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Ein Tag zum Ausnüchtern

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Uff, das war gestern heftig. Ich habe mit Mike am Fluss gesessen und ein Bier nach dem anderen verschlungen – wie man es mit Mike halt so macht. Dann kam ich heim (frag mich nicht, wie ich Fahrrad gefahren bin – es erstaunt mich immer wieder, wenn ich in solch einem Zustand heile und bester Laune nach Hause komme) und erhielt von R Abendessen und noch ein Bier. Oh je.

Für heute hatte ich gar nichts geplant (welch Überraschung). Höchstens das Übliche – Arbeiten, Scorpion, Arbeiten… das kennt man ja inzwischen. Stattdessen kam mich Daniel besuchen, der bis nächste Woche in der Stadt ist. Das verhalf mir nicht nur zu unerwarteter Gesellschaft, sondern auch zu genug Motivation, um die Wohnung zu saugen (dringend nötig, erst recht nachdem Daniel mit seinen Socken den gesammelten Dreck des Balkons in mein Wohnzimmer geschleppt hatte) und ein wenig aufzuräumen. So produktiv war ich lange nicht mehr in meinem Haushalt (traurig, aber wahr).

Ich habe mich (wie bereits das letzte Mal, als er mit Yannick vorbeikam) wirklich gefreut, von Daniel besucht zu werden. Zumal er sich mit R gar nicht mehr sonderlich gut versteht und ich ja eigentlich eben bloß die Freundin von seinem Kumpel war.

Aber es freut mich nicht nur, dass er an mich gedacht hat, sondern besonders, wie positiv er sich entwickelt hat. Ähnlich, nur noch wesentlich krasser, ist es mir mir Oscar ergangen, R’s bestem Konstanzer Kumpel, den ich früher mit Leib und Seele verabscheut habe. Nachdem ich ihn drei Jahre nicht gesehen hatte, ist mir neulich bei unserer Stippvisite im alten Zuhause die mentale Kinnlade zu Boden gesackt, als ich feststellen durfte, was für ein (vollkommen anderer – freundlicher, rücksichts- und verantwortungsvoller, beinahe bedächtiger, absolut nicht verabscheuungswürdiger) Mensch aus ihm geworden ist. Was so ein paar Jährchen ausmachen können. Auch bei Daniel. Den mochte ich zwar immer schon, aber er hat auch mittlerweile enorm an Reife zugelegt. Aber es macht Sinn, wenn man bedenkt, welch junge Spunde sie beide waren, als ich sie kennengelernt habe.

Nun bleibt mir noch ein Weilchen, bis R nach Hause kommt, falls er tatsächlich noch mit Daniel was trinken gehen sollte, der mich goldigerweise um Erlaubnis gebeten hat, ihn heute Abend zu entführen. Die Erlaubnis wurde erteilt; ich gehe eh nicht davon aus, dass R werktags groß Lust auf Eskapaden hat. Also noch ein paar Folgen Scorpion für diesen unheilbaren Seriensuchti.

Und, nicht zu vergessen, die Pflanzen des Tages. Die Fotos habe ich glücklicherweise schon gestern gemacht; heute kam (lang ersehnt) mal wieder etwas Regen runter.

21 – 25

Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris – Carophyllaceae)
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Wilde Malve (Malva sylvestris – Malvaceae)
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Zitronenmelisse (Melissa officinalis – Lamiaceae)
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Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor – Rosaceae)
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Bataviasalat (Lactuca sativa var. ‚capitata nidus tenerimma‘ – Asteraceae)
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Self-esteem, azal zaitez.

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Selbst wenn Becci und ich es nicht bis nach England geschafft haben – es war auch eine Art Urlaub, den ich von Dienstag letzter bis Mittwoch dieser Woche genossen habe.

Becci kam letzten Dienstag und hat sich erstmal zu Ende von ihrer zum Glück rechtzeitig durch Antibiotika eingedämmten beginnenden Lungenentzündung kuriert. Ich war derweil auf Containerzug unterwegs. An den darauf folgenden Tagen haben sich meine Terrasse und mein Kühlschrank durch Beccis grandiosen Einsatz ein enormes Stück in Richtung ihres gewünschten Zustandes entwickelt; der externe Kühlschrank ist aufgelöst und der interne neu sortiert und bestückt. Wenn wir nicht gerade dabei waren, meinem Haushalt nach dem langen Winter wieder Ordnung einzuhauchen, haben wir unsere Zeit mit Musikhören verbracht sowie damit, uns gegenseitig zu therapieren.

Samstag haben wir unseren Alternativurlaub begonnen und sind wie geplant zu Kepa gefahren, welcher uns nach unserer Ankunft natürlich postwendend nach München zum Baskenstammtisch im Biergarten verschleppte. Long story short, so ging es im Grunde auch weiter; wirklich nüchtern fühle ich mich eigentlich erst seit Mittwoch wieder, obschon wir Dienstag Nachmittag bereits wieder hier ankamen.

Naja. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie ich die Zeit ohne Alkohol hätte überleben können. Beccis Dasein hat natürlich enorm geholfen, aber trotzdem – ich sag‘ es einfach mal ganz plump – macht mich Kepa einfach unwahrscheinlich fertig. Selbstverständlich nicht aktiv, sondern indirekt, indem er – ich krieg’s nicht hin, ich finde die Wörter nicht – alles kann, was ich nicht kann – unberührbar, so weit weg, so überaus viel besser darin, zu leben, als ich es je war oder werde – mein Kopf platzt. Und ich bin absolut selbst dafür verantwortlich zu machen, er gibt mir keinen Anlass; niemand zwingt mich, ihn auf diesen absurd überdimensionierten Sockel zu stellen und mich dann so klein zu fühlen, so weit unten. Es ist völlig destruktiv, jemanden derart zu idealisieren, und das ist mir auch klar und ich würde gern damit aufhören. In diesem Zustand ist es einfach nur anstrengend, mit ihm in irgendeiner Weise zu interagieren. Man hat permanent das Gefühl, besser sein zu müssen, als man ist, und jemanden beeindrucken zu müssen, den man gerade dafür bewundert, dass es ihm egaler nicht sein könnte, was die Welt von ihm denkt.

Wenn es dann wenigstens klappen würde. Aber ich bin so absolut gar nicht mit mir zufrieden in dieser Situation. Nachdem ich so lange dafür gearbeitet habe, mit R ich selbst sein zu können, ist mir dieses Bedürfnis, mich irgendwie optimiert darzustellen, Erwartungen zu entsprechen oder sie zu übertreffen, umso mehr zuwider. Das muss noch der Zeit damals entstammen, in der es mir unmöglich schien, dass ‚ich selbst‘ tatsächlich ausreichen könnte. Was heißt ‚damals‘ – ich arbeite wöchentlich mit der Therapeutin daran, dass sich dieses Wissen bei mir manifestiert.

Vielleicht ist das der Kern des Problems. Damals, als ich mit Becci in Granada war, haben wir darüber gesprochen, dass ich Kepa für mein ‚erfolgreiches‘ Spiegelbild halte, die lebensversierte Ausprägung meiner selbst mit identischen Grundzügen. Nachdem nun die Therapeutin meint, dass das Wertesystem meiner Eltern, durch mich selbst verinnerlicht und in Konkurrenz zu meinem eigenen stehend, mir verwehrt, auf meine eigene Art und Weise zu leben und dabei mit mir selbst zufrieden zu sein, scheint mir dieser Gedanke umso nachvollziehbarer. Ich habe immer gesagt, dass sich Kepa in beiden Welten bewegt wie ein Fisch im Wasser, in der meiner Eltern und in der, die uns selbst vorbehalten ist, während ich mich mit Mühe am Rande der Gesellschaft über Wasser halte und ‚die Welt da draußen‘ mir ein ewiges Mysterium bleibt. Natürlich idealisiere ich ihn: meine inneren Eltern lieben seinen gesellschaftlichen Erfolg und seine sozialen Fähigkeiten, während sie mich für das Ausbleiben derselben zu tadeln nicht müde werden; ich selbst in mir bewusst oder meine, mir bewusst zu sein, dass dieses so überaus solide Mauerwerk nicht den echten Menschen darstellt, denn alle Einblicke, die er mir gewährt hat, sprechen dagegen; das ist der Teil, der mit meinem eigenen Empfinden resoniert und welchem allein ich auf Augenhöhe begegnen kann, mein Spiegel, in dem ich ohne jegliche Verzerrung mich wiedererkenne.

Jedenfalls sollte ich bis Mitte Mai daran arbeiten, mal darauf klarzukommen, dass es auch nur ein Mensch ist, oder aber ich kann mich auf drei anstrengende Wochen gefasst machen.

Substanzlose Weihnachten

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Na, sowas hab‘ ich ja schon immer ganz besonders geliebt. Aus was für Löchern sie alle gekrochen kommen, ich will’s gar nicht wissen. Heute Früh hatte ich tatsächlich eine Whatsapp-Nachricht mit „Frohe Weihnachten :)“ von Barbaras Freund. Jap, von demselben Menschen, dem ich nicht übel Lust hätte die Augen auszukratzen, sollte ich ihm mal persönlich begegnen, so wie er sich angestellt hat im kurzen Verlauf unserer Bekanntschaft (und nach allem, was ich über Dritte erfahren habe).

Kann es sein, dass es sich um einen dieser komischen Menschen handelt, die zu solchen Gelegenheiten eine Nachricht mit dem gleichen Inhalt an all ihre Kontakte schicken (was traurig wäre angesichts dessen, was sich in den Kontaktlisten bei den meisten Leuten alles tummelt)? Oder was denkt sich jemand sonst dabei? Hey, es ist Weihnachten. Wir reden zwar nicht miteinander, aber an Weihnachten muss man sich gratulieren, kontaktieren oder, noch schlimmer, aussöhnen, vertragen, benehmen. Natürlich hat niemand die Absicht, sich auszusöhnen, sich zu vertragen, irgendetwas Substanzielles an dem eigentlich porösen Kontakt oder sogar Nichtkontakt wieder aufzubauen. Und das ist das eigentlich Schlimme an diesen Nachrichten, sie geschehen pro forma, weil jemand sich denkt, man macht das eben so. Ein Glück hält Robert nichts von Weihnachten, sonst würde der mir am Ende auch noch schreiben.

Ich fand’s selbst von Caro schon grenzwertig, die ebenfalls mit einem Anderthalbzeiler von sich hören ließ, allerdings seit Beccis und meinem Besuch im Sommer weder die Zeit gefunden hat, mal zu telefonieren, noch auf meine sporadischen Nachfragen sonderlich enthusiastisch (wenn überhaupt) eingegangen ist. Komm schon. Von solchen Feiertagsnachrichten fühlt man sich mir nichts, dir nichts zum Gelegengeitsbekannten degradiert, dem man aus Pflichtgefühl ein inhaltsloses Häppchen wirft.

Allerdings scheine ich mit dieser Ansicht alleine dazustehen. Selbst mein Onkel meldete sich dieses Jahr per Whatsapp. Er ist so wortkarg in seiner schriftlichen Kommunikation, dass die Meldung „Frohes Fest usw. Bin leider krank.“ schon fast überdimensional lang wirkte. Aber ich hätte auch darauf verzichten können.

Davon ab könnte ich mich nicht unweihnachtlicher fühlen. Ich habe einen Computer und eine Katze auf mir liegen, was praktisch den Durchschnitt meines Gesamtzustandes im Jahr ganz gut widerspiegelt, muss noch sieben Seiten meines aktuellen Scribbr-Auftrags bearbeiten und dann irgendwie die Wohnung präsentabel machen, bis meine Eltern sie heute Abend betreten, sowie am besten noch meine Erkältung loswerden, um diesbezüglich Kommentare von meiner Mutter zu vermeiden. Draußen stapelt sich die Ausbeute unseres vorgestrigen Containerzugs und die meiner gestrigen Abholung beim Vietnamesen. Mein Kühlschrank ist nur zur Hälfte vorhanden, die andere Hälfte steckt in der Spülmaschine, um von widerlichem Dreck gesäubert zu werden, der sich in einem eindeutig zu langen Zeitraum darauf angesammelt hat und den mit der Hand zu beseitigen ich beim besten Willen nicht über mich bringe. Allerdings ist die Spülmaschine relativ leer und ich weiß nicht, wie ich sie noch gefüllt bekommen soll, um sie rechtzeitig vor der Ankunft meiner Eltern zum Laufen zu bringen, damit ich den Kühlschrank wieder einräumen kann. Im Trockner ist noch eine Ladung Wäsche. Sehr realistisch, das alles noch geradebiegen zu wollen bis sechs Uhr abends. Aber man wird sehen, wie weit ich komme… Ezina ekinez egina.

Huch. Schon wieder Urlaub.

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Ja… also… wie es aussieht, fahre ich morgen für acht Tage in die Karibik.

Langsam sickert es ein. Becci und ich haben vor drei Tagen das ultimative Angebot gefunden, sodass wir nun zusammen für diese acht Tage Martinique (Flug und Unterkunft – vermutlich selbst inklusive Ausgaben vor Ort) so viel zahlen, wie üblicherweise ein Dreiviertelflug hin und zurück alleine gekostet hätte. Ich habe trotzdem erstmal eine Weile gebraucht, um diesen Plan mit meinem Gewissen zu vereinbaren (man denke daran, dass der Dezember schon die nächste Langstreckenreise mit sich bringt), aber jetzt ist es soweit: Ich freue mich!!!

Sieben Uhr geht’s los, zuerst mit dem Bus nach Frankfurt und dann direkt (!) nach Fort-de-France. Die Rückreise geht über Barbados, aber das ist ja nicht weiter schlimm, man besitzt ja ausnahmsweise mal einen gültigen Reisepass.

Gepackt ist größtenteils auch schon. Der Rucksack ist leicht, es sind nur ein paar Kleider drin und Bikinis, anderthalb Bücher, Kaffee- und Milchpulvervorräte und Hygienezeug. Und Henna, damit Becci mir die Haare nachtönen kann. Und mein Schnorchel. Und die Kamera muss ich mitnehmen, natürlich, und das Handy und alles an Ladegeräten. Und Kopfhörer. 10 Stunden Flug, da sind Kopfhörer doch lebensnotwendig.

Und Sandwiches habe ich gemacht, drei Stück für jeden von uns, mit Chili-Camembert und Salat und Grillgemüse.

Und Fotos habe ich gemacht, von allen wichtigen Informationen – jetzt darf ich nur das Handy nicht verlieren.

Ach, wie ich mich anfange zu freuen. Das ist ja wunderbar; ich dachte schon, es passiert gar nicht mehr.

Was noch richtig schön war: Sophi hat mich besucht; sie ist drei Tage hier und findet tatsächlich die Zeit, mich zu besuchen. Ich habe mich so gefreut, sie zu sehen. Ich mag diesen Menschen so gerne. Sie hat mir einen Mate-Becher aus Argentinien mitgebracht und den dazugehörigen Tee, und er ist wunderschön, mit buntgemustertem Stoff überzogen, und ich muss unbedingt mit Wolfgang und Carina Mate trinken. Carina muss mir das beibringen; ich muss ihr gleich schreiben, wenn ich wieder da bin.

R hat Geburtstag gefeiert, von Mittwoch auf gestern, und es war ein sehr guter Abend. Ich habe ziemlich viel getrunken, es aber dennoch nicht übertrieben, und mich wunderbar unterhalten, ein paar von R’s Arbeitskollegen kennengelernt, zwischendrin noch mit Basti telefoniert (der, soweit ich das Gespräch in Erinnerung habe, mich davon überzeugen wollte, dass man H-Milch, die einmal in der Sonne gestanden hat, nicht mehr konsumieren sollte, auch wenn sie noch den Anschein macht zu funktionieren – wie auch immer wir dadrauf kamen) und mich wirklich wohl gefühlt, trotz der ganzen Menschen. Naja, dafür war ja der Alkohol auch da.

So, nun sollte ich aber mal daran denken, den Rest zusammenzusuchen und ins Bett zu gehen. R kommt zwar in einer guten halben Stunde erst wieder (zumindest war das mal der Plan), aber solange werde ich auch noch brauchen, um hier alles zu regeln.

Du hörst von mir.

Gotta Love Sperrmüll // Being Productive

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Ich bin echt gut. Jeden Tag während R’s Abwesenheit – er kommt heute Nacht wieder – , heute eingeschlossen, war ich produktiv und nützlich. Ich habe am Freitag die gesamte Liste abgearbeitet und mir lediglich ein paar Sachen in der Garage für Samstag Früh übriggelassen, mit denen ich dann auch gerade fertig war, als Papa ankam. Es stand nur noch der Blumenkübel im Weg, den ich dann auch noch schnell wegräumte, als ich von der vorherigen Kellertour zurück in die Garage kam und überrascht feststellte, dass sich Papa schon in der Parklücke befand, soweit es denn möglich war. Talk about perfect timing.

Dann haben wir zusammen den Schrank in den Keller gebracht und er trug für mich den Kübel nach oben, und als er wieder weg war, habe ich ein paar Stunden lang im Keller gewerkelt und geräumt wie nichts Gutes, um den Schrank in Gebrauch zu nehmen. Es ist wundervoll geworden.

Hier oben haben sich ebenfalls Dinge getan: den vom Sperrmüll mitgenommenen Staubsauger habe ich ausprobiert und für nicht behaltenswert befunden. Die Ipod-Box vom gleichen Sperrmüllhaufen hingegen ist über alle Maßen genial und thront nunmehr auf der von Waltraud verschmähten zweiten Etage des Kratzbaums. Das kleine Schränkchen, welches ich während der zweiten Runde (auf dem Weg zum großen Schrank und der Kommode, wegen denen wir nochmal losgefahren waren) spontan eingesammelt hatte, steht wie geplant auf dem Bett und ist bestückt mit Kaffeeutensilien. Und die Kanne der am gleichen Abend bei unserer Hauptcontainerquelle eingesammelten Maschine wartet darauf, dass die Spülmaschine voll wird, um dann zusammen mit den Kaffeefiltern, die ich R heute beauftragt habe seinen Eltern abzuluchsen, unseren Traum endgültig wahrzumachen: Kaffee im Bett. Es ist der helle Wahnsinn, wie sich mit dieser einen Monstertour in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Lebensstandard wieder mal gesteigert hat. Und ich freue mich wie ein Schneekönig auf den Moment, in dem ich R die Kaffeekonstruktion kredenze. Oh, wie wird das episch.

Eigentlich müsste ich, damit es perfekt wird, noch den Balken von der Wandseite des Bettes abmontieren, dann kann das Schränkchen noch 10 Zentimeter weiter nach hinten und nimmt noch weniger Platz weg. Nicht dass auf unserem Bett der Platz ein riesiges Problem darstellen würde; selbst mit unserer 1,40-Matratze liegt immer noch ein großer Teil der Bettfläche brach und ist vermutlich genau so glücklich wie ich darüber, wenn er endlich mal ordentlich genutzt wird.

Heute habe ich, meinem gestern gefassten Entschluss gemäß, das Bad geputzt (nur die Badewanne fehlt noch, weil ich die Fugen darüber mit Schimmelentferner eingesprüht habe, der noch einwirken muss) und die Produkte auf der Ablagefläche vor dem Spiegel neu geordnet. Auf dem Rückweg von der Therapeutin am Donnerstag habe ich ein wunderbares Gestell mit verschiedenen Fächern und sogar einer kleinen Schublade eingesammelt, das sich optimal zur Aufbewahrung von Kosmetikzubehör eignet. Dieses habe ich nun ins Programm aufgenommen und mit Pinselchen, Kajal, Mascara, Abschminktüchern sowie meinen am meisten genutzten Lidschatten befüllt. Ich hoffe ja so halb, dass mich das motiviert, mir überhaupt mal wieder die Mühe zu machen, mein ganzes Schminkzeug auch zu benutzen.

Als Nächstes werde ich mich eine Stunde zum Unbabeln bewegen, um mir anschließend irgendeine CD zu bestellen, die ich wirklich gut in meiner Sammlung gebrauchen könnte. Davon gibt es viele, und da ich seit Papas Besuch auch ein neues CD-Regal habe (welches Mama vor ‚zig Monaten mal für mich vom Sperrmüll aufgesammelt hat), sind nun endlich wieder die entsprechenden Kapazitäten vorhanden, die ich für die Sammlungserweiterung dringend benötigt habe. Und für die Finanzierung des Ganzen sorgt vor jeder Bestellung eine Stunde Unbabel. Gut, oder?

Also, ich bin zufrieden. So könnte es weitergehen.

Bushaltestellenüberlegungen

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Jetzt habe ich Malte in meiner Wohnung sitzen und bin selbst noch nicht zu Hause. Ich habe ihm den Schlüssel rausgelegt (Geistesblitz in letzter Sekunde) und ihn instruiert, schonmal einen Donut zu essen, während ich gerade Brötchen retten war und hier unten am Berg noch auf den Bus zurück warte.

Ich bin mit der Situation nicht ganz zufrieden: am Wochenende habe ich kurz mit Barbara telefoniert, die nach Monaten dann beschlossen hatte, sich doch mal bei mir zu melden. (Ja. Dieses Theater ist mir dieses Jahr somit bereits zum zweiten Mal passiert. Aus dem gleichen Grund wie mit Basti, nämlich ihrer paranoiden Befürchtung, ich sei sauer auf sie. Diese Feigheit. Leute.)

Barbara hatte Wind davon bekommen, dass Malte und ich Kontakt haben, und verkündete mir, sie könnte mit mir nicht reden, solange dem so sei. Ich hatte mir sowas schon gedacht, das passt zu ihr, und war eher erstaunt ob ihrer Zivilisiertheit mir gegenüber. Ich hatte eine größere Szene erwartet. Dafür dämonisiert sie Malte und sieht ihn als den Urheber allen Dramas. Er hätte ihr ihre Familie weggenommen und nun mich. Langsam sollte deutlich werden, warum ich therapeutische Behandlung in ihrem Falle für dringend notwendig halte.

What I’d Call a Classic Aspi.

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Okay. Ich bin so semizufrieden mit meinem bisherigen heutigen Output. Auf der einen Seite: Hey, immerhin habe ich überhaupt mal etwas gemacht. Andererseits…

Mein erster Termin war um 13.50 Uhr, um Tee geschenkt zu bekommen. Ich kam zehn Minuten zu spät beim Treffpunkt an, weil ich mir 1) eh schon zu viel Zeit gelassen hatte und 2) nicht im Traum hätte einfallen lassen, den Stadtverkehr in meine Berechnungen mit einzubeziehen – man denkt immer, man wäre so unberührt und frei mit dem Rad, aber von wegen… und 3) auf den letzten hundert Metern noch einen Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer erlaubt habe, der durch eine dämliche Frau provoziert wurde, die meinte, es wäre cool, ohne sich umzusehen mir vor die Räder zu spazieren. Während ich mit Ausweichen beschäftigt war, kam dann leider aus der anderen Seite der Weggabelung besagter anderer Mensch. Wir kamen beide unbeschadet aus der Sache raus, aber mein rechtes Bremskabel hat die Begegnung nicht so gut überstanden.

Die Teefrau war nicht am Treffpunkt. Ich habe ihr über Facebook ein paar Nachrichten geschrieben und bin dann unverrichteter Dinge zehn weitere Minuten später wieder abgedampft. Damit das Ganze nicht völlig umsonst war, bin ich über die Innenstadt zurückgefahren, wo ich für Sophi die drei Lektüreschlüssel besorgt habe, die sie für ihr Deutsch-Abi braucht, und anschließend in einer der Uni-Mensen die Jobgesuche abklapperte. Immerhin das.

Da Sophi unseren Unterricht heute auf 17.00 verschoben hat, kann ich mich nun nochmal kurz aufwärmen und mache mich dann erneut auf ins Eiswetter. R hat von der Leiharbeitsfirma einen Teilzeit-Küchenjob vermittelt bekommen und dürfte gerade mit seinem ersten Arbeitstag fertig sein. Ich werde ihn allerdings erst zu Gesicht bekommen, wenn ich von Sophi zurückkomme.

Ich bin geringfügig überfordert von der Menge an Dingen, die ich gerade tue. Es sind nicht sehr viele, aber mich überfordert es momentan schon, jeden Tag überhaupt irgendetwas zu tun, und daher hält mich diese Woche schon ganz schön auf Trab. Gestern war ich beim Arzt, um mir Blut abnehmen zu lassen und das längst überfällige EKG hinter mich zu bringen. Offenbar ist mein Herz in Ordnung. Die Ärztin war so nett, mir von sich aus zu erklären, wie die EKG-Ergebnisse ausgewertet werden; jetzt kenne ich die q-Zacke und die t-Zeit und fühle mich wieder ein Stück gebildeter. Heute dann das Teedebakel und der Ausflug in die Stadt, morgen der Termin bei der Therapeutin und abends die Filmvorführung von „Tomorrow“, welchen ich seit Ewigkeiten sehen wollte. Mike hat mich genau einen Tag dazu eingeladen, nachdem ich mit R abends da saß und wieder einmal keinen Stream für genau diesen Film gefunden habe. Sachen gibt’s.

Donnerstag wird Mama herkommen (und zwar wirklich; die versetzt mich nicht), damit wir am Freitag oder Samstag zusammen für R und mich eine große Matratze kaufen können – unser Weihnachtsgeschenk. Irgendwann davor sollte ich auch nochmal containern. Wenn ich es mir recht überlege, ist heute der einzig mögliche Zeitpunkt dafür. Oh neeein.

Na gut. Aber jetzt erstmal noch eine Viertelstunde Ruhe.

Buchbinderleim

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Eine neue Ära beginnt. Und damit meine ich weit mehr als eine Zahl hinter der 201 – genau wie jemand an Silvester auf dem Berg feststellte, wird es auch mir mit zunehmendem Alter einfach immer egaler, wenn das eine Jahr dem nächsten weicht. Silvesterdepression ist ein Ding der Vergangenheit und ich vermisse sie nicht; es bleibt mir noch immer genug Depression für etliche Menschenleben auch im Rest des Jahres.

Nein, die neue Ära ist die der gebundenen Blöcke. Ich hatte schon so lange den Wunsch, mit den Unmengen an Schmierpapier sinnvolle Dinge anzustellen – so viel kann nämlich kein Mensch verbogglen, wie da immerzu nachkommt. Also mache ich mir jetzt To-Do-Listen-Blöcke. Richtig hübsch mit Klebebindung. I know, es ist ziemlich überflüssig, dafür Ressourcen in Form von Planatol zu benutzen, wenn man die ganze Zeit bisher auch gut mit losen Papierschnipseln gelebt hat. Aber es wird so gut! Und ich kann Blöcke auf Ewigkeit verschenken. To-Do-Blöcke, Einkaufslistenblöcke, Notizblöcke, Einfach-so-Blöcke, und alles aus Altpapier. So liebe ich es. Also bestelle ich mir Buchbinderleim.

Gesagt, getan. Danke, Ebay. Und nun zum Wetter.

Wirklich jetzt, es ist sonnig. Ich bin halb durchgedreht gestern. Und ich habe vier Tage lang Sachen geschafft, selbst bevor es gestern dann zu diesem unfassbaren Sonnendurchbruch kam. Ich habe so viel geschafft. Die Wohnung sieht gut aus! Keine Wäscheberge mehr im Schlafzimmer! Bett neu bezogen, Tomaten und Melonen und Kürbis zum Vorziehen gesät, Knoblauch und Ingwer gepflanzt, aufgeräumt, alles.

Morgen kommt Basti und bleibt bis Freitag. Eigentlich wollte er heute kommen, aber er muss seine Arschloch-Chefs kleinkriegen und liest dafür Gesetzesbücher. Ich bin enttäuscht, weil er schon wieder nicht bescheidgesagt hat – hätte ich ihn nicht angerufen, wüsste ich morgen noch nicht, was los ist. Aber okay.

Zu Sophi in etwas weniger als zwei Stunden. Davor noch ein Regalbrett aufhängen. Die Winkel sind schon dran, die Löcher in der Wand markiert – ich hatte nur vorgestern vergessen, den Bohrer rechtzeitig zu laden. Die 90-Grad-Wäsche müsste noch aus dem Keller geholt werden. Ich sollte duschen.

Ich mach mich auf.

Norabiderik gabe

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Dieser Tag hat Fragen über Fragen aufgeworfen. Wie stelle ich eine Rechnung aus? Wie mache ich jetzt überhaupt weiter? Wie bringe ich mich am effektivsten und schmerzfreisten um?

Zumindest zum letzten Punkt habe ich nach oberflächlicher Recherche ein bisschen meine Vorstellung konkretisieren können (Helium scheint eine ganz gute Wahl zu sein; da muss ich mich wohl beeilen, ich meine mal gehört zu haben, dass die Bestände schon ziemlich rapide schwinden). Die wichtigere Erkenntnis war aber vermutlich die, dass ich mich eventuell um einen Therapieplatz bemühen sollte. Das tut man bei wiederholt auftretenden Suizidwünschen, schätze ich.

Davon abgesehen, dass mir mitten im Tim-Vantol-Konzert plötzlich klarwurde, dass ich es vielleicht nicht mehr allzulange mache, hatte ich ein großartiges Wochenende mit Becci und JO. Das Konzert war wesentlich besser, als ich erwartet hatte (und ich hätte mir wahrscheinlich sogar das Album von der Vorband gekauft bei ihnen am Merch-Stand, hätte nicht die Überlegung, dass es sinnfrei wäre, sich in Bälde selbst zu beseitigen und davor munter weiter Besitztümer anzuhäufen, mir ein anderes Vorgehen diktiert). Der Hausflohmarkt, den wir davor besucht haben, war ganz ergiebig: vier weinrote Kerzen für mein Wohnzimmer, ein indisch anmutender Bezug für das kleine Sofakissen (so konnte es nach bestimmt zwanzig Jahren seinen Stammbezug mal zum Lüften und Ausschütteln verlassen, du kannst dir die Daunenwolke gar nicht vorstellen), zwei Bücher (eins von Isabel Allende, das JO mir empfahl, und Marian Keyes‘ „This Charming Man“, um meine Sammlung zu vervollständigen). Und eventuell Aussicht auf einen Menschen zum Baskischüben. Becci hat Schuhe gefunden. Es war schön.

R rief mich eben an. Da R ein sehr guter Mensch ist, hat er durch ebenso gutes Zureden bewirkt, dass meine Annahme, mein Weg auf Erden würde frühzeitig in einer Tüte mit Mickeymausgas sein Ende finden, einem etwas gemäßigteren Gefühl von Leere und Kopfschmerzen gewichen ist. Ich bin es nicht gewohnt, mit Attacken dieser Art bei ihm anzukommen, und habe von seinen Beruhigungskünsten bisher nicht oft Gebrauch gemacht. Dumm von mir; er hat’s wirklich drauf.

Kopfschmerzen.