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Kausalitätsketten

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This is the story of how a person got from point A to point Z.
Some call it fate, others, chance. But whatever you call it,
it sure is an interesting thing to ponder, don't you think?
The twisted paths our lives follow. How did you get here?
The place where you are right now at this very moment.
What series of events brought you to this place?
At this specific point in time? Where are you in life?
Are things turning out the way you'd planned?
And by the way, when was the last time you spoke with your parents?
Don't you think you ought to give them a call?
To thank them for the set of circumstances that brought them together,
at a certain place, at a certain moment in time, when you were created.

In der Tat sind dies interessante Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, da hat Roscoe Lee Browne im Auftakt von Smiley Face schon Recht. Mein Point A des heutigen Tages war wohl die (somewhat verstörende) Whatsapp-Nachricht meiner Mutter, sie habe meinen Blog gelesen. (Nachdem ich ihr darauf ‚Oh‘ antwortete und sie daraufhin ‚Genau‘ erwiderte, fand keine weitere Kommunikation diesbezüglich oder anderweitig statt, sodass die Konsequenzen dieser Eröffnung mir aktuell noch nicht in ihrem vollen Ausmaße bekannt sind.)

Ich machte mich auf, zu tun, was ich immer tue, wenn diese Situation eintritt: Blog scannen, um zu ermitteln, welche Unsäglichkeiten ich im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Seelenausschüttungskarriere produziert habe, die der nunmehr darüber in Kenntnis befindlichen Person nicht gefallen könnten. Nach diesem ersten Schritt gehe ich üblicherweise dazu über, zugunsten der Authentizität und meines Seelenheils die Tatsache, dass ich gefunden wurde, schnellstmöglich wieder vollständig zu verdrängen.

Beim Scannen lief mir dann aber folgender Satz über den Weg: „Basti hat so Recht, wie er immer sagt, Kommunikation ist das Allerwichtigste.“ Das war Point B.

Ich nahm dies zum Anlass, mir zu denken, screw this, und Basti eine Nachricht zu schreiben, in der ich auf diese Aussage Bezug nahm. Auf diese Weise kam kurz danach tatsächlich ein Gespräch zustande, in dessen Verlauf mir zwar nicht unbedingt wie Schuppen von den Augen fiel, dass ich in der Unterhaltung mit Niklas absolutem Blödsinn auf den Leim gegangen war, aber zumindest bin ich nicht mehr überzeugt, ein absolutes Monstrum als besten Freund gehabt zu haben. Es wird nicht mehr so wie früher, aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr, ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Da wir nicht ganz so lange telefoniert haben, wie es eigentlich hätte dauern können, weil er zurück an die Arbeit musste, versuchen wir das Gespräch heute Abend fortzusetzen. Point Z ist also fürs Erste aufgeschoben. Dahin gelange ich wohl über einen weitaus weniger manischen Donnerstag, als geplant war – die manischen Donnerstage habe ich zusammen mit dem Anti-Versackungs-Plan vor ein paar Monaten eingeführt, bin aber zunehmend inkonsequent damit und nutze jede Kleinigkeit, um mich davor zu drücken. Aktuell ist es die jahreszeitbedingte Dunkelheit, die mir als Vorwand zum Nichtstun dient. Staubsaugen bei diesen Lichtverhältnissen wäre ineffizient. Beim Aufräumen möchte ich auch sehen, was ich tue. Den Tisch mag ich auch nicht im Dunkeln putzen. Die Küche kann man zwar hell erleuchten, aber die Spülmaschine läuft bereits. Den Flur blockieren Taschen mit Pfandflaschen. Für ein Semesterticket bin ich zu geizig, aber die Semesterticketlosigkeit hält mich davon ab, das Haus zu verlassen und die Flaschen wegzubringen. Ich habe zwar von Susmitas und Sarahs Besuch neulich noch ein paar Einzeltickets übrig, möchte diese aber nicht ohne Not verschwenden. Wäsche sollte ich waschen, aber im Keller ist es so kalt. Warm anziehen könnte ich mich, aber da es so dunkel ist, bin ich nicht motiviert dazu. Winter nervt.

Das Gute: In drei Wochen wird es bereits wieder heller. Und in drei Monaten kann ich schon fast wieder richtig normal leben. Und ich habe zwar vorhin mit Basti darüber gesprochen, dass wir in Konstanz wirklich ein schönes Leben hatten, aber vielleicht strenge ich mich einfach mal ein bisschen an und schaffe das Gleiche hier auch.

Catching Up

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The queerest thing happened to me today. That’s right, 10 am and already something has happened. To be specific, I woke up. Not just any time, oh no, I woke up when R’s alarm rang, at around 6.30, and I felt so extremely awake that going back to sleep for another two hours before my shrink appointment was just not an option. So when R (clumsy and noisy as usual) had gathered his wits and work-related belongings and left the house about 15 minutes later, I checked my cell phone, turned on the lights, gulped down my daily 5-milligram dose of sanity and got up. At seven.

I then proceeded to get the coffeemaker running and, while the appartment slowly filled with promising, delicious aroma, conduct my bathroom routine in the calmest fashion imaginable. Content, I re-entered the kitchen and set out some cat food to defrost, then poured myself a cup of coffee and, to my astonishment, realized I still had more than enough time to sit down and watch an entire episode of Gilmore Girls before I had to leave. Actually, when I was done with the episode, it was around 8.20 – which is exactly the time my own alarm was originally supposed to ring.

I now oficially envy every morning person on Earth. Oh, to be able to live like this each day! Instead, I have been known lately to applaud myself for getting out of bed before 11. Ever since our Konstanz visit around R’s birthday, my sleep cycle has been out of control. Those two nights seriously fucked up everything I had built.

But I’m not complaining; it was well worth it. Why? Let’s see.

  • I got to be in Konstanz.
  • I was able to grow as a person as I was being taken into, then abandoned in an environment far outside my comfort zone (seeing as R basically forgets I’m there as soon as we enter that goddamn place and my social skills are insufficient for me to feel at ease on my own), a challenge it took more time and effort to master than I would have liked, but which I eventually chose to accept and overcome nonetheless.
  • The latter point resulted in me hanging around a former friend of R’s while he was busy DJing, and getting up to speed on things happening in Konstanz. Specifically, seeing as this person used to be very close with my pal Basti as well, I came to know a couple of things about Basti that I probably wouldn’t have found out if I hadn’t been there. Like, ever.

So, yeah, even though what I learned bummed me out pretty hard and lead me to the uncomfortable decision to actively cut my best friend out of my life, which I’m still set on doing once the opportunity presents itself, I needed to be there and endure endless hours of absorbing cigarette smoke and fending for myself in a foreign territory and be prepared to meet this Emi person, who R has the hots for, only to find out she’s not exactly interested in meeting me at all – the whole purpose of me tagging along and the encounter barely lasted a second, only significant in that it prompted me to finally get over myself and go get a beer and talk to people because I felt just too stupid and out of place lingering aimlessly there near R’s DJing corner pitying myself for being such a fucking misfit at R’s favorite place in the world while he was having a blast and the Emi person was fitting right in.

See – I did manage to write about it eventually, even Basti being a lying coward son of a bitch and all. So I’m not as hopeless as I thought.

Stabilized (but stagnating)

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Schon besser. Ich kann nicht behaupten, dass es mir blendend geht, aber sofern hier nichts mehr eskaliert, dürfte das Gröbste überstanden sein.

Ich werde dennoch nicht an Beccis und Cornelias Holland-Trip dieses Wochenende teilnehmen, wie es eigentlich geplant war. Weder kreislauftechnisch noch mental würde ich eine Unternehmung von diesen Dimensionen verkraften. (Auch wenn es gepasst hätte, denn als ich Tim Vantol zum ersten Mal gesehen habe, war es um meinen Geisteszustand ähnlich bestellt. Das war auch der Grund, aus dem ich mir damals nach dem Konzert keine CD gekauft habe. Wozu, dachte ich mir, wenn ich’s eh nicht mehr lange mache.)

Becci, die gute Seele, sagte auf meine Frage hin, wie viel ich ihr für Ticket und Übernachtung schulde, es sei nicht der Rede wert und ich sollte nicht für meine gegenwärtige Situation auch noch bezahlen müssen.

Und meine Mutter, mit der ich gestern telefoniert habe, ist zwar aktuell noch auf Sri Lanka, sagte mir aber, ich hätte sie trotzdem wirklich mal anrufen können, als hier Land unter war, sie könne in 20 Stunden bei mir sein. Awww. (Wobei es bei ihr schon genügt hat, ihr zu erzählen, dass sich R während meines Entzugs nicht gerade um Unterstützung und Rücksicht bemüht hat, ohne auf Einzelheiten einzugehen.)

As for me… ich warte erstmal ab, bis sich mein Hormonhaushalt wieder einpendelt. Latente Panik ist nach wie vor da, aber nichts im Vergleich zum Wochenende. Derweil höre ich mir von der Therapeutin an, dass ich meine Prinzipien zum Fenster rausschmeiße, wenn ich nicht vehement ablehne, mich mit R’s Polyamorie auseinanderzusetzen, und beobachte dessen unbeholfene Versuche, meiner Kritik gemäß seine Egomanie zu drosseln.

Bislang scheint Letzteres allerdings aussichtslos. Siehe dazu gestern Abend: ich hatte Musik an, während ich in der Küche tätig war, und das Album lief noch, als er zum Essen kam. Er gab sich Mühe und fragte, welches Album wir hören würden. Es war What Seperates Me From You von A Day to Remember. Da er bemängelt, ich würde ja aber auch von mir aus nichts erzählen, fasste ich mir ein Herz und schilderte ihm, wie mich You Be Tails, I’ll Be Sonic damals mit seiner Genialität überwältigt hat, als ich die Band kennenlernte. Von zwei zehennägelkringelnd, nackenhaaresträubend konstruierten Rückfragen seinerseits fühlte ich mich nichtsdestotrotz ermutigt, man könnte fast sagen, verpflichtet, weitere Informationen preiszugeben. Also erzählte ich vom Konzert 2011, und dass dort auch mein T-Shirt mit einer besagtem Lied entstammenden Zeile herkommt, und schließlich sogar von der abstrusen Kombination, die mein Shirt („There’s a hole in my heart where you used to be“) und Şahins Wristband („Get the fuck over it“, 2nd Sucks) hermachten. Er reagierte daraufhin, and I shit you not, mit einer ausschweifenden Erörterung, welche zum Inhalt hatte, dass der Grund, aus dem er gleich zurück an den Rechner müsse, sei, dass auf der GUI, die er gerade programmiert, sich das Relief nicht mehr ausschalten lasse. Irgendwann unterbrach ich ihn, indem ich andeutete, zum Himmel zu beten, und flehte, „please be going somewhere with this“. Er war daraufhin beleidigt.

Sonntag Früh entdeckte ich einen drastisch reduzierten Udemy-Kurs zu kognitiver Verhaltenstherapie, dessen Beschreibung mich neugierig machte und mir den Eindruck verlieh, eine derartige Maßnahme könnte uns helfen, eine gewisse Basis an gegenseitigem Verständnis und gleichzeitig eine Erweiterung unser beider Horizonte zu erreichen, insbesondere in Hinblick darauf, dass ein konstruktives Auseinandersetzen mit der Thematik der Polyamorie mir in meinem aktuellen Mindset nicht oder kaum möglich ist. Ich sagte ihm dies und schlug vor, den Kurs herunterladen und gemeinsam anzusehen. Er stimmte dem zu. Als er dann feststellte, dass es sich um 53 Stunden Material handelt, war er schon weniger begeistert. Ich hatte gleichzeitig einen weiteren Kurs gefunden, der beim Umgang mit Konflikten helfen soll. Dieser dauert nur eine Dreiviertelstunde und wir haben uns die erste Session davon tatsächlich schon angeschaut. Leider ist der Dozent grottig, aber R war nicht der Meinung und ich nehme, was ich kriegen kann. Nach zehn Minuten war sein Kontingent an emotionaler Arbeitskraft jedoch erschöpft; seither macht er keine Anstalten, an einem der Kurse weiterarbeiten zu wollen, und ich darf weiter in Panik vor mich hinexistieren; diese wird bleiben, bis entweder Verdrängung oder Veränderung eintritt. Wenn er die Zeit oder den Aufwand nicht aufbringen möchte, für Letzteres zu arbeiten, kann ich nur zurück in Ersteres flüchten.

Maybe this will help.

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Unfassbar – ich habe es geschafft: eben war ich bei der Ärztin und habe mir Medis verschreiben lassen. Es hat einen Anruf, einmal Bergrunterfahren und ein äußerst angenehmes Gespräch gebraucht, um an das Rezept zu gelangen. Beim besten Willen also nichts, das das Vermeidungsverhalten rechtfertigen würde, das mich in diese Lage überhaupt erst gebracht hat.

Die Apotheke bekommt sie heute Nachmittag geliefert. Nachdem die völlig frustrierte Apothekarin mir erörtert hat, dass Großbritannien gerade brexitbedingt Medikamente hamstert sowie eine Starkstromleitung durch de Eurotunnel verlegt, um Strom aus Europa beziehen zu können, kann ich mich augenscheinlich glücklich schätzen, den Stoff überhaupt zu bekommen. Es wäre schon bitter gewesen, wenn zu allen fatalen Auswirkungen dieses politischen Desasters auch noch mein Suizid hinzugekommen wäre.

Nuja, erstmal abwarten, ob Escitalopram den entscheidenden Faktor darstellt, der meinen Geisteszustand wieder geraderückt.

Gestern um diese Zeit…

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Frisch geduscht sieht alles besser aus. Nicht nur ich selbst, auch wenn die Besserung an meinem eigenen Beispiel am deutlichsten sichtbar wird.

Auch dass mein Klärungsversuch gestern Abend nur so semi-gut aufgegangen ist und R sogleich aufs Anschaulichste demonstrierte, dass er nicht wirklich etwas von dem begriffen hatte, um das ich ihn gebeten hatte, indem er zum unpassendsten Zeitpunkt und auf die unangemessenste Art und Weise mal wieder seine Unzufriedenheit mit dem Monodasein verkündete, ist etwas besser auszuhalten. Dabei hat die Dusche geholfen un Becci, die mir heute und gestern in Gesprächen der Sorte zur Seite stand, die ich früher öfter geführt habe und deren Wert mir schon gar nicht mehr wirklich bewusst war. Wann habe ich aufgehört, meine Freunde um Hilfe zu bitten?

Nunja. R scheint der Meinung zu sein, dass mein Sozialleben zu wünschen übrig lässt, und forderte mich gestern auf, mir mehr Freunde zu beschaffen. Wohl in der Annahme (wie Becci heute richtig feststellte), meine Ansprüche an ihn als Partner würden damit zurückgehen. Er hat es nicht so ganz durchblickt.

Nun schreibe ich mit Williams, meinem sehr anhänglichen bolivianischen Kumpel. Er gib sich nicht mit einem groben Lagebericht zufrieden und hat darauf bestanden, dass ich ihm Einzelheiten erzähle. Eigentlich habe ich wenig Lust darauf, denn er kennt mich kaum und R überhaupt nicht. Was soll das bringen?

Oh well. Williams mit seiner Latino-Mentalität wird nun auch nichts weiter tun als R aufs Übelste verteufeln, was mir halt auch nicht hilft.

Oh, worauf habe ich mich eingelassen? Jetzt darf ich Williams das Konzept Polyamorie erklären. Aaaah, ich wollte doch eigentlich nur kurz schreiben, damit  er sich nicht vergessen fühlt.

Na gut, das wurde eine längere Unterhaltung. Jetzt aber ist sie zu Ende – der liebe Williams, so eine gute Seele – und gleichzeitig habe ich von Kepa in Aussicht gestellt bekommen, in seinem zukünftigen gegenwärtigen Baserri wohnen zu dürfen. Zwar gehe ich einfach mal davon aus, dass sein Angebot von vor ein paar Jahren nicht mehr steht, dem zufolge ich jegliche Mietschulden durch Baumumarmen hätte begleichen können, aber da findet sich ein Weg.

Das war gerade einfach zu hundert Prozent unerwartet und kam gleichzeitig so exakt zum richtigen Zeitpunkt.

…Schrieb’s, fing an zu gitarrieren, wurde von Simones Anruf abgelenkt und bemerkte einen Tag später, das der Eintrag unvollendet war. Ich habe inzwischen die Verdrängung ihr Handwerk verrichten lassen, bin so gut wie wieder hergestellt und keinen Schritt weiter, aber was soll’s. Erstmal ist es mir wichtiger, am Leben zu bleiben.

4-Uhr-Krise

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Es wird mal wieder spannend.

Meine aktuelle Lage sieht aus wie folgt.

(Das gestaltet sich jetzt schwierig, weil mein Hirn voller Matsche ist. Andererseits ist das Teil der Lage, also warum nicht damit anfangen.)

Mein Hirn ist voller Matsche.

Okay, ich muss aufhören, das so platt auszudrücken.

Eigentlich ist mein Hirn randvoll mit Gedankenfetzen, die sich allesamt nicht richtig greifen lassen. Ich wurde um vier Uhr wach, als Simone aufs Klo ging, und habe es in der darauf folgenden Periode von zweieinhalb Stunden irgendwie geschafft, mich selbst in einen schätzungsweise präsuizidalen Zustand zu versetzen und R in völliger Ungewissheit zur Arbeit gehen lassen, weil es mir auf sein Nachfragen hin partout nicht gelingen wollte, auch nur ein Wort zu äußern.

Aber versuchen wir das von vorne. Naja, zumindest so weit von vorne, dass halbwegs nachzuvollziehen ist, wie wir hier gelandet sind.

Dass ich auf Medi-Entzug bin und mental am Rad drehe, ist bekannt.

Den Rest kann man ungefähr so zusammenfassen, dass wir beim Abendessen die Doku über Ginger Baker (begnadeter Musiker, krankhaft selbstzentriert, viermal verheiratet – Beware of Mr. Baker, sehr zu empfehlen) angesehen haben und sich währenddessen bei mir die Gewissheit manifestierte, dass R charakterliche Parallelen zu ihm aufweist, was ernsthafte Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Fortbestehens unserer Beziehung auslöste bzw. verstärkte. Diese an sich nicht unbekannte Anwandlung wiederum intensivierte sich, als 1) R auf der Hälfte aufstand, um weiter programmieren zu gehen, 2) Simone und ich uns im Anschluss darüber unterhielten, dass sich Menschen dieser Art niemals der vollständigen Tragweite ihres Arschlochtums bewusst werden, da es zeit ihres Lebens immer Leute geben wird, die – von ihrem Charisma geblendet – sie zu ertragen versuchen und damit in ihrem Verhalten bestätigen, und 3) R, als ich ins Bett ging, ins Wohnzimmer umzog, um dort weiter zu programmieren, nachdem wir den Tag über praktisch noch kein Wort gewechselt hatten. Ich habe dann tatsächlich zu ihm gesagt, „ich glaube, wir müssen uns morgen mal unterhalten“, bin aber schlafen gegangen, ohne das weiter auszuführen. Nicht dass es ihn wahnsinnig gejuckt hätte.

Fast forward to 4 am: ich werde wach und fange an, darüber nachzudenken, was ich überhaupt genau möchte, was mir fehlt und wie ich dies R begreiflich machen soll. Sogar ein halbes Lied habe ich geschrieben, das leider zusammen mit allen anderen etwaigen Erkenntnissen im Nebel verschwunden ist. Ich habe dann aus irgendeinem unerfindlichen Grund mein Handy genommen und in meinen Facebook-Nachrichten nach Şahins Verlauf gekramt, mir diesen in (zum Glück überschaubarer, da andere Kommunikationswege bei uns gebräuchlicher waren) Gänze zu Gemüte geführt und mir dabei gedacht, dass ich es ihm in der Tat nicht sonderlich verübeln kann – retrospektiv – , dass er am Ende nach dem Drama keinen Bock mehr hatte, sich mit mir weiter abzugeben. Dann dachte ich mir, dass dafür, dass mir emotionale Verbindungen so wichtig sind, mein Leben eine ziemlich lückenlose Reihe an Fails darstellt. Dann dachte ich noch, „ich kann nicht schon wieder versagt haben“. Ich war mir mit einem Mal gewiss, auf der Welt ganz und gar alleine zu sein. Wie gern hätte ich jede Selbstbeherrschung in den Wind geschossen, angefangen, laut zu heulen, und zu R neben mir gesagt, „bitte hilf mir“. Dabei hätte ich ihm nicht mal erklären können, wobei.

Irgendwann ging Simone aus dem Haus; ihr Bus fuhr um zwanzig nach sechs. Ich musste aufs Klo. Als ich wiederkam, fragte mich R, dessen leichter Schlaf vermutlich zuerst durch mein ständiges Bewegen und dann Simones Rausgehen gestört worden war, ob alles okay ist. Zu dem Zeitpunkt war mein Kopf ein einziger Brei. Alles darin schrie und hämmerte durcheinander. Und alles darin wollte nichts weiter als raus. Aber wie das so ist in einer Paniksituation, am Ende schafft es niemand, weil die Fluchtwege verstopfen. In meiner Unfähigkeit, irgendetwas zu äußern, konnte ich zunächst gar nicht reagieren. Die letzte verbleibende vernünftige Stimme in meinem Kopf wies mich jedoch darauf hin, dass ich gefälligst zu antworten hätte. Also artikulierte ich: „Nicht wirklich, aber wollen wir das heute Abend besprechen? Du willst lieber noch ein bisschen schlafen.“

Okay, das war nun nicht, was ich eigentlich sagen wollte. Keine Stunde zuvor hatte ich so viele konstruktive, strukturierte Dinge mitzuteilen, dass ich am liebsten sofort damit angefangen hätte, ungeachtet der Uhrzeit und des sich zu dem Zeitpunkt noch in der Wohnung befindlichen Besuchs.

Hätte ich nur. Nun dagegen hing ich stumpf am Handy und beschäftigte mich mit Wordscapes, bis R irgendwann fragte, was los sei. Und, es ist zu absurd, ich konnte nichts sagen. Kennst du das, wenn du innerlich am Sterben bist und dir nichts sehnlicher wünschst, als dass dich jemand fragt, was los ist, und dann geschieht genau das und du kannst einfach nichts sagen. Zum einen sind keine Wörter mehr da. Auf einmal ist alles einfach weg. Und zum anderen sind selbst die vagen Vorstellungen von dem Chaos, das eben noch allgegenwärtig dein Denken terrorisiert hat, ganz und gar ungreifbar. Ich war vollkommen in mir selbst eingesperrt. Ich war nicht in der Lage, zwischen Innen und Außen auch nur die geringste Verbindung herzustellen, als wäre einfach die Ausfahrt blockiert. Nichtmal blockiert, einfach weg. Als wäre ich nicht nur von außen verschlossen, sondern als wäre mit einem Mal das Schloss einer glatten, undurchlässigen Wand gewichen.

Und noch dazu, selbst wenn ich hätte reden können, hätte ich vor der Aufgabe gestanden, zu selektieren, was von dem Salat dafür qualifiziert gewesen wäre, ausgesprochen zu werden. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn ich hatte keine Ahnung mehr, was von dem Spuk echt war und was Produkt meiner überquellenden Paranoia.

Nach einer Weile gelang es mir, R zu sagen, dass ich Salat im Kopf hatte. Ich sagte, ich würde sehr gern kommunizieren, aber es sei schwierig. Es war mir unwahrscheinlich wichtig, zumindest insoweit ihm entgegenzukommen, dass er das erfuhr. In dem Moment klingelte sein Wecker und übertönte vermutlich Teile meiner Äußerung, aber ich hatte meine gesammelten Reserven dafür verbraucht und konnte nun nichts weiter tun als regungslos dazuliegen und mich selbst zu verachten, während er aufstand und dabei feststellte, dann würde er es eben nicht vor 21 Uhr erfahren.

Während er sich fertigmachte, erwog ich meine Optionen. Darunter: Becci anrufen, um von ihr Input irgendeiner Art zu erhalten, der dafür sorgt, dass ich den Tag überstehe. Genau genommen sah ich dies als einzige Option. Mir wurde bewusst, dass ich außer Becci niemanden anrufen könnte. Statt Becci zu belästigen, habe ich dann allerdings mein Handy dafür genutzt, mir Marketa Irglovas The Hill anzuhören, was mich komischerweise etwas beruhigte. Dann stand ich auf. Sieben Uhr. Nun bin ich hier.

Heute ist Lauras Geburtstag. Hätten wir noch Kontakt, würde sie vermutlich den vorliegenden Eintrag als wunderbares Zeichen meiner wiederaufflammenden Abgefucktheit und großartiges Geschenk betrachten, das meiner lahmen Existenz mal wieder etwas Pep verleiht. Aber ehrlich gesagt, so weit davon entfernt bin ich meistens gar nicht. Es hängt alles daran, was man ausspricht und was nicht.

Eigentlich ist mein Hirn ziemlich klug, im Angesicht der schwerwiegenden Konsequenzen von einmal Gedachtem (und erst recht einmal Gesagtem) die Grenzen so überaus gründlich zu bewachen.

Feelings, my old friends.

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Ich bin dann mal wieder da. Sogar schon seit Montag Mittag, aber ein unglücklicher Zusammenfall mehrerer erschwerender Umstände setzte mich nach meiner Rückkehr erstmal für ein paar Tage komplett außer Gefecht. Jetzt ist die Zeit gekommen, sich der Welt ein Mal mehr erhobenen Hauptes entgegenzustellen. Ich hab’s vorhin schon ausprobiert und es geht tatsächlich, sein Haupt hoch zu erheben, auch während man von escitalopramentzugsbedingten Heulattacken geplagt wird.

Mir sind meine Medis während des Urlaubs ausgegangen, was abzusehen war, aber dank meiner grenzenlosen Unfähigkeit habe ich es weder zuvor noch währenddessen geschafft, mir ein neues Fläschchen zu besorgen. Es hätte so einfach sein können… denn der Ausschleichprozess lief ganz hervorragend. Wirklich, ich hatte mich so schön vorsichtig auf drei Tropfen runtergearbeitet und dabei gar nichts gemerkt. Bis sie dann halt dann auf einmal überhaupt nicht mehr da waren.

Nun stehe ich vor dem Dilemma, dass ich einerseits ja wieder daheim bin und diesen Zustand im Nullkommanichts einfach beenden könnte, indem ich mir unten in der Praxis ein gowaiverdammtes Rezept beschaffe und mir meine drei Tropfen einflöße, dafür aber andererseits zu stur bin und selbst gefühlte dreißig Brainzaps pro Minute und die entsetzlichste emotionale Hölle nicht auszureichen scheinen, mich zu diesem banalen Schritt zu bewegen.

Es sind auch tatsächlich die körperlichen Nebenwirkungen – Matschkopf, Übelkeit und dergleichen mehr – schon größtenteils zurückgegangen, bis auf die Stromschläge eben, die ja aber auch im Grunde mehr nerven, als dass sie wirklich schaden. Auch meine Konzentrationsfähigkeit ist mittlerweile (glaube ich) wieder vorhanden.

Naja. Ich würde sagen, wir beobachten das jetzt nochmal ein paar Tage und richten uns danach, ob eine Besserung im psychischen Bereich zu beobachten ist. Der erste Schritt dafür ist getan, schließlich sah ich mich heute bereits in der Lage, eine To-Do-Liste zu schreiben, die Sonnenlichtlampe aus dem Schrank hervorzukramen und während des Frühstückens in Gebrauch zu nehmen (höchste Zeit für Licht bei diesem Dauerregen, der R zufolge seit meiner Wegfahrt anhielt und heute erstmals eine Pause einzulegen scheint) und kleine Dinge im Haushalt zu erledigen. Da Becci heute Nachmittag zu mir kommt, bin ich auch mehr oder weniger gezwungen, meine Liste zu befolgen, und kann nicht schon wieder beim Zocken versacken. Man wird sehen, wie gut das funktioniert.

Travels & Tomatoes

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Es wird kalt draußen. Heute Früh habe ich die Mützensaison eingeläutet, um ohne schmerzende Ohren bei der Therapeutin anzukommen. Umso froher bin ich, dem Winter erstmal noch ein wenig entfliehen zu können – wenn alles gut geht, bin ich morgen um diese Zeit in Porto und nachmittags schon im Bus auf dem Weg nach Santiago.

Becci hat mich mit Panik infiziert, dass wir den Flug verpassen, weil ich recht knapp erst am Flughafen sein werde – aber besser quäle ich mich mitten in der Nacht zum Fernbus und komme kurz vor knapp erst an als heute Nachmittag schon mein ganzes Zeug zu Marthe mitzuschleppen und von dort aus erstmal zu Becci zu fahren, um mich dann mitten in der Nacht aus dem Bett in den Zug zum Flughafen zu quälen. Zumal wir bereits online eingecheckt sind, kein Gepäck aufgeben müssen und uns immerhin vom Zeitpunkt meiner Ankunft an eine halbe Stunde bleibt, um zum Gate zu kommen.

Ich habe zu großen Teilen bereits gepackt und kümmere mich nun um die letzten Erledigungen. Ein Rundgang über meine Terrasse hat dazu geführt, dass ich eine der letzten Chancen ergreifen konnte, endlich mal Fotos von meinen Tomaten zu machen. Die ganze Zeit war ich zu dumm, daran zu denken, bevor ich sie ernte.

Es ist doch zu ironisch: jetzt, wo ich weggehe, scheinen sich meine Pflänzchen zu einem letzten Aufbäumen vor der Kälte entschlossen zu haben. Diverse Nachzügler und Spätgesäte fangen an zu blühen, sogar der Zieringwer und die Physalis, von denen ich schon dachte, dass sie dieses Jahr einfach aussetzen. Und nun bin ich weg und muss es R aufs Dringlichste einschärfen, dass er meinen blühenden Zieringwer fotografieren muss und ebenso die Wildblumen, damit ich irgendwann noch erfahre, was ich da eigentlich gesät habe. Zum Glück habe ich in Anbetracht des sich fortwährend verschlimmernden Zustandes seines Handys neulich beschlossen, seinen Geburtstag vorzuziehen, und ihm sein Geschenk (sprich, sein neues Handy) schonmal überreicht. So dürfte dem wenig im Wege stehen, von einem gewissen Motivationsmangel mal abgesehen.

Da nun so schön viele Fotos von Tomaten existieren und ich mich vor Längerem schon entschieden habe, dass es mir unmöglich ist, diese zu bestimmen, folgen nun fünf Sorten ohne genaueren Plan.

61 – 65

Tomate 1 (Solanum lycopersicum – Solanaceae)
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Tomate 2 (Solanum lycopersicum – Solanaceae)
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Tomate 3 (Solanum lycopersicum – Solanaceae)
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Tomate 4 (Solanum lycopersicum – Solanaceae)
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Tomate 5 (Solanum lycopersicum – Solanaceae)
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Leider waren es dieses Jahr nicht so viele Tomaten wie das Jahr zuvor, und irgendwie kommt alles dieses Jahr etwas spät (insbesondere was sich die Physalis gedacht hat, würd‘ ich gern wissen; als hätte sie nun noch die Gelegenheit, gescheit Früchte auszubilden), aber ich möchte und kann mich nicht beklagen. Nicht nur schätze ich mich glücklich, überhaupt die Möglichkeit zu haben, einen Balkon von diesen Ausmaßen zu besitzen. Meine Lieblingsnachbarn haben sich in der Straße gegenüber ein Grundstück gekauft, auf dem sie langfristig ein Haus zu errichten planen, und ich habe schon das OK von Marketa bekommen, den Garten mitzubenutzen, den sie so bald wie möglich anlegen wollen. Das wird sensationell. Endlich Platz für Kürbisse, Melonen, Zwiebeln, Hülsenfrüchte und vielleicht sogar Mais! Whoop!

Und on this wonderful note verlasse ich dich, um weiter meinen Urlaub vorzubereiten. Laister arte.

Schlimme Verluste

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Gestern war’s der Capo, heute bin ich mein Handy los – das habe ich gestern nach der Einkaufstour beim Aussteigen aus Wolfgangs Auto unter dem Sitz fallen lassen. Erinnert mich an damals, als mir das Gleiche bei einer Mitfahrgelegenheit passiert ist, ich mich in der Folge spät abends handylos am Heidelberger, später am Bruchsaler Bahnhof herumgetrieben habe und es eine Zugfahrt ins Ruhrgebiet mit einem Menschen zu koordinieren gab, auf dessen Festnetz von der Telefonsäule aus anzurufen mir nicht sehr angenehm erschien, weil seine Freundin zu dem Zeitpunkt nicht gut auf mich zu sprechen war. (Hi, Caro – lang ist’s her. :D)

Zwar bin ich heutzutage um ein Vielfaches handyabhängiger als damals, aber zum Glück sitze ich zu Hause, muss mich mit niemandem absprechen und bekomme das gute Stück auch vermutlich im Laufe des Tages noch wieder. Und jeder, dem ich noch Antworten schuldig bin, wird sich entweder gedulden müssen oder eine Facebooknachricht bekommen.

Es hat sich trotzdem gelohnt, gestern Abend loszuziehen. Ich habe endlich wieder Essen im Haus! Besonders glücklich bin ich auch darüber, dass ich vier Packungen Putenherzen bekommen habe, von denen das erste bereits vorhin enthusiastisch von der Katze vertilgt wurde. Score!

Die Ernährung der Katze wird sowieso immer cooler. Eine Arbeitskollegin von R, die Hobbyfalknerin ist, hat ihm neulich angeboten, uns relativ günstig Küken zu verkaufen (tote, wohlgemerkt). Ich habe ihn dann gebeten, sich mal probeweise ein paar mitgeben zu lassen, und siehe da, nach einem Lernpozess von einem halben Tag hatte selbst unser unterbelichtetes Haustier, das von seiner Beute zeit seines Lebens nur das Innere zu Gesicht bekommen hatte, verstanden, dass man diese Viecher mit der Verpackung essen kann. Jetzt bekommt sie bald Küken in regelmäßigen Abständen. Und nun, da sie weiß, wie man damit umgeht, bleibt es mir auch erspart, Küken am Fuß von meiner Hand baumelnd vor ihr zappeln zu lassen, um ihren Jagdinstinkt zu wecken. Sagen wir so: R war dankbar, dass ich das übernommen habe. Ich glaube, er ist da ein kleines bisschen empfindlicher als ich. Was eigentlich ironisch ist, wen man bedenkt, dass er für lebendige Tiere weitaus weniger übrig hat als ich.

Nun hat mir Wolfgang gerade geschrieben, dass er mein Handy gefunden hat. Yes! Und er bringt es mir sogar nachher vorbei.

Gut, dann kann ich mich jetzt ja beruhigt der Versorgung der restlichen Schätze widmen, die ich gestern ergattert habe. Wobei ich vorbildlich schon einen Großteil davon verstaut habe und nur noch der letzte Rest auf mich wartet.

Ach, ich mag mein Leben. Die Sonne scheint. In einer Woche fahr ich schon wieder in den Urlaub. Und irgendwann hab ich einen Garten und eine Wohnung mit mehr Licht.

Be Yourself. No One Else Wants To Be You.

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Ich habe meinen Capo verlegt. Das ärgert mich gerade sehr, denn ich wollte lernen, ‚The Way I Tend to Be‘ von Frank Turner zu spielen, und das wird ohne Capo… schwierig. Überhaupt beunruhigt es mich, nicht zu wissen, wo das Teil abgeblieben ist, besonders in Anbetracht der momentan äußerst aufgeräumten Lage hier in der Wohnung. Aber irgendwo muss er ja sein.

Nun möchte ich zur Abwechslung mal wieder was für mein Balkondschungel-Bestimmungsprojekt tun. Hier sind fünf überfällige Pflänzchen:

56 – 60

Wunderblume (Mirabilis jarapa – Nyctaginaceae)_DSC0092

Glockenblume (Campanula carpatica – Campanulaceae)
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Große Brennnessel (Urtica dioica – Urticaceae)_DSC0107

Physalis (Physalis peruviana – Solanaceae)
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Floh-Knöterich (Persicaria maculosa – Polygonaceae)
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So, jetzt fühle ich mich besser. Typisch, mich davon schon wieder so grandios selbst-fremdbestimmen zu lassen.

Naja, jetzt habe ich gerade noch ein paar Nachrichten beantwortet und mir somit noch einen Teil der zu erledigenden Aufgaben von den Schultern genommen. Es fehlt nur noch Sebi, dem ich eine Sprachnachricht schicken muss (Schrägstrich möchte).

Das wäre doch eine hervorragende Gelegenheit, zu berichten, dass mich Sebi vor ein paar Wochen besuchen kam, wir ein überragendes Wochenende mit Musik und Gesprächen verbracht haben und seitdem in regem Kontakt stehen. Ich find’s wahnsinnig schön, denn ich mochte ihn schon immer sehr gern und konnte aber damals – sowohl eigenverschuldet wie auch durch mangelnde Kooperation seinerseits -, obwohl wir uns durch die Badnproben regelmäßig gesehen haben, keine zwischenmenschliche Basis mit ihm finden. Aber das Gefühl ist jetzt fast das gleiche wie mit Becci damals. „Endlich, so sollte es doch immer schon sein.“

Und oh, was tut es gut, sich mit ihm zu unterhalten. Ich brauche mehr Gefühlsmenschen in meinem Umfeld. Dadurch, dass R für Emotionsgedöns so rein gar nicht empfänglich ist und ich das aber benötige wie Luft zum Atmen, ist dieser Teil von mir ein bisschen (ziemlich) ausgehungert und über jede Möglichkeit dankbar, sich mit gleich oder zumindest ähnlich Gestrickten auszutauschen. (Ich müsste mal Sebi und Becci in einem Raum versammeln. Das dürfte der reinste Overkill werden.)

Ah. Weiteres To-Do: Sebi die Aufnahmen von besagtem Wochenende schicken. Das könnte ich wirklich mal machen.

Und dann die Steuererklärung. Argh.

Zuvor möchte ich noch kurz anmerken, dass ich das Wochenende anlässlich des Geburtstags von R’s Bruder bei dessen Familie verbracht habe und wie bereits das letzte Mal mit dem Vorsatz zurückkam, in dieses Schlangennest keinen Fuß mehr zu setzen. Nun habe ich aber heute mit der Therapeutin darüber gesprochen und sie räumte ein, was ich mir selbst schon gedacht hatte – nachdem sich R nun dazu entschlossen hat, demnächst auch mal darauf zu achten, seine eigenen Werte seinen Eltern gegenüber  durchzusetzen, sollte ich ihn damit nicht allein lassen.

(Was ist denn nun schon wieder passiert? Also gut. Ich nenne es mal den Englisch-Fischstäbchen-Vorfall. Das wäre dann der Moment, in dem mich jemand dafür anblafft, dass ich mich kurz mit meinem Freund auf einer Fremdsprache unterhalte, während mir ein Teller mit Fischstäbchen vor die Nase gestellt wird, den ich als Vegetarierin dankend ablehne und an R’s Schwester weiterreiche, um dann zu beobachten, wie R, der last time I checked außerhalb unseres Containertarierhaushaltes noch konsequent vegan unterwegs war, seine Portion ohne ein Wort verdrückt, statt meine Vorlage zu nutzen und eventuell auch mal einen Ton von sich zu geben… du musst dir diese Abstrusität vorstellen, zum einen – nicht mal unberechtigt, aber oh, in welchem Ton! – Respekt meinerseits einzufordern und zeitgleich aber kein Problem damit zu haben, meine Wertvorstellungen demonstrativ mit Füßen zu treten.

Und bevor einer fragt – ja, die wissen, was wir essen und was nicht. Ich kam vor fünf Jahren als Vegetarierin/Containertarierin in diese Familie, R’s Veganismus besteht noch länger. Und während ich nicht darauf bestehe, dass jemand für mich in eine Mülltonne klettert, und mich dahingehend zwar ungern, aber selbstverständlich als Gast an die Gebräuche anderer Haushalte anpasse, ist ein Mindestmaß an Entgegenkommen meiner Ansicht nach sehr wohl angebracht. Zumal diese Begebenheit symbolisch für eine unendliche Reihe weiterer derartiger Vorfälle steht.)

Uff. So. Jetzt sollte noch der kurze Auftrag in Angriff genommen werden, den ich vorhin angenommen habe. Und dann das Steuerzeug. Aber das geht ja zur Not auch morgen noch.