Schlagwort-Archive: Zufälle

Mosaics

Standard

Die Male, die ich dieses Jahr meine Songmappe aufgeschlagen und mich in der Absicht, ein bisschen herumzuklamüsern, mit der Gitarre dahintergeklemmt habe, lassen sich problemlos an einer Hand abzählen. Um genau zu sein, sogar an einem Finger. Aber immerhin den einen Finger braucht man seit heute Abend. Nimm noch drei dazu und stell dir einen leicht unangenehm kribbelnden Schmerz in den dazugehörigen Kuppen vor und du errechnest dir gleichzeitig den Zustand meiner linken Hand. Schande über mich, wie konnte ich es so weit überhaupt kommen lassen.

Aber ich habe auch eine Entdeckung gemacht, die mich insofern freute, als ich mich letztens noch gefragt hatte, wo dieses Werk sich wohl versteckt hält – eine nächtliche Notiz von vor ziemlich genau einem J… Moment, WAS? Öh, ja, augenscheinlich von vor haargenau einem ganzen Jahr*. Scheiße, ist das unheimlich. Und: Wo ist dieses Jahr auf einmal hin?!

*Zumindest bevor Rini und ihr Freund, Erkam, auf einen spontanen und wunderbaren Besuch bei mir hereinschneiten, war es noch auf den Tag genau ein Jahr.

I’ve just had the weirdest of epiphanies.
I have – as, I’m sure, have plenty of you – been crushed to a zillion little pieces and left on the ground, shattered. And while it is certain that it’s quite impossible to reassemble all of them and put them in place as if nothing has happened, as it turns out, being crushed to a zillion little pieces is, in fact, an extraordinary opportunity to have them grow back together into a colorful, diverse work of art: a mosaic. Getting back up is not about trying to fix the damage and move on and about with a couple of cracks and holes, clumsily disguised. It is about rearranging parts broken loose in an even better manner than the one in which they originally came. Plain surfaces are unbroken, but a mosaic is a work of art, unique in all its ways, and proudly displaying the result of the neverending effort with which it was produced.

Mosaics, 4.9.14, 6.00am.

Schwankstunde

Standard

I felt happy while watching this video. I enjoyed how it reflected my view on life and living, and I take great pride in the resonance it produced in my own way of being.

I’ll tell you an anecdote to support my point. It’s one I’ve been meaning forever to tell, too.

I met my current boyfriend on a bus. Of course, technically, it was the second time we met, but it was also the first time for him to approach me in a situation outside the restrictions of a specific purpose. And it was then that he decided our conversation was worth traveling a couple of stops further than he had intended.

More accidental bus encounters happened soon after that first one. It was during one of them that he first invited me to his home. The last one occurred later that same day, which resulted in our agreeing he must have been stalking me, a weird hobby for someone to take on only a few weeks before leaving the town.

Chances are small nowadays that I’ll hop on a bus and happen upon him out of the blue, for it’s an unusual thing for me, nowadays, to not know where he is. I owe this to our combined refusals to become urban soldiers when it is the most common thing for travelers to do.

Bisher nur trockene Blitze.

Standard

R war die Blutleiche.

Ich war leicht angetrunken, als ich das herausfand, und umso mehr war dieser Fakt für kurze Zeit eine echte Verblüffungsbereicherung für mein Leben. Er ist es auch jetzt noch, ein paar Tage nach dieser unerwarteten und zufälligen Revelation.

Es war nämlich so. Ich saß Wein trinkend mit R in der Küche und er sinnierte über seine paradoxe Verbundenheit mit dieser Stadt. „Ich liebe einen Ort, der sich über Nebel am Morgen definiert.“ Ich fragte ihn daraufhin, ob der Rektor damals, als er Ersti war, in der Willkommensveranstaltung auch schon die Bemerkung über die fünfzig verschiedenen Graustufen gemacht hatte, die man angeblich im Laufe seines Studiums hier unten nicht umhinkäme kennenzulernen (ein Vorurteil, das sich mir beim besten Willen nicht bestätigt hat). Das Stichwort Ersti-Willkommensveranstaltung weckte in ihm andere Assoziationen und er fing an, sich durch die komplexe, von Myriaden Abzweigungen durchzogene Welt seiner Erinnerung dahin vorzuarbeiten, dass er mit der Linksjugend in einem der Wintersemester doch diese Aktion durchgezogen hatte – „wart ihr das damals, wo wir reingeplatzt sind mit dem Protest gegen die Rüstungskooperation? Mit der Blutleiche?“

Und ich so, „nee, ich glaub nicht… Warte mal. DOCH!“

Ich hatte die Aktion unter Ferner liefen abgespeichert, weil ich irgendwie davon ausgegangen war, dass sie mit dem Rektor abgesprochen und somit völlig langweilig und sinnlos war. Aber sie war überhaupt nicht abgesprochen. Und R war die Blutleiche. R. Ich habe R gesehen. An meinem ersten Tag in der Uni. Seine damalige langjährige Freundin Giada war Sängerin der Uni-Big-Band, welche ebenfalls bei dieser Veranstaltung vertreten war. Ich habe R und Giada an meinem ersten Tag an der Uni gesehen, während ich vor Şahin-Drama komplett am Krepieren war und auf dem besten Weg, über Jahre als Wrack durch die Gegend zu tapern. Es war ein vollkommen anderer Mensch, der da saß und mehr oder minder unbeeindruckt alles an Big Band und Blutleichen an sich vorbeiziehen ließ. Es ist zu absurd, um wahr zu sein. Except it is.

R derweil hatte sich über Wochen den Kopf zerbrochen, wie er an veganes Filmblut kommen sollte. Ich fühle mich fast schuldig im Nachhinein, so völlig achtlos und deprimiert da herumgesessen und diesen ganzen Effort kein bisschen gewürdigt zu haben. But then, oh well, how was I supposed to know.

Davon ab: Meine Stimmungslage ähnelt der des Wetters. Jede Faser meines Körpers wartet auf das Gewitter. Ich muss mich mit aller Kraft vom Denken abhalten, denn es kommt nur der letzte Schwachsinn dabei heraus und führt zu Kurzschlusshandlungen und Verhaltensweisen, mit denen ich mir ganz sicher hart erarbeitete Erfolge sehr schnell wieder kaputtmache. Am liebsten würde ich einfach schlafen, bis es wieder vorbei ist. Das Problem ist, es geht nicht weg, solange ich schlafe. Ich muss da lebend durch. Ich hoffe einfach, dass Angst und Zweifel bald wieder auf ein besser zu ertragendes Maß absinken. Wie es einfach nie aufhört, furchtbar.

Pendel und Presswürste

Standard

Also.. ich will wirklich nicht behaupten, ich hätte über die Zeit verteilt nicht eine ganze Sammlung merk- und denkwürdiger Unterhaltungen mit Kepa geführt, aber sie scheinen nur noch besser zu werden, seitdem er mich abgesägt hat. Ich hatte eigentlich nie die Chance, ihn wirklich gut kennenzulernen – ich habe ihn ja überhaupt erst kennengelernt, als wir (von kurzen Unterbrechungen mal abgesehen) zum ersten Mal überhaupt, seit ich vier war, nicht mehr am gleichen Ort lebten.

Das muss man sich eigentlich erstmal vorstellen. Wie so ein Riesenpendel, das sich langsam einschwingt – jedes Mal ein bisschen weniger versetzt.

Dass er in Oldesloe geboren wurde und eine halbe Stunde von dort entfernt aufgewachsen ist, ist jetzt an sich nicht das riesenspektakuläre Drama; zumindest über seinen Vater weiß ich, dass er schon ewig in der Gegend gelebt hat. Meine Eltern dagegen sind nichtmal ansatzweise norddeutsch, alle beide nicht. Ich kam von Berlin aus nach Oldesloe, als ich gerade vier Jahre alt war, mein Vater in Hamburg eine neue Arbeit antrat und zusammen mit meiner Mutter das Haus gekauft hatte, das erst seit ein paar Tagen niemand von uns mehr bewohnt. Ich solle in einer ländlicheren Gegend aufwachsen, hatten die beiden befunden, und das damals noch etwas idyllischer und weniger heruntergekommen anmutende Kleinstädchen in praktischer Pendlerlage zwischen Hamburg und Lübeck wurde ihren Ansprüchen dafür genau gerecht. Derweil hing der achtjährige Peter (dass er mal zu einem Kepa werden würde, konnte damals ja noch niemand ahnen) in einem Haus direkt am See bei seiner Familie rum und wurde vermutlich damals schon von seinem Vater mit der Lebensweisheit indoktriniert, ein Mensch sei nur dann ein Mensch, wenn er unternehmerisch denken könne.

Dann gehen wir studieren, einmal quer durchs Land an die gleiche Uni.

Dann landen wir bei Enara. Er in ihrem ersten Lehrjahr, ich im zweiten. Er wollte ja unbedingt Baskisch lernen, nachdem ihm irgendwann mal dieser merkwürdige Fußballverein aufgefallen war, Athletic Bilbao, bei dem – ganz konsequent – ausschließlich Basken spielen dürfen. Also fuhr er spontan mal hin, um das Treiben da unten genauer ins Visier zu nehmen, und verliebte sich in das Land. So kann’s kommen. Ich hatte keine Ahnung von nichts, als ich den Kurs bei Enara anfing; ich hatte einfach nur in meinen Linguistik-Vorlesungen ein paar Bemerkungen über den einzigartigen Status des Baskischen gehört und dachte mir, hey, schau dir das doch mal an. Dann lernte ich Ilargia kennen. Und ab da war es nicht mehr weit, bis ich Enara – hyper bis zum Gehtnichtmehr – die Nachricht überbrachte, dass ich meinen Erasmus-Platz in Vitoria bekommen hatte.

Und dann ist Exkursion nach Vitoria mit insgesamt 20 Teilnehmern aus Enaras verschiedenen Kursen, und ich lerne Kepa kennen. Im Baskenland, wo auch sonst. Faszinierend, wenn man sich das alles in einem rasend schnellen Wirbel vorstellt und in dem Moment auf Stop drückt, in dem ich Kepa verkünde, dass ich das Buch, welches ich eben im Elkar gekauft habe (das erste, das mir in die Finger kam, dessen Titel ich ganz verstanden habe), irgendwann vorhabe lesen zu können.
Egia esan. Ebendieses Buch liegt gerade neben meinem Laptop und ich betrachte es halb ungläubig aus dem Augenwinkel. Ich sollte wieder mal reinschauen; es ist schon viel zu lange her.
Vor allem amüsiert mich, wie ich damals den Titel eigentlich nicht wirklich verstanden habe. Sicher, egia esan heißt die Wahrheit sagen, genau wie ich dachte. Aber viel mehr als das bedeutet es eigentlich „um ehrlich zu sein“, „um es mal so zu sagen“. Ich hätte dieses Buch eigentlich gar nicht haben dürfen. Wer weiß, welches an seiner Stelle rechtmäßig hier neben mir liegen sollte. Wer weiß.

Naja. Darum geht es ja eigentlich gar nicht. Überhaupt war doch eigentlich alles, was ich sagen wollte, dass ich unheimlich gute Gespräche mit Kepa hatte, seitdem er mich abgesägt hat. Zwei Stück an der Zahl nun bereits in ja doch recht kurzer Zeit. Das erste war direkt dabei, bzw dann danach. In diesen paar Stunden habe ich mehr Einblicke in sein Innenleben bekommen als in den anderthalb Jahren davor zusammen. Überhaupt in ihn. Überhaupt in sein Leben.
Und heute wieder. Über Stunden haben wir geschrieben, wie schon lange nicht mehr. Über alles Mögliche. Über alles Mögliche Wichtige. Zwischen dem ganzen Unsinn, der unseren Umgang miteinander ausmacht. Ich fühle mich privilegiert, ihn wieder ein Stück besser kennengelernt zu haben.

Irgendwo war es unglaublich gut, dass er mich abgesägt hat. Es hat so viel Transparenz mit sich gebracht. Ich höre zwar deshalb nicht auf, mich furchtbar in ihn zu verlieben, aber das macht überhaupt nichts. Es ist alles so einfach, wenn die Verhältnisse geklärt sind.

Bleibt zu erwähnen, dass sich wieder mal die Haut von meinen Händen ablöst, ich soeben einen beachtlichen Teil meines linken Daumens verdrückt habe und irgendwie befürchte zu wissen, warum mein rechter Zeigefinger seit Tagen wehtut, den Eindruck macht, als wolle er seinen Nagel aus dem Bett sprengen, und sich wie eine Presswurst anfühlt. Er ist eine Presswurst. Eine viel zu hohe Anzahl meiner Finger sind Presswürste, eingequetscht in einer Hautschicht, die längst kein Teil von ihnen mehr ist. Wie eklig.

Feuerwerk (aber irgendwie mehr Autounfall).

Standard

[Fast hätte ich es vergessen. Trotz der relativen Sicherheit, dass dieser Absatz überflüssig ist wie ein Kropf, besser Vorsicht als Nachsicht – Kepatto, ich würd‘ dich bitten, diesen Eintrag zu überspringen. Ich bin zu übermüdet für die Welt und werde jetzt von dem mir deinerseits eingeräumten Recht Gebrauch machen, über dich zu lästern. Oder so.]

Ich hab‘ vorhin also Folgendes erfahren: Ich bin ein Feuerwerk. Und ein Autounfall. Und irgendwann in einer fernen Vergangenheit ist jemand regelmäßig im Angesicht meiner Art zu sein und zu leben erstarrt. Und er hat aber akzeptiert, dass ich ihn „wegwerfe“. Die Person, von der verlassen zu werden er nicht einfach akzeptiert, die wird er lieben.

Wie genau Caro auf einmal dazu kam, den Blog des Ukumenschen zu stalken, habe ich schon jetzt wieder verdrängt. Aber dass sie es getan hat, hat mir zu Wissen verholfen, das ich vermutlich sonst im Leben nicht bekommen hätte.

Ich bin wirklich sehr anders als sie. Ich hätte es nicht in dreitausend Jahren ausgehalten, seinen Blog weiterzulesen. Ich hab‘ nach dem 15. Dezember nicht ein Mal mehr draufgeguckt, nicht ein Mal. Doch, ein Mal. Irgendwann später, zufällig. Es ging, soweit ich mich erinnere, um jemanden, von der verlassen zu werden er augenscheinlich schon ohne das tatsächliche Eintreten besagten Szenarios weniger kampflos akzeptiert hätte.

Es ist eigentlich ganz lustig, weil es genau das war, was ich unbewusst wohl verstanden habe damals. Weshalb es so furchtbar war, dass er es einfach akzeptiert hat. „Mit fallengelassenen Waffen“, und irgendwas von einer roten Linie labernd, die ich überschritten hätte. Ich hätte so gern gehabt, dass er es nicht einfach akzeptiert. Ich scheine aber eben wohl doch mehr Autounfall gewesen zu sein als Feuerwerk. Was wohl nicht gereicht hat – ich bin bis heute ratlos. Und ich war es immer, immer, wenn ich anfing, darüber nachzudenken, wie man jemanden so faszinieren und ihm gleichzeitig nicht den leisesten Anflug von Gegenwehr wertsein kann, wenn man ihn wegwirft. Oder in meinem Fall, mit einem Hechtsprung der verzweifelten Sorte sich selbst aus der Schusslinie wirft, aus seiner nämlich.

Gut gemacht, wirklich. Weil es noch nicht reicht, dass mir jemand, der sich selbst nichtmal ein Zehntel des ukumenschlichen Zerstörungspotenzials auch nur zutraut (und mir einst sagte, er sei ukulelisch gesehen ein Vollspaten), die widersprüchlichsten aller Signale gibt und sich dabei als so vollkommen unerwartet fähig erweist, einen im Saft der eigenen Spekulationen schmoren zu lassen.. muss sich natürlich auch noch die sorgfältig verdrängte Enttäuschung über das kampflose Aufgeben dieses unergründlichen Menschen wieder melden. Warum hätte er nicht vorschlagen können, dran zu arbeiten. Warum war ich das schon wieder nicht wert. So viel Arbeit, wie ich jede Sekunde meines wachen Lebens aufbringe, so wenig davon scheine ich dem Rest der Welt wert zu sein. So ein Feuerwerk bin ich dann nämlich doch nicht. Vielleicht bin ich einfach zu unspektakulär. An ein Feuerwerk stellt man ja schon wieder ganz andere Ansprüche als an so ein kleines Leuchtchen. Ich wäre zufriedener damit gewesen, ein kleines Leuchtchen zu sein, so wie ich es annahm. So versage ich schon wieder dabei, irgendwelchen unrealistischen Erwartungen und Ansprüchen nachzukommen, von denen ich nicht einmal eine Idee habe, wie sie überhaupt entstanden sind.

Das ist nun bei Weitem das Nächste, das ich an übermäßig selbstmitleidige Attacken bzw. dementsprechende Einträge seit gefühlten Ewigkeiten herankomme – wen wundert’s, es ist der Ukumensch involviert; offenbar hat er seine so charakteristische Wirkung bis heute nicht verloren.

Ukumensch, was hätte ich denn anders machen können.

Kepa, willst du mir nicht vielleicht einfach mal mitteilen, ob ich mit dir auf das nächste Disaster der gleichen Art zusteuere, ob sich am Ende rausstellt, ja nee, du bist schon ganz in Ordnung, aber so in Ordnung dann doch wieder nicht – ich brauch‘ deine Zuneigung nicht, auch wenn ich ab und an so tue, als brächte ich dir selbst welche entgegen. Um alles in der Welt, dann lass es doch einfach gut sein. Was ist daran denn besser als vorher, als wenigstens niemandes Seelenheil auf dem Spiel stand. Ich hab‘ so eine Angst. Wenn er kein Problem damit hatte, es mit Sarah abzuziehen, wird es.. Hör auf. Was ist denn in dich gefahren. Jammern kannst du, wenn es soweit ist. Himmels Willen.

Meine Güte, ist das furchtbar.

Hey There (Gravity’s Overrated)

Standard

Es ist da. Ich hab‘ jetzt wirklich alles an zusätzlichem Zeug, das ich noch hätte reinmachen sollen oder können, einfach weggelassen. Der Upload hat die Qualität verhunzt. Es ist von vorne bis hinten lückenhaft und qualitativ schrecklich. Aber es ist da. Ganze zwei Jahre und einen Tag nach der Entstehung seines Grundgerüstes.

Zufall.

Kapitälchen…

Standard

Wie Leute mit Vollzeitjob nur leben können, frag ich mich. Da kommst du heim und dein ganzer Tag ist weg. Weggearbeitet, um irgendjemandem, der gerade ausnahmsweise nicht arbeitet, eine schöne Freizeit zu ermöglichen.

Das ist mir heute aufgegangen. Sehr viele Jobs, meiner zum Beispiel, bestehen einzig und allein zu dem Zwecke, dem Gerade-nicht-arbeitenden eine Vielzahl an Möglichkeiten zu bieten, das zuvor erarbeitete Geld zum Zwecke der Verschönerung ihrer knapp bemessenen Freizeit wieder auszugeben.
Das endete dann ziemlich schnell in ein paar resignierten gedanklichen Schlenkern über dem fruchtbaren Boden des Kapitalismus, das rapide Ende in erster Linie Resultat meiner eigenen Politikverdrossenheit.

Als die beispielhafte Konsumentin, die ich nunmal bin, habe ich mir wie angekündigt ein Wochenende außerhalb gegönnt, ein paar wunderbar entspannte Tage mit Caro verbracht und ihr nebenbei auch noch auf denkwürdige Weise (involviert waren Şahins personalisierte „Trink ne Coke mit Sahin“-Coladose von der letzten Gamescon und eine beachtliche Menge Rum – wir sind immer noch nicht ganz fertig damit, die späten Nachtstunden zu rekonstruieren, aber es war insgesamt einfach ungemein lustig) geholfen, ihren Jetzt-nicht-mehr-Jahrestag an einem Stück zu überstehen.

Jetzt auf einmal ist es irre spät und ich gehe gleich ins Bett. Müde bin ich zwar nicht, aber wenn ich morgen wieder arbeiten will… Was ist überhaupt in mich gefahren. Ich hatte nie Ambitionen, meine 450€€ vollzubekommen. Aber andererseits, wenn ich nach Perú möchte nächstes Jahr (der Versuch geht in die zweite Runde, diesmal mit Sarah und Peruaner-Pedro), kann ein bisschen mehr Geld nicht schaden, und da ich ja jetzt festgestellt habe, dass Vollzeit arbeiten Kacke ist (nicht dass ich es je versucht hätte; ich glaube, nach einer Vierzig-Stunden-Woche wäre ich nie wieder derselbe Mensch), sollte ich mir für meine Zukunft alles zusammensparen, das ich irgendwie in die Finger bekomme.

Wo wir schon so viel von Arbeit reden heute – mein Vater hatte Freitag ein Bewerbungsgespräch mit einer Firma in der Schweiz. Über Skype. Er hat mich zwei Stunden vorher angerufen, ich solle mal zu Skype kommen, und sich daraufhin eine Stunde lang in gefühlt jeden Raum und vor jede Wand hingesetzt und wollte Feedback zur Positionierung für das Gespräch. Fehlte nicht mehr viel, und er hätte angefangen, die Einrichtung des halben Hauses zu verrücken. Es scheint sich gelohnt zu haben, denn offenbar ist das erste Gespräch gut gelaufen und er wird heute hingeschrieben haben, dass er sich schon vorstellen könnte, mal zum (oh.. haha) Vorstellungsgespräch runterzufahren.

Stell dir vor, das wird was. Von mir aus ist alles gut; ich meine, Hauptsache, er kommt aus dem grauseligen Laden raus da oben. Jünger wird er auch nicht, und die Schweizer hier sind unter den Wenigen, die sich bisher ernsthaft für ihn interessiert haben. Ich wünsche ihm, dass das klappt. Mama ist dann sicher auch beruhigt; sie dreht seit vor Weihnachten schon am Rad wegen dem (ihrer Einbildung zumindest) drohenden Leben an der Armutsgrenze und vergleichbarer Abstrusitäten. Trotzdem – wie unfassbar es wäre, würden meine Eltern tatsächlich hier herunterziehen. Da flüchtet man quer durchs Land, baut sich sein eigenes Leben auf an einem Ort, der weiter entfernt vom ehemaligen Zuhause kaum sein könnte, innerhalb der Landesgrenzen zumindest. Und dann kommen sie einem hinterher.

Absurderweise fände ich es nicht einmal tragisch. In den drei Jahren sehr sporadischen Zusammentreffens hat sich unser aller Verhältnis (okay, oder sagen wir, meins zu ihnen und ihres zu mir), würde ich fast behaupten, soweit stabilisiert, dass wir den Versuch, in unmittelbarer Nähe zueinander zu leben, durchaus mal wagen könnten. Oder anders gesagt: Sollten meine Eltern und ich wider jede Wahrscheinlichkeit tatsächlich noch einmal so nah beieinander leben, wäre nicht gesagt, dass dieser Zustand Tote fordert. Ich hoffe.

Hitzak lehertzen direnean.

Standard

Mein Glück kennt keine Grenzen – ich hab‘ gestern durch Zufall eine Website gefunden mit einen beträchtlichen Fundus an Übersetzungen diverser Alben euskadischer Interpreten, drei Stück von Ken Zazpi sind dabei – Argiak zum Beispiel, welches ich (schon ohne mir jeden Text vollkommen erschließen gekonnt zu haben) so unglaublich liebe – und oh, ich schwebe. Wie unglaublich viel Arbeit mir diese Entdeckung erleichtert. Ich komme gerade nur wieder darauf, weil mein Ohrwurm von Itxaropena, meinem gestrigen Opfer, gerade zurückgekommen ist – nachdem mir gestern mitten bei den fieberhaften Vorbereitungen für Mamas Party bewusst wurde, das dieses Lied mit das grandioseste ist, das diese Welt je gehört hat, musste ich mich kurz hinhauen und es in die Mangel nehmen. Und so kam ich über Umwege dann auf die Seite. Und das war auch schon alles, was ich jetzt mitteile, denn mal wieder bin ich kurz vor dem Kollabieren vor Müdigkeit. Aber oh ja, jetzt platzen die Wörter aus allen Nähten heraus und erfüllen mein Hirn mit dem Bewusstsein einer ganz neuen Dimension. Vor allem gehört Ken Zazpi zu den Bands, deren Texte immer besser werden, je mehr ich davon verstehe. Wie selten das einfach ist. Sie mutieren demnächst zu meiner Lieblingsband of all times, ich seh’s kommen.

Il faudrait l’être.

Standard

Heute hat meine Oma Geburtstag. Vor einem Jahr hatte ich die absurde Begegnung mit dem betrunkenen Mensch, Luca. Ich mag ja wie erwähnt solche Begegnungen und denke gern mal dran zurück. So etwas macht im Nachhinein doch einen schönen Teil des Lebens aus.

Gerade komme ich von einer WG-Party, die genau dort stattfand, wo ich Montag hinwollte. Nicht ganz genau, nicht dass du dich fragst, was in der Psychiatrie wohl für Parties gefeiert werden. Ich hatte wieder ein paar unvorhergesehene Begegnungen, welche der lustigen Art: Nele, die ich vorgestern Abend bei Elisa kennengelernt hatte, und ihre Freundin Natalie habe ich gestern Abend wiedergesehen, und noch dazu fand das Ganze bei einer guten Freundin von Lisa statt, der nähenden Constanze. Die kannte ich schon so gut vom Hörensagen, als hätte ich sie selbst schon gesehen. (Irgendwann hatte mir Lisa mal angeboten, in ihren Nähkreis zu kommen. Ich wollte auch unbedingt, hatte dann aber Befürchtungen, nur den ganzen Verkehr aufzuhalten mit meiner vollkommenen Ahnungslosigkeit.) Sie studiert offenbar mit Trudi zusammen. Klein ist die Welt. (Und vor allem das Kaff hier, welches ich das Privileg habe mein allerliebstes Zuhause zu nennen.)

Trudi hat sich betrunken. Es hielt sich noch in Grenzen, aber dadurch, dass ich mit den beiden Foodsaverinnen im Gespräch war und meinen Alkoholkonsum fast sträflich vernachlässigt habe, war ich am Ende um einiges nüchterner als sie und habe es schon ziemlich deutlich gemerkt. Ich bin einfach der festen Überzeugung, dass die Gedanken intelligenter Menschen von Natur aus problematischer sind und sie ihre Realität deshalb bevorzugt durch Drogen künstlich modifizieren. Ich zähle mich sogar selbst dazu, zu den intelligenz-dunak, den Intelligenz Besitzenden, einfach weil ich mir nicht erklären kann, wo meine eigene Affinität zu bewusstseinsverändernden Substanzen sonst herrühren soll, auch wenn ich die genaue Natur meiner eigenen Intelligenz beim besten Willen nicht zu definieren wüsste und man selbige bei mir manchmal wahrscheinlich wirklich mit der Lupe suchen kann.

Susmita schrieb mir neulich, wir müssten uns wirklich bald zusammen betrinken, sie würde „need to somehow get out of [her] present self for some time“. Ich war natürlich begeistert über die Gelegenheit, mit Susmita zu trinken. Drunk Susmita, was gibt es more awesome. Vielleicht kann ich Samstag zu ihr, dann können Trudi und ihr Arschloch-Freund Hannes (der offenbar Sehnsucht nach ihr hat und sie gebeten hat, ein Wochenende hier verbringen zu dürfen) hier in Ruhe die Wohnung in Beschlag nehmen.

Da fällt mir der alte, weise, wahre Spruch ein, den mich schon so lange begleitet:

Entre nous soît dit, bons gens, pour reconnaître
Que l’on n’est pas intelligent, il faudrait l’être.

Traumhaft

Standard

Was für ein Werk, La Science des Rêves. Ich liebe, wie sich in dem Film die Sprachen vermischen, zusätzlich noch zu dem ständigen Hin und Her zwischen Traum und Realität. Das Ende überfordert mich mal wieder; es ist so unklar. Was ich von offenen Enden halte, weiß man ja bereits. Aber der Film war gut. Verblüffend, positiv realistisch teilweise – auch wenn ich das Urteil eigentlich genauer ausführen müsste, um nicht bei einem Großteil der anderen seiner Viewers Unverständnis auszulösen.

Stellt sich heraus, meine Pflegeratten kommen heute um 12, und ich werde die Woche doch nicht ganz unfoodsharend verbringen; da wir ja seit Allerkürzestem mit Alnatura kooperieren und es dort aber meistens nicht so viel zu retten gibt, kann ich auch ohne Fahrrad hin. Also gleich um kurz vor elf Uhr dort anrufen und fragen, ob sie heute etwas haben. Und dann eben eventuell hin. Oder eben nicht, was umso besser wäre.

Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, ob wir heute Bandprobe haben oder nicht, und mich schonmal vorsorglich mit Robert verabredet, um uns mal wieder zusammen bei Skype ein bisschen zu betrinken. Was auch immer mit mir verkehrt ist, dass ich mich auf derartige Unternehmungen so unsagbar freue – auf jeden Fall tue ich es.

Was ich gar nicht erwähnt hatte vorhin, war, dass die lernende Kinesiologin gestern ein ausgesprochen interessanter und sympathischer Mensch war und wir uns gleich für nächste Woche wieder verabredet haben. Ihre Wohnung ist wunderschön eingerichtet, mit ganz vielen verschiedenen, harmonisierenden, warmen Farben und Pflanzen und Details. Sie mag es gern farbig, sagte sie. So wie ich. (Ihre Wohnung passt total gut zu der von Conny, bei der wir letztes Jahr während des Foodsharing-Treffens in Ludwigsburg übernachtet hatten. Auch so ein toller, besonderer Mensch, und eine ganz Liebe.) Und sie hat irgendwie etwas Euskadisches an sich, und sei es nur ihr Haarschnitt. (Was an sich ja nicht unbedingt das euskadische Merkmal ist, auf das man stolz sein müsste, aber 1) ihr steht es und 2) hierzulande erfüllt mich so ein Anblick mit fast schon nostalgischer Freude. Jetzt, wo ich nicht mehr in Vitoria sein muss, ist meine Zuneigung zum Euskal Herria nochmal um eine ganze Ecke gewachsen.)

Jetzt bin ich gerade fasziniert von der Erinnerung an gestern Nachmittag, als ich beim Abspülen ein paar random Zeilen vor mich hingesungen habe, in etwa

„todo lo que ves,
todo lo que sientes,
es todo solo un sueño,
es nada más un sueño..

y me lo puedes contar,
pero igual lo puedes dejar,
que yo también soy sueño,
yo también soy sueño.“

– noch längst nicht ahnend, dass mir meine abzuarbeitende Filmliste am Abend genau diese Produktion ausspucken würde.

Und wenig später nur, allerhöchstens ein paar Minuten später, saß ich doch noch hier und fand in dem mitgebrachten Kästchen mit Papierschnipseln noch diese Postkarte, die ich mir in Rostock gekauft hatte:

„Habe immer mehr Träume, als die Realität zerstören kann.“

Ich hatte angefangen, bereits in Simones Wohnung, das Wort „Träume“ in anderen Sprachen daraufzuschreiben. Gestern erblickte ich die Karte und auf einmal fiel mir auch endlich das euskarische Wort wieder ein, „ametsak“ – wie konnte ich das nur vergessen; in Rostock hatte ich diesbezüglich ein riesiges Blackout. Und mir wurde bewusst, dass ich es auch noch auf Dänisch kannte. Und auf Französisch. Rêves. Das ist doch alles ein Traum von einem Zufall. Har har.