Schlagwort-Archive: Weihnachten

Ikusiko dugu.

Standard

Basti der Luxmensch lernt gerade hochengagiert Euskera von mir. Soweit man denn von mir Euskera lernen kann; wenn er so weitermacht, kann er bald mehr als ich und ich muss ihn an Kepa übergeben. (Schaffe ich es nicht mal zur Abwechslung, einen verdammichten Eintrag zustandezubekommen, in dem nicht irgendwo Kepa steht?)

Ich muss mir angewöhnen, mein Couchsurfing regelmäßiger zu checken.

Mein Kopf macht beim Resignieren irgendwie nicht vernünftig mit. Wenn ich eine Tagesstatistik anfertigen würde mit den Momenten, in denen ich über diesen entscheidungsunfähigen Dämlack nachdenke oder mir über die Gesamtsituation oder meinen Geisteszustand Sorgen mache oder (noch ab und an) hirnamputiert anfange zu strahlen oder aber mir den Kopf zerbreche, was ich Silvester mit ihm anstellen soll, wenn der Rest der Welt sich am Feuerwerk erfreut – der einzige Mensch in meiner ganzen Bekanntschaft, der Angst vor Feuerwerk hat (Rini: „Für den ist das wie Krieg.“) – oder ein Stadion voll angetrunkener Athletic-Fans Txoria Txori singen höre (gerade eben) oder Mikel Laboa Txoria Txori singen höre (jetzt), ich weiß nicht, wie viele Minuten da noch übrigbleiben würden, oder ob überhaupt welche.

Und ich habe den Koffer mit Wintersachen von meinem Schrank geholt. (Die Strickjacke war übrigens nicht drin. Wenn ich nur wüsste, wo die sich rumtreibt – was für ein Mysterium.)

Ha – jetzt, wo ich ja nicht bei der Weihnachtsfeier unserer Büro-Vermieter bin, hätte ich doch theoretisch Zeit, noch eine Ladung Kekse zu backen. Wie wär’s mit Kürbis-Cookies? Wuhuu, die Weihnachtszeit fängt doch noch an.. Na endlich.

Daniel hat sich über seine Haselmakronen gefreut und mir außerdem schon wieder Schokolade gegeben. Er ist so ein Zartbitterschokoladenmensch. Ich ja eigentlich gar nicht, aber ich freue mich trotzdem immer.

Naja. Ich hör mir dann jetzt noch kurz an (bzw lese mir durch), was Kepa so über sein Leben in Mécico zu berichten hat (sag nichts, das ist jetzt Zufall. Eigentlich ja nicht, weil ich durch das ganze Gelaber da oben auf Txoria Txori kam und das dann bei Youtube anhören musste und mir dann diese irren grölenden Athletic-Fans entgegenkamen und ich ihm das mitteilen musste, aber normal bin ich recht strikt mit meiner heiligen Anti-Spam-Regel und lasse ihn meistens in Ruhe), und rede dann mit Robert (wenigstens einer, der das Bedürfnis verspürt, mit mir zu telefonieren) und schaue, ob ich morgen lieber backe oder doch mein LSD zu mir nehme. Oder vielleicht schaffe ich ja beides? Man wird sehen.

I don’t even wish for snow / This Sudden Urge to Escape

Standard

Gawd, es ist so schön, heute Zeit zu haben. Das ist das Wunderbare; ich habe ja immerhin so etwas wie Freunde und ein Leben und sollte es eigentlich besser wissen als zu verzweifeln, wenn ein einzelner Mensch sich gerade nicht blicken lassen kann. Ich weiß ja nichtmal, ob er nicht eigentlich sogar gern gekommen wäre, gesetzt den Fall, er hätte nicht zum Unterricht nach Augsburg gemusst.

Das nach noch ein bisschen Wein und ich bin stolz auf mich; heute ist meine Gemütsverfassung um ein so beachtliches Stück besser, das glaube ich fast selbst nicht.

Jedenfalls: Jetzt habe ich mit Johanna geredet, mit Mama geredet, mit Trudi geredet. Kokosmakronen gebacken, die ersten Plätzchen diese Saison und das erste Anzeichen, dass so etwas wie weihnachtliche Stimmung letztendlich auch bei mir Einzug hält – heute in der Arbeit sah das noch anders aus; ich konnte fast nicht mehr, so sehr hat mich die Tatsache frustriert, dass Sarah über Stunden und noch mehr Stunden den Antenne-Bayern-Weihnachtssender laufen hatte und jedes Lied gefühlt dreimal vorkam. Und ich musste daran denken, wie ich vor ein paar Jahren aus dem Hamburger H&M auf der Mönckebergstraße geflüchtet bin, als „All I Want For Christmas Is You“ aus ihren Kaufhausboxen an meine geplagten Ohren waberte. Das war wohl 2011, wie sollte es anders sein. Und irgendwie war mir heute schon wieder nach Flüchten zumute. Wenn nur einfach mal irgendetwas einfach wäre.

Irgendwie hatte ich ja schon Pech bisher. Jeder Trottel wird irgendwann mal gerngehabt, gemocht, geliebt, bevor er zweiundzwanzig ist. Oder? Die haben so schön die Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen. Und drehen dementsprechend nicht gleich durch, wenn es mal wieder vorkommt irgendwann. Ich dagegen habe es einfach schon komplett aufgegeben. Und jetzt vermurkse ich mir alles damit, dass ich es mir einfach nicht erklären kann und mir die ganze Zeit einrede, mir alles nur einzubilden und eigentlich auf meinen (erneuten) Untergang zuzusteuern. Fürchterlich, ich sag’s dir. Wie gut, dass ich es zumindest unbekannten Menschen und Bots in Form meines Blögchens mitteilen kann; irgendwo muss man diese dämlichen Geschichten ja abladen.

Vielleicht kann ich JO gleich mehr Euskera beibringen, wenn wir reden. Was wäre das wundervoll.

Wärme in Koffern. Kälte im Raum. Leben im Nebel.

Standard

Wir haben es doch wieder hingekriegt. Unfassbar ist das, wie machen wir das?
Ein weiterer Heiligabend mit einer dramatisch-versöhnlichen Bescherung. Das Gefühl, dass es solide sein könnte, ist natürlich seit Jahren nicht mehr da, aber geschafft ist es trotzdem. Wieder.

Wie? Und warum überhaupt die Mühe, uns immer aufs Neue zusammenzuklauben? Wir funktionieren doch alle nicht. Warum nicht es endlich einsehen und allen Schein fallenlassen. Uns ergeben, uns aufgeben. Die absolute Hoffnungslosigkeit dieses letzten Tages sollte doch besser anhalten, um es nicht alles immer wieder noch schmerzhafter zu machen. Das Allesverlorenhaben, das Wahrscheinlichniewirklichetwasgehabthaben. Das Fehlen von Wärme, von echter Wärme, nicht gesprochener Wärme, nicht materialisierter Wärme. Von gefühlter, gelebter Wärme. Wärme ohne Worte, ohne Demonstrativität. „Wie kannst du wagen, zu sagen, ich wäre nicht warm. Schau doch, wie warm ich bin. Ich tue dies und jenes, das es beweist.“ Aber gefühlt ist es kalt, nicht sicher. Warm ist sicher.

Ein Koffer voller Wärme. Sie sagte, sie hätte einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Gestern Mittag, nachdem selbst mein versuchter Ansatz eines klärenden Gespräches genug war, um sie wegzubefördern. Dann sagte sie, sie müsse doch zu mir fahren. Mein Vater daneben. „Und dafür musst du erstmal zurückkommen. Schätzchen, komm zurück“. Ich in der Ecke ihres Bettes, die zusammengesunkene Gestalt beobachtend, die wirres Zeug von sich gibt, sie hätte mir doch einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Eine Unterhaltung mit meinem Vater, der sagt, ich wäre zu hundert Prozent egozentrisch, als ich ihm zu erklären versuche, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Dass sie sich helfen lassen muss und ich sie so nicht in meinem Leben haben kann. Weil ich nicht kann. Wäre ich selbst stabil, müsste ich können; ich dachte früher, ich müsste können, vor allem als ich noch da gewohnt habe, aber eigentlich kann ich doch überhaupt nicht. Das versteht er natürlich nicht, weil er keine Ahnung hat, wie es bei mir drinnen aussieht. Dazu müsste ich es erstmal zeigen können, nicht nur verbalisieren. Ich verbalisiere ruhig, distanziert und gelassen, dass ich irre am Rad drehe innerlich. Es wird mir nicht abgenommen, solange ich es artikuliere, ohne dabei in Trancezustände zu verfallen. Ich müsste erst zusammenklappen; das lenkt erfahrungsgemäß seine Aufmerksamkeit ganz gut auf einen. Wäre ich einfach einen Tick schwächer und würde immer zusammenklappen, wenn ich das Bedürfnis dazu habe, so wie sie es tut. Wie viel einfacher wäre alles; warum kann ich denn das nicht. Oh, wahrscheinlich weil nichtmal dann ich verstanden werden würde. Dann ist es wahrscheinlich Aufmerksamkeitsuchen, Melodramatik, fast schon Nebensache; das Zusammenklappen ist zu sehr Teil der Familientradition. Es ist ja auch alles nicht mein Problem, wie ich zwischendurch immer mal zu hören bekomme. Wenn meine Familie ein lebender Albtraum ist und ich nicht weiß, wie ich drei Tage in diesem Umfeld je geistig unbeschadet überleben soll, natürlich ist das nicht mein Problem, wieso sollte es. Mein „Ich kann nicht mehr“ wird nicht gehört; ich kann aber nicht mehr, ich kann nicht mehr so funktionieren.

Du hast keine Ahnung, keine.

Wohin der Wind uns weht.

Standard

Mir kräuseln sich zwar so ein bisschen alle Nägel, aber da müssen wir jetzt durch. Ich hatte vor Ewigkeiten schon den Plan gemacht, eine Person damit an Weihnachten tierisch aufzuregen (und mir damals schon gedacht, „na, erstmal gucken, ob du’s so lange überhaupt noch durchhältst“). Ist tatsächlich nicht so gekommen, aber wenn ich schonmal einen Plan mache, muss ich ihn trotzdem so gut es geht ausführen. Vielleicht regt sich ja an seiner Stelle jemand anders auf; das wäre zwar weniger lustig, aber immer noch besser als gar nichts. Also, holen wir tief Luft und…

Beatles, Rolf Zuckowski, Beatles, Rolf Zuckowski. BEATLES.

Und wieder atmen.

Von der Nachricht her.. ist es tatsächlich eine Art furchtbares Destinations. (Das dürfte eigentlich für die wiederholte unangenehme Paarung in einem Atemzug mehr als wieder gut machen.) Rolf Zuckowski und diese Kinder daneben sind einfach mal das Creepigste, was mir je unter die Augen gekommen ist.

Aber das nur am Rande. Wir sind alle fleißig am Auseinanderfallen, wobei es sich ein wenig beruhigt hat und ich schätze, dass wir die Zeit bis zu ihrer Abreise morgen noch an einem Stück überstehen könnten. Es ist halt nicht wirklich Weihnachten. Wir sind zu abgefuckt für Weihnachten. Ich kann das nicht mehr lange mitmachen. Ich kann es eigentlich überhaupt nicht.

Aber gut, bis morgen schaffen wir das. Alles Andere soll dann nicht mehr meine Sache sein.

Fröhliche Weihnacht.

Standard

Der letzte Eintrag erklärt auch, wieso ich es nicht schaffe, einfach mit meinen Eltern den Kontakt zu kappen, obwohl jedes Mal, wenn wir zusammentreffen, meine Welt komplett in sich zusammenfällt. Wie heute. Keine zwei Tage hat es gedauert und wir sind am gleichen Punkt de siempre. Was machst du aber auch mit einer Frau, die vollkommen psychisch hinüber ist und es nicht einsehen will und sich nicht helfen lässt. Ich bin jedes Mal aufs Neue einfach vollkommen zerstört. Ich kann dagegen nichts ausrichten. Ich habe nicht die Gabe meines Vaters, es einfach so hinzunehmen. Ich setze mich wieder und wieder zur Wehr. Und dann hilft es nichts und sie geht wieder weg und bekommt all die unverdiente Aufmerksamkeit. Sage mir, warum gleich bekommt immer derjenige die Aufmerksamkeit, der zusammenklappt. Nie derjenige, der ohne ein Wort der Klage von sich zu geben vorneherläuft und den Weg zur Wohnung weist und, wenn überhaupt, für sich alleine zusammenklappt, während die Frau, die man einst als den stärksten Mensch der Welt ansah, ohne Bewusstsein und an der Hand eines von ihr als Wurzel allen Übels betrachteten, in Wirklichkeit aber einfach nur macht- und willenlosen Mannes hinterhertrottet und sich am Ende eh nicht an den Weg erinnern kann. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie das auszuhalten sein soll. Ich frage ihn andauernd, und er sagt, „irgendwie“. Warum er noch da ist – ich begreife es nicht. Sie wird niemals wieder normal werden, auch wenn es mir andauernd vorgelogen wird – solange die Distanz da ist, ist es ja auch einfach. Da sage ich zu ihr, „wann warst du das letzte Mal weg?“, und sie sagt, „du, da müsste ich jetzt im Kalender nachgucken.“ Zwei Tage später rede ich mit meinem Vater – eine der seltenen Gelegenheiten, in denen er tatsächlich mit mir Kontakt aufnimmt – und frage ihn, „wann war sie das letzte Mal weg?“, und er sagt, „Sonntag“.

und jetzt frage ich ihn, „ist es immer noch genau so oft?“, und er sagt, „ja“. Und dann sage ich ihm, „ich kann nicht mehr. Stell dir vor, das würde mit deiner Mutter passieren. Ich mein, ich weiß, deine Mutter ist auch gestört, aber ja.. anders“ – und er sagt, „du hast ja keine Ahnung“.

Als wäre es noch dreitausendmal schlimmer im Alltag mit ihr.

Ihr Auto wurde abgeschleppt. Ich habe heute einige Dinge erledigt, um es wiederzubekommen; eine wertvolle Lektion für mich, an die ich sonst nicht ohne Weiteres gekommen wäre. Dafür, das ich vor ein paar Jahren nichtmal in der Lage war, in Andalucía für sie ein Frühstück zu bestellen, habe ich einige Fortschritte gemacht. Ich habe es praktisch alleine zurückgeholt, das Auto. Alles. Und zwischendurch wurde mir noch polizeilich bescheinigt, dass ich mich nicht anhöre, als wäre ich Deutsche. Was will man mehr. Für mich war es eine wirklich gute Fügung. Meine Mutter war weniger begeistert von dem Ganzen; wer hätte es gedacht. Ihr wertvoller Zeitplan kam dadurch durcheinander. Der Tag endete entsprechend in einer Katastrophe und damit, dass ich mich ohne Sinn und Verstand mit all meinem Restalkohol betrunken habe, während meine Mutter nebenan im Zimmer lag und weg war, während mein Vater danebenlag und nichts tun konnte außer dasein. Laura war da und hat meinen Fall aufgefangen, die wunderbare Person.

Es ist Heiligabend. Frohe Weihnachten an alle. Verbringt es friedvoller, als es bei mir wohl aller Voraussicht nach der Fall sein wird.

Hier und da und hin und weg, vor allem aber weg.

Standard

Und eine schöne letzte Nacht des Jahres hatte ich heute mit Charlie und Saskia.
Also eigentlich (Syntax ist eben doch wichtig) eine schöne letzte Nacht des Jahres mit den beiden. Alles Andere wäre ja doch ein wenig voreilig.

Es gab ein Gratiskonzert im Kubik – wo auch das Berri Txarrak-Konzert damals war – von einer Band, die größtenteils Cover gespielt hat. Als wir dazukamen, waren sie mit dem Set schon halb durch, bedauerlicherweise; sie waren richtig gut. Ihr Sänger war so niedlich und hatte dabei so eine angenehme Ausstrahlung, dass ich unentwegt das Bedürfnis hatte, ihn zu knuddeln. (Saskia hat mich dafür ausgelacht; offenbar ist „ich will ihn knuddeln“ nicht das, was einem beim Anblick so eines Menschen eigentlich als Erstes in den Sinn kommt. Aber er war so.. schön.. und dabei niedlich.. und hat uns so fröhlich angegrinst zwischendurch.)

Irgendwo in der Mitte des Teils vom Set, den wir mitbekommen haben, musste natürlich erstmal etwas kommen, das sich einfach so fucking sehr nach Ukumensch anhörte – irgendwann wurde mir dann auch klar, wieso. Natürlich, what are the odds. Hach je.

Die Coverband

(Didn’t I? ..S’ppose so.)

Charlie hat sich dann äußerst stilvoll und, wie für Engländer angemessen, höflich von uns verabschiedet, indem er uns nach der kaum vermeidbaren Abschiedsumarmungszeremonie noch „qué putas sois“ hinterherrief – was uns zumindest endgültig dazu befähigen würde, ihn im Falle eines unvorhergesehenen Ereignisses, das unser Wiedersehen im Januar verhindert, für immer authentisch in Erinnerung zu behalten. Saskia sehe ich heute oder morgen nochmal, bevor sie sich auch über Weihnachten aus dem Staub macht.

Und meine Eltern kommen heute Nacht schon. Ich werde einiges an Haushaltsarbeiten zu tun haben nachher; immerhin habe ich heute schon einen Großeinkauf mittelschweren Kalibers erledigt und das Bananenbrot gebacken. (Wovon aber in 24 Stunden nicht mehr viel übrigsein wird, fürchte ich, sodass ich vielleicht lieber, bevor sie kommen, noch etwas backe.)

Ich habe Williams Gitarre aus seinem Zimmer gekidnappt und freue mich über die seltene Gelegenheit, nachts Lärm machen zu können (er ist schon auf dem Weg nach Seattle, wo er über die Ferien seine Familie und Freunde besucht, und dementsprechend meinen nächtlichen Telefonaten/Selbstgesprächen/Songfindungsprozessen ausnahmsweise nicht ausgesetzt. Nachdem er letztens, während Caro und ich geredet haben, mich zum zweiten Mal in zwei Wochen um nach ein Uhr zur Ruhe klopfen musste, ist diese Erholung für ihn, glaube ich, ganz angenehm). Und ich freue mich allgemein, Ferien zu haben. Auch wenn nicht wirklich viele Menschen direkt hier sind, um sie zusammen zu verbringen. Aber ich war ja schon immer in der Hinsicht genügsam und solange ich Skype habe, steht einer erfüllenden und entspannenden, nicht-einsamen Zeit nichts im Wege. Danke dafür, an wen oder was auch immer, danke.

Aufräumarbeiten

Standard

Keine Weihnachtszeit ohne Achmed! Vielleicht eins meiner liebsten Weihnachtslieder aller Zeiten. Es gibt tatsächlich immer noch Menschen auf der Welt, die weder von Achmed noch von seinen Gesangskünsten je gehört haben. Ich versuche sie so weit es geht auszurotten – welch Bildungslücken.

Bei mir wird sich in Form der nahenden Ferien auch wieder mal eine auftun. Ich freue mich mit einem Mal richtig darauf. Und aufs Nachhausekommen. Und überhaupt auf alles Mögliche. Es wird auch ein großer entlastender Faktor sein, meinen Eltern, wenn sie mich besuchen kommen nächste Woche, halbwegs gefestigt entgegentreten zu können. Wie mir das jetzt erst einfällt – was für Dramen das Zombie-Ich sonst nur wieder heraufbeschworen hätte. Wobei ich nicht sagen will, dass es so einfach wird; wie es aussieht, sind bei meiner Mom die Nerven mal wieder (immer noch?) völlig im Argen und in Kombination mit meiner üblichen Art, mir Sorgen zu machen – Weltuntergangsstimmung, Verdrängen, Hyperreizbarkeit und Aggression – sieht es jetzt schon nach einem unfassbar erholsamen Weihnachten aus. Nicht.

Im Zuge meiner wochenendlichen Aufräumaktion habe ich heute beschlossen, mich einmal meiner teilweise etwas unpraktischen Angewohnheit, bei Haushaltsarbeiten immer genau fünf Sachen hintereinander zu erledigen, zu stellen, die mir seinerzeit zusätzlich zur wohlverdienten Diagnose von Panik und Depression noch die freundliche Bescheinigung einer Zwangsstörung einbrachte und an der zu arbeiten ich lange gar nicht in Erwägung gezogen hatte, bis vorhin genauer gesagt. Und das „one at a time“-Prinzip, was im Bezug auf andere Bereiche mein Dasein beeinflusst, soll gleich mit abgeschafft werden. Ich kam also stolz wie Oskar mit meinen drei Stücken (statt einem einzigen) dreckigem Geschirr in die Küche, räumte sie in die Spülmaschine und wollte daraufhin das Geschirr-Abtropfding leerräumen, in dem sich sehr zu meiner Verzweiflung genau fünf Sachen befanden und ein winziges Teesieb, das wegzuräumen ich wohl in jedem Fall in der Lage gewesen wäre. Zumindest wenn es wirklich hätte sein müssen.

Und mir ringt wieder JOs Zitat vom letzten Frühling im Kopf nach, „Aspi, du bist der zwanghafteste Mensch, den ich kenne.“ Was irgendwie bis dahin überhaupt nicht meiner Selbstwahrnehmung entsprach und es bis heute nicht tut – der zwanghafteste Mensch, den jemand kennt? Kann ich nicht sein. – aber ich denke, I get where she’s coming from. (Sie sagte auf meine entrüstete Reaktion hin nur, „was würdest du machen, wenn ich jetzt hier“ – sich in Richtung des offenen Media Players bewegend – „auf Pause drücke?“ Und mein unwillkürliches „Neeein!„, gefolgt von einem weniger lauten, leicht perplexen resignierenden Geräusch, war ihr wohl Bestätigung genug.)

Irgendwas wird sich dagegen doch unternehmen lassen. Nicht dass ich einsehe, warum mir das plötzliche Abwürgen von Musik nicht beträchtliches Unbehagen bereiten sollte, aber zumindest wird mein Boden ordentlicher aussehen, wenn ich nicht mehr nur immer fünf Sachen am Stück in den Schrank räume.

Taube Gliedmaßen

Standard

„Neein, das wollte ich doch gar nicht.“
Wohl einer meiner an häufigsten ausgesprochenen Sätze, während ich halb betrunken vor mich hindümpele und auf Sachen klicke, auf die ich nicht zu klicken beabsichtigt habe, und sonstige nicht beabsichtigte Sachen tue, wie meine eigenen Regeln brechen.

Es passieren doch immer wieder Sachen, mit denen man nicht gerechnet hätte. Das passt zu einem Zitat, das ich heute noch gelesen habe, von John Cleese: „How do you get God to laugh? Tell him your plans.“

Oh, gut zu wissen – Control + H zeigt einem den Verlauf der eigenen Internet-Historie.
Tippfähigkeit = nicht vorhanden. Jedes einzelne Wort braucht drei Anläufe.

Nunja. Ich bin offenbar alleine zu dieser nachtschlafenden Stunde. Es wundert mich wenig. Leute müssen früh raus, nicht wie ich, die sich um halb zwölf erst zum letzten Mal zur (ehemaligen) Arbeit bequemen muss, um für den letzten Monat plus Abfingund bezahlt zu werden. (Warum genau kann ich nie „-ung“ richtig schreiben, sobald sich Wein in meinem Blutkreislauf befindet.)

Mein Vater hat auch heute seine Arbeit verloren, diesmal ganz. Alles Andere wäre auch ein Wunder gewesen, wenn man überlegt, dass die Absichten der Leitung in Kopenhagen wahrscheinlich von vornherein waren, die miese Nazischlampe als Eliminierungskraft einzusetzen, um die Mitarbeiter aus der Hamburger Filiale rauszuekeln, um ihnen keine Abfindung zahlen zu müssen – die Chefin meines Vaters hat seit Jahren alle wie den letzten Dreck behandelt. Langsam ergibt es Sinn – sie haben ihm gestern gekündigt.

Das kann ja was werden. Ich will gar nicht drüber nachdenken. Und meine Mom ist fertig bis zum Gehtnichtmehr. Saskia meinte zu mir, ich wäre ja „voll gut darin, meine Mutter aufzubauen“, bei ihr wäre es immer andersherum, dass ihre Mutter sie aufbauen müsste nämlich. Lustig – die Vorstellung, meine Mutter würde mich aufbauen.

Ich habe bis gerade noch mit Sarah geredet und sie zugelabert, was mir leidtut, sie aber mit Würde hingenommen hat. Sie hat eventuell eine Arbeit – wenn sich die Menschen mal melden. Warum ist es in dieser Welt so schwer, einfach mal Leute zu erwischen, die sich aus eigenem Willen melden, ohne dass man ständig hinterherkriechen muss.

Ich könnte jetzt aufhören, aber ich könnte auch weitermachen. Wie schwierig, jedes Wort genau richtig abzutippen. Ich werd bald nicht mehr, wieso ist nur das Tippen so schwierig.

Wie ich eben zu Robert und zu Sarah sagte, ich übe schonmal mit einem Tetrapak Wein für den Zustand als arbeitslose Tochter von Arbeitslosen, wenn ich nichts Anderes mehr bekomme. Seit wann trinke ich überhaupt Wein. Das kommt davon, dass es hier Wein für weniger als einen Euro gibt, und guten ab 1,75. Ökonomisch wertvoll, ich sag’s dir.

Nein, ach was, ich hab vorher schon Wein getrunken, aber nur in Maßen, nicht wie hier. Und oha, fast wäre mir meine Tüte chips hinters Bett gefallen.

Was für ein Dasein ich hier führe.

Oh nein, schon wieder. Fast.

Weißt du, was Spanien für ein Abfuck-Land ist, wenn es um Weihnachten geht. Oder besser gesagt, wenn es um Backen geht. Es gibt kein Lebkuchengewürz hier, kein Piment, keine Melasse für Ginger Snap Cookies, nichtmal gemahlene Haselnüsse. Bin ich froh, nicht auf ewig hier festzustecken. Das hat mir ja mal wieder den Rest gegeben heute – alles, was es an Backzutaten gibt, kostet einfach mal das Doppelte von dem, was man von Zuhause gewohnt ist. Aber Saskia und ich haben trotzdem eine halbwegs gelungene Plätzchenproduktionssession hingelegt heute; ein Weihnachten lang hält man es schon aus so.

Lebe, habe, bin.

Standard

Ich lebe, habe Weihnachten und den Besuch bei meinen Eltern sehr gut überstanden (und eine neue Gitarre außerdem, und ein Mikro! Ein gutes, professionelles Sennheiser-Mikro!) und eine sehr schöne Zeit gehabt mit meinen lieben Survivors und Janine in Hohwacht und Hunger und morgen und übermorgen ein Seminar in der Uni und gerade schon eine überfällige Aufgabe für Redacción erledigt, bevor ich es mir nochmal anders überlegt hätte, und eine neue Mitbewohnerin, deren Freund einen guten Musikgeschmack hat, und Janine eben eine Einladung zu Dropbox geschickt, sodass sie endlich auch unter den Zivilisierten angekommen ist und sich alle Fotos und Videos und Aufnahmen von Silvester bequem runterladen kann, bin nun wieder zu Hause, wahnsinnig müde, aber immer noch unglaublich gut gelaunt. Nicht übermäßig, aber normal, so wie sich wohl normale Menschen meistens vorkommen.

Das denke ich oft in letzter Zeit, „so müssen sich wohl normale Menschen fühlen“. Oder aber auch, „ohne die Tropfen wäre ich doch jetzt schon wieder am Durchdrehen“, so wie momentan – ich glaube, sowas nennt der Normal-Mensch bei sich „schlechte Laune“ oder vielleicht „sich schlecht fühlen“ oder zumindest „sich komisch fühlen“; ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich verhältnismäßig unglaublich stabil bin und dieses komische Gefühl nichts ist im Vergleich zu vorher.

Willkommen im Jahre 2013. Sieht so aus, als wäre die Welt doch nicht untergegangen.

Troldtog – Zug der Presslufthämmer

Standard

Vorhin hat sich herausgestellt, dass es meiner Mutter physische Schmerzen bereitet, wenn ich den Troldtog auf den Klavier spiele. Grieg war immer einer meiner Lieblingskomponisten und ich habe vor allem den ersten Teil vom Troldtog immer unglaublich gerne gespielt. Natürlich, wo ich ja jetzt gerade für wenige Tage mal wieder die Gelegenheit habe, meinem geliebten, wenngleich mit jedem Mal deutlichere Anzeichen des unaufhaltsamen Verfalls zeigenden Klavierchen die wirklich verdiente Zuwendung zukommen zu lassen, die es eigentlich das ganze Jahr über brauchen könnte, habe ich auch versucht, mich in das Stück wieder einzuarbeiten, und es fröhlich vor mich hingehämmert – immer ein Stück akkurater als vorher -, bis irgendwann mein Vater, der hinter mir saß, mich mittendrin unterbrach und meinte, ich sollte es mal gutsein lassen.

Ich natürlich bin aus allen Wolken gefallen – ich dachte gerade, ich würde es wieder einigermaßen hinkriegen, und war’s eh von jeher gewohnt, dass meine Eltern sich über mein Geklimper eher gefreut haben, als es zu unterbinden zu versuchen (immer vorausgesetzt ich hielt mich an die legalen Uhrzeiten) – und habe ihm erstmal einen erzürnten Vortrag gehalten von wegen, „ich bin jetzt für weniger als eine Woche hier, habe zu Hause kein Klavier, muss eh schon damit leben, dass meins hier auseinanderfällt, lass mich gefälligst die paar Tage ausnutzen, um die Sachen zu spielen, die mit dem Keyboard unmöglich sind, das wirst du schon überleben.“

Und er sagte, „ich werd’s schon überleben, aber ich weiß nicht, ob Mama es auch überlebt“ – und ich, noch perplexer und aggressiver, bin in die Küche zu meiner Mutter gegangen, um mir die Bestätigung zu holen, dass er den Verstand verloren hat, und finde sie zusammengekauert (aufrecht zwar, aber trotzdem so komisch ungerade) mit eiskalten Händen und einem Gesicht, als wäre sie kurz vorm Weggehen, in einer Ecke, und frage total entsetzt, „Mama, war das schlimm?“

Und sie sagt, „ja, schon“, und behauptet, das Stück würde ihr körperlich wehtun und sie würde es nicht aushalten. Statt darauf einzugehen, wurde ich nochmal aggressiver und wollte wissen, wieso sie mir davon nie was gesagt hatte, und sie meinte, früher wäre sie belastbarer gewesen und hätte es immer ertragen. Und ich hätte doch noch tausend andere Sachen im Repertoire und könnte doch was Anderes spielen. Und gerade heute Früh, als ich auch dransaß, hätte sie noch gedacht, dass sie mein Gespiele mit am meisten vermissen würde. Und dass sie aber das Stück noch nie hätte aushalten können.
Ich war so geschockt, dass alles, was ich tun konnte, war, mich todesbeleidigt zu stellen und so zu tun, als würde ich ihre Reaktion auf meine Klavierkünste beziehen (was auch so schwierig wirklich nicht war, vor allem nachdem sie diese Bemerkung machte, die etwas mit startenden Flugzeugen und Presslufthämmern zu tun hatte). Das Ganze endete dann damit, dass sie total zerkrüppelt hoch ins Schlafzimmer ist und sich hinlegte, mein Vater danebenhockte und überfordert war, und ich ihm sagte, meiner Meinung nach solle er sie einweisen lassen, da müsse man doch wirklich mal den Tatsachen ins Auge sehen. Ich weiß, ideal gelaufen ist anders.

Ich habe eben noch ein bisschen mit Robert geschrieben, um mich zu beruhigen, kann mittlerweile auch wieder ordentlich atmen und habe nicht mehr wirklich das Bedürfnis, einfach zu sterben. Immerhin habe ich aufgehört, sie fertigzumachen, bevor sie wieder weggegangen wäre. Ein Fortschritt im Vergleich zu vielen ähnlichen Gelegenheiten und ein Grund zur Annahme, dass die Totaleskalation nochmal geradeso abgewendet ist.

Aber klar; so unnormal perfekt und friedlich und stressfrei, wie Heiligabend gestern abgelaufen ist, konnte es ja nicht ewig weitergehen. Zumindest heute wäre aber doch noch schön gewesen; ab morgen bin ich ja mit Robert und Laura und Janine erstmal in Hohwacht und stelle somit keine Gefährdung des Hausfriedens hier bei meinen Eltern mehr dar. Mein Klavier werde ich jedenfalls nicht mehr anrühren, solang sie sich in Hörweite befinden; wer weiß, welches meiner liebsten Stücke meiner Mutter noch Qualen bereitet, von denen mir zu erzählen ihr nie in den Sinn kam.