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It’s just those 180 degrees.

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Aaah, Hilfe. Wie kann sich eine Gemütslage an einem einzigen Tag so furchtbar schnell ändern?

Ich sollte mich nicht beschweren, solang sich die Änderung in die Richtung vollzieht, die meine Stimmung heute genommen hat. 14th September all over again. Die körperlose Stimme sitzt mit ihrem Bier und Popcorn da und kommentiert: „Mal schauen, wie lang das jetzt so bleibt.“ Mir aber reicht fürs Erste die wiedergewonnene Gewissheit, dass die eigene Perspektive der alles entscheidende Faktor in der Wahrnehmung und Verarbeitung zwischenmenschlicher wie eben auch aller anderen Geschehnisse ist.

Davon ab: Unglaublich, aber wahr – ein echter, leibhaftiger Euskaldun hat meinen ersten und bislang einzigen Versuch eines baskischen Liedes kommentiert, mehrfach gleich, und das mit einer durchweg positiven Resonanz! Eine kurze Rücksprache mit Kepa erschloss mir noch die Bedeutung des letzten (wohl dialektbedingt merkwürdigen) Hilfsverbs, und schon konnte ich mich Wort für Wort über dieses Wunder freuen. Der Baske sagte mir nämlich nicht nur, das Lied wäre sehr schön, die Zeile „Badakizu: Izkututa ezin da bizi bizitza“ genial und ich hätte eine schöne Stimme, sondern noch dazu, dass es ihm in einem der schwierigen Momente, die er momentan durchlebt, geholfen hätte, das Lied zu hören. (Kepas Reaktion: „Deine Lieder helfen Basken. You should be proud and happy“.) Kein Hinweis auf Fehler, gar nichts! Das hört sich schon weitaus besser an als Kepas Behauptung damals, es würde sich stellenweise nicht wirklich wie Baskisch anhören. Ha! Trauma überwunden. Eskerrik asko, random Baske.

Und jetzt? Mir ist kalt, ich muss um 8.15 Uhr beim Blutabnehmen sein und es wollen noch containerte Schätze versorgt werden, die ich entgegen meiner Beteuerungen, die geliebte Tätigkeit aus Platzmangel bis zum Umzug erstmal einzustellen, vorhin noch an Land gezogen habe. Es ist aber nunmal so, dass meine Hauptquelle gerade brutal am Versiegen ist (klar, da hat sich ein Mal ein Unternehmen angesiedelt, das wirklich noch vergleichsweise nett ist, und nach ein paar Monaten meldet es Insolvenz an. Ja, nee, ist schon fast wieder logisch. Als Unternehmen nett zu sein ist wohl nicht gerade die Strategie, mit der man heutzutage so durchkommt), dementsprechend sah meine Foodsharing-Ausbeute heute mickerig aus und ich brauchte eh einfach ganz dringend Grundnahrungsmittel. Mission erfolgreich: Ich habe Nudeln containert (erstes Mal seit ungefähr einem Dreivierteljahr; eine Packung bloß, aber hey, wer wird sich noch beschweren) und eine ganze Menge wunderschöner Kartoffeln. Und Chips. Und Eier. Eier! Ich kann Pfannkuchen machen! Mit Quark! Oh, wie herrlich ist dieses Leben.

Wäre da nicht das kleine Problemchen, dass ich jetzt viel zu lange wach war und noch länger sein werde, um nachher aus dem Bett zu kommen, wenn ich muss. Ich habe in weiser Voraussicht mein Fahrrad schon so nah wie möglich am Hauseingang abgestellt, statt es in die Garage zu bringen; das schenkt mir morgen ein paar Sekunden. Und jetzt kann ich nur noch dafür sorgen, das zu Erledigende in möglichst überschaubarer Zeit geschafft zu bekommen.

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Wäre er nicht angewachsen…

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Ich wachte in der Minute auf, in der R geplant hatte aufzustehen. Verzögerte sein Aufstehen wie üblich um einige Minuten, weil ich es nicht einsah, gerade in der kalten Realität angekommen zu sein und direkt meiner wichtigsten Wärme- und Geborgenheitsquelle beraubt zu werden. Schlief wieder ein, nachdem er weg war, drückte ein paarmal auf den Wecker, supposedly um diesen dazu zu bringen, ein bisschen später erst zu klingeln, und wachte schließlich um halb elf Uhr ein zweites Mal auf. Ohne Wecker – ich kann von Glück sagen, dass mein Unbewusstes sich neun Minuten, nachdem der (von mir zuvor unwissentlich ausgeschaltete) Wecker seiner Pflicht hätte nachgehen sollen, dazu entschlossen hat, dessen Aufgabe für heute zu übernehmen.

Lag eine Weile herum und überlegte mir, welchen Bus ich nun nehmen sollte, um rechtzeitig in der Uni zu sein. Was genau „rechtzeitig“ eigentlich sein sollte, war mir selbst nicht ganz klar; ich war gestern beim Plank in der Sprechstunde und habe endlich die Unterschrift für den Antrag auf Titeländerung der BA-Thesis von ihm bekommen, sodass ich heute Früh diesen noch beim Prüfungsamt einreichen wollte. Das schließt nämlich um 12, und da ich um 11.45 Euskera hatte, musste das Abgeben definitiv vorher geschehen.

Ich kam zu keinem konkreten Schluss, war aber tendenziell überraschend unlethargisch und konnte ohne Schwierigkeiten recht bald aufstehen. Holte mir ein Medi aus der Schublade, stellte fest, dass kein Wasser im Zimmer war, und legte es auf die Fensterbank, während ich mich anzog. Nahm die Akkus des AGs aus dem Ladegerät und steckte das AG zusammen mit dem Handy in die Tasche; nach Euskera ist mein Redebedürfnis immer noch um ein so Vielfaches höher als sonst schon, da war das AG unerlässlich. Sogar an eine Speicherkarte dachte ich. Zur Abwechslung mal wieder.

In der Küche setzte ich mir Kaffeewasser auf und ging ins Bad, während es sich erwärmte. Wieder zurück, begegnete ich Trudi, welche mich mit erstaunlicher Gesprächigkeit und guter Lane begrüßte, die ich nur zu gern erwiderte. Die Momente, in denen Trudi und ich uns gut gelaunt unterhalten, kann man mittlerweile an einer Hand abzählen, vor allem weil meine Laune üblicherweise schon durch Hannes‘ Anwesenheit in den Keller verscheucht wird. Ich schnorrte mir einen Schluck Reismilch von Trudi und kippte diesen zusammen mit zu wenig Zucker und um Längen zu viel löslichem Kaffee in meine Thermoskanne. Nachdem diese in meiner Tasche verstaut war, schnappte ich mir noch schnell eine Banane und verschwand in Richtung der Haustür. Hätte dort um ein Haar vergessen, die Ladung aus unendlichen Tüten Brötchen und Salat mitzunehmen, die ich mir im Flur für genau diesen Moment bereitgestellt hatte. Setzte also die Tasche wieder ab und den Riesenrucksack, nunmehr mit Brötchen angefüllt, auf, drapierte die diversen Tüten links und rechts an meinen Armen, griff nach der Banane und verschwand, Trudi „Bis daahann!“ zurufend, durch die Tür. Kam rückwärts wieder herein, um meinen Schlüssel vom Haken zu nehmen (zu Trudi: „Scheiße, Schlüssel! Jetzt aber, bis daahann!“), und stapfte schwer beladen, aber zufrieden zur Bushaltestelle. Erwischte die 2, ohne großartig rennen zu müssen, obwohl ich nichtmal auf die Uhrzeit geachtet hatte.

Langsam fielen mir die Arme ab – man sollte kaum meinen, dass Salat so schwer sein kann, aber glaub mir, in diesen Mengen ist er es. Die eine Brötchentüte rutschte mir durch die befäustlingten Finger und ich hatte keine Gelegenheit, sie anders zu positionieren, weshalb ich ziemlich froh war, als die erste Busfahrt vorbeiwar und ich das Ganze kurz auf einer Bank absetzen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wann der nächste Bus zur Uni kommen würde, wagte es also, meine Banane hervorzuholen (wie sich das einfach nur falsch anhört!), und hatte mich gerade meiner Fäustlinge entledigt, als der Bus, den ich brauchte, in meinem Augenwinkel erschien. Also alles wieder einpacken, Banane ungegessen in eine der Tüten stopfen und ab in den Bus. Dort bekam ich einen Sitzplatz mit zwei leeren Sitzen gegenüber, auf denen ich meine ganze Fracht richtig bequem ablegen konnte. Herrlich. Endlich war Zeit zu frühstücken. Während ich mich mit der Banane vergnügte (okay, dieses Mal war’s drauf angelegt), unterhielten sich hinter mir zwei Menschen über irgendetwas so Sterbenslangweiliges, dass ich mich jetzt schon nicht mehr dran erinnere.

An einer Haltestelle wollte noch jemand zusteigen, als der Busfahrer schon auf Weiterfahren gepolt war; der Mensch, der am dichtesten neben der Tür stand, hielt heldenhaft seine Hand in den sich rapide verkleinernden Zwischenraum, um die Tür daran zu hindern, sich komplett zu schließen. Schade nur, dass die Tür andere Pläne hatte: Der einsteigen Wollende stand verblüfft vor der geschlossenen Bustür, während wir Drinnensitzenden uns vor Lachen kaum kriegten, als die Hand des armen Helden zwischen den Gummidichtungen steckenblieb und bis zur nächsten (zum Glück nicht sehr weit entfernten) Haltestelle den um die null Grad frostigen Temperaturen außerhalb des Verkehrsmittels ausgesetzt war und die Wartenden nach Art eines aus der Limousine winkenden Weltstars begrüßte. Er musste selbst lachen, wenn auch ein wenig verzweifelt, als die Türen sich wieder öffneten und er die Hand – durchgefroren, aber unbeschädigt – ordentlich durchschütteln und mit dem Rest seines Körpers wiedervereinen konnte.

Ungefähr zur selben Zeit wurde mir bewusst, dass ich meine Tasche zu Hause vergessen hatte, als ich die Fäustlinge in selbiger verstauen wollte. Dieser Einsicht mit einem unwillkürlichen lauten „NEIN!“ Ausdruck verleihend, bekam ich erst allmählich einen Überblick über die Ausmaße meines Fails. Nein, mein Hauptproblem war nicht, dass ich keinen Ort mehr hatte, an dem meine Fäustlinge untergebracht werden konnten. Ich war auch ohne Busticket unterwegs, ohne Euskera-Mappe, ohne – ein zweites lautes NEIN!, diesmal länger gezogen, den so ewig schon auf seinen Moment wartenden Antrag fürs Prüfungsamt, ohne Stift und ohne Kaffee. Und ich war zu früh.

Nuja. Ich machte das Beste draus und ließ mir Zeit beim Einsortieren der Lebensmittel ins FairTeiler-Regal. Es kamen wie meistens schon Leute an, mit denen ich – meinem Fail sei Dank – ein bisschen plaudern konnte, während ich die Tüten ausräumte. Dann auf zum Euskera-Raum – ich war immer noch zu früh. Jemand kam mir hinterher und hielt einen meiner Fäustlinge in der Hand. Ich bedankte mich überschwänglich und steckte ihn zurück in die Jackentasche. Mir fiel auf, dass auch der andere Handschuh fehlte. Eine Kehrtwendung und ein paar Schritte später hatte ich ihn wieder; er lag direkt neben der Person, die mir den ersten hinterhergetragen hatte. Sie bemerkte mich und entschuldigte sich – sie habe den zweiten gar nicht gesehen. Ich entgegnete, ich wäre ihr schon für den ersten dankbar genug gewesen, sonst hätte ich ja nichtmal bemerkt, dass der zweite nicht da war, wo er sein sollte. Und wieder umdrehen und wieder ein Blick auf die Uhr, immer noch zu früh, natürlich – ein paar Schritte dem Euskera-Raum entgegen, bis mir das Gewicht auf meinem Rücken die Erkenntnis brachte, dass ich vergessen hatte, die Brötchen aus dem Rucksack im Regal abzuladen. Eine erneute Kehrtwendung und zurück zum Regal. Die eine, mit der ich beim Regal geredet hatte, stand immer noch da und hielt nun ihrerseits ein Pläuschchen mit einem anderen Menschen. „Die Hälfte vergessen…“ sagte ich zu ihr und fing an, die Brötchen auf dem zweitobersten Regalbrett zu stapeln.

Irgendwann war ich tatsächlich fertig und begab mich, Shakiras „Estoy aquí“ vor mich hinträllernd, wirklich mal in den Euskera-Raum, wo ich entgegen aller Gewohnheit als Erste ankam. Fand ein paar leere Blätter auf einem der Tische und war schon froh, dass ich mir zumindest kein Notizapier von den Kommilitoninnen würde ausleihen müssen. Verpflanzte mich vom Tisch auf den Stuhl, als Esti hereinkam, und war einen Moment lang überglücklich, als sie mir die beiden Ken-Zazpi-CDs hinhielt, die sie mir versprochen hatte aus dem Baskenland mitzubringen. Genau so lange, bis mir wieder einfiel, dass ich das Geld dafür mangels Tasche natürlich nicht dabeihatte. Genausowenig wie die durch einen genialen Zufall vor ein paar Wochen containerte „Kleines Dankeschön“-Milka-Schokoladenpackung, die ich ihr dazugeben wollte. Aber weil Esti eine unglaublich liebe Person ist, sagte sie nur, ich solle mir keine Sorgen machen und sie hätte eh den Bon vergessen, wir würden es einfach nächstes Mal regeln. Esti = Engel.

[Genau in diesem Moment höre ich Itsasoa gara, welches auf einem der Alben ist, die sie mir gebracht hat, und bin überwältigt, weil Itsasoa gara das Lied ist, das ich mir nie erlaubt hatte Wort für Wort zu übersetzen. Itsasoa gara habe ich drei Millionen Mal bei Youtube angehört, aber nie die Version mit spanischen Untertiteln genommen, nicht ein Mal; ich habe mir immer gesagt, „wenn du weiter Euskera lernst, wirst du dieses Lied irgendwann einfach so verstehen; es wird so sein, dass du das Lied hörst und es einfach verstehst, ohne irgendetwas dafür zu tun, und dieses Lied wird das erste sein, bei dem es dir so geht.“ Nun ist es tatsächlich der Fall. Ich bin verblüfft und hochgradig dankbar, diesen Moment zu erleben.]

Dann kam Rui und wir saßen zu zweit in Euskera; Vera kam nicht, kannst du dir das Privileg vorstellen, an der Uni zu sitzen und mit einer einzigen Kommilitonin Euskera zu lernen? Ich habe mir einen Stift von Esti ausgeliehen. Rui musste irgendwann zum International Office, also machte ich die letzten 20 Minuten mit Esti Privatunterricht. Sie ließ mich indirekte Rede üben und war beschämend begeistert von der Qualität meiner Arbeit. Es wäre unglaublich, wie korrekt meine Sätze seien. Sie konnte es gar nicht glauben. Ich war so glücklich. Am Ende habe ich sie, meiner selbst ohne Kaffee aufgedrehten Euskera-Natur gemäß, über meine Bachelorarbeit zugelabert und sie wäre bald an die Decke gegangen, als ich ihr sagte, dass ich über den Allokutiv geschrieben habe. Wie sie mich angeguckt hat. Darauf habe ich gewartet. Jetzt mag sie mich, habe ich mir gedacht, als sie sich strahlend verabschiedet hat und mir das Versprechen abgenommen hat, ihr bescheidzusagen, wann ich meine Thesis verteidige. Tengo amigas que hablan en hika! Si se lo cuento… van a flipar!

Mit einer ganz neuen Motivation erfüllt, habe ich mich zu Hause daran gemacht, mit der Präsentation für die Verteidigung zu beginnen. Mir das Medi eingeworfen, das ich natürlich in der Früh auf der Fensterbank hatte liegenlassen. Mir Argiak in den CD-Player geschmissen und mich mit Frühstück versorgt, die Sonnenlichtlampe ins Bett gestellt und angefangen zu arbeiten, bis mir auffiel, dass es eventuell sinnvoller wäre, erstmal ein paar der Präsentationen der Anderen anzusehen, bevor ich meine eigene erstelle. Dieses Projekt also richtig guten Gewissens auf nächste Woche vertagt und stattdessen diesen Monstereintrag geschrieben, einfach um einmal festzuhalten, wie dieser im Grunde so alltägliche Vormittag doch irgendwie voll war mit wunderbaren Kleinigkeiten.

Und wie ich wieder einmal gelernt habe, dass meine Art zu failen gar nicht so schlimm ist, weil man doch immer wieder durchkommt: Esti bekommt ihr Geld und ihre Schokolade nächste Woche. Niemand hat mich im Bus kontrolliert. Den Antrag gebe ich morgen ab; dafür muss ich zwar nochmal extra in die Uni, aber das ist gar nicht so schlimm, denn ich habe noch einen Karton Salat hier herumstehen, den ich heute Früh beim besten Willen nicht mehr untergekriegt habe. Der kommt dann morgen mit. Und ich habe meinen finalen Termin für die Präsentation eingetragen und ganz viel Motivation, es gut zu machen, weil Esti mir zuhören wird und weil ich den Plank mag. Spät, aber doch kam mir diese Erkenntnis. Ich habe gestern eine halbe Stunde mit ihm geredet und einen armen Menschen draußen vor seinem Büro warten lassen, obwohl ich eigentlich nur die Unterschrift von ihm brauchte. Und es ist nicht schlimm, dass ich die beiden Quellen aus der einen Fußnote in der Bibliographie vergessen habe aufzunehmen; ich hab’s ihm gestern gesagt und er meinte nur, er würde eh einfach mal kurz schauen, „ob sich das ungefähr deckt“ – oh mein Gowai. Das sind diese Geschichten, die ich mich nichtmal hier im Blog traue zu erwähnen, weil ich so viel Angst vor den Konsequenzen habe, dass ich sie vollkommen verdränge, wo es nur geht, und dann auf einmal kommt raus, es ist nicht schlimm. Ich schätze mal, das ist der Schock, den Laura bei mir vergeblich erwartet, wenn sie mir ihre dunklen Geheimnisse anvertraut. Den ich auch andauernd erwarte und der einfach ausbleibt, weil die Sachen bei einem im Kopf so viel dramatischer aussehen, als sie für den Rest der Welt sind. Ich liebe die Welt. Ich liebe meinen widerwärtigen, zu starken und zu zuckerarmen Kaffee. Ich liebe Ken Zazpi und ich liebe es, hier zu sitzen und mit den Fingern nicht hinterherzukommen, weil ich endlich, endlich mal wieder Motivation habe, mir die Seele aus dem Leib zu schreiben. Ich liebe es, wach zu sein. Ich bin so unfassbar glücklich gerade.

Echt mal.

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Auch wenn mir momentan jegliche Motivation, mein Leben blogglenderweise zu dokumentieren, abhanden gekommen zu sein scheint – so, wie mir überhaupt die Motivation für alles Mögliche im Winter abhanden zu kommen scheint und ich mich dumm und dämlich freue, wenn es zum Aufstehen reicht: Ich sehe mich genötigt, ein paar Worte zu verfassen bezüglich eines der wertvollsten Bestandteile meines menschlichen Umfeldes. Da besagter Bestandteil – oder, den inneren R beruhigend, den ich leider inzwischen beherberge, die Bestandteilin – mir gestern im betrunkenen Zustand ihre Untauglichkeit als lebender Mensch so völlig überzeugt verkündete, denke ich erst recht verstärkt über ihre Rolle in meinem Dasein als ein solcher (lebender Mensch) nach und möchte dem kurz versuchen Ausdruck zu verleihen.

Zitat: „Was hab‘ ich dir gegeben, nichts.“

Autsch, das tut weh. Facepalm-Alarm. Wenn ich mich selbst facepalme, tue ich das mit solch einer Wucht, dass Tausende graue Zellen dabei sterben und mich noch unorientierter Schrägstrich gripsloser zurücklassen, als ich es zuvor schon war. Aber ich schweife ab.

Lieber Mensch in question: Fangen wir beim Anfang an. Es gab mal eine Zeit, wie du dich gut erinnerst, da waren wir beide nicht die sozial Versiertesten unter der Sonne. Als ich dich kennenlernte, waren unsere jeweiligen Freundeskreise recht überschaubar. Und zu der Zeit, in der wir anfingen, unsere nächtlichen Skypesessions abzuhalten, sah es bei mir im Kopf gerade in etwa so aus wie bei dir gestern Abend. Ziemlich exakt so dürfte es ausgesehen haben: Damals hatte ich auch nicht unbedingt die Einsicht in die Dinge, die es gebraucht hätte, um Ende 2011 mit der Gewissheit zu überstehen, dass unendlicher Selbsthass nicht die Lösung dafür ist, wenn dich etwas mehr mitnimmt, als man es objektiv für angemessen halten könnte. In meinem Fall halt der Verlust dieser beiden Menschen, die sich damals eben aussuchten, so zu handeln, wie sie es nunmal getan haben.

Ich muss dir nicht sagen, auf welchen Ebenen sich meine Existenz damals abgespielt hat. Ich muss dir offenbar aber sagen, dass du mir an diesem Punkt Dinge gegeben hast, ohne die mich dieses Loch aber mal sowas von verschluckt hätte. Ich hatte keine Reserven, von denen man hätte zehren können; ich hatte keine Grundlage, ich war mein ganzes Leben lang awkward mit Anderen und melodramatisch mit mir selbst und hatte keine Ahnung, wie man lebt. Was hab‘ ich gebraucht, als diese Zeit anfing? In unendlichen Mengen? Sicherheit. Stabilität. Kontinuität. Gesellschaft. Wertschätzung. Gleichklang. Egal wie viel, es hätte nie gereicht, aber ich brauchte so viel davon, wie es nur ging. Das habe ich von Robert bekommen, indem er einfach da war jeden Abend, und das habe ich von dir bekommen. Indem du nicht nur da warst, sondern indem du mich ertragen hast, als ich das Gefühl hatte, mich keinem Menschen auf der Welt zumuten zu können. Indem du mich gehört hast. Du kanntest Details über Details über Details über Details und immer noch mehr Details aus einem ganzen Haufen verworrener Geschichten und hast mir damit vermittelt, dass ich gehört wurde. Du warst immer mit mir zusammen insomniac, als ich jede Nacht erst dann mein Licht ausgemacht habe, wenn ich zum Heulen und Verzweifeln und Panikschieben zu erschöpft war und wusste, es wird nicht lange andauern. Die unendlichen Psychotests, die wir gemacht haben. Was hätte ich denn angestellt ohne dich. Du warst derjenige Mensch, von dem ich mir dachte, „ich bin ihr nicht egal“, in einer ziemlich ekligen Zeit, in der ich mir sicher war, in „Egal“ meinen zuvor immer so ersehnten zweiten Vornamen gefunden zu haben. Ich war felsenfest davon überzeugt, jedem egal zu sein. Du hast irgendwann echt dieses Schreien übertönt, mit dem einem die Depression so etwas vermittelt. Weißt du, Robert hat mir Gesellschaft gegeben. Du hast mir das Gefühl gegeben, dass auf Sachen, die ich sage, Wert gelegt wird. Dass jemand tatsächlich hören will, was ich zu sagen habe. Dass sich jemand interessiert. Es dann noch aufnimmt, verarbeitet und versteht. Erzähl einen Schwank aus deinem Leben.

Das war damals so, und es ist immer noch so. Du weißt selber, wie grandios du darin bist, Leute zu durchleuchten. Ich wollte immer durchleuchtet werden, ich hab‘ nie etwas von alleine gesagt. Aber mich hat nie jemand durchleuchtet, bis du dich dieser Aufgabe angenommen hast. Ich habe manchmal das Gefühl, oft genug auch heute noch, in mir selbst eingesperrt zu sein, und warte immerwährend darauf, dass jemand mich Dinge fragt und mich dadurch herauslässt. Es ist tatsächlich so, dass von mir niemand auch nur in Ansätzen so viel weiß wie du. Und niemand will es überhaupt wissen. Wer hat denn sonst diese unfassbare Neigung dazu, Menschen zu analysieren. Da bist du einzigartig. Und wie es einfach immer so guttat, dich zu haben und diese unzähligen Stunden mit dir zu verbringen, egal wie sehr mich deine Trust Issues anfangs frustriert haben, als es mir wieder besser ging und ich in der Lage war, mich aus meinem selbstzentrierten Trip wieder etwas zu befreien. Aber welch eine Ehre, wenn ich zwischendurch wieder mal das Gefühl hatte, es kommt ein Stück mehr von deinem Inneren zum Vorschein.

Und wie viel davon mir inzwischen zuteilwurde. Welch ein Privileg, von jemandem wie dir Vertrauen geschenkt zu bekommen. Was willst du mir eigentlich noch alles geben; das ist mit das Kostbarste, was man jemandem überhaupt nur geben kann. Unsere Meinungen sind unterschiedlich genug manchmal, aber du schreibst mir die Kompetenz zu, dir in den wichtigsten aller Lebensbereiche Rat und Hilfe zukommen zu lassen, und sagst, du gibst mir nichts? Du lässt mich helfen und gibst mir nichts? Was meinst du denn, was meine Ansprüche sind? Ich hab‘ das Glück, von dieser awesome Person gemocht zu werden, mit der ich mich wohlfühle und ich selbst sein kann und da einig bin, wo es wirklich drauf ankommt, und die mein Leben bereichert und meinen Horizont herausfordert und mir immer zuhört und mich anruft, wenn sie auf MDMA ist, und mich an ihrer Innenwelt teilhaben lässt zu einem Ausmaß, von dem ich kaum noch gehofft hatte, es je zu erreichen. Der Mensch, der sich noch zu beschweren wagt, wenn ihm das entgegengebracht wird, den will ich sehen.

Und darf ich dich erinnern? Du schickst mir Päckchen zum Geburtstag! Du hast mal Schokolade für mich gemacht, als wir unsere Schokoladengeschäftsidee ausgefeilt hatten, und dabei mit unvergleichlicher Liebenswürdigkeit gefailt, und sie in eine mit Cupcakes bedruckte Dose gesteckt. Du hast mit Robert und Janine die wunderbarsten Geschenke für mich ausgearbeitet. Wenn ich mich nur an diese dreiundzwanzig Zettelchen erinnere von letztem Jahr, die gerade deshalb so herrlich waren, weil man genau erkennen konnte, welcher Grund von wem stammte. Du hast mir ne Karte mit Marx drauf gemacht und mir furchtbare Artikel dazu geschenkt, weil du die Hoffnung nicht aufgibst, mich noch irgendwie zu ent-öko-ieren. Denk mal nicht, dass dich das nicht ehrt in meinen Augen.

Meine Augen, gutes Stichwort. Die tun weh. Zu viel Absinth gestern Abend mit Kepa und Basti. Muss ich weitermachen? Man sollte kaum glauben, dass ich nach tausend Wörtern mir so vorkomme, als hätte ich gerade erst angefangen. Ich könnte auch durchaus noch dreimal so viele dazuschreiben. Ich habe ja noch ganze riesige Aspekte völlig außer Acht gelassen. Das waren doch jetzt erst die groben Anfänge. Nur mein Kopf macht gerade die Schotten dicht.

Gefragt werden. Ein Wunschtraum.

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Ich überlege mir relativ häufig, ob ich nicht einfach zu viel verlange. Ob es nicht also an mir liegt, wenn ich mit gewissen Situationen nicht zufrieden bin, während in so vielen anderen einfach nur reinste Dankbarkeit vorherrscht, darüber, dass mein Freund so ist, wie er ist.

Ich glaube allerdings in diesem Moment, dass ich nicht zu viel verlange. Ich glaube nämlich, dass es oft nicht die Sachen an sich sind, die mich aus der Bahn werfen, sondern vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie passieren (oder eben nicht). Das Gar-nicht-erst-gefragt-werden, wie das denn eigentlich genau vor sich gehen soll, falls ein Umzug ansteht. Die Tatsache, dass sein Kollege hier untergebracht wird, mit dem man sich früh morgens aus dem Staub macht, ohne sich zu verabschieden (now that’s a first), um irgendwann im Laufe des Abends wieder einzutrudeln, mich kaum eines Blickes zu würdigen, den Rest des vor Stunden zubereiteten Essens in sich reinzustopfen, dann das Bedürfnis nach einer Umarmung zu äußern und sich, nachdem man diese gewährt bekam, zum Unwinden erstmal ans Keyboard und dann ohne viel Gefackel mit Arne zum Zocken in die Küche zu pflanzen, nachdem ich gerade verkündet hatte, es wäre schön, irgendetwas zusammen zu machen. Nicht ohne zwischendurch noch die ein oder andere vollkommen überflüssige Bemerkung abzugeben, die wieder mal in den Raum wirft, dass man eigentlich ja von seiner zweiwöchigen Möchtegernbeziehung letztes Jahr noch vollkommen zerstört und traumatisiert ist und gleich in Panikattacken ausbricht, wenn jemand Game of Thrones erwähnt. Deutlicher kann mir meine Unfähigkeit nicht signalisiert werden. Weder bin ich in der Lage, eine von diesen widerlichen Traumgestalten aus der Vergangenheit zu ersetzen (wie auch – ich bin ein Mensch, kein Mysterium), gegen die man schon aus dem einfachen Grund keine Chance hat, dass die Leute dazu neigen, Personen erst dann zu glorifizieren, wenn sie einen in Grund und Boden gestampft und zurückgelassen haben, ohne sich nochmal umzudrehen, noch werde ich diese Art von Wertschätzung je bekommen, solange ich einfach da bin, ohne dass er dafür arbeiten muss. Mein Problem, dass es in meiner Natur liegt, einfach da zu sein, weil das ganze Personen-in-den-Boden-stampfen mir nicht so liegt.

Es ist die Tatsache, dass keine Rücksicht genommen wird, die mich zu Tode zerdeppert. Basti kam extra wieder übers Wochenende aus Ulm runter und durfte sich stundenlang mit der mies gelaunten Version von mir abgeben, die er zu oft abbekommt, während ihr Verursacher sich gemütlich dahin verzogen hat, wo’s ihm gerade genehm ist. Was an „Es ist irritierend, wenn du da bist, aber auch nicht“ kann man nicht verstehen? Der Mensch kann mit Arne zocken, bis er schwarz wird, und ich habe kein Problem damit, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem das Ganze in meiner Küche stattfindet, nachdem man sich mein Essen in den Rachen gesteckt hat, ohne die Person Aspi auch nur für eine Sekunde bewusst wahrgenommen zu haben.

Äußern kann ich das natürlich mal wieder nicht, schließlich ist Besuch da. Und da ich Arne mit jedem Mal, das ich mit ihm zu tun habe, weniger ausstehen kann, habe ich nicht vor, mir vor dessen Augen eine derartige Blöße zu geben. Das kann sie beide freuen, andernfalls wäre nämlich R heute hochkant rausgeflogen und der schmierige Charakter, den er mir wieder eingeschleppt hat, gleich mit.

Ich werde mich jetzt mit der Fertigstellung des Eintrags beeilen und das Licht ausmachen; auf die Weise besteht eine Chance, dass ich mich genug beruhigt habe, bis die beiden ins Zimmer reinkommen, und dementsprechend auf ein Vermeiden von Heuldisastern jeglicher Art.

Ich kann Laura verstehen. Es ist wirklich verlockend, anzunehmen, dass mein Kopf der einzige Problemfaktor ist, bloß sollte man vermutlich als Opfer zwischen der ganzen Schuldübernahme noch ab und an mal nach draußen gucken.

Der ewige Quijote, oder: Lass doch die Windmühlen ganz.

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Es hat knack gemacht und ich war weg. Irgendwo zwischen dem widerlichen Gebräu aus Selbstzweifel und Unverständnis jenseits der Verdrängung, dem täglich aufs Neue unvermeidbaren Anblick des fast ebenso widerlich verdreckten Küchenbodens und der Verzweiflung im Angesicht der Ziellosigkeit, des Verworfenhabens aller vagen Pläne, des Verlusts meiner Unabhängigkeit zugunsten der Lebensvorstellungen eines Nicht-Ökos und zu guter Letzt der Tatsache, dass jemand meine geretteten, gewissensfreien Weingummis gegessen hat. Irgendwo dazwischen bin ich eingeknickt und habe meine Seele von Basketbällen aus meiner Brust herausdrücken lassen.

Ich find’s erstaunlich, wirklich, wie vorhersehbar dieser Zustand ist. Du wirst auf einen Schlag überreizt und roh. Egal was passiert oder nicht passiert, du findest darin ein Indiz deiner Wertlosigkeit und begibst dich in eine Defensive ohne reale Opposition. Würde ich mich treiben lassen, hätte ich mir zweifellos jede meiner menschlichen Bindungen in der ein oder anderen Anwandlung versaut.

Es ist das Wissen darum, das es mir unmöglich macht, mich in diesen Situationen mitzuteilen. Du wirst wahnsinnig. Du kannst dir selbst nicht vertrauen, dir nicht, Anderen nicht, dein Urteilsvermögen ist im Arsch und du verlierst den Überblick über Realität und Einbildung und diese an sich schon schwammige Grenze dazwischen. Wenn ich mich alleingelassen fühle, obwohl mich niemand alleinlässt, wem ist dann ein Vorwurf zu machen? Wenn ich unentwegt Kämpfe in meinem Kopf austrage, die mich von innen zerfetzen, ohne auch nur bestätigt zu sehen, dass es dafür in der realen Welt eine solide Grundlage gibt, wie soll ich dafür jemand Anderen zur Verantwortung ziehen? Es ist ein Fluch meines Wahnsinns, dass ich mir so genau darüber im Klaren bin. Ich sehe um mich herum andere Fälle von Wahrnehmungsproblemen, gravierende Fälle bis hin zur Suizidalität – ich denke zum Beispiel an einen Bekannten von R, der mit furchtbaren Depressionen zu kämpfen hat und genau das praktiziert, was ich, meine Einsicht nutzend, zu vermeiden versuche – von jeher zu vermeiden versucht habe. Du darfst dir selbst nicht glauben, das ist das Letzte, was du tun darfst. Wenn du dir in diesem Zustand aussuchst, deine Realität als universell gültig anzunehmen, ist das dein Untergang.

Ich bin wieder aufgewacht aus meiner, dankenswerterweise; der heutige Tag erlebt mich etwas gefestigter – nicht ganz wiederhergestellt, ich merke es unter der Oberfläche, aber ein bisschen Haut ist auf dem rohen Fleisch schon wieder gewachsen. Danke, Medis, weiter so.

Schnecke an der Treppe

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Ein Stück ist geschafft. Danke, Portwein. Diesem ist zu verdanken, dass ich gestern mal wieder kurzzeitig durchdrehte und R ein wenig unsachlicher und unkontrollierter, als es mir lieb gewesen wäre, mit der ungefähren Hauptaussage der letzten ‚zig Einträge konfrontierte. Womit ich mir meinerseits eine wohlverdiente und in gewisser Weise wohltuende Abreibung einhandelte, die sich im Wesentlichen auf das belief, was ich ebenfalls hier in letzter Zeit häufiger mal erwähnt hatte: Wenn du willst, dass man auf deine Probleme eingeht, wäre es nützlich, zu diesem Zwecke darüber zu reden.

Point taken. Und wie bezeichnend eigentlich, dass ich all das, was er gestern noch sagte, in praktisch derselben Form zuvor Tausende Male in meinen eigenen Überlegungen durchgekaut hatte. „Wenn ich schon mit dir zusammen bin, dann mit allen Ecken und Kanten.“ Erinnerst du dich? Das war exakt das, was in meiner Wahrnehmung nicht gegeben war. Wieder einmal bestätigt sich, dass ich in dieser Richtung mir selbst nicht trauen sollte. Wenn ich jetzt noch lerne, mich ungefragt mitzuteilen, bin ich auf einem guten Weg. Was für eine Arbeit. Was für ein Lernprozess. Ich stelle mich der Herausforderung.

Abgesehen davon: Ich bin morgen auf übermorgen bei meinen Eltern zu Besuch. Und wenn ich da bin, werde ich mal (je nach Stimmungslage und Gesamtsituation) vorsichtig anfragen, was sie eigentlich davon halten würden, wenn ich Weihnachten entgegen jeder Tradition mal zu Hause verbringe. Das ist lang geplant: Ein Selbsthilfe-Weihnachten mit allen, die bei ihrer Familie mit Stress und Drama rechnen müssen oder aus anderen Gründen von ihrer Verwandtschaft an diesen Tagen lieber auf Abstand gehen würden – und es trotzdem nie tun, mangels verlockender Alternativen. Ich möchte diese Alternative sein und uns ein fröhliches, friedliches, liebevolles Weihnachten ermöglichen. Keine Heuchelei, keine Nervenzusammenbrüche, keine Psycho-Dramen. Keine Geschenke. Ich würde mich so sehr darauf freuen. Und alles an guten Assoziationen, die ich mit Weihnachten habe – und das sind einige; wir waren ja als Familie auch nicht immer so offen kaputt, wie es in den letzten Jahren der Fall war – mit einbringen, und jeden ermutigen, mit den eigenen geliebten Traditionen genauso zu verfahren.

Ja, das würde ich gerne tun.

"Vielleicht, wenn ich morgen schnell durchkomme."

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Also, mein Wochenende war super (wenn auch etwas anstrengend), und die Woche davor ebenso. Mehr schön als anstrengend.

Ich bin trotzdem mal wieder kurz vorm Durchdrehen. R bekommt das Zimmer nicht, das er in Aussicht hatte, und in Anbetracht seiner Lage (und der so vielversprechenden Aussicht) geht mir das gerade wahrscheinlich bald näher als ihm selbst. Wobei, natürlich nicht, höchstens auf eine andere, weniger agg- und mehr depressive Art. Weiterhin wurde ich heute sogar von Seiten meiner Mutter darauf hingewiesen, dass die Konstellation Basti-Aspi-R leicht skurrile Züge an sich hat, und da ich mir dessen natürlich vorher schon bestens bewusst war, sorgte das einfach nur dafür, dass ich mich jetzt noch mehr gedanklich um das Thema wickele und mir aber keine wirklich gute Weise einfällt, diesen Konfliktherd auszuschalten. Es gibt ja momentan gar keinen Konflikt. Der Konflikt ist in meinem Kopf.

So wie der Konflikt, der sich daraus ergab, dass ich einmal schnell wieder vergessen hatte, dass die Transparenz bei aller Liebe, die ich ihr entgegenbringe, auch ihre bösartigen Tücken hat. Nachdem sich Caro von meinen Kommunikationsabsichten gegenüber der Sackratte als noch weitaus weniger als „not amused“ erwies, war ich eben schon der Annahme, gerade wegen des gleichen Vollzeitarschs zum zweiten Mal in meinem Leben einen Kontaktabbruch seitens meiner besten Freundin provoziert zu haben; unangenehm war’s. Der Machtstatus meiner Paranoia ist unverändert. Macht mich wieder mal nachdenklich, weil ich mir so überhaupt nicht sicher sein kann, was an meiner Wahrnehmung überhaupt Realität ist und wie viel Prozent ein Produkt meiner Einbildung.

Also schon wieder so ein Anflug. So spiralisiert man sich in Grund und Boden. Snapping out of my usual self, I’m once again becoming – albeit temporarily – the familiar unstable creature, weary and untrusting, convinced of my complete and utter failiure as a human being. Das geht rasend schnell, a matter of mere minutes, ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt. Ich merke, dass es da ist, allerspätestens an den Vorwürfen, die ich mir mache, wenn ich anfange, mich zu beklagen. Ich habe mir schon Vorwürfe gemacht, da hatte ich nichtmal angefangen zu tippen, „erbärmlich und selbstmitleidig“ being the main expressions used. Daran erkenne ich ohne jeden Zweifel, dass der Zustand wieder zugeschlagen hat und meiner Wahrnehmung in keinster Weise zu trauen ist.

Passt; geht vorbei. Grad rief mich R an; es beruhigt, seinem Monolog über seine Arbeit mit einem halben Ohr zuzuhören, während ich tippe. Ein paar Minuten werd‘ ich noch haben bis zum obligatorischen, auf den ersten Redeschwall folgenden „Und bei dir?“

Nicht wirklich. Ich sollte mal aufhören zu tippen.