Schlagwort-Archive: Wohnungssuche

Herüberlinsend.

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Oh wow, what a day.

Ich berichte Konkretes, wenn ich Konkretes weiß. Hoffnung aber, die gibt es. Sie stirbt ja bekanntlich auch nicht unbedingt als erstes.

Natürlich warte ich auch seit gestern um halb zwei auf R’s Anruf bezüglich der Wohnung, die er für uns besichtigt hat, und kann es schon fast wieder nicht glauben, dass bisher kein Lebenszeichen irgendeiner Art zu mir kam. Scheint, als lägen seine Prioritäten da mal wieder wo anders. Dass meine Eltern mich heute darüber ausfragen und betont ungläubig dreinschauen mussten („Wie, er hat sich danach nicht gemeldet? Aber er weiß schon, dass das vielleicht eure einzige Chance…“), half auch nicht. Fragt mich nicht; ich kann mich nicht andauernd für seine Einstellung zu diesem Umzug rechtfertigen.

Was ich dagegen tun kann, ist, morgen die allerletzten paar Fuhren mit meinem schon fast unmenschlich gutmütigen Vater an ihre diversen Bestimmungsorte zu transportieren. Dann zu warten, bis R zurückkommt, und ihm die hoffentlich bis dahin in seinem Zimmer vorhandenen Kisten als gegebene Tatsache präsentieren (ich habe jetzt immerhin meine designierte Fläche, auf die noch Zeugs gestellt werden darf, welche ich morgen plane zu belegen) sowie ihm alle heute betrachteten Wohnungen samt ihrer Vor- und Nachteile und der aktuellen Situation zu pitchen. Ich hoffe mal, dass er morgen wiederkommt. Sonst wird es übermorgen, und mit ein bisschen (gewaltig viel) Glück gibt es bis dahin schon gar nichts mehr zu pitchen. (Ach, wie ich mein Glück kenne, fällt es so großzügig nicht aus. Das wäre fast ein Ding der Unmöglichkeit.)

Dann muss ich nun also noch streichen nächste Woche, und dann sollte alles geschafft sein. Wunderbar. Es wird. Jetzt noch ein bisschen Enthusiasmus von R’s Seite, ein ganz winziges bisschen nur, um meine Befürchtung zu zerstreuen, mit dieser Aktion einen gewaltigen Fehler zu machen, und die Welt sähe hervorragend aus.

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Für Noia, und das auf Spanisch.

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Ich darf berichten: Abgesehen von einem übel entstellten Gesicht und zu wenig Schlaf habe ich keine Verluste mehr zu beklagen.

Ich bin recht froh, dass sich das so schnell wieder eingerenkt hat letzte Nacht. (In der Tat, wir haben es mit einer geringfügigen Untertreibung zu tun, aber da meiner Erleichterung eh keine Worte gerecht werden könnten, versuche ich erst gar nicht, mich um eine zutreffendere Formulierung zu bemühen.)

R schaut sich gerade für uns eine Wohnung an und rief mich eben noch auf dem Weg dorthin an, als ich noch mit Caro am Reden war. Meine Zweifel geben inzwischen wieder Ruhe, auch wenn das Telefonat nicht unbedingt eins der von Bestätigung und Harmonie erfülltesten war, die ich je das Glück hatte zu führen. Ich muss mir einfach vor Augen halten, dass mein Kopf mit mir die gleichen Geschichten abzieht wie Lauras mit ihr. Es ist nicht ganz ohne Grund, dass ich ihre Aktion von gestern zu einem erschreckenden Grad nachvollziehen kann, und aus dem gleichen Grund verspüre ich immer wieder das Bedürfnis, Nico zu verteidigen, wenn R sich mal wieder über ihn aufregt. Leider, leider plagen mich exakt die gleichen Wahnvorstellungen. Victim blaming hin oder her, mein paranoides Hirn ist sicherlich diesbezüglich nicht frei von Verantwortung.

Nun mache ich mich gleich auf zu meiner Wohnung, um dort mit Basti die Tiefkühltruhen-OP vorzunehmen und der gerade wieder mal eines weiteren Zahnes beraubten Waltraud ein paar Bananen zu bringen.

Hunger.

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Was ich gar nicht erwähnt hatte jetzt, ist die Wohnung. Ich habe mir soeben resignierenderweise und gleichzeitig hocherleichtert ein halbes Medi eingeschmissen und harre somit wieder zuversichtlich allem, was da kommen möge – dann kann ich jetzt auch wieder an Anderes denken.

Wie zum Beispiel die Wohnung. Und meinen Antrag auf nachträgliche Anmeldung zu den Prüfungen. Und die Klausuren. Und jetzt aber ersteinmal die Wohnung.

Sobald Trudi den Vertrag unterschreibt, schicke ich das Ding los und wir haben sie. Ich war gestern mit den Nerven am Ende, unter Anderem aus dem Grund, dass sie sich unfassbar angestellt hat wegen des Mietbeginns nächste Woche und sich zuerst weigerte, überhaupt in Erwägung zu ziehen, die Wohnung zu nehmen. Später allerdings, als ich gerade am Skypen mit Laura war (was so selten vorkommt in letzter Zeit, dass es ein Event an sich ist. Wenn auch kein hyperererignisvolles, wenn man meine Grabesstimmung und daraus resultierende -stille in Betracht zieht), kam sie leicht bekifft zu mir ins Zimmer und meinte, sie wäre damit einverstanden, sich die erste Monatsmiete von mir zu leihen. Hallelujah. Selbst wenn sie sich benommen hat, als sollte ich ihr dafür nun auf Knien dankbar sein.

Jetzt hatte ich gerade ein einminütiges Skypegespräch mit meiner Mutter, das es geschafft hat, meine Laune wieder in den Keller zu scheuchen. Ich will sie einfach nur.. zerfetzen will ich sie. Sie auseinandernehmen bei lebendigem Leibe, bis sie sich annähernd so fühlt wie ich. Aber wozu die Drecksarbeit. Ich habe keinen Nerv dafür. Als hätte ich nicht genug am Hals. Sie wird eh an ihrem eigenen psychotischen Leben verrecken. Sie hat es auch nicht anders verdient – sie tut ja nichts dagegen. Aber mich verurteilen, so gehört sich das.

Natürlich habe ich trotzdem ein Gefühl, als hätte ich mal wieder mit dem Hammer einen übergebraten bekommen. Herrlicher Start in den Tag, ich sag’s dir. Ich kann mir zwar selbst nicht vertrauen, aber es fühlt sich trotzdem alles sehr real an. Wo ist nur meine Unaffected-Welt, wenn man sie schonmal braucht.

Boah nee, ist das alles ekelhaft.

Kopfschmerzen.

Für meinen Garten mit Tomaten zahlen – Planänderung und ein gutes Gefühl

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Kurzer Zwischenstand: Ich bin äußerst geschlaucht und werde gleich schlafen.
Ich fahre Sonntag Nachmittag nach Hause statt Dienstag um 7.45, wie das eigentlich geplant war – und dazu noch mit dem Zug. Umsteigen in Offenburg. Wenigstens weiß ich inzwischen, wo ich in Offenburg, der Asi-Stadt, einen Riesenyufka herbekomme.
Warum nun die plötzliche Flucht aus dem trauten Ex-Heim? Oh, ich habe Montag um vier einen Termin, um mit jemandem zu reden. To see this man about a dog. Except it’s not a dog, it’s an apartment. Wenn alles gutgeht, haben wir – oder habe ich – diesmal wirklich gute Chancen. Es ist ein Traum. Diese Wohnung und alles, was damit zu tun hat. Wenn Trudi sich weigert, dort reinzuziehen, tue ich es alleine und suche mir jemand Anderen. Das lasse ich mir nicht wegnehmen.

Heute Abend feiert meine Mutter zum ersten Mal, seitdem ich sie kenne, ihren Geburtstag. Ich habe den gestrigen Tag größtenteils mit Morfología-Hausaufgaben verbracht und damit, nebenbei ihre Vorbereitungen zu beobachten. Sie ist die geborene Partygeberin, oder wäre es, würde sie sich und ihre gesamte Umwelt nicht immer so stressen.

Schlafen.

Rolling Home.

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Rowling home to mijn ol‘ Hamborg! Naja. „Rolling“ trifft es eher. Ich bin trotz allem immer wieder glücklich, den hohen Norden mal wieder zu besuchen. Elfeinhalb Stunden Busfahrt. Und mein Computer weigert sich, sich mit dem WLAN zu verbinden.

11.13am.
Es ist aktuell eine knappe Dreiviertelstunde der Fahrt vorbei. Ich habe mich auf meinen zwei Sitzen häuslich eingerichtet, bin heilfroh, dass der Bus nicht so voll ist und ich, wenn schon nicht die hintere Sitzreihe (die von mehreren Leuten belagert wird, unter Anderem jemandem, der auch bis nach Hamburg hochmuss –- also keine Chance auf Umsiedeln), zumindest zwei nebeneinander für mich habe, starte alle paar Minuten mal wieder einen fruchtlosen Versuch, die Internetverbindung herzustellen, und habe mit Mama telefoniert, die unsere Tickets nach Kopenhagen gebucht hat und wissen wollte, ob Sarah und ich dann vorher oder hinterher noch ein bisschen bei ihnen in Oldesloe sein werden. Natürlich ist die Person vor mir jemand, die ihren Sitz zurückstellt. Ich erwische immer, immer, immer so jemanden. Wirklich. Die ganze Busbevölkerung ist zivilisiert und lässt ihre Rückenlehnen gerade, nur meine Vorderfrau nicht. Dementsprechend quetscht sich Bernadette hier auf meinem Schoß zwischen mich und den Sitz vor mir und macht es mir nicht einfach, auf ihr zu tippen. Ich kann immer noch beim besten Willen nicht tippen, ohne hinzusehen, und überlebe das hier gerade nur, weil ich festgestellt habe, dass ich es aushalte, nach unten zu gucken, wenn ich dabei Musik höre. Nur Sinnvolles kann ich nicht erledigen in dem Zustand, wie zum Beispiel die Morfología-Hausaufgabe, die morgen due ist und die ich eigentlich dringendst komplettieren müsste. Aber ich kann mit Musik nicht arbeiten. Und ohne wird mir schlecht und ich bekomme die übelsten Kopfschmerzen.

Es ist etwas Umwerfendes passiert, als ich heute Nacht am Packen war: Ich habe meine Häkelnadeln wiedergefunden. Die hatte ich seit über einer Woche vermisst und war schon fast überzeugt gewesen, sie in der Uni vergessen zu haben.Ich habe bis relativ spät mit Caro geredet, dabei ein wenig Ordnung in mein Zimmer gebracht und ein wenig zu packen angefangen, dann gegen zwei-drei Uhr zu Ende gepackt und bin ins Bett gegangen, konnte nicht einschlafen, weil ich einfach nicht nachvollziehen konnte, wo die verdammten Häkelnadeln nur sein könnten, machte das Licht wieder an, ging zum Schreibtisch, hob random ein paar Stoffreste auf und fand darunter meine Häkelnadeln. Whey.

Mir fällt gerade auf (dadurch, dass ich No One to You zu ersten Mal seit Langem höre) – jetzt hat er einfach komplett aufgehört zu atmen. Ich müsste den letzten Chorus umschreiben – „So now I’m air to you, and you’ve stopped breathing altogether“.

Caro hat mir wieder Sachen erzählt, die mich erschreckt hätten, hätte ich vorher noch angenommen, irgendwie zu wissen, wer dieser Mensch eigentlich ist, der so riesige Teile meines Lebens so maßgeblich beeinflusst hat. Er muss sich unfassbar negativ entwickelt haben. Caro sagt, dass er sich unfassbar verändert hat. Ich denke (und sagte ihr gestern), dass es nicht so ist. Ich habe damals schon aus erster Hand erlebt, was sich Jahre später wiederholt hat. Mich wundert nicht, dass es wenig mehr brauchte als ein wenig Geld und zweifelhaften Umgang, um die Seiten von ihm endgültig hervorzulocken.
Wie wichtig ihm seine Familie immer war, sagte sie gestern. Und dass sie sie besucht hat jetzt, seine Familie, die ja irgendwo auch ihre einzige Familie ist, und sie ihr gesagt haben, er hätte sie in den letzten drei Monaten genau zwei Mal besucht. Ein Mal zum Anlass des Todestags seiner Oma, das zweite Mal, weil ein Kumpel von ihm Geburtstag hatte. Und dass er anruft, wenn er mal was braucht. Das ist doch überhaupt nicht er, sagte sie. Ich fürchte schon. Langsam bin sogar ich soweit, es einzusehen. Irgendwie hilft das. Natürlich habe ich diese Erkenntnis schon einmal gehabt, dass nämlich jemand (und gerade er) sehr wohl in der Lage ist, über Jahre einem das Gefühl zu vermitteln, ihn eigentlich doch ganz gut zu kennen, nur um einem dann doch das Gegenteil zu beweisen. Aber dadurch, dass er sich gerade systematisch daran zu machen scheint, alle möglichen Leute aus dem Fenster zu schmeißen.. ich weiß nicht. Ich dachte wahrscheinlich immer noch die ganze Zeit, es hätte eigentlich an mir gelegen. Aber nein. „Natürlich lag es nicht an dir“, sagte Caro dazu. „Es lag nur an ihm!“ Erst seine beste Freundin, dann seine Beziehungsfreundin, und jetzt ist die ganze Familie dran. Zu der Einsicht kamen wir gestern und fühlten uns, glaube ich, beide ein bisschen besser dadurch.

Sie hat es ja tatsächlich geschafft, sich zu verlieben. Nachdem sie Şahin wohl seit geraumer Zeit ohne es zu merken nicht mehr geliebt hat, selbst als sie noch zusammen waren, hat sie die Trennung blendend verkraftet und sich gleich in neue Probleme gestürzt. Ich bin sehr gespannt, was das gibt, und sollte wahrscheinlich aufhören, zu fürchten, dass sie so endet wie ich -– sie wird niemals enden wie ich, she’d have to be me, und das schafft so schnell keiner.

Was für ein Luxus, dass dieser Bus direkt fährt.
Und dass ich meine Haare wieder häkeln kann. Mir wächst ja schon bald ein komplettes Set an frischen Haaren zwischen den Dreads durch. Die müssen schleunigst in die Spinnenbeine inkorporiert werden.

11.52. Ich mache mal Schreibpause. Nicht dass ich am Ende noch feststellen muss, dass es doch eine Zeichenbegrenzung gint, wenn ich das Monstrum hier irgendwann auf dem Blog poste.

13.14. INTERNET!

Naja, nicht wirklich. Es reicht, um bei Skype ein paar Worte mit Robert zu wechseln, aber Seiten laden lässt es mich nicht. Aber was soll’s, eigentlich ist Skype auch das Einzige, was ich brauche.

21.05. Eine Stunde noch. Ich höre American Idiot. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Es ist unbeschreiblich. Soeben sind wir an Dorfmark vorbeigefahren. Die Geschichte zu diesem Kaff willst du nicht wissen. Es kann gut sein, dass ich sie dir trotzdem irgendwann detailreich erzähle, aber vorerst wirst du verschont. Ich werde so unbeschreiblich gelaunt, wenn ich dieses Album höre. Mein Lebensanfangsalbum. Irgendwo der Kern von mindestens drei Vierteln meiner gesamten Identität.
Die Ausfahrten nach Dorfmark sind alle gesperrt. Was da wohl los ist.

Ich vollführe merkwürdige Trommelbewegungen in der Luft mit meinen Häkelnadeln zu den letzten Teilen von Jesus of Suburbia. Es wird Zeit, dass wir ankommen.

21.22. Die Lüneburger Heide. Wir nähern uns. Are We The Waiting. Ich frage mich, ob der Moment, in dem mich die Musik aus diesen Zeiten nicht mehr aus der Fassung bringt, je Realität sein wird. (Als hätte ich eine Fassung, denke ich da gerade. Aber alles ist realitv. Ich habe eine relative Fassung, und aus dieser bringt mich Green Day.) An dem Ort, wo ich jetzt bin im Leben, interessiert sich niemand mehr für meine Wurzeln. Wir interessieren uns alle nicht für das, was uns geformt hat. Wir sind so weit schon evolutioniert, auf eine Art, dass es überflüssig erscheint, in unseren Geschichten so weit zurückzublicken.

21.28. Give Me Novacaine. Das Gefühl. Ich denke in genau dem Moment über das Gefühl nach, von dem Gefühl überwältigt zu werden, als das Lied mir sagt, dass das Gefühl überwältigend ist. Drain the pressure from the swelling. This sensation’s overwhelming. Thanks for that.
Das ist doch zu viel. Manchmal frage ich mich, wie ich diese Menge an Gefühl verarbeiten soll. Beziehungsweise habe Zweifel, ob ich es überhaupt verarbeiten kann, kann nicht mehr atmen, versuche mein ganzes Bewusstsein auszuweiten, damit mehr Raum ist für das ganze Gefühl.
She’s A Rebel. Die ganzen Erinnerungen. Das ganze Album. HILFE.

Es tut gut, die bekannten Namen auf den Schildern zu sehen. Ich komme so gern an vertraute Orte zurück.

Und ich fahre gern durch Deutschland. Ich bin begeistert von Deutschland. Der ganze Wald überall. Daran denkt man gar nicht normalerweise -– wenn man nicht gerade das ganze Land durchquert und daran erinnert wird, was für ein angenehm großer Anteil unserer Fläche von Waldbeständen bewachsen ist. Sicher, es könnte mehr sein. Aber im Vergleich zu anderen Ländern (hrm, Costa Rica, hrm) hat hier zumindest niemand den Fehler begangen, sie alle abzuholzen. So bleibt uns aufwändige Wiederaufforstungsarbeit erspart. Und wenn man im Ausland, sagen wir, in Vitoria-Gasteiz, an der Uni Deutsch-Übersetzungskurse besucht, ist damit zu rechnen, dass man mit dem restlichen Kurs dazu abkommandiert wird, einen deutschen Wikipedia-Artikel zum Thema Waldsterben ins Spanische zu übertragen. (Du darfst dir unsere Arbeit gern ansehen -– mein Teil ist auch irgendwo dabei, das ist dann der, in dem, hoffentlich, nicht jedes dritte Wort sich merkwürdig anhört.)

Es sind ja nur noch zweiundzwanzig Minuten, bis diese Fahrt offiziell vorbei ist. Whoa. Gleich nochmal aufs Klo und dann kann schon fast nach den sehnsüchtig erwarteten hamburgischen Autokennzeichen Ausschau gehalten werden. Nach den Straßen und Häusern und allem, was ich kenne.

Zwischendurch habe ich noch eine Wohnung in Aussicht bekommen. Nur um das auch noch zu erwähnen. Gartenanteil. Provisionsfrei. Unfassbar wunderbare Lage. Dusche in der Küche –- Trudi ist begeistert. Aber ich werde mir das nicht entgehen lassen. Wenn sie sich weigert, dort reinzuziehen, suche ich mir einen anderen Mitbewohner. Das ist meine Wohnung. Wenn wir sie denn bekommen. Wir können sie uns nächste Woche ansehen und mit dem Vermieter sprechen. Es hat sich gefreut, dass ich im Garten etwas pflanzen möchte! Und er interessiert sich für Foodsharing. Was gibt es bessere Voraussetzungen.

21.49. Homecoming.

Oooh -– we’re coming home again.

Naja, Oder so.
Vielleicht sollte ich anfangen, die Gegend hier als Zweitzuhause zu betrachten, statt mich so sehr zu bemühen, mich komplett davon abzunabeln. Das ist doch wesentlich vernünftiger eigentlich.

Whatsername. Das Gefühl ist unmöglich in Worte zu fassen. Ein Mensch wie ich sollte nicht Whatsername hören, während er an einen Ort wie diesen zurückkehrt (und sei es nur für ein verlängertes Wochenende, und ich dramatisiere eh schon wieder alles völlig kopflos über bis zum Gehtnichtmehr.)

Remember, whatever, it seems like forever ago. So long ago.

21.59.
Gleich da! Ich pack‘ mal zusammen.

Bwah.

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Do you want to reconnect with your lost love or the one that got away?

A major TV network is looking for single people who want to be reconnected with someone they loved. The network will use their resources to help you find your love and will document your journey as part of an ongoing TV series about reuniting lost love.

If interested please email help@experienceproject.com with a first name and contact number where the casting director can reach you.

Äh.. Vielleicht nicht. Und sei es nur, weil ich einfach Caro fragen müsste, wo der Mensch sich nach ihrer Trennung denn genau häuslich eingerichtet hat – no TV resources required.

EP ist mittlerweile mehr Teil einer verschwommenen Vergangenheit als tatsächlicher Bestandteil meines Lebens, aber zu manchen Zwecken durchstöbere ich gern meinen Account. Ich hatte irgendwann so eine halb selbstmitleidige, halb selbstzentrierte Abhandlung zu körperlicher Nähe geschrieben, die mir gerade wieder einfiel, als ich darüber mit Caro geredet habe.

Es war ein anstrengender Tag gestern. Er begann mit einem Schlag ins Gesicht in Form schlechter Nachrichten bezüglich der uns doch eigentlich schon fast sicheren Wohnung. Dem momentanen Fehlen meines Nervenkostüms gemäß klappte ich dann auch erstmal in der Arbeit zusammen, als Sarah sich nach meinem Befinden erkundigte. Die sechs Stunden Schlaf in der Nacht zuvor hatten mir auch nicht wirklich gereicht, und natürlich hatte ich keine Zeit mehr, mir ein Frühstück oder aber Essen für die Arbeit zu machen – alles zusammen resultierte in einem katastrophalen, zu neunzig Prozent selbstverschuldet kopfschmerz-, hunger-, durst- und frustrationserfüllten Arbeitstag, von dem ich nicht einmal mehr sicher bin, wie genau ich ihn am Ende doch noch lebend überstanden habe.

Nach der Arbeit gingen Sarah und ich zu Chris, um das Spiel anzuschauen. Wir haben auch kurz unsere Band diskutiert; es kam nichts Erfreuliches dabei heraus. Dafür aber konnte ich endlich etwas zu essen machen – ich verpasste die ersten beiden Tore zugunsten der Nudeln mit Zucchini-Tomaten-Sauce, die ich – mehr als ein bisschen dankbar, meinen verhungernden Körper wieder mit Nährstoffen versorgen zu können – für alle zu dem Zeitpunkt Anwesenden zubereitet habe. Sebi kam auch noch und erzählte mir, dass er seinen Song fertiggeschrieben hatte. Mein Problem ist nun, dass ich zwar den Rest der Welt über seine nicht vorhandenen Talente zujammere, aber aus irgendeinem Grund, wenn er direkt mit mir redet, immer überzeugt bin, dass es sich alles noch bessern wird. Sarah setzte sich zu uns und muss verwirrt gewesen sein, als ich ihr strahlend verkündete, dass sein Song fertig sei. Ich bin selbst verwirrt. Aber es liegt auch an Sebi, der einfach verwirrend ist. Ich sage es ja immer wieder; eigentlich kann ich froh sein, dass er so ein grottiger Musiker ist, da er der letzte Mensch weltweit ist, auf den ich einen meiner typischen musikfetischinduzierten Crushes ausbilden sollte, und wirklich das einzige Kriterium, welches dafür nicht erfüllt ist, dasjenige seiner bis zum Himmel stinkenden Unmusikalität ist. Was für ein Drama das aber auch wäre. Was für eine dramatische Form menschlichen Versagens und eine riesige Dummheit. Was für ein zweifelhaftes Privileg aber auch, der einzige Mensch weltweit zu sein, der auf mich eine unerklärliche physische Anziehung ausübt, ohne dass ich einen Crush auf ihn entwickele. Zum Glück für uns alle.

Pwwwh. Wohnungssuche geht weiter. Ich habe wieder zweien geschrieben.

Too much to do, too little time.

Der Stand der Dinge.

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Ich versuche, es so kompakt wie möglich zu machen.
Also, die letzten paar Tage. Unterteilt in ein paar Stichwörter.

1. FFM.

JO begrüßte mich am Hauptbahnhof mit Lippenstift drauf und sah aus wie ein komplett fremder, ungewohnter Mensch. Aber nicht übel. Sie hatte ihn allerdings nicht mehr ganz freiwillig drauf; offenbar war ihr ein paar Stunden zuvor langweilig gewesen und der Lippenstift war einer der Sorte Killer-Everlasting. Genauer gesagt so everlasting, dass sie ihn nichtmal mit Makeup-Entferner wieder runterbekam und sogar am Tag danach noch mit roten Punkten auf dem Mund herumlief.

Als wäre das nicht genug Schock für einen Abend, bekam ich gleich den nächsten beim Eintreten in ihre Wohnung. Sie hatte Bernd von seinen langen Haaren und dem Bart befreit, nachdem sie aus Argentinien wiederkam – das erste Mal, dass ich etwas von seinem Gesicht gesehen habe; er sieht vierzig Jahre jünger aus. Mindestens. (Dementsprechend waren genau das meine ersten seit einem knappen Jahr in dieser Wohnung ausgesprochenen Worte – bei seinem Anblick blieb mir sogar das ansonsten im Hause von JOs Familie obligatorische „Huhu!“ im Hals stecken.)

Ich habe mich so sehr gefreut, wieder mal bei den Beiden zu sein. JOs Mutter lebt mittlerweile praktisch permanent bei ihrer mehr oder minder dem Rest der Welt bekannten Affäre, einem Transvestiten namens Tina, den sie vor ein paar Jahren durch JO kennengelernt hat. Sie hat – was ich persönlich dann doch mal wieder verstörend fand, auch wenn wir alle mit der Situation inzwischen vertraut sind – nicht einmal mehr eine Zahnbürste in ihrer und Bernds eigenen Wohnung. Aber Bernd ist nicht anzumerken, dass ihm etwas an der Sache zu schaffen macht. Er ist ein durchweg wunderbarer Mensch, der so viel Freude und Ruhe ausstrahlt, dass ich beim besten Willen in diesem Leben nicht mehr verstehen werde, wie Michaela ihm etwas Derartiges antun kann.

JOs Zimmer war wie immer. Ihre nach Farben sortierten Bücher in der Regalwand, der Staub, das Chaos. (Wobei sie aufgeräumt hatte und der Zustand demzufolge sogar ganz okay war.) Die zentrale Rolle ihres Computers in ihrem Leben. Tumblr und Flight Rising konnten die zehn Monate Reisen nichts anhaben; sie ist süchtig wie eh und je. Mein Schlafplatz auf der Wandseite des Bettes war auch wie immer. Gestern weckten mich ein Mal mehr die Kirchturmglocken. Es wird sehr merkwürdig werden, sie demnächst statt in dieser Wohnung in Berlin oder Stuttgart zu besuchen.

Ich wollte eigentlich, dass wir uns mit Robert und Becci treffen, aber da Robert Nachhilfe geben musste, hat es nicht geklappt diesmal. Janine habe ich nichtmal gefragt; sie wird eh bis zum Hals in Abschlussprüfungschaos stecken.

2. Luxembourg.

Wir sind ganz schön herumgekommen in den paar Tagen. Ich noch mehr, natürlich, durch die Fahrten von Zuhause bis FFM und andersherum. Aber der Ausflug ins Nachbarland war wirklich alles an Reisestrapazen wert. Ein neues Land! Wie aufregend. Ich habe meinen Ohrwurm von Zea Mays‘ Negua joan da ta aus Deutschland mit dorthin verschleppt (und JO im Übrigen gestern halb unbeabsichtigt auch noch davon begeistern können), zusammen mit dem hastig vor der Hinfahrt ausgedruckten Text, um es am Wochenende fertig lernen zu können. Es hat funktioniert. Die ganze Stadt hat dieses Lied als Soundtrack, und dabei war unser Aufenthalt nicht gerade unmusikalischer Natur. Dazu später mehr. Wir haben die Stadt durchkämmt und den Bockfelsen beklettert und die dramatischen Schluchten bestaunt und sind diversen City Sightseeing-Bussen begegnet, deren Touren ich dank meiner Arbeit ja mittlerweile sehr gut kenne. Wir haben herausgefunden, dass das Benutzen öffentlicher Toiletten in Luxembourg doppelt so viel kostet wie im Rest der Welt, und dass über 40% seiner Einwohner aus dem Ausland kommen. Wir sind vor Hitze halb geschmolzen, während wir uns die Berge rauf- und wieder runtergekämpft haben. Ich habe schon wieder vergessen, wie diese Dinger heißen, auf die man sich stellen kann und die einen dann einfach tragen – ein Brett mit Rädern und einer Stange vorne zum Festhalten. Nein, kein City-Roller – es hört mit „way“ auf und ich habe JO bestimmt viermal nach dem Wort gefragt, weil es sich in meinem mentalen Lexikon einfach nicht manifestieren will. Die Sprachen an sich sind in Luxembourg ja auch ein Erlebnis. Oder sollte man „Lëtzebuerg“ sagen… Was für ein interessantes Verständnis diese Menschen von „Deutsch“ haben.
Sie haben aber allgemein interessantes Verständnis von vielen Dingen. In meinen zwei Tagen dort wurde mir zwei Mal hochenthusiastisch verkündet, wie grandios mein Stil wäre – davon zehre ich dann jetzt wohl die nächsten zehn Jahre. Trust my home country to be the one I get ignored in most of the time – die Menschen, denen ich beachtenswert erscheine, halten sich offenbar als geschlossene Front im Ausland auf. Eine Verschwörungstheorie? Wer oder was will mich zum Auswandern bewegen?

3. Musik.

Das Konzert – der eigentliche Grund unseres Zusammenfindens – war definitiv in vielen Hinsichten ein besonderes. Ich nominiere es für Awards in den Kategorien „beste Vorband“ (die Luxembourger „All The Way Down“ allein waren es wert, den Ausflug durch ein halbes Land hin zu diesem Konzert zu unternehmen), „Weirdest Vocalist“ (die Sängerin von Against Me! war irgendwann mal ein Mann und hat ihre Stimme keinerlei Operationen unterzogen, was zwar bei den Risiken, die das mit sich bringt, absolut verständlich ist, aber trotzdem dem Ganzen ein einfach unvereinbares Wesen verleiht – immerhin war der Sound so schlecht eingestellt, dass man sie kaum gehört hat), „most crowdsurfers“ (es waren mehrere pro Song, es waren viele Songs und natürlich mussten sie alle, allesamt – unserer erstreihigen, mittig gelegenen Position sei Dank – über meinen Kopf hinweg hinter die Security-Barriere den dafür angestellten Sicherheitsmenschen in die Arme fallen. Wurdest du je von einem herabfallenden Crowdsurfer erschlagen? Lass dir gesagt sein – ein-zweimal pro Konzert reicht. Du willst das nicht drei Mal pro Song verkraften. Ich hatte Todesangst wie nichts Gutes, war aber natürlich selbst schuld, weil mein Schädel, obschon malträtiert von den massiven Schuhen, Körpern und Gliedmaßen unzähliger Fallender, immer noch zu dick ist, um mir zu erlauben, meinen Platz aufzugeben und mich damit für defeated zu erklären. I’m not a quitter, dachte ich mir und versuchte weiter Taktiken zu entwerfen, wie dem von oben kommenden Unheil noch halbwegs schadensbegrenzend zu entgehen war – und hatte Erfolg, was du daran siehst, dass ich hier sitze und dieses Romänchen tippe) und „most deafening“ (der Tinnitus scheint sich in meinem linken Ohr häuslich eingerichtet zu haben, und als wir vorletzte Nacht ins Hostel kamen, konnten wir beide kaum schlafen, weil unsere Ohren der nächtlichen Stille zum Trotz ihr eigenes Konzert inklusive Rauschen veranstalteten. Es wird langsam wieder besser, aber es ist ganz eindeutig noch da). All in all, ein gelungenes Konzert, ich stand nur leider am falschen Ort. Mir wurde mal wieder bewusst, was es eigentlich ausmacht, die Band, die spielt, nicht zu kennen. Das ganze Adrenalin hat mir gefehlt, das einen diese ganzen an sich unmenschlichen Bedingungen nicht nur aushalten, sondern sogar als exhilerierend ansehen lässt. JO neben mir war völlig aus dem Häuschen und sprang herum wie nichts Gutes. Ich ebenso, mehr aus schierer Notwendigkeit als alles Andere. Du kannst nicht einfach nicht springen, wenn um dich herum die Menge wie ein brutales Meer in ihrem eigenen Rhythmus wogt. Das lernt man schnell auf Konzerten, das weiß ich nicht erst seit vorgestern.

3.1. Play Me I’m Yours.

Überall in der Stadt stehen Klaviere. Wunderschöne. Man kann darauf spielen; natürlich habe ich JO an beiden Tagen in den Bahnhof gezogen, um mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und die von dem dort befindlichen Exemplar ausgehende magnetische Anziehungskraft auf mich wirken zu lassen. Das resultierte letztendlich darin, dass ich auf Tausenden von Touristenvideos zu sehen und hören bin, sowie in einer Bekanntschaft mit einem Typen, der irgendwie fand, dass ich toll bin, und meinte, ob ich nicht Lust hätte, ein Konzert zu spielen – er hat Connections. Ich hab‘ Sarah alarmiert, dass sie sich mal Anfang August oder Ende September freihalten soll für unseren Gig in Luxembourg. Jetzt brauchen wir nur noch Equipment, einen Namen und einen Tourbus. Ich war sehr, sehr kurz vorm Hyperventilieren, als wir da weggefahren sind, ich sag‘ es dir.

4. Ich überspringe ein paar Punkte, weil ich langsam müde werde und nachher um halb elf in der Arbeit sein will.

5. Wohnung.

Es sieht so aus, als könnte es diesmal etwas werden. Man wird sehen – heute. Wenn das klappt, liebe ich Trudi. SEHR.

6. Medis.

Heute 4. mediloser Tag; es ist okay, ich muss viel machen und wenig allein sein. Busfahren gestern war grenzwertig, aber alles vollkommen im erträglichen Bereich. Ich arbeite dran.

7. Haare.

Es saß vor mir auf der Fahrt von FFM nach Stuttgart ein Mensch mit so unwahrscheinlich wunderbaren Haaren, dass es eine Qual war, hinter ihm zu sitzen. Ich habe zweieinhalb Stunden lang mit dem Verlangen kämpfen müssen, ihm auf den Kopf zu grabschen. So eine Hülle und Fülle wunderbarer dunkler, fingerlanger, weich aussehender, leicht gelockter Haare. Ich wollte ihn fast schon fragen, ob er sich kurz umdrehen könnte, um herauszufinden, ob der Rest von seinem Kopf so schön war wie die Hinterseite. Aber ich habe es gelassen – immerhin bestand das Risiko, dass sein Gesicht nicht mit seiner Haarpracht hätte mithalten können, und was hätte ich ihm dann sagen sollen? „Nee, schon in Ordnung, dreh dich wieder um“? Maybe not. Langsam muss ich wirklich einsam und verzweifelt sein, diesem Geschehnis nach zu urteilen.

8. Mehr Klempnerei.

Dafür spricht auch (und das spricht andersherum auch dafür), worüber ich wieder verstärkt nachdenke, nämlich dass ich einfach mal eine Therapie anfangen sollte, mit deren Hilfe ich mich vielleicht von diversen meiner Issues (Sexualität, Fallenlassangst, Selbstwahrnehmung, diese Geschichten) befreien könnte, statt mich in der Hinsicht einfach wie bisher als hoffnungslos abzustempeln und sie auf immer mein Denken und Dasein so überaus unvorteilhaft kontrollieren zu lassen. Ich glaub‘ nämlich fast, die Menschen sind einfach nicht so, wie ich sie bräuchte (und wie sie vermutlich noch einige andere Exemplare der menschlichen und nichtmenschlichen Spezies bräuchten) – niemand wird mich, auch jetzt nicht, wo es wirklich nicht schaden könnte, wie ein rohes Ei behandeln, also muss ich weiter und weiter daran arbeiten, mich einfach selbst nicht wie ein rohes Ei zu sehen und – um alles in der Welt – auch keins zu sein. Damit ich lerne, wie man das macht, wenn man nicht gerade auf Medikamenten ist, hätte ich gern ein neues mentales Framework.

9. Schlafen.

Jetzt wird geschlafen.

Das Konzept von schlechter Laune

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Es scheint sich ein Pattern herauszukristallisieren.

Ich finde eine Wohnung.
Ich organisiere einen Besichtigungstermin.
Trudi und ich gehen hin.
Ich bin begeistert und will einziehen.
Trudi fängt an zu jammern und zu meckern und sich an dem einen scheißunwichtigen Mangel der Wohnung aufzuhängen.
Wir gehen nach Hause und ich habe für den Rest des Abends so katastrophale Laune, wie ich sie fast schon gar nicht mehr kannte.

Wirklich, ich bin schlechte Laune nicht mehr gewohnt. Sowas hatte ich einfach nicht zu haben, seitdem ich positiv war.

Wie es mich abfuckt. Ich bin zwar immer noch positiver, als ich es früher je hätte sein können, und bilde mir immerhin noch ein Stück weit Kontrolle über meine Stimmungen ein, aber leicht ist es nicht, das Kontrollieren. Ich war so privilegiert das letzte Jahr. Warum nur, warum nur muss das aufhören? Kann ich nicht weiter dieser sonnige Strahlemensch sein, den nichts umhaut short of a tragedy of apocalyptical dimension? Was mache ich jetzt mit dem unmenschlich hohen Anspruch an meine Selbstbeherrschung, der von der rapide verblassenden kurzweiligen Fähigkeit herrührt, immer gelassen zu sein, niemals in Gegenswart Anderer auszurasten, niemals Frustration über Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren sind, an jemandem auszulassen, der nichts dafür kann? Ich war so weltfremd auf Cipralex, ich war richtiggehend erstaunt, dass andere Menschen so etwas tun. Warum machen die das? Warum?

Ich bin nach wie vor jede Sekunde um meine positive Grundeinstellung bemüht. Ich lasse sie nicht aus den Augen, und wenn sie mir zu entgleiten droht, lese ich ihre Spuren, da, wo sie eigentlich hingehört. Das ist anders; das ist jetzt besser. Es ist gut, dass ich sekündlich arbeite, aber besorgniserregend, dass ich die Einzige zu sein scheine. Ich kann niemanden zwingen, positiv zu sein, bewusst zu sein, aber wie soll ich mit Trudi zusammenziehen, wenn sie einfach überhaupt nicht stark genug ist, zu einer nur ansatzweise in die richtige Richtung tendierenden Einstellung zu gelangen?

Anders als früher gebe ich mir jetzt Mühe, nicht zu viel Energie auf diesen entsetzlichen Zustand zu verschwenden. Ich habe drüber nachgedacht, Blossom geguckt und zwanzig Ferrero-Küsschen gefrustgessen, das muss jetzt reichen. Ich darf keine schlechte Laune haben. Wegen solcher Lappalien doch nicht. Vielleicht könnte ich mir Gedanken um meine Mutter machen, die mir letztens nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eröffnet hat, dass ihr ach-so-tolles Leben in Wirklichkeit ein einziger Albtraum und sie selbst ein posttraumatisch gestörtes Wrack ist. Das wäre doch mal ein akzeptabler Grund für eine suboptimale Stimmung.

„Ich kann kein Buch lesen. Ich kann keinen Film gucken.
Ich kann meine Augen nicht zumachen.“

Wenn sie wegsei, würde es ihr gut gehen. Richtig, richtig gut.
„Aber das willst du doch nicht, oder?“, sagte ich, nachdem die Attacke halbwegs vorüberwar.
„Nein“, sagte sie.

„Dann müssen wir – musst du; ich helf dir, aber du musst es eigentlich allein machen – einen Weg finden, wie wir – oder du, wie du es schaffst, dass du dich in der echten Welt gut fühlst. Du weißt, was ich will, das du tust. Du weißt es ja, und du weigerst dich, also musst du es alleine schaffen.“

Mir ging’s nicht gut an dem Tag. Ihr auch nicht, offenbar.

Wenn doch nur alles weniger schlimm wäre.

‚Cause this is home…

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Sarahs neuer Song ist mal wieder umwerfend und beschreibt ein Gefühl, das ich nicht habe, aber nachvollziehen kann. Sie hat letztes Wochenende, während ich bei Caro war, einen Ausflug in ihren Heimatort gemacht und sich mit alten Freunden getroffen und brachte das Lied mit zurück.

Jetzt sind ein paar Tage vergangen. Ich kam nicht dazu, auch nur den Eintrag fertigzuschreiben. So sieht es aus momentan. Leben, Leben, nichts als Leben. Und ein schlechtes Gewissen, weil die Uni zu kurz kommt.

Johannas Besuch hier die paar Tage war sehr schön. Ich hatte die ganze Woche viel um die Ohren, uni-, arbeits- und vor allem foodsharingmäßig, aber dadurch, dass ich sie mit einbezogen habe, so viel es nur ging, war das gar nicht so schlimm. Einen Tag haben wir uns mit Sarah in Meersburg herumgetrieben und die beiden konnten ihrer Liebe zum Geocaching nachgehen, während ich mich an der Präsenz von Meersburg, der des Sees und schönen Wetters und mitbegrachten Essens erfreute. Herrlich.

Gerade komme ich aus Singen, wo Sarah und ich der Band meiner Drummerbekanntschaft Andy, Speelodic, beim Proben zugesehen haben. Weil Andy aber ein Fan von uns ist (wahrscheinlich unser erster und bislang einziger wirklicher Fan), haben wir auch etliche unserer eigenen Sachen vorgespielt und ausprobiert, was sich mit der Traumbesetzung aus Drums, Bass und einem fähigen Gitarristen so alles anstellen ließ. Das war definitiv ein wertvolles Erlebnis für uns. Andy hat sich wieder kaum eingekriegt und sagte, Sarah und ich seien eine Bereicherung für die Menschheit. Chris, der Gitarrist, schrieb mir eben noch, es sei ja auch selten, zwei so nette Mädels kennenzulernen. Und weil das ja noch nicht genug positives Feedback war für die nächsten Jahrzehnte, bekomme ich eben noch geschrieben, ich sei sehr hübsch. Auf Euskera. Von einem der schönsten Menschen, die auf der Erde herumlaufen.
Daniel war eh schon immer so ein Spezialist. Er hat es auch fertiggebracht, mich für eine Spanisch-Muttersprachlerin zu halten, wohlgemerkt nachdem wir uns etliche Minuten lang unterhalten hatten. Ich kann es mir nur so erklären, dass er auch gerade neu in Spanien war und noch geistig verwirrt. Vielleicht hat er die Information, dass Leute nicht überall das gleiche Spanisch reden wie bei ihm zu Hause in México, zu wörtlich genommen.

Später heute wird sich eine ziemlich wichtige Sache entscheiden. Und zwar würde ich sehr gerne in dieses Haus einziehen, das in der Mitte von Nirgendwo zwischen Stadt und Lande steht und über nicht ganz optimale Busanbindung, dafür aber Kilometer von Feldern ringsrum, Obstbäume nebenan und einen unfassbaren Charme verfügt. Die Frage ist, ob ich es schaffe, Trudi dafür zu begeistern, dass sie ab August einen knappen Kilometer zur Bushalte joggen kann oder aber schleunigst ihr geliebtes Fahrrad aus Böblingen von ihren Eltern importieren sollte.
Ich war heute spontan mit Sarah da; wir waren eh in der Richtung auf einem Mini-Flohmarkt und es war so wunderbares Wetter. Also warum nicht – ein kleiner Ausflug hat noch keinem geschadet. So bin ich zumindest auf die Abwesenheit von alle Viertelstunde bedienten Bushaltestellen im näheren Radius schon gebührend vorbereitet; Trudi dagegen wird es wie ein Schock treffen, vor allem weil sie aus irgendeinem Grund immer noch nicht zu Hause ist und ich es wahrscheinlich nicht schaffe, vor dem Besichtigungstermin morgen um viertel vor sechs noch mit ihr zu reden. Argh, das ist nicht gut. Gar nicht gut.

Ich bin schon wieder abgehauen gerade, um mich nochmal genauer mit den Busfahrplänen zu beschäftigen – damit ich Trudi wenigstens sagen kann, wie sie nun eigentlich da hinkommt. Sie wollte direkt nach der Uni kommen; hoffentlich bekommt sie es hin. So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Wir haben.. bzw, „das Haus hat“ (um nicht schon anzufangen zu träumen – es ist doch merkwürdig; ich habe nie in meinem Leben getagträumt, nie, aber seitdem diese Wohnungssuche angefangen hat, erwische ich mich immer wieder dabei. Und jetzt erst recht, wo ich die Traumwohnung gefunden habe) sogar eine Haltestelle direkt vor der Tür – da fährt sogar ein Mal pro Stunde einer. Hey, das ist doch völlig akzeptabel. (Oh, ich höre mich schon jammern im Winter. Ich werde mich so hassen im Winter. Wie konnte ich nur, wie konnte ich hierherziehen, werde ich denken. Würde ich denken. Argh.)

Du hättest das Mohnfeld sehen sollen. Was ist deine Meinung zu Mohn? Ich liebe Mohn. Und es ist einfach direkt neben dem Haus ein ganzes Feld davon. Ein Feld voller Mohn. „Im Felde, da blühen die Mohnen – ich würde hier gern demnächst wohnen“, sagte ich zu Sarah, die mich vermutlich eh schon halb für wahnsinnig erklärt hatte. So machte es also gar nichts, dass ich mit meiner (dieses eine Mal beabsichtigten) Reimerei wieder anfing.

Ich sehe schon meinen Hühnerverschlag vor mir; ich sehe ihn schon vor mir. Oh, ich glaube es ja gar nicht. Es ist ein einzelnes Haus mitten im Nichts. Wenn die Vermieter nicht lärmempfindlich sind, wird es das Paradies auf Erden. Ich darf keine Katze haben dort, aber so schlimm ist das ja gar nicht – die frisst vermutlich eh nur die Hühner. Und das soll sie doch nicht.

Ich hab‘ ihr jetzt eine Aufnahme gemacht; fünf Minuten lang versuche ich ihr zu erklären, 1) wie sie zu dem Haus hinkommt und 2) warum das Haus epic ist und wir hinziehen sollten.

Ich werde direkt von der Arbeit hinfahren. Deshalb gehe ich heute um 12 arbeiten, nicht erst um 1, so bekomme ich die verlorene Stunde wieder rein.

Und zur Post muss ich noch, das mysteriöse Einschreiben abholen. Ich fürchte fast, heute ist der letzte Tag. Was machen sie mit Einschreiben, die niemand abholt? Wegschmeißen? Wie brutal das wäre.

Wenn es klappt mit der Wohnung, könnten wir im August einziehen. Perfekt, um noch rechtzeitig bei Seezeit zu kündigen.
Argh, ich muss aufhören. Pessimistische Ader, komm zurück, renn nicht so schnell weg vor mir, du wirst gebraucht hier.

Wenn ich erstmal ausziehe…

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Wenn ich erstmal ausziehe, wird hier eine leere WG zurückbleiben.

In erster Linie, weil ich Trudi mitnehme. Wenn wir wegsind, ist hier niemand mehr, der Leben reinbringt. Wenn ich das richtig verstehe, war ich erst diejenige, die es hier hereingebracht hat Anfang des Jahres. Das sagt Trudi. Aber sie wollte auch immer leben. Es hat nur keiner mitgemacht. Daher: Wir sind die Lebendigen.

Außerdem – und darauf haben sie hier letztes Semester schonmal einen Vorgeschmack bekommen – bin ich nunmal auch das Urgestein in der WG, zweieinhalb Jahre habe ich hier gewohnt und sie so gut es ging mit allem ausgestattet, was ich zum Leben so brauche. Dieses Alles wird fehlen hier, da bin ich mir ziemlich sicher. Geschirr, Besteck, Mixer, Reiskocher, Fritteuse, Pürierstab, Wasserkocher – auch wenn er tropft, es ist trotzdem der einzige, den wir haben. (Naja, ich werde ihnen meinen superundichten funktionierenden Zweitwasserkocher für den Übergang dalassen.) Gartenstühle, Blumentöpfe, Küchenschere, Korkenzieher, Gemüsereibe, das Obstregalchen, Salatschüsseln, Eiswürfelformen, Kuchenformen, Plätzchenformen, Muffinformen. Töpfe, Pfannen, Schneidebrettchen. Meine ganzen enormen Tee-, Gewürz- und Essensvorräte. It goes on and on.

Und Trudi gehört die Mikrowelle. Meine Güte, wir werden so einen Kahlschlag hier veranstalten.

Gowai, bin ich müde. Ich bin vor einer Stunde von Panik aufgewacht, seit langer Zeit mal wieder. Nichts, das man nicht verkraften könnte (und ich musste eh früh aufwachen heute, um noch mit Mama zu reden und dabei aufzuräumen, weil JO heute Nachmittag kommt und mein Zimmer ein Chaos ohnegleichen ist), aber es macht sich die Abwesenheit von genügend Cipralex in meinem System langsam bemerkbar. Ich bin ja mal gespannt, was das gibt. Schwälle von Emotionen aller Art haben sich auch schon wieder eingestellt. Die sind mir teilweise sogar willkomen – so geregelt und sanft, wie das zu Medi-Zeiten ablief, kam ich mir schon fast wie ein Übermensch vor.

Konfuse Träume hatte ich, von Brot, dem Makler und noch dreitausend anderen Dingen, an die ich mich nicht mehr erinnere. Aber wenigstens hat mir der Makler im Traum mal geantwortet. Besser als die Realität. Argh.