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Untot (aber dafür lebendig)

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Shit. Shitshitshit. Ich hätte schreiben sollen; ich lebe doch und komme nicht mit Berichten hinterher. Vielleicht zwinge ich mich Freitag zu einem Monstereintrag, der so viele Ereignisse aus der bisher vergangenen Woche abdeckt wie möglich. Jetzt kann ich diesen jedenfalls nicht verfassen; meine gewohnte Aufstehzeit liegt momentan leider immer noch bei 12, und da mich meine Eltern morgen um 7.15 Uhr abholen werden, muss ich ihnen gezwungenermaßen als Zombie entgegentreten. Immerhin als ein mit Frühstück für alle ausgestatteter Zombie, dafür habe ich eben noch gesorgt, was wiederum einer der Gründe ist, aus denen ich überhaupt morgen temporär zum Zombie werde.

Ach, who am I kidding; als wäre es mir gelungen, um zehn Uhr einzuschlafen.

Der 12. ist ein Tag, an dem sich Vieles entscheiden wird. Es ist Notartermin, um halb elf, es wird sich also herausstellen, ob meine Eltern es tatsächlich geschafft haben, sich diese Immobilie an Land zu ziehen, oder ob wieder etwas dazwischenkommt und ich doch wieder wohnungslos bin.

Gesetzt den Fall, es ereignet sich Ersteres, wird danach direkt im Anschluss die Küche geplant. Die Vormieter sind entsetzliche Leute, was letztendlich dazu führt, dass wir erst nach ihrem Auszug die Wohnung wieder betreten können, um genaue Messungen vorzunehmen. Und überhaupt, um die Wohnung noch einmal zu sehen, bevor man einzieht.

Dann werde ich morgen auch erfahren, wann ich die Schlüssel bekomme. Es konkretisiert sich also alles; das sind schon wieder Lappalien, mit denen man sich herumschlagen muss. Schlüsselübergabe, Flugbuchung, Terminkollisionen. (Das nur bereits als Ausblick auf den in Bälde folgenden ausführlichen Lagebericht.) Ich bin zurück  unter den Lebenden. Danke, Gowai; es wurde Zeit.

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If only a day had 48 hours.

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Arbeit. Ich habe acht Touren übersetzt und bin jetzt an der neunten, wobei mein selbstgesetztes Pensum schon wieder erfüllt und damit augenblicklich jede Motivation verschwunden ist, noch weiterzumachen.

Ich bin ganz eindeutig nicht dokumentationsfreudig genug dieses Jahr. Heute Vormittag habe ich irgendwo einen Artikel über die Vorzüge des Tagebuchschreibens und des Schreibens im Allgemeinen gelesen und dabei mein Hauptproblem bestätigt gesehen – das Umso-weniger-schreiben-je-mehr-tatsächlich-passiert.

Nein, wirklich, irgendwas muss ich unternehmen. Ich scheine keine Zeit mehr zu haben, um auch nur mit meinen besten Freunden regelmäßig zu reden, wenn überhaupt mal – mit den gleichen Menschen, mit denen ich mir Anfang Januar noch jede einzelne Nacht Stunden bei Skype um die Ohren gehauen habe. Ich muss mich also irgendwie dazu bringen, zwischen dem praktisch bei mir wohnenden R und meinem Garten, dem Haushalt und dem Containern für mich allein Zeit zu verbringen, in der ich meine lebenswichtigen Menschen kontaktieren und mit ihnen mein Leben teilen kann, so, wie ich es um alles in der Welt eigentlich auch nie vorhatte zu unterlassen. Und dann am besten noch mehr Zeit, in der ich mein Blögchen aufsuchen und ihm mein Leben mitteilen kann, so detailreich und zeitaufwändig, wie ich es eigentlich immerzu gerne tun würde. Es geht so viel einfach verloren. Das widerspricht meinem kompletten Naturell (und meiner Dokumentationsneurose erst recht).

Meine Eltern haben ein Haus gekauft. Im Schwarzwald. Das ist auch wirklich aktuell und sozusagen die Nachricht des Tages – überbracht von meiner noch ganz unter Schock stehenden Mutter, die heute Früh anrief und mir sogleich anbot, dieses Wochenende mit ihnen hochzufahren und es zu begutachten. Falls sie am Sonntag fahren, werde ich die Gelegenheit definitiv auch beim Schopf ergreifen, R arbeitet eh und Bastis Geburtstag wird mich hoffentlich Samstagabend ja nicht so sehr in betrunkene Delirien versetzen, dass eine solche Reise am darauffolgenden Tag nicht möglich wäre. Fahren sie dagegen am Samstag, bleibe ich natürlich daheim; schlimm genug, dass ich es noch immer nicht hinbekommen habe, Bastis Geburtstagsgeschenk zu designen und zu bestellen (er kriegt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Lasst mich durch, ich bin Thorben“, habe ich beschlossen) – das kommt ganz sicher nicht mehr rechtzeitig an, dann muss wenigstens ich in Person dasein.

So, die neunte auch geschafft. Das reicht aber wirklich für heute. Oh, was freue ich mich auf Zuhause. Ungeachtet der Tatsache, dass ich dringendst dort aufräumen und putzen muss und überhaupt noch etliche Sachen zu erledigen habe, zu denen ich gestern dank unfassbarer Regelschmerzen nicht gekommen bin. Irgendwann bringe ich R dazu, in meiner Abwesenheit mal ein bisschen klar Schiff zu machen; irgendwann schaffe ich das.

Ich werde beim Großhandel vorbeifahren, auch wenn mein Kühlschrank bis zum allerletzten Zentimeter mit Joghurt verstopft ist. Ein Glück ist Trudi nicht da. Hannes treibt sich bei uns herum, was mich natürlich nicht sonderlich begeistert, aber immerhin werde ich ab nächster Woche drei lange, wunderbare Wochen ein garantiert hannesfreies Zuhause haben, wenn er dann mit Trudi durch Rumänien reist. Diese Aussicht hat mich sogar dazu gebracht, in den letzten Tagen wie mit einem ganz normalen Menschen mit ihm zu kommunizieren; ich habe sogar von mir aus das Wort an ihn gerichtet und ihm teilweise völlig ohne Notwendigkeit Informationen preisgegeben, zum Beispiel als er mich gefragt hat, was es mit meinem selbstgemachten Spüli auf sich hat. Alles, anders gesagt, was ich unter normalen Umständen bezüglich dieses Menschen tunlichst vermeide.

Jedenfalls befindet sich sehr, sehr, sehr viel Joghurt in meinem Kühlschrank und attackiert in regelmäßigen Abständen den armen R, der morgens zuverlässig eher in der Küche ist als ich und den ich jedes Mal vergesse über die erschwerten Umstände des Kühlschrankgebrauchs in Kenntnis zu setzen. Es kam gestern eben schon wieder eine neue Monsterladung dazu, was heute Früh dazu führte, dass mein Frühstück unplanmäßig aus einer Riesenschüssel laktosefreiem Joghurt bestand, dessen Verpackung den Fall aus der Kühlschranktür nicht völlig unbeschadet überstanden hatte. Vielleicht gar nicht so schlecht; irgendwie muss ich sie ja nun alle verwerten, bis Trudi wieder da ist und ihren Teil des Kühlschranks, mit Recht, wieder in Anspruch nehmen wird.

Hannes hat sich eine Unmenge Eintopf gemacht und auch dieser wird natürlich bei uns im Kühlschrank gelagert. Er will jetzt, dass wir den Rest davon essen, den er nicht mehr schafft, bevor er fährt. Würde ich doch nur gern Liebstöckel essen; sein Borsch besteht praktisch aus Liebstöckel. Oh tragisches Leben.

Ich werde jetzt meine heute übersetzten Touren mir alle nochmal einzeln zum Korrekturlesen vorknöpfen und dann, welch ein Segen, gehe ich heim.

Ich will doch nur schlafen.

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So, jetzt treibt sich also mein Couchsurfer irgendwo hier bei mir rum, während ich mich zurückgezogen habe, um weiter die Präsentation anzufertigen. Er hat heute auch die letzte BA-Klausur seines Lebens geschrieben (ist allerdings im Unterschied zu mir mit der dazugehörigen Thesis auch schon fertig) und weiß eine unglaubliche Menge über Minderheiten in Spanien, war mal zum Surfen in Hegoalde und liebt Barcelona über alles. Wir haben zusammen gegessen (ich hab‘ Giersch-Pesto gemacht und es ihm mit Nudeln vorgesetzt, es war wunderbar) und uns so gut es ging mit diesen Themen über Wasser gehalten, aber jetzt bin ich auch wirklich froh, dass ich wieder meine Ruhe habe. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil er jetzt wer weiß wo hängt und sich eventuell nicht traut, hier reinzukommen, weil er denkt, ich brauche meine Ruhe, dabei hätte er sich ruhig zu mir ins Zimmer gesellen können. Jetzt sitzt er irgendwo und ich hoffe einfach, dass er sich nicht unwohl fühlt. Ich habe ihm natürlich gesagt, dass ich arbeiten muss, aber aaargh, es ist so schwierig. Es widerspricht komplett meiner Gastgebernatur. Je weniger gut ich die Leute kenne, die mich besuchen, desto schwieriger fällt es mir, mich nicht komplett drüberzustülpen. Den Anderen traue ich es ja zu, sich zurechtzufinden oder sich zu melden, wenn sie irgendetwas möchten oder brauchen. Aber um so einen Fremden, der da jetzt seelenruhig bei mir im sich allmählich verdunkelnden Garten sitzt und liest, bin ich viel zu besorgt.

Jetzt arbeite ich aber wirklich an der Präsentation weiter. Der Akku steckt schon im Computer, sehr gut – nicht dass ich den nachher vergesse und dann ohne Strom da stehe. Am besten lade ich das fertige Ding auch nochmal auf einen USB-Stick, nur für alle Fälle.

Etymologische Betrachtung. Ich springe die ganze Zeit zwischen dem Eintrag hier und der Präsi hin und her und vergesse währenddessen, was ich eigentlich im Browser zu suchen hatte.

Jetzt überlegen, ob ich die Synkretismen drinlasse. Dafür, dass sie eigentlich gar nicht wirklich reinmüssen und ich eh nur in Ansätzen verstehe, was sie überhaupt sollen, sollte ich sie vielleicht wieder rausnehmen.

Ich sollte außerdem die Musik ausmachen. Musik im Hintergrund unterbindet, wie ich gerade mal wieder festgestellt habe, bei mir jegliche etwaige formulatorische Fähigkeit. Was richtet sie dann erst mit meiner Fähigkeit an, Präsentationen zu einem Thema zu erstellen, über das ich nicht das Geringste weiß.

I’m doomed.

So kommt wenigstens R auch mal dazu, das Bett in seinem Zimmer auszuprobieren. Bestimmt will er nie wieder hier schlafen, wenn er erstmal den Unterschied erlebt hat, den ein halber Meter Breite für seinen kaputten Rücken so ausmacht.

Ich muss noch Graziellas vier Folien einfügen. Ein Glück hat sie so wenige gemacht; ich darf sie erstmal alle aus dem .pdf als Screenshots abstrahieren und dann als Bild in meine .odp einfügen, weil das gute PowerPoint von meinem LibreOffice so schlimm verzerrt wurde, dass es ihre ganze Formatierung beim Konvertieren auseinandergesprengt hat.

Ich habe ein Riesenloch in meinen oberen Zähnen und sollte wirklich dringend mal zum Zahnarzt. Nachdem ich mich vier Jahre davor gedrückt habe, kann ich es jetzt offenbar nicht mehr vermeiden. Schade eigentlich. Ich dachte, mit Oil Pulling und Supirivicky komme ich da drumrum.

Müde, sehr. Aber ich kann nicht schlafen; zuerst muss ich die Präsi fertigstellen und dann kommt Basti irgendwann noch. Argh.

44

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So, R ist weg, Realität ist wieder da, gleich geh‘ ich zum Rank und danach mit Marie zur Tafel und danach zu Euskera und danach zu Elli, falls sie ausnahmsweise mal wieder zur vereinbarten Zeit Nachhilfe möchte. Ich hab Panik. Ich glaube, es hat mit der Tatsache was zu tun, dass ich dringendst was für die Uni tun müsste und einfach nichts tue. Das Übliche; trotzdem aber ein wesentlich angenehmerer Grund zur Panik, als ich sie sonst so kannte. Ich bin müde und will schlafen, was aber wenig Sinn hat, weil mein Wecker in vier Minuten klingelt. Ich würde gern meiner Mutter sagen, dass sie in einer bestimmten Sache definitiv falsch liegt, aber dafür müsste ich sie anrufen. Besser telefonisch als schriftlich; wer weiß, wer da bei ihr mitliest. Ich bin so froh über die Sonne. Mein Wochenende war wunderbar, wenn auch von Fails geprägt. Nothing happens the way you plan it.

Müde. Hunger. Müde. Panik. Argh. Test über mein mentales Alter ergibt 44.

Panik. Deadlines. Zeitmangel. Ineffizienz. Druck. Dieses Semester fertigwerden? Oder doch erst nächstes? Ratlosigkeit; was mach‘ ich, wenn ich fertigbin? Wo mach‘ ich meinen Master? Mach‘ ich dazwischen noch ne Pause? Ungewissheit; wohin geht R, wohin geh‘ ich, wo finden Basti und ich für unser Selbstversorgerprojekt ein geeignetes Haus und Grundstück? Wie weit weg von R? Oder gibt es doch eine Chance, dass er mitmacht, völlig wider seine Natur? Ich wage es gar nicht für möglich zu halten. Ich frage ihn auch nicht. Das klärt sich, wenn es soweit ist. Ich wäre schon dankbar für Unterstützung von seiner Seite. Falls seine Unterstützung in dieser fernen Zukunft in meinem Leben noch von Relevanz ist. Aber das zeigt sich, wenn es soweit ist.

Schlafen. Zehn Minuten noch, komm schon. Und dann auf in den Tag.

Badakit…

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… es ist keine gute Idee, um viertel nach vier noch wach zu sein, wenn man einen Tag der Sorte vor sich hat, die ich vor mir habe. Es hat sich trotzdem so ergeben. Und ich weiß auch (ere badakit), dass ich zu einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit diesen Tag irgendwie überleben werde. Vier Stunden und neunzehn Minuten davon habe ich ja bereits geschafft.

Der Plan: 8.15 – 11.30 Uni. Morphology II beim allerhöchstgeschätzten Herrn Plank. Und danach Neurolinguistik bei seinem Kumpel Eulitz. Nicht dass ich gewusst hätte, dass die beiden Herrschaften verkumpelt sind, das musste mir R erst eröffnen. Hätte er es lieber nicht getan; die Aussicht auf einen zweiten Plank in der zweiten Sitzung des Tages macht das Aufstehen nicht gerade erträglicher.

12.00 – 18.00 Arbeit. Oh je, wenn ich da mal nicht vor dem Bildschirm kollabiere.
Dann schnell, schnell für ein Stündchen nach Hause und dann kann ich auch schon wieder los zum Bus, der mich nach München bringt (hoffentlich). Natürlich gibt es viel zu viel, das ich in diesen anderthalb Stunden zwischen Arbeit und Losfahren noch machen muss. VIEL zu viel.

Jetzt hätte ich um ein Haar schon wieder vergessen, nachzusehen, in welche Räume ich da eigentlich nachher muss. Heute habe ich aus dem (verspäteten) Bus noch ganz verzweifelt Daniel getextet, in welchem Raum der Literaturkurs ist, und er hat mir gerade geantwortet, als ich in der Uni angekommen und auf die allerletzte Minute schon fast dabeiwar, mich an einen der Computer vor der Abzweigung zum F-Bereich zu schwingen, wäre denn einer freigewesen. Glück muss man haben.

Basti liegt auf der Klappmatratze und ist out cold. Hilarious war das vorhin; der Gute hat es gestern Abend ein wenig mit dem Alkoholkonsum übertrieben und kam auf dem Rückweg zu sich nach Hause bei mir vorbei, und weil ich noch am Essenversorgen und somit ungeplanterweise um Mitternacht noch wach war, nutzte er diese Tatsache, um sich bei mir einzunisten. Besser is‘; ich glaube, ich schlafe sogar mit seinem Schnarchen noch besser als mit einem schlechten Gewissen von dem Kaliber, wie ich eins gehabt hätte, wäre ich am Ende dafür verantwortlich gewesen, dass er auf dem Nachhauseweg noch vom Bismarckturm gefallen wäre oder ähnliche Kunststücke angestellt hätte. Er hatte sich so schon auf dem Weg hierher oft genug mit dem Fahrrad hingepackt, wie’s aussah.

Und ich war bei Lena grillen. Das war schön. Jetzt werd‘ ich müde. Hurrengoa arte.

Oh mein Gowai, so. Viel. Mensch. Oder aber Die augenscheinliche temporäre Vergesellschaftung des Lebens der Aimee Delearey.

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Wie ich eben zu R sagte, als er in einem bereits wieder den Löchern meines Siebhirns anheimgefallenen Zusammenhang auf einen Facebook-Post von sich verwies, den ich natürlich nicht gesehen hatte, „ich bin praktisch nicht mehr auf Facebook. Ich hab‘ kein Leben mehr außerhalb meines Lebens.“ Woraufhin er, berechtigterweise, entgegnete, „du hast ein Leben innerhalb deines Lebens.“

Es sieht hier also momentan offenbar so aus, als würde ich alle paar Wochen mal auftauchen, verkünden, dass ich zu viel Leben und zu wenig Zeit habe, und dann wieder verschwinden, um mich erneut besagtem Leben und besagtem Zeitmangel zuzuwenden.

Zu Caro sagte ich vorgestern noch, als ich dann tatsächlich dazu kam, zum ersten Mal seit ihrem Umzug am 27. März mit ihr zu reden, ich wüsste gar nicht, ob ich das Alleinsein nicht vielleicht inzwischen völlig verlernt hätte. Es ist andauernd jemand hier, andauernd.

Ich begreife gar nicht, wie das auf einmal passieren konnte. Daniel pennt hier in regelmäßigen Abständen, beglückt mich mit hilfreichen, aber maßlos überambitionierten Vorschlägen und Materialsintfluten für meine Bachelorarbeit und unterrichtet Basti, der praktisch drei Viertel seines wachen Lebens außerhalb der Arbeit hier verbringt, nebenbei in Euskera. Dazwischen das gelegentliche Drama mit Lisa, deren Freund sich spätestens zu diesem Zeitpunkt einwandfrei als eins der größeren Arschlöcher der Geschichte enttarnt hat.

Über Ostern hatte ich Simone hier und dazu noch R, der zu meiner enormen Begeisterung halbwegs überraschend und unangekündigt am Freitagmorgen hier auftauchte und nur geringfügig verwundert war, Daniel und Basti auf diversen Matratzen über den Boden verstreut mehr oder minder schlafend in meinem Zimmer vorzufinden. Er betrat den Raum mit den knappen Worten „Hallo Basti. Gute Nacht, Basti.“ und einem kurzen Daniels Gegenwart anerkennenden Gruß und gesellte sich dann ohne Umwege zu mir aufs Bett, wo seine Absicht, den drei Stunden Schlaf seiner zu einem guten Teil mit der Mitfahrgelegenheit im Auto verbrachten Nacht noch weitere hinzuzufügen, durch diverse Anrufe von Simones Seite unterbunden wurde, die festgestellt hatte, dass ihr Bus erstaunlicherweise doch bis direkt hierher durchfuhr, und überfordert war von der Problematik, ob man nun in Meersburg aussteigen sollte, weil man nach Meersburg gebucht hatte, und dem Bus zu Fuß auf die Fähre hinterherzockeln, oder vielleicht doch einfach illegalerweise bis auf die andere Seeseite durchfahren. Ich versuchte sie durch das Funkloch, in dem sich mein Bett befindet, hindurch zu Letzterem zu ermutigen, was sich nicht ganz einfach gestaltete. Mittlerweile waren abgesehen vom tief und fest schlafenden Basti alle Anwesenden im Raum dabei, in guter Intention völlig überflüssige Informationen über Abfahrtszeiten, Taktung, Überfahrtszeit und weiß der Geier was noch der Fähre zu etwas beizusteuern, was sie für das Gespräch zwischen Simone und mir hielten, soweit sie es sich denn durch die einseitigen Informationen meiner Seite des Telefonats zusammenreimen konnten (oder eben nicht). Ich, trotz dem zuvor stattgefundenen Auftritt meines Freundes und diversen Weckerklingeln von Seiten Bastis Handys ab 7.43 geistig kein bisschen bei mir und vollkommen komatös, kam irgendwann dann noch zu der gravierenden Erkenntnis, dass Simone diese geliebte Stadt, die ich glücklicherweise momentan noch das Privileg habe mein Zuhause nennen zu dürfen, um halb ein Uhr mittags zu erreichen gedachte, nicht etwa, wie kurzzeitig im Gesprächsverlauf von mir angenommen, zwölf Stunden später. Basti hatte übrigens trotz einer kurzen Aufwachperiode während R’s Eintreten dessen Anwesenheit noch nicht wirklich registriert und reagierte darauf, als er tatsächlich wach war, mit der liebevollen Äußerung „Was macht dieses komische Ding hier?“.
Karfreitagfrüh, was will man mehr.

Es ging ja danach erst richtig los, aber dazu hier jetzt nichts. Verdrängung ist guuuuut.. und ich will schlafen. Schlafen. Schlafen. Nachdem ich zumindest diese verbleibende halbe Nacht und einen Großteil des heutigen Tages, wie es aussieht, für mich allein haben dürfte. Du hast keine Ahnung, wie mich das freut. Obwohl ich Angst habe, auf einmal festzustellen, dass ich es wirklich nicht mehr kann. Das Alleinsein, meine ich. Aber das wird sich in ein paar Stunden herausstellen.

Wunder, oh Wunder.

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So. Caro ist weg, R ist weg, ich geh‘ arbeiten. Rede heute Abend mit Laura, die mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, spontan vom 2. bis 6. irgendwo hinzufahren. Und mit Caro, bevor die morgen nach Portugal entfleucht. Unwirklich. Sonntag bin ich dann wohl in München; R schien für seine Abreise vorhin einen ähnlichen Grad an Begeisterung aufzuweisen wie ich, und mir passt es super in den Kram, schonmal ein Stück weiter oben zu sein, wenn ich ab dem 2. eh mit Laura unterwegs bin. Von München aus bin ich im Zweifel schneller da, egal wo es uns am Ende hinverschlägt.

Es wird jedes Mal schlimmer mit diesem Kerl, oder eher damit, ihn wieder weggehen zu lassen.
Ein einziges Rätsel, das alles. Ich habe im Lauf der letzten Tage noch einige der skurrilen, einzigartigen, bemerkenswerten Gestalten kennengelernt, die er in dieser Stadt zu seinen Freunden zählt, und frage mich wieder einmal, wie um alles in der Welt ich da reinpasse. Ich bin dieser formlose Mensch zwischen all den herrlichen Ecken und Kanten und Mustern und Farben. Aber ich werd‘ mich nicht beschweren; wenn er meint, ich kann da mithalten, dann ist dem offenbar so. Auch wenn ich mal wieder nicht die geringste Ahnung habe, wie ich das mache. Und dann ist er derjenige, der singt, „es gibt doch sooo viele Männer.. Warum gerade ich, frag ich mich“ – frei nach Funny van Dannen. Versteh einer diese Welt.

Ach, ich hab‘ so keine Lust, arbeiten zu gehen. Argh. Ich bin müde wie Teufel. Die letzte Woche war einfach nur wunderschön. Genau wie die davor. Und Caro geht es besser.
ABER ICH BIN SO MÜDE. Ich pack‘ niemals acht Stunden Arbeit heute. Trudi verkündet mir, dass man beim Kaufland jetzt Jamie-Oliver-Grillsachen für seine Treuepunkte bekommt. Ich bin davon nur mäßig beeindruckt, was vermutlich verständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Leben hoffentlich nie mehr dazu kommen werde, eine derart horrende Menge an Kaufland-Treuepunkten anzusammeln, dass ich sie gegen Jamie-Oliver-Grillsachen eintauschen könnte.

Ach Fuck. Which reminds me, ich muss noch beim Großhandel vorbeifahren, um für Basti das Tomatensuppenpulver einzusammeln, welches er gestern dort gesehen und dann aber keine Kapazitäten hatte mitzunehmen. Shiiit, ich muss mich fertigmachen. ICH BIN DOCH SO UNGLAUBLICH MÜDE.

Mein Zimmer sieht aus wie Sau. Naja, es könnte schlimmer sein, aber dass ich vor drei Tagen hier Großputz veranstaltet habe, glaubt mir bei dem Anblick definitiv niemand. Caro vielleicht, die dabeiwar. Sonst womöglich noch Kepa, dem das Vermüllungsgesetz ja auch zur Genüge bekannt ist. Mit dem sollte ich auch die Tage mal reden; jetzt ist er zwar erstmal in Köln, aber irgendwann muss ich doch auch mal Details über Namibia erfahren. Meine Namibia-Reise, die er letztendlich ohne mich unternommen hat. Während ich überglücklich zu Hause hing. Ein Hoch auf abstruse Zufälle.

Die reinste Effizienz.

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Oh Gowai, ich komm‘ ja zu gar nichts mehr. Wieso ist es der achte Februar? AAAH, ich will Zeit. Mehr davon. Viel mehr. Genug.

Jetzt bin ich theoretisch am Sanskritlernen, praktisch dagegen dabei, mir unter den motivierenden Klängen des Pikachu-Songs (10-Stunden-Version) das Hirn langsam, aber sicher zerballern zu lassen – ich war nie ein Pokémon-Kind, aber diesen Pikachu-Ruf habe ich seit Silvester als „Kepa-ke, Kepa-kepa-Kepa-txooo“ im Kopf und bekomme ihn da nicht mehr heraus, so eine Schande aber auch. Also muss ich jetzt die 10-Stunden-Version von diesem Lied hören, ist das nicht unfassbar wunderbar und logisch. Nein, nein, ich bin nicht auf Drogen. Wirklich nicht.

Laura rettet mich, indem sie da ist. Ich werde mit ihr reden. Auch wenn ich mit Caro den Pakt geschlossen habe, dass wir beide lernen bis 3 und dann reden. Ich werde einfach reden bis 3 und dann reden, geht doch auch. Mit R habe ich ebenfalls einen Pakt, der da lautet, ich lerne und er kommt her, wenn ich genug gelernt habe. In dem Fall dürfte er die Schwelle meines Hauses nie wieder überschreiten; „genug lernen“ ist dieses Semester nicht drin. Konzentration Mangelware. Zeit nicht vorhanden beziehungsweise so ineffizient verschleudert, dass man fast schon meinen könnte, ich wäre tatsächlich in jemanden verliebt, der Ende des Monats die Stadt verlässt, und müsste meine freie Zeit demnach zu hundert Prozent mit dieser Person verbringen. Merkwürdig, das alles.

Wanda.

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„Egunak oraindik ez du argitu baina… oskarbi dago zerua.“

Nein, andersherum. Egunak argitu du orain baina hodeitsu dago zerua. Hodeitsu dago egun osoa.

Ich bin müde, und das ist noch leicht untertrieben. Aber natürlich kann ich jetzt nicht schlafen, sonst bin ich ja tot, wenn ich nachher zu Lisa fahre. Und danach ist Probe mit Sarah und Moritz, also vorerst keine Chance auf Erholung von den Strapazen der letzten Nacht.

Kepa hat mich angerufen, während ich in der Uni war. Wenn ich nur wüsste, was er wollte. Nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich gerade in Euskera sitze, hat er sich geweigert, es mir mitzuteilen. Er würde es dann später nochmal versuchen, sagte er. Ich habe ihn zurückgerufen, als ich rauskam, aber er ging nicht ran. Er macht mich noch vollkommen fertig macht mich dieser Mensch.

Ich schlafe jetzt einfach trotzdem. Sei ich auch nachher tot. Containern muss ich auch noch; meine Eltern kommen morgen für ihren zweiwöchentlichen Großeinkauf in die Stadt, ganz nach Schweizer Manier, und natürlich möchte ich ihnen so viel es geht davon abnehmen. Dafür nehme ich sogar in Kauf, nach der Probe nochmal loszutingeltangeln, obwohl ich bis dahin wahrscheinlich komatös bin.

Kepa schrieb mir eben, er wäre jetzt auf der Arbeit und würde mich später anrufen. Ich bin vollkommen verwirrt. Warum will er mich jetzt unbedingt anrufen, was ist denn los? Er ruft mich nie an, außer es ist etwas Dringendes. Organisatorisches meistens. Oder aber um mir zu sagen, dass ihm ich nicht über Facebook die drogendealerischen Tätigkeiten meines Hundes mitteilen soll. (Und daraus resultierte dann unser einziges, dafür aber vierstündiges Skypegespräch. Ich bin also mehr als froh, es doch getan zu haben.)

Na wunderbar. Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft und bin nunmehr paranoid, dass es was Fürchterliches ist und etwas mit Namibia zu tun hat, oder aber mit mir, oder noch schlimmer, mit Beidem, der absolute Super-GAU.
Worst Case Scenario? Lass mich überlegen. Er hat wirklich irgendwas Unentschuldbares daran gefunden, wie ich den Luxmensch in unsere Reise einschleusen wollte. Oder allgemein irgendwelche negativen Gefühle mir gegenüber. Verachtung? Oder er ist sauer? Selbst die allerharmloseste Genervtheit wäre genug, um mich fertigzumachen. Allerschlimmstenfalls wäre er darauf aus, mich zu verletzen. Natürlich ist dem nicht so, zumindest wäre das niemals sein vordergründiges Ziel. Aber was weiß ich denn, ob es nicht zwangsläufige Konsequenz aus dem ist, das er mir zu sagen hat. Ach, keine Ahnung, ich habe einfach nur eine schwammige, undefinierte Panik, er könnte mich aus dem Fenster schmeißen.

Haha, weißt du, am Ende ist es irgendwas total Stumpfes wie.. Aber mir fällt nichts ein, nichts Stumpfes, weswegen er mich anrufen sollte. Die ganze Zeit nicht bei Facebook antworten und dann auf einmal anrufen. ARGH.

Mein Kopf ist unglaublich platt, habe ich das Gefühl, nach den drei Stunden Euskera. Heute war wirklich hart. Hart, aber gut, natürlich. Daniel hat ein paarmal im Hika mit mir geredet (was Sinn macht, weil wir ja dabeisind, ihn durchzunehmen, den Hika). Ich wäre fast geschmolzen. Irgendwas ist sehr, sehr verkehrt mit mir. Das darf man gar keinem erzählen, was ich für einen merkwürdigen Hika-Fetisch habe. Wie gut, dass kaum ein Mensch die Kunst des Hika beherrscht, sonst wäre ich leichte Beute für jeden, der mich in irgendeiner Weise instrumentalisieren möchte.
Ich weiß, wer niemals erfahren darf, was es mit mir und dem Hika auf sich hat, Basti nämlich. Der würde auf der Stelle alles stehen und liegen lassen und sich daran machen, den verdammten Hika zu lernen – und er würde es schaffen – und dann würde er zeit seines Lebens nur noch Hika mit mir reden und ich müsste zusehen, wie ich es fertigbringe, nicht vollkommen wehrlos zu werden ob der Wirkung der Wörter. Es reicht ja schon, dass er anfängt, seine Facebooknachrichten mit simplen (aber nichtsdestotrotz effektiven) Wörtern auf Euskera zu versetzen. Verdammt sei mein Faible für diese Sprache, es sei verdammt. Ich komme mir wirklich vor wie.. hier. Schau. Language fetish at its best – wohl auf ewig eine meiner lebensdefinierendsten Szenen.

Sobredemandada

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Huch, warum ist es fast vier Uhr?
Ich habe ewig mit Basti geredet, ihn über die Namibiaproblematik informiert und seinen Vorschlag, wir könnten uns einfach irgendwie demnächst mal alle zusammentun und feststellen, ob wir in der Konstellation miteinander klarkommen, an Kepa weitergegeben. Was Vernünftigeres hat diese Welt noch nicht gesehen, also wirklich, was für eine zivilisierte Reaktion. Ich bin beeindruckt.

Nebenbei habe ich eine halbe Flasche Süßkirschlikör leergemacht (danke an dieser Stelle an Beccis Mom, die diesen produziert hat) und mich mit R dem Aktivisten für Mittwoch zum Essen verabredet, da er offenbar den Wunsch hegt, seinem liebsten Busgeist der Welt Lasagne zu kochen. Ich habe das alles nur halb mitbekommen, weil ich betrunken war. Was ich dagegen sehr wohl gemerkt habe, ist, dass ich Mittwoch eigentlich mit Rini und Lisa zum Essen verabredet war, nicht dagegen (bis jetzt) mit R dem Aktivisten. Schade auch. Ich habe dann erstmal Rini geschrieben, ob sie Donnerstag auch noch kann. Ich hoffe. Irgendwie scheint mir R auch nicht gerade ein Mensch mit viel Zeit zu sein. Er schafft es ja kaum nur, zu schlafen.

Gleich treffe ich mich erstmal mit Johanna vor dem Osiander an der Uni, um ihr mein Aufnahmegerät zu übergeben. Ich glaube, ich gebe ihr das HAG, denn mein Kleines möchte ich ungern hergeben. Und sei es auch nur für kurze Zeit. Dann muss sie schauen, dass sie sich Akkus organisiert; meine brauche ich auch selbst fürs AG.

Hauptsache, ich schaffe es nachher aus dem Bett und erinnere mich an meine diversen Verabredungen.