Schlagwort-Archive: Zuhause

Be Yourself. No One Else Wants To Be You.

Standard

Ich habe meinen Capo verlegt. Das ärgert mich gerade sehr, denn ich wollte lernen, ‚The Way I Tend to Be‘ von Frank Turner zu spielen, und das wird ohne Capo… schwierig. Überhaupt beunruhigt es mich, nicht zu wissen, wo das Teil abgeblieben ist, besonders in Anbetracht der momentan äußerst aufgeräumten Lage hier in der Wohnung. Aber irgendwo muss er ja sein.

Nun möchte ich zur Abwechslung mal wieder was für mein Balkondschungel-Bestimmungsprojekt tun. Hier sind fünf überfällige Pflänzchen:

56 – 60

Wunderblume (Mirabilis jarapa – Nyctaginaceae)_DSC0092

Glockenblume (Campanula carpatica – Campanulaceae)
_DSC0098

Große Brennnessel (Urtica dioica – Urticaceae)_DSC0107

Physalis (Physalis peruviana – Solanaceae)
_DSC0108

Floh-Knöterich (Persicaria maculosa – Polygonaceae)
_DSC0109

So, jetzt fühle ich mich besser. Typisch, mich davon schon wieder so grandios selbst-fremdbestimmen zu lassen.

Naja, jetzt habe ich gerade noch ein paar Nachrichten beantwortet und mir somit noch einen Teil der zu erledigenden Aufgaben von den Schultern genommen. Es fehlt nur noch Sebi, dem ich eine Sprachnachricht schicken muss (Schrägstrich möchte).

Das wäre doch eine hervorragende Gelegenheit, zu berichten, dass mich Sebi vor ein paar Wochen besuchen kam, wir ein überragendes Wochenende mit Musik und Gesprächen verbracht haben und seitdem in regem Kontakt stehen. Ich find’s wahnsinnig schön, denn ich mochte ihn schon immer sehr gern und konnte aber damals – sowohl eigenverschuldet wie auch durch mangelnde Kooperation seinerseits -, obwohl wir uns durch die Badnproben regelmäßig gesehen haben, keine zwischenmenschliche Basis mit ihm finden. Aber das Gefühl ist jetzt fast das gleiche wie mit Becci damals. „Endlich, so sollte es doch immer schon sein.“

Und oh, was tut es gut, sich mit ihm zu unterhalten. Ich brauche mehr Gefühlsmenschen in meinem Umfeld. Dadurch, dass R für Emotionsgedöns so rein gar nicht empfänglich ist und ich das aber benötige wie Luft zum Atmen, ist dieser Teil von mir ein bisschen (ziemlich) ausgehungert und über jede Möglichkeit dankbar, sich mit gleich oder zumindest ähnlich Gestrickten auszutauschen. (Ich müsste mal Sebi und Becci in einem Raum versammeln. Das dürfte der reinste Overkill werden.)

Ah. Weiteres To-Do: Sebi die Aufnahmen von besagtem Wochenende schicken. Das könnte ich wirklich mal machen.

Und dann die Steuererklärung. Argh.

Zuvor möchte ich noch kurz anmerken, dass ich das Wochenende anlässlich des Geburtstags von R’s Bruder bei dessen Familie verbracht habe und wie bereits das letzte Mal mit dem Vorsatz zurückkam, in dieses Schlangennest keinen Fuß mehr zu setzen. Nun habe ich aber heute mit der Therapeutin darüber gesprochen und sie räumte ein, was ich mir selbst schon gedacht hatte – nachdem sich R nun dazu entschlossen hat, demnächst auch mal darauf zu achten, seine eigenen Werte seinen Eltern gegenüber  durchzusetzen, sollte ich ihn damit nicht allein lassen.

(Was ist denn nun schon wieder passiert? Also gut. Ich nenne es mal den Englisch-Fischstäbchen-Vorfall. Das wäre dann der Moment, in dem mich jemand dafür anblafft, dass ich mich kurz mit meinem Freund auf einer Fremdsprache unterhalte, während mir ein Teller mit Fischstäbchen vor die Nase gestellt wird, den ich als Vegetarierin dankend ablehne und an R’s Schwester weiterreiche, um dann zu beobachten, wie R, der last time I checked außerhalb unseres Containertarierhaushaltes noch konsequent vegan unterwegs war, seine Portion ohne ein Wort verdrückt, statt meine Vorlage zu nutzen und eventuell auch mal einen Ton von sich zu geben… du musst dir diese Abstrusität vorstellen, zum einen – nicht mal unberechtigt, aber oh, in welchem Ton! – Respekt meinerseits einzufordern und zeitgleich aber kein Problem damit zu haben, meine Wertvorstellungen demonstrativ mit Füßen zu treten.

Und bevor einer fragt – ja, die wissen, was wir essen und was nicht. Ich kam vor fünf Jahren als Vegetarierin/Containertarierin in diese Familie, R’s Veganismus besteht noch länger. Und während ich nicht darauf bestehe, dass jemand für mich in eine Mülltonne klettert, und mich dahingehend zwar ungern, aber selbstverständlich als Gast an die Gebräuche anderer Haushalte anpasse, ist ein Mindestmaß an Entgegenkommen meiner Ansicht nach sehr wohl angebracht. Zumal diese Begebenheit symbolisch für eine unendliche Reihe weiterer derartiger Vorfälle steht.)

Uff. So. Jetzt sollte noch der kurze Auftrag in Angriff genommen werden, den ich vorhin angenommen habe. Und dann das Steuerzeug. Aber das geht ja zur Not auch morgen noch.

Aufräumen

Standard

Qué bueno estar de vuelta en casa. Natürlich bin ich schon länger wieder hier, eine ganze Woche bald, aber es gab genug zu tun, um die Verkündung dieser wundervollen Tatsache bis jetzt aufzuschieben.

Ich hatte eine ziemlich manische Woche. Ich habe mir freigenommen und meine gesamte Energie in mein unmittelbares Umfeld – sprich, meinen Haushalt – gesteckt. Das war super und hat nicht nur mir, sondern auch der Wohnung extrem gutgetan.  Ich hoffe, dass es nächste Woche so weitergehen kann. Ich war über längere Zeit sehr nachlässig, bevor ich wegging, und R kann auch nur begrenzt dazu beitragen, dass hier nicht alles komplett verkommt.

Naja. Ich bin gespannt darauf, inwieweit die Maßnahmen, die ich ergriffen habe, sich als nachhaltig erweisen. Zumindest hängt nun ein Anti-Versackungs-Plan am Kühlschrank und daneben eine ganz simple selbst erstellte Entrümpelungshilfe.

20190908_130613.jpg

Nichtmehrheimatbesuch

Standard

Es zerreißt mir das Herz. In Konstanz zu sein und zu sehen, wie sich die Stadt ohne mich verändert. Wie sie ohne mich gleich bleibt. Wie der Fluss dieses unwirklichste bodenlose Blaugrün, das er im Sommer manchmal anzunehmen pflegt, mit einer so schamlosen Selbstverständlichkeit daherträgt, gewaltige Massen dieser unwirklichen Farbe, die mich nach Hause ruft.

Es ist wie jedes Mal, wenn ich herkomme. So muss es sein, einen Expartner zu besuchen, mit dem man im Guten auseinandergegangen ist. Diese Vertrautheit. Dieses Nachhausekommen. Dieses Gefühl, hierherzugehören. Die Erinnerungen, die furchtbare Gewissheit, etwas Einmaliges verloren zu haben.

Ich erinnere mich natürlich daran, dass es nicht anders ging; ich musste weg, R musste weg. Und das Gefühl von Zuhause war dem Verdacht gewichen, aus diesem Ort alles herausgezogen zu haben, das er mir geben konnte, und langsam nicht mehr daran wachsen zu können.

Ich musste weg, sicher, und die Umstände haben es mir leicht gemacht. Trudi, Stromlosigkeit, Wohnen mit R auf 13 Quadratmetern und die aus alldem resultierende depressive Monsterwelle, die immer unmöglicher zu ertragende stupide Arbeit, das Dahinschwinden meiner Freundschaft mit Sarah, der Wegfall der Band, das Beenden meines Studiums.

Aber ich bin in Heidelberg nie richtig angekommen. Mein Zuhause dort beschränkt sich auf unsere Wohnung, eine Insel von Heimat in unbekannten Gefilden, meiner Therapeutin und ein paar Foodsharing-Abholungen, ein paar Besuchen von Becci, einer Arbeit, die ich nicht mehr habe, und Menschen, die nicht mehr dort sind oder mit denen ich keinen Kontakt mehr habe. Wir wohnen zu weit außerhalb, als dass ich andere Verbindungen knüpfen könnte. Meine Energie reicht dafür nicht, für jede Unternehmung erstmal eine halbe Stunde schwarz mit dem Bus in die Stadt reinzufahren.

Selbst gewählte Isolation. Ich habe auch keine Lust auf Kontakt mit Leuten. Neunzig Prozent der Zeit. Zumindest wenn ich dafür meinen Hintern von der Couch wegbewegen müsste. Mein Mitt-Konstanzer Ich wäre, ironischerweise, von einer Lappalie wie räumlicher Distanz nicht davon abzuhalten gewesen, in der Stadt zu Hause zu sein. Selbst wenn sie sich so weit erstreckt wie Heidelberg.

Was will ich damit sagen? Ich habe keine Ahnung. Ich habe kein Zuhause. Mal wieder nicht.

Sustraiak han dituenak

Standard

Sicher erscheint es ein wenig überdramatisch, ein Lied von dieser Thematik einer Situation zuzuschreiben, die einen für ein paar Wochen aus einem Wirkungskreis herauskatapultiert, der sich nicht über Landes- oder ethnische Zugehörigkeit definiert, der weder von Brauch noch von Kultur bestimmt wird, der nicht einmal auf Dauer dem eigenen Zugriff entzogen ist.

Ich tue es trotzdem. Mit einem Mal verstehe ich eine weitere Facette der immer wieder auftretenden Heimatfrage, diesmal, dass es die Sicherheit ist, die einem mit ihr genommen wird; die täglichen Routinen, die einem diese vermitteln. In meine Wohnung komme ich nach wie vor, aber wirklich sein kann ich dort nicht; sie ist auf ein Leben ohne Elektrizität nicht ausgerichtet und ebensowenig bin ich es. Noch weniger, indes, ist es mein Freund; ihm hinterher verlagert sich mein Leben temporär in seine eigene zuvor durch uns aktiv unbewohnte Wohnung, wo ich in Untätigkeit und Warten verfalle – verfalle, versinke, verkomme, weil mir mein Leben fehlt, welches sich aus unzähligen Tätigkeiten zusammensetzt, alle vollführt im Umfeld meiner Wohnung, mit Gegenständen verschiedenster Natur, in Ecken und Winkeln und auf den unterschiedlichsten Ebenen, über der Erde, unter der Erde, auf Stühlen, Tischen, Regalen. In Dosen, Rucksäcken, Plastiktüten, Papiertüten, Stofftüten, Keller, Garten, Küche. In Ruhe, in Bestimmtheit, in Bewegung. Das vor allem; ich habe mich in den letzten Jahren durch Bewegung vor dem Versumpfen gerettet und gelernt, mein Dasein zu Hause mit Aktivität zu füllen, mit Kleinigkeiten, die mir Freude bereiten, die mir auch Gewissheit geben, etwas für mich zu tun, vielleicht sogar für Andere zu tun. Das Frühlingserwachen, in Gang gesetzt durch meine Reise nach Portugal, wurde durch die Vorkommnisse im Ansatz erstickt und ins Gegenteil verkehrt. Schlafen, um das Warten nicht mitzuerleben, das Warten und die ganze Untätigkeit nicht, aus der ich mich selbst in der Lage sein sollte zu befreien, was mir bedingt gelingt, aber sehr bedingt eben auch nur.

Nachdem gestern die Zeit (neben sehr viel, zu viel Schlaf) erneut zur Reflektion und Verarbeitung der wenige Tage vorher in furchtbar kurzen Abständen stattgefundenen Dramen genutzt werden konnte, wurde ich am Abend erneut von meinen Eltern eingesammelt und verbringe somit das zweite Wochenende in Folge in ihrer Schweizer Wohnung. Aktuell mit ihrem Laptop im Bett und Laboa in den Ohren. Zwei Wochenenden in Folge, das musste ich auch erstmal schaffen.

Und es ist nicht sonderlich einfach hier; vielleicht komme ich irgendwann dazu, die skurrile Welt zu erklären, die sich meine Eltern (meine Mutter in erster Linie) hier aufgebaut haben, fürs Erste genüge aber die Feststellung, dass – auch wenn man nicht mehr darüber spricht, zumindest mit mir nicht – in unverminderter Intensität ihre post-2011-Realität sich hier weiter fortsetzt, während die Chancen auf Besserung ihren fröhlichen Tanz um die Null wie eh und je mit bewundernswerter Begeisterung vorführen.

Man müsste natürlich nicht so meckern. Genausogut könnte ich sagen: Mein eigener Tiefpunkt ist hoffentlich überwunden. Und auch hierzulande ist nicht alles katastrophal. Der Vormittag, Mittag, Nachmittag und erste Teile des Abends liefen eigentlich gut, ohne besondere Vorfälle der negativen Art. Wir waren in der Stadt und haben eine riesige Tour durch sämtliche Brocki-Häuser (die nette Schweizer Bezeichnung für Second-Hand-Läden) und noch einen Flohmarkt gemacht, wo ich dann auch gleich ein phänomenales, praktisch nagelneues Desigual-Kleid in meiner Größe abgestaubt habe. 12 Franken. Neu. Nicht übel, wirklich nicht. Plus, ich werde ja hoffentlich bald, wenn ich eine neue Wohnung habe und ein neues Zimmer, mir auch einen etwas größeren Schrank da hineinstellen können, sodass es auf die eine zusätzliche Sache darin auch nicht sonderlich ankommt. Ich habe mir ja seit Ewigkeiten keine Anziehsachen mehr zugelegt. Im Grunde habe ich ja auch wirklich alles, was ich brauche, und das zur Genüge. Aber Desigual-Kleid. Grün-blau-wunderschön gemustert. Es wäre nicht zu verantworten gewesen, das nicht zu nehmen.

Morgen ist nicht nur Wählengehen angesagt (was ein linker Verrückter / verrückter Linker als Freund und ein genau richtig platzierter Vortrag von Frank Tempel, zu dem ich mich Anfang der Woche glücklicherweise trotz heftiger depressiver Verstimmungen bewegen konnte hinzugehen, nicht alles anstellen können mit einem unorientierten Nichtwähler wie mir), sondern es ist auch Nicoles Geburtstag. Ich sollte sie mal anrufen, auch wenn wir ansonsten nicht mehr wirklich dazu kommen, uns zu unterhalten. Hauptsache, sie weiß, dass ich sie nicht vergesse.

Nun bin ich erst einmal froh, den Schreibunwillen noch überwunden zu haben, werde mich jetzt jedoch dennoch wieder dem schicksalshaft zufällig aus dem Regal gegriffenen „A Long Way Down“ widmen, welches ich in weiser Voraussicht hierher mitgebracht habe. Ein Gutes hat diese Sache also noch: Ich fühle mich nicht in der Lage, aus Eigeninitiative heraus mit Menschen zu interagieren, und komme zum Lesen. Lesen ist super. Wenn Schlafen nicht mehr geht, geht Lesen. Abschalten und sich überrollen lassen – nicht die Taktik, mit der man Dinge geschafft bekommt, aber zum Einfach-erstmal-Überleben definitiv geeignet und unbedingt empfehlenswert.

Ach so. Na dann..

Standard

Also, kurz zur Schließung von blog.de.

Verständlicherweise (zumindest für Menschen, denen ich bekannt bin, wird es verständlich sein) bin ich wenig erfreut, um nicht zu sagen, ziemlich verstört. Gestern dachte ich darüber nach, was für eine wunderbare Konstante dieses Blögchen seit 2011 in meinem merkwürdigen Leben darstellt. Typisch, dass am Tag danach mir die Bekanntgebung in die Inbox geflattert kommt, dass es das die längste Zeit gewesen ist und ich mir wieder mal etwas Neues suchen kann. Ich komme mir vor wie so eine unfreiwilige Nomadin. Macrocarp bei SVZ, Macrocarp bei StudiVZ, spin.de, blog.de, und was meine nächste temporäre Unterkunft sein wird, stellt sich demnächst heraus. Zum Glück warnen sie einen mit ein bisschen Vorlauf, so habe ich wenigstens Zeit, mich darauf einzustellen.

Aber… Argh. Warum?

-.-„

Maskara kenduta

Standard

Keine Chance, noch rechtzeitig fertigzuwerden. Dazu müsste man erstmal anfangen. Bisher habe ich gefrühstückt und Fotos an meine Tür geklebt, immerhin zwei Dinge, die ich auf jeden Fall machen wollte, aber irgendwie nicht genug.

Es schneit. Ich höre mein (bislang) liebstes Album Berri Txarraks, Ikasten, gerade zum dritten Mal durch und friere ein wenig. Außerdem spielt mein Kopf mir immer noch Zitate ab, und das, obwohl ich inzwischen doch ein paar Stunden wie ein Stein geschlafen habe.

Irgendwie könnte „zitate“ auch ohne Weiteres ein baskisches Wort sein. Vor allem hatte ich mich grad vertippt und „Zizate“ geschrieben; das sah noch mehr euskarisch aus.

Mir passiert sowas immer, immer um Silvester rum. Dezember ist mein Monat der Enden. Es ist wirklich wahr. Und die armen Menschen, die mich zu Silvester besuchen kommen, können mich dann jedes Mal in der Pfeife rauchen.

Wie gut, dass ich einen End-Monat habe, wohingegen sich ein Anfang vermutlich bis an mein Lebens-Ende nicht blicken lassen wird. Wie gut, dass ich mich auf Enden spezialisiert habe. Ich sammele Enden. Sogar einer meiner Lieblingsautoren heißt Ende. Wenn das mal keine Ironie ist.

Meine namibische Couchsurferin hat mir geantwortet! Sie sagt, es gibt bisher kein Problem und es sieht so aus, als könnte ich meine erste Woche bei ihr verbringen.

„Nimmst du mich jetzt noch mit nach Namibia?“, zitiert mir mein Kopf.
„Ich wüsste nicht, wieso nicht.“
„Weil ich ein Depp bin.“
„Ob du jetzt hier ein Depp bist oder in Namibia, macht auch keinen Unterschied.“

Nire gogoan bist du eh eingesperrt, füge ich grad mal hinzu, da kannst du dich auch am Ende der Welt in einer Felsspalte rumtreiben. Weswegen ich auch immer noch nicht das Problem verstehe. Was ist so schlimm daran, wenn jemand alle paar Minuten das unerklärliche Bedürfnis verspürt, abzuhauen und in einer Felsspalte zu stecken? Ich verstehe es nicht. Solang du, wenn du dabist, es wirklich bist. Solang ich glauben kann, dass du mich nicht völlig vergisst, wenn du es nicht bist.

„Du brauchst jemanden, der immer da ist.“
„Naja.“
„Doch. Also, Tschuldigung, dass ich dir widerspreche..“
„Es wär mal ganz schön, so zur Abwechslung.“

Aber, füge ich grad mal hinzu, man könnte es auch so sehen – gib mir die Wahl zwischen niemandem, der da ist, und jemandem, der ab und an da ist, was meinst du, was besser ist. Überhaupt, was ist immer dasein denn für ein Zustand. Ich habe Leben genug, das mir so schon die Zeit aus jeder letzten Ecke saugt. Was um aller Welt sollte ich noch anfangen, wäre jemand immer da. Eigentlich – gib mir die Wahl zwischen niemandem, der da ist, jemandem, der immer da ist, und jemandem, der ab und an da ist, da ist die Ab-und-an-Variante für mich noch die gesündeste. Wie gesagt, unter den Bedingungen von oben.

Und dann das wirklich Tragische, was mir halb das Herz gebrochen hat.

„Ich hab kein Zuhause.“

Wenn man mich mit Heimatkrisen konfrontiert, kann man wirklich froh sein, wenn ich nicht auf der Stelle zusammenklappe, allein aus empathischen Gründen. Wirklich, in dem Moment.. jetzt, immer, wenn ich dran denke, stauchen sich meine ganzen Organe zusammen und ich will einfach nur irgendwie machen, dass er ein Zuhause hat. Hätte er nur eins, vielleicht würde er dann sogar aufhören, vor sich selbst wegzulaufen. Man ist nicht komplett ohne Zuhause, man ist nicht man selbst. Ich weiß doch, wovon ich rede.

„Ich glaub, es wäre auch anders, wenn ich in Konstanz wäre. Da könnte ich ein Zuhause haben.“

Wenn er irgendeine Ahnung hätte, wie ein Zuhause dein ganzes Dasein vollkommen verändert, dich aufwertet, dein Leben aufwertet, würden seine gesamten Prioritäten sich verschieben.

Ich hatte keine Ahnung, wie kaputt er ist. Und das ist traurig und das ist eine Schande, schließlich mochte ich ihn schon, als ich noch dachte, er wäre kein bisschen kaputt, und es ist nunmal leider so, dass ich Menschen umso mehr mag, je kaputter sie sind. Ungünstig. Tragisch.

„Ich will dich in den Arm nehmen und mit dir nach Namibia fahren.“

„Ich weiß nicht, was ich will.“

„Als ich Zivi gemacht hab, das war mein Zuhause.“

„Würdest du auf einem baskischen Bauernhof wohnen wollen?“

„Es war nichts künstlich.“

„Ich kann mich dir nicht antun.“

„Ich hab einfach Angst.“

„Essbar ist das schon, unsere Mägen sind nur nicht dafür gemacht.“

Wie random.

„Schreibst du grad ne Klausur, oder wieso isst du deinen Pulli?“
„Ich mach das immer, wenn ich nervös bin.“
Wieso bist du nervös?“

Ich hab keine Ahnung, was er darauf erwidert hat. Vermutlich hatte es etwas mit „kein Plan“ zu tun, damit ist man bei ihm meistens ganz gut dabei.

Genug jetzt; was wird das denn schon wieder hier. Aber besser, ich brüte darüber jetzt ein bisschen, als später damit anzukommen, wenn die Anderen dasind. Irgendwie ist das nicht so ganz so undramatisch abwickelbar, wie ich mir das gedacht hatte. Aber das macht gar nichts; man ist ja irgendwo menschlich und wenn sich das darin äußert, dass einem solche Situationen ein bisschen zu schaffen machen, dann, um Himmels Willen, soll es das doch bitte tun. Alles ist besser als völlig abgestumpft rumzuexistieren und sich was drauf einzubilden, dass man mit allem klarkommt und einen nichts und niemand beeindruckt.

Eeeeh. Ich weiß ja, ich will das eigentlich gar nicht mehr tun, aber kann ich kurz ein kleines bisschen sehr offen resigniert sein – pixkat nur, ein ganz kleines bisschen, hier, weil es einfach so wunderschön ist.

Maskara kenduta, esaidan ez al dunan berdina sentitzen erraietan.
Habiéndote quitado la máscara, dime si no sientes lo mismo en tus entrañas.

(Ich hoffe ja nicht. Das will man eigentlich nicht fühlen.)

Edit: Darf ich noch schnell drauf hinweisen, dass sich Hika-Formen in diesem Lied befinden und ich sie verstehe? Darüber bin ich glücklich, unglaublich doll sogar. Ich glaube, meine Stimmung macht komische Sprünge. Gerade hat mich Robert angerufen, um mir bescheidzugeben, dass sie etwa um zwei Uhr bei mir sind, sofern ihnen nicht mehr so viele Berge in den Weg kommen. Offenbar hat Janines Auto bei dem Wetter geringfügig Schwierigkeiten, mit über 55km/h welche heraufzufahren.

Heimatkrise (aber nicht wirklich!): Auf ein Neues.

Standard

So, irgendwie hatten wir jetzt Weihnachten und da steht ein Baum im Wohnzimmer, der wie jedes Jahr wunderschön geschmückt ist, aber, soweit ich das überblicke, niemandem von uns die passende Stimmung wirklich ins Herz zu holen schafft. Wir haben die meisten unserer heiligen Heiligabendstraditionen über Bord geworfen und während es sich dadurch einfach noch weniger wie Weihnachten angefühlt hat, bin ich irgendwo doch froh drum; es wäre zu geheuchelt gewesen. Die ganzen Jahre davor war es immer schon nicht mehr echt. Und dieser letzte Heiligabend in diesem Haus (es verzieht mir doch ganz schön den Brustbereich, wenn ich zu sehr drüber nachdenke) war einfach nochmal symbolisch dafür, dass Veränderungen unaufhaltsam sind. Man verändert sich und sein Leben ja meistens widerwillig oder zumindest schwerfällig – Materie ist faul; sie will sich nicht bewegen. Genau so ist unser Geist. Wir haben alle ein Haus im Kopf, das wir oftmals schon seit vielen Jahren bewohnen und das aufzugeben uns so voll und ganz widerstrebt, weil wir einfach nicht wissen, was draußen auf uns zukommt. Aber natürlich ist auch Veränderung die einzige Möglichkeit, überhaupt irgendwie voranzukommen.

Ich hab‘ Angst, so ein bisschen, dass die Nostalgie irgendwann doch noch zuschlägt. Mir wird immer mehr bewusst, dass der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, doch irgendwie zu mir gehört, jetzt, wo ich im Begriff bin, ihn wirklich hinter mir zu lassen. Auch wenn ich hier nie so wirklich das Leben kennengelernt habe, wie es sich mir viel später offenbart hat; irgendwo ist Oldesloe ein Teil meiner Heimat.

Umso dankbarer bin ich, mein Zuhause an anderer Stelle gefunden und aufgebaut zu haben. Man stelle sich nur vor, ich wäre einer von diesen Menschen, die studieren gehen und aber ihr Elternhaus nie wirklich im Geiste verlassen. Die sagen, „ich fahr heim“, und meinen, „ich fahr meine Eltern besuchen“. Dann wäre ich so tief getroffen von diesem Verlust jetzt – dann hätte ich ja praktisch (wieder einmal) kein richtiges Zuhause mehr. Eine Runde immense Dankbarkeit für mein Zuhause, wheey.

Schon wieder Weihnachten? Hilfe…

Standard

Gleich geht’s also schon wieder hoch zu meinen Eltern. Ich freue mich wie eine Wahnsinnige auf die zwölf Stunden Zugfahrt.. nicht.. aber das wird auch überlebt werden. Wie überhaupt ja letzten Endes immer alles überlebt wird, bis man dann doch irgendwann den Löffel abgibt.

Gestern hatte ich meine alten Bandleute zum Essen hier – Sebi ist für ein Wochenende aus Frankfurt runtergekommen und zu dem Anlass ist sogar Chris aus seiner Versenkung aufgetaucht und hat sich mit ihm zusammen hier bei mir eingefunden. Es war schön. Ich habe zwar immer noch das Gefühl, dass Sebi und ich locker einen Award für die awkwardste Kumpelschaft aller Zeiten gewinnen könnten, aber da kann man offenbar einfach nichts machen. Wir sind einfach nie dazu gekommen, uns vernünftig aufeinander einzulassen. Ist wohl auch ganz gut so; der Mensch ist innendrin ein einziges Chaos. (Weil ich auch absolut diejenige bin, die sich das zu sagen erlauben kann, ich seh’s auch so.) Ich war fasziniert von seinen Erzählungen über seine Freundin, Lili, die einfach genau so zu sein scheint, wie ich vermutlich wäre, würde ich mich nicht der Außenwelt zuliebe verstellen. Umso beachtenswerter, dass er sie trotzdem erträgt.

Wir haben dann nach dem (köstlichen!) Essen noch ein bisschen Musik gemacht. Ich habe ihnen mein neues Lied vorgespielt, Esaidazu, und sie waren davon angemessen beeindruckt (immerhin scheint jeder Andere als der hoffnungslose Fall, für den es geschrieben wurde, mir für mein erstes Lied auf Euskera irgendeine Art Bewunderung entgegenzubringen. Was vielleicht daran liegt, dass sie alle nicht merken, dass es sprachlich grenzwertig ist). Sebi konnte es einfach nicht glauben und fragte mich, ob der Text auch irgendeine Bedeutung hätte. Das fanden dann alle sehr lustig. Hach ja.

Da fällt mir ein, ich habe dir bis heute nicht die aktuelle Version gezeigt, die ich gerade noch so aufgenommen hatte, bevor der Luxemburger kam. Jetzt aber.

Peruaner-Pedro war auch noch da und ich gab ihm und Sarah das Weihnachtsgeschenk, das ich ihnen Anfang der Woche noch spontan bestellt hatte – so Handschuhe für zwei, weißt du, wo einer der Handschuhe zu beiden Seiten eine Öffnung hat und man von jeder Seite eine Hand reinstecken kann. Ich musste es ihnen einfach schenken, auch wenn Sarah vor schlechtem Gewissen bald gestorben ist. Ich hatte es mir schon fast gedacht und habe mein Bestes gegeben, sie zu beruhigen. Ich hatte ja von ihnen auch nichts erwartet. Aber ich musste ihnen diese Handschuhe geben. Meine Mutter hat meinem Vater letztes Jahr solche geschenkt, daher kam ich darauf. (Das war auch lustig; ich rief sie an und sagte, hey, woher hattest du eigentlich diese Handschuhe, die du Papa geschenkt hast? Und sie antwortet knallhart, „aus dem Ikarus-Versand. Es gibt sie in schwarz und in rot, aber du musst dich beeilen, die schwarzen sind meistens ausverkauft. Sie haben 19,99 gekostet.“ Und ich war vollends verblüfft, weil ich von ihr überhaupt nicht gewohnt bin, dass sie sich an solche Details nach einem Jahr noch erinnert (anders als beispielsweise Susmita und ich, oder Laura, da wäre es mir weniger komisch vorgekommen) – bis sich herausstellte, dass der Katalog von genau dem besagten Versandhaus ihr gerade ins Haus geflattert war und sie ihre Erinnerung inzwischen aufgefrischt hatte.)

Wie herrlich. Ich hab‘ den Wein von gestern Abend eben leergemacht und es geht mir jetzt wunderbar gut. Viel besser als vorher; ich hatte den größten Teil des Tages Panik und bin nichtmal sicher, wieso. Reisefieber, vermutlich. Es ist schon merkwürdig, wie ich jedes Mal in Panik gerate, wenn ich eine Reise mache. Es ist ja nicht so, als hätte ich in diesem Leben noch nie eine Zugfahrt unternommen. Aber nunja, ich bin halt komisch. Damit muss ich leben.

Oh je. Habe ich dir von Kepas und meinem Fail erzählt? Ewww, ich will gar nicht dran denken. Im Endeffekt beläuft es sich darauf, dass er mit meiner Definition von Zuhause nicht vertraut ist und sich daraus ein horroriges Missverständnis ergeben hat, als dessen Konsequenz er jetzt bis zum vierten Januar bei seiner Familie hängt und ich Silvester noch eine Person weniger bei mir habe. Ich kann es nicht glauben – was für ein Riesenfail. Mir wird bald schwummerig, wenn ich nur dran denke. Ich hätte nicht im Traum dran gedacht, dass man „bei mir zu Hause“ irgendwie anders verstehen könnte als „an dem Ort, wo ich lebe“. Das ist ja bei mir allgemein das Problem. Spätestens seit meiner Heimatkrise letztes Jahr und vor allem seit meiner Rückkehr aus Vitoria bin ich hier einfach so fest verwurzelt, dass ich gern mal vergesse, dass der Rest der Welt mit Zuhause auch gern den Wohnhort ihrer Eltern betitelt.

Ich war ein wenig erschreckt, muss ich sagen, davon, wie er damit umging. In erster Linie klang es so, als hätte er Angst, dass ich mich gleich aus dem nächstbesten hochgelegenen Fenster stürze. Was an sich nicht verwunderlich ist; nachdem ich ihm eröffnet habe, dass es mir über längere Zeit nicht so großartig ging, kann ich mir denken, dass man so einer Person mit depressiver Vergangenheit und entsprechenden Tendenzen keine sonderliche Stabilität zutraut. Falls er allerdings wirklich dachte, dass mir das Ganze schlechte Laune bereiten könnte, wäre „geh dich jetzt nicht suizidieren“ vielleicht auch nicht gerade das gewesen, was er hätte von sich geben sollen. Also setzen wir uns auf die Liste „What to Teach your Kumpel Slash Stecher“: Dealing with Depressed People 101.

Es ist viel, viel, viel zu wenig Zeit bis fünf Uhr.

Rolling Home.

Standard

Rowling home to mijn ol‘ Hamborg! Naja. „Rolling“ trifft es eher. Ich bin trotz allem immer wieder glücklich, den hohen Norden mal wieder zu besuchen. Elfeinhalb Stunden Busfahrt. Und mein Computer weigert sich, sich mit dem WLAN zu verbinden.

11.13am.
Es ist aktuell eine knappe Dreiviertelstunde der Fahrt vorbei. Ich habe mich auf meinen zwei Sitzen häuslich eingerichtet, bin heilfroh, dass der Bus nicht so voll ist und ich, wenn schon nicht die hintere Sitzreihe (die von mehreren Leuten belagert wird, unter Anderem jemandem, der auch bis nach Hamburg hochmuss –- also keine Chance auf Umsiedeln), zumindest zwei nebeneinander für mich habe, starte alle paar Minuten mal wieder einen fruchtlosen Versuch, die Internetverbindung herzustellen, und habe mit Mama telefoniert, die unsere Tickets nach Kopenhagen gebucht hat und wissen wollte, ob Sarah und ich dann vorher oder hinterher noch ein bisschen bei ihnen in Oldesloe sein werden. Natürlich ist die Person vor mir jemand, die ihren Sitz zurückstellt. Ich erwische immer, immer, immer so jemanden. Wirklich. Die ganze Busbevölkerung ist zivilisiert und lässt ihre Rückenlehnen gerade, nur meine Vorderfrau nicht. Dementsprechend quetscht sich Bernadette hier auf meinem Schoß zwischen mich und den Sitz vor mir und macht es mir nicht einfach, auf ihr zu tippen. Ich kann immer noch beim besten Willen nicht tippen, ohne hinzusehen, und überlebe das hier gerade nur, weil ich festgestellt habe, dass ich es aushalte, nach unten zu gucken, wenn ich dabei Musik höre. Nur Sinnvolles kann ich nicht erledigen in dem Zustand, wie zum Beispiel die Morfología-Hausaufgabe, die morgen due ist und die ich eigentlich dringendst komplettieren müsste. Aber ich kann mit Musik nicht arbeiten. Und ohne wird mir schlecht und ich bekomme die übelsten Kopfschmerzen.

Es ist etwas Umwerfendes passiert, als ich heute Nacht am Packen war: Ich habe meine Häkelnadeln wiedergefunden. Die hatte ich seit über einer Woche vermisst und war schon fast überzeugt gewesen, sie in der Uni vergessen zu haben.Ich habe bis relativ spät mit Caro geredet, dabei ein wenig Ordnung in mein Zimmer gebracht und ein wenig zu packen angefangen, dann gegen zwei-drei Uhr zu Ende gepackt und bin ins Bett gegangen, konnte nicht einschlafen, weil ich einfach nicht nachvollziehen konnte, wo die verdammten Häkelnadeln nur sein könnten, machte das Licht wieder an, ging zum Schreibtisch, hob random ein paar Stoffreste auf und fand darunter meine Häkelnadeln. Whey.

Mir fällt gerade auf (dadurch, dass ich No One to You zu ersten Mal seit Langem höre) – jetzt hat er einfach komplett aufgehört zu atmen. Ich müsste den letzten Chorus umschreiben – „So now I’m air to you, and you’ve stopped breathing altogether“.

Caro hat mir wieder Sachen erzählt, die mich erschreckt hätten, hätte ich vorher noch angenommen, irgendwie zu wissen, wer dieser Mensch eigentlich ist, der so riesige Teile meines Lebens so maßgeblich beeinflusst hat. Er muss sich unfassbar negativ entwickelt haben. Caro sagt, dass er sich unfassbar verändert hat. Ich denke (und sagte ihr gestern), dass es nicht so ist. Ich habe damals schon aus erster Hand erlebt, was sich Jahre später wiederholt hat. Mich wundert nicht, dass es wenig mehr brauchte als ein wenig Geld und zweifelhaften Umgang, um die Seiten von ihm endgültig hervorzulocken.
Wie wichtig ihm seine Familie immer war, sagte sie gestern. Und dass sie sie besucht hat jetzt, seine Familie, die ja irgendwo auch ihre einzige Familie ist, und sie ihr gesagt haben, er hätte sie in den letzten drei Monaten genau zwei Mal besucht. Ein Mal zum Anlass des Todestags seiner Oma, das zweite Mal, weil ein Kumpel von ihm Geburtstag hatte. Und dass er anruft, wenn er mal was braucht. Das ist doch überhaupt nicht er, sagte sie. Ich fürchte schon. Langsam bin sogar ich soweit, es einzusehen. Irgendwie hilft das. Natürlich habe ich diese Erkenntnis schon einmal gehabt, dass nämlich jemand (und gerade er) sehr wohl in der Lage ist, über Jahre einem das Gefühl zu vermitteln, ihn eigentlich doch ganz gut zu kennen, nur um einem dann doch das Gegenteil zu beweisen. Aber dadurch, dass er sich gerade systematisch daran zu machen scheint, alle möglichen Leute aus dem Fenster zu schmeißen.. ich weiß nicht. Ich dachte wahrscheinlich immer noch die ganze Zeit, es hätte eigentlich an mir gelegen. Aber nein. „Natürlich lag es nicht an dir“, sagte Caro dazu. „Es lag nur an ihm!“ Erst seine beste Freundin, dann seine Beziehungsfreundin, und jetzt ist die ganze Familie dran. Zu der Einsicht kamen wir gestern und fühlten uns, glaube ich, beide ein bisschen besser dadurch.

Sie hat es ja tatsächlich geschafft, sich zu verlieben. Nachdem sie Şahin wohl seit geraumer Zeit ohne es zu merken nicht mehr geliebt hat, selbst als sie noch zusammen waren, hat sie die Trennung blendend verkraftet und sich gleich in neue Probleme gestürzt. Ich bin sehr gespannt, was das gibt, und sollte wahrscheinlich aufhören, zu fürchten, dass sie so endet wie ich -– sie wird niemals enden wie ich, she’d have to be me, und das schafft so schnell keiner.

Was für ein Luxus, dass dieser Bus direkt fährt.
Und dass ich meine Haare wieder häkeln kann. Mir wächst ja schon bald ein komplettes Set an frischen Haaren zwischen den Dreads durch. Die müssen schleunigst in die Spinnenbeine inkorporiert werden.

11.52. Ich mache mal Schreibpause. Nicht dass ich am Ende noch feststellen muss, dass es doch eine Zeichenbegrenzung gint, wenn ich das Monstrum hier irgendwann auf dem Blog poste.

13.14. INTERNET!

Naja, nicht wirklich. Es reicht, um bei Skype ein paar Worte mit Robert zu wechseln, aber Seiten laden lässt es mich nicht. Aber was soll’s, eigentlich ist Skype auch das Einzige, was ich brauche.

21.05. Eine Stunde noch. Ich höre American Idiot. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Es ist unbeschreiblich. Soeben sind wir an Dorfmark vorbeigefahren. Die Geschichte zu diesem Kaff willst du nicht wissen. Es kann gut sein, dass ich sie dir trotzdem irgendwann detailreich erzähle, aber vorerst wirst du verschont. Ich werde so unbeschreiblich gelaunt, wenn ich dieses Album höre. Mein Lebensanfangsalbum. Irgendwo der Kern von mindestens drei Vierteln meiner gesamten Identität.
Die Ausfahrten nach Dorfmark sind alle gesperrt. Was da wohl los ist.

Ich vollführe merkwürdige Trommelbewegungen in der Luft mit meinen Häkelnadeln zu den letzten Teilen von Jesus of Suburbia. Es wird Zeit, dass wir ankommen.

21.22. Die Lüneburger Heide. Wir nähern uns. Are We The Waiting. Ich frage mich, ob der Moment, in dem mich die Musik aus diesen Zeiten nicht mehr aus der Fassung bringt, je Realität sein wird. (Als hätte ich eine Fassung, denke ich da gerade. Aber alles ist realitv. Ich habe eine relative Fassung, und aus dieser bringt mich Green Day.) An dem Ort, wo ich jetzt bin im Leben, interessiert sich niemand mehr für meine Wurzeln. Wir interessieren uns alle nicht für das, was uns geformt hat. Wir sind so weit schon evolutioniert, auf eine Art, dass es überflüssig erscheint, in unseren Geschichten so weit zurückzublicken.

21.28. Give Me Novacaine. Das Gefühl. Ich denke in genau dem Moment über das Gefühl nach, von dem Gefühl überwältigt zu werden, als das Lied mir sagt, dass das Gefühl überwältigend ist. Drain the pressure from the swelling. This sensation’s overwhelming. Thanks for that.
Das ist doch zu viel. Manchmal frage ich mich, wie ich diese Menge an Gefühl verarbeiten soll. Beziehungsweise habe Zweifel, ob ich es überhaupt verarbeiten kann, kann nicht mehr atmen, versuche mein ganzes Bewusstsein auszuweiten, damit mehr Raum ist für das ganze Gefühl.
She’s A Rebel. Die ganzen Erinnerungen. Das ganze Album. HILFE.

Es tut gut, die bekannten Namen auf den Schildern zu sehen. Ich komme so gern an vertraute Orte zurück.

Und ich fahre gern durch Deutschland. Ich bin begeistert von Deutschland. Der ganze Wald überall. Daran denkt man gar nicht normalerweise -– wenn man nicht gerade das ganze Land durchquert und daran erinnert wird, was für ein angenehm großer Anteil unserer Fläche von Waldbeständen bewachsen ist. Sicher, es könnte mehr sein. Aber im Vergleich zu anderen Ländern (hrm, Costa Rica, hrm) hat hier zumindest niemand den Fehler begangen, sie alle abzuholzen. So bleibt uns aufwändige Wiederaufforstungsarbeit erspart. Und wenn man im Ausland, sagen wir, in Vitoria-Gasteiz, an der Uni Deutsch-Übersetzungskurse besucht, ist damit zu rechnen, dass man mit dem restlichen Kurs dazu abkommandiert wird, einen deutschen Wikipedia-Artikel zum Thema Waldsterben ins Spanische zu übertragen. (Du darfst dir unsere Arbeit gern ansehen -– mein Teil ist auch irgendwo dabei, das ist dann der, in dem, hoffentlich, nicht jedes dritte Wort sich merkwürdig anhört.)

Es sind ja nur noch zweiundzwanzig Minuten, bis diese Fahrt offiziell vorbei ist. Whoa. Gleich nochmal aufs Klo und dann kann schon fast nach den sehnsüchtig erwarteten hamburgischen Autokennzeichen Ausschau gehalten werden. Nach den Straßen und Häusern und allem, was ich kenne.

Zwischendurch habe ich noch eine Wohnung in Aussicht bekommen. Nur um das auch noch zu erwähnen. Gartenanteil. Provisionsfrei. Unfassbar wunderbare Lage. Dusche in der Küche –- Trudi ist begeistert. Aber ich werde mir das nicht entgehen lassen. Wenn sie sich weigert, dort reinzuziehen, suche ich mir einen anderen Mitbewohner. Das ist meine Wohnung. Wenn wir sie denn bekommen. Wir können sie uns nächste Woche ansehen und mit dem Vermieter sprechen. Es hat sich gefreut, dass ich im Garten etwas pflanzen möchte! Und er interessiert sich für Foodsharing. Was gibt es bessere Voraussetzungen.

21.49. Homecoming.

Oooh -– we’re coming home again.

Naja, Oder so.
Vielleicht sollte ich anfangen, die Gegend hier als Zweitzuhause zu betrachten, statt mich so sehr zu bemühen, mich komplett davon abzunabeln. Das ist doch wesentlich vernünftiger eigentlich.

Whatsername. Das Gefühl ist unmöglich in Worte zu fassen. Ein Mensch wie ich sollte nicht Whatsername hören, während er an einen Ort wie diesen zurückkehrt (und sei es nur für ein verlängertes Wochenende, und ich dramatisiere eh schon wieder alles völlig kopflos über bis zum Gehtnichtmehr.)

Remember, whatever, it seems like forever ago. So long ago.

21.59.
Gleich da! Ich pack‘ mal zusammen.

Kurz vorm Augenzufall noch ein Lebenszeichen.

Standard

Ich komm‘ grad echt kaum noch an den Computer. Unglaublich, was einem da alles durch die Lappen geht. Vor allem, wie wenig Bedeutung plötzlich Dinge haben, die vorher eine willkommene Abwechslung darstellten und mir momentan eher das Gefühl geben, irgendwie unterbesetzt zu sein. Jemand sollte meine Facebooknachrichten und E-Mails managen, alles Wichtige rausfiltern und am besten noch für mich beantworten. Vielleicht kann ich mich ja mithilfe eines bisschen mehr Thai-Essen in zwei spalten, wenn es schon mit Şahin damals nicht so recht klappen wollte. (Der Text fliegt auch noch irgendwo herum. „Sometimes I wish that there were two of you, maybe you could split in two if I fed you enough Thai food“.. und so. Big Bang-Referenzen haben halt auch nochmal irgendwie verbunden, da Caro die Serie entsetzlich fand. Sie fand auch Sheldon „unlustig“. Wie on earth.. Aber gut, ich fand’s umso angenehmer, wenn wir Big Bang guckend auf dem Sofa gechillt haben und sie sich woanders vergraben hat. Und dass er die Anfangsmelodie immer überspringen wollte, war mit der Zeit auch akzeptierbar. Nachher bin ich ja sogar selbst dazu übrgegangen.)

Ich habe eben angefangen, Trudi Gitarre beizubringen, beziehungsweise meine begrenzten Fähigkeiten (oder was ich an deren Stelle habe) mit ihr zu teilen. Beruhigt kann ich feststellen, dass sie mich zumindest nach der ersten Übungseinheit noch nicht eingeholt hat. Ich bringe ihr Two Thousand Lights bei, das ich mir seinerzeit ja auch ziemlich am Anfang beigebracht hatte, als eines der ersten Lieder fremder Menschen, die ich damals als Werke schon leicht gehobenen Schwierigkeitsgrades ansah. Ich war richtiggehend erstaunt, als ich es auf einmal dann spielen konnte. Die Grotten-Coveraufnahme fliegt noch irgendwo herum. Sogar mit reingeschnibbelter Zweitstimme am Ende. Dafür mit Wasserfallrauschen.
Damals war es für mich noch ganz neu, das ganze Gezupfe.

2,000 Lights

Dann habe ich gerade noch eine Version vom 8.12.13 gefunden, die mich anfangs sehr erstaunte, weil ich mich nicht wirklich erinnern konnte, das Lied letztes Jahr überhaupt mal gespielt zu haben. Und auch sonst, weil es.. nunja.. sich ein wenig.. äh, merkwürdig anhört. Aber das Mysterium klärte sich mit dem Einsetzen der „Vocals“.
Ich hatte in dem Moment definitiv den Punkt überschritten, an dem mich Alkohol in irgendeiner Weise singfähiger macht. Oder überhaupt zu irgendetwas fähig. Wie viel um alles in der Welt..
Würde nicht die Aufnahme selbst das in all ihrer Entsetzlichkeit schon verdeutlichen, so doch in jedem Fall meine hervorragende Feststellung an ihrem Ende.
Das war ich in Vitoria. Nicht so schön eigentlich. Vitoria, Vitoria, was hast du nur mit mir angestellt. Wie gut, dass ich zurückbin. Die Freude darüber trifft mich immer noch manchmal plötzlich mit voller Wucht.

2,000 Lights 8.12.13

Um der heiligen Transparenz willen.

Ich bin schon wieder so hundemüde. ich komme ja vor lauter Leben zu gar nichts mehr, schlimm so etwas. Vor allem fällt mir trotzdem immer wieder irgendein Detailchen aus vergangenen Zeiten ein, welches ich dann auf einmal unglaublich Lust verspüre mitzuteilen, und um das aktuelle Geschehen zu konservieren, bleibt gar keine Zeit mehr, oder keine Lust, oder keine Energie, oder keine Insomnia. Nichtmal die ist mir geblieben. Tragisch.

Was auch tragisch ist, ich hatte mich wirklich gefreut, als ich mich gestern auf den Weg auf die Reichenau machte, um Sara (ohne h, die Kinesiologen-Sara, meine neue Bekannte), die neulich einen psychotischen Schub erlitten hat und sich jetzt wieder am Aufbauen ist, in der Psychiatrie zu besuchen – ich war noch nie dort und hatte mich auf neue Eindrücke und Erlebnisse eingestellt; stattdessen stimmte einfach mal die Route des Busses nicht mit der in meinem (zugegebenermaßen ein Jahr veralteten, aber das hatte noch nie zuvor einen Unterschied gemacht) Fahrplan eingetragenen überein, ich landete im strömenden Regen irgendwo auf der anderen Seite der Stadt und fuhr unverrichteter Dinge, einen Umweg über die GiveBox einlegend, wieder nach Hause. Zumindest habe ich dadrin eine Regenhose gefunden, sodass mir weitere Durchnässung erspart blieb. Was natürlich längst zu spät war, zumal ich Teile der Strecke auch mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte.

So. Eigentlich wollten wir auf die Mainau heute; da aber das Wetterchen nicht so mitzuspielen scheint, kann ich stattdessen wie gestern schon zur Tafel, abholen, und ansonsten vielleicht mal wieder ein bisschen gammeln. Ich vermisse Gammeln. Ich vermisse es wirklich. Und Hausaufgaben für die Uni muss ich noch machen. Das ist das einzig Schlimme dieses Semester, die ganzen Hausaufgaben.