Schlagwort-Archive: Wochenende

Unfocused

Standard

Ich habe mir Jason Mraz angemacht – We sing. We dance. We steal things. – , um beim Spülmaschineausräumen Gesellschaft zu haben. Ich hätte das nicht tun sollen; die Spülmaschine war in zehn Minuten erledigt und ich kann nun nichts machen, das auch nur ansatzweise Konzentration erfordert. Selbst für mein Wortfindungs-Handyspiel nimmt das Album zu viel Aufmerksamkeit in Anspruch.

R kommt früher zurück als erwartet; ich hätte nicht vor heute Abend mit ihm gerechnet, aber er rief vorhin an und kündigte sich schon für den frühen Nachmittag an. Er war das Wochenende in Konstanz; ein Freund von ihm ist vor Kurzen gestorben und die Beerdigung fand gestern statt. Ich kannte ihn kaum, aber für R war es schon ein schwerer Schlag. Wie ich ihn und den Rest seines Konstanzer Umfeldes kenne, werden sie sich allerdings, ganz im Sinne des Verstorbenen, über die Trauer mit einer Überdosis Party hinweggeholfen haben.

Ich für meinen Teil habe das Wochenende damit verbracht, meinen 50-Seiten-Auftrag (Deadline Mittwoch) größtenteils erfolgreich vor mir herzuschieben. Davon abgesehen war ich so semiproduktiv, habe es zwar geschafft, nicht komplett zu versacken und ein paar Wäschen zu waschen, aber ansonsten zu viel gezockt und die nächste Serie angefangen – Orange is the new black. Damit bin ich dann auch erstmal gut versorgt; nachdem Narcos México und Mindhunters bislang jeweils nur eine Staffel umfassen, freue ich mich über etwas mit ein wenig mehr Volumen.

Jetzt transportiert mich ‚If It Kills Me‘ selbst in ein winterliches Konstanz zurück, in eine ganz merkwürdige Mischung aus hoffnungslos verlorenem und neu gewonnenem Leben.

Werbeanzeigen

Essen. Leben. Zukunft.

Standard

Ich bin gerade heilfroh, hier zu sein. Ich hätte auch mit R auf die WG-Einweihungsparty seines Bekannten gehen können oder zu den Nachbarn rüber, die mit ihren Freunden auf der Terrasse grillen. Aber bei Marco im Haus wird geraucht und die Nachbarn amüsieren sich da, soweit ich das überblicke, ganz gut alleine.

Also habe ich mich stattdessen mit Wein auf dem Sofa eingerichtet und mir gerade noch schnell aus dem übrigen Reis von vorgestern, Pilzen und Lauch sowie etwas Blumenkohl ein Abendessen zusammengezimmert, das mich glücklich macht, nicht nur weil ich einen irrsinnigen Hunger habe, sondern einfach durch den Umgang mit den ganzen geretteten Zutaten. Ich mache das mittlerweile seit fünf Jahren, das Essenretten, aber es hört nicht auf, mich zu begeistern. For today’s dinner I used the following ingredients (bold print marks store- or otherwise purchased): Rice, tap water, leek, mushrooms, cauliflour, newborns‘ formula, herbal salt, paprika powder, ground white pepper / caraway / coriander mix, garlic powder, dried oregano, turmeric powder. Das wäre ohne Verwendung der nicht gekauften Zutaten ein ziemlich dulles Dinner geworden. Und das liebe ich so sehr, mir das immer wieder vor Augen zu führen.

Ich hatte heute frei, unerwartet, weil Sophi fast vergessen hätte, dass sie heute keine Zeit hat. Dafür sehe ich sie morgen und Montag und lerne mit ihr für ihre letzte Klausur, Bio, am Dienstag. Ich überlege, die Abi-Vorbereitung zu meinem Hauptstandbein zu machen. Ich mag Abiturstoff. Und ich kann mir keine angenehmeren Schüler vorstellen als Abiturienten. Und die Therapeutin hat Mittwoch gesagt, ich könne so leben, wie ich möchte. (Das fand ich abstrus und ich habe angefangen zu heulen, was mit im Laufe dieser inzwischen ja auch schon wieder halbjährigen Therapie insgesamt genau zweimal passiert ist.) Und sie hat gesagt, ich könnte vermutlich problemlos von Ohrhängern leben, würde ich mich nicht selbst blockieren. Ich muss das nächste Sitzung nochmal abklären, weil ich mich wirklich frage, ob sie als wohlverdienende Eigenheimsbesitzerin (zumindest gehe ich stark davon aus) sich eine Vorstellung von der Situation macht, die Menschen des Bildungspräkariats, die es trotz vorhandener – sogar bescheinigter – Qualifikation nicht gebacken kriegen, einfach arbeiten zu gehen, irgendwann im Alter erwartet. Ich muss sie wirklich mal fragen.

Neu in der Favoritenliste: Goldenes Klopapier.

Standard

Hallelujah. Ich hab’s gestern noch richtig weit gebracht. Nicht nur konnte ich mich dazu bewegen, die Mail der Gemüsekistenfrau zu beantworten, in der sie sich erkundigte, ob die Lieferung gestern wie besprochen die letzte sein sollte, sondern ich habe auch der Frau vom Institut geantwortet, die mir vor Wochen schon die Zahlungserinnerung geschickt hatte, und die dazu passende Überweisung getätigt. Die Lerntherapeutenausbildung kann beginnen.

Ich habe außerdem erledigt, was ich seit Tagen tun wollte: Papas Weihnachtsgeschenk bestellt. Es ist eine Rolle Luxus-Klopapier – schwarz mit Blattgoldaufdruck. Das hat zum Hintergrund, dass mein Vater – no pun intended – ein unreflektierter Riesenarsch ist, was seinen Klopapierkonsum betrifft. Er sieht weder ein, dass sein Hintern auch von drei Lagen sauber wird statt von vier, noch lässt er sich zum Kauf von Recyclingpapier überreden. Oh nein, er braucht natürlich das nie zuvor prozessierte, extra für ihn abgeholzte  jungfräuliche Zeug. Wir haben uns vor ein paar Monaten, als ich meine Eltern besuchte, im Supermarkt darüber in die Haare bekommen (Avocados waren auch noch ein Thema, aber ich schweife ab) und ich habe nun eben die Entscheidung getroffen, mit dieser leidigen Tatsache humorvoll umzugehen. Ebenso wie damit, dass seither in meiner Browser-Schnellwahl der Vorschlag „goldenes Klopapier“ angezeigt wird, was ein bisschen den Eindruck erweckt, als würde ich alle drei Minuten sowas googlen.

R ist wieder arbeiten; ich habe das ganze Wochenende frei – seit wasweißichwievielen Wochen konnte ich alle meine Stunden mit Sophi unter der Woche abhalten und muss somit diese Woche nicht mehr ran. Wenn mein Handy fertig geladen ist, überlege ich mir, ob ich noch containern fahre. Ich habe Barbara infiziert, die mich nun regelmäßig zum Großmarkt begleitet – weit hat sie’s ja nicht – und Mittwoch mit ihr und Karina den ultimativen Monstersupergau erlebt. Noch nie, ich schwöre, habe ich so viel gefunden. Es war der reinste Segen, dass ich mit Karina und deren Auto dawar. Der kurze Transportweg von der Ladezone zum Auto hat schon ausgereicht, dass meinem treuen Platzwunderrucksack ein Träger abriss von dem enormen Gewicht seines Inhaltes.

Aber heute vielleicht wieder, allein schon, weil ich dann mit Barbara zu mir zurückfahren und Carcassonne spielen könnte, statt noch einen Nachmittag sinnlos mit Friends-gucken zu verdaddeln. Ich mache es davon abhängig, was sie sagt.

Norabiderik gabe

Standard

Dieser Tag hat Fragen über Fragen aufgeworfen. Wie stelle ich eine Rechnung aus? Wie mache ich jetzt überhaupt weiter? Wie bringe ich mich am effektivsten und schmerzfreisten um?

Zumindest zum letzten Punkt habe ich nach oberflächlicher Recherche ein bisschen meine Vorstellung konkretisieren können (Helium scheint eine ganz gute Wahl zu sein; da muss ich mich wohl beeilen, ich meine mal gehört zu haben, dass die Bestände schon ziemlich rapide schwinden). Die wichtigere Erkenntnis war aber vermutlich die, dass ich mich eventuell um einen Therapieplatz bemühen sollte. Das tut man bei wiederholt auftretenden Suizidwünschen, schätze ich.

Davon abgesehen, dass mir mitten im Tim-Vantol-Konzert plötzlich klarwurde, dass ich es vielleicht nicht mehr allzulange mache, hatte ich ein großartiges Wochenende mit Becci und JO. Das Konzert war wesentlich besser, als ich erwartet hatte (und ich hätte mir wahrscheinlich sogar das Album von der Vorband gekauft bei ihnen am Merch-Stand, hätte nicht die Überlegung, dass es sinnfrei wäre, sich in Bälde selbst zu beseitigen und davor munter weiter Besitztümer anzuhäufen, mir ein anderes Vorgehen diktiert). Der Hausflohmarkt, den wir davor besucht haben, war ganz ergiebig: vier weinrote Kerzen für mein Wohnzimmer, ein indisch anmutender Bezug für das kleine Sofakissen (so konnte es nach bestimmt zwanzig Jahren seinen Stammbezug mal zum Lüften und Ausschütteln verlassen, du kannst dir die Daunenwolke gar nicht vorstellen), zwei Bücher (eins von Isabel Allende, das JO mir empfahl, und Marian Keyes‘ „This Charming Man“, um meine Sammlung zu vervollständigen). Und eventuell Aussicht auf einen Menschen zum Baskischüben. Becci hat Schuhe gefunden. Es war schön.

R rief mich eben an. Da R ein sehr guter Mensch ist, hat er durch ebenso gutes Zureden bewirkt, dass meine Annahme, mein Weg auf Erden würde frühzeitig in einer Tüte mit Mickeymausgas sein Ende finden, einem etwas gemäßigteren Gefühl von Leere und Kopfschmerzen gewichen ist. Ich bin es nicht gewohnt, mit Attacken dieser Art bei ihm anzukommen, und habe von seinen Beruhigungskünsten bisher nicht oft Gebrauch gemacht. Dumm von mir; er hat’s wirklich drauf.

Kopfschmerzen.

Guara-na-na-ná

Standard

Die haben meine Nachtbuslinie gecancelt. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich bin aufs Fürchterlichste erschüttert. Mir fehlen die Worte. Wie kann man so grausam sein. Diese Welt ist ein schlechter Ort, und das Wegfallen der Eurolines-Nachtbuslinie zwischen Mannheim und Hamburg hat sie definitiv nicht besser gemacht.

Fuck, man. Die eine Sache, auf die man sich einfach verlä… Oh. Es wird jetzt von FlixBus abgedeckt, Touring kann mich mal. Na das war ja mal ein Schock. 19€ nach Hamburg und noch ne Stunde länger schlafen, als würde ich den für 25€ nehmen, der später losfährt und früher ankommt. Hah.

Okay, ich hab dann mal mein Busticket gebucht. Kepa braucht zum Glück nur am Sonntag dann Hilfe, er scheint sich also zumindest so weit berappelt zu haben, dass er morgen sein Zimmer alleine leergeräumt kriegt. Also kann ich Samstag Nachmittag containern gehen, was mich sehr freut, und morgen in aller Ruhe zu Hause gammeln. Yay.

Ich habe heute das unsagbare Glück gehabt, in die Uni zu kommen und festzustellen, dass der Spanischkurs ausfällt. Oh yes, ich hatte die Übersetzung schon wieder nicht gemacht. Während Englisch saß ich mit Barbara herum; wir haben uns über Tod und Katzen unterhalten, unter Anderem. Schon die zweite meiner Kommilitoninnen, die ich unglaublich mag, welche in so jungen Jahren schon mit Tod in der Familie konfrontiert wurde. Ich fühle mich mit meinen Problemchen dann immer so fehl am Platz, so unbedeutend.

Dafür habe ich ihr Guaraná-Pulver mitgebracht und nochmals versichert, dass es Wunder wirkt. Ich erfahre dies gerade erst wieder am eigenen Leib, nachdem ich das gute Zeug viel zu lange vernachlässigt auf dem Küchenregal hatte stehen lassen. Jetzt habe ich meine morgendliche Guaraná-Weizengras-Shot-Tradition wieder aufgenommen und bin hellauf begeistert, wie gut ich mich auf einmal fühle. Es hat im Bus zur Uni angefangen zu wirken und ich fühlte mich unwillkürlich grinsen und sagte mir fröhlich, oh, ich liebe Drogen.

Und es ist wirklich wahr. Ich liebe Drogen.

Das nur so als random Schlusswort.

Donnerstag Nachmittag, und…

Standard

…Wochenende! Es ist schon schön, sich wieder richtig darüber freuen zu können. In der ganzen Zeit, in der ich praktisch nichts gemacht habe, war mein Wochenrhythmus mehr der eines Rentners. Ein Tag wie der andere, eine Nacht so spät begonnen und so spät beendet wie die nächste. Jetzt schätze ich meine freie Zeit. Und wie ich sie schätze.

Diese Drei-Tage-Woche ist ein hervorragender Wiedereinstieg in das fremdbestimmte Alltagsleben. Mehr als das fände ich auch, glaube ich, schwierig auszuhalten bei meinem momentanen Motivationspegel, welcher sich auf der Null nach wie vor ganz wohl zu fühlen scheint. Mir geht es nicht sonderlich schlecht damit; ich habe den Eindruck, psychisch ziemlich stabil zu sein, und so Tage wie gestern sind wirklich selten geworden momentan. Und die ultimative Erfüllung habe ich mir ja auch von meinem Dasein nie versprochen (auch wenn ich schon häufig näher dranwar, als es jetzt gerade der Fall ist).

Nunja. Man existiert halt. Ich bin immer dankbarer für R in meinem Leben. Was ich ohne ihn machen würde – oder selbst mit jemand Anderem – ich kann es dir beim besten Willen nicht sagen. Der Mensch, zu dem er hier geworden ist, hat mir dazu verholfen, auf einmal Keyla zu verstehen, wie sie einmal sagte – Worte von der Sorte, die, einmal gehört, deinen Kopf nie wieder verlassen: Al principio fue peor. Und in meine vor Unglauben tellergroßen Augen hinein, en el primer año le pedí a Dios que me diera fuerza para aguantarlo.

Ich bin wahnsinnig müde. Regelschmerzen suchen mich heim und ich plane, jetzt ein paar Folgen Fresh Prince of Bel Air zu gucken – damit hatte ich vor Jahren mal angefangen und habe immer noch eine Staffel vor mir – und dabei Erdnüsse zu knacken, diese anschließend (wie in Slowenien diesen Sommer erprobt) mit ein wenig Öl und Salz zu vermischen und dann händeweise in mich reinzuschaufeln. Und weil sich das meiner Meinung nach nach einem ziemlich guten Plan anhört, werde ich diesen sogleich verwirklichen.

Kampf mit dem Krampf

Standard

Gut, es hat zu schneien aufgehört. Ein Faktor weniger, der mir die Fahrt zur Tafel (und vor allem von dort zurück) zur äußerst nervigen Angelegenheit machen könnte. Blieben noch die mit vollem Karacho einsetzenden Regelschmerzen, der halbplatte Anhänger und die Tatsache, dass beide Kolleginnen heute verhindert sind. Garniert vom auszugsbedingten Wegfall meines Vorgarten-FairTeilers.

Dafür war das Wochenende ziemlich schön. Abgesehen davon, dass ich noch nicht vollständig damit fertig bin, R’s Verkündung zu verdauen, aber das wird schon noch. Ich habe mich entschlossen, statt Konfrontation wieder direkt die Verdrängung zu wählen; kommunizieren kann ich, wenn der nächst Anlass kommt, und seine auf völligem Unverständnis basierende Reaktion, hätte ich ihn nun nochmal drauf angesprochen, hätte ich mir ohnehin ausmalen können. Das hätte nur wieder fatal im Heuldrama geendet.

Also nutzte ich Bastis Auftauchen am Samstagvormittag, um meine Laune zielstrebig in Richtung Obergeschoss zu scheuchen, und brachte R dazu, am späten Nachmittag mit uns durch den strömenden Regen zu Bastis Wohnung zu fahren und dort Schränke ab- und aufzubauen. (Basti überlässt mir nämlich seinen größeren gegen meinen kleineren Kleiderschrank, was unserem jeweiligen Platzbedürfnis mehr als entgegenkommt.) R, der vorhatte, am darauffolgenden Tag einer Landesvorstandssitzung beizuwohnen, wurde abends benachrichtigt, dass seine Anwesenheit dort nicht vonnöten war. Das verschaffte uns einen Sonntag von unvergleichlicher Gemütlichkeit und sorgte vor allem dafür, dass ich ihn ein ganzes Wochenende am Stück im echten Leben bei mir hatte. R so lange außerhalb seines Tunnels zu erleben ist eine Seltenheit.

So. Ich schlürfe meinen soeben von R gebrachten Himbeerblättertee und hoffe auf eine baldige Linderung der Regelschmerzen. (Tippte es und stellte fest: Sie setzt ein. Das Zeug wirkt Wunder.) Somit wäre der nächste Schritt getan, um den Ausflug zur Tafel gleich noch erträglicher zu gestalten.

Edit: R präsentierte mir inzwischen seinen Mitbewohner Leo, der mir montags schon immer die Foodo-Fahrt mit dem Auto luxuriös erleichtert, als rettenden Engel, der heute beide Fahrten mit mir übernimmt. Jetzt bin ich also nicht nur froh, dass R an mich gedacht und Leo gefragt hat, sondern habe zudem auch noch das riesige Transportproblem gelöst. Dafür aber wieder furchtbare Schmerzen. Der Rückgang war von kurzer Dauer. Ich glaub, ich pfeif‘ mir einfach ne Tablette rein.

Salat für das gute Gewissen

Standard

Eigentlich sollte ich eher am BA-Schreiben sein. Die gähnende Leere hier seit drei Tagen macht mir aber so zu schaffen, dass ich kurz einen kleinen Salat aus Informationen über die seit Donnerstag vergangene Zeit (kon-)servieren werde, um mich danach wieder ruhiger meinem tragischen Schicksal ergeben zu können.

Also. Basti war hier übers Wochenende, was ziemlich grandios war. Ich habe am Freitag kurzzeitig alle verbleibende Toleranz verloren und bin so dermaßen durchgedreht, dass ich fest überzeugt war, Trudi würde mir den Krieg erklären. Ich habe zu viel Alkohol konsumiert, was in sehr, sehr viel Spaß und letzten Endes einem weiteren Heul- sowie erstmals einem Kotzdisaster in Bastis Gegenwart endete. Meine Eltern waren am Tag drauf hier und haben mir mein altes Bett gebracht. Es war ein Chaos und ich war restalkoholinduzierterweise kaum in der Lage, meinen Kopf schnell von einer Seite zur anderen zu bewegen. Typisch, dass der zweite (Alkohol-)Kater meines Lebens an so einem Tag auftauchen muss. Er leistet dem ersten seiner Art, welcher mich am Tag meines Einzugs ins Wohnheim geplagt hat – 2.10.2011 war’s – in der Kategorie „ungünstiges Timing“ nun langersehnte Gesellschaft.

Am Abend des gleichen Tags habe ich es ein Mal mehr geschafft, mich mit meiner Mutter so in die Haare zu kriegen, dass ich wahrscheinlich die unangenehmen Konsequenzen nicht einmal erahnen kann. Nachdem ich ihr nämlich sagte, ich könne keine Minute mehr in dieser Wohnung bleiben und sie möge Basti und mich doch bitte bei unseren Bemühungen, eine WG-geeignete Wohnung zu finden, mit ihrem diesbezüglich unvergleichlichen Talent unter die Arme greifen, ergab es sich irgendwie aus dem weiteren Gespräch, dass sie meine Pläne für die nähere Zukunft wissen wollte und ich ihr sagte, ich hätte einen Plan, für den ich allerdings ihr Feedback aufgrund ihrer bekanntermaßen wenig unterstützenden Art nicht gebrauchen könne. Daraufhin war das Gespräch mit einem ihrer geliebten filmreifen Abgänge dann auch beendet.

Ich war in dem Moment selbst nicht ganz bei mir, weil mir soeben von R eröffnet worden war, dass er keine Absichten hegt, mit Basti und mir, oder eben ohne Basti, eine WG zu gründen, sondern vielmehr in einem halben Jahr hier wegzuziehen gedenkt, da das die Arbeit (aus Gründen, die mir bisher nicht erläutert wurden) erfordert. Ich für meinen Teil hätte nun aber ziemlich gerne mit R und Basti in einer WG gewohnt und war demzufolge enttäuscht. Ich habe bis jetzt keine Ahnung, ob mich die Tatsache mehr enttäuscht hat, dass ich ganz sicher nicht mit R und Basti zusammenziehen werde, oder vielleicht eher diejenige, dass mein Freund es für selbstverständlich erklärt, mich ohne viele Worte in einem Kaff sitzen zu lassen, in dem er zuvor erklärt hatte vorzugsweise ein Leben lang bleiben zu wollen, während ich mich bereits gedanklich von meinem Lebenstraum und all seinen Variationen und Plänen B bis M allermindestens verabschiedet hatte, um ihm entgegenzukommen. Oder aber (und das Bittere ist, davon wäre im Zweifel auszugehen) es für selbstverständlich erklärt, ohne viele Worte davon auszugehen, dass ich ihm irgendwohin hinterherzockele, wo ich vollkommen ohne jeden und ohne alles da sitze und mein Leben neu aufbauen kann, während er in seiner Traumarbeit aufblüht und ich ihn mein Lebtag nicht mehr ohne Computer vorm Gesicht oder Telefon am Ohr zu sehen bekomme. Aber oh, ich solle meine Pläne doch vorerst nicht an ihm ausrichten.

Moment mal, mir wird gerade erst bewusst, was für eine Monstrosität da eigentlich vorliegt. Ich hätte fast Lust, mich in meine Küche zu begeben und R darüber in Kenntnis zu setzen, allerdings ist er am Arbeiten und wird demzufolge von mir nicht behelligt.

Dafür, dass er vorhat, mich in einem halben Jahr kaltblütig zurückzulassen, gibt er sich allerdings schon wieder ziemlich viel Mühe. Nachdem ich meinen Unmut über die Gesamtsituation geäußert habe, hat er schon wieder eine so beachtliche Wendung vollzogen, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr herauskomme. Funktioniert das auch, wenn ich anmerke, dass es doch nett wäre, mich zu konsultieren, statt zu konfrontieren, bevor man Umzugspläne festlegt, und seien sie noch so vage? Und wenn ja – what’s keeping me?

Ich habe momentan sehr gute Laune. Also, hm, sehr gut im Sinne von, ich laufe nicht mit den verschleierten Augen, der lebensgefährlichen Einbildungskraft und der selbstzentrierten Wahrnehmung meiner Mutter durch die Welt und erspare mir damit eine Menge Probleme. R hilft mit, das ist schonmal Balsam für meine Seele. Und Trudi hat so etwas wie saubergemacht am Sonntag. Vielleicht habe ich das meinem Ausraster zu verdanken, vielleicht aber auch nicht. Mein Gemütszustand hat sich jedenfalls massiv beruhigt, als ich festgestellt habe, dass ich doch noch gemocht werde und es somit keinen akuten Grund gibt, mich hier aus dem Staub zu machen. Auf jeden Fall haben sich meine Um- und Innenwelt zusammengetan und sorgen für ein stressfreieres Dasein.

Morgen Nachmittag Elli. Übermorgen Abend Probe. Jetzt Bachelorarbeit. Es ist doch gut, eigentlich, dass der einkommenslose R nicht andauernd gelangweilt hier herumhängt und etwas mit mir unternehmen möchte, sonst würde ich ja noch weniger hier vorankommen, als es eh schon der Fall ist. Kepa hat auch schon wieder gefragt, wie’s mir geht, nur antworten werde ich ihm jetzt nicht, sonst hält er mich (sei er auch so motivierend, wie es nur irgend geht) nur zu erfolgreich weiter vom Schreiben ab.

Ich habe momentan den Verdacht, dass es am Ende viel zu wenig Wörter werden. Oh könnte ich nur diese Arbeit so heruntertippen wie manche von meinen sinnfreien Blogeinträgen.

Eta segi aurrera.

Standard

Ich habe schon wieder ein bisschen was geschafft. Nicht mehr als ein paar Änderungen hier und da, und einen Absatz am Ende, aber das ist schon so viel mehr als üblich.

Versteh mal einer meine Psyche. Man bedenke, ich bin vermutlich objektiv betrachtet immer gleich fähig oder nicht fähig, so sehr Tagesform ist das nun wirklich nicht. Aber siehe da, ich bequeme mich erst dazu, mir selbst wieder in den Arsch zu treten, wenn es jemand Anderes vor mir tut.

Dieser Mensch hat Talent, ich sag’s dir. Meine Motivation hat eine Resonanzfrequenz mit so einer hauchdünnen Bandbreite, dass es schon ein Wunder ist, wenn man sie überhaupt je erwischt. Kepa ist das gestern gelungen, mit dieser hervorragenden Mischung aus Arschtritt und Verständnis. So, dass man sich vorkommt, als würde einem gleichzeitig beruhigend über den Rücken gestreichelt („there, there, it’s going to be okay“) und ein Chinaböller mit brennender Lunte in den Hintern gesteckt (Basti und ich würden dazu nun sagen, Huiiiiii!).

Demnach musste ich mir das Motivationsmeisterwerk als Desktophintergrund einrichten und werde davon nun beständig zum Arbeiten bewegt. Es funktioniert. Ich fasse es nicht. Jetzt schulde ich dem Dönermann also nicht nur die Klausuren des vierten Semesters, sondern meinen Abschluss noch dazu. Oh well, so be it. Hauptsache, es wird was.

Meanwhile on Facebook: Aus irgendeinem Grund attackieren mich momentan verstärkt Männer auf Partnersuche. Ich verfahre mit ihnen so, dass ich sie von ihrem Ziel, mich über kurz oder lang irgendwie abzuschleppen, zügig abbringe und sie dazu bewege, mit mir wie mit einem normalen Menschen zu schreiben. R würde sich die Haare raufen. Hätten die beiden, mit denen ich gestern aus Langeweile angefangen habe zu schreiben (R ist am Programmieren des Weihnachtsgeschenks für seine Mutter und somit über weite Teile des Tages nicht ansprechbar) ein bessere Rechtschreibung und einen anderen Charakter, würde ich mir fast Gedanken machen, ob er sie auf mich angesetzt hätte. Sie kamen so merkwürdig zeitgleich auf mich zu. (Vielleicht ist es ja ein Einzelner mit einem Zweitprofil. Aber wie stumpf wäre das bitte. Außerdem glaube ich das nicht; der eine ist nicht sehr ästhetisch ansprechend und hat auf seinem Profilbild eine Glatze. Der andere hat Haare; wer um alles in der Welt würde seinem Zweitprofil freiwillig eine Glatze verpassen.)

So. Mittlerweile hat es aufgehört zu schneien und die Sonne kam raus. Beste Voraussetzungen für Lenas Geburtstagsglühweinparty heute Abend. Ich gehe um 5 hin, um ihr bei den Vorbereitungen zu helfen. Nachdem ich letztes Jahr schon nicht dabeiwar, weil mir die Weihnachtsmarkt-Tour mit Sarah und Peruaner-Pedro in den Weg kam, freue ich mich umso mehr, dieses Jahr wieder da sein und helfen zu können.

Morgen war eigentlich ein Besuch bei Basti in Ulm angesetzt, der durch R’s politisches Engagement sabotiert wurde (Schmitty, mit dem ich fahren wolte, wird zugunsten eines Was-tun-mit-dem-Nazi-in-der-Kneipe-Meetings sein freier Sonntag gekürzt und somit die Fahrt zu Basti verwehrt) – aber okay, ein Tag mehr für die Thesis. Ist schon in Ordnung so.

Dann habe ich jetzt also noch drei Stunden, in denen ich bestimmt noch ein Zeilchen oder zwei auf die Beine stellen kann. Hurrengoa arte.

Schon dunkel.

Standard

So, Sonntagnachmittag. Alles an schönen Dingen erlebt und unliebsamen Tätigkeiten erledigt, das mir nur unterkommen konte an diesem Wochenende, inklusive Haushaltsauflösung mit Basti (wo wir mal wieder für ein „junges Pärle“ gehalten und unsere Familienplanung vor unseren Augen für uns entschieden wurde), einem Ausflug ins Industriegebiet (zu dem mich Basti überredete und welcher uns eine überaus erfolgreiche Container-Ausbeute einbrachte), Regallackieren mit der containerten Sprühfarbe, Essen im Maharani mit meinen Eltern und zwei guten Freunden von ihnen, die ich Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte (sowie natürlich Basti, dem ich irgendwie etwas Gutes tun wollte, nachdem er mich den ganzen Tag lang so effektiv vom Nichtstun abgehalten und dabei meine (hoffentlich) PMS-bedingten Launen so gutmütig wie eh und je ertragen hatte), viel Alkohol und Minesweeper bei mir zu Hause (Basti musste Windows XP auf einem Laptop einrichten, den Niklas auf dem Sperrmüll gefunden hatte), Badputzen, Staubsaugen, 5-kg-unglaublicherweise-noch-funktionierender-Schlagsahne-in-Gläser-Umfüllaktion, CD-Aussortieren, Argiak und all seinen Nebenwirkungen in seit Ewigkeiten nicht mehr erfahrener Ausprägung. All das und noch mehr.

Ich habe mich bisher diszipliniert davon abgehalten, R anzurufen und mich zu erkundigen, wann er zurückkommt, auch wenn er vorhatte, mir diesbezüglich gestern bescheidzusagen, und ich mittlerweile gefühlt alle fünf Minuten Lust hätte, es doch zu tun. Es würde vermutlich (objektiv gesehen) keinen Unterschied machen, ob ich es nun weiß oder nicht, außer vielleicht, dass ich den Schlüssel rauslegen würde, falls es diese Nacht oder morgen ist, oder eben nicht, falls es heute Abend ist, und entsprechend viel oder wenig oder überhaupt zu Essen machen und darauf achten oder eben nicht, dass keine Rote Bete drin ist. (Und da wären wir wieder.)

Jetzt wäre der Moment, sich hinzusetzen und zu arbeiten. Argh.