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Be Yourself. No One Else Wants To Be You.

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Ich habe meinen Capo verlegt. Das ärgert mich gerade sehr, denn ich wollte lernen, ‚The Way I Tend to Be‘ von Frank Turner zu spielen, und das wird ohne Capo… schwierig. Überhaupt beunruhigt es mich, nicht zu wissen, wo das Teil abgeblieben ist, besonders in Anbetracht der momentan äußerst aufgeräumten Lage hier in der Wohnung. Aber irgendwo muss er ja sein.

Nun möchte ich zur Abwechslung mal wieder was für mein Balkondschungel-Bestimmungsprojekt tun. Hier sind fünf überfällige Pflänzchen:

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Wunderblume (Mirabilis jarapa – Nyctaginaceae)_DSC0092

Glockenblume (Campanula carpatica – Campanulaceae)
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Große Brennnessel (Urtica dioica – Urticaceae)_DSC0107

Physalis (Physalis peruviana – Solanaceae)
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Floh-Knöterich (Persicaria maculosa – Polygonaceae)
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So, jetzt fühle ich mich besser. Typisch, mich davon schon wieder so grandios selbst-fremdbestimmen zu lassen.

Naja, jetzt habe ich gerade noch ein paar Nachrichten beantwortet und mir somit noch einen Teil der zu erledigenden Aufgaben von den Schultern genommen. Es fehlt nur noch Sebi, dem ich eine Sprachnachricht schicken muss (Schrägstrich möchte).

Das wäre doch eine hervorragende Gelegenheit, zu berichten, dass mich Sebi vor ein paar Wochen besuchen kam, wir ein überragendes Wochenende mit Musik und Gesprächen verbracht haben und seitdem in regem Kontakt stehen. Ich find’s wahnsinnig schön, denn ich mochte ihn schon immer sehr gern und konnte aber damals – sowohl eigenverschuldet wie auch durch mangelnde Kooperation seinerseits -, obwohl wir uns durch die Badnproben regelmäßig gesehen haben, keine zwischenmenschliche Basis mit ihm finden. Aber das Gefühl ist jetzt fast das gleiche wie mit Becci damals. „Endlich, so sollte es doch immer schon sein.“

Und oh, was tut es gut, sich mit ihm zu unterhalten. Ich brauche mehr Gefühlsmenschen in meinem Umfeld. Dadurch, dass R für Emotionsgedöns so rein gar nicht empfänglich ist und ich das aber benötige wie Luft zum Atmen, ist dieser Teil von mir ein bisschen (ziemlich) ausgehungert und über jede Möglichkeit dankbar, sich mit gleich oder zumindest ähnlich Gestrickten auszutauschen. (Ich müsste mal Sebi und Becci in einem Raum versammeln. Das dürfte der reinste Overkill werden.)

Ah. Weiteres To-Do: Sebi die Aufnahmen von besagtem Wochenende schicken. Das könnte ich wirklich mal machen.

Und dann die Steuererklärung. Argh.

Zuvor möchte ich noch kurz anmerken, dass ich das Wochenende anlässlich des Geburtstags von R’s Bruder bei dessen Familie verbracht habe und wie bereits das letzte Mal mit dem Vorsatz zurückkam, in dieses Schlangennest keinen Fuß mehr zu setzen. Nun habe ich aber heute mit der Therapeutin darüber gesprochen und sie räumte ein, was ich mir selbst schon gedacht hatte – nachdem sich R nun dazu entschlossen hat, demnächst auch mal darauf zu achten, seine eigenen Werte seinen Eltern gegenüber  durchzusetzen, sollte ich ihn damit nicht allein lassen.

(Was ist denn nun schon wieder passiert? Also gut. Ich nenne es mal den Englisch-Fischstäbchen-Vorfall. Das wäre dann der Moment, in dem mich jemand dafür anblafft, dass ich mich kurz mit meinem Freund auf einer Fremdsprache unterhalte, während mir ein Teller mit Fischstäbchen vor die Nase gestellt wird, den ich als Vegetarierin dankend ablehne und an R’s Schwester weiterreiche, um dann zu beobachten, wie R, der last time I checked außerhalb unseres Containertarierhaushaltes noch konsequent vegan unterwegs war, seine Portion ohne ein Wort verdrückt, statt meine Vorlage zu nutzen und eventuell auch mal einen Ton von sich zu geben… du musst dir diese Abstrusität vorstellen, zum einen – nicht mal unberechtigt, aber oh, in welchem Ton! – Respekt meinerseits einzufordern und zeitgleich aber kein Problem damit zu haben, meine Wertvorstellungen demonstrativ mit Füßen zu treten.

Und bevor einer fragt – ja, die wissen, was wir essen und was nicht. Ich kam vor fünf Jahren als Vegetarierin/Containertarierin in diese Familie, R’s Veganismus besteht noch länger. Und während ich nicht darauf bestehe, dass jemand für mich in eine Mülltonne klettert, und mich dahingehend zwar ungern, aber selbstverständlich als Gast an die Gebräuche anderer Haushalte anpasse, ist ein Mindestmaß an Entgegenkommen meiner Ansicht nach sehr wohl angebracht. Zumal diese Begebenheit symbolisch für eine unendliche Reihe weiterer derartiger Vorfälle steht.)

Uff. So. Jetzt sollte noch der kurze Auftrag in Angriff genommen werden, den ich vorhin angenommen habe. Und dann das Steuerzeug. Aber das geht ja zur Not auch morgen noch.

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Kein Peil (und trotzdem am Leben)

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Das war mal wieder ein Wochenende der besonderen Sorte, nicht unwesentlich aufgemischt durch meine bodenlose Verpeiltheit. Aber letztendlich hat alles so funktioniert, wie es sollte – wenn auch anders als geplant.

Samstag war das (durch mich lethargiebedingt bis zur letzten Sekunde verdrängte) Eintagesfestival in Wiesbaden, zu dem Beccis Mutter Karten gewonnen hatte und dann nicht hinwollte, während Becci mit der Arbeit auf Freizeit war, sodass das Vergnügen mir und Cornelia zuteil wurde. Es wurde ein toller Tag mit einem wunderbaren (wenn auch mit 70 Minuten eindeutig zu kurzen) Frank-Turner-Konzert als Abschluss. Der Mensch hat eine der beeindruckendsten Ausstrahlungen, die mir je untergekommen sind, und wird noch dazu gefühlt von Tag zu Tag schöner. Das ist absolut nicht normal. (Cornelia, die in solchen Dingen immer hervorragend informiert ist, eröffnete mir, dass er wohl mittlerweile verlobt ist, was mir zugegebenermaßen so ein bisschen meinen Plan B für mein Leben zerstörte.)

Sonntag war Bürgerentscheid bei mir zu Hause, und da ich die Briefwahl zwar beantragt, aber dann leider die Unterlagen nicht aus dem Briefkasten geholt hatte, durfte ich Samstag Nacht entgegen des Plans wieder heimzockeln, um zur Wahl präsent zu sein.

Ich hatte mir – unwahrscheinlich motiviert, wie ich zur Zeit wundersamerweise bin – bereits ein Busticket gekauft, um im Anschluss wieder nach Hessen zu fahren und an Cornelias Geburtstagsfeier teilzunehmen. Leider war ich zu dumm, den richtigen Bus zu identifizieren, und wartete eine halbe Stunde lang auf den falschen (während der richtige vor meinen Augen ein- und wieder abfuhr). Das veranlasste mich dazu, erneut den Plan zu ändern und wieder nach Hause zu fahren, wo ich den mir unverhofft geschenkten Tag dazu nutzte, um die Wohnung in Ordnung zu bringen und insbesondere das Bett im kleinen Zimmer freizuräumen, damit Becci, mit der ich eigentlich ja dann von Cornelia aus hierher fahren wollte, darin würde schlafen können.

Becci kam dann auch tatsächlich, aber in einem fürchterlichen Zustand, da sie sich auf dem Weg mit ihrem relativ frisch gebackenen Sowas-wie-Freund zerstritten hatte, der eigentlich kurz mit reinkommen wollte, sodass ich ihn hätte kennenlernen können, bevor er mit Bus und Zug weiter nach Karlsruhe fuhr, dann aber stattdessen beleidigt draußen an der Bushaltestelle stand, während Becci todesfertig allein in die Wohnung kam.

Ich habe uns dann, ohne lang zu fackeln, eine Flasche Brombeerlikör vor die Nase gesetzt und mich daran gemacht, die Situation zu durchdringen. Ergebnis (abgesehen davon, dass ihr Spezialfall augenscheinlich hinsichtlich seiner Bipolarität Jekyll und Hyde in nichts nachsteht) ist, dass Becci nun verkatert neben mir auf dem Sofa hängt. Ich dagegen habe mich von dem (nicht unbeachtlichen) Betrunkenheitslevel erfolgreich durch Schlafen kurieren können und heute bereits produktiv in der Wohnung gewirkt, Wäsche gemacht, Altglas weggebracht, Kaffee gemacht, Frühstück gegessen, Pflanzen bezubbelt, Pflanzen fotografiert, Pflanzen bestimmt.

A propos. Das regnerische Intermezzo der vergangenen Woche ist lang vorüber; es ist wieder sommerlich heiß und die Sonne lässt es zu, dass ich mit der Dokumentation meiner zahlreichen Spezies fortfahre. Tue ich dies doch.

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Garten-Senfrauke (Eruca sativa – Brassicaceae)
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Türkischer Drachenkopf (Dracocephalum moldavica – Lamiaceae)
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Löwenmäulchen (Antirrhinum majus – Plantaginaceae)
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Topinambur (Helianthus tuberosus – Asteraceae)

Himbeere (Rubus idaeus – Rosaceae)
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Botanischer Balkon

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Ich habe gerade nachgezählt – man hat ja sonst nichts zu tun, und von zu viel Gezubbele wachsen sie auch nicht schneller – und kam zu dem Ergebnis, dass auf meinen 20 Quadratmetern Balkon etwa 90 verschiedene Pflanzenarten wachsen, was ich durchaus beachtlich finde. Nächstes Ziel sollte sein, sie alle beim Namen zu kennen.

Was ich für Tomatensorten habe, finde ich heraus, wenn sie Früchte tragen. Ich hatte zwar von Beccis Mutter säuberlich beschriftete Töpfchen bekommen und die Etiketten entgegen meiner Natur auch an den Behältnissen angebracht, in denen die Pflanzen letztendlich gelandet sind, aber Sonne und Regen haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und die selbst gezogenen sind entweder aus Samen vom letzten Jahr – da habe ich gar keine Ahnung, was mich erwartet – oder von Ebay, in which case sie zwar fein säuberlich beschriftet ankamen, aber dann bei mir im namenlosen Chaos versenkt wurden.

Wie wär’s, ich bestimme einfach jeden Tag fünf meiner Pflanzen mit Namen und Familie. Fangen wir an:

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Fuchsschwanzagave (Agave attenuata – Asparagaceae)
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Kurzblatt-Aloe (Aloe brevifolia – Xanthorrhoeaceae)
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Eselsschwanz-Fetthenne (Sedum morganianum var. ‚burrito‘ – Crassulaceae)
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Pfennigbaum (Crassula ovata – Crassulaceae)
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Echeverie (Echeveria – Crassulaceae) – es gibt gefühlte dreitausend Arten und nach einer Stunde Bilderscannen habe ich beschlossen, damit zu warten, bis die Gute irgendwann vielleicht mal beschließt zu blühen. Das dürfte es einfacher machen.
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Falls mir in der Zwischenzeit jemand helfen mag, auch sehr gern. Ich bin mir auch mit der Aloe ziemlich unsicher.

Unfocused

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Ich habe mir Jason Mraz angemacht – We sing. We dance. We steal things. – , um beim Spülmaschineausräumen Gesellschaft zu haben. Ich hätte das nicht tun sollen; die Spülmaschine war in zehn Minuten erledigt und ich kann nun nichts machen, das auch nur ansatzweise Konzentration erfordert. Selbst für mein Wortfindungs-Handyspiel nimmt das Album zu viel Aufmerksamkeit in Anspruch.

R kommt früher zurück als erwartet; ich hätte nicht vor heute Abend mit ihm gerechnet, aber er rief vorhin an und kündigte sich schon für den frühen Nachmittag an. Er war das Wochenende in Konstanz; ein Freund von ihm ist vor Kurzen gestorben und die Beerdigung fand gestern statt. Ich kannte ihn kaum, aber für R war es schon ein schwerer Schlag. Wie ich ihn und den Rest seines Konstanzer Umfeldes kenne, werden sie sich allerdings, ganz im Sinne des Verstorbenen, über die Trauer mit einer Überdosis Party hinweggeholfen haben.

Ich für meinen Teil habe das Wochenende damit verbracht, meinen 50-Seiten-Auftrag (Deadline Mittwoch) größtenteils erfolgreich vor mir herzuschieben. Davon abgesehen war ich so semiproduktiv, habe es zwar geschafft, nicht komplett zu versacken und ein paar Wäschen zu waschen, aber ansonsten zu viel gezockt und die nächste Serie angefangen – Orange is the new black. Damit bin ich dann auch erstmal gut versorgt; nachdem Narcos México und Mindhunters bislang jeweils nur eine Staffel umfassen, freue ich mich über etwas mit ein wenig mehr Volumen.

Jetzt transportiert mich ‚If It Kills Me‘ selbst in ein winterliches Konstanz zurück, in eine ganz merkwürdige Mischung aus hoffnungslos verlorenem und neu gewonnenem Leben.

Essen. Leben. Zukunft.

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Ich bin gerade heilfroh, hier zu sein. Ich hätte auch mit R auf die WG-Einweihungsparty seines Bekannten gehen können oder zu den Nachbarn rüber, die mit ihren Freunden auf der Terrasse grillen. Aber bei Marco im Haus wird geraucht und die Nachbarn amüsieren sich da, soweit ich das überblicke, ganz gut alleine.

Also habe ich mich stattdessen mit Wein auf dem Sofa eingerichtet und mir gerade noch schnell aus dem übrigen Reis von vorgestern, Pilzen und Lauch sowie etwas Blumenkohl ein Abendessen zusammengezimmert, das mich glücklich macht, nicht nur weil ich einen irrsinnigen Hunger habe, sondern einfach durch den Umgang mit den ganzen geretteten Zutaten. Ich mache das mittlerweile seit fünf Jahren, das Essenretten, aber es hört nicht auf, mich zu begeistern. For today’s dinner I used the following ingredients (bold print marks store- or otherwise purchased): Rice, tap water, leek, mushrooms, cauliflour, newborns‘ formula, herbal salt, paprika powder, ground white pepper / caraway / coriander mix, garlic powder, dried oregano, turmeric powder. Das wäre ohne Verwendung der nicht gekauften Zutaten ein ziemlich dulles Dinner geworden. Und das liebe ich so sehr, mir das immer wieder vor Augen zu führen.

Ich hatte heute frei, unerwartet, weil Sophi fast vergessen hätte, dass sie heute keine Zeit hat. Dafür sehe ich sie morgen und Montag und lerne mit ihr für ihre letzte Klausur, Bio, am Dienstag. Ich überlege, die Abi-Vorbereitung zu meinem Hauptstandbein zu machen. Ich mag Abiturstoff. Und ich kann mir keine angenehmeren Schüler vorstellen als Abiturienten. Und die Therapeutin hat Mittwoch gesagt, ich könne so leben, wie ich möchte. (Das fand ich abstrus und ich habe angefangen zu heulen, was mit im Laufe dieser inzwischen ja auch schon wieder halbjährigen Therapie insgesamt genau zweimal passiert ist.) Und sie hat gesagt, ich könnte vermutlich problemlos von Ohrhängern leben, würde ich mich nicht selbst blockieren. Ich muss das nächste Sitzung nochmal abklären, weil ich mich wirklich frage, ob sie als wohlverdienende Eigenheimsbesitzerin (zumindest gehe ich stark davon aus) sich eine Vorstellung von der Situation macht, die Menschen des Bildungspräkariats, die es trotz vorhandener – sogar bescheinigter – Qualifikation nicht gebacken kriegen, einfach arbeiten zu gehen, irgendwann im Alter erwartet. Ich muss sie wirklich mal fragen.

Neu in der Favoritenliste: Goldenes Klopapier.

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Hallelujah. Ich hab’s gestern noch richtig weit gebracht. Nicht nur konnte ich mich dazu bewegen, die Mail der Gemüsekistenfrau zu beantworten, in der sie sich erkundigte, ob die Lieferung gestern wie besprochen die letzte sein sollte, sondern ich habe auch der Frau vom Institut geantwortet, die mir vor Wochen schon die Zahlungserinnerung geschickt hatte, und die dazu passende Überweisung getätigt. Die Lerntherapeutenausbildung kann beginnen.

Ich habe außerdem erledigt, was ich seit Tagen tun wollte: Papas Weihnachtsgeschenk bestellt. Es ist eine Rolle Luxus-Klopapier – schwarz mit Blattgoldaufdruck. Das hat zum Hintergrund, dass mein Vater – no pun intended – ein unreflektierter Riesenarsch ist, was seinen Klopapierkonsum betrifft. Er sieht weder ein, dass sein Hintern auch von drei Lagen sauber wird statt von vier, noch lässt er sich zum Kauf von Recyclingpapier überreden. Oh nein, er braucht natürlich das nie zuvor prozessierte, extra für ihn abgeholzte  jungfräuliche Zeug. Wir haben uns vor ein paar Monaten, als ich meine Eltern besuchte, im Supermarkt darüber in die Haare bekommen (Avocados waren auch noch ein Thema, aber ich schweife ab) und ich habe nun eben die Entscheidung getroffen, mit dieser leidigen Tatsache humorvoll umzugehen. Ebenso wie damit, dass seither in meiner Browser-Schnellwahl der Vorschlag „goldenes Klopapier“ angezeigt wird, was ein bisschen den Eindruck erweckt, als würde ich alle drei Minuten sowas googlen.

R ist wieder arbeiten; ich habe das ganze Wochenende frei – seit wasweißichwievielen Wochen konnte ich alle meine Stunden mit Sophi unter der Woche abhalten und muss somit diese Woche nicht mehr ran. Wenn mein Handy fertig geladen ist, überlege ich mir, ob ich noch containern fahre. Ich habe Barbara infiziert, die mich nun regelmäßig zum Großmarkt begleitet – weit hat sie’s ja nicht – und Mittwoch mit ihr und Karina den ultimativen Monstersupergau erlebt. Noch nie, ich schwöre, habe ich so viel gefunden. Es war der reinste Segen, dass ich mit Karina und deren Auto dawar. Der kurze Transportweg von der Ladezone zum Auto hat schon ausgereicht, dass meinem treuen Platzwunderrucksack ein Träger abriss von dem enormen Gewicht seines Inhaltes.

Aber heute vielleicht wieder, allein schon, weil ich dann mit Barbara zu mir zurückfahren und Carcassonne spielen könnte, statt noch einen Nachmittag sinnlos mit Friends-gucken zu verdaddeln. Ich mache es davon abhängig, was sie sagt.

Norabiderik gabe

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Dieser Tag hat Fragen über Fragen aufgeworfen. Wie stelle ich eine Rechnung aus? Wie mache ich jetzt überhaupt weiter? Wie bringe ich mich am effektivsten und schmerzfreisten um?

Zumindest zum letzten Punkt habe ich nach oberflächlicher Recherche ein bisschen meine Vorstellung konkretisieren können (Helium scheint eine ganz gute Wahl zu sein; da muss ich mich wohl beeilen, ich meine mal gehört zu haben, dass die Bestände schon ziemlich rapide schwinden). Die wichtigere Erkenntnis war aber vermutlich die, dass ich mich eventuell um einen Therapieplatz bemühen sollte. Das tut man bei wiederholt auftretenden Suizidwünschen, schätze ich.

Davon abgesehen, dass mir mitten im Tim-Vantol-Konzert plötzlich klarwurde, dass ich es vielleicht nicht mehr allzulange mache, hatte ich ein großartiges Wochenende mit Becci und JO. Das Konzert war wesentlich besser, als ich erwartet hatte (und ich hätte mir wahrscheinlich sogar das Album von der Vorband gekauft bei ihnen am Merch-Stand, hätte nicht die Überlegung, dass es sinnfrei wäre, sich in Bälde selbst zu beseitigen und davor munter weiter Besitztümer anzuhäufen, mir ein anderes Vorgehen diktiert). Der Hausflohmarkt, den wir davor besucht haben, war ganz ergiebig: vier weinrote Kerzen für mein Wohnzimmer, ein indisch anmutender Bezug für das kleine Sofakissen (so konnte es nach bestimmt zwanzig Jahren seinen Stammbezug mal zum Lüften und Ausschütteln verlassen, du kannst dir die Daunenwolke gar nicht vorstellen), zwei Bücher (eins von Isabel Allende, das JO mir empfahl, und Marian Keyes‘ „This Charming Man“, um meine Sammlung zu vervollständigen). Und eventuell Aussicht auf einen Menschen zum Baskischüben. Becci hat Schuhe gefunden. Es war schön.

R rief mich eben an. Da R ein sehr guter Mensch ist, hat er durch ebenso gutes Zureden bewirkt, dass meine Annahme, mein Weg auf Erden würde frühzeitig in einer Tüte mit Mickeymausgas sein Ende finden, einem etwas gemäßigteren Gefühl von Leere und Kopfschmerzen gewichen ist. Ich bin es nicht gewohnt, mit Attacken dieser Art bei ihm anzukommen, und habe von seinen Beruhigungskünsten bisher nicht oft Gebrauch gemacht. Dumm von mir; er hat’s wirklich drauf.

Kopfschmerzen.

Guara-na-na-ná

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Die haben meine Nachtbuslinie gecancelt. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich bin aufs Fürchterlichste erschüttert. Mir fehlen die Worte. Wie kann man so grausam sein. Diese Welt ist ein schlechter Ort, und das Wegfallen der Eurolines-Nachtbuslinie zwischen Mannheim und Hamburg hat sie definitiv nicht besser gemacht.

Fuck, man. Die eine Sache, auf die man sich einfach verlä… Oh. Es wird jetzt von FlixBus abgedeckt, Touring kann mich mal. Na das war ja mal ein Schock. 19€ nach Hamburg und noch ne Stunde länger schlafen, als würde ich den für 25€ nehmen, der später losfährt und früher ankommt. Hah.

Okay, ich hab dann mal mein Busticket gebucht. Kepa braucht zum Glück nur am Sonntag dann Hilfe, er scheint sich also zumindest so weit berappelt zu haben, dass er morgen sein Zimmer alleine leergeräumt kriegt. Also kann ich Samstag Nachmittag containern gehen, was mich sehr freut, und morgen in aller Ruhe zu Hause gammeln. Yay.

Ich habe heute das unsagbare Glück gehabt, in die Uni zu kommen und festzustellen, dass der Spanischkurs ausfällt. Oh yes, ich hatte die Übersetzung schon wieder nicht gemacht. Während Englisch saß ich mit Barbara herum; wir haben uns über Tod und Katzen unterhalten, unter Anderem. Schon die zweite meiner Kommilitoninnen, die ich unglaublich mag, welche in so jungen Jahren schon mit Tod in der Familie konfrontiert wurde. Ich fühle mich mit meinen Problemchen dann immer so fehl am Platz, so unbedeutend.

Dafür habe ich ihr Guaraná-Pulver mitgebracht und nochmals versichert, dass es Wunder wirkt. Ich erfahre dies gerade erst wieder am eigenen Leib, nachdem ich das gute Zeug viel zu lange vernachlässigt auf dem Küchenregal hatte stehen lassen. Jetzt habe ich meine morgendliche Guaraná-Weizengras-Shot-Tradition wieder aufgenommen und bin hellauf begeistert, wie gut ich mich auf einmal fühle. Es hat im Bus zur Uni angefangen zu wirken und ich fühlte mich unwillkürlich grinsen und sagte mir fröhlich, oh, ich liebe Drogen.

Und es ist wirklich wahr. Ich liebe Drogen.

Das nur so als random Schlusswort.

Donnerstag Nachmittag, und…

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…Wochenende! Es ist schon schön, sich wieder richtig darüber freuen zu können. In der ganzen Zeit, in der ich praktisch nichts gemacht habe, war mein Wochenrhythmus mehr der eines Rentners. Ein Tag wie der andere, eine Nacht so spät begonnen und so spät beendet wie die nächste. Jetzt schätze ich meine freie Zeit. Und wie ich sie schätze.

Diese Drei-Tage-Woche ist ein hervorragender Wiedereinstieg in das fremdbestimmte Alltagsleben. Mehr als das fände ich auch, glaube ich, schwierig auszuhalten bei meinem momentanen Motivationspegel, welcher sich auf der Null nach wie vor ganz wohl zu fühlen scheint. Mir geht es nicht sonderlich schlecht damit; ich habe den Eindruck, psychisch ziemlich stabil zu sein, und so Tage wie gestern sind wirklich selten geworden momentan. Und die ultimative Erfüllung habe ich mir ja auch von meinem Dasein nie versprochen (auch wenn ich schon häufig näher dranwar, als es jetzt gerade der Fall ist).

Nunja. Man existiert halt. Ich bin immer dankbarer für R in meinem Leben. Was ich ohne ihn machen würde – oder selbst mit jemand Anderem – ich kann es dir beim besten Willen nicht sagen. Der Mensch, zu dem er hier geworden ist, hat mir dazu verholfen, auf einmal Keyla zu verstehen, wie sie einmal sagte – Worte von der Sorte, die, einmal gehört, deinen Kopf nie wieder verlassen: Al principio fue peor. Und in meine vor Unglauben tellergroßen Augen hinein, en el primer año le pedí a Dios que me diera fuerza para aguantarlo.

Ich bin wahnsinnig müde. Regelschmerzen suchen mich heim und ich plane, jetzt ein paar Folgen Fresh Prince of Bel Air zu gucken – damit hatte ich vor Jahren mal angefangen und habe immer noch eine Staffel vor mir – und dabei Erdnüsse zu knacken, diese anschließend (wie in Slowenien diesen Sommer erprobt) mit ein wenig Öl und Salz zu vermischen und dann händeweise in mich reinzuschaufeln. Und weil sich das meiner Meinung nach nach einem ziemlich guten Plan anhört, werde ich diesen sogleich verwirklichen.

Kampf mit dem Krampf

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Gut, es hat zu schneien aufgehört. Ein Faktor weniger, der mir die Fahrt zur Tafel (und vor allem von dort zurück) zur äußerst nervigen Angelegenheit machen könnte. Blieben noch die mit vollem Karacho einsetzenden Regelschmerzen, der halbplatte Anhänger und die Tatsache, dass beide Kolleginnen heute verhindert sind. Garniert vom auszugsbedingten Wegfall meines Vorgarten-FairTeilers.

Dafür war das Wochenende ziemlich schön. Abgesehen davon, dass ich noch nicht vollständig damit fertig bin, R’s Verkündung zu verdauen, aber das wird schon noch. Ich habe mich entschlossen, statt Konfrontation wieder direkt die Verdrängung zu wählen; kommunizieren kann ich, wenn der nächst Anlass kommt, und seine auf völligem Unverständnis basierende Reaktion, hätte ich ihn nun nochmal drauf angesprochen, hätte ich mir ohnehin ausmalen können. Das hätte nur wieder fatal im Heuldrama geendet.

Also nutzte ich Bastis Auftauchen am Samstagvormittag, um meine Laune zielstrebig in Richtung Obergeschoss zu scheuchen, und brachte R dazu, am späten Nachmittag mit uns durch den strömenden Regen zu Bastis Wohnung zu fahren und dort Schränke ab- und aufzubauen. (Basti überlässt mir nämlich seinen größeren gegen meinen kleineren Kleiderschrank, was unserem jeweiligen Platzbedürfnis mehr als entgegenkommt.) R, der vorhatte, am darauffolgenden Tag einer Landesvorstandssitzung beizuwohnen, wurde abends benachrichtigt, dass seine Anwesenheit dort nicht vonnöten war. Das verschaffte uns einen Sonntag von unvergleichlicher Gemütlichkeit und sorgte vor allem dafür, dass ich ihn ein ganzes Wochenende am Stück im echten Leben bei mir hatte. R so lange außerhalb seines Tunnels zu erleben ist eine Seltenheit.

So. Ich schlürfe meinen soeben von R gebrachten Himbeerblättertee und hoffe auf eine baldige Linderung der Regelschmerzen. (Tippte es und stellte fest: Sie setzt ein. Das Zeug wirkt Wunder.) Somit wäre der nächste Schritt getan, um den Ausflug zur Tafel gleich noch erträglicher zu gestalten.

Edit: R präsentierte mir inzwischen seinen Mitbewohner Leo, der mir montags schon immer die Foodo-Fahrt mit dem Auto luxuriös erleichtert, als rettenden Engel, der heute beide Fahrten mit mir übernimmt. Jetzt bin ich also nicht nur froh, dass R an mich gedacht und Leo gefragt hat, sondern habe zudem auch noch das riesige Transportproblem gelöst. Dafür aber wieder furchtbare Schmerzen. Der Rückgang war von kurzer Dauer. Ich glaub, ich pfeif‘ mir einfach ne Tablette rein.