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Ich darf faul sein. Noch ist Winter.

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Es ist so grau mal wieder da draußen, dass ich mir nicht einmal böse bin, heute bisher original nichts getan zu haben. Wenn man von dem Versuch, mich auf der Webseite der Post zu registrieren, um mir online Briefmarken erstellen zu können, einmal absieht (die Registrierung war notwendig, um das Lastschriftverfahren nutzen zu können, aber die Seite wollte mein gewähltes Passwort einfach nicht gelten lassen und behauptete stur, es würde nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechen, obwohl es vier von vier Bedingungen erfüllte und beim Erstellen „sehr sicher“ drunterstand. Yay, wie ich so etwas liebe – wer nicht? Dementsprechend enthält dasjenige Passwort, das die Seite dann lustigerweise lieber akzeptieren wollte, eine wüste Beleidigung und nicht mehr Sonderzeichen als vorher).

Gestern dagegen, nachdem sich Basti wieder nach Hause aufgemacht hat, war ich wenigstens pseudoproduktiv. Ich hatte mir am Montag im Mannheimer Oxfam-Laden eine Kette gekauft, die ich dann gestern zur Ohrhängerproduktion auseinandergenommen und gleich weiterverarbeitet habe; ich habe so viele Ohrhänger produziert gestern, dass mir die Hänger ausgingen und nun etliche fertige Exemplare noch in der Kiste darauf warten, dass ich mir neue bestelle. Gute Idee, das könnte man gleich einmal tun. Hier sind jedenfalls die vier, die noch das Glück hatten, Hänger abzubekommen. Die neuen Perlen sind die dünnen, länglichen, schimmernden weißen und blaugrünen am ersten und dritten Paar von rechts, ein guter Fang, wirklich.

Ohrhängerchen.jpg

Einen weiteren Erfolg habe ich gestern gefeiert: Mein erster verkaufter Artikel bei Ebay Kleinanzeigen! Absurd, wie ich mich gefreut habe, dass jemand mein aufblasbares Reisekissen haben wollte, das mir Sarah und Pedro mit Hinblick auf meine, äh, Namibia-Reise vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt hatten. Trotzdem, ich habe meine ersten 10€ verdient und somit einen ersten Schritt dahingehend getan, meine Bestell-Eskapaden der letzten Wochen wieder zu kompensieren. Und weitere werden folgen, da bin ich ganz zuversichtlich – bei dem ganzen wunderbaren Krempel, den ich noch dort vorhabe hochzuladen.

Was noch? R hat mich allen Ernstes gefragt, inwieweit er mir bei meiner Hausarbeit mentale Unterstützung zukommen lassen soll; ich war verblüfft und meinte zu ihm, hätte ich das auch nur ein Mal während meiner Bachelorarbeit zu hören bekommen, hätte ich die vermutlich doppelt so schnell geschrieben. Aber was wundere ich mich überhaupt; es ist ja nicht, als wäre er noch der gleiche Mensch wie in Konstanz. Ich lobpreise mein Schicksal sowieso täglich für die Wandlung, die er nach dem Umzug vollzogen hat. Und stelle im direkten Anschluss daran meistens fest, dass ich mich dafür ganz schön hängen lasse. Aber es tut so gut, weißt du, sich nicht immerzu anstrengen zu müssen. Ich habe ein bisschen Hängenlassen redlich verdient. Solange ich irgendwann – und spätestens dann, wenn es Not tut – auch wieder damit aufhöre.

18 Liter Rhinozerus

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So. Produktiv ist zwar was Anderes, aber ich habe immerhin

  • das Formular für die Verzichtserklärung an meinen alten Handyanbieter geschickt
  • die Bestellung für meinen Handyvertrag ein zweites Mal ausgeführt, nachdem die erste schon zu lange her war und inzwischen ohne mein Zutun wieder storniert wurde
  • einen Dörrautomat voller Rosinen-to-be im Bad laufen
  • eine Monster-Massenbestellung Rhino’s Energy Drink für R getätigt (nach erneuter gründlicher Recherche über dessen Inhaltsstoffe, bis ich zu dem Schluss kam, dass er auch definitiv vegan ist) – jetzt muss ich nicht mehr mit ansehen, wie er sein Geld für  unökologische 250-ml-Dosen Red Bull zum Fenster rausschmeißt
  • ein Poster und zwei Hanf-Raumduft-Anhänger zu Free your Stuff gestellt.

Deshalb verleibe ich mir den Red Bull aus R’s Arbeitsvorrat mit halbwegs erträglichem Gewissen ein (plus, ich habe ihn vorher gefragt) und harre der Dinge, die da nun noch kommen. Eine Sache muss ich noch für die Uni erledigen – wollte ich seit Tagen tun, aber meine Güte, es ist so überflüssig.

R hat sich wieder hochdiszipliniert um sein Papierchaos gekümmert, wie er es seit Wochen an freien Tagen zu tun pflegt – zehn Jahre Messiedasein ist er am Aufarbeiten; ich bin unsagbar froh darüber und mache mir gleichzeitig so meine Gedanken über diese neue Rollenverteilung, die sich hier so ergeben hat. Es ist ungewohnt und ein wenig besorgniserregend, um halb zwölf Uhr aufzustehen und einen seit Stunden aktiv seinen Kram sortiert habenden R anzutreffen, der einem verkündet, alle grundlegenden Bestandteile für ein leckeres Frühstück seien vorbereitet in der Küche vorzufinden. Kaffeewasser sei warm, meine Tasse schon mit allen Zutaten gefüllt neben der Mikrowelle und er würde mir nur noch die Schichtarbeit überlassen.

Also schichtete ich Tomaten, Salat, Gurken, Salami und Rührei auf Brote und fertig war das Frühstück. Wir waren gestern zusammen containern, und ein Glück war ich nicht allein, die Ausbeute war wieder derart übertrieben, dass wir schon zu zweit bedauerlich viel zurücklassen mussten. Aber unsere kombinierten Kapazitäten reichten immerhin aus für drei enorme Eimer Sahnesauce mit Äpfeln und Zwiebeln, Kartoffel- und Nudelsalat sowie acht 1-l-Packungen „Schlemmer-Rührei“, eine Tüte geraspelten Rotkohl und etliche Minipackungen Sojasahne. So muss das laufen; ich bin entzückt.

Oder sollte entzückt sein; zu unverfälschten emotionalen Reaktionen sehe ich mich medi-induziert wieder mal nicht in der Lage. Ich bin am Überlegen, einen Absetzversuch mit begleitender Therapie zu starten. Überweisung und zwei Empfehlungen für taugliche Therapeutinnen hätte ich ja sogar bereits. Hm. Ich werde nochmal drüber nachdenken.

Jetzt noch eine Runde zocken. Wieso auch nicht.

Leben! Ja! (Happy holidays.)

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Ich habe das Gefühl, ich wache auf. Ich merke es an allen möglichen Ecken und Enden, vor allem daran, dass ich den Dingen wieder ins Auge sehen kann.

Ich möchte mein Aufwachen gar nicht so sehr zelebrieren, wie ich es tue, denn natürlich weiß ich nicht, wie lange es diesmal anhält. Aber wenn es nun einmal das erhebendste Gefühl der Welt ist…Yes, meine Gefühle sind wieder da!

Ich habe eine Hunderterpackung Escitalopramtabletten in meiner Tasche. Neunundneunzig sind noch drin. Dieser riesige Stein, der mir damit vom Herzen fällt. Dazu bekam ich von der überaus freundlichen Psychiaterin auf meine Nachfrage hin zwei Empfehlungen für Psychotherapeuten, bzw. -innen, deren Art der Interaktion mit dem Patienten sich (ich habe mich vergewissert) grundlegend von der meiner damaligen Therapeutin unterscheidet, und eine entsprechende Überweisung noch dazu, und eine neue Diagnose: Ich habe mich dieser zufolge von mittelschwerer zu leichter Depression hochgearbeitet, oder besser gesagt: wurde von den Medis dorthin hochgeschaukelt. Jetzt kann ich mir überlegen, ob (und ich hätte fast Lust darauf) ich an den verbleibenden meiner Mängel nochmals im Zuge einer Therapie versuchen möchte zu arbeiten. Auch wenn es mir, wie ich heute der Psychiaterin auch sagte, im Vergleich zu Prä-Medi-Zeiten ja wirklich um solche Welten besser geht, dass ich kaum wage, mich zu beschweren.

Ich habe eine feste Verabredung mit R, heute Abend Regale anzubringen. Das wird mir guttun, denn jedes wieder angebrachte Regal bedeutet natürlich den Einzug von einem Funken mehr Ordnung auf unsere Baustelle. R ist unheimlich genervt von meinen einrichterischen Unternehmungen (Marke Hochbett und damit verbundene Umräumaktionen). Ich habe versucht, ihm begreiflich zu machen, dass es mir damit kaum besser geht, was zwar paradox erscheinen mag bei der Häufigkeit, mit der diese bei mir auftreten, doch (wie ich hoffe) verständlicher, wenn ich Caros einstige Feststellung anbringe, ich würde einfach sehr viel auf mich nehmen, um ein gewisses Resultat zu erzielen (damals ging es um die Mengen an Essen, mit denen ich mich foodsharerischerweise abgeschleppt habe, vor denen Andere vermutlich kapituliert hätten).

Ich habe mich, wo ich schon beim Thema bin, auch zum ersten Mal im Leben auf foodsharing.de selbst in ein Abholteam eingetragen. Wir haben in Konstanz nie wirklich mit der Website gearbeitet und alles über Facebook und Google organisiert, sodass ich selbst als Betriebsverantwortliche bisher mit der Seite nichts zu tun hatte. Ich mochte die Organisation in Konstanz wesentlich lieber, aber ich schätze, es macht schon Sinn, die Seite zu nutzen, wenn man in einer Stadt von doppelt so großer Bevölkerung agiert. Irgendwann kann man eben nicht mehr alles zentral organisieren. Was ich extrem schade finde, aber okay.

Ich habe meine Katze auf dem Bauch liegen, zwischen mir und dem Computer, und höre sie ganz leise schnurren. Sie ist eine komische Katze, deren Schnurren man kaum je zu hören bekommt, obwohl die Vibrationen häufig zu spüren sind, wenn man sie streichelt. Und ab und an, wenn sich ihr Schnurren doch einmal auf eine für menschliche Ohren wahrnehmbare Lautstärke heraufschraubt, alle Jubeljahre mal, ertönt eine Art verstopftes Geräusch, das mich immer denken lässt, dass ihre Schnurrkanäle Aktivität dieser Klasse kaum gewohnt sind und zwischendurch einrosten.

Ich werde von Kommilitoninnen gefragt, ob ich mit in die Mensa komme, mehrmals, und eingeladen, sie nach der Uni zu begleiten – wie heute -, um eine weitere Kommilitonin vom Probearbeiten im um die Ecke gelegenen Café abzuholen und bei der Gelegenheit selbst noch einen Kaffee zu trinken. Das hört sich so unheimlich selbstverständlich an, aber auf der Radfahrt bis zur Bushaltestelle wurde mir wieder einmal klar, wie undenkbar es noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, diese Art Leben zu führen. Und so bin ich wieder dankbar, obwohl es grau draußen ist, und kann, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon lebe, so wie es Kepa neulich tat, ohne Zweifel und mit gutem Gewissen antworten, dass es schon vier ganze Jahre sind.

upworthy.com

Music, once again I am humbled by your omnipotence.

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Ich bin noch immer wach und Denak ez du balio erscheint mir wie das größte Wunder aller Zeiten. Ich sitze herum und kann es nicht glauben, lache gestört vor mich hin und labe mich an der schieren Unwahrscheinlichkeit der mühsam, aber so liebevoll geformten baskischen Wörter aus dem Mund eines Chicagoer Musikers von Weltruhm und Weltklasse, im perfekten Einklang mit der bei aller Eindrücklichkeit so unnachahmlich beiläufig artikulierten Erststimme von Gorka, dem Muttersprachler; diese kaum zu begreifende Konstellation, diese so unvergleichlich wertvolle Geste, die Tatsache, dass Verbindungen, die das ermöglichen, durch Musik entstehen können, das ist doch ein Wunder. Eins von der Sorte, die ich absurderweise gleich mehrfach im Leben selbst genau so erleben durfte.

Geroa eta iragana ezabatuak izan dira. So komm ich mir vor gerade, genau so.

Oh, was war das überfällig, ich habe die Droge so lange nicht zu spüren bekommen. Das hat man davon, sich irgendwann im Leben mal gerafft zu haben und immer pünktlich ins Bett zu gehen. Was für eine Verschwendung von Momenten auf Droge. Und natürlich, es ist Herbst. Herbstschlaflos.

Hunger.

Ein Esel zwischen den Solarplatten

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Yo, ich bin umgezogen. Ein bisschen zumindest; gerade hänge ich in R’s alter Küche und versuche mehr oder minder erfolglos, die mich seit Tagen plagenden, von herausbrechenden Weisheitszähnen verursachten Schmerzen im Mund zu ignorieren. Sämtliche Arzneimittel in der neuen Wohnung zu lagern war, gelinde gesagt, ein Fehltritt. Unter Anderem auch, weil meine lebenswichtigen Anti-Depri-Medis, inklusive der zum Hierbleiben gedachten Schachtel, ebenfalls darunter sind. Ein Glück holte mir R gestern neue, so blieb ich keinen Tag ohne meinen Suchtstoff und musste mir wenigstens darum keine Sorgen machen, während ich versuchte, die Höllenschmerzen in Kopf, Nacken, Mandeln und Mundraum so gut es ging zu verschlafen. Boah, war das furchtbar. Aber es bessert sich schon wieder.

Zwischen Anfang der Woche und dem jetztigen Zeitpunkt lagen einige, um nicht zu sagen etliche Ereignisse. Vom körperlich nicht gerade unanstrengenden, aber durchweg erfolgreichen Umzug über zertrümmerte Zeigefinger, nervenzermürbende Auseinandersetzungen und den erwähnten von R auf der Rückfahrt nach Fast-noch-Zuhause gesichteten Esel bis hin zu einem nun bereits tagelang andauernden, fast unwirklich anmutenden Zustand stressfreien, demonstrativen Geliebtwerdens.

Gerade Letzteres sticht heraus und versetzt mich in eine beinah unvorsichtige Hochstimmung ungeahnter Ausmaße. R nahm sich ab Umzugstag eine Auszeit vom Firmenaufbau und ist seither auf eine völlig ungewohnte Art in etwas präsent, das die Bezeichnung eines gemeinsamen Lebens ohne Wenn und Aber verdient, fast erstmalig in dieser langen Zeit. Liebevoll, partizipativ, aktiv involviert, gutwillig, hilfsbereit, anerkennend, positiv, aufmerksam. Präsent. Es zerreißt mir bald das Herz, mir vorzustellen, dass das wieder aufhört. Ich kann mich nicht erinnern, mich von dieser Person je so lange an einem Stück geliebt gefühlt zu haben. Irgendwo doch ein wunderbares Zeichen für diesen Umzug.

Und nun noch die News des Jahrhunderts: Wenn es gut läuft, schafft es R morgen, eins meiner allerliebsten Computerspiele vergangener, aber ganz sicher nicht vergessener Zeiten mithilfe seines DOS-Emulators wiederzubeleben: Swing. Da R, wie eben geschildert, momentan ganz wunderbar lieb ist, hat er heute schon damit angefangen und sich der Tatsache zum Trotz, dass er eigentlich schon loswollte, redlich bemüht, die Probleme, die ich damit hatte, aus dem Weg zu räumen. Sogar noch, nachdem ich ihm sagte, es hätte ja noch Zeit bis morgen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, ihn am Weggehen zu hindern. Oh, was war es brutal: Das Spiel ließ sich bereits öffnen und das altbekannte, so viel versprechende und an so Vieles erinnernde Hauptmenü erschien; du konntest auch alles Mögliche einstellen, nur ein neues Spiel starten lassen wollte es dich nicht. „You can’t start a new game – you opened game as a network client.“ Oder so. Hilfe, ich kann bald nicht mehr; die so vertrauten Soundeffekte und der Anblick der wunderbaren Extras waren schon genug, um mich hyperventilieren zu lassen. Wenn das morgen funktioniert, werde ich mich nie mehr darüber beschweren müssen, alleine zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Nie fucking mehr.

Signs and miracles still happen. [Oder so.]

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Morphologie fällt aus.

Ich komme mir geringfügig betrogen vor.

Statt also meine grandiose Präsentation zu halten und mich damit zu brüsten, was ich innerhalb eines halben Tages alles geschafft habe mir an Halbwissen über die morphologische Konversion einzuverleiben, sitze ich nun vor der Uni auf einer Bank im Halbschatten, habe meinen ersten Thermoskannendeckel Kaffee verdrückt und erfreue mich am Baustellenlärm aus Richtung der N-Bib. Die letzte Vorlesung meines Semesters ist in anderthalb Stunden; bis dahin wird sich vermutlich an meinem Zustand jetzt nicht viel ändern.

Ich kann es nicht glauben. Zeit. Vielleicht sollte ich schonmal anfangen, das Term Paper zur Präsentation zu schreiben, solange das Halbwissen noch frisch ist.

Gesagt, getan. Ich kann es nicht glauben. Ich habe angefangen. Ich sitze hier und schreibe eine Seminararbeit, die sich allein durch ihre Bezeichnung von einer stinknormalen Hausarbeit unterscheidet, und ich schreibe sie einfach. Plank, ich liebe Sie allein dafür, dass Sie heute Morphologie haben ausfallen lassen und mir damit die Möglichkeit gegeben haben, diese einzigartige Erfahrung zu machen. Ich habe mit etwas angefangen. Ohne Zeitdruck, ohne alles. Draußen, vor der Uni, unter einem Baum. Es fühlt sich so nach Leben an.

Mich hat ein winziges, kugeliges Insekt gestochen, und es tut weh.

Ich mache weiter.

Edit: Ich habe weitergemacht, und dann habe ich mit Kepa geschrieben, der sich erstmals aus dem Baskenland gemeldet hat. Meine Kaffeekanne ist fast leer und meine Laune ist im Hyperbereich. Kepa und Kaffee sind immer eine gute Mischung. Was freu‘ ich mich nen Keks, dass es diesen Mensch gibt. Er ist so gestört wie intelligent und vereint überhaupt zahllose Eigenschaften, die ich bei mir selbst wiederfinde und die an ihm zu beobachten mir hilft, sie an mir selbst zu lieben. Er kennt mich, er mag mich, er macht mir verlässlich gute Laune und ich habe meinen Crush auf ihn vollständig überwunden. Was gibt es Besseres.

Oh, was bin ich glücklich.

Ich mache weiter.

Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.

Wunder, oh Wunder.

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So. Caro ist weg, R ist weg, ich geh‘ arbeiten. Rede heute Abend mit Laura, die mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, spontan vom 2. bis 6. irgendwo hinzufahren. Und mit Caro, bevor die morgen nach Portugal entfleucht. Unwirklich. Sonntag bin ich dann wohl in München; R schien für seine Abreise vorhin einen ähnlichen Grad an Begeisterung aufzuweisen wie ich, und mir passt es super in den Kram, schonmal ein Stück weiter oben zu sein, wenn ich ab dem 2. eh mit Laura unterwegs bin. Von München aus bin ich im Zweifel schneller da, egal wo es uns am Ende hinverschlägt.

Es wird jedes Mal schlimmer mit diesem Kerl, oder eher damit, ihn wieder weggehen zu lassen.
Ein einziges Rätsel, das alles. Ich habe im Lauf der letzten Tage noch einige der skurrilen, einzigartigen, bemerkenswerten Gestalten kennengelernt, die er in dieser Stadt zu seinen Freunden zählt, und frage mich wieder einmal, wie um alles in der Welt ich da reinpasse. Ich bin dieser formlose Mensch zwischen all den herrlichen Ecken und Kanten und Mustern und Farben. Aber ich werd‘ mich nicht beschweren; wenn er meint, ich kann da mithalten, dann ist dem offenbar so. Auch wenn ich mal wieder nicht die geringste Ahnung habe, wie ich das mache. Und dann ist er derjenige, der singt, „es gibt doch sooo viele Männer.. Warum gerade ich, frag ich mich“ – frei nach Funny van Dannen. Versteh einer diese Welt.

Ach, ich hab‘ so keine Lust, arbeiten zu gehen. Argh. Ich bin müde wie Teufel. Die letzte Woche war einfach nur wunderschön. Genau wie die davor. Und Caro geht es besser.
ABER ICH BIN SO MÜDE. Ich pack‘ niemals acht Stunden Arbeit heute. Trudi verkündet mir, dass man beim Kaufland jetzt Jamie-Oliver-Grillsachen für seine Treuepunkte bekommt. Ich bin davon nur mäßig beeindruckt, was vermutlich verständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Leben hoffentlich nie mehr dazu kommen werde, eine derart horrende Menge an Kaufland-Treuepunkten anzusammeln, dass ich sie gegen Jamie-Oliver-Grillsachen eintauschen könnte.

Ach Fuck. Which reminds me, ich muss noch beim Großhandel vorbeifahren, um für Basti das Tomatensuppenpulver einzusammeln, welches er gestern dort gesehen und dann aber keine Kapazitäten hatte mitzunehmen. Shiiit, ich muss mich fertigmachen. ICH BIN DOCH SO UNGLAUBLICH MÜDE.

Mein Zimmer sieht aus wie Sau. Naja, es könnte schlimmer sein, aber dass ich vor drei Tagen hier Großputz veranstaltet habe, glaubt mir bei dem Anblick definitiv niemand. Caro vielleicht, die dabeiwar. Sonst womöglich noch Kepa, dem das Vermüllungsgesetz ja auch zur Genüge bekannt ist. Mit dem sollte ich auch die Tage mal reden; jetzt ist er zwar erstmal in Köln, aber irgendwann muss ich doch auch mal Details über Namibia erfahren. Meine Namibia-Reise, die er letztendlich ohne mich unternommen hat. Während ich überglücklich zu Hause hing. Ein Hoch auf abstruse Zufälle.

Mir fehlt ein Stück vom Daumen, aber sonst ist alles gut.

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Uff, was war das bitte für ein desaströser Abend.

Meine Stimmung ist wieder im Normalbereich. Das habe ich der Reihe nach Robert, JO und Caro zu verdanken, die mich etliche Stunden lang verlässlich und geduldig ertragen haben (sowie vermutlich ein klein wenig der Tatsache, dass 1) noch Kokosmakronen dawaren, die ich in mich reinstopfen konnte, und 2) sich der arme Kerl, auf den momentan mal wieder all meine Zustände irgendwie projiziert werden, am Ende doch noch gemeldet hat und ich somit beruhigt ins Bett gehen kann).
Ich habe gestern während der Autofahrt zurück nach Hause erst wieder festgestellt, dass unter meinen sprichwörtlich an einer Hand abzählbaren guten Freunden, am heutigen Tage, wenn ich wollte, mit Leichtigkeit eine Quote von bis zu 100% Redundant Nimrods bzw. RN-relateden Personen anzusiedeln wäre. (Welch abstruse Windungen das Leben doch aufweist.) Da ich aber zu privilegiert für diese Welt bin, habe ich mehr als fünf exeptionelle Freunde und erachte es für weder nötig noch sinnvoll, unter ihnen noch Hierarchien aufzustellen.

Statt das weiter auszuführen oder anderweitig zu philosophieren anzufangen, sollte ich jetzt allerdings mal schlafengehen, um die Wunder der Syntax nachher in halbwegs wachem Zustand erleben zu können.

Mirakuluak

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Also. Ich habe soeben versucht, einer leeren Sagarnoa-Flasche den Kopf abzubrennen, was irgendwie schwieriger war, als es in der Videoanleitung aussah (wie so oft…) und zu einer erstaunlichen Ansammlung bunter Stofffadenreste in meiner Küche, einer zerklüfteten Flaschen-Montserrat und einer neuen Blessur an meiner linken Hand geführt hat. Na, wieso auch nicht. Ich hatte immerhin noch genau eins von WG-Sarahs Kinderpflastern in meiner Küchenschublade, und der Brandfleck von meinem Küchenlampendebakel am Abend unserer Einweihungsparty ist schließlich auch schon fast weg. Es wurde höchste Zeit für eine frische Wunde.

Davon abgesehen habe ich unerwartet einen freien Samstag geschenkt bekommen. Stellt sich heraus, nicht nur hatte Becci keine Ahnung mehr, dass wir Samstag zu ihr wollten, sondern auch niemand der restlichen Verdächtigen. Entweder war das eine Wahnvorstellung von mir oder aber ich bin von Dementen umgeben. (Übrigens Beccis angedachtes Bachelorarbeitsthema, Demenz. Wie passend.)

Also habe ich eben mit entsetzlich schlechtem Gewissen meiner Mitfahrgelegenheit abgesagt und mir gleich für Sonntag eine neue gesucht. Bzw es versucht; meine einzige Hoffnung war jemand, der mir gerade eben mitteilte, dass sein Auto kaputtgegangen ist und er daher doch nicht fährt. Herrlich. Das heißt, mir stehen sechs Stunden Busfahrt bevor. Wie gut, dass ich zumindest noch Zeit habe, mir das letzte Rise Against-Album auf den iPod zu ziehen, dann kann ich die Fahrt sinnvoll zur Konzertvorbereitung nutzen.

Hach. Wäre Pedros Absturzparty nun morgen und nicht heute, hätte ich doch noch bei ihm vorbeischauen können. Wobei, das hatten wir doch schon alles, dann würd‘ ich mich bei RA am Ende noch vor Energielosigkeit kaputtmoshen lassen. Außerdem kommt er nächste Woche her und wir veranstalten unsere euskal afaria. Mit Rini. Einer der Beiden könnte Simón noch dazuzitieren. Und Lisa kommt auch. Marc muss ich auch fragen. Und ich hoffe, ich bekomme Elke und Gloria überzeugt. Daniel sollte ich eigentlich auch dazuholen. Falls es spät wird (was zu hoffen wäre), sitzen wir dann am nächsten Tag zumindest alle vier zermatscht im Euskera-Training.

Wieso auch immer, aber mir fällt auf einmal wieder ein, was Mama vor drei Jahren und ein paar Zerquetschten zu mir sagte. „Du hast in einer Scheinwelt gelebt.“
Natürlich fing ich damals an zu heulen.
Meine Güte, was ist das lang her.

Ich bin dafür, dass alles, was ich heute bin und habe, ein Wunder ist. Ich bin mal wieder für jeden letzten Fetzen meines Lebens dankbar.