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Fürchterlich.

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Wie schlimm es einfach heute ist. Wie furchtbar ich diesen Mensch vermisse. Genau den, mit dem ich ja doch nicht gescheit reden kann, wenn er da ist. Genau den, der es irgendwie fertigbringen würde, mich nicht festzuhalten, selbst wenn er hierwäre. Genau den, mit dem ich lernen könnte ich selbst zu sein, was ehrlich gesagt an diesem Punkt das Einzige ist, das ich gerne wäre, der aber sich selbst versteckt und mir so das Lernen gar nicht erst ermöglicht.

Ich schwärme zu wenig, wenn ich verliebt bin. Was dazu führt, dass meine Vertrauten zwar bis ins kleinste Detail darüber bescheidwissen, was für schreckliche Dinge mir die Person (meist unwissenderweise) so alles antut, was für Verwirrung sie stiftet, was sie nicht versteht, was ich nicht verstehe… aber im Endeffekt kaum je erfahren, was mich dann überhaupt dazu bringt, sie zu mögen. Sie fragen auch nicht – wobei, das stimmt so nicht. Caro hat mich gefragt, warum ich Kepa mag, aber ich habe ihr nichtmal geantwortet.

Vielleicht weil es in meiner Lage etwas Selbstzerstörerisches an sich hat, darüber nachzudenken. Und weil ich mir denke, das begreift man doch eh nicht, von außen betrachtet. Und es zeigt Schwäche, und das kann ich ja so super. Nicht. Und Selbstschutz ist es; wenn ich laut aussprechen will, was es genau ist, das mich so ungemein verletzlich macht, muss ich erstmal selbst genau darüber nachdenken. Wenn ich dann genau darüber nachgedacht habe, ist es felsenfest in meinem Kopf verankert. Und wenn ich es dann verliere, tut es dreimal so weh. Das, was man eh im Begriff ist zu verlieren, schaut man sich doch besser nicht extra direkt davor nochmal genau an.

Am besten, man schaut es überhaupt nicht an. Es dringt ja so schon genug davon durch. Stellt sich die Frage, wo dann stattdessen hinschauen? Seine guten Seiten sind wie die Sonne, warm und leuchtend, und wie diese tun sie mir weniger Schaden an, wenn ich nicht direkt reinsehe. Aber wohin sonst sehen; seine Fehler sind Sterne – trotz all ihrer Zahllosigkeit kaum greifbar. Versuche einen einzelnen genau anzusehen, und es wird dir kaum gelingen. Sie erfüllen ihre Funktion nicht, die warnende, relativierende, die sie haben sollten. Da, wo mein objektiver Blick auf seine Fehler sein sollte, drängen sich auf engstem Raume die Überdosis Geduld, die unangebrachte Gleichgültigkeit, das bei Weitem zu stark ausgeprägte Verständnis, der altbekannte Drang zu helfen und vermutlich noch eine Portion Blindheit.

Und wenn ich versuche, gar nicht erst bis nach innen vorzudringen, suche ich auch nur die Wärme in seinen Augen.

Ich kann nichtmal behaupten, ich wäre gern weniger dramatisch. Im Gegenteil; ich wünschte mir, der Rest der Welt wäre es mehr.
Noch mehr aber wünsche ich mir, er wäre nicht so ein Depp und ich könnte mehr ich selbst sein.

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Finger essen (man gönnt sich ja sonst nichts)

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Konzert fiel aus – ich bin froh. Horizonterweiterung ist schön und alles, aber 67 Euro zurückbekommen ist noch wesentlich schöner.

Wochenende war eigentlich ganz schön. Sarahs Eltern sind mehr wie Großeltern, wie meine zumindest – ich verstehe langsam, warum sie Mamas und meinen Umgang miteinander schockierend gefunden haben muss. Da fliegt ja kein einziges Wort in die falsche Richtung, das wäre mir auf Dauer um ein Vielfaches zu erzwungen harmonisch. Aber gut. Für ein Wochenende ist so etwas durchaus auszuhalten.

Ich vermisse Kepa unheimlich, und erst recht, wenn ich wieder mal ein ganzes Wochenende Sarah und Peruaner-Pedro zusammen ertragen muss. Allerdings vermisse ich natürlich nicht nur den Mensch selbst, sondern in erster Linie eine Einstellung seinerseits, die es uns ermöglichen würde, uns gegenseitig den Grad an Erfüllung zukommen zu lassen, den die beiden ineinander finden. Es gibt nichts Furchtbareres, als Pärchen zu beobachten, wenn man selbst gern mit jemandem eins wäre. Umso unbegreiflicher ist es, wie sie bei diesem wunderbaren, kommunikativen, aufmerksamen, warmen, vor Zuneigung förmlich überquellenden Mann, den sie da hat, an den egozentrischen, fast schon unterkühlten, ewig unentschlossenen Kerl, bei dem man nur an dritter Stelle in der Prioritätenliste aufzutauchen überhaupt erst eine Chance hat, den ich ihr nun irgendwie abgenommen habe (man könnte fast sagen, dumm, wie ich nunmal bin), überhaupt noch einen Gedanken verschwenden kann. Aber sie sagt ja selbst (und weiß es folglich auch, besser als ich in jedem Fall), es ist gut so, wie es jetzt ist. Ha, für sie vielleicht. Ich häng‘ in der Luft und darf mal wieder so tun, als wäre ich damit völlig in Ordnung. Oh herrliches Leben.

Ich würd‘ einfach gern mit was Warmem zum Anziehen am Flughafen warten, wenn er wiederkommt, is all.

Ich scheine es so an mir zu haben, Leuten Sachen zum Anziehen zu geben, wenn ihnen kalt ist, obwohl sie zu hundert Prozent selbst dran schuld sind, dass ihnen kalt ist. Siehe Şahin damals in der Nacht auf dem Parkplatz. Ich war so intelligent, mir noch was Langes anzuziehen und meine Strickjacke mitzunehmen. (Wahnsinn, jetzt denke ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten an diese Strickjacke. Die muss oben in dem Koffer liegen, wo noch ein Großteil meiner Wintersachen drinsteckt und der damit mein Regal an Ort und Stelle hält. Mal sehen, ob ich diesen Winter noch auf eine Idee komme, wie ich die Wintersachen aus dem Koffer kriege, ohne dass das Regal runterfällt.) Er dagegen war weniger intelligent und nahm sich einfach nichts mit. Jedenfalls endete das Ganze so, dass ich die Hälfte der Zeit bibbernd im Kreis sprang, weil ich ihm alle paar Minuten diese Strickjacke ausgeliehen habe und dabei selber halb erfror. Kepatto nun hatte offenbar auch nichts Besseres zu tun, als sich in México-Garderobe bei -3 Grad und Nebel zum Flughafen zu begeben und sich hinterher zu beschweren, ich könne mir nicht vorstellen, wie kalt das gewesen sei. Demzufolge blüht ihm das gleiche Schicksal nochmal, wenn er wiederkommt. Um das zu vermeiden, denke ich mir, na gut. Wenn er der Depp ist, der ohne warme Sachen durchs Land tingelt, bin ich eben der Dödel, der mit ner Jacke am Flughafen wartet. So ist das nunmal.

Laura hatte nicht mitbekommen, dass ich zu dem Zeitpunkt in Oldesloe sein werde, war ganz entsetzt und sagte, „du willst extra runterfahren?“ (Sie meinte natürlich „hoch“, aber mit ihrer unfassbar lustigen geographischen Oben-Unten-Schwäche komme ich inzwischen gut klar.) Daraufhin war ich natürlich auch entsetzt. Man hält mich für verwirrt genug, durch das gesamte Land zu fahren, um dem Menschen ein paar kalte Minuten zu ersparen? Ouh, nicht gut. Wobei ich vermutlich wenig tue, um dem Eindruck entgegenzuwirken, aber heey. (Wahrscheinlich wäre ich sogar noch dazu fähig, es tatsächlich zu machen, aber Wahnsinnigkeiten dieser Sorte bleiben dann doch Leuten vorbehalten, die ihrerseits Unternehmungen der gleichen Art für mich abziehen würden. Also doch wieder Entwarnung; in diesem Leben sind die Menschen, glaube ich, allgemein noch nicht soweit. Peruaner-Pedro vielleicht. Aber Sarah würde niemals ohne gescheite Jacke bei -3°C am anderen Ende des Landes herumlaufen, was ihm selbst hypothetisch gesehen die zwölfstündige Fahrt erspart.)
Zu viel gedacht, schon wieder – das ist ja fürchterlich. Armes Blögchen, bekommt den nicht-löslichen Teil der Brausetablette ab, den Bodensatz, die homogene Schicht Sirup, die sich mit dem Rest einfach nicht vermischen will. Ich habe mal wieder den Eindruck, ein falsches Bild zu vermitteln. Zumindest würde ich ein falsches Bild vermitteln, wäre es meine Aufgabe, das Leben in seiner Gesamtheit in mein Blögchen zu quetschen. Ist es natürlich nicht, deswegen kann auch das Bild nicht falsch sein. Hauptsache, wenn ich mal zurückblicke, erinnere ich mich selbst daran, dass dieses Gedenke und Gejammere selbst genau jetzt nur einen Teil meines Daseins ausmacht und sich durchaus noch außerhalb dieser merkwürdigen Geschichte Sachen ereignen. Der Unterschied ist, dass ich wohl mehr Möglichkeiten habe, diese dann außerhalb meines Computers irgendwie zu prozessieren.
Zum Beispiel bin ich aktuell dabei, meine Finger zu essen. Das ist fürchterlich, ich sag’s dir. Ich habe gerade innerhalb einiger weniger Minuten die gesamte Unterseite meines oberen Daumengliedes um eine Hautschicht ärmer gemacht. Der rechte Daumen sieht schon seit Tagen genau so aus, und um meinem linken Mittelfinger klebt ein Pflaster, damit ihm diese Behandlung erspart bleibt (und ich weiterhin ohne großartige Schmerzen Gitarre stümpern kann). Sag mir mal jemand, wie man damit wieder aufhört. Vielleicht sind das jetzt Entzugserscheinungen, die nach jahrelangem Vegetariertum doch noch einsetzen und mich dazu verleiten, mein eigenes Fleisch zu verzehren. Autokannibalismus. War eh immer schon die einzige Art von Fleischkonsum, die ich ethisch vertretbar finde.
Das würde ich gerne denken. Die Zeichen würde ich gern sehen. Das Vertrauen in mein Schicksal hätte ich gerne.

Kein Dreifel, ich hab‘ ein Kontrablem

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Musik. Mit Moritz (oh herrliche RTL-Style-Alliteration, ich werd‘ nicht mehr), den du nur an ein Instrument setzen musst, damit er sich in eine von weniger ADS beeinträchtigte und dafür mit mehr menschlichen (schon wieder!) Kompetenzen und latent stärker ausgeprägtem Talent sowie einem etwas gleichmäßiger gelockten Pferdeschwanz genau so schwarzer Haare gesegnete Version von niemand Anderem als Şahin selbst verwandelt, und mit Sarah, die ..einfach Sarah ist. Da haben wir mal jemanden, von dem wir etwas lernen können. (Und er macht trotzdem keine Anstalten, uns mit Perfektion zu erdrücken wie mich seinerzeit der Ukumensch.)

Und weil dieser Eintrag nicht komplett wäre (nachdem die anderen beiden schon abgehakt wären) ohne die Erwähnung der dritten und neuesten Chaosquelle in meinem Dasein: Ich hätte nicht mit Sarah über Kepa reden sollen. Sie hat es geschafft; Zweifel, Zweifel, Dreifel, ja, ich zögere kaum zu sagen, selbst Vierfel treiben sich wieder herum bei mir. Hat wenig mit Sarah an sich zu tun und sehr viel mit mir.

Ich muss mich wieder erinnern, denn ich hab’s fast vergessen: I am worthy of what I want. Which is security.
I only want to feel safe, is all.

Wie ich dahinkomme, ist die andere Frage.

Edit: Scheiße, ich bin so übel gelaunt, ich hänge mitten in meiner allerglanzvollsten „Mach’s kaputt, bevor es dich kaputtmacht“-Stimmung und finde sie ehrlich gesagt gerade ziemlich furchtbar und hätte gern, dass sie weggeht. Ich darf es nicht vergessen: Ich muss mir erlauben, keine Ahnung zu haben. Verwirrt zu sein, unsicher zu sein, verletzlich zu sein. Ich darf es nicht vergessen, denn in dem Moment, wo ich das vergesse, klappt sich bei mir wieder alles runter und ich mache es alles kaputt, bevor es auch nur den Versuch startet, mich kaputtzumachen. Das ist tragisch.

Aber es macht mich doch irgendwo jetzt schon kaputt. Ich kann sowas nicht gebrauchen mit meinem immerwährenden Bedürfnis nach klaren Verhältnissen. Was ist so schlimm daran, etwas einfach zu versuchen. Lieber jemanden so im Nichts hängenlassen als im Zweifel einfach einen gescheiterten (aber ganzherzigen) Versuch mehr im Logbuch zu verzeichnen? Das ist grausam. Es ist alles grausam. Seine Gelassenheit ist grausam. Sein überhaupt nicht vorhandenes Kommunikationsbedürfnis ist grausam. Lernt man das irgendwann oder kann man das einfach so?

Edit II: Vermutlich denke ich nur wieder zu viel, und zu viel Schwachsinn noch dazu. Warum nur muss ich andauernd so viel denken. Und so viel Schwachsinn noch dazu.

Ez Nau Izutzen / Here you go, this is my legacy.

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Immer, wenn ich denke, es geht nicht mehr überwältigender..

Ich höre zu viel dieses Album momentan. Ich kann nicht aufhören, es zu erforschen. Und ich bin bei Weitem nicht eloquent genug, um wiederzugeben.. wie.. es mich umhaut.

Ich habe keine Zeit. Ich glaube, ich erwähnte. Aber ich kann nicht anders und lande immer wieder bei den vor einer Weile aufgetriebenen Texten und Übersetzungen.

Diesmal ist es Ez nau izutzen. Das Lied, mein Lied, für wenn ich mal tot bin. Ich weiß nicht, wem ich es sonst sagen soll, daher hier. Ich hoffe, jemand liest sich den Schrott nach meinem Tod durch. Das würde ich mir wirklich sehr wünschen. Allein schon, damit sie dieses Lied finden. Und dann am besten sich hinsetzen und es durchgehen, Wort für Wort, und sich seinen Sinn zusammenreimen. That’s the dream. Dass ich jemandem so viel wert bin.

Dass ich jemandem Argiak schenken kann. Vielleicht sogar die Faszination mit der baskischen Sprache. Und als beste Voraussetzung dafür eben Ken Zazpi.

So ein Gefühl. Ganz und gar nicht in Worte zu fassen. Irgendwas ist doch verkehrt mit mir; der Durchschnittsmensch lässt sich von Musik und Text nicht dermaßen überwältigen.

Ez nau izutzen

Ez nau izutzen gaurik ilunenak,
ez nau beldurtzen erortzeak,
Ez nau larritzen neguak,
itzulgabeko bideak.

Jada ez nau ikaratzen ezerk.
Bakardade bortitzenak.
Berriro ez nau itoko
maite dudana uzteak, betiko!

Jada ez nau izutzen azken laztanak,
jada ez nau beldurtzen nekatzeak.
Jada ez nau larritzen azken arnasak,
eta orain betirako isiltzeak.

Garenak ere geroan
bizirik iraun baitu gugan.
Ez naiz guztiz itzaliko,
edukiko nauzu beti zugan.

Inoiz minak irensten bazaitu,
beti irriz oroitu nazazu.
Ez da hilko eusten nauen arrazoi bakarra,
ez da hilko maitasuna.

Haizearen soinuan,
izarretan,
biharko egunsentietan,
ta esan ezin diren gauza txikietan,
ta ahaztu ezin direnetan,
aurkituko nauzu,
aurkituko nauzu. 

Ez nau izutzen gaurik ilunenak
ez nau beldurtzen azken arnasak.
Inoiz minak irensten bazaitu,
beti irriz oroitu nazazu.
Ez da hilko eusten nauen arrazoi bakarra.
Ez da hilko maitasuna. Ez da hilko.
Ez da hilko.

Nice Guys Finish Last

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Taking what you need, bite the hand that feeds… In Anbetracht meines durch nunmehr bereits zwei von drei Ratten attackierten Fingers ein wirklich nicht unpassender Ohrwurm. Aber ich mag sie trotzdem. Ich könnte nur durchdrehen, dass sie mir noch nicht mehr vertrauen. Auch wenn ich ja weiß, dass ich nur geduldig sein muss; das wird schon. Irgendwann verstehen sie, dass ich kein Monster bin.

Wie erwähnt – dass man seine Vertrauenswürdigkeit zuerst unter Beweis stellen muss, ist mir klar. Das heißt nicht, dass es mir gefallen muss. In der Welt meiner idealistischen, unrealistischen, aber so erstrebenswerten Vorstellung sollte Vertrauen die Grundeinstellung sein. (Was erklären könnte, warum mir am laufenden Bande unabgeschlossene Fahrräder gestohlen werden. Wenn die Welt nicht reif für dein Ideal ist und du aber trotzdem darauf beharrst, es so gut es geht einfach trotzdem schonmal für dich zu leben, bleiben solche Rückschläge nicht aus.)

I’m going fuckin‘ home!

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Jetzt hab‘ ich Panik – was aber nicht weiter verwunderlich ist, immerhin habe ich im Laufe des Abends drei Energytabletten in meine Kalimotxos gemischt.

Fünfzig Minuten.

Es ist alles soweit gepackt; Saskia war hier bis eben gerade und schrieb mir soeben eine SMS, die besagte, ich sei „the sweetest thing ever“ – vermutlich hat sie, sobald sie unten zur Tür rauswar, das Tütchen aufgemacht, in dem ich das gestern Nachmittag noch schnell ausgedruckte und in einen meiner Bilderrahmen gesteckte Granada-er Raupi-Foto behelfsmäßig verpackt hatte.

Ich warte dann mal auf mein Taxi.
Oh je. Das werden panische letzte Minuten hier in der Wohnung. Aber immerhin bin ich halb betrunken und war bis jetzt nicht allein an diesem schicksalshaften Abend.

Ich weiß; ich beschwere mich seit einem halben Jahr, dass ich nach Hause will, und fange auf die letzte Minute noch an zu meckern. Aber was will man erwarten; der Mensch ist ja nunmal auch irgendwo ein Gewohnheitstier.

Ich kann die Zeit hier noch nutzen, um dir die un-fucking-fassbare Geschichte meines wiedererlangten Persos zu erzählen.

So ging ich also gestern Nachmittag um kurz vor fünf Uhr in meinen Stamm-Copyshop, um mir meine Geburtsurkunde und die Fotos von meinem verschwundenen Perso ausdrucken zu lassen und dazu noch das Foto, das ich Saskia schenken wollte. Weil die Menschen in diesem Copyshop immer so unwahrscheinlich nett sind, habe ich überhaupt keine Angst vor ihnen und fing demzufolge an, der Frau von meinem Perso-Disaster zu berichten.

So war ich also mitten am Erzählen:
„… y me voy a mi país el sábado, es que soy de Alemania y tengo que imprimir una copia de mi certificado de nacimiento para que me dejen volar… Sí, estos dos también, son fotos de mi antigua pasaporte…“

Y me dice ella:

„Eso es tu pasaporte?“

Y le digo que sí. „Sí, o al menos lo fue..“

Y me dice ella:

„Entonces.. es esto tu pasaporte?“

Y va sacando algo de debajo de su escritorio, and what is it if not my – fucking – ID.

I lost my ID on the stairs in front of the copy shop.

A client brought it back in.

She kept it there, not knowing who I was or where to find me, meaning – but forgettig – to take it to the police, hoping for me – the owner – to return some time.

Never in a million years wäre ich darauf gekommen, meinen Perso vor dem Copyshop verloren zu haben.

Ich habe mich dann mit Saskia getroffen, um einmal noch zusammen Chocolate con churros zu essen, und ging dann mit ihr zur Polizei – weil ich ihr einfach unbedingt vorführen wollte, wie unnormal freundlich die vitorianischen Polizisten sind. Was gut funktioniert hat; der nunmehr vierte Polizist, der sich im Laufe meiner Zeit hier mit Verlusten und anderen Anliegen meinerseits beschäftigt hat, war in seiner Sympathischkeit (ich bezweifele, dass das ein Wort ist, but then, what do I care) genausowenig zu übertreffen wie die anderen. Ich habe meine Anzeige rückgängig gemacht und bin nunmehr im Besitz
• einer Kopie meiner Geburtsurkunde
• einer Kopie meiner Abstammungsurkunde (nur vorsichtshalber)
• einer Kopie meines Persos – Voder- und Rückseite
• einer Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• einer rückgängig gemachten Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• und last but not least, meines Persos.

Selten so gestaunt in meinem Leben. Ein paarmal, zugegebenermaßen, aber nicht oft. Wie ich es liebe. Glück muss man haben. Ich liebe dieses Leben.

Auch wenn ich Panik habe und in zwanzig Minuten anfangen werde, dieses Haus endgültig zu verlassen.

Es sind immer noch Sachen übrig, die in den Koffer gequetscht werden wollen.

Drei Energys sind zu viel – Panik, Panik, Panik, und ich bin alleine. Aber nicht für lange. Gleich bin ich im Taxi, bezahle ein Vermögen für die Fahrt nach Bilbao, was aber nichts ausmacht, weil ich vor ein paar Stunden meine Kaution plus 50 Euro wiederbekommen habe – ich schwöre, ich habe nur 400 bezahlt und diese Frau gab mir 450, aber wer bin ich, mich zu beklagen? – und somit eine reiche Person bin. Für kurze Zeit.

Meine Zwischenmieterin hat noch kein neues Zimmer gefunden, wie sie mir mitteilte, aber kann bei ihrem Freund bleiben. Die Glückliche; grad ein halbes Jahr in Deutschland und schon nen Freund an der Backe. Manche Leute können’s halt.. was unsereins in zweiundzwanzig Jahren nicht schafft. Nunja. Man sollte sich halt nicht immer die entweder bereits vergebenen oder aber emotional unerreichbaren Menschen aussuchen.

„Y te digo que tengo novia.“

(Wobei, ich glaube, er sagte sogar „una novia“, aber das hat mein integriertes AutoCorrect gelöscht und durch richtiges Spanisch ersetzt; damn you, AutoCorrect, du verfälschst mir meine wertvollen Erinnerungen.

Ich gehe zu ende packen.

Vierundzwanzig Minuten.

Raupi

Wörmö.

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Die zweite Nacht dieses Wochenende ruft ein Gespräch den Wunsch hervor, über halbe (bzw im heutigen Fall ganze) Kontinente hinweg zu einer Person zu gehen und ihr einfach ganz viel Wärme zu geben und das Gefühl, dass sie gut ist und wertvoll und es so verdient, vertrauen zu können. Die Personen wären davon vermutlich beide nicht sonderlich angetan – die eine nicht, weil mein Besuch zum Zwecke spontaner Gefühlsäußerungen schon damit enden würde, dass ich nicht reingelassen werde, da unangekündigt; die andere auch nicht, einfach weil. (Wo soll ich denn hin mit der ganzen Wärme.)

Da fällt mir gerade wieder ein, wie die Therapeutin damals zu mir meinte, sie würde bezweifeln, dass ich überhaupt wüsste, was Wärme ist. Nur weil ich mich geweigert habe, es ihr zu erklären.

Über Tee und das Glücklichsein

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Ich bin mal wieder glücklich. Also, genaugenommen war ich im letzten Dreivierteljahr ja andauernd glücklich, verglichen mit dem Leben, das ich davor geführt habe.

Gerade schlürfe ich Lindenblütentee, den ich in der Herberge im Baskenland stibitzt habe – es haben sich Anzeichen eines Hustens bemerkbar gemacht, der sich bei mir einnisten möchte, und ich tue mein Bestes, um das zu verhindern – ich habe ein Leben zu leben, da kann ich doch keine Erkältung gebrauchen. Überhaupt war ich seit über einem Jahr nicht mehr wirklich krank, den letzten Schnupfen hatte ich, glaube ich, im März 2012, und in der Uni habe ich bisher keinen einzigen Tag wegen Krankheit gefehlt. Ich liebe mein Immunsystem. Es hat nur ein paar Jährchen gebraucht, um endlich richtig in Gang zu kommen, aber jetzt funktioniert es prächtig.
Oder vielleicht sind es auch die Acerolatabletten in Kombination mit der grandiosen Art und Weise, mit der ich auf mich selbst aufpasse. Wenn ich nicht gerade im eisigen Regen auf der Terrasse dusche oder mit Ananassaft und anderen Aromen zweifelhaften Ursprunges versetzte Croissants aus der Edeka-Tonne mampfe. (Sie waren wirklich etwas eklig, da muss ich JO Recht geben.)

Hach, der Tee tut gut.

Inzwischen habe ich schon einige der wichtigen Sachen, die ich tun musste, erledigt. Für die Klausuren habe ich mich angemeldet (Deadline war gestern), ERASMUS- Bewerbung ist abgeschickt (Deadline war ebenfalls gestern) und die Geburtstagskarten für meine Eltern sind immerhin angefertigt und geschrieben. Nun muss nur noch die CD mit den Aufnahmen dazu, die sich Mama gewünscht hat. Und da meine lieben Bandmenschen morgen aller Voraussicht nach schon wieder bei mir sind (heute, bzw gestern, hatten wir auch Probe), kann Sarah mir gleich einen CD-Rohling von sich zu Hause mitbringen und mit mir zusammen das Lied von Dido aufnehmen, was Mama unbedingt dabei haben wollte, This Land is Mine. Ist ja auch ein wunderbares Lied, da gibt es keinen Zweifel. Irgendwann, hoffentlich, kann ich es singen und jemanden haben, an den ich dabei denke.

Aber nicht so viel wünschen. Wo kommen wir denn da hin. Ich bin so froh und dankbar, heute all das zu sein und zu haben, was ich heute bin und habe. Jeden Tag aufs Neue, für alles. Wie viele Menschen wohl vor sich hinleben und nie den Grad an Zufriedenheit erreichen, ohne überhaupt zu ahnen, was für eine ganz andere Welt ihnen da verwehrt bleibt.

Nunja, aber bevor ich jetzt in die eine oder die andere Richtung abschweife und anfange zu lamentieren, wie gut alles ist bzw wie viel besser es trotzdem immer noch sein könnte, gehe ich mal lieber meine To-Do List für den vergangenen Tag durch und schaue, was ich so alles geschafft habe.

Edit: Ähm, so viel dazu. Ich habe mich stattdessen auf die Suche nach einem Video zu This Land is Mine begeben, um es zu Verdeutlichungszwecken in diesen Eintrag einbinden zu können, habe mir zwischendrin einen Tumblr-Account angelegt (kausaler Zusammenhang teilweise, aber nicht wirklich vorhanden), bin nichtmal auf den dubiosesten Seiten wirklich fündig geworden (ich habe genau eine Version in voller Länge gefunden, und zwar in mieser Qualität auf einer russischen Seite, aus dem Radio aufgenommen) und habe mich daher entschlossen, es schnell selbst hochzuladen. Musste dafür allerdings noch die Datei in mp3 konvertieren und dafür einen Converter runterladen.

Also, ich hoffe, man weiß meine Mühen zu schätzen.

This Land Is Mine

Und ich werde wirklich krank, mein Halsinneres ist schon äußerst schmerzhaft auf das Doppelte seiner normalen Ausmaße angeschwollen. Nicht gut.

Zuhause

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Ich werde es alles so sehr vermissen.
Gawd, ich sollte aufhören, mich so zu bemitleiden. Als wäre es nicht für Sarah auch schrecklich irgendwo, als wäre es nicht nochmal etwas ganz Anderes für den, der geht. Es war ja auch ihr Zuhause.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto wichtiger wird es mir, irgendwann mal ein eigenes Zuhause zu haben. Aus dem ich nie wegmuss, aus dem nie jemand wegmuss, der davon ein Teil ist.

Ich hoffe, ich muss nie wieder allein wohnen. Und wenn, dann allein mit mir selbst. Nicht mit Anderen.

Wreckless

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Ich habe meine eigene Version des Zettelsongs geschrieben. Um kurz vor eins habe ich gerade dagehockt und mich redlich bemüht, die Gitarre nicht über Zimmerlautstärke anzuschlagen, um Kathi einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen. (Seit Emilies Auszug ist zwar die momentane WG-Besetzung auf 2 runter, aber zwei sind halt eigentlich immer noch einer zu viel für solche Unternehmungen.)

Es ist einer von denen geworden, die man wirklich nur mitten in der Nacht anhören sollte, im Stockdunkeln noch dazu und auch nur, wenn man wirklich in der richtigen Stimmung ist. Wie Loving Me is Suicide – sollte das je fertigwerden.
Alleine deshalb hätte ich Angst, ihn je irgendjemandem zu zeigen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich sowieso nicht wüsste, wie ich je jemandem den Zettelsong zeigen sollte. Das sind so Sachen, da gibt es einfach niemanden, der ihre Bedeutung nachvollziehen könnte. Nichtmal in Ansätzen.

Ich bin wirklich ratlos manchmal, wenn ich mir mal wieder spontan überlege, dass ich einen kaputten, musikalischen und überdramatisch veranlagten Mensch brauche, ganz dringend sogar, der mich vielleicht verstehen könnte, wenn ich ihm das Wichtige erkläre.
Direkt im Anschluss daran fällt mir dann immer ein, was um alles in der Welt ich mit einer Person anfangen wollen würde, die so ein Wrack ist wie ich. Mich würde der Umgang damit komplett überfordern. Man sieht es ja mit Mama schon. Zwei Wracks sind einfach zu viel. Und davon abgesehen, dass wir Menschen im Grunde ja alle mehr oder weniger abgewrackt sind, ist eigentlich in einer Wrack-Nichtwrack-Kombination das eine Wrack immer noch zu viel, weil, wie soll man in aller Ruhe abgewrackt sein und seine ganzen Kämpfe mit sich selbst austragen, wenn man aufpassen muss, dass das Nichtwrack nicht zu viel davon mitbekommt? Noch dazu mit den Verstellfähigkeiten einer zeigerlosen Uhr?

Aber der Zettelsong. Ich habe meine eigene Version des Zettelsongs, und ich höre sie immer wieder von vorne und werde es niemandem mitteilen außer meinem von Vereinsamung zeugenden Seelenausschüttungsblog und einer Handvoll anonymer Personen, die zufällig draufklicken, und einer weiteren Handvoll Bots, die das alles vermutlich noch einen Tick mehr interessiert als den menschlichen Teil der Viewer. Und ich kann es meinem musikalischen, überdramatischen Wrack-Menschen nicht mitteilen, weil er ganz einfach nicht existiert. Tragische Sache.