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Der Zwiebel dienen

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So. Nachdem ich gestern leider arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten – zocken – Boggle spielen musste, blieb leider keine Zeit fürs tägliche Pflanzenauflisten. Dafür heute wieder:

11 – 15

Echter Thymian (Thymus vulgaris – Lamiaceae)
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Walderdbeere (Fragaria vesca – Rosaceae)
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Marokkanische Minze (Mentha spicata var. ‚Marokko‘ – Lamiaceae)
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Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium – Asteraceae)
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Nelken-Leimkraut (Silene armenia – Carophyllaceae)
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Ich kann dahingehend außerdem berichten, dass heute die erste Blüte meiner Canna aufging und ich mich freue wie nur was – sie ist so prächtig, ich bin so froh, sie zu haben, und die Samen gehen bei Ebay weg wie warme Semmeln.

Ich bin allgemein ziemlich froh. So, wie’s grad läuft, kann es ruhig weiter laufen – ich komme mit meiner Arbeit klar, mit meiner Mutter, mit R sowieso, mit meinem Dasein im Allgemeinen. Der Therapeutin hatte ich vorhin jede Menge Positives zu berichten. Der Rest fällt kaum ins Gewicht. Meine Motivation für Tasks außerhalb des Notwendigen hält sich in Grenzen, aber (Achtung, Sarah-Lesch-Referenz) immerhin hält sie sich. Ich hab‘ von Şahin geträumt, aber das ist mir auch egal. Heute ist alles ganz ruhig.

Nun widme ich mich allerdings mal wieder meiner etablierten Routine: Scorpion gucken und dabei frühstücken – arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten.

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Making Fingers

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Ach, es tut schon verdammt gut. Die Wohnung ist gesaugt, gelüftet und relativ aufgeräumt. Im Bad riecht es nach Pflegeprodukten, an mir selbst ebenso. Ich bin frisch geduscht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es mir schließlich gelungen, meinen Pony zu föhnen. (Hey, man kommt mit dem Wissen, wie man einen Pony föhnt, nicht auf die Welt – und ich habe meinen noch nicht mal zwei Wochen.) Der Trockner und die Spülmaschine laufen. Ich habe noch anderthalb Stunden Zeit, bis mein Schüler kommt.

Würde nicht die Katze auf mir sitzen, könnte ich noch Wäsche zusammenfalten. So dagegen kann ich stattdessen etwas von dem Auftrag abarbeiten, den ich morgen abgeben muss, und zuvor der Welt davon berichten, was ich heute schon alles geschafft habe.

Und auch andere Dinge sind berichtenswert. Berichtenswert, ja, aber schwierig in Worte zu fassen. Ich habe es gerade versucht und war überhaupt nicht glücklich damit.

Aber ich versuche es noch einmal. Vielleicht kann ich es von hinten aufrollen. Ich hatte einen dazu passenden Gedanken vorhin beim Staubsaugen, und zwar den, dass es möglich ist, sich Fingerhandschuhe aus Fäustlingen zu machen. Gerade habe ich darüber noch einmal nachgedacht und festgestellt, dass ich genau der Mensch bin, der genau das tun würde, angenommen, ich wollte Fingerhandschuhe und das Leben präsentierte mir Fäustlinge. Umständlich? Ja. Fragwürdiger optischer Eindruck des Endprodukts? Vermutlich. Funktionstüchtig? Definitiv. Und ein Projekt, auf das man stolz sein kann, denn es steckt harte Arbeit drin und, noch besser, die Individualitätsstufe ist schwer zu übertreffen.

Natürlich macht das nur Sinn, wenn ich dazusage, dass mir das Lied ‚Mittens‘ von Frank Turner immer ein beklemmendes Gefühl vermittelt hat. Because I definitely need to fit like gloves. And I never quite felt like we did.

Und daran habe ich über die Jahre gearbeitet und tue es nach wie vor, und ich habe zwar den Eindruck, dass ich einen monströsen Teil dieser Arbeit unbemerkt und allein verrichte, aber es wird immer besser. Es wird beständig besser und es wurde vor ein paar Tagen besser, als R mich erstmals bat, ihm von meinem vergangenen Beziehungsleben zu erzählen. Ich bin der Bitte nachgekommen und habe in drei-vier Sätzen erläutert, dass ich zuvor nicht die Gelegenheit hatte, mit den Menschen, die ich mir ausgewählt hatte, eine Beziehung zu führen. Dass ich eher so der Mensch war, dem man sagt, was für eine unglaubliche Verbindung man mit ihm doch habe, von dem man jedoch in romantischer Hinsicht nichts wissen will. Dass man da irgendwann einfach nicht mehr weiß, was man überhaupt noch fühlen darf. Dass ich schon einen ziemlich großen Knacks weg hatte, als wir uns getroffen haben. Dass ich sehr dankbar bin, dass der Knacks geheilt ist. Eine richtig schöne kleine Rede. Er hat alles zur Kenntnis genommen und am Ende gesagt, sie wären selbst schuld gewesen. Details wollte er keine wissen. Aber es war immerhin eine Frage. Für meinen Handschuh mindestens ein Finger mehr.

Vierzig Grad

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Ein bisschen komme ich mir vor wie im Delirium. So, als hätte ich richtig hohes Fieber, so eines, in dem alles irgendwie vorbeizuziehen scheint, man nicht schläft und nicht wach ist und ab und an die Realität für einen Augenblick ganz deutlich wird, um einem im nächsten schon wieder in unerreichbare Ferne zu entgleiten.

So gestaltet sich mein Leben seit Jahren, vielleicht ist daher auch mein Detailgedächtnis so überaus grottig geworden. Vielleicht liegt darin auch die Tatsache begründet, dass ich nie weiß, was ich der Therapeutin erzählen soll, wenn sie wieder fragt, was dieses Mal dran ist. Ich vergesse alles und existiere nur im Moment. Nur die Sorge um die Zukunft bleibt verlässlich an meiner Seite und sorgt dafür, dass ich mir allzeit darüber im Klaren bin, dass dieser eine Moment, der mir erhalten bleibt, nicht ausreicht für alles, das noch kommt.

Und vielleicht habe ich auch einen Grund ausfindig gemacht, aus dem mir die Motivation zum Schreiben zu großen Teilen abhandengekommen ist (neben dem bedauerlichen Umstand, dass Motivation, egal für was, einfach Mangelware ist), dass nämlich dem, was eigentlich gesagt werden müsste, Wörter einfach nicht gerecht werden, so sorgfältig man sie auch wählen möge. Götz Widmann hat ein Wunder vollbracht, als er genau dies in Worte gefasst und eine der raren Gelegenheiten geschaffen hat, in denen es doch gelingt – indem er eine ganz grundsätzliche Wahrheit auf so vollkommene Weise verbalisiert hat, dass die Formulierung sich selbst durch ihre Existenz Lügen straft: Die Worte sind Hülsen für was, was nicht in Hülsen passt.

Mein Fieber ist die Lethargie, die Lähmung, wie man es auch nennen mag, die Taubheit, die völlige Abwesenheit von Willenskraft, Energie oder Motivation, die absolute Nichtteilhabe am Leben oder an dem, was ich mir unter Leben vorstelle. Meine klaren Momente sind die, in denen ich tätig bin, fühle, lerne oder entscheide, oder vielleicht auch einfach diejenigen, in denen ich mich zu alldem zumindest fähig wähne.

Demnach bin ich gerade wach. Ich habe leichte Panik, die wohl daraus resultiert, dass ich mir verschiedene Dinge für heute vorgenommen habe und diese erledigen muss, bevor Becci ankommt. Dazu zählt Duschen, Pfand wegbringen, Wäsche versorgen und staubsaugen, und wenn Becci dann da ist, bitte ich sie um Hilfe beim Handling meiner Essenssituation. (Die Situation gestaltet sich solcherart, dass ich bereits seit Längerem alles Essen, das ich anschleppe, einfach auf dem begehbaren Kühlschrank aka Terrasse fallen lasse und somit der Bereich hinter der Terrassentür über mehrere Quadratmeter mit Tüten und Taschen voll unsortiertem, ungewaschenem, generell unversorgtem Zeug steht und mich maßlos überfordert. Das kann so nicht weitergehen, aber um etwas daran zu ändern, brauche ich Hilfe. Die bekomme ich von R nicht, also muss Becci ran.)

Ein kleineres Drama mit R gestern Abend brachte mich zu der Erkenntnis, dass es um R’s Geisteszustand nicht besser bestellt ist als um meinen, was einerseits (im ersten Moment könnte dies paradox wirken) auf mich beruhigend wirkt (aber wenn man bedenkt, dass somit die Hoffnung besteht, dass er es schaffen könnte, sich irgendwann aktiv um mich zu kümmern, wenn es ihm besser geht, und ich von der ganzen emotionalen Arbeit einfach mal Pause hätte, wird deutlich, warum ich erleichtert bin zu erfahren, dass dies gerade nicht sein Top-Zustand ist), andererseits allerdings Grund zu großer Sorge darstellt, weil er den Eindruck machte, als seien seine Sicherungen permanent kurz vor dem Durchbrennen. Meines Erachtens braucht er Hilfe, die ich ihm nicht geben kann, weil er sie nicht möchte. Wie bekommt man jemanden dazu, sich professionellen Beistand beim eigenen Seelemanagement zu holen, wenn sein Problem gerade darin besteht, dass er sich aus Angst vor Überforderung weigert, sich mit sich selbst auf die dafür notwendige intensive Art auseinanderzusetzen? Vielleicht frage ich mal die Therapeutin.

Ja, ich frage sie definitiv mal.

Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

Jetlag

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– wer hat mir das angetan?

No, seriously though, I’m feeling funny. Actually, beyond funny. I can’t remember the last time I’ve felt this funny.

Funny as in weird, of course.

Ich habe bis 4 geschlafen (pm, that is), mich dann mit größter Mühe zum Aufstehen gezwungen (obwohl der Körper protestierte und die generell vorherrschende Dunkelheit des Tages alles Andere als positiven Einfluss auf meine Willenskraft ausübte), Frühstück gemacht, zwei Folgen Scrubs angesehen und dabei den Energy vernichtet, den Becci mir vor ein paar Wochen mitgebracht hatte, anscheließend meine Großeltern angerufen, um mich zurückzumelden, dann mit Basti geredet, dann Rezepte für Rasgulla und Roti gegooglet und nun meinen Weg hierher gefunden, um zu erzählen, wie komisch ich mich fühle.

In einer Stunde muss ich wach genug sein, um zum Containern das Haus zu verlassen. Yannick hatte mir gestern bereits geschrieben, ob ich vor Weihnachten nochmal mit auf Beutezug komme. Natürlich komme ich. Auch wenn ich irgendwie noch nicht richtig da bin.

Ich habe schon mehrfach versucht, die Indien-Erfahrung in Worte zu fassen; es ist mir bislang nicht sonderlich gut gelungen. Vielleicht tut es das, wenn ich wacher bin. Vermutlich allerdings nicht. Wer sich schonmal in indischen Großstädten herumgetrieben hat und an das erste Mal zurückdenkt, wird mich an dieser Stelle verstehen.

Shit. Jetzt bin ich in meiner Recherche einer potenziellen neuen Kamera abgedriftet und darf mich in einer halben Stunde schon aus der Wohnung zwingen. Uff. Aber was tut man nicht alles für sein Essen. Und da meine Eltern mich übermorgen besuchen und ihr Raclette mitbringen, muss und möchte ich sowieso für ausreichend Zutaten sorgen.

Alles Weitere also später.

Such a rainy day

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Es ist… so grau.

Wow. Wirklich, ich habe so on-off bis 12 geschlafen, weil ich keinerlei Impuls verspürt habe, mich zum Wachwerden zu bringen. Vom Moment des Aufstehens an ist das Lied nicht aus meinem Kopf wegzubekommen.

The most rainiest day of my liiiiife.

Stimmt zwar nicht, es war einfach nur so lange nicht mehr nass und grau, dass man es einfach so empfinden muss, aber das stört das Lied ja nicht.

Ich habe den letzten noch im Kühlschrank befindlichen Fertigkäsekuchen zum Frühstück angebrochen und mir einen Kaffee gemacht, mich hingesetzt und Scrubs geguckt, die übliche Routine. Dann eine Stunde an Timos Doktorarbeit gewerkelt, die ich ihm korrigiere.

Nebenher warte ich auf den Anruf der Scribbr-Frau. Ich habe gestern den Bescheid bekommen, dass ich zum Probearbeiten angenommen wurde, und könnte mich darüber dumm und dämlich freuen, wenn ich mich nicht so sehr fürchten würde. So viel Neues. So viel Arbeit. Aber das ist es nicht, vor dem ich mich fürchte, natürlich, sondern dass ich es nicht gebacken bekomme, das ist es. Dabei wäre es ein Traum. Wenn ich nur erstmal sicher wäre, dass ich das schaffe.

Es ist nicht sonderlich gemütlich hier drinnen. Das liegt daran, dass ich noch immer nicht das Staubsaugen hinter mich gebracht habe. Genausowenig habe ich aufgeräumt, geduscht oder sonstwie dazu beigetragen, dass ich es mir endlich richtig schön machen kann, mit Kerzen und Räucherstäbchen und Musik und allem. Ich sollte das wirklich mal tun.

Ja, komm schon. Die Folgen Lebensmittelvergiftung habe ich jetzt endgültig auskuriert, an drei Tagen genug für drei Wochen geschlafen und sichergestellt, dass Nahrungs- und Flüssigkeitshaushalt sich wieder auf ein akzeptables Niveau einpendeln. Ich fühle mich wieder gesund. Dann kann ich mich ja auch wieder entsprechend verhalten.

Winterzeit

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Der Übergang zum Winter gestaltet sich dieses Jahr (zumindest in meinem Kopf) überraschend fließend. Vielleicht einerseits, weil ich den Sommer über bereits wie eh und je von dem Wissen um diesen Moment begleitet wurde und es häufig genug vorkam, dass ich mir in der brütendsten Hitze Gedanken um das Kahlwerden meiner Terrasse, das Überwintern der Pflanzen und das Hervorkramen meiner Sonnenlichtlampe gemacht habe. Ich wäre nicht ich selbst, wäre das nicht so gewesen.

Dafür geht es mir gerade erstaunlich gut damit. Ich kann mich an andere Jahre erinnern, in denen es mir weniger leicht fiel, zu akzeptieren, dass man jetzt schon wieder halb erfriert, wenn man sich Kräuter fürs Frühstück holen geht oder die Katze wieder die Tür sperrangelweit aufschiebt, wenn sie, von einem ihrer sich rapide verkürzenden Balkonausflüge wiederkehrend, wieder ins Warme flüchtet. (À propos, ich sollte gerade mal aufstehen. Die Katze steht vor der durch mich in weiser Voraussicht geschlossenen Tür und verlangt Einlass.)

Soeben habe ich außerdem eine weitere Pflanze hereingeholt. Nach den vier azorischen Winden (von denen ich wirklich gern wüsste, was sie genau sind, aber solange sie nichts tun als immer die gleichen Blätter ausbilden und, naja, sich zu winden, wird das mit der Bestimmung schwierig), die ich neulich schon mit einer rabiaten Kürzungsaktion von ihrem Standort entfernt habe (sag mir nochmal einer, aus welcher bodenlosen Intelligenz heraus ich sie durch den Gitterzaun habe klettern lassen), steht nun auch eins der Annonenbäumchen (welches über den Sommer zu einem stattlichen Exemplar herangewachsen ist, mehrere Seitentriebe sowie riesige Blätter ausgebildet hat und mir mit dem Haupttrieb bis über die Hüfte reicht) wieder im Wohnzimmer. Letztes Jahr habe ich meine Bäumchen – dichtgedrängt auf den Fensterbänken des warmen Wohnzimmers – größtenteils über den Winter bekommen, ohne dass sie ihr prächtiges Laub abwerfen mussten. Das klappt hoffentlich dieses Mal wieder.

So. Damit habe ich meine Stunde Pause dann auch schon erfolgreich hinter mich gebracht. Gefrühstückt, Kaffee getrunken, Annone versorgt, Blögchen belebt. Das stumpfe Postediten anderer Leute Geschäftsmails kann weitergehen.

Frühschicht

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Weird, aber: ich glaube, diese Woche schaffe ich es sogar, mich so lange komisch zu fühlen, dass ich eine Chance habe, darauf zuzugreifen, wenn ich übermorgen Früh bei der Therapeutin bin. Immerhin fühle ich überhaupt mal wieder was, auch wenn das, was beim Fühlen so rumkommt (in etwa Frank Turners Richard Divine unterlegt mit Räumungsvideos aus dem Hambacher Forst), ein schlagendes Argument meiner Psyche ist, warum sie dies meistens unterlässt – ich werde es ja wohl kaum schaffen, mich daran nicht mehr zu erinnern.

Das waren wirklich sehr treffende Veranschaulichungen, die ich da gerade gewählt habe. Weil nämlich sowohl das Lied als auch dieser abscheuliche Räumungsprozess in sich selbst so eine gewaltige Zerrissenheit darstellen: Richard Divine als der kleine kaputte Held der Tragik, der keinen Ausweg sieht, als seinem Leben ein Ende zu setzen, und das lyrische Ich, das ihn dafür verspottet. Und die Hambi-Hippies, die sie von den Bäumen holen, die sich hinstellen und rührende Statements abgeben, dass es mir das Herz zerreißt, und das unaufhaltsame Grauen in Form von Tausenden hirnleerer Zombies mit Rüstung und Maschinen, die – auch hier – keine Alternative dazu sehen, allem dort stattfindenden leuchtenden Leben ein Ende zu setzen. Und beobachtet man Letzteres, kommt man doch kaum umhin, dem kaputten Richard in seinem Aufgeben eine gewisse Legitimität einzuräumen.

The Skyscraper Challenge

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Alles zieht irgendwie so vorüber. Ich mache keine Schritte, sondern gleite nur so vor mich hin in meinem Glastunnel und sehe durch die Wand die Welt. Mir ist klar, dass ich nicht richtig lebe. (Das tun Andere. Basti, der Vater wird, und Becci, die in ihrer Arbeit aufgeht.) Aber lieber lebe ich falsch als gar nicht, das schon; ich möchte unbedingt am Leben bleiben und zumindest die Chance weiter haben, es irgendwann herauszufinden. Wie es wirklich funktioniert, meine ich. Ab und an erscheinen random Schnipsel in meinem Kopf, die Teil des Lebens sind, „Auf der Mauer, auf der Lauer liegt ’ne kleine Wanze“, zum Beispiel, oder der Gedanke daran, wie Halcyone ihre Eier auf das Wasser gelegt hat. Wie könnte ich mir wünschen, nicht Teil einer Welt zu sein, in der dies der Fall ist.

Ich sitze noch immer auf Beccis Sofa. Ich bin wirklich krank geworden. Becci ist auf zwei Geburtstagen eingeladen und kommt irgendwann wieder; ich bin ganz zufrieden hier alleine und habe mich den Tag über kaum vom Fleck bewegt. Ich hege die Hoffnung, dass es mir morgen besser geht und wir mit dem Streichen fertig werden. Am Nachmittag möchte ich heimfahren und im Idealfall bin ich bis dahin so weit wiederhergestellt, dass ich R zu Hause nicht anstecke.

Kepa hat versucht, mich anzurufen. Ich konnte nicht ans Telefon gehen, weil meine Stimme mir erkältungsbedingt mal wieder abhandengekommen ist, und dachte sowieso, es wäre meine Mutter. Da ich mich mit dieser am Dienstag aufs Übelste zerstritten hatte und ich annahm, sie würde den Disput fortführen wollen, habe ich das Handy von vornherein nicht angerührt.

Ich hätte schon im gesunden Zustand und im Besitz eines funktionsfähigen Kehlkopfes Schwierigkeiten, mich damit auseinanderzusetzen. (Der aktuelle Stand: sie ist dem Konzept Zwangsarbeit nicht abgeneigt, findet „Arbeit macht frei“ eine legitime Aussage und teilt mir mit, dass ich krank im Kopf bin und sie nur deshalb von einer Anzeige wegen Beleidigung absieht, nachdem ich daraufhin die von ihr so bereitwillig provozierte Nazikeule heraushole. Ich sei blind und gehirngewaschen und sie sei schockiert über meinen Hass auf die Welt, seitdem ich politisch geworden sei.)

Ich weiß gar nicht, wie ich weiter vorgehen soll.

Egal, was ich sage, sie wird es wegwischen.

Wenigstens für mich selbst kann ich Dinge festlegen.

Mein Bild von der Welt ist ganz simpel. Alles, was aus freien Stücken unnötig Schaden anrichtet, im Fall eines fühlenden Wesens also in seiner persönlichen Freiheit und Unversehrtheit einschränkt, ist von Grund auf schlecht. Daher ist (meiner Ansicht nach) Zwang schlecht. Sofern es natürlich nicht darum geht, jemanden zu zwingen, damit aufzuhören, unnötig Schaden anzurichten. In dem Fall ist der Zwang nötig und die Schuld dafür liegt bei demjenigen, den man von der Verrichtung des Übels abhalten muss.

Mein „Politischsein“ beschränkt sich im Grunde auch bloß aufs Hinschauen. Das ist nicht mehr oder weniger politisch als das, was Andere machen, aka Wegschauen. Bloß nimmt es einem ein bisschen die Möglichkeit, Dingen gegenüber tolerant zu sein, die man halt auch nur hat, weil man nichts davon weiß. Das spiegelt sich dann in Verbindung mit der richtigen Grundethik (und ja, selbstverständlich empfinde ich meine Grundethik als richtig) in einer gewissen Denk- und Handlungsweise wider. Diese Chance zum Denken und Handeln hat man nicht, wenn man wegguckt. Aber meine Mutter findet mich jetzt politisch und gehirngewaschen. Ich finde mich gefestigt und bestärkt in einem Bewusstsein, das ich immer noch zu einem sehr kleinen Maße nur zulasse, weil mich die Ausmaße der Ohnmachtsgefühle und der Verantwortung gleichermaßen, die eine vollständige Immersion in den Zustand der Welt und bereits meiner unmittelbaren Umgebung mit sich bringen würde, einfach nur wieder lähmen und überwältigen würden. Und damit ist auch niemandem geholfen.

Meine Mutter meint es gut mit mir und hat das schon immer getan. Das ist der eine Fakt, der alles unermesslich viel schwerer macht. Nichts liegt ihr ferner, als mir absichtlich unnötig Schaden zuzufügen. Gleichzeitig ist sie die Versinnbildlichung des Zwangs, mich in die Maschinerie einzugliedern, die mich zerstören wird.

Ein Dokument solle ich vorlegen, das beweist, dass ich psychisch nicht in der Lage bin, einer normalen Arbeit nachzugehen.

Weil ich unabhängig sein soll. Daher muss ich das tun, was sie will, um unabhängig zu werden.

Weil es mich glücklich machen und erfüllen würde.

Als würde ich mir etwas sehnlicher wünschen als einen gut bezahlten Job, der mich erfüllt. Aber wo finde ich diesen. Ohne Energie, danach zu suchen, und ohne zu wissen, wo ich suchen sollte. Und ohne die Fähigkeit, mich noch einmal einem Studium zu stellen.

Ich sage dir mal, was mich erfüllt. Selbsthass, weil ich es nicht schaffe. Und dann nochmal Selbsthass, weil ich mich dafür hasse.

„Psychisch nicht in der Lage“. Ein Dokument lege mir bitte vor, Mama, ein psychologisches Gutachten, dass du nicht in der Lage bist, von einem Wolkenkratzer zu springen. Dann glaube ich dir das.

Keine Ahnung

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Irgendetwas ist vollkommen verkehrt. Ich werde krank oder vielleicht nicht. Ich hänge in einer Art Vorhölle fest, in der sich der komplett abgeschnittene Zugriff auf Emotionen irgendwelcher Art mit Überempfindlichkeit vermischt – nicht abwechselt, wohlgemerkt, vermischt. Gleichgültigkeit, die mir Sorgen bereiten würde, wäre ich denn in der Lage, so etwas zu empfinden, und dazu Gedanken, die sich immer flächendeckender ausbreiten. Ich komme nicht weiter und gehe nirgends hin. Mein Leben ist so kurz und es zieht an mir vorbei und ich mache nichts daraus, und alles, das ich haben könnte, versaue ich mir noch, weil ich einfach zu dumm bin, die Hand auszustrecken. Ich bin erbärmlich und meine Selbstwertschätzung hängt davon ab, was meine Mutter von mir hält. Ich kann mich selbst und die Welt nicht aus meinen eigenen Augen sehen. Mein Leben ist das größte Geschenk und ich kann so gar nichts tun außer versagen, ich trauere so sehr um mein Leben, dass ich schon wieder darüber nachdenke, es einfach zu beenden.

Aber nebenher wird einfach weiterexistiert. Ich bin bei Becci und helfe angeblich beim Streichen ihrer bald beziehbaren Wohnung. Eigentlich aber rieche ich Mehlwürmer in ihrem Wohnzimmer (dem alten, wohlgemerkt), fange mir ihre Erkältung ein (oder vielleicht nicht), unbabele von 11 bis 2 und warte, bis sie aus der Arbeit kommt. Aber sie musste nur heute arbeiten und morgen nur noch zwei Stunden.

Ich werde langsam besessen von dem Gedanken an Arbeit. Das, was ich gerade mache, ist mehr, als ich je zuvor gearbeitet habe, aber das reicht mir nicht (meiner Mutter würde es ja auch nicht reichen), und ich verdiene zu wenig. Zwar verdiene ich mehr als je zuvor, aber immer noch zu wenig und auch nur dank meinem unveränderten Zustand des Eingeschriebenseins, und weniger als R. Ohne Steuern. Das Unbabeln ist aber die einzige Arbeit, die ich verkrafte, weil ich die absolute Freiheit darüber behalte, wann ich wie lange arbeite, und ob überhaupt. Das rettet mir den Hals, denn selbst beim bloßen Gedanken daran, jemand Anderen über meine Lebenszeit verfügen zu lassen, blockiere ich einfach. Ich habe mich außerdem erfolgreich bei Rev beworben, was eine ähnliche Plattform ist, allerdings für Untertitelung. Dort wurde ich am Samstag angenommen und habe seitdem noch nichts weiter getan, werde das aber tun, spätestens wenn ich wieder daheim bin.

Ich kriege es nicht gebacken, mich nicht schlecht zu fühlen.

Ich kann sie hören, meine innere Mutter, die es mir nicht erlauben will, mit solchen Tätigkeiten zufrieden zu sein. Das ist ja gut und schön, sagt sie, aber wann suchst du dir was Richtiges?

Und ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich würde gerne etwas Anderes arbeiten wollen oder können, das gesellschaftlich mehr akzeptiert oder prestigebehaftet ist und mir mehr Geld einbringt, sodass ich problemlos auch mal Miete an meine Eltern zahlen könnte, aber ich wäre eigentlich glücklich mit diesen kleinen Geschichten, die ich mache, und damit, mir immer selbst aussuchen zu können, wie viel oder wenig Verantwortung ich übernehme, und mir meine Kunden nicht selbst suchen zu müssen, weil ich über weite Strecken meines Lebens damit überfordert bin, mich Menschen und der Außenwelt entgegenzustellen und Dinge hinzubekommen, die außerhalb meines Computers oder Handys stecken, und tatsächlich ist das Unbabeln die einzige Arbeit, bei der mir die Aufträge von selbst in den Schoß fallen und zu der ich mich selbst dann noch gezwungen bekomme, wenn ich es einfach nicht weiter als bis zum Sofa schaffe.

Nun kommt Becci.