Schlagwort-Archive: Zustand

How we survive

Standard

Ich scheine mich nicht festlegen zu können, ob ich nun in Ordnung bin oder absolut am Abkacken.

(Gut. Ich setze also offenbar dazu an, Survive schreiben zu wollen; dann kann ich dieses Projekt an dieser Stelle beenden, denn das hat ja nunmal schon jemand vor mir getan. Ein Glück hab ich’s rechtzeitig bemerkt.)

Gefühlt entgleite ich momentan in die vollkommene Sinnlosigkeit. Ich bekomme kaum mehr mit, welche Katastrophen-Doku ich mir gerade reinziehe, weil ich nebenher nähe, esse oder am Handy spiele, um mich zusätzlich zu beschäftigen. Außerdem verschwimmen sie alle ineinander.

Das Sinnlosigkeitsgefühl ist nicht mehr so schlimm wie vorhin. Manchmal kommt so ein Tiefpunkt. Dann wird es mit etwas Glück nach einer Weile wieder besser.

Ich gehe mal schlafen. Weiter auszuführen wäre meiner Laune eh nicht zuträglich und noch dazu muss ich ja morgen früh aufstehen.

Ist der Ruf erst ruiniert…

Standard

…muss man auch nicht mehr jeden Tag Blog schreiben.

Wäre ja auch zu merkwürdig gewesen, wenn ich das geschafft hätte.

Jetzt weiß ich nicht mal mehr, was der Stand war, als ich zuletzt berichtete. Aber ich kann es mir ungefähr denken.

Seither wohnt Jana bei mir; ja, ich schätze, dass der Abend, an dem sie hierblieb, derjenige gewesen sein dürfte, an dem ich zu berichten aufgehört habe. Dienstag war’s, glaube ich, genau der Tag meiner letzten Therapiesitzung, bevor die Therapeutin Osterpause machte.

Ich habe wieder mit Arbeiten angefangen. Ironischerweise war es R, der mir den Auftrag vermittelte, welcher dazu führte (er wandte sich dafür an Jana, nicht etwa an mich); es handelt sich um die Doktorarbeit von Vidulas bester Freundin, die ich nun (in direkter Kommunikation mit dieser) kapitelweise durchgehe. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können, denn nicht nur ist meine Auftraggeberin eine äußerst liebe Kundin, sondern die persönliche Natur des Auftrags macht mir das Herangehen an die Arbeit um einiges leichter, als dies ein Scribbr-Auftrag täte.

Zudem hat William über Facebook nach Hilfe beim Transkribieren von Interviews für seinen Podcast gefragt, wofür ich mich auch einfach mal gemeldet habe. Er ist sehr dankbar und hat mir zudem angeboten, mit mir zu reden, wenn ich das möchte.

Ostern haben wir mit Yannick und Fredi Hasen gegessen. Den, der seit Ewigkeiten eine ganze Gefrierschrankschublade blockiert hatte und den R und ich eigentlich schon zu diversen Gelegenheiten gemacht haben wollten, wozu es dann allerdings nie kam, und den, der aufgrund von Platzmangel noch bei Yannick für uns (beziehungsweise dann mich) zwischengelagert gewesen war. Zudem fahren wir regelmäßig auf Essenssuche – ich scheine die für Hamstern und Nachhaltigkeit nicht unempfängliche Jana zumindest für die Dauer ihres Hierseins erfolgreich angefixt zu haben.

Den Rest der Zeit verbringe ich auf der Terrasse (welche mittlerweile beinahe vollständig hergerichtet und mit zum Teil bereits in Blütenpracht erstrahlenden Gewächsen bestückt ist), auf dem Sofa oder im Bett. Die 15-mg-Dosis Medis hat nicht nur mein unmittelbares Fortbestehen gewährleistet und mein Gefühlsspektrum verlässlich abgestumpft, sondern auch mein Schlafbedürfnis wieder auf unvermeidliche 11 Stunden ausgeweitet. Ich bin schon wieder dabei, auf 10 mg herunterzustufen. Wobei ich nicht sicher bin, inwieweit ich dahingehend alles richtig mache, da ich mich über den Tag hinweg meistens zwar verhältnismäßig sicher fühle, abends jedoch seit mindestens einer Woche regelmäßig so krasse suizidale Anwandlungen erlebe, dass (ich bin mir relativ sicher) allein die Tatsache, dass ich genug Anstand besitze, um nicht Jana, die – wie es gestern der Fall war und heute wieder ist – zum Arbeiten nach Hause gefahren ist und zum Schlafen wiederkommt, mit dem unschönen Anblick einer (vermutlich vollgekotzten) Trimipraminleiche zu konfrontieren, mich davon abhielt, diesen nachzugeben. Jana kann ich das nicht antun; niemandem, der eben erst seine Mutter an Krankheit und seinen Bruder an Selbstmord verloren hat und in drei Wochen mit seiner Doktorarbeit fertig sein muss, kann man das zumuten. So viel Anstand habe ich.

Aber ich habe mich schon geärgert, ich war genervt, richtig wütend, wenn man’s genau nimmt, darüber, dass mir das verwehrt blieb, und ich kann nicht behaupten, im Nachhinein sonderlich dankbar dafür zu sein, auch wenn die Zeitspannen, in denen ich wohl tatsächlich akut gefährdet wäre, völlig am Rad zu drehen und etwas Derartiges durchzuziehen, immer recht kurz sind. Aber wirklich Sinn macht meine Existenz halt auch in den übrigen Momenten nicht. Von einem Tag zum nächsten leben kann ich noch (oder eher wieder), ich mache genug schöne Dinge jeden Tag, Pflanzen pflegen, Euskera lernen, containern, Katze bedienen, tolle Sachen essen, mit Menschen reden, Nägel lackieren, so Sachen, aber eine Zukunft sehe ich nicht, das nicht, zumindest keine, in der ich gerne sein möchte.

Hähnchenkeulen und Tzatziki

Standard

In 6 Minuten [Edit: mittlerweile jetzt gleich] ruft mich Mama an, damit wir zusammen kochen können. Anschließend werden wir uns mit Papa ans gemeinsame Abendessen machen und vielleicht noch einen Film gucken, so wie ich es angezettelt hatte, bevor ich wusste, dass ich eine Mitbewohnerin bekommen würde.

Ich habe ein bisschen auf der Terrasse gearbeitet, die beiden Flaschen endlich weggebracht und meinen verstopften Kleiderschrank entleert, indem ich meine nicht unbeachtliche Sammlung Winter- und Sommerkleider in R’s Schrank verfrachtet habe. An ihrer Stelle hängt nun mein Faltregal, in welches ich Hippiehosen und lange Röcke hineinsortiert habe.

Ich bin nicht glücklich, aber ich lebe.

Mitbewohner sind eben auch kein Allheilmittel.

Standard

Okay, es scheint so eine Art Wechselbad zu werden. Heute habe ich die Gesellschaft weder motivierend noch aufbauend, sondern eher anstrengend erlebt. Dennoch habe ich das Beste daraus gemacht und mich immerhin zum Wäschehochholen, Kernseifereiben und Hummusmachen aufraffen können.

Was ich dringend mal wieder brauche, ist ein gescheiter Tag-Nacht-Rhythmus. Um 12 aufzuwachen ist einfach suboptimal, wenn man gern etwas Tageslicht mitbekommen und vielleicht irgendwann doch mal zum Bärlauchpflücken oder Altglaswegbringen das Haus verlassen möchte. Ich könnte direkt damit anfangen und demnächst mal ins Bett gehen.

Cause everybody needs some company.

Standard

Jana sitzt neben mir an ihrem Computer und tut irgendetwas zwischen Diplomarbeit schreiben, Salzburger Nockerln recherchieren und sich die aktuellen Corona-Zahlen zu Gemüte führen. Sie hat sich bei mir mehr oder weniger häuslich eingerichtet, nachdem sie festgestellt hat, dass es ihr in diesem Umfeld leichter fällt, produktiv zu sein (ich wünschte, dieser magische Effekt meiner Wohnung würde bei mir ebenfalls Wirkung zeigen), und mit ihr haben große Teile ihres Essensvorrats (der sich mit meinem sinnvoll ergänzt, zum Beispiel um in meiner Welt so rare wie elementare Dinge wie Kokosmilch, Kichererbsen, Couscous oder Tahini) und ein ganz anderer Lebensgeist bei mir Einzug gehalten.

Ich bin überaus zufrieden mit dieser Entwicklung. Ich bin so viel funktionsfähiger, wenn ich Gesellschaft habe. Und ich habe den Eindruck, in dieser Situation auch mich selbst und meine Identität ein Stückweit wiederzufinden, gerade durch die neu entstandene Möglichkeit oder Notwendigkeit der Abgrenzung.

Und so kam ich als vermutlich einziger Mensch auf Erden in diesen einsamen Zeiten zu einer zeitweisen Mitbewohnerin. Gut. Sehr gut. Ich komme mir fast unwirklich weit weg von allem vor, was gerade in meinem Leben vorgeht. Nutzen wir diesen Zustand doch dazu, uns vielleicht tatsächlich etwas weiter davon zu entfernen.

Fuuuuuuuuu…

Standard

Und es ist soweit: nach ganzen zwei Monaten und dreißig Tagen habe ich es gestern erstmalig dieses Jahr verpasst, meiner Challenge gemäß den obligatorischen Eintrag zu verfassen. Alles, weil ich mit Caro am Telefonieren war und absolut nicht auf dem Schirm hatte, wie spät es schon war. Ich könnte die Zeitumstellung dafür verantwortlich machen, aber wenn ich ganz ehrlich bin – eine Stunde früher aufgelegt zu haben hätte um 1.01 Uhr eben auch nicht mehr geholfen.

Aber natürlich war es das wert. Sowieso erleben viele meiner Neurosen, die ja letztendlich auch nur selbst auferlegte Regeln sind, momentan einen Einbruch unvergleichlicher Ausmaße. Da ertrage ich es gleich gelassener, an diesem Punkt nun einmal gefailt zu haben.

Und die Müdigkeit dürfte auch ihren Teil beisteuern. Ich bin völlig im Eimer, was daran liegen dürfte, dass ich natürlich gestern Früh mein Therapeutentelefonat wahrnehmen musste. Aus diesem kam ich bestärkt und mit einem Haufen hilfreicher Bilder zurück in meinen Gammeltagesablauf und sah mich wenig später sogar in der Verfassung, paniklos einen Instant-Cappuchino zu konsumieren.

Also. Es wird.

Getting by

Standard

Das ging gestern noch richtig gut weiter. Erst schrieb mir Yannick, ob ich mit auf Essenssuche kommen will – was ich erfreut bejahte – und dann kündigte sich Jana an, die kurz nach ihrem Erscheinen gleich vorschlug, doch mit ihrem Auto zu fahren. So sparte ich mir das Bus- und Bahnfahren zu Yannick und gleichzeitig die halbe Route unseres Beutezugs, den wir auf diese Weise trotz Wolfgangs Abwesenheit in gewohnter Manier auf zwei Autos verteilen konnten.

Heute habe ich vor allem mit Mama geredet und gerade noch ein wenig mit Caro. Zwischendurch ist es mir gelungen, mich anzuziehen, etwas in der Küche für Ordnung zu sorgen, das Katzenklo sauberzumachen und einen Großteil des gestern Erbeuteten zu verstauen (darunter eine absurde Menge Kinder Pingui – eine meiner absoluten Lieblingssüßigkeiten, die ich seit Jahren nicht mehr gegessen hatte -, Hühnerfleisch im Überfluss, Kartoffeln, Lachsscheiben und Gemüse). Alles in allem ein höchst erfolgreicher Tag, an dem R und das Verlassenwerden sich nicht in den Vordergrund drängen konnten.

Morgen kommt Jana wieder her und arbeitet an ihrer Thesis. Falls es Caro gut geht und sie keine Blasenentzündung bekommt, reden wir hoffentlich. Tagsüber könnte ich zum Altglascontainer spazieren, etwas von der mittlerweile in rauen Mengen bei mir eingetroffenen Kernseife raspeln, Wäsche machen und das Bett im kleinen Zimmer von Anziehsachen befreien. Auch könnte ich mich damit befassen, R’s Kleiderschrank in Beschlag zu nehmen und aus meinem überquellenden (kleineren) eigenen Schrank einen Teil meiner Garderobe dort hineinzuverlagern.

Nicht vergessen darf ich außerdem, die Therapeutin anzurufen. Neun Uhr, üblicher Zeitpunkt, Sofa. Wie schön. Ich muss mit ihr darüber reden, dass ich nicht loslassen kann und wie ich es lernen könnte. Und darüber, wie ich erreichen kann, meinen Selbstwert aus mir selbst heraus zu schöpfen, nicht aus den Häppchen oder Happen, die ich von Anderen bekomme.

Telefontherapie

Standard

Fast wie in den guten alten Zeiten, als ich single und hobbylos war und trotzdem abends immer jemand zum Reden da war, ist dieser weltweite Quarantänezustand. Das, so bitter es auch sein möge, ist gut für mich, denn wäre es anders, würde ich an der Einsamkeit zugrunde gehen.

Morgen um neun gibt’s Telefonsession mit der Therapeutin. Äußerst praktisch, nicht mal mehr dafür aus dem Haus zu müssen. Im Bett liegen und sich therapieren lassen, welch ein Luxus. Ideal auch deshalb, weil ich auf die Weise eine halbe Stunde länger schlafen oder zumindest vor mich hindämmern kann. Andererseits wird es vielleicht weird, mit der Therapeutin zu telefonieren. Hoffentlich nicht zu sehr.

Aktuelle Lage: irgendwo zwischen miserabel und richtig okay. Wobei ‚zwischen‘ der falsche Ausdruck ist, denn statt sich einzupendeln, oszilliert mein Zustand munter von einem Extrem zum anderen. Das ganz fürchterliche Absacken konnte aber gerade nochmal durch Telefonieren mit Caro verhindert werden, meine Güte, wie Caro hilft. Die hätte ich beim letzten Mal schon wirklich gut gebrauchen können.. ach, warte, da war ja was.

Letzten Monat, kurz nach Vorschlagen der Pause, als ich frisch zusammengeklappt genau hier in meiner Sofaecke hing, fragte mich R – und daran muss ich gelegentlich denken, durch diese Feststellung jetzt zum Beispiel – was er für mich tun könne. Ich sagte: „Ich möchte, dass du den Schmerz wegmachst… aber du bist die Quelle des Schmerzes.“

Schon etwas absurd, dass diejenigen Menschen einem die unaussprechlichsten Schmerzen zufügen können, die unter anderen Umständen am besten dafür geeignet wären, sie zu lindern.

Geht alles, wenn’s denn sein muss.

Standard

Heute habe ich es ohne Beta-Blocker geschafft. Es war nicht schön, aber ich habe überlebt und bin nach ein paar Stunden derwischmäßigen Rotierens im Haushalt mittlerweile fast vollständig panikfrei.

Ich habe wirklich eine Menge geschafft. Beide Katzen versorgt, Kühlschrank entsaftet und grob gereinigt, gefegt, gesaugt, die Tüte mit Flüssigbonbons geleert, die seit Jahr und Tag auf den Flurboden leckte, eine Wäsche in die Maschine geschmissen, Essenstüten ausgeräumt, das Essen gewaschen und im Kühlschrank verstaut, Spülbecken gesäubert, Spülmaschine angeworfen, etwas aufgeräumt… doch, wirklich, eine Menge.

Somit steht Mamas Besuch nichts mehr im Wege. Und wenn ich einen Bus früher nehme, um sie abzuholen, kann ich vorher sogar noch Pfand wegbringen. Das wäre doch echt mal eine Maßnahme.

Whey, ich bin ja richtig lebenstauglich.

Und das, obwohl die Medis mich hundemüde machen und gestörte R-relatede Träume sowie schmerzhafte R-relatede Gedanken mich am laufenden Bande heimsuchen.

Letzten Endes schaffe ich mit den Medis, mit einem auf so unerwartete Weise rettenden Umfeld und mit aller Kraft, die ich nur aufbringen kann, woran ich vor einem knappen Jahrzehnt so elendiglich gescheitert bin: klarkommen.

Marketa und R treffen sich vielleicht am Mittwoch. Nur gut, dass ich eben Marketa nochmal geschrieben habe, um sie zu bitten, bestimmte Dinge, die wir gestern beredet hatten, mit ihm nicht anzusprechen – auf diese Weise habe ich im Vorfeld davon erfahren und kann mich mental darauf vorbereiten, dass er vorbeikommt und (ein weiteres Mal) seine restlichen Sachen mitnimmt.

Ugh, jetzt muss ich aber aufhören, darüber nachzudenken. Das ist ja entsetzlich. Am besten zocke ich jetzt noch eine Stunde, um mich abzulenken, und fahre dann in die Stadt.

Machen wir das doch.

 

Nothing at all

Standard

Mike ist nicht gekommen, weil er sich erkältet hat. Da freut man sich einmal im Leben, dass man sich mit Mike trifft, und dann sagt er ab.

Immerhin besitzt Mike den Anstand, Verabredungen abzusagen. Von Basti werde ich vermutlich wieder ein halbes Jahr nichts hören, nachdem er – oh Wunder – nach unserem Gespräch letzten Dienstag weder wie angekündigt weiter von seinem Fahrschul-Tablet aus mit mir Kontakt aufgenommen hat noch – welch Überraschung – am Sonntag wie überlegt zu mir kam. Ohne einen Ton von sich zu geben. Ich hatte schon Recht damit, ihn aus dem Fenster schmeißen zu wollen. Was nützt einem ein Freund, der es nicht für nötig hält, in bittersten Notlagen einem a) zur Seite zu stehen oder zumindest b) abzusagen.

Naja. Auf diese Weise musste ich heute zumindest nicht duschen oder staubsaugen. Dafür habe ich bis Sonntag die Verantwortung für die Nachbarskatze und muss also tatsächlich nachher noch die Wohnung verlassen, um die Gute zu füttern.

Die Heizungen wurden heute abgelesen. Ich hatte natürlich vollkommen verdrängt, dass bereits der 5. ist, und war entsprechend erleichtert, dass ich die Wohnung nicht ganz und gar hatte verkommen lassen, sodass ich mich für den Zustand meines Zuhauses nicht übermäßig schämen musste und dem Ablesemenschen außer der Schale mit Canna und Zieringwer, die im kleinen Zimmer überwintert, nichts weiter im Weg stand.

Wirklich. Ein Glück habe ich es relativ aufgeräumt gehalten. Es sieht nicht schlimmer aus als üblich, eher im Gegenteil. Nur der Boden ist halt schon kritisch. Bevor Mama kommt, sauge ich.

R hat sich heute Früh gemeldet, ob sein Perso noch in meinem Kopierer liegt. Das war tatsächlich der Fall. Er hat sich Mühe gegeben und die Nachricht mit „Hallo, hoffe, dir geht’s gut soweit.“ begonnen. Vermutlich als direkte Konsequenz meiner vorsorglichen Bitte, in etwaigen schriftlichen Nachrichten nicht ganz so kalt zu sein, um mein sowieso übermäßig ausgeprägtes Gefühl des Egalseins nicht mehr als nötig zu verstärken. Klar ist das nun beileibe nicht die herzlichste Nachricht, die ich je erhalten habe, aber ich muss anerkennen, dass er es – wider seine Natur – zumindest versucht.

Ich habe ihm mitgeteilt, dass es mir tatsächlich besser geht; er schrieb „Cool, freut mich.“

Das Traurige ist, dass dies seiner Vorstellung von ’nicht kalt‘ entspricht.

Wir sind einfach kein Stück kompatibel.

Er leidet einfach kein bisschen unter dieser Trennung.

Er braucht mich nicht, so überhaupt nicht, entgegen allem, was er zuvor dachte und sagte. Und, während das erstmal gar nicht schlimm ist, das Gravierende: er vermisst mich nicht. Ich will nicht gebraucht werden, ich will gewollt werden. Aber nein, er hat es einfach abgestellt. Es ist gar nichts mehr übrig.

Würde er nur einfach zu diesem Ergebnis kommen und mich ein für allemal absägen, dann wäre es endlich vorbei. Ich bin nicht stark genug, um es für ihn zu tun.

Vielleicht weiß er es schon und möchte sich nur eine Zeitlang vergewissern. Das wäre in Ordnung, das würde ich auch so machen. Vielleicht dauert es nicht mehr lange. Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange.