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Vakuumwindungen

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Helduidazu eskutik, estu arren
Ilun dago eta ez dakit bueltatzeeeeeen.
Ez dakit bueltatzeeeeeen.

Mir ist irgendwie gerade danach, ein jammerndes, gequältes Geräusch von mir zu geben, aber wo kämen wir denn da hin. So etwas macht man doch nicht, und ich schon gar nicht mehr. Wo kämen wir denn da hin. Und warum neige ich so dazu, Wendungen zu wiederholen, wenn ich dramatisch gelaunt bin. Das ist mir schon vor einer ganzen Weile aufgefallen. Oh Mysterium meines Hirns. Oder was ich auch immer an dessen Stelle habe. (Oh Mysterium meines Vakuums, vermutlich.)

Vielleicht hatte sie Recht, vielleicht weiß ich es wirklich nicht.

Wie sich die Perspektiven verzerren auf einmal. Es ist doch ein Wunder, dass sie sich immer wieder auf die gleiche bekannte Art verzerren und man sich doch jedes Mal wieder halb zu Tode anstrengen muss, um sich bewusst zu machen, dass es nur ein Trugbild ist. Und wie oft man einfach versagt und es gar nicht erst schafft.

Übrigens ist vorgestern Zwischenmieterversuch die 4. angelaufen; die Person wohnt jetzt seit zwei Tagen zu Hause in meinem Zimmer und ich habe mich dumm und dämlich gefreut.. Endlich. Wenn es jetzt alles gut geht, muss ich mir bis zu meiner Rückkehr keine Gedanken mehr machen, zumindest darum nicht mehr. Lena hat ihr die Schlüssel und den Vertrag persönlich übergeben und ihr noch die Wohnung gezeigt; sie sagt, sie macht einen netten und auch zuverlässigen Eindruck, und mehr will ich ja auch gar nicht.

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Und atmen…

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Es will mal wieder alles nicht so. Ich hatte gestern/heute einen glorreichen Tag lang einen neuen Zwischenmieter für mein Wohnheimzimmer, der mir heute Abend aufgrund eines anderen, längerfristigen Angebotes abgesagt hat. Wäre auch zu einfach gewesen, nachdem der andere Mensch, der eigentlich in das Zimmer ziehen wollte, nun doch in eine andere Stadt geht und dementsprechend auch gecancelt hatte. Zu allem Überfluss kommt auch noch Sarah, master of the keys, am Freitag zu mir und muss selbige schon wieder woanders unterbringen, weil ich schon damit rechne, innerhalb der nächsten paar Tage jemand Neues zu finden. Bei der Wohnungslage zu Hause wäre alles Andere ein Ding der Unmöglichkeit. Darum zumindest muss ich mir also keinen Kopf machen. Es ist halt alles nur schon wieder mit so viel Aufwand verbunden.

Dafür war mein erster Arbeitstag heute überstehbar.

Lena fliegt morgen wieder. Ging schnell um, die Woche, und schön war’s. Aber auf jeden Fall jetzt auch genug des Zusammenseins. Morgen wird sich erholt und Atem geschöpft für die nächste Woche.

Making paper planes just for a while.

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Oh einzigartiges Vergnügen, eine Flasche Wein alleine leerzutrinken und das Ganze auch noch mit gutem Gewissen, weil immerhin der Korken ja nicht mehr ganz dicht ist und überhaupt ja eh nicht mehr in die Flasche passt. Und ich hoffe sehr, dass William bald nach Hause kommt und was von seinem „Late Cake“ isst, dann könnte ich nämlich auch endlich ein Stück davon haben.

Ich bin offiziell immatrikuliert.

Atanaz ist nach wie vor in der Wohnung. Ich habe noch ein Telefonat hinter mir, nicht eins der leisesten Sorte, mit seinem neuen Arbeitgeber. Der Einfachkeit halber habe ich davon abgesehen, ihn unbedingt vor dem 30. raushaben zu wollen. Hauptsache, am 30. verschwindet er.

Wie kam ich jetzt nochmal auf Fell For You? Ich bekomme kaum mehr mit, was ich eigentlich tue. Es sieht aber so aus, als hätte ich es mir angemacht und würde es gerade anhören, gut zu wissen. Oh je.

Ich würde gerne zitieren. Out of sight, not out of mind. Das ist etwas, das Leute einfach überhaupt nicht verstehen. Das kam am Ende raus. Keine Ahnung wobei. Was für ein riesiges Schlachtfeld, mein Kopf.

It Never Stops: The Epic Trilogy of Aimee’s Fails of the Day.

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Teil 1: La Matrícula.

Es fing damit an, dass ich um halb elf Uhr am Computer saß und die Feinheiten der Atanaz-Unternehmung mit Sarah besprochen habe, auf ihren Wunsch hin. Damit fertig, kam mir der Geistesblitz, nochmal nachzusehen, ob es auch ganz sicher morgen war und nicht heute, dass ich mich in der Uni einschreiben musste.

Glück gehabt; mein Termin war erstaunlicherweise doch heute. (Und William hat auch heute Geburtstag und nicht Freitag, wie ich gedacht hatte. Danke, Facebook.) Bis 12.30 konnte ich im Sekretariat vorbeigehen, mit einer Kopie meines Persos und meiner Versichertenkarte sowie einem Ausdruck des Bogens mit den Kursen, für die ich mich einschreiben wollte, mit den jeweiligen Codes und meinen gröbsten Personalien. Mir blieb also noch einige Zeit, genauer gesagt, mehr als eine Stunde. Ich habe schonmal den Bogen am Computer fertig ausgefüllt, eins meiner Passfotos abgeschnitten und Perso und Karte fotografiert und mich danach im Bad fertiggemacht. Cameron hatte mir irgendwann mal gesagt, dass William einen Drucker hat. Perfekt.

Ich war schon ein bisschen gestresst, hatte Probleme mit meiner kaputten 32GB-SD gehabt und die Dateien nochmal umpacken müssen und stellte dann fest, dass William nicht dawar. Die anderen beiden ebensowenig. Ich war zeitlich schon ein bisschen knapp dran, um mich noch auf die Suche nach einem Copyshop zu machen, und bin erstmal eine Weile in Williams nicht ganz chaosfreiem Zimmer herumgeschlichen, um 1) seinen Drucker zu finden und 2) ihn unauthorisiert zu benutzen, was letztendlich daran scheiterte, dass in dem ganzen Wirrwarr von Sachen, die er nach seinem rezenten Einzug noch nicht ganz geordnet bei sich im Zimmer lagert, leider kein passendes Kabel für den Drucker zu finden war.

Ich konnte mich ungefähr entsinnen, wo ich einen Copyshop finden würde, und machte mich auf den Weg. Fand ihn auch tatsächlich und ließ mir meine Sachen ausdrucken. Es war ungefähr zehn nach zwölf, als mir in dem Laden bewusst wurde, dass ich meinen Geldbeutel zu Hause liegenlassen hatte. Uns war ausdrücklich gesagt worden, dass die Termine strikt einzuhalten seien. Ich habe in meiner Tasche herumgekramt wie nichts Gutes und am Ende – völlig unerwartet – unfassbarerweise einen lose herumfliegenden Euro darin gefunden.

Mit den Unterlagen in der Hand kam ich in die Uni gerauscht, schwirrte leicht verwirrt zwischen den beiden Schlangen vor 1) Sekretariat und 2) – Moment mal.. Kopierservice herum, settlete in der Sekretariatsschlange und wartete eine Dreiviertelstunde, bis ich vor dem Schreibtisch saß und mir gesagt wurde, dass einer meiner Kurse nicht existierte – was ich vehement bestritten habe, weil ich ihn bereits mehrmals besucht hatte. Ich sollte trotzdem nochmal nachgucken und wurde beordert, morgen wiederzukommen.

So viel dazu.

Teil 2: The Red Wine Cake.

Ich habe mir daraufhin eine Weile in Simultánea (wohin ich zu spät kam, dank der mit negativer Warpgeschwindigkeit arbeitenden Person im Sekretariat) das Hirn zerschießen lassen (und mir mal wieder, von meinem Versagen motiviert, vorgenommen, so viel Spanisch wie möglich zu üben, wann immer es geht) und mich am Nachmittag mit Saskia getroffen, einer Deutschen, die mir demnächst Dreads macht, wenn wir mal ein Wochenende Zeit haben. Wir haben uns die Zeit in der Stadt mit Sitzen, Reden und Smöoies vertrieben (frag nicht, wie man in Spanien dieses Wort aussprechen soll, damit es noch jemand erkennt). Sogar so erfolgreich, dass es irgendwann nach acht Uhr war, als mir einfiel, dass ich ja William einen Schoko-Rotweinkuchen backen wollte und dafür noch Zutaten brauchte. Wir sind daraufhin, mit einem kleinen Umweg über ihre Wohnung, zum Supermarkt gehechtet, der bis halb neun aufhatte. Ich verbrachte lange Minuten damit, zu versuchen, herauszufinden, wie man herausfindet, aus welcher Art von Haltung die Eier in den jeweiligen Kartons kamen, und damit, ungesüßtes Kakaopulver zu suchen, beides erfolglos. Um halb neun standen wir an der Kasse und mir wurde bewusst, dass sich weder Schokolade noch Chocolate Chips noch Wein unter meinen Einkäufen befanden. Schade auch.

Teil 3: Occupy Wohnheimzimmer.

Nun war ich erst so spät zu Hause, dass ich hundertprozentig sicher sein konnte, dass Sarah die Mission bereits ausgeführt und mir von deren Ergebnis in irgendeiner Weise berichtet haben würde. Ich hatte den Nerv, mich zuerst mit meiner halbfertigen Deutsch-Übersetzung an den Küchentisch zu setzen und diese zu beenden; dann hatte ich noch eine kurze Unterhaltung mit Laura und eine sehr kurze mit Robert und wurde schließlich von Sarah selbst kontaktiert, die mir eröffnete, dass sich in meiner Wohnung jemand herumtreibt, der dort eigentlich ab dem 20. nichts mehr zu suchen hatte.

Macht ja nichts, dass ich ihm zum 20. gekündigt hatte.

Ich habe Atanaz auf der Stelle angerufen; leider ging er nicht an sein Handy. Sarah hat einige zunehmend aggressivere Äußerungen zu hören bekommen, während der rechtmäßige Empfänger vorerst verschont blieb. Irgendwann habe ich nochmal angerufen. Es war ein Freund von Atanaz dran, der übersetzen sollte. Ich habe ihm erklärt, dass ich Atanaz auf der Stelle aus meiner Wohnung haben will und dass morgen um drei Uhr jemand vorbeikommt (Sarah, die Retterin, war ja immer noch bei Skype dran und hat direkt eingewilligt, das zu übernehmen) und den Schlüssel abholt. Atanaz ließ mir wiederholt sagen, er hätte aber die Miete schon überwiesen und würde jetzt bis Ende des Monats drinbleiben wollen – mir tat sein Übersetzerkumpel leid, weil er genau verstanden hat, was ich gesagt habe, und aber trotzdem gezwungen wurde, mir immer wieder das Gleiche von vorne zu erzählen. Und ich konnte ja auch immer nur das Gleiche antworten – „das kann sein, aber es war einfach zu spät – er hat mir drei Wochen lang nicht gezahlt und sich nicht einmal mit mir in Verbindung gesetzt. Ich habe einen neuen Mieter. Er muss aus der Wohnung. Jetzt.“ Howaihofowaigowai nochmal.

Das Beste war dann, als ich nachgucken gegangen bin, ob er mir wirklich Geld überwiesen hat, war die Miete tatsächlich da. Eingangstag: 24.9.13.
So dreist muss man auch erstmal sein.

Ich habe meinem neuen Zwischenmieter geschrieben, dass er ab morgen um drei pm reinkann. Endlich lichtet sich alles, es ist ein geregeltes, friedvolles Dasein in Sicht.

Naja, so halbwegs zumindest.

(Allge)meine Entstressung

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So. Heute Abend kommt Sarah hoffentlich in den Besitz meines Wohnungsschlüssels, was mir erlauben würde, endlich meinen neuen Zwischenmieter einziehen zu lassen. Es ist fast schon unverschämt, zu was für Unternehmungen ich sie zwinge – man stelle sich vor, Atanaz hat sich gedacht, hm, solange keiner sich beschwert, bleib ich einfach mal wohnen und mach einen auf Occupy Wohnheimzimmer. Gewissen, gib Ruhe.

Dafür werde ich – sollte es jemals dazu überhaupt kommen – darauf verzichten, ihr meine Bachelorarbeit zum Nachher-Drüberlesen anzuvertrauen, wie ich es eigentlich vorhatte. Nachdem es mit meinen Lektorarbeiten an ihrer ja gut geklappt hat. Aber in diese ungewisse Situation für mich reinzustürzen ist wohl Hilfe genug. Jetzt wird das Bitten um Gefallen erstmal ein paar Jährchen lang unterlassen.

Es gibt außerdem gute Nachrichten aus der Uni. Wir haben einen neuen Dozenten in Traducción Alemán-Español und er macht den Kurs so viel besser als die lausige Vertretung vorher. Sein Deutsch ist zwar auch nicht das perfekteste, aber alles Andere stimmt. Aufmerksam, interessiert und involviert in unsere Arbeit ist er, diskutiert mit einem, geht rum, während wir arbeiten, macht Anmerkungen, hilft einem reformulieren, wenn man Fragen stellt.. Man kann Fragen stellen. Man sitzt nicht nur zwei Stunden lang da und schläft halb hinter dem Computer ein. Man lernt. Man macht Fortschritte. Mehr so wie in den Übersetzungskursen, die ich zu Hause immer hatte und bislang hier so kläglich vermisst habe.

Die weniger gute Nachricht ist, dass Inglés-Español immer noch so todesfrustrierend und langweilig ist wie bisher. Und dass, wie ich gestern Nachmittag erfahren habe, die Dozenten in den Computerräumen offenbar überwachen können, was die Studenten an ihren Computern so treiben.
Hoffentlich war mein Spider-Solitaire-Spiel gestern Früh für sie unterhaltsam. Wenn es schon sonst nichts an ihrem Kurs ist. (Ausgenommen die murmelnde Stimme von Charlie, meinem englischen Kumpel, der neben mir seine 64 juckenden roten Punkte zählt – seit Sonntag, meint er, sucht etwas sein Zimmer heim und saugt ihm die Arme aus. Ich habe ihm gesagt, er soll sein Zimmer genau unter die Lupe nehmen; nicht dass er sich am Ende Flöhe eingefangen hat. Aber von diesem Vergnügen in der letzten Reihe hat die arme Profe ja nichts.)

Equality (An invitation that they won’t extend.. for now)

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Es ist mir einen Tick.. viel zu langsam. Nicht nur im Vergleich mit der Original-Nichtakustikversion, sondern wirklich, in und an sich zu langsam.

Aber (Zitat Robert, und natürlich hat er Recht) „es ist sehr gefühlvoll rübergebracht.“

Die beiden Musiker haben laut ihm, dem NUFAN-Experten, mit Tony die Soloalben aufgenommen – wissen also, was sie tun. Und da er es ja selber nicht mehr singen kann, akzeptiere ich sogar die Coverversion und lasse mich drauf ein.

Wie ich vorhin schon zu Robert sagte. Zu viel für mich. Ich dreh durch bei zu guter Musik, und nicht wirklich in positiver Weise, die ganzen letzten Tage schon. Irgendwas ist mit meinem Equalizer kaputt. Wer hat daran rumgedreht, ist es wirklich schon so spät?

Susmita hat sich Sorgen gemacht, weil ich so ewig nichts gebacken habe. (Sie scheint meine Angewohnheit übernommen zu haben, meinen Gesamtzustand anhand des wöchentlich produzierten Backwerks einzuschätzen.) Also habe ich gestern eine Schoko-Schoko-Cayenne-Cookies-Produktion veranstaltet und heute die zweite Hälfte vom Teig verarbeitet. Wie gut, dass ich mich und mein Backverhalten von meiner Nichtmalmehrmitbewohnerin von Finnland aus kontrollieren lasse. -Aber nein, natürlich war es alles auf sehr freiwilliger Basis.

Bin ich gespannt, ob sich mein Zwischenmieter inzwischen aus meiner Wohnung rausbewegt hat. Sein Ultimatum war heute. Wie genau überprüfe ich das? Richtig, ich habe keine Möglichkeit.
Wobei ich gerade mal Rachel geschrieben habe, ob sie schon wieder zu Hause ist. Falls ja, wäre das immerhin eine letzte Chance, über Atanaz‘ Verbleib Auskunft zu bekommen. Ansonsten.. einfach nicht dran denken, hilft meistens.

Edit: Oh verdammt. International You Day.

Otro dilema más.

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Jaha, genau das hab ich gebraucht.
Da schreiben sie mir von der AWO meiner Heimatstadt, ich solle doch mit dem Herrn Atanaz noch ein paar Tage Geduld haben, seine Mutter würde demnächst aus Österreich kommen und er könne dann die Miete überweisen. Für Oktober gleich mit. Er hätte auch, sobald seine Anträge vom Jobcenter bearbeitet worden seien, ein regelmäßiges Einkommen.

Wie es mich einfach fertigmacht. Ich habe eine knallharte Mail zurückgeschrieben, dass es mir nicht möglich ist, ihn bei mir wohnen zu lassen, ich mein Geld selbst dringend brauche und als verlässliche Mieterin zweier Wohnungen darauf angewiesen bin, dass es pünktlich bei mir ankommt.

Aber wie schwummerig mir zumute wird, wenn ich mir überlege, was ich dem Mensch damit antue.

Hätte ich halt dem neuen Zwischenmieter noch nicht zugesagt.

Gewissen, plage mich doch nicht so schrecklich. Als würde mich sonst noch nicht genug Verwirrung plagen.

Flüüüüügel.

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Mein erster richtiger Tag hier. Ich habe gar nicht mal so lange geschlafen, bin dann ohne Frühstück in die Stadt gezockelt und habe mich mit dem Gröbsten vom Gröbsten an Nahrungsmitteln eingedeckt, nachdem ich nach einer eindeutig zu langen Zeit ziellosen Herumwanderns (vor allem wenn man bedenkt, dass ich im Mai dieses Jahres schonmal hierwar) einen Supermarkt ausfindig gemacht hatte. (In dem ich auch tatsächlich im Mai bereits gewesen war.)

Warmes Essen, nach drei Tagen ein Luxus.

Und warmes Wetter; nach der Erfahrung im Mai (die sich auf Dauersintflut belief und mich dazu bewegte, dieses Mal einen Koffer voller Wintersachen und wenig Rest hierherzutransportieren) ein wirkliches Wunder.

Sebi schreibt, er hat mein Kündigungsschreiben für Atanas seinem türkischen Kumpel weitergeleitet. Nun wird also auf die Antwort gewartet. Ich werde ihm Zeit bis zum 10. geben, statt wie geplant bis zum 5., so viel Menschlichkeit muss sein.

Caro hat vor ein paar Wochen ihre Türkischstudien wieder aufgenommen, nach knapp zwei Jahren. Wie absurd. Sie ist wieder voll motiviert und philosophiert nun manchmal mit mir über die Beschaffenheit der türkischen Sprache. Ob ich will oder nicht, es entfacht doch mehr oder weniger unterschwellig wieder ein Konkurrenzdenken. Ich kümmer mich drum. Wenigstens ist es nicht mehr so dramatisch schlimm wie damals.

Wir hatten letztens eine Unterhaltung – vorgestern war’s – darüber, was es für die eigene Identität bedeutet, die Muttersprache seiner Eltern nicht richtig zu beherrschen. Natürlich auch auf Şahin bezogen. Wie nicht.
Sachen, die mir logisch erschienen, waren ihr wohl vorher völlig unverständlich. So hätte sie das noch nie betrachtet.
Ich habe sie leicht sarkastisch gefragt, ob es noch irgendetwas gibt, das ich ihr erläutern sollte.
Şahin 101.
Warum nicht noch einen Tick absurder.
Nach all der Zeit.

Und Sarah ist – unglaublich, aber wahr – hochenthusiastisch im Baskischlernen begriffen. Wieso auch immer – çok bilgisizim.
Wie herrlich, dass es ihr gut geht.

Unerwartet

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Es war ganz anders als gedacht gestern Nachmittag mit Mauritz. Keine Rückblicke, kein Garnichts – dazu haben wir einfach zu viel Neues erlebt inzwischen. Wir sind nichtmal ansatzweise fertiggeworden, weil ich nach anderthalb Stunden schon wieder wegmusste, und treffen uns daher nachher nochmal – er kommt diesmal zu mir ins Kaff, was für mich sehr entspannt wird. Ich muss dann nur schnell mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Vielleicht kann ich ja Strawberry mitnehmen und wir setzen uns irgendwo an die Trave.
Und was mir gerade erst auffällt – spät, aber doch – er hat sich sogar noch an meinen tiefverwurzelten Green Day-Fanatismus erinnert. Es muss wirklich schlimm gewesen sein mit mir damals.

Das Grillen war gar nicht mal so übel. Ich scheine in letzter Zeit auch keine Gelegenheit auszulassen, mir alkoholisches Zeug einzuverleiben, also habe ich die Flasche Wein, die wir dabeihatten, mit Mama leergemacht – ist zwar meiner Grundstimmung nicht zuträglich gewesen, aber dafür war die awkwarde Ansammlung von Menschen etwas erträglicher. Wir haben uns dann auf dem Rückweg verfahren und es wurde alles ein bisschen später als geplant; so kam ich zu dem Vergnügen, über „nacht-„leere Straßen mein Fahrrad vom Bahnhof nach Hause zu fahren. Wunderschön. Irgendwas Gutes muss die Tatsache ja haben, dass in dieser Stadt um halb elf Uhr niemand mehr draußen ist.

Für den heutigen Abend habe ich mich mit meiner Dream Team WG, sprich, Sarah und Susmita, nochmal zum Skypen verabredet, nachdem ich gestern so schnell wegmusste, um den Zug nach Hamburg zu erwischen. Du solltest Susmita die Geschichte ihrer nunmehr schon dreiwöchigen Koexistenz mit meinem Zwischenmieter erzählen sollen, da kommt jeden Tag etwas Neues dazu – es wird immer herrlicher. Immerhin hat sie mittlerweile keine Todespanik mehr vor ihm, anscheinend ist es jetzt eher andersherum. Durch diverse Umstände. So kann’s kommen.

Hach, wie schön mein neu erlerntes Wort dazu passt – ustekabeak.

Was geschafft wurde, was zu tun bleibt.

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So sieht also das Leben gerade aus:

Ich hänge auf dem Boden im wenig gemütlichen Hausflur, ein zu kurzes LAN-Kabel weit von der Internetbuchse weg, und habe die letzten anderthalb Stunden damit verbracht, Susmita von einer Todespanik abzubringen, die etwas mit nächtlichem Klopfen an ihrer Terrassentür und meinem Zwischenmieter zu tun hat und als deren Resultat es uns nur in Folge von Schwerstarbeit gelang, sie dazu zu befähigen, die Tür ihres Zimmers zu öffnen und aufs Klo zu gehen.

Robert und ich haben stundenlang versucht, mein WLAN wieder zum Laufen zu bekommen, aber es soll einfach nicht sein.

Im Oldesloer Bürgerbüro darf sich nach Betriebsschluss kein Mitarbeiter in sein Konto einloggen, selbst dann nicht, wenn es sich um eine übernatürlich liebe Angestellte handelt, die man zuvor zu dem Zweck aus ihrem wohlverdienten Urlaub geklingelt hat: „Ihr Konto sieht es nicht vor, dass Sie sich zu dieser Zeit anmelden. Bitte versuchen Sie es später erneut.“

Mein Plan, der gestern – und die ganzen Jahre davor – noch unerfüllbar schien, hat sich heute verwirklicht. Wenn ich Montag zum Arzt gehe, um wegen der vermaledeiten Perú-Geschichte noch irgendwo Geld aus der Reiserücktrittsversicherung herauszuquetschen, können wir also endlich, endlich, endlich, endlich, endlich, endlich die frohe Botschaft verkünden, dass die Person, die mich geboren hat, sich nach einem mehr als zermürbenden Kampf meinerseits endlich dazu bereiterklärt hat, es doch mal mit Medikamenten zu versuchen.

Ich kann es gar nicht glauben. Ich habe es geschafft. Jetzt besteht also endlich eine Chance auf Besserung. Dass der Albtraum ein Ende findet, dass das gowaiverdammte Licht mal wieder auf uns scheint.

Ohne zu viel erwarten zu wollen. Wobei die Verlockung, sich aus ihrem Einverständnis den allesverändernden Schritt raus aus dem Horror dieses Familientodes zu erhoffen, einfach unsagbar groß ist. Ich bin dem ganzen Elend hier einfach nicht gewachsen. Ich habe keine Ahnung, wie ich hier drei Wochen leben soll, jetzt, wo mich mein langzeitiges Hirnversagen in Form von Reisepassabgelaufenseinvergessens von meinem Dreijahresurlaub abgehalten hat.

Höre ich gequälte Geräusche von oben? Oder halluziniere ich wieder? Heute früh habe ich schon ihre lachenden Stimmen halluziniert, während ich im Garten Giersch gerupft habe; ein doppelt trügerisches Trugbild, wenn man bedenkt, was letzten Endes darauf folgte, als sie tatsächlich wieder dawaren. Eigentlich hatte ich es schon halb im Gefühl; wenn sie zusammen weggehen und es länger dauert als erwartet, kann man meistens davon ausgehen, dass sich unterwegs etwas Unangenehmes ereignet hat. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr viel davon aushalte. Aber das habe ich auch schon vor Jahren gesagt.

Werde mal schlafengehen und hoffe – von woher nehme ich noch gleich die Hoffnung? – dass der gerade angebrochene Tag uns mehr Leben bringt.

Edit: Die Geräusche sind echt. Wer auch immer, gib mir Kraft, das durchzustehen.