Schlagwort-Archive: Betrunken

Cerveza con carne

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Ich war lange nicht mehr so betrunken. Nach drei Bier, wohlgemerkt. Wow. Das ist beachtlich.

Ich habe gerade Mike angeboten, für eine Woche hier zu wohnen. Das ist auch okay, Mike ist schließlich angenehmer als Barbara. Wow, ich bin so durch.

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Das war gestern Abend, als ich nach Hause kam, und ich kann bis jetzt nicht glauben, wie unfassbar das reingehauen hat. Ich habe, wie man sieht, den Eintrag nicht mehr weitergeschrieben, sondern mich lieber einfach auf der Couch zusammengerollt und versucht, den Rausch auszuschlafen, bis R nach Hause kam. Das hat so mäßig funktioniert; ich war gerade aufgewacht, hatte einen Topf Spaghetti gemacht und meine Portion gierig verspeist, als er kam, aber ich war immer noch wie umgehauen. Ich hätte vielleicht einfach doch zwischen dem mickerigen Frühstück, bestehend aus einem Zimtmuffin und einer Quarktasche, und dem spontanen Treffen mit Mike noch was essen sollen.

Oh well, jetzt war es halt so. Dafür bin ich dann heute um kurz vor zwölf aufgestanden und war bis jetzt produktiv, größtenteils durch Unbabeln und dem Korrekturlesen der ersten Seite von Timos Doktorarbeit, welche in einem entsetzlichen Kauderwelsch aus Denglisch und Fachlatein geschrieben ist und bisher sowohl Simone als auch Timos Vater zur Verzweiflung gebracht hat. Aber nicht mich, oh nein. Ich werde mich dieser Herausforderung stellen und muss nur noch ausloten, was für einen Stundenlohn ich dem Guten dafür jetzt abnehme. Wenn ich bedenke, dass mich Seite 1 bereits eine Stunde Lebenszeit gekostet hat, kann ich davon ausgehen, dass selbst bei Niedrigstlohn mir diese Arbeit ein halbes Vermögen einbringt.

Für den Rest des Abends habe ich geplant, mit Malte zu skypen und dabei Chili con Carne für R’s und mein Abendessen zuzubereiten. Es liegen nämlich Geflügelwürstchen von einem meiner und Beccis letzten gemeinsamen Beutezüge in unserem Kühlschrank, Kidneybohnen warten seit Urzeiten in ihrer verdellten Dose auf ihren epischen Einsatz, Zwiebeln und Knoblauch sind zur Genüge vorhanden und die obligatorischen zwei Dosen Mais habe ich in weisester Voraussicht schon letzte Woche beim Pfandwegbringen besorgt. Oh, das wird gut.

Fange ich doch gleich damit an.

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Mayo

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Ich bin wirklich betrunken, aber die Musik ist ein Faden, der mich festhält. Ich bekomme nur so halb mit, was drüben passiert, da, wo sie alle rauchen und ich mich aus Prinzip und Überlebensinstinkt nicht aufhalte, aber in meiner Ecke der Couch kommt sie geradewegs aus den Boxen auf mich zu und verrichtet ihre stabilisierende Arbeit.

Zwei Stunden später, ähnlicher Zustand, etwas fokussierter. Aber müde.

Society, you’re a crazy breed.

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Seit Langem war ich nicht mehr so glücklich wie heute.

Gestern vielleicht. Aber das kommt auf eins raus; seitdem ich AoE in jeglicher Form von meinem Computer verbannt habe, fühle ich mich wie neugeboren, als hätte ich meinen Platz in der Welt wieder gefunden und lückenlos aufs Neue eingenommen, als wäre ich nie weg gewesen.

Es ist warm draußen, viel wärmer, als vierzehn Grad vermuten lassen, und ich war viel zu dick angezogen, als ich Pfand wegbringen ging heute Nachmittag. Ich habe mit Becci telefoniert, während ich zum Kaufland fuhr, dann schnell die Pfandgeschichte erledigt und zwei Knollen Knoblauch illegal aus dem Supermarkt entführt – ich habe eine neue Gewohnheit daraus gemacht, jedes Mal beim Pfandwegbringen eine Kleinigkeit mitgehen zu lassen, Spülmaschinenklarspüler oder gerebelter Knoblauch oder NicNacs oder Knoblauch in Reinform, so wie heute. Das ist schon möglich. Und meinem Gewissen tut das gut; ich fühle mich trotz vollständigem Lebensmitteleinkaufsboykott immer noch zu hörig gegenüber den Supermärkten und es bereitet mir Kopfschmerzen, dass ich das abgefuckte System durch Klopapier- und Spülmaschinenpulvereinkäufe nach wie vor unterstütze. Dann wenigstens irgendetwas Kleines klauen. Ich habe sehr spät damit angefangen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen ihre kleptomanische Phase in ihrer Jugend ausleben und dann hinter sich lassen; ich sehe es trotzdem nicht ein.

Heute also zwei Knollen Knoblauch. Ich bin glücklich und gleichzeitig verwundert, warum ich darauf nicht viel früher kam. So viel früher; was hätte mir die Erkenntnis, dass auch ich in der Lage bin zu klauen, zu Einkaufszeiten an Gewissensbissen erspart. Klauen gegen das schlechte Gewissen, schon eine komische Herangehensweise an die Dinge. Aber so denke ich.

Natürlich habe ich lose Knoblauchknollen eingesackt, keine im Netz. Dann wären es ja auch drei gewesen. Ich dachte mir aber, ich bin mit zwei Stück erstmal ganz gut beraten.

Dann war ich containern. Es gab beim Großhandel gar nichts, dafür habe ich auf dem ganzen Weg mit Becci telefoniert. Beim kleinen Edeka habe ich zwei Topfpflanzen, Lauch und ein paar Zwiebeln gefunden sowie einige Fläschchen Schlagrahm. Dann spontan noch zum FairTeiler: mehr Zwiebeln, Zucchini, Möhren, Paprika, Tomaten und Topinambur. Volltreffer. Doch nicht mit leeren Taschen nach Hause zurückgekehrt. Ich hätte es auch sonst nicht schlimm gefunden, weil ich Becci auf dem Hinweg und mein Buch auf dem Rückweg dabeihatte.

Der Brandt klingelte, als ich gerade dabei war, den Lauch im Kühlschrank zu verstauen, um sich zurückzumelden. Ich hatte den Auftrag gehabt (und gerne angenommen), mich um seine Bonsais und Orchideen zu kümmern, während die beiden im Urlaub waren. Nun hat seine Frau, Ilona, geäußert, wir sollten uns doch mal auf ein Weinchen bei ihnen oben treffen. Ich habe wirklich nichts dagegen. Nachbarschaftliche Bindung kann in so einem Mehrparteienhaus wirklich nur von Vorteil sein.

Ich bin betrunken, das nur ganz am Rande.

Nach der AoE-Löschaktion gestern habe ich mir Maltes Filmtipp zu Gemüte geführt, Into the Wild. Ich war davon mehr als geringfügig verstört; der Mensch ist wirklich gestorben? Aber diese Menschen braucht doch die Welt, wie konnte er sterben?

Dafür habe ich mir ein Lied aus dem Soundtrack beigebracht, gestern Abend und heute Mittag. Society.

Natürlich ist das jetzt nicht perfekt oder ansatzweise so etwas. Aber immerhin hat es einen Laien (zumindest gehe ich stark davon aus, dass es einer ist) kurz sprachlos gemacht: natürlich musste ich das Werk gleich Malte zukommen lassen, immerhin verdanke ich ihm die Bekanntschaft mit dem grandiosen Soundtrack eines nicht weniger grandiosen Films.

Ich bin so durch den Wind, ich ziehe gerade allen Ernstes in Erwägung, nochmal containern zu fahren. Diesmal zum anderen, neueren Spot. Aber ich glaube, das lasse ich lieber; ich war ja vorgestern dort und an einem Tag wird so viel nicht zusammenkommen, dass es sich lohnen würde, die Stunde dorthin in der Bahn zu verbringen.

Andererseits, wieso eigentlich nicht. Ist ja nicht so, als würde ich hier noch etwas Produktives anfangen.

Man wird sehen, was ich um 23.08 Uhr letztendlich anstelle.

Nooooooooo!

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The zombies ate my brains! I suck!

Eigentlich habe ich ja überhaupt nur angefangen zu zocken, damit die Seite hier in Ruhe laden konnte. Von demher: Auch gut.

Mit ziemlich viel Bier und einer guten Portion Sozialkompetenz meine ich, diesen Nachmittag ziemlich gut herumbekommen zu haben. Du machst dir keine Vorstellung, wie awkward es teilweise ist, mit Mike rumzuhängen. Einfach, weil wir das nicht wirklich gemacht haben bisher und irgendwie grandios dazwischen schwanken, uns einerseits unsere lebensdefinierendsten Erfahrungen zu erzählen und andererseits einfach nicht die Spur einer Ahnung zu haben, was wir noch so reden könnten. Mein Gefühl sagt, dass das nie wirklich vollkommen entspannt wird. Aber streckenweise war es wirklich gut. R war super als Katalysator und während wir im Wald waren, haben wir über Mitbewohner geredet; nicht unbedingt ein Thema also, bei dem mir der Gesprächsstoff schnell ausgehen würde.

Jetzt habe ich Hunger, was absurd ist, weil R vor zwei Stunden noch einen riesigen Stapel Reibekuchen gemacht und ihn mit allerlei Aufstrich- und Garniermöglichkeiten uns auf dem Wohnzimmertisch präsentiert hat. Es gab unter Anderem Thunfischaufstrich, welchen ich neulich containert hatte, Nutella und veganen Aufschnitt. Und, wahrscheinlich nur, weil ich so verzweifelt danach gejammert habe, sogar mein gutes altes Apfel-Birnen-Mus, welches ich immer noch jeglichen Experimenten vorzog.

Aber das hat sich gerade erledigt, denn offenbar hat R auch wieder Hunger, sodass ich uns jetzt ein paar Brote mache und danach aber schleunigst ins Bett gehe. Bis morgen um viertel vor elf muss ich schon wieder arbeitstüchtig sein.

Die Katze hat auch Hunger. Irgendwie haben wir hier alle Löcher im Magen.

In-Konsequenzen

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Plan für heute:

Unisachen machen (Harslem 1 Seite, Griese Probeklausur & Mail, Nespral 2 Einträge beenden & Mail, obwohl ich Letzteres vergessen hatte zu notieren); Großhandel / Ausflug zur GiveBox; 50 Sachen aufräumen; 1 Wäsche; buntes Kleid nähen (wirklich); Mixer-Deckel präparieren; duschen & epilieren.

Realität:

Schlafen bis elf; gemütlich frühstücken (süßer Hefezopf mit Mandeln, mit Butter und Dulce de leche bestrichen, dazu Instant-Cappuchino) und dabei lesen; gestern gerettetes Essen versorgen (ich hatte gestern nur zwei von drei Taschen geschafft); Küchenarbeit (auch wenn man davon nichts sieht – es ist immer noch / schon wieder das reinste Chaos); Großhandel (es dauerte ewig und drei Tage, dort anzukommen, da wegen des Rollstuhlmarathons, der heute stattfand, die halbe Stadt lahmgelegt war und der Bus natürlich auch im Stau stand); Rückweg vom Großhandel (ich hatte dreißig Kilo eingelegte Champignons 3. Wahl zu schleppen – mein Rücken und auch der Rest von mir fand’s nicht lustig, aber ich hatte keine Wahl, denn es mussten drei Eimer sein. Einer hätte sich nun wirklich nicht gelohnt, zwei hätten mir einen leeren Rucksack und zwei überladene Seitentaschen beschert, also dreimal 10 Kilo. Unterwegs machte ich noch Bekanntschaft mit einem harmlosen Irren aus dem nahegelegenen Altersheim, der gerade an der Bushaltestelle, wo ich umsteigen musste, dabei war, einen selbstgemachten Salat zu verdrücken und dem ich Champignons anbot. Im Gegenzug kann ich nun wann immer ich möchte im Kräutergarten des Altersheims meine Vorräte aufstocken. Dafür habe ich gern in Kauf genommen, dass der Eimer nach dem Entfernen der Schutzfolie natürlich nicht mehr dicht war und meine ganze Ikea-Tasche mit Pilzwasser volllief und sich auch noch auf den Platz im Bus entleerte, den ich mit meiner Fracht beladen hatte); mit schmerzendem Rücken die eine Wäsche in die Maschine werfen und den Weg nach unten für Keller-Erledigungen nutzen; mit schmerzendem Rücken Nudelsalat produzieren und dabei mit Mama telefonieren (ich weiß jetzt schon nicht mehr, ob wir es diesmal geschafft haben, in Frieden auseinanderzugehen, tendiere aber überraschenderweise zu Ja); mit schmerzendem Rücken Champignons aus dem angebrochenen Eimer (sofern nicht für den Nudelsalat verwendet) in ein Arsenal von Gläsern füllen und einkochen und dabei Ken Zazpis Livealbum Gelditu Denbora hören; mit schmerzendem Rücken Katzenklo saubermachen und Müll rausbringen; mich mit schmerzendem Rücken und meiner während der Aktivitäten in der Küche geöffneten Flasche Bier (der letzten im Hause) aufs Sofa pflanzen; Facebook-Posts lesen und dabei über Transgender-Menschen nachdenken und bedauern, keinen persönlich zu kennen (ja, in dem nunmehr durch Bier und eine Cola-Limoncello induzierten Zustand fast anfangen zu heulen, weil ich es so sehr bedauere, niemanden zu kennen, der mir erzählen könnte, wie es ist, transgender zu sein, und somit aus meiner immensen Unfähigkeit, dies nachzufühlen, keinen Ausweg zu sehen); diese ganzen Umwege und Planabweichungen schriftlich festhalten.

Die Probeklausur muss ich allerdings noch machen, wirklich, weil heute Deadline ist und mich das leise Gefühl beschleicht, dieses Semester schon genug in der Pfeife rauchen zu können – ich muss es nicht noch überstrapazieren und auch noch aus dem Kurs fliegen, in dem einem das Bestehen wirklich hinterhergeschmissen wird.

Fun Fact: Die Klausur bei Harslem, zu der ich mich in der ersten Woche meiner hyperemesischen Horrorexistenz noch geschleppt hatte (ich werde es noch ausführlich schildern, ich muss es noch ausführlich schildern, denn so absurd sind Klausuren nicht alle Tage) wurde, wie ich gestern erfuhr, eine 1,0. Ich war so hysterisch, ich habe mich zehn Minuten lang nicht beruhigen können. Ich mag meine Fähigkeit, unter Höllenqualen noch 1,0-Klausuren zustandezubringen. Ich mag sie wirklich.

Einen auf die Zukunft.

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Lustig, ich kann die Zukunft voraussagen! Pass auf: In zweieinhalb Stunden und ein paar Zerquetschten wird R nach Hause kommen. Er wird die Katze begrüßen, die zu dem Zeitpunkt bereits aufgesprungen ist und an der Tür lauert, weil sie das Schlüsselgeräusch gehört hat. Irgendetwas über seinen Arbeitstag vor sich hinverkündend wird er sich ins Wohnzimmer begeben und mich auf meinem angestammten Sofaplatz vorfinden. „Hallo, Miez“, wird er sagen. Dann sage ich „Hallooooo!“, mit einem glücklichen breiten Grinsen im Gesicht, und er darauf: „Du hast getrunken“. Dann kommt er her und küsst mich und ich frage ihn, ob er auch was will, und natürlich akzeptiert er. Wir zwei beide, wir Schnapsdrosseln, wie er einst sagte, als ich zum ersten Mal bei ihm war und er kein Bier mehr hatte und dann, durch mich dazu ermutigt, seinen heiligen Augustiner rausholte.

Okay, ich habe nicht sonderlich viel geschafft bekommen heute, außer natürlich, mehr Geld für Perlen auszugeben. Verdammt seist du, Ebay, verdammt seist du. Aber ich habe auch Teses Geburtstags-Ohrhänger fertig eingetütet, für die ich gestern noch Ewigkeiten die Läkerol-Packung beklebt und Tese nach ihrer Adresse gefragt hatte, und in den Briefkasten geworfen, gerade als ein Post-Auto davor stand. Das kann doch nur Gutes bedeuten.

Ich habe mir auch wieder ins Bewusstsein bringen lassen, durch Becci nämlich, dass ich Samstag – das ist überübermorgen – schon mit Becci unterwegs nach Granada bin, wenn alles gut geht. Granada! Wie ich mich freue, jetzt, wo ich so darüber nachdenke. Unendlich, wirklich. Becci hat das wunderschönste Hostel ausfindig gemacht, es befindet sich im arabischen Viertel und somit genau da, wo ich sein wollte. Und auf Barcelona freue ich mich genauso. Oh, es hat das Potenzial, ein ganz herrlicher Urlaub zu werden.

Kalter Wein & warmes Bier, so was Tolles hab ich hier.

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Es ist doch nicht zu fassen – mir steckt „One Day“ noch immer in den Knochen. Unheimlich ist das. Es schleicht sich in meine ruhigen Momente ein und will mich aus dem Nichts überfallen, fast, als wäre es wirklich passiert. Als wäre es mir passiert. Mir ist das Gefühl zu gut aus dem wirklichen Leben bekannt, um es – oder besser, seinen Schatten – jetzt nicht wiederzuerkennen. R sagte mir dazu, ich solle mich nicht so von einem Roman flashen lassen, es sei ja nichtmal wirklich passiert. R hat keine Ahnung, so gar keine.

Das hat er gut gemacht, der David Nicholls. Jetzt habe ich gerade gesehen, dass das Buch (natürlich, wie nicht) schon vor Ewigkeiten verfilmt wurde; ich weiß also ziemlich genau, welchen Film ich in diesem Leben (naja, zumindest vorerst) nicht angucken werde. Ist auch besser so, wenn ich bedenke, dass allein die Vorstellung davon, ich könnte es doch tun, schon wieder halbe Heulkrämpfe auslöst.

Nachdem ich damit fertig geworden bin, ist mir jetzt auch klar, warum „Me Before You“ in Kritiken damit verglichen wurde. Himmel, warum tut man sich so etwas an, bietet das echte Leben etwa noch nicht genug Drama?

Aber es war ein guter Zeitpunkt, das Buch zu lesen. Immerhin wartet es seit ~Mitte 2012 darauf, von mir gelesen zu werden; damals schickte es mir Şahin mit dem HAG mit (welches wir damals noch brav alle drei Monate von einem Elternteil zum anderen reichten), in dem Glauben, es sei mein Exemplar von „Hummeldumm“, das ich den beiden irgendwann ausgeliehen hatte und gerne zurückwollte. („Ist halt auch orange.“) Caro machte sich dann Sorgen, ich könne da eine Art Symbolik hineininterpretieren – im Nachhinein kann ich das sehr gut nachvollziehen, was diesen Büchervertauschfail noch einmal um so viele Ebenen katastrophaler macht – und nahm über Facebook mit mir Kontakt auf, um es mir vor Ankunft des Päckchens mitzuteilen. Oh, das waren Zeiten.

Und als wäre der Fail noch nicht perfekt, hatte ich von den beiden auch noch ein Buch (das wiederum habe ich bis heute nicht gelesen; ich hab es Caro schon längst wiedergegeben), nämlich The Other Hand. Davon war Caro begeistert gewesen und hatte es mir umgehend mitgegeben, nachdem sie und Şahin damit durch waren, allerdings kam ich nicht dazu, es anzurühren, bis das Drama kam, und ließ es danach einfach in diesem unberührten Zustand in meinem Regal stehen, zusammen mit diversen anderen Überbleibseln.

Jedenfalls wollte Caro „The Other Hand“ auch ganz gerne wiederhaben, und somit ist dieser Fail dann auch entscheidend für Caros und meine Wiederannäherung gewesen. Als wir beschlossen zu kommunizieren, indem wir Nachrichten durch die Umbenennung eines Dropboxordners austauschten.

Pass auf – jetzt war ich tatsächlich motiviert genug, meine Festplatten hervorzukramen, um das Ganze mit Beweisen in Form dieses Screenshots untermalen zu können:

tragische-verluste

(Man beachte auch Roberts einfühlsamen Kommentar zu der Aussage, mein Finger habe gerade ein Eigenleben entwickelt. Das ist Robert, wie er leibt und lebt. Ich hab zum ersten Mal seit einem Jahr sowas wie Kontakt mit meiner mir zuvor aufs Dramatischste abhandengekommenen besten Freundin, und Robert sagt „Hmm“. Warum nur kann ich Becci verstehen, wenn sie mal wieder mit Robert verzweifelt.)

So. Immerhin hat mich die ganze Eskapade von dem Inhalt des Buches als solchen abgelenkt. Perfekt. Kannst du dir vorstellen, dass ich dreimal wieder aufstehen musste, um das richtige Kabel für diese Festplatte zu suchen? Oh ja, so war das.

It is finished.

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OMG. Ich bin die letzte Stunde lang so durchgedreht und habe betrunken auf dem Sofa zu Jesus Christ Superstar abgefeiert, sodass R, der mit mir auf dem Weihnachtsmarkt war, sich blendend mit meinen Kommilitoninnen verstanden und mich danach noch in eine Kneipe verschleppt hat, sich jetzt irrelevant vorkommt und schlafen geht. Ich kann doch nichts dafür, dass Jesus Christ Superstar so unglaublich gut und lang ist. Dafür hat R das beste Essen gemacht, das man in diesem Zustand nur haben kann. Nudeln und eine Spur Tomate. Grandios.

Ich habe die Take-Home-Exercise noch abgeschickt, eben gerade. Ich hoffe, ohne Typo.

Ich darf nicht vergessen, morgen R’s BlaBlaCar zu verwalten, während er in der Arbeit ist. Ich hoffe nur, ich denke daran, sonst habe ich wohl ein Problem.

Das war ziemlich schön gerade. Ein wirklich schönes letztes Weihnachtsmarktzusammenkommen nach einem wunderschönen Brunch und einem wunderschönen verzockten Nachmittag. Zwischendurch habe ich noch besagtes Take-Home gemacht, den zweiten Tag in Folge für den gleichen Kurs gearbeitet, was für ein einmaliges Erlebnis. Aber wenn es nunmal sein musste.

Ich bin wieder unter den Lebenden, glaube ich, auch wenn ich immer noch begeistert bin vom letzten Rest von Jesus Christ Superstar – Oh God! Oh God! Why have you forgotten me? -, aber das schaffe ich ja durchaus auch im nüchternen Zustand.

Long Way to Happiness

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…a long way to go. Ich bin offiziell wohnungslos. Hat alles geklappt soweit. Außerdem bin ich offiziell unfassbar dicht. Waltraud hat drei Flaschen Sekt geopfert. R kauft ihr offenbar morgen neue, so genau habe ich das in meinem Zustand nicht mehr mitbekommen. Ich habe auch eine neue Brandwunde zu bestaunen, die ich mir eben beim Tortellinikochen zugezogen habe. Mein Ohrwurm vor und nach der Wohnungsabnahme erklärt sich vermutlich von selbst. Ich bin unfassbar dicht, wie ich war, noch containern gegangen. Ich bin froh darüber. Alles passte in den Kühlschrank. Das beeindruckt mich. Wir werden wunderbare Sachen essen morgen. Und heute. Und übermorgen. Oh herrliches Leben.

Ach Shit, ich habe vergessen, den Keller zu fegen. Dann muss das am Montag noch gemacht werden. Unbedingt.

Krempele eine Flüssigkeit aus ihrem runden Gefäß.

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„Aspi…?“
-„Hm?“
„Und wann krempel‘ ich dich um?“

Dieser Dialog fand gestern statt, nachdem ich R aus einer Laune heraus den Vorschlag unterbreitet hatte, doch mal einen Monat lang mein geliebtes Escitalopram zu konsumieren. Weniger, weil ich ihn für depressiv halte, und umso mehr, weil er meines Erachtens ein bisschen innere Ruhe wirklich gut gebrauchen könnte. Vielleicht wäre es für ihn eine genau so gewaltige Erfahrung wie für mich, als ich damals damit anfing. Dachte ich mir so, als er sich wieder mal zu Tode über die ihn umschwirrenden Fliegen ereiferte.

Umso mehr habe ich daran zu knacken, was – siehe da oben – er auf meinen Einfall erwiderte. Genauer gesagt denke ich seit ein paar Stunden darüber nach, nachdem ich den Tag über damit beschäftigt war, meiner Mutter auf dem Flohmarkt beim Verkauf ihrer Babykleidung zu helfen und alle drei Minuten die Tische aus dem Regen unters Zelt und dann wieder hinauszustellen. So richtig fing ich an, darüber nachzudenken, als ich wieder zu Hause war und im Garten hinten am Kompost die zweite riesige Samenkapseln-der-wunderschönen-Pflanzen-von-Samen-befreien-Aktion einlegte. Das ist meditativ und gibt einem viel Raum zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob es gerechtfertigt war, R auf die Frage ein schockiertes „Noch mehr?!“ entgegenzuwerfen, welches in erster Linie dazu gedacht war, ihm nur ja nicht den Eindruck zu vermitteln, er hätte sich für diese abstruse Konstellation, die wir abgeben, mehr verbogen als ich mich.

Was mir auch unbegreiflich wäre, da ich mir niemals auch nur die Fähigkeit einräumen würde, jemanden zu beeinflussen. Geschweige denn einen Charaktermenschen, wie es R ist. Außer, es ist in seinem Interesse. Und nennt man das noch Umkrempeln? Ist es ein gutes Umkrempeln, was ich da angeblich vollzogen habe, oder ein Umkrempeln wider Willen? Wie um alles in der Welt soll ich das angestellt haben?

Bei genauerem Überlegen – und ich muss mich immer weiter zwingen, mich gedanklich auf eine Art zu entspannen, die es mir erlaubt, die Tatsachen nicht zu verzerren (ich neige so sehr dazu, fürchte ich, dass es mir schwerfällt, diese Angewohnheit abzulegen) – kam ich zu dem Schluss, dass er Recht hat. Irgendwie. Und dann aber auch nicht.

Stellen wir das Ganze gegenüber. Angefangen mit dem, was er wohl anführen würde, würde ich eine Aufzählung der Aspekte verlangen, in denen ich ihn umgekrempelt habe.

Erstmal. Temporär oder nicht, er ist jetzt gerade ein Mono-Mensch und das liegt an mir. Er ist außerdem ein sehr, sehr überzeugter Veganer (und ja, das gehört selbstverständlich zu den Dingen, die ich an ihm bewundere) und hätte vermutlich in seinem Leben keinen Fisch mehr gegessen, hätte ich ihn nicht mehr oder minder ohne mein Zutun pragmatik-induziert zum Containertarier gemacht. Ich glaube, das sind die beiden Hauptpunkte, auf die er sich bezieht. Ferner zieht er es in Betracht, sich in mein Selbstversorgerprojekt einzugliedern. Jetzt musst du dir darüber im Klaren sein, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der die Sonne meidet, wo er nur kann, zum Leben mindestens einen Contrast-ähnlichen Ort inklusive dem dort anzutreffenden sozialen Umfeld, eine Internetverbindung und ganz bestimmt keine körperliche Betätigung benötigt und Falks Lied „Smogsehnsucht“ praktisch eins zu eins verkörpert. Das ist schon unheimlich, eigentlich.

Und der letzte Punkt, den ich aufzählen sollte, ist seine Aussage, er wäre durch mich offener geworden und würde ganz anders auf Menschen zugehen. Was mich zugegebenermaßen verwirrt, weil ich sein Zugehen auf Menschen als nicht sonderlich verändert empfinde. Aber okay, das muss er selbst wissen. Ich sehe da jedenfalls noch mehr Potenzial, falls er irgendwann seine gleichwohl unachtsamkeits- als auch selbstschutzbedingte grenzenlose Egozentriertheit ablegt.

Hm. Nun die große Frage, inwiefern ich mich habe umkrempeln lassen.

Ich tendiere zu „eigentlich gar nicht“. Zumindest habe ich keine derartigen eingerissenen Bastionen vorzuweisen. I pretty much prevailed throughout the entire battle (if there ever was one). Mono: Check. Essen: Check. Selbstversorger: Check. Wieso genau komme ich mir dann eigentlich so vor, als könnte ich noch längst nicht ich selbst sein, so, wie ich es eigentlich gerne wäre?

Ich weiß. Ich mache mich unkompliziert. Das ist das große Problem. Und mir fällt wieder mal die Aufgabe des Rundseins zu, die ich ja offenbar meisterhaft beherrsche. Übersehen wird dabei, dass ich nicht rund bin und es nicht im Geringsten auf Dauer zu sein plane. Übersehen wird, dass ich mich ohne es je zu erwähnen zurückstelle an allen möglichen Ecken und Enden, die für mich vielleicht keine Bastion darstellen, aber zusammengelegt einen wesentlichen Teil meiner selbst ausmachen, und mich auf diese Art durchaus erheblich verändere. Wenn auch nicht permanent und durch und durch, so doch auf ihn bezogen lückenlos. Ich bin dann halt mit Anderen ich selbst. Mit allen Anderen im Grunde. Es macht auch Sinn: Ich bin immer zu dem Grad ich selbst, in dem ich die Gewissheit habe, nicht (oder zu dem es mir egal ist) dafür verurteilt zu werden. Wenn man sich jetzt jemanden wie R anschaut, der überwältigende Teile seiner wachen Zeit mit Urteilen über Andere verbringt, einen selbst aber aus irgendeinem Grund idealisiert, fällt es leicht, meine halb unbewusste Entscheidung nachzuvollziehen, mich lieber ihm anzupassen als ein Verurteiltwerden seinerseits hervorzurufen. Und ich habe es ja in mir. Es ist ja nicht, als würde ich mich neu erfinden, um seinen Ansprüchen zu genügen. Ich habe eher den Eindruck, Seiten von mir zu unterdrücken. Und zwar in erster Linie schlechte. Das kenne ich schon zur Genüge von meiner verliebten Version. Sie ist so anpassungsfähig wie ein Chamäleon und wechselt ihre Farben, ohne dass der Ast, auf dem sie sitzt, je die Chance hat, die Vielfalt ihrer Möglichkeiten zu begreifen.

Warum dann behauptet er, ich hätte ihn umgekrempelt? Er gehört zu den Menschen, die einfach jedem gegenüber gleich sind.

Kurze Pause vom Philosophieren. Ich bin gerade erstmal überglücklich, weil eben Trudi zu mir hereinkam und wir uns zwanzig Minuten lang unterhalten haben, was wohl bedeutet, dass die Tatsache, dass sie davor tagelang kaum ein Wort mit mir gewechselt hat, auf ihren Lernstress zurückzuführen war und nicht auf irgendetwas, das ich getan oder nicht getan hatte. Oh Hilfe, was hatte ich mir Gedanken gemacht.

Und weiter. …Ohne merkbare Rücksicht. Er ist derjenige, der als Antwort auf die Frage, was er niemals tun würde, unter den Optionen „Meinen Partner hintergehen, Heiraten, Mich für Andere verstellen, Aufs Land ziehen“ Zweitletzteres wählt. Während ihm wenig mehr zuwider ist als die Vorstellung, aufs Land zu ziehen oder aber, noch schlimmer, zu heiraten. [Anmerkung: Es kam „Angela Merkel“ bei ihm als Seelenverwandte heraus. Basti und ich haben ihn ausgelacht; er hat sich schwarzgeärgert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir beide hatten Martin Luther King und waren damit wesentlich zufriedener.]

Was lamentiere ich eigentlich. Mein Problem ist doch im Grunde nur, dass ich nicht viel weniger egozentriert bin als er und es mir gegen den Strich geht, meine Melodramatik und Emotionalität so gar nicht ausleben zu können, einfach weil sie in dem Mordsraum, den er mit seinem eigenen Charakter einnimmt, sang- und klanglos untergeht. Mir fehlt dafür einfach nur das Durchsetzungsvermögen. Wenn ich merke, es interessiert sich niemand für meine Lappalien, bringe ich sie eben nicht an den Mann, sprich, es ist andersherum meine eigene Schuld, weil ich ihm die Möglichkeit gebe, sich in meinem Vakuum breitzumachen, ohne dafür einen Platz in seinem einzufordern. Das sind zwei Persönlichkeiten, die beide nach Aufmerksamkeit lechzen; die eine bekommt sie gewährt, die andere fühlt sich unverstanden.

Ob das alles jetzt weltbewegende Einsichten waren oder nicht, stellt sich irgendwann heraus, wenn ich weniger Rum in meinem Körper habe und mir das Ganze hier nochmal zu Gemüte führe.