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Substanzlose Weihnachten

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Na, sowas hab‘ ich ja schon immer ganz besonders geliebt. Aus was für Löchern sie alle gekrochen kommen, ich will’s gar nicht wissen. Heute Früh hatte ich tatsächlich eine Whatsapp-Nachricht mit „Frohe Weihnachten :)“ von Barbaras Freund. Jap, von demselben Menschen, dem ich nicht übel Lust hätte die Augen auszukratzen, sollte ich ihm mal persönlich begegnen, so wie er sich angestellt hat im kurzen Verlauf unserer Bekanntschaft (und nach allem, was ich über Dritte erfahren habe).

Kann es sein, dass es sich um einen dieser komischen Menschen handelt, die zu solchen Gelegenheiten eine Nachricht mit dem gleichen Inhalt an all ihre Kontakte schicken (was traurig wäre angesichts dessen, was sich in den Kontaktlisten bei den meisten Leuten alles tummelt)? Oder was denkt sich jemand sonst dabei? Hey, es ist Weihnachten. Wir reden zwar nicht miteinander, aber an Weihnachten muss man sich gratulieren, kontaktieren oder, noch schlimmer, aussöhnen, vertragen, benehmen. Natürlich hat niemand die Absicht, sich auszusöhnen, sich zu vertragen, irgendetwas Substanzielles an dem eigentlich porösen Kontakt oder sogar Nichtkontakt wieder aufzubauen. Und das ist das eigentlich Schlimme an diesen Nachrichten, sie geschehen pro forma, weil jemand sich denkt, man macht das eben so. Ein Glück hält Robert nichts von Weihnachten, sonst würde der mir am Ende auch noch schreiben.

Ich fand’s selbst von Caro schon grenzwertig, die ebenfalls mit einem Anderthalbzeiler von sich hören ließ, allerdings seit Beccis und meinem Besuch im Sommer weder die Zeit gefunden hat, mal zu telefonieren, noch auf meine sporadischen Nachfragen sonderlich enthusiastisch (wenn überhaupt) eingegangen ist. Komm schon. Von solchen Feiertagsnachrichten fühlt man sich mir nichts, dir nichts zum Gelegengeitsbekannten degradiert, dem man aus Pflichtgefühl ein inhaltsloses Häppchen wirft.

Allerdings scheine ich mit dieser Ansicht alleine dazustehen. Selbst mein Onkel meldete sich dieses Jahr per Whatsapp. Er ist so wortkarg in seiner schriftlichen Kommunikation, dass die Meldung „Frohes Fest usw. Bin leider krank.“ schon fast überdimensional lang wirkte. Aber ich hätte auch darauf verzichten können.

Davon ab könnte ich mich nicht unweihnachtlicher fühlen. Ich habe einen Computer und eine Katze auf mir liegen, was praktisch den Durchschnitt meines Gesamtzustandes im Jahr ganz gut widerspiegelt, muss noch sieben Seiten meines aktuellen Scribbr-Auftrags bearbeiten und dann irgendwie die Wohnung präsentabel machen, bis meine Eltern sie heute Abend betreten, sowie am besten noch meine Erkältung loswerden, um diesbezüglich Kommentare von meiner Mutter zu vermeiden. Draußen stapelt sich die Ausbeute unseres vorgestrigen Containerzugs und die meiner gestrigen Abholung beim Vietnamesen. Mein Kühlschrank ist nur zur Hälfte vorhanden, die andere Hälfte steckt in der Spülmaschine, um von widerlichem Dreck gesäubert zu werden, der sich in einem eindeutig zu langen Zeitraum darauf angesammelt hat und den mit der Hand zu beseitigen ich beim besten Willen nicht über mich bringe. Allerdings ist die Spülmaschine relativ leer und ich weiß nicht, wie ich sie noch gefüllt bekommen soll, um sie rechtzeitig vor der Ankunft meiner Eltern zum Laufen zu bringen, damit ich den Kühlschrank wieder einräumen kann. Im Trockner ist noch eine Ladung Wäsche. Sehr realistisch, das alles noch geradebiegen zu wollen bis sechs Uhr abends. Aber man wird sehen, wie weit ich komme… Ezina ekinez egina.

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Wie es also auch sein kann:

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Ich hatte ein ganz wunderbares Weihnachten. Meine Eltern sind doch zu Hause geblieben, weil ich offenbar letzte Woche meinen Vater mit meiner Erkältung infiziert habe. Somit waren R und ich ganz allein und haben einfach die freie Zeit, insbesondere die seine, in vollen Zügen ausgekostet. Es gab Unmengen Boggle, Carcassonne, Filme, Kaffee, Plätzchen und warmes Licht durch die ganzen Kerzen. Ich habe an Heiligabend kurzerhand die Leitung über die Bescherung übernommen, den Vikus ins Wohnzimmer verschleppt und mit der wenigen Weihnachtsdeko versehen, die ich besitze, R’s Geschenke daruntergelegt und ihn mit dem einzigen Glöckchen aus dem rosa Zimmer geklingelt, das ich auftreiben konnte. Es war eins von diesen winzigen Schokohasenglöckchen, wie man sie zu Ostern bekommt, und machte kaum hörbare Geräusche, aber hey. Immerhin.

Gestern kamen nacheinander eine Freundin und ein Kumpel von R vorbei, sodass wir im Prinzip den ganzen Tag auf dem Sofa verbrachten. Zugegebenermaßen habe ich dann irgendwann abgeschaltet, als Lars da war, denn – du wirst mir sicher zustimmen – der normalsterbliche Mensch erträgt halt nur eine bestimmte Dosis Informatiknerd am Tag.

Soeben habe ich R die Haare geschnitten, ein lang geplantes Unterfangen. Er sagte danach, schön, dann könne er jetzt ja in seine Boyband zurück, aber ich bin mit meinem Werk sehr zufrieden. Es war immerhin das erste Mal, dass mich jemand ganz freiwillig seine Haare hat schneiden lassen. (Das erste Mal, dass R dieses Vergnügen zuteilwurde, war bekanntlich die Folge eines alkoholinduzierten Zopfabschneidens meinerseits und alles Andere als einvernehmlich beschlossen.)

Nun wird dieser Tag am Ende den hoffentlich zumindest halbwegs wieder energiebetankten R in eine kurze Arbeitswoche mit drei Nachtschichten entlassen, bevor wir am Freitag zu Becci fahren. Ich muss ihr eigentlich mal schreiben und schauen, ob sie trotz anwesender Familie die Feiertage irgendwie überstanden hat.

Weihnachtslied

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Wozu das Elend nicht alles gut ist. Ich habe mir sehr spontan gerade ein ewig altes Lied namens Christmas vorgeknöpft, das beinahe noch aus der letzten Dekade stammt und es zwischen diesem einen lange vergangenen Heiligabend und dem heutigen Tage nie zu mehr als einem kritzeligen, stellenweise von Wassertropfen unkenntlich gemachten lilanen Stabilotext auf einem knitterigen Papier, das mal in Costa Rica war, und einem groben Melodiekonzept in meinem Kopf gebracht hat. Hatte, denn ich habe soeben die allerersten zwei Materialisierungsversuche getätigt, und obschon ich mir darüber im Klaren bin, dass

  • ich irgendwas mit den tiefen Tönen anstellen muss,
  • mein treues altes AG wirklich bessere Tage gesehen oder gehört hat und schonmal nebengeräuschfreier daherkam,
  • es am Ende wahrscheinlich eher ein Klavierlied wird,
  • ich auf Lebenszeit dazu verdammt bin, ein unheilbarer Emo zu sein,
  • in die Pause vor dem verdoppelten Chorus noch unbedingt ein Solo reinkommen wird, dafür ist sie ja da,
  • und ich allerdringendst dafür sorgen sollte, dass die geisterhafte Replika des Ukumenschen aus meinem Kopf verscheucht wird, die mit mehr oder weniger konstruktiver Kritik jeden Schritt meines musikalischen Wirkens verfolgt, …

… YAY, ICH SCHREIBE WIEDER!

Somit habe ich ganze drei „neue“ „Werke“ im Jahre 2017 geschaffen, oder sollte ich sagen, geschafft.

Das war mal wieder eins der Sorte „Fluppt“. Dies hier ist die allerzweite Aufnahme – da konnte ich dann auch das AG zumindest so weit beruhigen, dass seine eigenen aufgeregten Klappergeräusche nicht den eigentlichen Inhalt der Aufnahme übertönten. Nachdem ich mich mittendrin spontan zu diesem bereits erwähnten Verdoppeln des Chorus mit dazwischenliegendem potenziellen Solo entschlossen hatte, beliebte das darauf folgende hübsche Outro gleich mit aus dem Nichts zu erscheinen und machte mich damit sehr glücklich. Ich glaube, es tut mir gut, dass ich so viel Sarah Lesch höre in letzter Zeit. Ich öffne mich wieder kreativen Prozessen. Und ich erlaube mir, genau das zu machen, wonach mir der Sinn steht. Vielleicht hat das Lied darauf so lange gewartet – dass ich mich endlich nicht mehr darum schere, wer mich auf dieser Welt nun für einen unheilbaren Emo hält und wer nicht.

Bleibt nur noch die Feststellung, dass der Zeitpunkt dieser Aufnahme unter Berücksichtigung des Arbeitstitels wirklich ziemlich unschlagbar ist.

Advent, Advent; kein Lichtlein brennt.

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Ich geb’s auf – während ich mich in den letzten Jahren immer noch zumindest bemüht habe, irgendwie Traditionen aufrechtzuerhalten, ist es dieses Mal dann whl ganz und gar vorbei mit der Weihnachtlichkeit. (Oh, das klemmende O macht mich kirre.)

Wobei ich mich schon gleich noch aufraffen und einen behelfsmäßigen Adventskranz zusammenzimmern könnte, einfach indem ich vier von diesen weißen Glitzerkugelkerzen auf diesen gold-kupferfarbenen Teller mit mond- und sternförmigen Ausstichen am Rand draufsetze, den ich neulich auf dem Rückweg vom Containern vor einem Geschäft aus dem Papier- und Sperrmüll gesammelt habe. Und die ein oder andere Deko sollte in meiner kleinen Kiste im Keller noch aufzutreiben sein, wozu habe ich sie sonst überhaupt. Und backen könnte man, ich habe doch extra schon eine Packung Eiweiß hochgeholt.

Jap, ich glaube, ich bin wieder motiviert. Den ganzen Tag habe ich nur geschlafen, dann rumgehangen und meine Vergangenheit durchgelesen wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr – Ende 2014 war der Zeitraum meiner Wahl und das emotionale Chaos dieser Zeit hat sich ansteckend auf meinen Jetzt-Zustand ausgewirkt. Überhaupt war ich von vornherein sehr merkwürdig emotional aufgeladen heute. Deshalb habe ich ja überhaupt damit angefangen. R saß daneben und schaute Formel 1, während ich völlig in meiner Zeitreise versunken dahing. Weird, denke ich da mal wieder, wie zwei Leute direkt nebeneinander in vollkommen verschiedenen Welten sitzen können.

Jetzt aber bin ich durch mit dem Jahr, R hat mir und sich selbst ein Bier aufgemacht und sich ins rosa Zimmer verkrochen, um dort weiterzunerden (Informatik, nicht mehr Motorsport), und ich habe Zeit, mich wieder in meiner Gegenwart ein- und zurechtzufinden. Und besser ist das; ich kann mir nichtmal mehr vorstellen, wie ich dieses Chaos damals überstanden habe. Dagegen ist alles, womit ich gerade zu kämpfen habe, so bedrohlich wie eine durchschnittlich große Quietscheente.

Ich habe außerdem ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen. Nämlich habe ich mich gestern mit dem ersten der 18 abzuarbeitenden „Studienbriefe“ befasst, daraufhin den Selbsttest durchgeführt, dort die volle Punktzahl eingestrichen und mich gefragt, ob das jetzt so weitergeht – Peggle zockend dasitzen und nebenher das Zeug durchlesen, dann alles beantworten können und am Ende die Prüfung zu machen. Vielleicht wird es das ja. Leicht verdiente Zusatzqualifikation.

R hat sein Handy hier auf der Couch liegenlassen. Gute Gelegenheit zum Aufstehen, Wäscherunterbringen, Dekohochholen, Adventskranzanfertigen. Ich mache mich auf und tue genau dies. Zumindest ist das der Plan.

‚Obwohl‘ ich sollte…

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Irgendwie beruhigt es mich, dass keine neuen Bots mehr meine Einträge liken. Durch das lange Wegsein hat auch die Anzahl der vermutlich menschlichen Blogbesucher sich extrem verringert und ich kann mir wieder einreden, hier unbeobachtet vor mich hinexistieren zu können.

Ich habe der Lethargie zumindest soweit getrotzt, dass ich eine grobe Idee ausarbeiten konnte, wie mein Referat nächste Woche aussehen wird. Die Recherche dazu war nicht gerade gründlich und noch weniger ergiebig, aber… immerhin. Ich bin müde, obwohl ich bis zehn nach elf geschlafen habe. (Und da mein Referatsthema „Semantische Arten kohäsiver Konjunktionen“ lautet, klingelt jetzt offenbar bei jeder getippten Konjunktion in meinem Kopf eine dumpfe Alarmglocke, siehe „da“, „obwohl“.)

In keinem Jahr meines Lebens hat mich so wenig vorweihnachtliches Gefühl erreicht wie in diesem. Ich habe beide Adventssonntage unbeachtet verstreichen lassen und der heutige Nikolaustag rief sich mir nur in Form eines extrem großzügig gestalteten Geschenks aus Mamas letztes Wochende mitgebrachtem Adventskalender in Erinnerung. (Sie hat nicht nur mir eine riesige Tüte voller sparsam verpackter, liebevoll ausgesuchter und mit Nummern beschrifteter Geschenkchen mitgebracht, sondern R genauso mit einem nicht weniger prachtvollen Sammelsurium beschenkt, ich war fast zu Tränen gerührt.)

Ich schaffe es nicht, den Psychiater anzurufen. Meine Medis reichen noch für ~eine Woche. Ich bin verloren.

Ich bin so unfassbar lethargisch und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Das ist doch kein Zustand. Zumindest kein akzeptabler.

Auch wenn’s so klingt, nein, das hier ist keine Hornbach-Schleichwerbung.

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Wow. Es wird zwar jeden Tag schwieriger, mir die obligatorischen 500 Wörter aus der Nase zu ziehen, aber ich habe es für heute geschafft und liege bei 7582 insgesamt. Leider, wie mir heute bewusst wurde, inklusive Inhaltsverzeichnis – das darf natürlich nicht sein. Aber jetzt das Inhaltsverzeichnis aus der Wörterzahl zu streichen wäre seelische Grausamkeit. Motivieren wir uns also lieber gegen Ende nochmal zu ein paar zusätzlichen Wörtern und lassen es fürs Erste bestehen.

Unter meinem Weihnachtsbaum liegen zwei Geschenke für mich, eins von Basti und eins von Sarah, was ziemlich wunderbar ist, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich mit keinem von beiden gerechnet hätte. Meine Weihnachtskarten liegen nach wie vor unverschickt in meinem Zimmer herum, aber ich habe es für morgen fest auf dem Plan. Vielleicht finde ich ja noch irgendwo Briefmarken und nehme die beiden nachher noch mit, wenn ich zur Wegwarte fahre.

Basti und R sind auf der Linksjugend-Weihnachtsfeier; ich bin wie erwähnt mit meinem Tageswörterpensum durch und werde mir nun erstmal eine Liste erstellen, was mit dem Rest des Tages anzufangen ist. Dazu wird zählen:

  • Epilieren
  • Wegwarte
  • Essen von der Wegwarte versorgen
  • Abendessen zubereiten
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • nochmal bei Facebook unter meinem Foodsharing-Post kommentieren, dass die Leute doch bitte herkommen und sich Bananen holen sollen, damit dieser gelb-bräunlichen Flut aus tropischen Früchten, die momentan meine Wohnung belagert, aktiv entgegengewirkt wird
  • Wäsche aus dem Keller holen

…und wenn mir dann noch danach ist, kann ich ja nochmal ein Blickchen oder zwei auf meine Thesis werfen (oder das, was es in nicht allzu ferner Zukunft werden soll). Yuppieh ja-ja, yuppieh-yuppieh yaay. Es gibt immer was zu tun.

Huii

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Siebentausendzweihundertachtzehn Wörter und ich bin so ziemlich am Ende meiner Inhalt-aus-dem-Nichts-schöpferischen Fähigkeiten. Was soll das nur werden.

Ich bin auch unfassbar foodsharerisch aktiv diese Woche, da natürlich der gesamte Bestand an Mitgliedern über Weihnachten zusammenfällt und ich nunmal… hierbleibe. Zum Glück. Ich liebe mein Hierbleiben.

R ist gerade in der Küche und wütet stonerfressflashbedingt mit Schokoeis herum. Ereignis des Jahrhunderts, es ist doch zu verblüffend. Ich höre, wie er verzweifelt versucht, die 6-Liter-Packung hier oben in das Gefrierfach zu stopfen, um nicht nochal in den Keller zurückzumüssen. Erfolglos; mittlerweile hat er es aufgegeben und das Monstrum wieder runter in den großen Gefrierschrank gebracht.

Ich glaube, er ist jetzt bald fertig, bringt das Zeug her und befähigt uns somit, unsere nanny-schauerischen Aktivitäten fortzusetzen. Das bestätigt sich gerade mit einem „Nanny!“-Ruf aus der Küche. Leben ist herrlich.

Natürlich habe ich es nicht mehr geschafft, den Eintrag mit Tags zu versehen und zu veröffentlichen, deshalb kann ich zwanzig Minuten später noch ergänzen: Und unser Weihnachtsbäumchen steht. Zum Glück ist Basti da, mit dem ich all meine Zuneigung zu sinnlosen Traditionen ausleben kann. Meine Eltern haben den Weihnachtsbaumständer gebracht und eine Lichterkette noch dazu.

Jetzt aber schnell.

Schnecke an der Treppe

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Ein Stück ist geschafft. Danke, Portwein. Diesem ist zu verdanken, dass ich gestern mal wieder kurzzeitig durchdrehte und R ein wenig unsachlicher und unkontrollierter, als es mir lieb gewesen wäre, mit der ungefähren Hauptaussage der letzten ‚zig Einträge konfrontierte. Womit ich mir meinerseits eine wohlverdiente und in gewisser Weise wohltuende Abreibung einhandelte, die sich im Wesentlichen auf das belief, was ich ebenfalls hier in letzter Zeit häufiger mal erwähnt hatte: Wenn du willst, dass man auf deine Probleme eingeht, wäre es nützlich, zu diesem Zwecke darüber zu reden.

Point taken. Und wie bezeichnend eigentlich, dass ich all das, was er gestern noch sagte, in praktisch derselben Form zuvor Tausende Male in meinen eigenen Überlegungen durchgekaut hatte. „Wenn ich schon mit dir zusammen bin, dann mit allen Ecken und Kanten.“ Erinnerst du dich? Das war exakt das, was in meiner Wahrnehmung nicht gegeben war. Wieder einmal bestätigt sich, dass ich in dieser Richtung mir selbst nicht trauen sollte. Wenn ich jetzt noch lerne, mich ungefragt mitzuteilen, bin ich auf einem guten Weg. Was für eine Arbeit. Was für ein Lernprozess. Ich stelle mich der Herausforderung.

Abgesehen davon: Ich bin morgen auf übermorgen bei meinen Eltern zu Besuch. Und wenn ich da bin, werde ich mal (je nach Stimmungslage und Gesamtsituation) vorsichtig anfragen, was sie eigentlich davon halten würden, wenn ich Weihnachten entgegen jeder Tradition mal zu Hause verbringe. Das ist lang geplant: Ein Selbsthilfe-Weihnachten mit allen, die bei ihrer Familie mit Stress und Drama rechnen müssen oder aus anderen Gründen von ihrer Verwandtschaft an diesen Tagen lieber auf Abstand gehen würden – und es trotzdem nie tun, mangels verlockender Alternativen. Ich möchte diese Alternative sein und uns ein fröhliches, friedliches, liebevolles Weihnachten ermöglichen. Keine Heuchelei, keine Nervenzusammenbrüche, keine Psycho-Dramen. Keine Geschenke. Ich würde mich so sehr darauf freuen. Und alles an guten Assoziationen, die ich mit Weihnachten habe – und das sind einige; wir waren ja als Familie auch nicht immer so offen kaputt, wie es in den letzten Jahren der Fall war – mit einbringen, und jeden ermutigen, mit den eigenen geliebten Traditionen genauso zu verfahren.

Ja, das würde ich gerne tun.

Heimatkrise (aber nicht wirklich!): Auf ein Neues.

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So, irgendwie hatten wir jetzt Weihnachten und da steht ein Baum im Wohnzimmer, der wie jedes Jahr wunderschön geschmückt ist, aber, soweit ich das überblicke, niemandem von uns die passende Stimmung wirklich ins Herz zu holen schafft. Wir haben die meisten unserer heiligen Heiligabendstraditionen über Bord geworfen und während es sich dadurch einfach noch weniger wie Weihnachten angefühlt hat, bin ich irgendwo doch froh drum; es wäre zu geheuchelt gewesen. Die ganzen Jahre davor war es immer schon nicht mehr echt. Und dieser letzte Heiligabend in diesem Haus (es verzieht mir doch ganz schön den Brustbereich, wenn ich zu sehr drüber nachdenke) war einfach nochmal symbolisch dafür, dass Veränderungen unaufhaltsam sind. Man verändert sich und sein Leben ja meistens widerwillig oder zumindest schwerfällig – Materie ist faul; sie will sich nicht bewegen. Genau so ist unser Geist. Wir haben alle ein Haus im Kopf, das wir oftmals schon seit vielen Jahren bewohnen und das aufzugeben uns so voll und ganz widerstrebt, weil wir einfach nicht wissen, was draußen auf uns zukommt. Aber natürlich ist auch Veränderung die einzige Möglichkeit, überhaupt irgendwie voranzukommen.

Ich hab‘ Angst, so ein bisschen, dass die Nostalgie irgendwann doch noch zuschlägt. Mir wird immer mehr bewusst, dass der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, doch irgendwie zu mir gehört, jetzt, wo ich im Begriff bin, ihn wirklich hinter mir zu lassen. Auch wenn ich hier nie so wirklich das Leben kennengelernt habe, wie es sich mir viel später offenbart hat; irgendwo ist Oldesloe ein Teil meiner Heimat.

Umso dankbarer bin ich, mein Zuhause an anderer Stelle gefunden und aufgebaut zu haben. Man stelle sich nur vor, ich wäre einer von diesen Menschen, die studieren gehen und aber ihr Elternhaus nie wirklich im Geiste verlassen. Die sagen, „ich fahr heim“, und meinen, „ich fahr meine Eltern besuchen“. Dann wäre ich so tief getroffen von diesem Verlust jetzt – dann hätte ich ja praktisch (wieder einmal) kein richtiges Zuhause mehr. Eine Runde immense Dankbarkeit für mein Zuhause, wheey.

Schon wieder Weihnachten? Hilfe…

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Gleich geht’s also schon wieder hoch zu meinen Eltern. Ich freue mich wie eine Wahnsinnige auf die zwölf Stunden Zugfahrt.. nicht.. aber das wird auch überlebt werden. Wie überhaupt ja letzten Endes immer alles überlebt wird, bis man dann doch irgendwann den Löffel abgibt.

Gestern hatte ich meine alten Bandleute zum Essen hier – Sebi ist für ein Wochenende aus Frankfurt runtergekommen und zu dem Anlass ist sogar Chris aus seiner Versenkung aufgetaucht und hat sich mit ihm zusammen hier bei mir eingefunden. Es war schön. Ich habe zwar immer noch das Gefühl, dass Sebi und ich locker einen Award für die awkwardste Kumpelschaft aller Zeiten gewinnen könnten, aber da kann man offenbar einfach nichts machen. Wir sind einfach nie dazu gekommen, uns vernünftig aufeinander einzulassen. Ist wohl auch ganz gut so; der Mensch ist innendrin ein einziges Chaos. (Weil ich auch absolut diejenige bin, die sich das zu sagen erlauben kann, ich seh’s auch so.) Ich war fasziniert von seinen Erzählungen über seine Freundin, Lili, die einfach genau so zu sein scheint, wie ich vermutlich wäre, würde ich mich nicht der Außenwelt zuliebe verstellen. Umso beachtenswerter, dass er sie trotzdem erträgt.

Wir haben dann nach dem (köstlichen!) Essen noch ein bisschen Musik gemacht. Ich habe ihnen mein neues Lied vorgespielt, Esaidazu, und sie waren davon angemessen beeindruckt (immerhin scheint jeder Andere als der hoffnungslose Fall, für den es geschrieben wurde, mir für mein erstes Lied auf Euskera irgendeine Art Bewunderung entgegenzubringen. Was vielleicht daran liegt, dass sie alle nicht merken, dass es sprachlich grenzwertig ist). Sebi konnte es einfach nicht glauben und fragte mich, ob der Text auch irgendeine Bedeutung hätte. Das fanden dann alle sehr lustig. Hach ja.

Da fällt mir ein, ich habe dir bis heute nicht die aktuelle Version gezeigt, die ich gerade noch so aufgenommen hatte, bevor der Luxemburger kam. Jetzt aber.

Peruaner-Pedro war auch noch da und ich gab ihm und Sarah das Weihnachtsgeschenk, das ich ihnen Anfang der Woche noch spontan bestellt hatte – so Handschuhe für zwei, weißt du, wo einer der Handschuhe zu beiden Seiten eine Öffnung hat und man von jeder Seite eine Hand reinstecken kann. Ich musste es ihnen einfach schenken, auch wenn Sarah vor schlechtem Gewissen bald gestorben ist. Ich hatte es mir schon fast gedacht und habe mein Bestes gegeben, sie zu beruhigen. Ich hatte ja von ihnen auch nichts erwartet. Aber ich musste ihnen diese Handschuhe geben. Meine Mutter hat meinem Vater letztes Jahr solche geschenkt, daher kam ich darauf. (Das war auch lustig; ich rief sie an und sagte, hey, woher hattest du eigentlich diese Handschuhe, die du Papa geschenkt hast? Und sie antwortet knallhart, „aus dem Ikarus-Versand. Es gibt sie in schwarz und in rot, aber du musst dich beeilen, die schwarzen sind meistens ausverkauft. Sie haben 19,99 gekostet.“ Und ich war vollends verblüfft, weil ich von ihr überhaupt nicht gewohnt bin, dass sie sich an solche Details nach einem Jahr noch erinnert (anders als beispielsweise Susmita und ich, oder Laura, da wäre es mir weniger komisch vorgekommen) – bis sich herausstellte, dass der Katalog von genau dem besagten Versandhaus ihr gerade ins Haus geflattert war und sie ihre Erinnerung inzwischen aufgefrischt hatte.)

Wie herrlich. Ich hab‘ den Wein von gestern Abend eben leergemacht und es geht mir jetzt wunderbar gut. Viel besser als vorher; ich hatte den größten Teil des Tages Panik und bin nichtmal sicher, wieso. Reisefieber, vermutlich. Es ist schon merkwürdig, wie ich jedes Mal in Panik gerate, wenn ich eine Reise mache. Es ist ja nicht so, als hätte ich in diesem Leben noch nie eine Zugfahrt unternommen. Aber nunja, ich bin halt komisch. Damit muss ich leben.

Oh je. Habe ich dir von Kepas und meinem Fail erzählt? Ewww, ich will gar nicht dran denken. Im Endeffekt beläuft es sich darauf, dass er mit meiner Definition von Zuhause nicht vertraut ist und sich daraus ein horroriges Missverständnis ergeben hat, als dessen Konsequenz er jetzt bis zum vierten Januar bei seiner Familie hängt und ich Silvester noch eine Person weniger bei mir habe. Ich kann es nicht glauben – was für ein Riesenfail. Mir wird bald schwummerig, wenn ich nur dran denke. Ich hätte nicht im Traum dran gedacht, dass man „bei mir zu Hause“ irgendwie anders verstehen könnte als „an dem Ort, wo ich lebe“. Das ist ja bei mir allgemein das Problem. Spätestens seit meiner Heimatkrise letztes Jahr und vor allem seit meiner Rückkehr aus Vitoria bin ich hier einfach so fest verwurzelt, dass ich gern mal vergesse, dass der Rest der Welt mit Zuhause auch gern den Wohnhort ihrer Eltern betitelt.

Ich war ein wenig erschreckt, muss ich sagen, davon, wie er damit umging. In erster Linie klang es so, als hätte er Angst, dass ich mich gleich aus dem nächstbesten hochgelegenen Fenster stürze. Was an sich nicht verwunderlich ist; nachdem ich ihm eröffnet habe, dass es mir über längere Zeit nicht so großartig ging, kann ich mir denken, dass man so einer Person mit depressiver Vergangenheit und entsprechenden Tendenzen keine sonderliche Stabilität zutraut. Falls er allerdings wirklich dachte, dass mir das Ganze schlechte Laune bereiten könnte, wäre „geh dich jetzt nicht suizidieren“ vielleicht auch nicht gerade das gewesen, was er hätte von sich geben sollen. Also setzen wir uns auf die Liste „What to Teach your Kumpel Slash Stecher“: Dealing with Depressed People 101.

Es ist viel, viel, viel zu wenig Zeit bis fünf Uhr.