Schlagwort-Archive: Wohnung

Eigentlich Ohne Inhalt

Standard

Morgen habe ich schon wieder frei. Was für ein Leben. Ich habe mir vorgenommen, ins Second-Hand-Kaufhaus zu gehen und mich umzusehen, ob ich ein hübsches Regalbrett für die Küche finde, wo ich dringend ein zusätzliches benötige. Auch hier im Wohnzimmer könnte etwas ganz Kleines neben dem Sofa nicht schaden, damit mein Computer nicht ständig den Platz blockiert, den eigentlich Leute zum Sitzen verwenden sollten. Und der ganze Kabelsalat sollte irgendwie sortiert werden. Das ist doch kein Zustand so.

Und das O klemmt ganz fürchterlich und alle drei O’s muss ich die Taste mehrmals drücken, bis sie erscheinen. Dann kommen zumeist ein paar hintereinander, was ja auch wieder nicht zielführend ist. Ach, es würde mal Zeit für einen eigenen, neuen Computer. Würde. Aber wird nichts, dieses Jahr nicht und vermutlich auch nicht das nächste. Da sind mir andere Dinge dann doch wichtiger. Außer natürlich, ich starte so richtig durch. Ich wage es zu bezweifeln.

Habe ich erwähnt? Meine Zugangsdaten für das Seminar kamen an; ich muss mich nur noch dransetzen und mir die Materialien zu Gemüte führen. Damit kann ich auch morgen anfangen, denn der Ausflug zum Bahnhof (wohinter das Second-Hand-Kaufhaus gelegen ist) wird kaum den ganzen Tag in Anspruch nehmen, selbst wenn ich wieder die Hälfte davon verschlafe. Und abends muss ich um sechs Uhr Brötchen retten gehen, was bescheuert ist – wie mir gerade auffällt – , weil R morgen und übermorgen nicht da ist und um Himmels Willen, was mache ich alleine mit so vielen Brötchen. Aber es wird sich schon was ergeben.

Gestern habe ich ein Kunststück vollbracht, das mir zuvor noch nie gelungen war (nicht dass ich es schonmal versucht hätte), nämlich mich selbst auszusperren, weil ich im Hinausgehen den falschen Schlüsselbund gegrabscht habe. Ich wollte nur mit Barbara, die mich besucht hatte, in Richtung Großhandel fahren (sie wohnt ganz in der Nähe) und dort containern. Stattdessen kam ich mit absolut leeren Taschen zurück – es gab nichts, so rein gar nichts, außer Unmengen Salat, ein paar Khakis, die es sich nicht lohnte dazwischen herauszubuddeln, weil sich zu Hause eh die Fruchtfliegen draufgestürzt hätten, und untransportablen Dingen wie Rieseneimern mit Eiern – und machte mich daran, drei Stunden lang den Keller aufzuräumen. R sollte um Mitternacht von der Arbeit heimkommen (er fährt mit dem Rad etwa eine Stunde). Ich hatte mir durch entsprechendes Platzieren von Türkeilen bzw. Hochdrücken des kleinen Hebels im Haustürschloss vorsorglich zumindest den Zugang zum Treppenhaus gesichert und konnte im Endeffekt die paar Stunden wirklich gut gebrauchen. R hatte neulich schonmal angemerkt, dass dem Keller ein bisschen Ordnung mal wieder ganz gut zu Gesicht stünde.

Dankenswerterweise kam R gestern eine ganze Stunde eher als erwartet heim und ermöglichte mir die Rückkehr aus meinem Exil, und ich hege die leise Hoffnung, es könnte heute genauso sein. Dann würde er gleich schon hereinschneien. Aber heute kann es meinetwegen auch dauern. Ich habe es schließlich warm und bequem.

Werbeanzeigen

Franzbrötchen, ich komme.

Standard

Das Eine, worauf ich mich bezüglich des morgigen Tages am meisten freue: Franzbrötchen. Mir war nie klar, was die norddeutsche Kultur eigentlich an bemerkenswerten Dingen hervorgebracht hat, bis ich dann weg war und feststellen musste, dass so etwas wie Franzbrötchen hier unten einfach mal nicht existiert.

Es wird meine erste Aktion nach der Ankunft sein: vom ZOB zum Hauptbahnhof zockeln und mich bei Franz & Friends mit Frühstück in Form einer großzügigen Menge köstlicher Exemplare ausstatten. Oh Himmel, ich kann es kaum erwarten. Allein dafür lohnt sich dieser Ausflug.

Halbe Stunde, dann sollte ich mich aufmachen. Der Bus fährt zwar erst um halb elf, aber zum Hbf muss man ja auch noch irgendwie hinkommen.

Um es nur kurz noch zu erwähnen: Meine Wohnung hat heute ein gutes Stück Vollendung erfahren. Im rosa Zimmer hängen jetzt die letzten zwei Regalbretter und mehrere Ansammlungen von Bildern, der Ohrhänger-Fensterrahmen und der Spiegel sowie die zweite der Bambusmatten, die ich damals vom Sperrmüll gerettet hatte. Im Flur hängen die anderen beiden Spiegel. Nur zum Saugen bin ich schon wieder nicht gekommen.

Aber dafür habe ich nach einem unerträglichen und zeitintensiven Kampf mit meinem Computer endlich die Wireless-Funktion meines neuen Multifunktionsgerätes konfigurieren können und habe sämtliche Materialien, die ich für Stewart am Montag lernen muss, als stolzen Beweis meines Erfolges ausgedruckt in meiner Tasche dabei. Ich hoffe einfach, dass ich dazu komme, sie auch zu lesen. Ich spekuliere auf die Rückfahrt morgen mit Kepa im Transporter, bis er mich irgendwo absetzt, und die darauffolgende Zugfahrt nach Hause. Weil, jetzt im Nachtbus werde ich kaum andere Dinge tun als Schlafen. Das ist ja gerade das Wunderbare.

Someone’s stuck in shit, and naturally…

Standard

Was zum Geier ist mit mir verkehrt? Ich hab Klausuren nächste Woche; Freitag, Samstag und/oder Sonntag Termine und trotzdem nichts Besseres zu tun, als Kepa anzubieten, ihm für seinen Umzug von Hamburg nach Kempten am Freitag packen zu helfen.

Warum tut man das? Was zur Hölle? Ok, ich hätte es nicht gemacht, würde nicht die altbekannte Nachtbuslinie von Touring in neun Stunden von hier aus direkt hochfahren. Und mir ist eigentlich vollkommen klar, wieso ich das tue. Es ist die simple Tatsache, dass er sich beklagt hat. Über Faulheit. Das Phänomen, welches sich bei beiden von uns als teuflische lethargische Lähmung äußert, die über „ach nöö, kein Bock“ so endlos hinausgeht, dass ich fast so weit gehen würde, zu behaupten, diese beiden Gemütszustände entstammen nicht einmal der gleichen Art von Regung. Oder eher Unregung. Anti-Regung. Nicht-Regung. I know I would have wanted an offer like that.

Sodass also zu eben dieser simplen Tatsache, dass Kepa sich offen beklagt hat – und wenn einem Kepa anvertraut, dass etwas grad nicht so läuft, ist die Kacke am Dampfen – noch das Wissen um die widerliche Machtlosigkeit kommt, die ihn daran hindert, seinen Kram jetzt und sofort in Kisten zu packen. Falls er überhaupt schon welche hat. Wenn nicht – wundern würd’s mich kaum.

Und jetzt das Allererschreckendste: Er hat es angenommen. (Nachdem er mich zweimal aufforderte, mir gut zu überlegen, was ich da tue.) Das offenbarte mir erst das wirkliche Ausmaß seiner Verzweiflung. Er muss in einem so dermaßen bodenlosen Loch gehockt haben, der Mensch. Hm. Wäre mir das widerfahren, hätte ich jetzt vermutlich genug Tatkraft wiedererlangt, um es doch noch allein zu schaffen. Immerhin hat er sich direkt aufraffen können, sich fest für morgen vorzunehmen, einen Transporter zu buchen. In our world, that means a lot. Gedankliche Konfrontation des Krisenthemas can go a long way.

Vermutlich lag meiner Hilfsbereitschaft auch zugrunde, dass ich mich selbst gerade wieder gerafft habe. Auch wenn ich gestern nicht in der Uni war. Aber die Wohnung sieht jetzt aus wie ein anderer Planet als noch letzte Woche. Mein Rücken ist der Leidtragende meiner Produktivität; das ganze Wischen und Klettern aufs Hochbett und herunter vom Hochbett und Wuseln zwischen mittlerweile drei bewohnbaren Zimmern und Küche und Keller und Bädern war nicht sehr lieb zu ihm. Aber oh, wie es sich gelohnt hat. Allein im Schlaf- und im rosa Zimmer muss noch gewischt werden, alle anderen Räume sind blütenrein. Es sieht so schön aus hier. Ich habe Teelichter und ein Räucherstäbchen angezündet zur Feier des kleinen Wunders.

Und ich habe auf dem Hochbett umgeräumt, sodass nun das Nachtschränkchen leichter zu erreichen ist, ohne dass man ans Fußende greifen muss, und es steht mein altes Beistellregal daneben, um uns mehr Ablegemöglichkeit zu bieten. Und natürlich habe ich auf dem Bett gesaugt und es neu bezogen. (Ja, man muss tatsächlich gelegentlich darauf saugen, weil es ja aus durchgehenden Spanplatten besteht. Dafür ist untendrunter wesentlich leichter zu reinigen, oh the joys of elevated beds.)

Nun habe ich noch immer eine halbe Stunde, bis R nach Hause kommt. Seitdem er diesen Job hat, ruft er mich zuverlässig fast jeden Tag an, wenn er dort rauskommt, eine völlig unerwartete und erfreuliche Neuerung.  So weiß ich dann auch immer, wann ich mit ihm rechnen kann. Und ich bin glücklich, denn es ist schön hier und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wie an all den Tagen, die ich zockend auf der Couch verbracht hatte, wenn er von der Arbeit wiederkam.

Okay. Morgen erfahre ich dann, ob meine Dienste als Notfallpackerin wirklich in Anspruch genommen werden; dann kann ich mich darum kümmern, meine Wochenendtermine zu verlegen und mich wiederum mental und buchenderweise auf die Fahrt nach HH vorbereiten. Aus allen Gründen, die ich hätte, um in Hamburg aufzuschlagen, als jemand, der vierzehn Jahre seines Lebens in der Ecke verbracht hat… Ich hätte nicht gedacht, dass es gerade ein Umzug sein würde, der mich da nochmal hinführt.

Leben! Ja! (Happy holidays.)

Standard

Ich habe das Gefühl, ich wache auf. Ich merke es an allen möglichen Ecken und Enden, vor allem daran, dass ich den Dingen wieder ins Auge sehen kann.

Ich möchte mein Aufwachen gar nicht so sehr zelebrieren, wie ich es tue, denn natürlich weiß ich nicht, wie lange es diesmal anhält. Aber wenn es nun einmal das erhebendste Gefühl der Welt ist…Yes, meine Gefühle sind wieder da!

Ich habe eine Hunderterpackung Escitalopramtabletten in meiner Tasche. Neunundneunzig sind noch drin. Dieser riesige Stein, der mir damit vom Herzen fällt. Dazu bekam ich von der überaus freundlichen Psychiaterin auf meine Nachfrage hin zwei Empfehlungen für Psychotherapeuten, bzw. -innen, deren Art der Interaktion mit dem Patienten sich (ich habe mich vergewissert) grundlegend von der meiner damaligen Therapeutin unterscheidet, und eine entsprechende Überweisung noch dazu, und eine neue Diagnose: Ich habe mich dieser zufolge von mittelschwerer zu leichter Depression hochgearbeitet, oder besser gesagt: wurde von den Medis dorthin hochgeschaukelt. Jetzt kann ich mir überlegen, ob (und ich hätte fast Lust darauf) ich an den verbleibenden meiner Mängel nochmals im Zuge einer Therapie versuchen möchte zu arbeiten. Auch wenn es mir, wie ich heute der Psychiaterin auch sagte, im Vergleich zu Prä-Medi-Zeiten ja wirklich um solche Welten besser geht, dass ich kaum wage, mich zu beschweren.

Ich habe eine feste Verabredung mit R, heute Abend Regale anzubringen. Das wird mir guttun, denn jedes wieder angebrachte Regal bedeutet natürlich den Einzug von einem Funken mehr Ordnung auf unsere Baustelle. R ist unheimlich genervt von meinen einrichterischen Unternehmungen (Marke Hochbett und damit verbundene Umräumaktionen). Ich habe versucht, ihm begreiflich zu machen, dass es mir damit kaum besser geht, was zwar paradox erscheinen mag bei der Häufigkeit, mit der diese bei mir auftreten, doch (wie ich hoffe) verständlicher, wenn ich Caros einstige Feststellung anbringe, ich würde einfach sehr viel auf mich nehmen, um ein gewisses Resultat zu erzielen (damals ging es um die Mengen an Essen, mit denen ich mich foodsharerischerweise abgeschleppt habe, vor denen Andere vermutlich kapituliert hätten).

Ich habe mich, wo ich schon beim Thema bin, auch zum ersten Mal im Leben auf foodsharing.de selbst in ein Abholteam eingetragen. Wir haben in Konstanz nie wirklich mit der Website gearbeitet und alles über Facebook und Google organisiert, sodass ich selbst als Betriebsverantwortliche bisher mit der Seite nichts zu tun hatte. Ich mochte die Organisation in Konstanz wesentlich lieber, aber ich schätze, es macht schon Sinn, die Seite zu nutzen, wenn man in einer Stadt von doppelt so großer Bevölkerung agiert. Irgendwann kann man eben nicht mehr alles zentral organisieren. Was ich extrem schade finde, aber okay.

Ich habe meine Katze auf dem Bauch liegen, zwischen mir und dem Computer, und höre sie ganz leise schnurren. Sie ist eine komische Katze, deren Schnurren man kaum je zu hören bekommt, obwohl die Vibrationen häufig zu spüren sind, wenn man sie streichelt. Und ab und an, wenn sich ihr Schnurren doch einmal auf eine für menschliche Ohren wahrnehmbare Lautstärke heraufschraubt, alle Jubeljahre mal, ertönt eine Art verstopftes Geräusch, das mich immer denken lässt, dass ihre Schnurrkanäle Aktivität dieser Klasse kaum gewohnt sind und zwischendurch einrosten.

Ich werde von Kommilitoninnen gefragt, ob ich mit in die Mensa komme, mehrmals, und eingeladen, sie nach der Uni zu begleiten – wie heute -, um eine weitere Kommilitonin vom Probearbeiten im um die Ecke gelegenen Café abzuholen und bei der Gelegenheit selbst noch einen Kaffee zu trinken. Das hört sich so unheimlich selbstverständlich an, aber auf der Radfahrt bis zur Bushaltestelle wurde mir wieder einmal klar, wie undenkbar es noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, diese Art Leben zu führen. Und so bin ich wieder dankbar, obwohl es grau draußen ist, und kann, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon lebe, so wie es Kepa neulich tat, ohne Zweifel und mit gutem Gewissen antworten, dass es schon vier ganze Jahre sind.

upworthy.com

Headed for… something.

Standard

Es geht vorwärts. Ich bin nicht ganz sicher, welchem Ziel oder Ereignis oder Zustand oder Ergebnis entgegen, aber ich bin am Leben und es passieren Dinge. Zumindest einige, wenige, kleine.

Ich war noch nicht in der Uni diese Woche, womit sich die dieswöchige Anzahl geschwänzter Kurse nunmehr auf 4 beläuft. Heute Abend gehe ich hin, ich muss hingehen. Nicht nur, weil ich den Griese-Kurs bereits einmal geschwänzt habe und sie eine der wenigen auf Anwesenheit jedes Einzelnen bedachten Lehrkräfte ist, sondern weil ich es mir nicht durchgehen lassen kann, diesen Grad an Verlotterung. Selbst vor den Kommilitoninnen habe ich mich mit der Ausrede post-konzertaler Erkältung aus der Erklärungsnot gewunden; ein Durchhänger dieser Sorte hat auf dieser Stufe nicht mehr vorzukommen, im BA vielleicht, ja, ganz sicher sogar, aber wie immer kommt diese gefährliche Absenkung meiner Hemmschwelle mit ein paar Jahren Verspätung.

Was ich dafür geschafft habe, vorgestern und gestern und heute, ist Räum- und Einzugsarbeit. Ich würde sagen, ich bin fast soweit, den Kleiderschrank mit R zusammen ins rosa Zimmer umsiedeln zu können. Das Büro unter dem Hochbett nimmt Gestalt an und alle dazugehörigen Möbel sind, as of now, an ihren angedachten Stellen zu finden. Fehlen noch die langen Regalbretter, für die ich R’s Hilfe brauche, dann kann dieser Teil der Wohnung als fertig betrachtet werden. Fertig. Oh herrliche Vorstellung.

Gestern Nachmittag rief mich R an, um mich zu bitten, ihm einen Briefumschlag rauszulegen, bevor ich zum Foodsharing-Plenum fahre (von solchen Dimensionen ist das Chaos hier, dass ich den alleinigen Überblick über Teile der Wohnung habe und solche Maßnahmen nötig sind, um R elendige Suchaktionen zu ersparen) – er hatte eine wichtige Sache zu bearbeiten in Verbindung mit dem dummdreisten Miethai aus München, der ihm aktuell wieder den Kampf angesagt hat (The Murat Returns). Jedenfalls fragte er mich bei der Gelegenheit noch nach meinem Befinden, woraufhin ich ehrlich antwortete, dass mir meine Lethargie auf den Sack gehe, und aus irgendeinem Grund half mir das, nachdem ich aufgelegt hatte, mich zum Erledigen einiger zuvor undenkbarer Sachen zu bewegen. In den verbleibenden zwei Stunden, bevor ich losmusste, habe ich geduscht, mich fertig angezogen, das Katzenklo gereinigt, Wohnzimmermöbel umgestellt, zwei Bilder aufgehängt, Deko umdekoriert, zwei Absätze für den heutigen Griese-Kurs übersetzt, mein Zeug auf R’s Computer sortiert und den Inhalt eines gesamten Kurses von Moodle heruntergeladen, während ich den gesamten Tag davor nicht in der Lage gewesen war, über ein wenig Referatsrecherche hinaus irgendetwas zu tun.

Dann war ich beim Foodsharing-Plenum, was irgendwie nur semi-cool war, aber natürlich trotzdem notwendig und vor allem besser, als wäre ich nicht hingegangen. Zurück zu Hause saß ich mit R auf dem Sofa herum und er fragte mich, wie es mit meinen Medis aussähe, woraufhin ich aus dem Nichts anfing zu heulen und ihm erklärte, dass ich es seit Wochen nicht schaffe, den Psychiater anzurufen. Er bot daraufhin an, ihn für mich anzurufen. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, aber ich fand es sehr lieb. Es mag sich abstrus anhören, aber nach der gefühlten Ewigkeit der letzten paar Wochen, die meine Gefühlswelt von diesem zu dicken Filter aus Gleichgültigkeit ummantelt war, hat mich diese vielleicht einstündige spontane Attacke roher Verzweiflung gestern Abend fast schon erleichtert. Immerhin mal wieder direkter Zugang zu einer Emotion irgendeiner Art. Wahrscheinlich bin ich aus dem gleichen Grund auf dem Konzert am Sonntag so wunderbar durchgedreht. Da war der Filter auch weg. Konzerte erreichen immer die Seele. So wie ADTR damals am 29.10.11, dieses absurdeste Konzert meines Lebens.

Becci hat beschlossen, dass wir im Mai nächsten Jahres ADTR zusammen besuchen werden; sie spielen in Offenbach und wir hatten schon länger überlegt, hinzugehen. Ich hatte ihr gesagt, ich würde mich nach ihr richten; ich habe kein wirklich starkes Bedürfnis, sie nochmal zu sehen, würde aber selbstredend mitkommen. Nach eingehendem Studium von Homesick und What Seperates Me From You ist Becci nun also offenbar überzeugt, dass man sich diese Band durchaus mal gegeben haben sollte. Ich bin froh darüber und freue mich irgendwie doch, A Day to Remember mal unter Umständen spielen zu hören, unter denen ihr Name nicht so entsetzlich wörtlich zu nehmen ist.

Produktives Chaos

Standard

Mir fiel vor ein paar Stündchen auf, wie sehr der Zustand meiner Wohnung zu dem Text passt, den ich neulich über Bakunins Anarchievorstellung gelesen habe. Zwar wage ich zu bezweifeln, dass Bakunin damit einverstanden wäre, nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass sich aus dem heillosen Durcheinander heraus bald ein neues, funktionierendes Ganzes zusammensetzt.

Es ist nämlich so, musst du wissen, dass das Monsterprojekt Hochbett dafür gesorgt hat, dass der gesamte Rest der Wohnung wieder so aussieht, als wären wir gerade eingezogen. Und es fühlt sich auch so an. Nichts ist fertig, alles ist provisorisch. Wir schlafen auf der Couch, mein Bett ist mein Kleiderschrank, mein echter, ausgeräumter Kleiderschrank blockiert R’s Schrank, Möbel stehen in der Mitte des (ehemals) rosa Zimmers, Regale mussten von der Wand weichen und blockieren den Werkzeugschrank, Werkzeug liegt auf dem Schlafzimmerboden verteilt, der Drucker ruht mitten im Wohnzimmer auf meinem Keyboardstuhl und wartet darauf, resettet zu werden – während ich darauf warte, dass sich im rosa Zimmer das Chaos lichtet, damit ich dort endlich das Netzteil für den Drucker finde, um ihn resetten zu können -, in der Küche liegt die riesige Lampe, die an die Decke des rosa Zimmers soll; die Bilder, die ich erst aufhängen kann, wenn alles fertig ist, schlafen mit uns auf dem Sofa, und in der Mitte von alldem thront, was will man Anderes erwarten, Boggle. Und jetzt wundere sich noch einer, dass ich hier nichts auf die Reihe bekomme. (Ich glaube, es wundert sich niemand außer mir selbst.)

Ich bin mal kurz durch die Wohnung getigert und habe den Ausnahmezustand fotografisch dokumentiert. Heute Abend legen wir eine weitere Bettsession mit dem hilfsbereiten Hobbyhandwerker von oben ein, der jahrelang hier Hausmeister war und dessen Wohnung noch nie ein anderer Handwerker von innen gesehen hat. Glück muss man haben. Ich bin heilfroh, dass R darauf bestand, ihn um Hilfe zu bitten; ich hätte das beim besten Willen nicht hinbekommen. (Das Bettbauen nicht und das Um-Hilfe-bitten auch nicht.) Wenn alles gut geht, sind wir dann auch endlich so weit, das Bett in Betrieb nehmen zu können. Danke, Gowai. Denn das hier noch länger auszuhalten übersteigt meine Fähigkeiten.

Hoch soll sie schlafen!

Standard

Kennst du diese Attacken, während denen dir schlagartig bewusst wird, dass du etwas Bestimmtes, nie Gehabtes ganz dringend in deinem Leben benötigst? Neulich kam es mir in den Sinn: Wir müssten ein Hochbett haben. Das hilft nicht nur platztechnisch enorm, sondern auch bei der Ausstattung meines Pilzzimmers-to-be mit einem adäquaten Sitz- und Liegemöbel (sprich, meinem alten Bett).

Das Hochbett hielt dann auch relativ zügig bei uns Einzug. Ich hatte die so oft schon konsultierten ebay-Kleinanzeigen nach geeigneten (und preislich akzeptablen) Exemplaren durchforstet und schließlich das grandioseste Hochbett aller Zeiten aufgetan, ein handgefertigtes Unikat von enormen Ausmaßen und atemberaubendem Wert – wenn man der Frau glauben darf, hatte allein das Holz 600€ gekostet, dazu noch die Handwerkerstunden und dann auch noch ein riesiger Bottich Naturöl, welchen ich dazugeschenkt bekam, um das Bett damit zu behandeln.

Nach etlichen fehlgeschlagenen Versuchen, uns für die Abholung des Prachtbettes ein Transportmittel zu organisieren, musste ich letzten Endes doch wieder auf unseren altbewährten Möbeltransport, aka Arne, zurückgreifen. Arne war auch guter Dinge, dass das auseinandergebaute Monstrum in seinen Kombi passen würde (womit er Recht behalten sollte), aber musste sich vor dem Abholtermin noch im auf dem Weg gelegenen Fast-Food-Laden einen Maiskolben einverleiben („wir sind 14 Minuten zu früh, das schaffen wir locker!“), was uns eine Verspätung von ziemlich genau einer Viertelstunde einbrachte. Er ist um Einiges schlimmer als ich in der Hinsicht.

Dafür kann er Tetris mit Möbelteilen spielen wie kein Zweiter. (Naja, den Tetristeil würde ich mindestens genauso hinbekommen, aber es scheitert bei mir definitiv am physischen Aspekt des Einräumens). R wurde beim Hochschleppen der massiven Holzbalken aus Andreas Lagerkeller und deren anschließendem zuvor beschriebenen aufwändigen Verstauen im räumlich begrenzten Kombi zusehens nervöser und ungeduldiger, da er Gefahr lief, den Start seines Formel-1-Rennens zu verpassen (und somit ein elementares Stück seines Lebens unwiederbringlich zu verlieren). Wider allen Erwartungen schafften wir es aber doch noch rechtzeitig nach Hause. R hatte uns bereits im Auto detailreich seine ins-Haus-stürzen-und-Computer-hochfahren-Pläne verkündet, welche er, dort angekommen, sogleich in die Tat umsetzte. Er fand trotzdem die Zeit, die Bettteile mit uns in die Wohnung zu tragen.

Gestern und heute habe ich uns dann dazu bewegen können, die Balken mit dem Öl zu behandeln. Nun liegen siebzehn massive Holzbalken in unserem Wohn- und Schlafzimmer und trocknen fröhlich vor sich hin. In zwei Wochen werden sie soweit belastbar sein, dass man das Bett zusammenbauen und belasten kann. Und darauf freue ich mich ungemein. Das bedeutet nämlich einen weiteren, riesigen Schritt in Richtung einer fertig eingerichteten Wohnung.

So. Besser ein Eintrag über ein Möbelstück als gar keiner, oder? Später werde ich mich hoffentlich freuen, zumindest irgendeinen Teil meines momentanen Daseins dokumentiert zu haben.

Der Berg ruft.

Standard

So. Ich könnte (sollte?) nach der langen Abwesenheit vielleicht etwas Bedeutendes schreiben, irgendwas Ergreifendes über die vielen neuen Erkenntnisse und Windungen und Wendungen, die der letzte Monat Leben so mit sich brachte. Die Wahrheit ist aber eher nüchtern – ich muss aufs Klo und bin zu faul zum Aufstehen, Internet zu Hause lässt weiter auf sich warten, ich habe einen Monat ohne Küche gelebt und gelernt, all meine Mahlzeiten im mongolischen Feuertopf meiner Mutter zuzubereiten, bis irgendwann im Form des Reiskochtopfes aus dem unendlichen Kistenchaos eine willkommene Ergänzung des Equipments zum Vorschein kam.

Weiterhin habe ich einen MA-Studienplatz in Übersetzungswissenschaften und bei Weitem zu viele Pläne für den Sommer. Ganz davon abgesehen bewohne ich die grandioseste Wohnung der Welt und genieße das unglaubliche Privileg, diese komplett selbstbestimmt einrichten zu dürfen. (Natürlich nehme ich dabei Rücksicht auf R und lasse jede größere Entscheidung von ihm absegnen, aber da er entweder leidenschaftslos oder einverstanden ist, sehe ich das nicht als großartiges Hindernis meiner Selbstbestimmtheit).

Jetzt gerade sitze ich bei R’s Bruder auf der Couch; die beiden zocken FIFA und ich komme seit fünf Wochen mal wieder in den Genuss einer Internetverbindung. R’s Ersatz-PC, den ich seit dem tragischen Tod von Bernadettes Festplatte nach wie vor benutze, ist nämlich nicht in der Lage, sich mit dem von den traumhaft netten Nachbarn freundlicherweise zur Verfügung gestellten WLAN zu verbinden. Vielleicht nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass sich die Wohnung sonst vermutlich weitaus schleppender aus dem absoluten Einzugs-Mayhem hätte herausholen lassen, als es so der Fall war. Ich bin mit meinem bisherigen Werk absolut zufrieden. Schwer, mit diesem Traum von einer Wohnung nicht zufrieden zu sein. Selbst R gesteht mittlerweile ein, dass die unfassbar urlaubsmäßige Aussicht von der Terrasse, die geräumige Großzügigkeit des Schnittes und die fast schon dekadent hedonismusfördernden Terrassen-Loungemöbel meiner Eltern die Plackerei eines Drei-Kilometer-Berges absolut rechtfertigen. Mal ganz abgesehen vom Luxus eines echten, mit Badewanne, Spiegel und Rollschubladenschrank ausgestatteten Badezimmers. Während mir das im Taborweg eigentlich nie gefehlt hat, bin ich jetzt unerwartet dankbar für diesen zusätzlichen Raum. Wenn jetzt am Montag noch die Küche kommt, sind alle Räume fertig.

Mehr dazu vielleicht morgen. Ich bin ein bisschen geschlaucht von der sechsstündigen Autofahrt hierher; am besten lasse ich die beiden Fußballhelden in Ruhe zocken und verziehe mich ins Schlafzimmer. Wobei, das ist auch bescheuert, dann muss ich später umsiedeln, wenn E schlafen geht. Man kann sich ja erstmal gechillt im Bad fertig machen.

Vi ses.

Long Way to Happiness

Standard

…a long way to go. Ich bin offiziell wohnungslos. Hat alles geklappt soweit. Außerdem bin ich offiziell unfassbar dicht. Waltraud hat drei Flaschen Sekt geopfert. R kauft ihr offenbar morgen neue, so genau habe ich das in meinem Zustand nicht mehr mitbekommen. Ich habe auch eine neue Brandwunde zu bestaunen, die ich mir eben beim Tortellinikochen zugezogen habe. Mein Ohrwurm vor und nach der Wohnungsabnahme erklärt sich vermutlich von selbst. Ich bin unfassbar dicht, wie ich war, noch containern gegangen. Ich bin froh darüber. Alles passte in den Kühlschrank. Das beeindruckt mich. Wir werden wunderbare Sachen essen morgen. Und heute. Und übermorgen. Oh herrliches Leben.

Ach Shit, ich habe vergessen, den Keller zu fegen. Dann muss das am Montag noch gemacht werden. Unbedingt.

You’re the villain, but you play the victim…

Standard

…Oh, ich liebe sie.

Ich habe mir mal wieder Zeit genommen, zumindet die wichtigsten Menschen per Computer zu kontaktieren, und sitze hochzufrieden in der Küche mit einem Gefühl der Produktivität, das wohl vor allem da herrührt, dass ich unerwarterweise nach R’s Weckerklingeln um halb neun Uhr hellwach war und durch direktes Aufstehen eine unheimliche Menge an Zeit zur Verfügung hatte. R war von meinem Wachheitsgrad aufs Übelste irritiert; er ist es gewohnt, mich vor elf nicht im wachen Zustand zu erleben und dann mühsam aus dem Schlaf holen zu müssen. Heute trieb ich ihn aus dem Bett, machte ihm Kaffee und Frühstück und provozierte durch die ganze Aktivität seine Aussage, das würde also dabei herauskommen, wenn seine Freundin früh morgens herumspränge wie ein Reh auf Ecstasy. Ich wiederum ließ mich von dem Segen des Aufstehenkönnens in luftige Stimmungshöhen hinaufkatapultieren, machte mich fertig, während R anfing zu arbeiten, brachte eine Tüte Pfand zum Edeka am anderen Ende der Straße, setzte mich (das warme Wetter mit einem luftigen Sommerkleid zelebrierend) an den Fährhafen und genoss das Leben, bevor es mir dann doch zu frisch wurde und ich mich wieder in die Wohnung verzog. Dort angekommen, war ich einen Moment lang ratlos, was nun zu tun war. So viel Zeit…!

Auf diese Weise landete ich schließlich am hellichten Tag vor dem Computer und brachte mich endlich wieder dazu, ein paar Facebooknachrichten zu schreiben sowie Beccis E-Mails zu lesen und enthusiastisch zu beantworten. Die wunderbare Becci. Sie hat sich zur Vollblutcontaineraktivistin entwickelt und schickt mir nun regelmäßig Fotos von ihrer Ausbeute. Ich kann mich daran gar nicht sattsehen. (Sie sich aber sehr wohl daran sattessen, solche wunderbaren Mengen sind es.)

Zwei Gläser Paprika sind außerdem eingelegt; eigentlich wollte ich danach Kekse backen (nach einem Rezept, das mir Becci geschickt hat; sie hatte die köstlichsten veganen Nougatkekse mit, als sie neulich hier war), bloß fehlt mir dafür das Kakaopulver, und ich wollte mich doch ausnahmsweise mal genau ans Rezept halten.

Also sitze ich stattdessen schreibend hier, höre nebenbei weiter Billy Talent (inzwischen das erste Album) und lasse es alles ganz ruhig angehen, bis R irgendwann mit Arbeiten fertig ist und wir uns um die von Basti und mir gestern zu drei Vierteln gestrichenen Wände meiner Noch-Wohnung kümmern können.