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Maybe this will help.

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Unfassbar – ich habe es geschafft: eben war ich bei der Ärztin und habe mir Medis verschreiben lassen. Es hat einen Anruf, einmal Bergrunterfahren und ein äußerst angenehmes Gespräch gebraucht, um an das Rezept zu gelangen. Beim besten Willen also nichts, das das Vermeidungsverhalten rechtfertigen würde, das mich in diese Lage überhaupt erst gebracht hat.

Die Apotheke bekommt sie heute Nachmittag geliefert. Nachdem die völlig frustrierte Apothekarin mir erörtert hat, dass Großbritannien gerade brexitbedingt Medikamente hamstert sowie eine Starkstromleitung durch de Eurotunnel verlegt, um Strom aus Europa beziehen zu können, kann ich mich augenscheinlich glücklich schätzen, den Stoff überhaupt zu bekommen. Es wäre schon bitter gewesen, wenn zu allen fatalen Auswirkungen dieses politischen Desasters auch noch mein Suizid hinzugekommen wäre.

Nuja, erstmal abwarten, ob Escitalopram den entscheidenden Faktor darstellt, der meinen Geisteszustand wieder geraderückt.

Gestern um diese Zeit…

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Frisch geduscht sieht alles besser aus. Nicht nur ich selbst, auch wenn die Besserung an meinem eigenen Beispiel am deutlichsten sichtbar wird.

Auch dass mein Klärungsversuch gestern Abend nur so semi-gut aufgegangen ist und R sogleich aufs Anschaulichste demonstrierte, dass er nicht wirklich etwas von dem begriffen hatte, um das ich ihn gebeten hatte, indem er zum unpassendsten Zeitpunkt und auf die unangemessenste Art und Weise mal wieder seine Unzufriedenheit mit dem Monodasein verkündete, ist etwas besser auszuhalten. Dabei hat die Dusche geholfen un Becci, die mir heute und gestern in Gesprächen der Sorte zur Seite stand, die ich früher öfter geführt habe und deren Wert mir schon gar nicht mehr wirklich bewusst war. Wann habe ich aufgehört, meine Freunde um Hilfe zu bitten?

Nunja. R scheint der Meinung zu sein, dass mein Sozialleben zu wünschen übrig lässt, und forderte mich gestern auf, mir mehr Freunde zu beschaffen. Wohl in der Annahme (wie Becci heute richtig feststellte), meine Ansprüche an ihn als Partner würden damit zurückgehen. Er hat es nicht so ganz durchblickt.

Nun schreibe ich mit Williams, meinem sehr anhänglichen bolivianischen Kumpel. Er gib sich nicht mit einem groben Lagebericht zufrieden und hat darauf bestanden, dass ich ihm Einzelheiten erzähle. Eigentlich habe ich wenig Lust darauf, denn er kennt mich kaum und R überhaupt nicht. Was soll das bringen?

Oh well. Williams mit seiner Latino-Mentalität wird nun auch nichts weiter tun als R aufs Übelste verteufeln, was mir halt auch nicht hilft.

Oh, worauf habe ich mich eingelassen? Jetzt darf ich Williams das Konzept Polyamorie erklären. Aaaah, ich wollte doch eigentlich nur kurz schreiben, damit  er sich nicht vergessen fühlt.

Na gut, das wurde eine längere Unterhaltung. Jetzt aber ist sie zu Ende – der liebe Williams, so eine gute Seele – und gleichzeitig habe ich von Kepa in Aussicht gestellt bekommen, in seinem zukünftigen gegenwärtigen Baserri wohnen zu dürfen. Zwar gehe ich einfach mal davon aus, dass sein Angebot von vor ein paar Jahren nicht mehr steht, dem zufolge ich jegliche Mietschulden durch Baumumarmen hätte begleichen können, aber da findet sich ein Weg.

Das war gerade einfach zu hundert Prozent unerwartet und kam gleichzeitig so exakt zum richtigen Zeitpunkt.

…Schrieb’s, fing an zu gitarrieren, wurde von Simones Anruf abgelenkt und bemerkte einen Tag später, das der Eintrag unvollendet war. Ich habe inzwischen die Verdrängung ihr Handwerk verrichten lassen, bin so gut wie wieder hergestellt und keinen Schritt weiter, aber was soll’s. Erstmal ist es mir wichtiger, am Leben zu bleiben.

4-Uhr-Krise

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Es wird mal wieder spannend.

Meine aktuelle Lage sieht aus wie folgt.

(Das gestaltet sich jetzt schwierig, weil mein Hirn voller Matsche ist. Andererseits ist das Teil der Lage, also warum nicht damit anfangen.)

Mein Hirn ist voller Matsche.

Okay, ich muss aufhören, das so platt auszudrücken.

Eigentlich ist mein Hirn randvoll mit Gedankenfetzen, die sich allesamt nicht richtig greifen lassen. Ich wurde um vier Uhr wach, als Simone aufs Klo ging, und habe es in der darauf folgenden Periode von zweieinhalb Stunden irgendwie geschafft, mich selbst in einen schätzungsweise präsuizidalen Zustand zu versetzen und R in völliger Ungewissheit zur Arbeit gehen lassen, weil es mir auf sein Nachfragen hin partout nicht gelingen wollte, auch nur ein Wort zu äußern.

Aber versuchen wir das von vorne. Naja, zumindest so weit von vorne, dass halbwegs nachzuvollziehen ist, wie wir hier gelandet sind.

Dass ich auf Medi-Entzug bin und mental am Rad drehe, ist bekannt.

Den Rest kann man ungefähr so zusammenfassen, dass wir beim Abendessen die Doku über Ginger Baker (begnadeter Musiker, krankhaft selbstzentriert, viermal verheiratet – Beware of Mr. Baker, sehr zu empfehlen) angesehen haben und sich währenddessen bei mir die Gewissheit manifestierte, dass R charakterliche Parallelen zu ihm aufweist, was ernsthafte Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Fortbestehens unserer Beziehung auslöste bzw. verstärkte. Diese an sich nicht unbekannte Anwandlung wiederum intensivierte sich, als 1) R auf der Hälfte aufstand, um weiter programmieren zu gehen, 2) Simone und ich uns im Anschluss darüber unterhielten, dass sich Menschen dieser Art niemals der vollständigen Tragweite ihres Arschlochtums bewusst werden, da es zeit ihres Lebens immer Leute geben wird, die – von ihrem Charisma geblendet – sie zu ertragen versuchen und damit in ihrem Verhalten bestätigen, und 3) R, als ich ins Bett ging, ins Wohnzimmer umzog, um dort weiter zu programmieren, nachdem wir den Tag über praktisch noch kein Wort gewechselt hatten. Ich habe dann tatsächlich zu ihm gesagt, „ich glaube, wir müssen uns morgen mal unterhalten“, bin aber schlafen gegangen, ohne das weiter auszuführen. Nicht dass es ihn wahnsinnig gejuckt hätte.

Fast forward to 4 am: ich werde wach und fange an, darüber nachzudenken, was ich überhaupt genau möchte, was mir fehlt und wie ich dies R begreiflich machen soll. Sogar ein halbes Lied habe ich geschrieben, das leider zusammen mit allen anderen etwaigen Erkenntnissen im Nebel verschwunden ist. Ich habe dann aus irgendeinem unerfindlichen Grund mein Handy genommen und in meinen Facebook-Nachrichten nach Şahins Verlauf gekramt, mir diesen in (zum Glück überschaubarer, da andere Kommunikationswege bei uns gebräuchlicher waren) Gänze zu Gemüte geführt und mir dabei gedacht, dass ich es ihm in der Tat nicht sonderlich verübeln kann – retrospektiv – , dass er am Ende nach dem Drama keinen Bock mehr hatte, sich mit mir weiter abzugeben. Dann dachte ich mir, dass dafür, dass mir emotionale Verbindungen so wichtig sind, mein Leben eine ziemlich lückenlose Reihe an Fails darstellt. Dann dachte ich noch, „ich kann nicht schon wieder versagt haben“. Ich war mir mit einem Mal gewiss, auf der Welt ganz und gar alleine zu sein. Wie gern hätte ich jede Selbstbeherrschung in den Wind geschossen, angefangen, laut zu heulen, und zu R neben mir gesagt, „bitte hilf mir“. Dabei hätte ich ihm nicht mal erklären können, wobei.

Irgendwann ging Simone aus dem Haus; ihr Bus fuhr um zwanzig nach sechs. Ich musste aufs Klo. Als ich wiederkam, fragte mich R, dessen leichter Schlaf vermutlich zuerst durch mein ständiges Bewegen und dann Simones Rausgehen gestört worden war, ob alles okay ist. Zu dem Zeitpunkt war mein Kopf ein einziger Brei. Alles darin schrie und hämmerte durcheinander. Und alles darin wollte nichts weiter als raus. Aber wie das so ist in einer Paniksituation, am Ende schafft es niemand, weil die Fluchtwege verstopfen. In meiner Unfähigkeit, irgendetwas zu äußern, konnte ich zunächst gar nicht reagieren. Die letzte verbleibende vernünftige Stimme in meinem Kopf wies mich jedoch darauf hin, dass ich gefälligst zu antworten hätte. Also artikulierte ich: „Nicht wirklich, aber wollen wir das heute Abend besprechen? Du willst lieber noch ein bisschen schlafen.“

Okay, das war nun nicht, was ich eigentlich sagen wollte. Keine Stunde zuvor hatte ich so viele konstruktive, strukturierte Dinge mitzuteilen, dass ich am liebsten sofort damit angefangen hätte, ungeachtet der Uhrzeit und des sich zu dem Zeitpunkt noch in der Wohnung befindlichen Besuchs.

Hätte ich nur. Nun dagegen hing ich stumpf am Handy und beschäftigte mich mit Wordscapes, bis R irgendwann fragte, was los sei. Und, es ist zu absurd, ich konnte nichts sagen. Kennst du das, wenn du innerlich am Sterben bist und dir nichts sehnlicher wünschst, als dass dich jemand fragt, was los ist, und dann geschieht genau das und du kannst einfach nichts sagen. Zum einen sind keine Wörter mehr da. Auf einmal ist alles einfach weg. Und zum anderen sind selbst die vagen Vorstellungen von dem Chaos, das eben noch allgegenwärtig dein Denken terrorisiert hat, ganz und gar ungreifbar. Ich war vollkommen in mir selbst eingesperrt. Ich war nicht in der Lage, zwischen Innen und Außen auch nur die geringste Verbindung herzustellen, als wäre einfach die Ausfahrt blockiert. Nichtmal blockiert, einfach weg. Als wäre ich nicht nur von außen verschlossen, sondern als wäre mit einem Mal das Schloss einer glatten, undurchlässigen Wand gewichen.

Und noch dazu, selbst wenn ich hätte reden können, hätte ich vor der Aufgabe gestanden, zu selektieren, was von dem Salat dafür qualifiziert gewesen wäre, ausgesprochen zu werden. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn ich hatte keine Ahnung mehr, was von dem Spuk echt war und was Produkt meiner überquellenden Paranoia.

Nach einer Weile gelang es mir, R zu sagen, dass ich Salat im Kopf hatte. Ich sagte, ich würde sehr gern kommunizieren, aber es sei schwierig. Es war mir unwahrscheinlich wichtig, zumindest insoweit ihm entgegenzukommen, dass er das erfuhr. In dem Moment klingelte sein Wecker und übertönte vermutlich Teile meiner Äußerung, aber ich hatte meine gesammelten Reserven dafür verbraucht und konnte nun nichts weiter tun als regungslos dazuliegen und mich selbst zu verachten, während er aufstand und dabei feststellte, dann würde er es eben nicht vor 21 Uhr erfahren.

Während er sich fertigmachte, erwog ich meine Optionen. Darunter: Becci anrufen, um von ihr Input irgendeiner Art zu erhalten, der dafür sorgt, dass ich den Tag überstehe. Genau genommen sah ich dies als einzige Option. Mir wurde bewusst, dass ich außer Becci niemanden anrufen könnte. Statt Becci zu belästigen, habe ich dann allerdings mein Handy dafür genutzt, mir Marketa Irglovas The Hill anzuhören, was mich komischerweise etwas beruhigte. Dann stand ich auf. Sieben Uhr. Nun bin ich hier.

Heute ist Lauras Geburtstag. Hätten wir noch Kontakt, würde sie vermutlich den vorliegenden Eintrag als wunderbares Zeichen meiner wiederaufflammenden Abgefucktheit und großartiges Geschenk betrachten, das meiner lahmen Existenz mal wieder etwas Pep verleiht. Aber ehrlich gesagt, so weit davon entfernt bin ich meistens gar nicht. Es hängt alles daran, was man ausspricht und was nicht.

Eigentlich ist mein Hirn ziemlich klug, im Angesicht der schwerwiegenden Konsequenzen von einmal Gedachtem (und erst recht einmal Gesagtem) die Grenzen so überaus gründlich zu bewachen.

Feelings, my old friends.

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Ich bin dann mal wieder da. Sogar schon seit Montag Mittag, aber ein unglücklicher Zusammenfall mehrerer erschwerender Umstände setzte mich nach meiner Rückkehr erstmal für ein paar Tage komplett außer Gefecht. Jetzt ist die Zeit gekommen, sich der Welt ein Mal mehr erhobenen Hauptes entgegenzustellen. Ich hab’s vorhin schon ausprobiert und es geht tatsächlich, sein Haupt hoch zu erheben, auch während man von escitalopramentzugsbedingten Heulattacken geplagt wird.

Mir sind meine Medis während des Urlaubs ausgegangen, was abzusehen war, aber dank meiner grenzenlosen Unfähigkeit habe ich es weder zuvor noch währenddessen geschafft, mir ein neues Fläschchen zu besorgen. Es hätte so einfach sein können… denn der Ausschleichprozess lief ganz hervorragend. Wirklich, ich hatte mich so schön vorsichtig auf drei Tropfen runtergearbeitet und dabei gar nichts gemerkt. Bis sie dann halt dann auf einmal überhaupt nicht mehr da waren.

Nun stehe ich vor dem Dilemma, dass ich einerseits ja wieder daheim bin und diesen Zustand im Nullkommanichts einfach beenden könnte, indem ich mir unten in der Praxis ein gowaiverdammtes Rezept beschaffe und mir meine drei Tropfen einflöße, dafür aber andererseits zu stur bin und selbst gefühlte dreißig Brainzaps pro Minute und die entsetzlichste emotionale Hölle nicht auszureichen scheinen, mich zu diesem banalen Schritt zu bewegen.

Es sind auch tatsächlich die körperlichen Nebenwirkungen – Matschkopf, Übelkeit und dergleichen mehr – schon größtenteils zurückgegangen, bis auf die Stromschläge eben, die ja aber auch im Grunde mehr nerven, als dass sie wirklich schaden. Auch meine Konzentrationsfähigkeit ist mittlerweile (glaube ich) wieder vorhanden.

Naja. Ich würde sagen, wir beobachten das jetzt nochmal ein paar Tage und richten uns danach, ob eine Besserung im psychischen Bereich zu beobachten ist. Der erste Schritt dafür ist getan, schließlich sah ich mich heute bereits in der Lage, eine To-Do-Liste zu schreiben, die Sonnenlichtlampe aus dem Schrank hervorzukramen und während des Frühstückens in Gebrauch zu nehmen (höchste Zeit für Licht bei diesem Dauerregen, der R zufolge seit meiner Wegfahrt anhielt und heute erstmals eine Pause einzulegen scheint) und kleine Dinge im Haushalt zu erledigen. Da Becci heute Nachmittag zu mir kommt, bin ich auch mehr oder weniger gezwungen, meine Liste zu befolgen, und kann nicht schon wieder beim Zocken versacken. Man wird sehen, wie gut das funktioniert.

Der Zwiebel dienen

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So. Nachdem ich gestern leider arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten – zocken – Boggle spielen musste, blieb leider keine Zeit fürs tägliche Pflanzenauflisten. Dafür heute wieder:

11 – 15

Echter Thymian (Thymus vulgaris – Lamiaceae)
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Walderdbeere (Fragaria vesca – Rosaceae)
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Marokkanische Minze (Mentha spicata var. ‚Marokko‘ – Lamiaceae)
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Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium – Asteraceae)
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Nelken-Leimkraut (Silene armenia – Carophyllaceae)
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Ich kann dahingehend außerdem berichten, dass heute die erste Blüte meiner Canna aufging und ich mich freue wie nur was – sie ist so prächtig, ich bin so froh, sie zu haben, und die Samen gehen bei Ebay weg wie warme Semmeln.

Ich bin allgemein ziemlich froh. So, wie’s grad läuft, kann es ruhig weiter laufen – ich komme mit meiner Arbeit klar, mit meiner Mutter, mit R sowieso, mit meinem Dasein im Allgemeinen. Der Therapeutin hatte ich vorhin jede Menge Positives zu berichten. Der Rest fällt kaum ins Gewicht. Meine Motivation für Tasks außerhalb des Notwendigen hält sich in Grenzen, aber (Achtung, Sarah-Lesch-Referenz) immerhin hält sie sich. Ich hab‘ von Şahin geträumt, aber das ist mir auch egal. Heute ist alles ganz ruhig.

Nun widme ich mich allerdings mal wieder meiner etablierten Routine: Scorpion gucken und dabei frühstücken – arbeiten – Scorpion gucken – arbeiten.

Making Fingers

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Ach, es tut schon verdammt gut. Die Wohnung ist gesaugt, gelüftet und relativ aufgeräumt. Im Bad riecht es nach Pflegeprodukten, an mir selbst ebenso. Ich bin frisch geduscht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es mir schließlich gelungen, meinen Pony zu föhnen. (Hey, man kommt mit dem Wissen, wie man einen Pony föhnt, nicht auf die Welt – und ich habe meinen noch nicht mal zwei Wochen.) Der Trockner und die Spülmaschine laufen. Ich habe noch anderthalb Stunden Zeit, bis mein Schüler kommt.

Würde nicht die Katze auf mir sitzen, könnte ich noch Wäsche zusammenfalten. So dagegen kann ich stattdessen etwas von dem Auftrag abarbeiten, den ich morgen abgeben muss, und zuvor der Welt davon berichten, was ich heute schon alles geschafft habe.

Und auch andere Dinge sind berichtenswert. Berichtenswert, ja, aber schwierig in Worte zu fassen. Ich habe es gerade versucht und war überhaupt nicht glücklich damit.

Aber ich versuche es noch einmal. Vielleicht kann ich es von hinten aufrollen. Ich hatte einen dazu passenden Gedanken vorhin beim Staubsaugen, und zwar den, dass es möglich ist, sich Fingerhandschuhe aus Fäustlingen zu machen. Gerade habe ich darüber noch einmal nachgedacht und festgestellt, dass ich genau der Mensch bin, der genau das tun würde, angenommen, ich wollte Fingerhandschuhe und das Leben präsentierte mir Fäustlinge. Umständlich? Ja. Fragwürdiger optischer Eindruck des Endprodukts? Vermutlich. Funktionstüchtig? Definitiv. Und ein Projekt, auf das man stolz sein kann, denn es steckt harte Arbeit drin und, noch besser, die Individualitätsstufe ist schwer zu übertreffen.

Natürlich macht das nur Sinn, wenn ich dazusage, dass mir das Lied ‚Mittens‘ von Frank Turner immer ein beklemmendes Gefühl vermittelt hat. Because I definitely need to fit like gloves. And I never quite felt like we did.

Und daran habe ich über die Jahre gearbeitet und tue es nach wie vor, und ich habe zwar den Eindruck, dass ich einen monströsen Teil dieser Arbeit unbemerkt und allein verrichte, aber es wird immer besser. Es wird beständig besser und es wurde vor ein paar Tagen besser, als R mich erstmals bat, ihm von meinem vergangenen Beziehungsleben zu erzählen. Ich bin der Bitte nachgekommen und habe in drei-vier Sätzen erläutert, dass ich zuvor nicht die Gelegenheit hatte, mit den Menschen, die ich mir ausgewählt hatte, eine Beziehung zu führen. Dass ich eher so der Mensch war, dem man sagt, was für eine unglaubliche Verbindung man mit ihm doch habe, von dem man jedoch in romantischer Hinsicht nichts wissen will. Dass man da irgendwann einfach nicht mehr weiß, was man überhaupt noch fühlen darf. Dass ich schon einen ziemlich großen Knacks weg hatte, als wir uns getroffen haben. Dass ich sehr dankbar bin, dass der Knacks geheilt ist. Eine richtig schöne kleine Rede. Er hat alles zur Kenntnis genommen und am Ende gesagt, sie wären selbst schuld gewesen. Details wollte er keine wissen. Aber es war immerhin eine Frage. Für meinen Handschuh mindestens ein Finger mehr.

Vierzig Grad

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Ein bisschen komme ich mir vor wie im Delirium. So, als hätte ich richtig hohes Fieber, so eines, in dem alles irgendwie vorbeizuziehen scheint, man nicht schläft und nicht wach ist und ab und an die Realität für einen Augenblick ganz deutlich wird, um einem im nächsten schon wieder in unerreichbare Ferne zu entgleiten.

So gestaltet sich mein Leben seit Jahren, vielleicht ist daher auch mein Detailgedächtnis so überaus grottig geworden. Vielleicht liegt darin auch die Tatsache begründet, dass ich nie weiß, was ich der Therapeutin erzählen soll, wenn sie wieder fragt, was dieses Mal dran ist. Ich vergesse alles und existiere nur im Moment. Nur die Sorge um die Zukunft bleibt verlässlich an meiner Seite und sorgt dafür, dass ich mir allzeit darüber im Klaren bin, dass dieser eine Moment, der mir erhalten bleibt, nicht ausreicht für alles, das noch kommt.

Und vielleicht habe ich auch einen Grund ausfindig gemacht, aus dem mir die Motivation zum Schreiben zu großen Teilen abhandengekommen ist (neben dem bedauerlichen Umstand, dass Motivation, egal für was, einfach Mangelware ist), dass nämlich dem, was eigentlich gesagt werden müsste, Wörter einfach nicht gerecht werden, so sorgfältig man sie auch wählen möge. Götz Widmann hat ein Wunder vollbracht, als er genau dies in Worte gefasst und eine der raren Gelegenheiten geschaffen hat, in denen es doch gelingt – indem er eine ganz grundsätzliche Wahrheit auf so vollkommene Weise verbalisiert hat, dass die Formulierung sich selbst durch ihre Existenz Lügen straft: Die Worte sind Hülsen für was, was nicht in Hülsen passt.

Mein Fieber ist die Lethargie, die Lähmung, wie man es auch nennen mag, die Taubheit, die völlige Abwesenheit von Willenskraft, Energie oder Motivation, die absolute Nichtteilhabe am Leben oder an dem, was ich mir unter Leben vorstelle. Meine klaren Momente sind die, in denen ich tätig bin, fühle, lerne oder entscheide, oder vielleicht auch einfach diejenigen, in denen ich mich zu alldem zumindest fähig wähne.

Demnach bin ich gerade wach. Ich habe leichte Panik, die wohl daraus resultiert, dass ich mir verschiedene Dinge für heute vorgenommen habe und diese erledigen muss, bevor Becci ankommt. Dazu zählt Duschen, Pfand wegbringen, Wäsche versorgen und staubsaugen, und wenn Becci dann da ist, bitte ich sie um Hilfe beim Handling meiner Essenssituation. (Die Situation gestaltet sich solcherart, dass ich bereits seit Längerem alles Essen, das ich anschleppe, einfach auf dem begehbaren Kühlschrank aka Terrasse fallen lasse und somit der Bereich hinter der Terrassentür über mehrere Quadratmeter mit Tüten und Taschen voll unsortiertem, ungewaschenem, generell unversorgtem Zeug steht und mich maßlos überfordert. Das kann so nicht weitergehen, aber um etwas daran zu ändern, brauche ich Hilfe. Die bekomme ich von R nicht, also muss Becci ran.)

Ein kleineres Drama mit R gestern Abend brachte mich zu der Erkenntnis, dass es um R’s Geisteszustand nicht besser bestellt ist als um meinen, was einerseits (im ersten Moment könnte dies paradox wirken) auf mich beruhigend wirkt (aber wenn man bedenkt, dass somit die Hoffnung besteht, dass er es schaffen könnte, sich irgendwann aktiv um mich zu kümmern, wenn es ihm besser geht, und ich von der ganzen emotionalen Arbeit einfach mal Pause hätte, wird deutlich, warum ich erleichtert bin zu erfahren, dass dies gerade nicht sein Top-Zustand ist), andererseits allerdings Grund zu großer Sorge darstellt, weil er den Eindruck machte, als seien seine Sicherungen permanent kurz vor dem Durchbrennen. Meines Erachtens braucht er Hilfe, die ich ihm nicht geben kann, weil er sie nicht möchte. Wie bekommt man jemanden dazu, sich professionellen Beistand beim eigenen Seelemanagement zu holen, wenn sein Problem gerade darin besteht, dass er sich aus Angst vor Überforderung weigert, sich mit sich selbst auf die dafür notwendige intensive Art auseinanderzusetzen? Vielleicht frage ich mal die Therapeutin.

Ja, ich frage sie definitiv mal.

Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

Jetlag

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– wer hat mir das angetan?

No, seriously though, I’m feeling funny. Actually, beyond funny. I can’t remember the last time I’ve felt this funny.

Funny as in weird, of course.

Ich habe bis 4 geschlafen (pm, that is), mich dann mit größter Mühe zum Aufstehen gezwungen (obwohl der Körper protestierte und die generell vorherrschende Dunkelheit des Tages alles Andere als positiven Einfluss auf meine Willenskraft ausübte), Frühstück gemacht, zwei Folgen Scrubs angesehen und dabei den Energy vernichtet, den Becci mir vor ein paar Wochen mitgebracht hatte, anscheließend meine Großeltern angerufen, um mich zurückzumelden, dann mit Basti geredet, dann Rezepte für Rasgulla und Roti gegooglet und nun meinen Weg hierher gefunden, um zu erzählen, wie komisch ich mich fühle.

In einer Stunde muss ich wach genug sein, um zum Containern das Haus zu verlassen. Yannick hatte mir gestern bereits geschrieben, ob ich vor Weihnachten nochmal mit auf Beutezug komme. Natürlich komme ich. Auch wenn ich irgendwie noch nicht richtig da bin.

Ich habe schon mehrfach versucht, die Indien-Erfahrung in Worte zu fassen; es ist mir bislang nicht sonderlich gut gelungen. Vielleicht tut es das, wenn ich wacher bin. Vermutlich allerdings nicht. Wer sich schonmal in indischen Großstädten herumgetrieben hat und an das erste Mal zurückdenkt, wird mich an dieser Stelle verstehen.

Shit. Jetzt bin ich in meiner Recherche einer potenziellen neuen Kamera abgedriftet und darf mich in einer halben Stunde schon aus der Wohnung zwingen. Uff. Aber was tut man nicht alles für sein Essen. Und da meine Eltern mich übermorgen besuchen und ihr Raclette mitbringen, muss und möchte ich sowieso für ausreichend Zutaten sorgen.

Alles Weitere also später.

Such a rainy day

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Es ist… so grau.

Wow. Wirklich, ich habe so on-off bis 12 geschlafen, weil ich keinerlei Impuls verspürt habe, mich zum Wachwerden zu bringen. Vom Moment des Aufstehens an ist das Lied nicht aus meinem Kopf wegzubekommen.

The most rainiest day of my liiiiife.

Stimmt zwar nicht, es war einfach nur so lange nicht mehr nass und grau, dass man es einfach so empfinden muss, aber das stört das Lied ja nicht.

Ich habe den letzten noch im Kühlschrank befindlichen Fertigkäsekuchen zum Frühstück angebrochen und mir einen Kaffee gemacht, mich hingesetzt und Scrubs geguckt, die übliche Routine. Dann eine Stunde an Timos Doktorarbeit gewerkelt, die ich ihm korrigiere.

Nebenher warte ich auf den Anruf der Scribbr-Frau. Ich habe gestern den Bescheid bekommen, dass ich zum Probearbeiten angenommen wurde, und könnte mich darüber dumm und dämlich freuen, wenn ich mich nicht so sehr fürchten würde. So viel Neues. So viel Arbeit. Aber das ist es nicht, vor dem ich mich fürchte, natürlich, sondern dass ich es nicht gebacken bekomme, das ist es. Dabei wäre es ein Traum. Wenn ich nur erstmal sicher wäre, dass ich das schaffe.

Es ist nicht sonderlich gemütlich hier drinnen. Das liegt daran, dass ich noch immer nicht das Staubsaugen hinter mich gebracht habe. Genausowenig habe ich aufgeräumt, geduscht oder sonstwie dazu beigetragen, dass ich es mir endlich richtig schön machen kann, mit Kerzen und Räucherstäbchen und Musik und allem. Ich sollte das wirklich mal tun.

Ja, komm schon. Die Folgen Lebensmittelvergiftung habe ich jetzt endgültig auskuriert, an drei Tagen genug für drei Wochen geschlafen und sichergestellt, dass Nahrungs- und Flüssigkeitshaushalt sich wieder auf ein akzeptables Niveau einpendeln. Ich fühle mich wieder gesund. Dann kann ich mich ja auch wieder entsprechend verhalten.