking – ID.

I lost my ID on the stairs in front of the copy shop.

A client brought it back in.

She kept it there, not knowing who I was or where to find me, meaning – but forgettig – to take it to the police, hoping for me – the owner – to return some time.

Never in a million years wäre ich darauf gekommen, meinen Perso vor dem Copyshop verloren zu haben.

Ich habe mich dann mit Saskia getroffen, um einmal noch zusammen Chocolate con churros zu essen, und ging dann mit ihr zur Polizei – weil ich ihr einfach unbedingt vorführen wollte, wie unnormal freundlich die vitorianischen Polizisten sind. Was gut funktioniert hat; der nunmehr vierte Polizist, der sich im Laufe meiner Zeit hier mit Verlusten und anderen Anliegen meinerseits beschäftigt hat, war in seiner Sympathischkeit (ich bezweifele, dass das ein Wort ist, but then, what do I care) genausowenig zu übertreffen wie die anderen. Ich habe meine Anzeige rückgängig gemacht und bin nunmehr im Besitz
• einer Kopie meiner Geburtsurkunde
• einer Kopie meiner Abstammungsurkunde (nur vorsichtshalber)
• einer Kopie meines Persos – Voder- und Rückseite
• einer Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• einer rückgängig gemachten Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• und last but not least, meines Persos.

Selten so gestaunt in meinem Leben. Ein paarmal, zugegebenermaßen, aber nicht oft. Wie ich es liebe. Glück muss man haben. Ich liebe dieses Leben.

Auch wenn ich Panik habe und in zwanzig Minuten anfangen werde, dieses Haus endgültig zu verlassen.

Es sind immer noch Sachen übrig, die in den Koffer gequetscht werden wollen.

Drei Energys sind zu viel – Panik, Panik, Panik, und ich bin alleine. Aber nicht für lange. Gleich bin ich im Taxi, bezahle ein Vermögen für die Fahrt nach Bilbao, was aber nichts ausmacht, weil ich vor ein paar Stunden meine Kaution plus 50 Euro wiederbekommen habe – ich schwöre, ich habe nur 400 bezahlt und diese Frau gab mir 450, aber wer bin ich, mich zu beklagen? – und somit eine reiche Person bin. Für kurze Zeit.

Meine Zwischenmieterin hat noch kein neues Zimmer gefunden, wie sie mir mitteilte, aber kann bei ihrem Freund bleiben. Die Glückliche; grad ein halbes Jahr in Deutschland und schon nen Freund an der Backe. Manche Leute können’s halt.. was unsereins in zweiundzwanzig Jahren nicht schafft. Nunja. Man sollte sich halt nicht immer die entweder bereits vergebenen oder aber emotional unerreichbaren Menschen aussuchen.

„Y te digo que tengo novia.“

(Wobei, ich glaube, er sagte sogar „una novia“, aber das hat mein integriertes AutoCorrect gelöscht und durch richtiges Spanisch ersetzt; damn you, AutoCorrect, du verfälschst mir meine wertvollen Erinnerungen.

Ich gehe zu ende packen.

Vierundzwanzig Minuten.

Raupi

One day’s gotta be the last.

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Saskia ist auch echt so ein Phänomen für sich. Zu so vielen Teilen wie ich, zu so vielen anderen das komplette Gegenteil, und dann sind noch überall Facetten verstreut, die mit mir weder aus dem einen noch aus dem anderen Blickwinkel in Verbindung zu bringen sind.
Muss ja auch nicht sein. Es ist, als wären wir Magneten. Würde jeder von uns genau seine andere Seite, ich sage mal, raushängen lassen, könnten wir wahrscheinlich auf Teufel komm raus nichts miteinander anfangen. So dagegen wurde sie einfach mal meine beste (und, zugegebenermaßen, im Grunde einzige) Freundin hier in Vitoria.

Wenn sie hier nicht gewesen wäre. Meine Güte, ich wäre ja wieder vereinsamt. Aber es ist erstaunlich, wie es mir reicht, und vollkommen reicht, sie (bis Weihnachten noch zusammen mit ein paar anderen Erasmus-Menschen) hier als sozialen Kontakt zu haben. Da sieht man schon wieder den krassen Unterschied; sie hat tausendundeinen Bekannten in jeder Ecke (und macht alle zwei Minuten neue Bekanntschaften – der wohl extrovertierteste Mensch auf Gowais weiter Erde) – und trotzdem scheint sie mir, auch so, irgendwie doch nochmal einen anderen Wert zuzuschreiben. Einmal mehr bin ich dem Medi dankbar; seiner grandiosen Wirkung ist zu verdanken, dass lebensqualitätsverringernden Sinnlosgedanken in Richtung „ooh, sie hat viel mehr Freunde als du, sie kennt viel mehr Leute, sie kann dich ganz einfach ersetzen“ von Seiten meines Verstandes wirksame Grenzen gesetzt werden. Diese Idiotie hat mir genug Jahre meines Lebens versaut; langsam muss es damit auch mal gut sein.

Nuja. Die Nostalgie ist am Einkicken, die letzte Nacht angebrochen (morgen Nacht zähle ich schon nicht mehr dazu – da wird nur noch bis 4.20 aufs Taxi gewartet und dann geht’s ab), der Koffer immer noch nicht zu, natürlich – ehrlich gesagt bezweifele ich noch ein bisschen, dass ich an seinem offenen Zustand alleine etwas zu ändern vermag, und versuche es gar nicht erst.

Meine Mandeln machen Terror.

Ein Tag noch. Genau ein Tag.

Esperando

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Eineinhalb Tage.
Hoffentlich findet meine Mutter bis morgen meine Geburtsurkunde. Meine Eltern sind immer noch am Renovieren und offenbar ist das Haus ein einziges Chaos. Da komme ich mit meinem Request genau richtig. Aber ehrlich.. wichtige Dokumente bewahre sogar ich so ordentlich auf, dass ich zu jeder Zeit drankomme. Wenn ich sie nicht gerade unter mysteriösen Umständen verliere. Am besten verlagere ich dieses Jahr mal irgendwann meine ganzen offiziellen Papiere zu mir nach Hause.

Uff. Mein Computer ist nicht mehr der Reaktionsfreudigste. Alle paar Minuten hängt er sich auf, stürzt ab oder veranstaltet sonstige lustige Unternehmungen ohne mich. Wenn ich nicht wüsste, dass in einer Woche Robert zu mir kommt, mit einem linuxbeladenen USB-Stick, würde ich halb verzweifeln. So dagegen ertrage ich es tapfer. Was habe ich letztens noch Schönes gelesen: „Before you marry someone, watch them handle a computer with slow internet to expose the person they really are.“ Da würde ich ausnahmsweise mal richtig gut abschneiden.

Nebenbei spiele ich Snake, schaffe es wie immer nicht einmal ansatzweise, meinen inzwischen knapp siebenjährigen übermenschlichen Rekord aus Kopenhagen zu brechen, und erschrecke mich regelmäßig zu Tode, wenn die Musik nach einem weiteren Schwächeanfall der virusgeplagten Bernadette wieder anfängt zu spielen. Ohne kann ich aber auch nicht; NUFANs Hard Rock Bottom ist mein ständiger Begleiter in dieser Zeit und wird mich ohne jeden Zweifel später in einem Schwall aus Bildern, Gefühlen, Erinnerungen, Assoziationen, Gedankensequenzen und dieser einen, völlig individuellen, jedem Zeitabschnitt des Lebens, egal wie lang oder kurz, irgendwie eigenen ganz bestimmten Atmosphäre zuverlässig wie nichts sonst an meine letzten Wochen in Vitoria erinnern.
Noch eine Zeitkapsel.

Ich muss zum Gratisladen gleich, um tütenweise Zeug abzugeben (und vermutlich trotz ernstem Platzmangel doch wieder mit neuer Ausbeute zurückzukommen). Außerdem wollten Saskia und ich heute Abend noch einmal zu an dieser Stelle erstmals erwähntem Mushroom place gehen, aka das Verdi – eine erklärte Erasmus-Bar, in der donnerstags – Pintxo-Pote-Zeit* – mit Knoblauchbutter gefüllte Champignons als Pintxos verkauft werden und sich die Menschen, nur allzu zahlreich anwesend, in einem Gewimmel von Plastiktellern, dröhnender schrecklicher Musik und Müll, Müll, Müll irgendwo ein Fleckchen suchen, um diese Köstlichkeiten in der Gesellschaft ihrer Wahl zu verzehren. Aber wenn es nunmal so unschlagbar ist, Champignon-Pintxo und das obligatorische Pote für einen kleinen Euro – für mich Wein, Saskia wählt Kalimotxo, was ich allein aus ökonomischer Sicht unverständlich finde, aber wenn sie es nunmal so mag..

*Um dich kurz mit dem Pintxo-Pote-System vertraut zu machen (ich bin vermutlich eh die einzige bloggende Erasmus-Studentin in Vitoria, die dieses Wort anderthalb Tage vor ihrer geplanten Abreise zum ersten Mal erwähnt). Pintxos sind die baskische Variante von Tapas. Brot als Unterlage, und alles Mögliche drauf – von Fisch über Gemüse bis hin zu Tortilla oder Zeug mit Schinken. Wenn man in Euskadi abends weggeht, funktioniert es folgendermaßen: Du gehst mit deiner Koadrila (oder sagen wir ganz zivilisiert Clique) in eine Bar, isst ein-zwei Pintxos, trinkst ein-zwei Cañas (was nichts mit Zuckerrohr zu tun hat, sondern einfach ist, wie man hier ein Glas Bier nennt), und weiter geht’s zur nächsten Lokalität. Das Pote ist ein genereller Ausdruck für Getränke – Wein, Bier, Kalimotxo (eine überall zu erwerbende Mischung aus Wein, Eiswürfeln und Cola). Und Pintxo-Pote nun ist praktisch die vitorianische Happy Hour der Woche, Donnerstag Abend, wo du in vielen Bars einen Pintxo und ein Pote zusammen für um die 1,50 – 2€ bekommst.

So viel dazu. Was ich aber eigentlich nur sagen wollte, war, dass ich mich ein bisschen krank fühle und noch nicht ganz sicher bin, ob ich ihr nicht eventuell absagen sollte.

Manchmal höre ich Marco reden.
„Tienes mucha suerte.“

Natürlich, dass ich das nicht einfach vergesse. Das wäre ja schon eher untypisch.

„What a good teacher I am.“
„Hah, I wouldn’t say so. I’d say life is.“

I love dew.

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„I can hear your heartbeat.“
-„You know, I’m trying to feel your brain here, but there’s just nothing there.“
-„..there’s nothing in there..“

Granada.
Willkommen zurück aus den erlebnisreichsten Tagen des Jahres.. bisher.

„Quiero saber qué estás pensando.“
Pause.
-„Y yo, como siempre, no lo sé. No lo sé. Maybe about the ride home tomorrow. Maybe about something completely different. ..What are you thinking?“
-„I’m thinking I’m happy to be here.“

Wieder einmal haben sich meine Perspektiven verschoben. Wie viel es immer wieder zu lernen gibt, so unendlich viel.

„I learned a lot this night.“
-„Me too.“
„What did you learn?“
Pause.
„Too much to put it into words.“

So these things really do happen after all.

I’m back in Vitoria now, I have a little less than a week left before I go home. I had the weirdest dream last night, in which I came back and our flat had changed entirely, it had been rebuilt completely – the kitchen was even smaller than before, but we had a living room, which we didn’t use to have – but I accepted I was in the right appartment because Rachel was there, she told me about the renovation and the reasons for it. Then there was the new girl, Meike (I made her up while dreaming, it was funny actually). She was a chubby blond girl who seemed nice, but didn’t say much to me. My room was different too. Also my subtenant had forgotten to move out and was still in the room. She apologized for being such a forgetful person. I told her it was okay and to take her time collecting her stuff, I didn’t mind.

„What a strange situation.“

Drei Wochen

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Es wird Zeit, dass ich hier wegkomme.

Dani kam heute mit seinem Laptop herein, um einer Nachmieterkandidatin über Skype mein Zimmer zu zeigen. Und William ist langsam frustriert von meinem ewigen nächtlichen Geskype und hat mir in der Nacht (berechtigterweise) eine unfreundliche Facebooknachricht geschrieben, die mir über Stunden hinweg ein ganz ekliges Gefühl bereitet hat. Ich habe eine sich irgendwo zwischen „verständnisvoll“ und „um Verständnis bittend“ bewegende Antwort geschrieben, die ihn besänftigt zu haben scheint, aber nach dem Vorfall kann ich unmöglich nochmal einen Ton von mir geben, nachdem er im Bett ist. Sprich, zwölf Uhr wird mein neues Limit. Robert hat mir eben schon viel Spaß dabei gewünscht, mir die stillen Stunden zu vertreiben, bis ich irgendwann mal schlafen kann. Aber dadurch, dass diese papierdünnen Wände mich nur noch drei Wochen lang beherbergen werden, ist es schon noch auszuhalten.

Ich werde wieder unfassbar antisozial hier. Nach der Woche Urlaub, aus dem ich mit einer wiederbelebten Gewissheit, dass andere Leute ja gar nicht so schlimm sein müssen, zurückkam, hätte ich nicht gedacht, dass man so schnell in einen Zustand des erbärmlichen, aber nichtsdestotrotz bereits gut bekannten Trotzüblenhungersewignichtszuessenmachensaufgrundderanwesenheitvonmitbewohnerninderküche zurückfallen kann. Aber ich bin der lebende Beweis – es geht.
Dafür aber haben mich Saskia und Charlie gestern Abend ein paar Stunden, nachdem ich angekommen war, noch herausgeklingelt, um zusammen in die Stadt zu gehen – Charlies letzte Woche in Vitoria ist angebrochen, und ich selbst bin ja einfach nur froh, dass ich nicht diejenige bin, die, von allen verlassen, am Ende für ein weiteres halbes Jahr hier zurückbleibt. Saskia kann mit diesem Schicksal weitaus besser umgehen, als ich es würde – sie hat, wenn wir wegsind, wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten schon wieder drei Hände voll neuer Freunde. Wie sie nunmal so ist. Ich bin mir nicht sicher, ob es beneidenswert ist, so.. fast schon wahllos in der Lage zu sein, Bekanntschaften zu machen. Es muss schön sein, sich keine Sorgen machen zu müssen, wenn man neu irgendwo hinkommt, dass man niemanden finden könnte. Auch wenn ich mich immer wieder frage, was eine Geste der Zuneigung von jemandem wert ist, der sie wie Sand am Meer in alle Richtungen verstreut.

Die letzte Arbeit für die Uni ist fertiggeschrieben und eingereicht, ganz entspannt mehrere Stunden vor Deadline, so lob ich mir das.

Ich freue mich, weil mir Gustavo geschrieben hat – der Salinger lesende Brasilianer – um mir die Aussicht zu verkünden, dass er innerhalb der nächsten Jahre auf jeden Fall mal nach Deutschland kommt und wir uns demzufolge vielleicht nochmal begegnen. Ferner berichtet er, dass das Wetter in Barcelona pünktlich zu Sarahs und meiner Abreise wieder schrecklich geworden ist – auch das freut mich (wenn auch nicht für ihn, der überhaupt nur aus Frankreich runtergefahren war, weil er da oben die Sonne vermisst hatte), so muss ich nicht mit dem Gedanken leben, die wunderbare katalonische Sonne gegen Siberia-Gasteiz‘ übliche Eisestemperaturen eingetauscht zu haben. (Was interessiert es mich überhaupt – ich verlasse ja das Haus eh nicht mehr als nötig.) (Und, es ist doch zu schlimm, „was interessiert mich das überhaupt“ – da denke ich an eine Unterhaltung mit dem Ukumensch über konkrete Anschriebe und Leute, die sich Drachen auf den Kopf setzen könnten.)

„Vergiss es.“
Oh Hirn, würdest du mir eventuell mal den Gefallen tun und weniger wie ein Computer funktionieren, beziehungsweise deine Computerhaftigkeit gleichmäßiger auf verschiedene Arbeitsbereiche aufteilen, statt sie in dem einen zu ballen und alle anderen verwildern zu lassen. Ich habe vor ein paar Tagen noch mit Sarah über die ungemeine Zitierfreudigkeit meines Hirnes gesprochen; sie schien sie für eine nützliche Eigenschaft zu halten, bis ich ihr erklärt habe, dass es anstrengend sein kann, in Diskussionen Menschen mit ihren eigenen Aussagen zu konfrontieren und dann festzustellen, dass sie davon nicht mehr den leisesten Schimmer haben und einen für verrückt erklären – und das Gefühl der Machtlosigkeit, wenn du genau weißt, dass sie es doch gesagt haben, und zwar genau so, Wort für Wort. Du kannst – was ich irgendwann vielleicht auch verstehe – die Leute nicht auf ihr Wort festnageln; sie vergessen es ja in drei Sekunden selbst wieder. Und was schützt einen besser vor dem eigenen Gewissen als das Vergessen. Ich vergesse ja selbst Sachen, was das Ganze noch schlimmer macht. Aber nie das Richtige.

Hach, wie das guttat – einfach mal wieder schreiben.

Nire familia – Gasteizen.

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Also, bei schönem Wetter ist Vitoria ja doch irgendwie… wunderschön.

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Von der Plaza del Machete runter, 22.12.13

Die Kombination von meiner Familie und dieser Stadt ist, zugegebenermaßen, gewöhnungsbedürftig. Es fühlt sich vollkommen unpassend an. Alles ist merkwürdig. Hier bin ich zwar anders als zu Hause, aber auch mein Vitoria-Dasein war bisher vollständig selbständig und die Anwesenheit meiner Eltern verwirrt mich und strengt an. Natürlich, wie nicht.

Ich nutze ihren Besuch aus, um alles mal wieder mit touristischen Augen zu sehen. Es ist mir zwar größtenteils unfassbar unangenehm, wie ich es schon immer an mir hatte – ich wollte nie irgendwo als Tourist auffallen, nichtmal, wenn kaum zu leugnen war, dass ich nunmal Tourist war, aber erst recht nicht an meinen eigenen Wohnorten – wo man im Grunde nichts lieber wäre als einfach dazugehörig. Meine Eltern, die – beide des Spanischen nicht im Geringsten mächtig – ob dieses Mangels nicht anders können, als binnen Sekunden als ortsfremd identifizierbar zu sein, sind daher anstrengende Gesellschaft. Aber andererseits macht es auch Spaß, mal nicht aus dem merkwürdigen eigenen Anspruch heraus so tun zu müssen, als würde einem alles selbstverständlich vorkommen. Wobei ich mich natürlich nach den viereinhalb Monaten auch an viel schon gewöhnt habe.

Wenn ich also nicht gerade gezwungen werde, mich nach den Inhaltsstoffen jedes einzelnen Pintxos auf der gesamten Theke zu erkundigen, oder mich an unnatürliche Orte zu begeben, um dort fotografiert zu werden, weil es gerade ästhetisch wertvoll aussieht, ist gegen ein bisschen Touristsein ja vielleicht nicht so viel einzuwenden.

Tee trinken

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Wenn man nicht weiß, was zu tun ist, was bleibt einem übrig als Aushalten und Abwarten?

Manchmal frage ich mich, wie ein einzelner Mensch so wenig wissen kann, dass es ihn handlungsunfähig macht.

Wenigstens habe ich mir in Bayonne eine Thermoskanne geholt; so bleibt mein Tee zumindest warm. (Auch wenn irgendein Chaot aus meiner WG dieses Mittelschraubteil verlegt hat, nachdem ich es gerade ein Mal benutzt hatte, und ich die Kanne seit jenem Zeitpunkt nur noch kerzengerade in der Hand gehalten durch die Gegend transportieren kann.) Gerade jetzt im Winter ist warmer Tee doch lebensnotwendig. (Ja, Winter. Siberia-Gasteiz verzeichnete am gestrigen Tage -4°, da sag noch einer, das Baskenland würde zu Spanien gehören.)

Ya – "Normalität".

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Es hat heute zwar mit dem Vertrag schon wieder nicht geklappt, aber wenn ich ihn erstmal habe, kann ich sicher sein, dass in der nächsten Zeit sehr viel mich glücklich machende Arbeit auf mich zukommt. Wie es mich einfach erfüllt. Inzwischen habe ich sogar das Gefühl, zu ihnen durchzudringen. Dass sie einen Teil, zumindest, von dem, was ich ihnen sage, wirklich verstehen. Und wenn ich von der Arbeit komme, laufe ich an den Stufen vor der Kathedrale vorbei, von wo aus die Skater mir zurufen, ob ich diesmal nicht die Ukulele dabeihätte. Langsam lernen Vitoria und ich uns kennen.

Was ich aber auch nicht zuletzt meinem Besuch zu verdanken habe. Mit Lena und Sarah bin ich in zwei Wochen mehr herumgekommen als in den anderthalb Monaten vorher zusammen. Jetzt will ich versuchen, im Laufe meines restlichen Aufenthaltes hier noch irgendwie nach Biarritz zu kommen, da muss es wunderschön sein, und eigentlich müsste ich den Rest von Euskadi auch noch gewissenhaft abklappern, damit mich Pedro nicht fertigmacht, wenn ich wiederkomme, dass ich viel mehr hätte rumreisen sollen. Beziehungsweise würde ich mich ja selbst fertigmachen, siehe Costa Rica. Irgendwann gehe ich zurück und arbeite meine ganze Liste von Orten ab, die ich dort sehen wollte. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass mein Leben nicht irgendwann erst anfängt, sondern ich mittendrinstecke. Von Ding her weiß ich es ja, aber ganz oft falle ich auch einfach zurück in diesen halb unbewussten Wartemodus, in die „wenn ich erstmal lebe…“-Mentalität. Die sollte ich mir abgewöhnen, ganz schnell.

Do more of what makes you happy